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Fulda, Samstaa den 26.

M 247.

„Wo ist sie?" Kurt.

„Sie ist zum Mutter und ter

rung.

Seitdem nun in Deutschland der Termin­handel in Getreide verboten ist, haben wir viel ruhigere und konstante Preise. Aber die volle Börsenfreiheit führte zu ganz unerträg­lichen Zuständen: So konnte es kommen, daß an den Getreidebörsen in Berlin, Wien und New-Nork an „Papier"weizen und „Papier" rog- gen jahrweise Mengen im Terminhandel umge- setzt wurden, die das Vielfache der gan­zen Jahresernte der Erde betragen; daß der Umsatz im Kaffeeterminhandel in Ham­burg, Havre und Antwerpen 1888 über 33,5 Mill. Sack Santokaffee betrug, während, sich die wirkliche Ernte nur auf 3,5 Mill. Säcke belief. Es steht im Zusammenhang mit dieser künst­lichen Beeinflussung der Preise durch Scheinunr-

Fri^chof, um das Grab der Brüder zu schmücken; es ist Sie ist schon geraume Zeit

HotattewsOrsd * Verlag Ott znldaer Mc. ttenOr idtrti in JnlO#. HrrntpreHtr Ur.».

Quantum noch vorher zu einem niedrigeren Preise aufkanfen zu können; z. B. verkaufen sie im Mai auf Ende Oktober zu 180 dl, um im August zu 150 dl aufkaufen zu können; sie müs­sen' also die Preise drücken, spekulieren „in die Tiefe". Bei diesen Kaufgeschäften hat sich im­mer mehr die Hebung herausgebildet, nicht den gesamten Kaufbetrag zu zahlen, sondern nur die Preisdifferenzen; wer 1000 Tonnen Getreide zu 160 dl auf Oktober kaufte, der Preis aber im Oktober auf 150 dl steht, so zahlt er nicht die 160 dl, sondern nur die Differenz zwischen sei­nem Preise und dem tatsächlichen, also 160—150 dl = 10 dl pro Tonne und für 1000 Tonnen 10 000 dl, die er verloren hat. Man nennt solche Geschäfte, wo die Ware selbst nicht geliefert wird und man nur die Differenz zwischen beiden Prei­sen bezahlt, Differenz- oder Blanko- Termingeschäfte. Es gibt aber auch Ter­mingeschäfte, bei denen sich die Lieferung der Ware wirklich vollzieht. Wenn z. B. die Ge­treidepreise steigen, so werden sich die Getreide- Händler bemühen, aus einen späteren Termin zu verkaufen, um sich vor dem Nachteile eines in der nächsten Zeit eintretenden Preisfalles zu sichern. Müller aber werden in einer Zeit der niedrigen Getreidepreise Vorräte im Wege des Zeitaeschäftes (Lieferungsgeschäftes) sich zu be- s laffen suchen, um sich vor der Preissteigerung zn schützen; ähnliche Geschäfte schließen Kaufleute in Kaffee. Zucker, Tee usw. ab. Bei diesen Ter- mingeschäften, wo tatsächlich geliefert wird, bil­det das Geschäft eine Art Versicherung gegen Hobe Preisschwankungen, eine Art Versicherungs­anstalt, um das kaufmännische Risiko zu vertei- len und nicht allein tragen zu müssen. Solche Geschäfte kann man ruhig bestehen lassen, sie sind mit dem ganzen Wirtschaftsleben eng ver- hr den.

:: Dir Größe und Krschlksimheit der KchMen WeitmischmiMK.

Was heißt denn das — Weltanschauung? Je nun, darunter versteht man eine Lehre, die dem Menschen die Welt, das Dasein verstehen lehrt, die ihm Antwort geben will und soll auf jene Fragen, die ewig den Menschengeist und das Menschenherz nicht zur Ruhe kominen lassen, die Fragen: Von wannen kommt der Mensch? Wohin geht er? Was soll er auf dieser Erte? Was ist Sinn und Zweck des Men­schenlebens? Ist der Mensch nur eine Etntags-

LrschtKt »glich

»nähme der Son» nnOStietlogt. Viertel« Mtt.vezngeprei, ohne Bringest chn eeO vtiteügeldwznkaund anrwärtr; Mk. öv psg-

