Mcheiiit tSgl ich M ß«t«ahmr der Sonn, tinbSekttage, viertel' Mrl.ve;ugrprei5 ohne Vringirlahn «nd MitekgeldinSuldannd HrtySrtriMk. sopfg.
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Zuldaer MZeitung
wochenbeiiage: „Illustrierte Sonntagrzeltung" m»«ak»tllage: „8«ldaer Gefchichtrblätter"
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Rotationrdruck u. Verlag der Zuldarr 8c* tiendrrckerel te Zulda. Zernfprecher Rr. 9.
34. Jahrgang.
Fuld a, Montag den 30. September 1907.
M 224.
Plakatfahrplans
sowie des beliebten Taschenfahrplans zu gelangen. Diese beiden Gratis- bei gab en gelangen in den allerersten Tagen des Monats Oktober zur Ausgabe.
rend um anfangs der 70er Jahre die in Morgen und Ruthen angegebenen Flächen in ha a und qm und die in Taler, Silbergroschen und Pfennig umgerechnet wurden, behielt die Spalte für die umgerechnet wurde, behielt die Spalte für die Reinerträge zu praktischen Gründen ihre Ueber- chrift: Taler und 7100 Taler bei, und ist bis heute bestehen geblieben.
Im Laufe der Zeit wurden die Grundbücher mit den Steuerkatastern in Uebereinstimmung gebracht derart, daß in die gerichtlichen Grund- iiücher.die Katasterbezeichnung der einzelnen Grundstücke nach Kartenblatt, Parzellennummer, Fläche und Reinertrag übernommen wurden, während in die Grundsteuerbücher die Bezeichnungen nach dem Grundbuche, d. h. Band und Blatt, sowie die alten Flurbuch- und Hypothe- kennunmiern, die bis dahin mit den ortsüblichen Bezeichnungen den einzigen Nachweis der einzelnen Feld-Grundstücke im Grundbuche bildeten, eingetragen wurden. Daß diese Identifizierung, namentlich bei Gemeinden mit zerstückeltem Grundbesitz, d. h. mit vielen kleinen Parzellen keine leichte Arbeit war und auf viele Schwierigkeiten stieß, sei nebenbei bemerkt. Hier soll ja nur zum Ausdruck gebracht werden, daß in die gerichtlichen Grundbücher auch die Grundsteuerreinerträge mit Talern und 7loe Taler übergingen. Des Humors entbehrte diese lieber- nahme nicht, denn es kam häufig vor, daß in der Annahme, der Taler sei veraltet, von allzueifrigen Beamten der Reinertrag mit 3 multipliziert und also in <M, und ins Grundbuch übernommen wurde, was aber der beabsichtigten Uebereinstimmung zwischen Grundbuch und Kataster halber wieder rückgängig gemacht werden mußte.
Im Gr u n dstü cksv er kehr spielte nun der Reillertrag seit Anlegung der Katasters eine große Rolle. Nach ihm wurde der Kaufwert des Grundstücks bemessen, indem er mit einen: gewissen Vielfachen multipliziert wurde. Behörden und Geschäftsleute, Beamte und Private operierten und operieren noch heute mit dem Grundsteuerreinertrag in Talern, alles hat sich daran gewöhnt und man wird auch sobald nicht davon abgehen. Leihinstitute und Geldleute verlangen, ehe sie Hypotheken geben, erst einen Katasterauszug, um den Wert der Grundstücke — außer nach Fläche, Klassen und Lage, bei Gebäuden nach dem Gebäudesteuernutzungswert — nach dem Grundsteuerreinertrage in Talern und Vioo zu berechnen.
