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M 217.

Fulda, Samstag den 21. Sevtember 19<>L

34. Iahraang.

veiles Wlatt.

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wochen-Run-scha«.

n. Fulda, 21. September 1907.

Nachdem die Erörterungen über den Partei­tag der Freisinnigen Volkspartei allmählich ab- zuflauen beginnen, haben sich die Herren Ge­gossen in Essen zum sozialdemokra­tischen Parteitag eingefunden, um wie­der einmal große Wäsche zu halten und dec Welt Ünterhaltungsstoff zu bieten. Wie auf dem in­ternationalen Sozialistenkongreß in Stuttgart, so scheint es, wenigstens nach den bis jetzt vor­liegenden Berichten, auch in Essen gehen zu wol­len. Soviel Köpfe, soviel Sinne! In allen Fragen gehen die Ansichten himmelweit auseinander. Aber die gemäßigten und beson- nenen Elemente gewinnen gegenüber den Heiß­spornen und Hitzköpfen immer mehr an Boden, namentlich, seitdem auch Bebel ruhigere Töne angeschlagen hat. Nur die Frauen, wie die rote Rosa und Frau Zetkin, führen, unterstützt von Kautsky und Stadthagen, noch eine recht kräftige Sprache. Aber sie sind in den Hinter­grund gedrängt. Die Quellen, aus denen die Sozialdemokratie ihre Werbekraft schöpft, fließen seit einigen Jahren nicht mehr so reichlich und das ist eine heilsame Folge der namentlich vom Z e n t r u m energisch geförderten Sozial­politik. Will man der Sozialdemokratie das Wasser abgraben, dann heißt es, ernsthaft Sozial- polftik treiben. Ausnahmegesetze fruchten nichts; im Gegenteil, sie sind ein guter Nährboden fiir die rote Jnternattonale.

Die verbündete Nachbarmonarchie O e st e r- reich-Ungarn leidet wieder einmal an den alten Ausgleichsschmerzen. Nach den >nten Erfahrungen, die Ungarn mit seinem ab- nenden Standpunkt gegenüber österreichischen Forderungen gemacht hat, will cs auch in der genannten Quoten- und Bankfrage nicht nachge­ben. Oesterreich hatte aber gerade die Zustim­mung in diesem Punkte zur Vorbedingung für wichtige Zugeständnisse au Ungarn namentlich in der Frage der Trennung der Verzehrssteuern gemacht. Die Streitigkeiten werden wie immer wohl dadurch erledigt werden, daß Oester- r e i ch in bekannter Lammsgeduld n a ch g i b t. Eine Trennung der beiden Reichshälften, die manche Wiener Blätter wieder in naher Ferne sehen, ist schon deshalb ausgeschlossen, weil die gemeinsamen wirtschaftlichen In­teressen der Gesamtmonarchie doch zu bedeutsam sind. Einstweilen wird freilich gemeldet, daß ein Termin zur Wiederaufnahme der Ausgleichsver- handlungen noch nicht bestimmt ist und auch in nächster Zeit nicht zu erwarten ist. Der N a- t i o n a l i t ä t e n st c e i t in der österreichisch­ungarischen Monarchie hat auch in den letzten Tagen zu bedauerlichen Ausschreitungen gegen die militärische Disziplin geführt. Die Sündenböcke sind bei dem Vorfall serbische ,Soldaten, die ihrem Haß gegen die Ungarn Luft, machten.

Die Dinge in Marokko gewinnen all- nähtich ein f r e u n d l ich e r es G e s i ch t. An- wsichts der Machtentfaltung Frankreichs haben )ie Stämme eingesehen, daß weiterer W i d er­st a n d unnütz sei. Sie sind deshalb mit dem ranzösischen Befehlshaber, General Drude, in luterhandlungeu eingetreten. Die Abgeordneten der Stämme sind auf die Bedingungen des frau- gösischen Kommandeurs eingcgangen, die im we­sentlichen aus folgenden Punkten bestehen: Ver­bot des Waffenftagens in einem Umkreise von 12 Kilometern von Casablanca, Entwaffnung der

Stämme und Auslieferung der Mörder vom 30. Juli, namentlich des Kaid Ula Hari, dem die Unruhen von Casablanca hauptsächlich zur Last gelegt werden. Jeder Stamm soll als Geißel eine Person stellen, die aus den einflußreichsten Män­nern des Stammes ausgewählt wird, lieber eine Kriegsentschädigung soll zwischen Frankreich und Marokko direkt verhandelt wer- den. So erfreulich dieser Ausgang des Zwischen­falls von Casablanca schließlich ist, so wird marr doch das Bedauern darüber nicht unterdrücken können, daß erst so viel, zum Teil unschuldiges, Blut fließen mußte, um den Frieden wieder her- beizufiihren.