Einen anderen Charakter tragtaber der Blankoterminhandel, der 1896 in Ge- treite und Mühlenfabrikaten verboten worden ist; hier handelte es sich auch um ern Zeitgeschäft, aber ohne Lieferung der Ware ohne daß solche vorhanden ist oder daß man auch nur eme bestimmte Qualität kauft. Man kauft hwr nicht bestimmte Serien und Nummern eines Wert- oapieres, sondern nur eine bestimmte Anzahl derselben; man kauft und verkauft nicht 8- B. 1030 Tonnen eines bestimmten Vorrates von Weizen oder Weizen einer bestimmten Herkunft (russischer, argentinischer usw.), sondern man handelt einfach über 5 000 Tonnen Weizen un- bekümmert, wo er wächst, unbekümmert um ferne Güte. In der Regel ist er noch gar nicht gewachsen; Hagel und Mißernte können ihn vernichten, seine Qualität verschlechtern, tut alles nichts zur Sache, es wird doch über ihn gehandelt. Man kauft und verkauft,mit grö­ßeren Mengen, als die Ernte ie er $ en­gen kann. An der Börse ist nur eme bestimmte Mustersorte (Typen) vorhanden und diese wird dem Handel zugrunde gelegt. Die Erfahrung aber hat gelehrt, daß diese Sorte eme Schunb» wäre ersten Ranges ist, die man z. B. bet Getreide gar nicht verwenden kann, die aber ge­eignet ist, die Preise ter Derminware sehr zu drücken und damit den Getreidepreis überhaupt tief zu halten. Es ist daher leicht zu begreifen, daß in diesen Geschäften sich große Mangel etn- schleichen, daß die Beteiligten namentlich auf ganz unerträgliche Preisschwankungen hinarbet- ten, um ihre „Geschäfte" machen zu können. Nur ein Paar Zeilen sollen dies beweisen.

In Chikago, dem vielleicht größten Termin­markt der Welt, stieg im Jahre 1888 der Wetzen- preis von April bis September um 281,6 Proz., um im Jahre 1889 von Februar bis Juni wieder um 144 Proz. zu fallen; im Jahre 1893 fiel er von April bis Juli um 162,9 Proz., 1895 stieg er von Februar bis Juni um 165,3 Proz. ^n Ber­lin gelang es 1891 der Hausse-Partei, den Rog­genpreis von 180 auf 255 dl zu treiben, tootauf er im Jahre 1892 wieder auf 130 dl sank. In den Jahren 1879/80 schwankte der Nog- qenpreis an der Berliner Börse zwischen 120 unb 216 dl, 1881/82 zwischen 216 und 134 dl. >?m Jahre 1895 gelang es einigen Baisiiers, der Rog­gen derart zu „werfen", daß Roggen an der Ber­liner Börse pro Tonne in der Zeit von Ium bis November niedriger notierte: um 34 dl gegen München, um 29 dl. gegen Wien, um 28 dl gegen Pest, um 16 dl gegen Paris, um 11 dl gegen Lübeck, um 10 dl gegen Stettin, um 8 dl gegen Amsterdam, im Durchschnitt um ,19 m gegenüber dem Weltmarktpreis. Die künstlich^. Hausse in Getreide, die durch die Treibereien eines Chicagoer Spekulanten (Leiter) im Früh­jahr 1898 veranlaßt worden ist und in einzelnen europäischen Stowten zur zeitweisen Aufhebung der Getreidezölle geführt hat (so in Frankreich, ' Italien, Spanien), sind noch in frischer ©rinne­

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Jetzt öffnete sich die Türe und ein Mädchen von 10 bis 12 Jahren trat ein. Man brauchte nur einen Blick auf das Angesicht der Kleinen zu werfen, »welches, nun sie den Hut abgelegt, nicht mehr beschattet war, und man erkannte in ihr Käthchens und Pauls Tochter. Waren es doch Pauls tiefblaue Augen, Pauls Züge, und Käthchens goldfarbenes Haar, welches sie schmückte.

„Kommst Du allein, mein Kind? Wo bleibt Martha?" fragte der alte Herr die Einfretende.

„Martha hat mich fortgeschickt, damit Du nicht so lange allein sein solltest," antwortete diese. „Sie will noch einige „Vater unser" beten."

„Komm einmal her zu mir, Helene," redete Kurt sie an, „Du kennst mich wohl nicht mehr? Du warst nocki ein recht kleines Mädchen, als ich Dich zuletzt gesehen."

