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34. Iahraansi.

Fulda, Samstaa den 28. Sevtember 1907

JW 223.

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f Sotatio«,druck w Verlag der 5«ldaer Ac« tiende ickerei in Sulba. " Fernsprecher Nr. <*.

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* Die gelben Gewerkschaften,

h)ie man wohl am praktischsten die sogenannten nationalen Arbeitervereine und die Werksvereine, pie sich auf wirtschaftlichem Gebiete an die krsteren anlehnen, zusammenfassend bezeichnet, erfreuen sich in wachsendem Maße der Förderung per deutschen Großindustrie. Allenthalben be- piüht sich dieselbe, „ihre" Arbeiter in neu ge- zründete gelbe Organisationen beider Art hinein- jupreffen, und die „gelbe" Gefahr, mit der man wenigstens vorläufig — solange den betörten gelb organisierten Arbeitern die Augen noch nicht auf- ;ehen — rechnen muß, wird insofern akuter, als )en gelben Organisationen seit Juni bezw. Juli tt der Augsburger Mehr" und der Dresdener Dreien deutschen Presie" publizistische Organe zur Verfügung stehen, die den gelben GewerkschastS- jbeen als

Schrittmacher

u dienen bestimmt sind. Dazu kommt noch die pilje, die der geistige Vater der gelben Gebilde, Der Reichsoerband zur Bekämpfung der Sozial- -emokratie, indirekt seinen gelben Schützlingen Durch seine Korrespondenz" und sonstigen litera» «sichen Mittel nach der publizistischen Seite zu Leit werden läßt: alles Dinge, die wohl geeignet ind, vor einer Unterschätzung der gelben Gefahr warnen, mit der auch die sozialdemokratische Arbeiterbewegung nach dem Parteibericht zum Offener Parteitag ernstlich zu rechnen beginnt. In welcher Weile nun die täglich erscheinende Dresdener .Freie deutsche Presse", „Volksblatt ur Förderung berechtigter Arbeiterinteressen im nationalen Rahmen und Zentralorgan für die »aterländsichen Gewerkschaften und Arbeiter- Dereine", wie sich das Blatt offiziell nennt, die Aufklärung der Arbeiter besorgt, lehrt eine Ar- ikelserie über die deutsche nationale Arbeiterbe- vegung in ihren letzten Nummern, die in eine Lmpfehlung der gelben Gewerkschaften ausklingt. Lir haben an einzelnen Gewerkschaftsrichtungen mb ihrer Bestrebungen durch das sächsische Blatt ur Förderung der gelben Verbände einzugehen jnb müssen Korrekturen natürlich in erster Linie leten Presse überlassen. Dagegen müssen wir in8 im Interesse der Wahrheit und einer ge-

ünden Arbeiterbewegung gegen mehrere Punkte >es Schlußartikels wenden, die

falsche Auffaffungen

Iber Wesen und Berechtigung der gelben Ge- verkfchaften aufkommen lasten können und nicht Dazu beitragen, dem sozialen Frieden zu dienen, velchen Zweck doch in erster Linie auch die gelben Verbände nach den Angaben ihrer Draht­steher erstreben wollen. Was allerdings nicht russchließt, daß nach einheitlicher Austastung der gesamten öffentlichen Meinung mit Ausnahme Der Reichsverbandsleute natürlich eher der gegen­teilige „Erfolg" eintritt!

Leider, so schreibt die ,Freie deutsche Prestel habe im letzten Jahre die Harmonie innerhalb Der nationalen Arbeiterkreise etwas gestört werden müssen. Veranlaßt durch den unerträglichen Terrorismus der sozialdemokratischen Gewerk­schaften, hätten sich einsichtige Arbeiter zu „vater­ländischen Arbeiter-Vereinen" und Gewerkschaften, letztere unter dem Namen die „Gelben" bekannt, zufammengeschloffen, „von denen die ersteren politische Ziele, nämlich die Sammlung der na­tionalen Arbeitervereine zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie, letztere eine wirtschaftliche Besserung ihrer Lage anstrebten". Zugleich aber beklagt sich das Blatt über die Proteste, die aus evangelischen Arbeiterkreisen gegen die , gelben Verbände laut geworden seien, womit den letzteren bitter Unrecht geschehen wäre. „Wo es nationale Ziele zu erreichen gilt, sollte Kleinlich- kestsgeist wahrlich nicht vorherrschen." Was hier die »Freie deutsche Presse" den evangelischen Ar­beitervereinen vorwirst, trifft in gleicher Weise die katholischen, nachdem diese von vornherein über ihre wahre Meinung bezüglich der gelben Verbände keinen Zweifel gelassen haben, und der eben abgehaltene Delegiertentag der Vereine des Kölner Verbandes ausdrücklich den an- geschloffenen Vereinen aufgegeben hat, daß sie „den gelben" Bestrebungen mit allem Nachdruck entgegenwirken." Die konfessionellen Arbeiter­vereine hätten wirklich den Vorwurf verdient, es in nationaler Richtung an sich sehlengelassen zu haben, wenn sie diese „nationale" Konkurrenz sich hätten gefallen lassen. Aber abgesehen da­von, rührt nach unserem Gefühl der Protest dieser konfessionellen Arbeitervereine weniger da­her, weil sie etwa von den neuen „nationalen" Gründungen eine Beeinträchtigung ihres Arbeits­feldes befürchteten, sondern, weil sie diese nach Programm und Organisation