Die englische Regierung hat seit ihrem Experiment, den Burenrepubliken fast vollständige Selbständigkeit zu gewähren, zum erstenmale Schwierigkeiten. Infolge eines schon längere Zeit andauernden Konfliktes zwi­schen den beiden Häusern des Parlaments der Kapkolonic sind die Verhandlungen zwischen dec gesetzgebenden Versammlung und dem gesetz­gebenden Rat vollständig zum Stillstand gekommen. Da der gesetzgebende Rat die Be» willigung von Geldmitteln verhindert, hat Pre­mierminister I a m e s o u dem Gouverneur ge­raten# das Parlament aufzulösen, was auch ge­schehen ist. Die Neuwahlen, so befürchtet man in England, dürften aber eine Verstärkung des holländischen Elements bringen, da die sogenannten Kaprebellen, die infolge des Vurenkrieges kein Wahlrecht hatten, in der Zwi­schenzeit in die Stimmlisten wieder eingetragen worden sind.

Von Rußland kann man in jeder Woche sagen: nichts neues. Das unglückliche Land kann nicht zur Ruhe kommen. In ununterbro­chener Folge häufen sich die Meldungen von Mordtaten, U e b e r f ä l l e n und PIüu - d e r n n g e ir. Höchst selten gelingt es den russi­schen Behörden, die wirklichen Schuldigen zu er­wischen. Wenn das aber einmal der Fall ist, dann arbeiten die russischen Gerichte mit un­heimlicher Schnelligkeit und Schärfe. Dieser ' Tage standen wieder 24 Personen, darunter An­gehörige der besten Stände, wegen Bildung eines polnisch-sozialistischen Kampfkomitees vor dem Warschauer Kriegsgericht, das schnelle und gründliche Arbeit tat. Nicht weniger als acht Angeklagte wurden zirm Tode durch den Strang verurteilt. Dasselbe Schicksal ereilte in Riga 22 Letten.

Die letzten Verhandlungen der Haager Friedenskonferenz drehten sich um die Frage der M i n e n l e g it n g. Das Redaktions­komitee hatte einen eingehenden Entwurf §us- gcarbeitet, der aber das Schicksal so vieler Ko­miteebeschlüsse teilen und nicht zur Annahme gelangen wird. Der deutsche Vertreter, Frei­herr v. Marschall, dessen geschicktem Auf­treten auf der Konferenz man nur allgemeine Anerkennung zollen kann, bekämpfte den Eut- wurf, weil die Frage noch nicht spruchreif sei. Er erklärte aber, die deutschen Offiziere würden sich bei ihren Handlungen immer von dem tut* geschriebenen Gesetz der. Humanität leiten lassen, so wie die militärischen Notwendigkeiten dies, gestatten. Um zu zeigen, daß die deutsche Regierung die Frage mit dem nötigen Ernst behandle, sei sie bereit, einem völligen Verbot nicht verankerter Minen auf fünf Jahre zuzu- stimmeu. Die temperamentvollen Ausführungen des deutschen Vertreters scheinen ihren Eindruck auf die Versammlung nickt verfehlt zu l)aben,. denn bei der Abstimmung stellten sich Oesterreich- Ungarn, die Vereinigten Staaten und Ruß-, auf die Seite Deutschlands, während bett Stand­punkt der Gegenpartei Englands nur dessen Trabanten, Italien und Japan teilten.

Aus außereuropäischen Ländern ist zu berich­ten, daß Japan von einem schweren Unfall in seiner Kriegsmarine betroffen wurde. Auf dem Panzerschiff Kashima explodierte innerhalb eines Geschützturmes eine zwölfzöllige Granate, wo­durch gegen 40 Personen getötet bezw. verletzt wurden. Bei der Geheimnistueret. mit der Japan alles umgibt, was sich auf Ma- rinefragen bezieht, ist es kein Wunder, daß wir von dem Unglück, das sich bereits am 9. d. M. ereignete, erst in diesen Tagen erfahren.

Mit großem Pomp feierte die mittelameri­kanische Republik Mexiko den 97. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Der Präsident Forfirio Diaz wies in einer Ansprache mit Stolz darauf hin, daß die Anstrengungen Mexikos im Verein mit denen der Vereinigten Staaten einen verheerenden Krieg in Mittelamerika verhütet hätten. Mexiko hat sich schon seit langer Zeit als ein Element der Konsolidation in den unruhigen Verhältnissen Mittelamerikas erwiesen, es ist daher nur zu wünschen, daß es auch weiterhin in dem gleichen erfreulichen Maße auf dem Wege der friedlichen Entwickelung fort- schreitet wie bisher.