„Nein, ick kenne Sie nicht," erwiderte sie, in­tern sie ihre Hand in Kurts dargereichte Rechte legte und ihn offen ansah.

„Ich bin Tein Onkel Kurt, hast Du diesen Namen schon gehört?"

„Der Onkel Kurt, von dem Martha wir er­zählt, und der die schöne Dame geheiratet hat? fragte sie.

„Derselbe, mein Kind," sagt er, mit der Hemd das üppige Haar Helenes streichelnd, um die Er­regung zu verbergen, welche sich bet den Worten der Kleinen seiner bemächtigte.

„Wie und wo befindet sich denn Ihre Frau Gemahlin?" fragte Herr Schmidt.

„Sie ist seit langer als einem Jahre gestor­ben. Dock, wenn Sie erlauben, gehe ich zum Friedhöfe, Martha abzuholen."

Und ohne eine Antwort abzuwarten, nahm er seinen Hut und eilte hinaus. Rasch hatte Kurt den ihm wohlbekannten Weg vom Städtchen zum Gottesacker zurückgelegt. Die Gröber waren all» mit Kränzen und Herbstblumen geschmuckr und manches Gebet stieg heute für teure Tahmge- tchiedene zum Himmel empor. Der dichte Nebel, welcher den Tag über auf Busch und Baumen gelagert hatte, löste sich jetzt bei einbrechender Dämmerung auf und fiel als feiner Sprühregen nieder: Dazu erhob sich ein kalter Wind, der di« meisten Beter vom Gottesacker verscheuchte.

Nur da drüben an dem Grabe, welches so zierlich mit PerlenkrLnzen, Laubgewinden und weißem Sand geschmückt ist, kniete noch eme ein­same Beterin. Sie konnte sich nicht trennen von diesem ihr so lieb gewordenen Pfatze: war es doch der einzige auf der großen, weiten Welt, wo st« sich ungestört und ungesehen auswemen konnte. Der kranken Mutter mußte sie ihren Herzens- kummer verheimlichen, der toten durste sie wc un­ermeßliches Leid klagen und bet ihr Trost suchen.

Kurt erkannte sie schon von weitem, schritt durch das abgefallene Laub der Baume auf sie zu und kniete neben ihr hin. Martha hatte bie sich eilig nahenden Schritte Wohl gehört, in der Meinung aber, es fei noch ein später Besucher irgend eines Grabes, sie nicht weiter beachtet. Als dieser an ihrer Seite kniete, blickte sie auf. Sogleich erkannte sie die hohe Gestalt und das schwarze, krause Haar.

„Kurt!" rief sie. Ein Zittern lief durch ihren Körper und sie wäre anfs Grab, htngesunlen, hätten ein paar starke Arme sie nicht umschlun- gen.

„Martha, meine Martha," flüsterte Kurt. Sie faßte sich zuerst und suchte sich dec Umarmung zu «itwinden. a

Aortsetzup '

Mitgift zu tun ist welches Martha immer als Grund zur Weigerung angibt. Aber sie weiset einen nach dem andern ab."

Ich sehe sie ja nicht," sagte

heute Allerseelen. .....

fort und wird nun bald wieder kommen."

iLtze wenn der Terminhantel nicht nur tn ben । 'reifen ter unmittelbar und mittelbar beteilig­ten Geschäftswelt, sondern auch m Wissenschaft- lachen Kreisen mehrfach einer ^fälligen Beur» eilung begegnet ist und wenn selbst ein freisin­niger Volkswirt, wie W. Roscher tm Zusammen- bang mit dem Termin- und Differenzgeschaft von einer „Wolke von Schwindelei, die die reellen Handelsgeschäfte umhülle", sprechen zu müssen

fliege, die für eine kurze Spanne Zeit, ein paar Augenblicke, herumflattert, um dann ms Nichts zurückzusinken? Was sollte bann das ßette” unb Dulten, das Kämpfen und Muhen tes Mensch.m vollends was soll das Streben des Menschen nach Sittlichkeit und Tugend? Das wäre bann ja alles heller Unsinn, zum wahnsinnig werden, wenn es kein Jenseits gibt!