gar nicht für geeignet halten, die gewollten „nationalen Ziele" zu erzielen. Nach allem, was sich bisher gezeigt hat, trägt der Patriotismus, wie er in den „nationalen“ Vereinen gepflegt werden soll, allzusehr die Züge eines ungesunden Hurrapatriotismus, unter dessen Decke sich deutlich das Bestreben verbirgt, die Arbeiter für die „nationalen" Ziele des Neichs- verbandes einzufangen und durch Forderungen wie diejenigen eines besseren Schutzes der Ar­beitswilligen re. scharfmacherischen Ten­denzen die Wege zu ebnen. Daß sich solche Tendenzen mit der Förderung wahrer nationaler Gesinnung nicht vertragen, braucht wohl nicht näher bargelegt zu werben, wie anderseits das Außerachtlassen jeglichen christlichen Momentes in den „nationalen" Gründungen sicherlich auch nicht als Stütze patriotischen Sinnes und Geistes dient.

Aber auch durch ihre wirtschaftlichen Be­strebungen scheinen sie uns gar nicht so eine begehrenswerte Garantie für „nationale Ziele" zu bieten. Organisationen, deren Grundlage auf

einer Veräußerung des wichtigsten Arbeiterrechtes, des Koalitionsrechtes, gegen Almosen beruht, die von Unternehmern im eigensten Interesse gegründet und finanziell und moralisch unterstützt werden, können auf die Dauer wenigstens nimmermehr den Arbeiter zufrieden und national werden lassen. Den Grundzug der modernen Arbeiterbewegung ist die Gleichstellung der Arbeiter in wirtschaft- sicher, sozialer, politischer und kultureller Be­ziehung mit den übrigen Gesellschaftsklassen, ihre Einordnung in die heutige Gesellschaftsordnung als gleichberechtigtes Glied, ihre absolute Unab­hängigkeit. Wer diesen Zielen entgegenkommt und für sie arbeitet, der dient in wahrhafter Weise dem patriotischen und nationalen Fort­schritt. Die gelben Organisationen können nach hrem Programm aber nicht nur nicht eine welent- liche „wirtschaftliche Besserstellung" der ihnen angeschloffenen Mitglieder erreichen, sondern sie arbeiten auch diesem

Endziel der heutigen Arbeiterbewegung, wie sie sich vornehmlich auch in den christlich- nationalen Gewerkschaften vollzieht, entgegen und ihr Schlußeffekt kann, — wenn auch ungewollt — ernstlich kein nationaler sein. Eher besteht die Gefahr, daß die Arbeiter, wenn sie einmal aus der Betörung erwachen, der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung anheimfallen, also einer Be- roegung, die nach dem Urteil der Freunde der „Gelben" gewiß nicht „national" ist.

Können so die gelben Verbände weder nach ihrem politischen noch wirtschaftlichen Programm die Erreichung der Aussöhnung der Arbeiter mit der heutigen Gesellschaftsordnung und deren Er­ziehung zu Bürgern eines nationalen Staates für sich in Anspruch nehmen, so dürfte ebenso wenig ihr Sparsystem sich nach dieser Richtung hin als das paffende Rezept erweisen. Auf die Hebung des Sparsinns als eines der besten Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie ver­weisen, wie die »Freie deutsche Presse" dies tut, heißt weniger die Sozialdemokratie erfolgreich bekämpfen als ihr in die Hände arbeiten. Die soziale Frage des Arbeiterstandes ist