Unpolitische Zeitlöufe.

(::) Berlin, 19. September 1907, (Nachdruck verboten.)

Herbst-Anfang! Da haben wir schon wieder des Sommers Ende und des Winters Einlei­tung. Mancher lvird im Herbst schwarzgallig (was man auf deutsch „melancholisch" nennt) und schreckt vor den welken Blättern zurück, als ob es Todesanzeigen wären. Andere sagen, die herbst­lichen Farbentöne an den Sträuchern nnd Wäl­dern feien gerade was Schönes und die Georgi­nen könnten sich auch sehen lassen, so lange sie vom Lukanus des gestrengen Frostes besucht würden.

Wer hat recht? Ich meinesteils (wie Wiudt- horst zu sagen pflegte) bin nun der Ansicht, daß rnan den Herbst nach feinen Früchten beurteilen soll. Ist die Ernte gut, so ist der Herbst die aller- schönste Jahreszeit. Dann ist das Hossen in Ha­ben verwandelt worden. Bisher lauter Sorgen; jetzt heißt es: Geborgen! Im Frühjahr mußte man hacken; jetzt kann man einpacken. Im Som- mer mußte man pflanzen und gießen; jetzt kann man tanzen und genießen.

Freut euch des Herbstes! Und ihr, liebe Schicksalsgenossen, die ihr schon in die G e- orginenzcit eures Lebens gekommen seid, freut euch der reifen Jahre!

Oft sind die herbstlichen Reste Vom Leben das Allerbeste!

Allerdings nur eilt Rest, dessen wahrscheinliche Dauer sich au den Fingern der Hände oder doch an den vereinigten Fingern und Zehen abzählen läßt. Aber wer verbürgt denn dem übermütigen Jüngling oder dem stolzen Erstlingsvaler, daß ihm noch, mehr Jahre beschieden werden? Ihnen drohen noch viele Gefahren, die wir Aelteren glücklich überwunden haben. Sie sollen mal erst heil und heiter dahin kommen, wo wir schon stehen. Was wir alles durchgemacht haben in guten nnd bösen Tagen, das ist ein köstlicher Schatz, aus dem die Erinnerung immer neues Behagen, immer neue Anregung schöpft. Ja, die „Alten" singen auch „Freut Euch des Le- bens!" Wenn sie es nicht so laut hinausschmet­tern, so ist es doch um so tiefer empfunden. Sie wissen den Wert des Lebens zu schätzen; das lernt man eben nur durch Erfahrung. Deshalb sind sie froh über den Rest ihrer Kräfte, mit dem sie noch manches Gute und Schöne zn schaffen

gedenken, und wenn sie im gemütlichen Familien­kreise das Pfeifchen rauchen oder die Enkel­strümpfchen stricken, so sagen sie behaglich: Na, da habe ich ja mit Gottes Hilfe mir einen ganz netten Lebensabend verschafft. Mehr kann man nicht verlangen!

Ten jüngeren Jahrgängen aber muß man bei dieser Gelegenheit wieder zurnfen: Denkt an den Herbst, sorgt für den Herbst eures Lebens!

Der grüne Fant sagt: Ich werde noch früher alt werden als mir lieb ist; weshalb soll ich ’roe- gen des künftigen Alters mir die gegenwärtige Jugend vergällen! — Diese Rechnung stimmt nicht. Wenn du in Saus und Braus drauf los lebst, so wirst du überhaupt nicht alt werden, sondern frühzeitig den Bankrott deiner Lebens- kraft anmelden müssen. Dec Wunsch nach einem ansgiebigeu Sommer des Lebens ist gewiß be­rechtigt; dock bedenke wohl, daß du selbst zur Verlängerung der flotten Jahre wesentlich bei­tragen kannst. Je vernünftiger du lebst, desto später wirst du alt.

Ich möchte in dec Herbstpredigt drei Punkte einbläuen:

1. Lerne viel, möglichst viel. In der Schule nnd auch nach der Schulzeit, wo immer sich Gelegenheit bietet. Ich habe schon viele alte Leute sagen hören: „Ach, wenn wir doch bloß etwas mehr gelernt hätten. Unsere Kinder sind uns überlegen, und in manchen Dingen sogar schon die Enkel. Wir können nicht recht init- kommeu in der Unterhaltung nnd beim Set- tnngslesen." Und doch haben ivir gerade jetzt, in unseren vorgerückten Jahren mehr Zeit und Lust zum Nachdenken, zum Plaudern und zum Lesen Da hapert es nun bald hier, bald da.. Unser Lebensabend wäre doppelt so schön, wenn wir uns etwas mehr Bildung angeeignet hätten! — Möchten das vor allem diejenigen beachten, welche Gelegenheit zur Fortbildung hoben und davon ans Faulheit oder Ueberhebung keinen Gebrauch machen. Es wird ihnen leid tun, wenn es zu spät ist.