Derart sind die Gedanken, die heute Tausende, Hunderttausende nicht in Ruhe kommen lasten. Von Zweifeln, wie vom Fieber geschüttelt, hör- chen sie hierhin und dorthin, ob nicht irgend ein Prophet die letzte Antwort auf die letzten »ta­gen bringt. In diesem wogenden und brauten- den Meere tes Zweifels sicht der Fels ter ka­tholischen Weltanschauung. Die ka- tholische Kirche tritt als Sendbote Lottes unter die von solch' innerem Weh hcimgesuchte Meisich- seit und verkündet ihr eine Weltanschauung als Botschaft Christi, in ter sie Heilung ihrer inneren qualvollen Zerrissenheit finden kann und Ant­wort auf all' die quälenden Ziveisel. .

Es ist sehr viel, wenn daS mal anerkannt wird bon aeanerifeter Seite. Und das geschieht m einern Artikel ter — Frankfurter Zeitung (Nr. 284 vom 13. Oktober 1^ in, einem Artikel „Die Aussichten des Reformkatholizismus von Pro essor Dr. August Messer-Gießen. Da schreibt )er Verfasser: ,.

Man übersetze nicht, was die kirchliche Autorität ihren Gläubigen an Positivem bie- teil Sie bietet ihnen eme Weltanschauung und Lebensauffassung, deren Grwße nicht a b z u s p r e ch e n ist. Der Welt liegl dan ach ein geistiges Prinzip zu Grunde - Gott und alles Weltgeschehen ist tm Grunde sein Wille und dient der Verwirklichung geistiger, Werte. Wo aber alle menschliche Einsicht das un ein­zelnen nicht zu erkennen vermag, da, besteht für den Gläubigen doch noch der beruhigende und tröstende Ausblick auf die unergründliche Sem- beit Gottes unb seine unerforschlichen Rat- schlösse. Sein eigenes Hanteln aber erhalt ein dem schlichtesten Sinn emleuchtenbes Ziel. die ewige Glückseligkeit in der Vereinigung mit Gott, dem Inbegriff alles Werttellen. Dazu muß er freilich sein Leben sittlich ge- stallen, entsprechend den Geboten Gottes, bte ihm die Kirche vermittelt und bte sie nach Be darf auslegt und ergänzt. Aber die Erreich- ung des letzten Zieles entfchadtgt auch tm Uebermaß für alles Leid und für alle Opfer im irdischen Leben. So sichert die katholische . Kirche ihren Gliedern den Glauben an den Sinn des ganzen DafernSund den Wert des Lebens, und dazu spendet sie in ihren Sakramenten unermeßlichen, Trost und immer erneute Anregung und Stärkung zum sittkichen Kampfe. Nichts aber zehrt mehr am geistigen Sein des Menschen,, als der Zweifel am Wert des Daseins und und des Lebens, oder gar bte Ueberzeugung von seiner Sinnlosigkeit. Davor aber ist bet Katholik bewahrt, so lange er an fernem Glau­ben festhält." v .

Ein sehr bedeutsames Eingeständnis. Frei­lich ter Verfasser will trotzdem nilchs davon wis- (en. Er hält die Anerkennung ter Auwritat ter Kirche, die beruht auf deren Gründung durch Christus selbst, die Unterwerfung unter bas . Lehramt der Kirche als eines selbständig freien Menschen unwürdig. Denn „nach dem Prinzip tes modernen Geisteslebens ist wder einzelne be- > rufen, in den höchsten Fragen ter Weltanschau» ; ung und Lebensauffassung nach eigenem . selbständigen Urteil sich zu entscheiden. ’ Ist denn dieses Prinzip tes modernen Gei- : steslebens überhaupt richtig? Wleviele sind > denn überhaupt, die ein selbständiges Urteil m . diesen Fragen sich bilden können? Der Mensch

MdaerWZeitung

GeschichkbMer"