nicht allein eine Magenfrage,

sondern ebenso sehr eine Frage der sozialen Ge­rechtigkeit. Wer das nicht einsieht, sollte es sich versagen, in der Bekämpfung der Sozialdemo. Aralie eine maßgebende Rolle spielen zu wollen. Das mögen die Befürworter der gelben Gewerk­schaften sich merken, zumal ihr Sparsystem viel- fach auf ein direktes Bevormundmigs- und Zwangsfystem, um die Arbeiter in wirtschaft- licher Abhängigkeit zu erhalten, hinausläust und den berechtigen Emanzipationsbestrebungen des Arbeiterstandes direkt entgegenroidt. Damit erzieht man auf die Dauer ebensowenig die Ar­beiter zur Freude am Vaterland, wie anderer­seits der Mangel an einem regelrechten sozial­politischen Programm bei den gelben Verbänden zur Erreichung dieses hohen „nationalen Zieles" beiträgt.

Die gelbe Presse sucht ihrer Bestimmung ge» mäß in jeder Weise für ihre Schutzbefohlenen, die „gelben" Verbände, Propaganda zu machen. Die Art und Weise aber, wie sie das tut, ist zur Erfüllung dieser Aufgaben jedoch recht wenig geeignet, gibt vielmehr den Gegner der „Gelben" genügende Gelegenheit, die Arbeiter übet die verkehrte Wege derselben aufzuklären und sie vor den „Gelben“ zu warnen. Sie dienen nicht dem sozialen Frieden, sondern da­durch, daß sie die Arbeiterbewegung unnötig zer- splittern, beschwören sie die Gefahr von Bruderkämpfen unter den deutschen Arbeitern

selbst herauf und hindern höchstens die Entfal­tung der christlich-nationalen Arbeiterbewegung, deren Programm und Vergangenheit wirtschaft- lich-fozialer wie auch nationaler Beziehung nicht das mindeste vermissen läßt. Für die nationale Erziehung der deutschen Arbeiterschaft sind die gelben Verbände völlig überflüssig!

vermischtes.

* Schuh der Arbeit im Mittelalter. Der tiefste Grund, warum im Mittelalter die Arbeit so sehr bewertet und geschützt wird, liegt in der Hochschätzung der persönlichen Menschenwürde — eine Hoch« schätzung, von der das heidnische Altertum für den größten Teil der Menschheit sehr weit entfernt war. Vergl. „Der Kampf gegen den Zinswucher, un­gerechten Preis und unlautern Handel im Diittel­alter." Von Dr. Franz Schaub. Herdersche V-r- lagshandlnng, Freiburg i. B.) Mit der sittlichen Auffassung des Christentums von der freien mensch­lichen Persönlichkeit, war das Wesen der Sklaverei im heidnischen Sinn gebrochen, und wem, auch die soziale Unfreiheit nicht sofort allgemein aufgehoben wurde, der Weg zu ihrer Aufhebung war gebahnt, und die treibende Kraft war dazu gegeben. Mit der sittlichen Auffassnng von der Menschenwürde mußte auch alle und jede persönliche Arbeit, ganz anders eingeschätzt werden. Mag diese Schätzung im ökonomischen Wertverhältnis zunächst nur für die gänzlich Freien zum Ausdruck gekommen fein, so drängte eben jene sittliche Auffassung doch zum Ausgleich in der ökonomischen Bewertung der un­freien und halbfteien Arbeit nach oben, während in heidnischer Zeit die Sklaverei die Bewertung der noch freien Arbeit nach abwärts gedrückt hatte. Die Arbeit hat sich auf diese Weise im Mittelalter unter den Wertelementen die weitaus erste Stelle erobert. Der Arbeitslohn stand durchs ganze Mittel­alter relativ hoch. Die Arbeit war die Vorzugs« gläubigerin. Sie sollte immer und überall (z. B. bei Restitutionen) zuerst verrechnet werden. Tas karolingische und kanonische Recht kann man des­halb gegenüber dem römischen Sachenrecht süglich ein Menschen» bezw. Arbeitsrecht nennen.

* Protz. „Marie, Sie liederliches Ding; gleich heben Sie den Hundertmarkschein auf; wie leicht lann jemand darüber stolpern!"

Literarisches.