Wohl hat der Grundsteuerreinertrag vielfach — außer bei neueren Separationen— heute nicht mehr den Wert und die Bedeutung, die ihm früher, bei Anlegung der Katasters, zugesprochen werden konnte, da viele Umstände, wie beispielsweise bessere oder schlechtere Bewirtschaftung, Aenderungen in den Verkehrsverhältnissen und dergleichen auf die Höhe des wirtschaftlichen Reinertrages und somit auch auf den Grundsteuerreinertrag wesentlich eingewirkt haben, der Grundsteuerreinertrag selbst aber nicht geändert worden ist. In Erkenntnis dieser Umstände sind auch schon viele Gemeinden — namentlich größere Städte — neuerdings dazu übergegangen, den Grundsteuerreinertrag, ebenso auch den Gebäudesteuernutzungswert —, welcher außer Neubauten und sonstigen baulichen Veränderngen nur alle 15 Jahre neu festgesetzt wird — fallen z u lassen und die Besteuerung nach dem gemeinen Werte einzuführen. Aber dennoch wird der Grundsteuerreinertrag in den weitaus meisten Gemeinden,, namentlich auch bei den neuern Separationen, bei denen bekannt- : lich eine neue Bonitierung stattfindet und somit : der daraus hergeleitete Grundsteuerreinertrag den örtlichen Verhältnisien entspricht, auch fernerhin ■ als Grundlage für viele Rechtsgeschäfte benutzt werden. Der „Taler" wird somit, wenn auch
Heute noch
sollten alle Postabonnenten, welche es bisher versäumt, ihre Bestellung aus das vierte Quartal der ,Fuldaer Zeitung" erneuern, denn nur dadurch sind sie sicher, in den Besitz des
'.» Das Sterdkßmdlkin öts Talrrs.
Morgen wird, wie schon mehrfach gemeldet, las Sterbestündlein schlagen für die so beliebte i^ilbermünze, den Taler. Wenn schon mancher Talerfreund seit geraumer Zeit nur selten ein Talerstück zu sehen bekamen hat, so wird dieses ^Geldstück nach dem ersten Oktober gänzlich aus dem Verkehr ausgeschieden sein. Nur ein kleiner Zeitraum noch, eine kleine Gnadenfrist, und das Lebenslicht des Talers wird auch in den öffentlichen Kassen und Banken erloschen sein. Aber svenn auch der liebe Taler als klingende Münze pus der Welt geschafft ist, so bleibt uns doch der Trost, und das dürfte für manchen Verehrer des Talers eine angenehme Nachricht sein, daß der „Taler" bei einigen unserer wichtigsten preußischen Behörden, bei Geldmännern, Geldinstituten und auch bei Privatleuten vielleicht noch lange Jahre eine große Rolle spielen wird.
Gar mancher Grundstücksbesitzer wird mit Verwunderung in feinen, auch den neuen und neuesten Papieren und Dokumenten, den Grundsteuereintrag in „Taler"n ausgedrückt gefunden, in den Katasterauszügen und gerichtlich (gründ-, buchamtl.) Beuachr. eine Formular-Spalte für „Taler" bemerkt haben, obwohl doch der Taler als solcher eigentlich schon lauge nicht mehr existierte, sondern bei Inkrafttreten der neuen Münzordnung anfangs der 1870er Jahre die Mark als Einheit int Zahlungsverkehr eingeführt worden ist und somit dem Gefühl nach auch diese Bezeichnung in die Kataster- und Grundbücher hqtte übernommen werden müssen.
Es erscheint uns gerade jetzt, beim Scheide- stündlein des Talers, angebracht, einiges über diese Angelegenheit zu sagen. Bei Einführung der Grund- und Gebäudesteuergesetze v. 21. 5. 61 für die östl. (alten) Provinzen, womit die Anlegung des Katasters verbunden war (Einrichtung der König!. Katasterämter) wurde der Grund- steuerreinertrag, nach welchem die Grundsteuer berechnet wird, in Talern und l/u>« Taler in die Grundsteuerbücher übernommen. Auch für die neuen Provinzen treten laut Gesetz v. 8. Febr. 1867 und Gesetz vom 11. Febr. 1870 die Bestimmungen der vorgenannten Gesetze in Kraft. Wäh-
nicht „in eigener Person", so doch auf dem Papier in Grundbuch und Kataster fortleben und als Rechenfaktor, voraussichtlich noch recht lange eine Dienste leisten.