^Der'bekannte Herr Kütznemann-Stettin, einer der größten dortigen Getretbehanblec, sagt. Wenn ber Müller in ©targgaröt Berliner Ter­min kauft so kaust er von vornherein billiger, weil er annimmt, baß er unter Umständen min- bertoertiae Ware bekommt." Der große Getret- »ehändler Kommerzienrat Rosenseld m Posen agte: „Der Berliner Platz ist auf die Baisse zu­geschnitten, und da muß eme böse Rückwirkung pAell auf bie Landwirtschaft eultreten. ^ch möchte daraus aufmerksam machen, wie sehr bte Baisse in Berlin ein Ruin für das ganze Laub, für das reelle Geschäft, speziell für den Landwirt ist." Der bekannte Getretbehanbler Horwitz-Hamburg sagte: „Der 9ute sudrussnche Roggen, beit ich tn ganzen Schtsfsladuiwen kaufte, war viel zu schön für ben Berliner Ter­minmarkt. ben verkaufte ich bireft an bte Kon­sumenten. So habe ich es mit Huberten von Schiffsladungen gemacht." Anwanbt-Breslau, Vertreter ber Miihleninbustrie, sagte:, Der tn Berlin für kontraktmäßig erklärte Wetzen war unbrauchbar, ich habe 18—20 dl Aufgeld zahlen müssen, um wahlfähige Ware zu bekommen. Krahmann-Müllrose, ebenfalls Vertreter ber Mühlenindustrie: „Ich habe tn Berlin bte Loko- wäre um 15 bis 20 dl teurer kaufen müssen als bie Terniinware. Mit Terminware habe ich w böse Erfahrungen gemacht, baß ich iitemaL wie­der davon Gebrauch mache." Vrunkow-stefttn, Direktor ter dortigen Walzmühle: „Man hat m Berlin ganz minderwertigen Wetzen geliefert, ber tm Verhältnis zur inländischen Ernte, 10 bis 15 dl weniger wert war." Batirtbel-Nurn- berg, auch ein Vertreter ber Muhlentndustrte: „Ich kann jebes Termingeschäft nur als verwerf- lich und gerate für die Mühleninbustrie höchst schäbigend bezeichnen." Nun endlich noch eine kurze Iftußerung von einem großen Getreide- Händler im westfälischen Industriegebiet, Schmer- felb-Elterselb, ber sagte: „Die Spielbank hat man geschlossen; ich hätte es für, richtiger ge­halten, den Terminhandel zu schließen. Denn an den Börsen können Summen verloren wer- den, bie man gar nicht besaß, was an ber Spiel­bank nicht möglich wäre: da bekomint man we­nigstens daS Reisegeld." ...

Diese Ausführungen aus der Geschäftswelt genügen, um bie Verderblichkeit des Blankohan- tels zu kennzeichnen unb um unsere StEung zu rechtfertigen, baß an Verbot des Ter» mintzanbels in (Setreibe und Muh» lenfabrifaten nichts geänbert mer­ben barf, weil Landwirtschaft, Müller unb Brotesser die Geschröpften sein würden.

einzutreten. Würbe er sie hier finben? — Letzte sie noch? — Gehört sie einem Andern? — Diese Fragen drängen sich ihm Plötzlich auf unb legen sich zentnerschwer auf fein Herz.

Im Gastzimmer, es war bort noch alles so wie früher, saß Herr Schmidt am Fenster, in bas Lesen ber Zeitung vertieft. Er war allein, beim bie Gäste pflegten gewöhnlich erst zur Dämmerzeit zu erscheinen. Herr Schmibt hieß ben Angekommenen herzlich willkommen.

„Wie wohl Sie aussehen, Herr Werner", tagte er. „Sie sinb orbentlich stark geworden. Nun, man sieht's Ihnen an, baß es Ihnen gut geht. Hier ist leider manches verändert. Sehen Sie, mein Haar ist bereits gebleicht."

Er zog Kurt neben sich auf einen Stuhl unb erzählte, daß ber Tod ihm bie Gattin geraubt und ein Jahr später auch seine beiben hoffnungs­vollen Söhne; baß seine Kraft badurch gebrochen unb er einem traurigen, einsamen Lebensabenb entgegengebe.

Nun konnte Kurt sich nicht länger halten; sollte Martha auch nicht mehr am Leben fein? „Und Ihre Tochter?" fragte er beklommenen Herzens.

„Martini ist ein Engel," — sagte Schmidt. Das Blut stockte in Kurts Adern.

„Sie ist mein einziger, mein süßer Trost," fügte Schmidt hinzu, „führt mir die Wirtschaft ausgezeichnet, ater — doch will sie meinen Her­zenswunsch nicht erfüllen."

„Gott sei Dankl sie lebt noch," dachte Kurt. „Unb welchen Wunsch will Martha nicht erfül­len?" fragte er laut.