„Allgemeine Rundschau" (Wochenschrift für Po­litik und Kultur, Herausgeber und Verleger Dr. Armin Kausen in München, Quartalspreis Mk. 2,40). Inhalt der neuesten Nr. 39: Wir armen Katho« liken! Von Rektor Aloys Hülster. — Zur Eröff­nung des bayerischen Landtags. Vom Herausgeber — Karl Fürst zu Löwenstein (v. Rüts). — Welt­rundschau : Glänzende Rechtfertigung des Adg. Roeren. Die Taktik der Roten und der Blauen. Spanien als bremsende Macht. Von Fritz N>en- kemper. — Die Kommenden? Glossen zum sozial- demokrattschen Parteitag iy Essen. Von Emil Ritter. — Der Geistliche und die soziale Tätigkeit. Von Pater Rupert Fritz Feder, 0. 8. B. , Salzburg) und Kaplan Clemens (Höntrops). — Gute Zeit. M. Herbert. — Nochmals: Das umfangreichste Schrift­werk der Welt. Von P. Wolfg. M. Jbler, 8. V. D. — Zur „Ghetto" Debatte. Von Johannes Mum- bauer. — Theologische Novitäten. Angezeigt von Dr. Philipp Friedrich. — Herbstlieder 1. Im Gar­ten 2. Trüber Abend. Von Lorenz Krapp — Der 19. Mai. Eine Episode aus dem Leben. Von Eu- gente Tauskirch. — I. Generalversammlung des Ver­eins für christliche Erziehungswissenschaft. Von Franz Weigl. — Haushaltungsschule und haus« ivirtschastliches Seminar. Von C. M. Hamel. — Aus ungedruckten Witzblättern. Von Ringoletto und Faust. — Bühnen und Mustkrundschau. Von L. G. Oberlaender. — Finanzwirtschaftliche Rund- schau. Von M. Weber. Probermmmern werden vom Verlage an jeberman gratis versandt.

S Kochbücher.

Von Mirjam Weiß.

(Nachdruck nicht gestattet.)

.. Wir wissen ganz genau, daß sich die Ureuro- »äer fast nur von Fleisch genährt haben, da es jach der. sogen. Eiszeit wohl die verschiedensten tiere des Waldes und Wassers, aber keinen Iderbau, keine Getreidefelder, keine veredelten Obstsorten gab. Aus den Speiseiiberresten, die n Höhlen gefunden wurden, lassen sich nur Tier- kochen Nachweisen. Da keine Topfscherben vor- tefunden wurden, muß die Zubereitung der speisen die denkbar einfachste gewesen sein. Erst hit der fortschreitenden Kultur verbesserte sich mch die Küche. Und da wird man wohl auch “egonnen haben, sich gegenseitig die verschiedenen Erfahrungen mitzuteilen, um sie schließlich zu Tntz und Frommen vieler schriftlich niederzu- egen. So entstanden die ersten Kochbücher.

Das „Speisegesetz", das Moses gab, ist nicht Zerher zu rechnen, obwohl es eine Anweisung ur Bereitung der Nahrungsmittel in Anbetracht er klimatischen Verhältnisse gibt. Es gehörte (um religiösen Kultus der Israeliten.

\ Die ersten Kochbücher sind den Griechen zu hnfen. Das eine wurde von dem Philosophen )rchistralos verfaßt, der die Kochkunst den Glanzpunkt der epikuräischen Philosophie" iknnt. Leider haben sich nut wenige von den Kochrezepten erhalten. Sie erzählten von Kraft- trügen aus Hühner- und Lammfleisch, den Pa- teten, die Aspasia, die Freundin des Perikles, tziS Hasen und Grasmücken bereite.

Später verfaßten einzelne Mönche Kochbücher, die neben den verschiedenen Kochanweisungen auch Anstandslehren enthielten. Da in den Klöstern damals die Kultur weit höher stand, als in der weltlichen Umgebung, die Klosterküche in- solgedessen auch viel entwickelter und rationeller war, als die Küche auf Burgen und in Bauern­höfen, wo es mehr auf die Masse als den Ge­schmack onkam, war es ganz natürlich, daß die Ordensleute auch den Kulturfortschritt in der Speisebereitung durch Kochanweisungen zu ver­breiten suchten. Im 16. Jahrhundert kannte man bereits einige fünfzig solcher „Lehrbücher" in verschiedenen Sprachen. Unter der Regierung der Königin Elisabeth von England hat es sogar ein „Kochbuch für arme Leute" gegeben. _

Auch Aerzte gaben Kochbücher heraus, die zu­gleich mit gesundheitlichen Maßregeln versehen waren. , Die berühmte Augsburger Patrizierin Philippine Welser, die schöne Schwiegertochter Kaiser Ferdinand I., benutzte die stille Zeit au; dem böhmischen Schlosse Purglitz um ein Buch: „de re coquinaria" (über die Kochkunst) zu schrei­ben, in dem sie zwanzig von ihr selbst erfundene Arten: „Dorten, Kiechle und Fischsnkz zu be­reiten" anführt. Vermutlich zählten Torten, Kuchen und Sülzen zu ihren Lieblingsgerichten.