DMjimrWaMihes mi> Sniiaks.
[1 „Fax“, Priesterverein für das katholische Deutschland. Im Anschluß an den Charitastag, der vom 7. bis 10. Oktober 1907 -u Hildesheim stattfindet, wird am 10. Oktober, vormittags 9 Uhr, int katholischen Vereinshaus die diesjährige Generalversammlung des Pnester- vereins abgehalten. Es steht besonders die wer- tere Organisation und der Ausbau des Verems »ur Beratung. Nicht nur die Mitglieder sind dazu eingeladen, sondern alle Kleriker, welche sich für die Vereinssache interessieren, werden als Gäste willkommen sein.
* Die Ausländer in Frankreich. Bekanntlich ist der Bevölkerunqsstillstand in Frankreich ein sehr ernstes Problem. Die französische Nation zeigt ein noch lchljmmeres Bild, wenn man von der Gesamtbevölkerung noch d:e Aus- länder abzieht, die 1033871 bei 37195153 Franzosen zählen. Auf 1000 Franzosen treffen 27 Ausländer. Die Italiener sind am zahlreichsten, 330465. Dann kommen die Belgier, die in Nordsrankreich wohnen, 323390 an der der Zahl. Die Deutschen figurieren mit 89772, die Spanier mit 80425, die Schweizer mit 72042, die Engländer mit 36 948, dre Luxemburger mit 22 000, die Amerikaner mit 16180, die Russen mit 16060. Schwächer sind noch vertreten die Oesterreicher und Holländer. Der größte Prozentsatz findet sich im Departement der Seealpen, dann kommt das Departement Du Nord.
* Auch die Journalisten wollen in Eng- land Sonntagsruhe und sind auf einer von 350 Delegierten besuchten Versammlung des englischen Institute of Journaliste ganz energisch dafür em- getreten, daß eS möglist vermieden werde, Versammlungen irgend welcher Art auf den Sonn- tag einzuberufen. Zu den Sitzungen der angesehenen Vereinigung englischer Schriftsteller sind nunmehr auch deutsche Journalisten eingeladen worden,-die eine Deputation entsendeten.
vermischtes.
' ♦ Konstanz, 28. Sept. 1907. Heute nachmittag IVs Uhr erlitt das Zeppelinsche Luftschiff einen Motordefekt auf dem Bodensee in der Nähe der Halle, wo es stationiert war. Bei dem Begleitschiff, das den Ballon wegschaffen sollte, verwickelte sich dessen Schraube in das Schleppseil und das Schiff konnte inwlgedesfen auch nicht weiter, fahren. Auf die Notsignale schleppte der Kursdampfer „Stadt Konstanz" beide zurück nach der Halle, wo das Luftschiff wohlbehalten ankam. Weitere Unfälle sind nicht vorgekommen.
* Malaga, 28. Sept. 1907. Infolge der lieber- schwemmnngen sind 2000 im Erdgeschoß gelegenen Wohnungen nicht bewohnbar, wodurch 12000 Personen obdachlos sind. Jmallge- meinen ist jedoch die Lage gebestert.
* New-dork, 28. Sept. 1907. Nach einer Meldung der,Stuw tauschte die drahtlose Station in Savannah Funkensprüche mit dem Schlachtschiff „P e n n s y l v a u i a" im Stillen Ozean ans, mithin auf eine Entfernung von 5000 Kilo- meter.
* Abermals ein Eisenbahnfrevel. Auf der Strecke Chorzon-Königshütte wurde am Freitag durch unbekannte Verbrecher der Versuch gemacht, ein^ Eisenbahnzug zum Entgleisen zu bringen. Ein sieben Zentner schwerer Eisenblock war ruf die Schienen gelegt worden. Der Lokomotiv- ührer eines heranbrausendeu Personenzuges bernerkte glücklicherweise das. Hindernis nnd fuhr langsamer, odaß die Maschine den Eisenblock zur Seite schieren konnte. Der Zug traf mit einer größeren Verspätung in Königshütte ein. Außer entern geringfügigen Maschinendefekt verursachte das Attentat keinen weiteren Schaden.