„Sehen Sie, Herr Werner, ich bin alt gewor­den unb sehne mich nach Ruhe; nun möchte ich gern, daß Martha mir einen Schwiegersohn in's Haus führt, auf dessen Schultern ich mein Ge­schäft legen kann. Ich kann auch ruhiger sterben, wenn ich mein einziges Kind gut versorgt weiß. Es haben sich schon manche Bewerber gezeigt, brave, wackere Männer, denen es nicht um die

Lebenswege.

— Roman von Klara Wilhelms.

171 (Nachdruck verboten.)

Er lebte von jetzt an Nur seinen Kindern unb feinem Berufe. Wenn er abends vom Ge­richte heim kam, war es seine liebste Beschäfti­gung, den Kindern von ber Muster, bie nun beim lieben Gott im Himmel sei, zu erzählen.

Die alles lindernde Zeit beruhigte auch sein durch Emma's plötzliches Ende tieferschüttertes Gemüt.

Das Trauerjahr war längst obgelaufen und er mußte nun doch daran denken, feinen verwai­sten Herd wieder aufzubauen, um den Kleinen eine mütterliche Erziehung angedeihen zu lassen. Lange schon haste ihm das Bild derjenigen vor- geschwebt, von ter er diese Stelle am liebsten ausgefüllt sähe. Aber er wußte nichts von ihr, wußte nicht, ob sie noch frei sei. Er haste Mar­tha seit jener dunklen Stunde im Seebade nicht wieder gesehen, auch nicht an sie geschrieben, um nicht bie Herzeusruhe tes tiefgebeugten Mäb- chens zu stören. Auch ben frühen Tod ber Gattin hatte er ihr njcht mitgeteilt: über bas „warum nicht" konnte er sich selbst keine Rechenschaft teden;^ wahrscheinlich, weil er diese Nachricht i^tost überbringen und habet beobachten wollte, tcc Erdrück diese bei ihr Hervorrufen würde.

Erst mit dem Beginn des Herbstes kam die lang, geplante Reise zur Ausführung. Die Eisen- vahn führte ihn rasch seinem Ziele zu. Da lag oaS alte, freundliche Städtchen vor ihm, in grauen Herbstnebel eingehüllt.

Da draußen vor dem Tore, Da steht em Lindenbaum.

, Mit welchen Gefühlen begrüßte er diesen al­ten Freund aus einer glücklichen Zeit. Schon stand er pochenden Herzens vor dem Hotel „Zur Sonne" und doch zögerte er einen Augenblick,

Drittes Wtcrtt.

* * Mr bevorstehenden Hör! eure ism.

Die neue Dörsennovelle ist^im Buntesrat eingelaufen; ^^^örftegÄ/ von 1896 ^SDiefe Grundlagen sind das Verbot Ä Termin Handels in Getreide und mV- &unfnfirifaten und bas Börsenregtst e r. Nd« Reform werten eine Reihe von Begrtf. in bfe Erörterung geworfen, bte den meisten Iremb find; es dürfte daher angixtgt erscheinen, liefe Dinge in gemeinterstänb'.tcher Weise zu ^Sfater Börse wurden anfangs nur „Effektiv- geschäfte" vollzogen, d. h. bie Ware, bte man kaufte, war tatsächlich Vorhäuten ober wenigstens eine Probe bettelten; es hantelte sich stets um einen tatsächlichen Umsatz des Kaufgegenstanbes. Aber mit ber Zeit kamen auch solche Geschäfte auf, bei denen sich kein Umsatz vollzog, sondern die eine Spekulation auf Preis ober Kursdifferenz en barstellten ; habet _ war immer noch bestimmt, daß bis zu einem bestimm­ten Termin bie Ware tatsächlich zu liefern oder abzunehmen fei; bas sinb bie Terminge­schäfte. Die Leute, bie sich mit solchen Ge- feteften abgeben, gliederten sich naturgemäß m 2 Gruppen, in Haussiers unb Baissiers. Die Haussiers spekulierten auf eine Preissteige­rung, sie kaufen, in ber Erwartung, bas gekaufte Quantum vor einem fpäteren Termin zu einem höheren Preise zu verkaufen; sie zielen also auf eine Steigerung ter Preise hin, kaufen z. B. im März auf Oktober zu 150 dl um tm Jun: zu 180 dl verkaufen zu können. Anbers handeln die Baissiers, sie verkaufen auf einen späte­ren Termin, in ber Hoffnung, das verkaufte