Auch die Tochter des bekannten Helmstedter Gelehrten Koming, Marie Sophie Schellhammer, gab ein Buch „Die wohlunterrichtete Köchin" heraus, das sich seinerzeit großer Beliebtheit er­freute.

In Frankreich, wo im 17. Jahrhundert die Feinschmeckerei eine übertrieben hohe Stufe er­reichte, so daß die Kochkunst zu einer Wissenschaft wurde, der sich auch Gelehrte und Dichter wid­

meten, sind damals die meisten Kochbücher ent­standen. , _

In Deutschland kannte man. zu jener Zett u. a. ein: „Höchst nützliches und zum langwie­rigen Leben anleitendes Speise-Tisch-Büchlein, wie man ohne Krankheit leben könne. Dem bet)« gefügt: Der allezeit fertige Koch, und perfekte Speisemeister." Ferner: „Neues vermehrtes nützliches Tranchierbüchlein. Dem beygefugt etliche Reden, Briesfe und Reime. So bey Hoch- zeyten, Gevalterschasten und Leichenbegängmfsen zu gebrauchen. Sammt einer Beschreybung des Edlen Weydewerks." Man sieht, die Kochbücher jener Tage waren recht bielfeitig. Finden sich doch in dem einen folgende Winke: Milch macht Kopfweh! Essig stärkt den Magen und das Ge­hirn. Haselnüsse mehren das Hirn. Kohl macht ein melancholisches Gemüt und dunkelt das Ge­sicht. Petersilie reizt zum Zorn.

Sehr charakteristisch ist es, daß im 18. Jahr­hundert jedes noch so kleine Land sein eigenes Kochbuch hatte. Man kannte die „Brandenbur­gische", „Hamburger", „Frankfurter", „Hanno- verfche" Küche usw. Auch Tee- und Kaffeerezepte erschienen als Buch für sich. Die Titel dieser Bücher klingen dem jetzigen Zeitgeschmack ganz eigenartig.. „Küchenlexika für junge Frauen­zimmer", wurden doch auch von alten Haus­frauen benutzt.

In den traurigen Kriegsjahren zu Anfang des 19. Jahrhunderts schrieb man keine Koch­bücher. Die ernste, schwere Zeit hatte die Men- scheu anspruchslos gemacht. Man hielt zwar einen guten Schmaus in Ehren und bewirtete seine Freunde, aber der Luxus raffinierter Gerichte, der von Frankreich aus seinen Weg zu uns ge­funden, trat wieder in den Hintergrund.

Erst um die Mitte des vergangenen Jahr­hunderts wurden wieder Kochbücher geschrieben, dann aber ergoß sich in dem letzten Jahrzehnt auch förmlich eine Hochflut solcher Lexika über uns. Es gibt Kochbücher für einfache und für elegante Haushaltungen, solche, in denen mehr Gewicht auf Fleisch und Fischgerichte gelegt wird, und andere, die für Mehlspeisen und Backwerk mivergleichlich sind, wie die österreichischen und bayerischen Kochbücher. Es gibt Kochbücher, die die Rezepte der süd- und norddeutschen Küche Vereinen, auch solche, die der Obst- und Frucht­wein-Bereitung Beachtung schenken; es gibt Bü­cher für „Krankenküche" und aparte Rezepte fut „Zuckerkranke". Eine Uebersicht ist kaum noch möglich.

In Rußland existiert ein Kochbuch von Helene von Mokochowez, das allein 143 Rezepte für Fleischsuppen, 30 Rezepte für Fischsuppen und 62 Rezepte „Zutaten zu Suppen" neben zahlrei­chen Anleitungen zu Frucht- und Wemsuppen enthält. Der echte Russe liebt eben Suppen ganz besonders.

Man siebt aus der Fülle der „Kochbibliothek" aber auch immer wieder von neuem, wie ver­schieden der Geschmack ist. Eine gute Hausfrau und tüchtige Köchin wird sich deshalb niemals hlindlings auf jedes Rezept verlassen, besonders in betreff der verschiedenen Gewürze. Auch kann, vor allen Dingen in kleinen Haushaltungen, manches sparsamer eingerichtet werden, als daS Kochbuch geil ähnlich vorschreibt. Trotzdem darf es in keiner Familie fehlen, da es vorzüglich« Dienste leistet, sobald es mit Ueberfegimg gelesen und mit Verstand benutzt wird.