* Wie groß ist der Reichskanzler? Auf die Frage eines Stammtisches in Mühlheim an der Ruhr, ob der Reichskanzler 170 oder 180 Zentimeter lang sei, hat dieser durch Geheimrat Scheeser geantwortet, „daß auch in diesem Falle wieder einmal oas Wahre in der Mitte liegt, nämlich die Größe Seiner Durchlaucht 1,77 Meter beträgt' Die natt- onalliberale Partei wird durch diese Weltanschauung wesentlich beruhigt werden. Das Wahre liegt in der Mitte! Das ist der Weisheit letzter Schluß. ,
* Tas Vermögen Rockefellers kann nach dem Prozeß gegen die Standard Oil Company, der sich in der vergangenen Woche abspielte, genauer als bisher angegeben werden. Es ist festgestellt worden, daß Rockefeller 247 692 Aktien des genannten Trusts im Werte von 550 Millio- non Dollars besitzt. Vom Jahre 1882 brs zum Jahre 1906 hat er an Dividenden 217 489 250 Dollars eingesteckt. Diese Ziffern, obwohl enorm, genügen dem Patriotismus der Amerikaner nicht; sie glauben, daß der Reichtum Rockefellers überhaupt nicht anzugeben rst. Im Jahre 1892 ließ Rockefeller erklären, er be- sitze ein Vermögen von 15 0 0 Millionen Mark, die Rente aus den Aktien der Standard Oil Company sei auf 10 0 Millionen Mark angewachsen. Vom Jahre 1892 ab hat Rockefeller den größten Teil dieser Summe für Unterrichts- zwecke, Kirchen und Missionen ausgegeben. Das hat ihn aber nicht daran gehindert, 1250 Mil- lionen Mark neu zu kapitalisieren.
* Der Wissensdurst in Rußland ist ungeheuer groß. Das sieht man an der Zahl der jungen Leute, die zum Universitätsstudium drängen, aber abgewiesen werden. In diesem Jahre sind es in Petersburg allein 10496 Studenten, die zur Universität nicht zugelassen werden,, weil alles überfüllt ist. Die medizinische Fakultät hat 20 Prozent über die Maximalbelastung erhalten, dennoch treffen allein auf Medizinstudierende von den Abgewiesenen 10 000 über 4000. Das gleiche gilt auch für das Frauenstudium., 1400 Hörerinnen können zum Hochschulstudium tn St. Petersburg zugelassen werden, es meldeten sich aber ihrer 3000. An anderen Universitäten zeigt sich natürlich ein ähnliches Bild, und man darf ruhig annehmen, daß etwa 100 000 Wissensdur- ftiae nicht zu ihrem Rechte kommen oder rns Ausland wandern, wo sie bekanntlich wegen ihrer meistens revolutionären Gesinnung nicht beliebt |Ulb* ein armer Kerl. „ 's ist schrecklich! ... Meine Frau raucht, meine Töchter rauchen, ja sogar mein Ofen raucht — nur ich darf Nichtrauchen!"
* Protest. Diener (eines Barons zn einem ©laubigen) : „Wegen Ihrer zwanzig Mark machen Sie solchen Lärm! ... Da haben wir noch andere Gläubiger als Sie 1'
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„Und warum denn nicht?"
„Weil wir nicht so viel Geld besitzen und unsere Einkünfte nicht so weit reichen, um uns folche Ausgaben zu gestatten."
„Ich habe Dir aber doch Geld genug ringe- bracht, darum könntest Du mir auch etwas mehr zukommen lassen", entgegnete sie gereizt.
„Die Hülste Deines Vermögens ist in unferm Geschäft angelegt, die andere Hülste hat Dein Schwager und Vormund noch in Verwaltung. Diefes ist ja extra zurückgelegt, damit wir, wenn das Glück im Geschäft uns mal den Rücken wenden sollte, noch immer einen Notanker haben."
Da hast mir aber die Zinsen, welche dieser Teil meines Vermögens abwirft, zugesagt, und diese beanspruche ich jetzt."
„Liebes Küthchen, Du hast in der kurzen Zeit unseres Ehestandes schon eine viel größere Summe Geldes verausgabt, wie die Zinsen im ganzen Jahre betragen. Ich kann Dir daher den gewünschten Zuschuß nicht geben. Und wegen der Vorhänge kannst Du Dich auch beruhigen; die unserigen sind sehr schön. Wolltest Du noch elegantere anschaffen, so würdest Du dadurch nur den wohlverdienten Tadel unserer Bekannten Hervorrufen."
„Du verweigerst mir also die paar Taler, Paul?" rief sie aufspringend.
Nennst Du eine solche Summe ein paar Taler? Ich kann und darf Dir diese nicht geben. Wohin soll solch ein Luxus und solche Verschwen- düng führen? Du darfst Deine Wünsche und Be- dürfniste nicht so hoch schrauben. Erinnerst Du Dich noch der Worte, welche ich bet unserer ersten Begegnung Dir sagte? „Nicht immer gibt es einen Rückweg von so steiler Hohe, sondern meistens einen Sturz in die Tiefe." Deshalb wollen wir mit unseren Ansprüchen ruhig hier unten bleiben, damit wir feinen Sturz erleben."
„Erinnerst Du mich an jene Zeit", erwiderte sie schneidend, „bann wird Dir auch von damals her bekannt fein, daß ich einen einmal gefaßten Plan nicht aufgebe."
„Was soll das heißen?'
„Was anders, als daß ich mein Ziel doch erreiche, daß mein Wunsch doch erfüllt wird, wenn- gleich Du mir das Geld zur Bestreitung desselben verweigerst."
„Du toirfft mir also den Fehdehandschuh hm? Forderst mich zum Kampfe wider Dich auf?"
„Wenn Du mir nicht gibst, was ich verlange, ja; denn ich gebe Dir die Versicherung, daß ich meinen Willen durchsetze."
, Und ich gebe Dir das verlangte Geld nicht; wie willst Du eS denn anfangen, um Dein Verlangen zu befriedigen? Etwa Schulden machen? Ich fage Dir vorher, daß ich diese nicht bezahlen werde." , , .,, . . ,
„Nein, Schulden machen will ich iilcht, zedoch ist es meine Sache, wie ich es anfange; genug, ich werde als Siegerin aus diesem Kanipse her» vorgehen", sagte sie, trotzig den Kopf zuruck- werfend. n, „
Paul erhob sich und schritt dem Ausgange zu. An der Tür wendete er sich noch einmal um.
„Küthchen, gib nach", bat er m fünftem Tone.
„Ich will nicht", erwiderte sie herbe.
„Und ich kann es nicht", sagte er entschieden. Die Tür fiel ins Schloß und die junge Frau war allein.
Gegen Abend kamen einige befreundete Sternen, um Küthchen zu besuchen. Sie war sehr erfreut darüber und lud sie ein, am Abendbrod teilznehmen. Wurde sie hierdurch doch über das erste peinliche Zusammensein mit ihrem Gatten nach dem heftigen Auftritt hinweg geholfen.
Der Abend war wunderschön, der weiß gedeckte Tisch stand einladend in der Jasminlaube, unb Küthchen im hellblauen Sommerkleide schickte sich an, die liebenswürdige Wirtin zu machen, ^hren Unmut suchte sie geschickt den Gästen gegenüber zu verbergen, denn diese durften ja den ehelichen Zwist nicht merken, und deshalb lief sie Paul, welcher sinnend zwischen den Blumenbeeten einher schritt, freundlich zu: „Lieber Mann, baS Abendessen ist bereit*—1-
Dieser kam und man setzte sich zu Tisch. Paul war höflich und zuvorkommend, wie immer, gegen die Fremden, wie -gegen Küthchen, nur etwas ernster, und Käthchens Herz, begann rascher und heftiger zu schlagen, wie sie tn das ernste Gesicht ihres Gatten sah. Sie wollte ober unbefangen und vergnügt scheinen, unb sprach barum scherzend und neckend zu den Damen und Paul. Sw wagte aber nicht, ihn dabei anzusehen. Endlich stimmte er in denselben Ton mit ein, und so gelang es dem jungen Paar, seine wahre Stimmung zu verbergen. Als es zu dunkeln begann und die Damen sich verabschiedeten, sagte Paul feiner Gattin gute Nacht, er wollte die Gäste nach Hause begleiten. , .. . . ,
Nachdem Küthchen den Tisch abgeraumt, saß sie noch eine Weile in der Laube. Die überreifen Birnen fielen raschelnd durch das ßaub der Bäume zur Erde. Die Einsamkeit und Lieblichkeit des Abends stimmten sie weich und zur^Versöhnung bereit. Wäre Paul jetzt vor sie getreten und hätte gebeten: „Gib nach, Küthchen , sie würde in feine Arme gesunken fein und unter Tränen ihr Unrecht ein gestanden .haben. Sie beschloß zu warten, bis Paul zuruckkehre, und wollte sich dann gegen ihn aus sprechen. „Er wird gewiß auch erfreut baruber fetn , sagte sie, „doch nein, er wünscht nicht mich heute abend noch zu sprechen", setzte sie hinzu, und Tranen traten in ihre Augen, „sonst wurde er mir vorhin nicht „Gute Nacht" gesagt haben. ,
Eine geraunte Zeit starrte sie noch tn Sinnen versunken und sah, wie ein Stern nach dem andern am dunkeln Nachthimmel sichtbar wurde. Endlich wurde sie ungeduldig; „er mußte doch wissen", zürnte sie, „daß ich seiner warte, er will mich den unangenehmen Auftritt von heute Nach- mittag entgelten lassen. Aber das lasse ich nut nicht gefallen." Alle guten Vorsätze und die ver- söhnliche Stimmung waren verraucht und der Groll behauptete bald wieder seinen Platz tn ihrem Herzen. ,,,. '
l - • (Fortsetzung foIaU
Lebenswege.
Roman von Klara Wilhelmi.
17] (Nachdruck verboten.)
„Zürnest und schmollest Du noch, Mäuschen?" fragte er erstaunt, „ich habe die kleine Szene von heute morgen schoir vergessen, oder vielmehr ich denke nicht mehr daran, unb meine kluge, kleine Frau sollte ein Gleiches tun."
Es erfolgte keine Antwort.
„Sei doch vernünftig, Küthchen", redete Paul begütigend zu, „was soll Dein Schmollen be- deuten? Du erlangst nichts dadurch und verbitterst uns Beiden das Leben. Was wolltest Du eigentlich mit dem Gelbe, welches Du heute morgen verlangtest, beginnen?"
Küthchen wandte rasch den Kops, sie hoffte, Paul wolle nachgeben und ihren Wunsch erfüllen.
„Wozu?" entgegnete sie fchnippig, „nun, wir müssen doch in nächster Zeit eine große Gesell- schäft geben, und dazu bedarf ich noch manches!"
„Was denn zum Beispiel? Nach meiner SRei- ftung sind wir so vollständig und gut eingerichtet, baß nichts zu toünschen übrig bleibt, unb wir alle unsere Bekannten recht gut bei uns einführen -dürfen."
„Die Vorhänge unseres besten Zimmers sinb »licht besonders", entgegnete sie, „diese müssen durch neue ersetzt werden."
„Du hast doch bislang oft Dein Gefallen über dieselben ausgesprochen, unb noch kürzlich sagtest Du, daß Du bei keinem unserer Bekannten solch schöne Vorhänge gesehen habest.",
„Aber vor einigen Tagen sah ich in dem schöben Hause, welches, wie Du weißt, mir so sehr gefällt, prachtvolle Vorhänge; die unseren verschwinden ganz dagegen. Solche muß ich auch Haben."
| „Du vergißt, daß dies bas Haus eines Mil- flionärs ist, wir dürfen uns solchen Luxus nicht Irlauben.'^--- ■ :—