2. Schone deine K ö r p e r k r ä f t e. Ein Sinnenrausch macht dir vielleicht für ein Stünd­chen ober ein paar Stunden ein sogenanntes Vergnügen. Diesen „Spaß" bezahlst du aber mit einem oder mehreren Jahren deines Lebens. Ein scklecktes Geschäft. Wenn dn einst in den Herbst deines Lebens kommst, so wirst du dir sagen: Mein Nachbar ist ebenso alt, aber noch viel rüstiger als ich; der hat in seiner Jugend vernünftiger gelebt. Ich könnte auch jetzt so frisch und fröhlich leben, wie er, wenn ich nur nicht diese ober jene Dummheit gemacht hätte. Wie bitter rächt sich jetzt ber Leichtsinn. Nun laufe ich bei den Aerzten herum und kann auch für mein schönstes Geld keine Auffrischung der (Gesundheit und keine Verlängerung des Lebens sindeu. Damals hätte ich ohne weiteres mir sichern können, was ich jetzt vergebens suche. Ein gesundes Alter und ein recht langes Leben hätte ich mir verdient, wenn ich nur etwas solider ge- wesen wäre!

Falsch ist auch die Rechnung, wenn jemand glaubt, er könne durch übermäßigc A n- ftrengung vorwärts kommen. Wer sich nicht die nötige Erholung nnd Schlafenszeit und das genügende Essen usw. gönnt, treibt Raubbau und ist vorzeitig mit seiner Kraft zu Ende. Er wird bereits schwach und alt, während der besonnene Arbeiter neben ihm noch Jahrelang seinen Po­sten voll und ganz ausfüllen kann. „Q, ich halte es schon aus!" sagt der Verwegene, der sich aus Geldgier ober Ehrgeiz überanstrengt. Ja, wie lauge hältst du es aus? Und wie schlecht renttert sich die Ueberarbeit, die dir den Lebensabend verdirbt und den Tod beschleunigt?

Die Katze, meistens ihre einzige Gesellschafte­rin, saß schnurrend unter ihrem Stuhle; die alte Schwarzwälder Uhr art ber Wand verkün­dete mit hellem Schlage die achte Stunde.

„Schon acht Uhr und noch immer nicht da", sagte Paul ungebnldig; „sie hätte es doch ein- richten können, noch zu kommen."

,^ch sagte Ihnen ja schon, Herr Werner", beschwichtigte sanft die Alte, „daß Käthchen heute abend nicht kommen lvird. Sie war diesen Mittag hier, bevor sie mit Fran Schmidt zu Hellmuths ging. Fräulein Käthchen läßt Ihnen sagen. Sie möchten nicht ungehalten sein, wenn sie heute abend nicht hierher käme; sie selbst würde dies sehr bedauern und viel lieber hier bei Ihnen, wie in ber fröhlichsten Gesellschaft sein."

„Wenn sie nur nicht gerade bei Hellmuths wäre, wollte ich zufrieden sein", entgegnete Paul. Er erhob sich nnd ging einigemale im Zimmer auf und ab.

, O, ich weiß recht gut, was diese häufigen Einladungen bei Hellmuths bedeuten. Ter Alte wünscht sich Käthchen zur Schwiegertochter, und wirklich, er würde auch keine be'tieee finden. Aber sie hat mir ihre Siebe geschenkt und deshalb soll sie auch die Meine werden. Aus Rücksicht für mich hätte sie nicht hingehen dürfen."

„Ich bin zwar nur ein altes, einfaches Mäd- eben und habe nicht so viel gelernt wie die heu­tige Jugend, ober ich weiß doch, daß Sie soeben nicht viel Vernünftiges sprachen. Weshalb soll Käthchen aus Rücksicht für Sie sich jedes Ver­gnügens entsagen, sich von jeder Gesellschaft zu­rückziehen?"

Sie fchraickte den Docht der vor ihm auf dem Tische stehenden Lampe höher, und ber helle Schein derselben beleuchtete die erregten Züge Paul Werners.

„Warum fragen sie? Nun, weil sie stets be­hauptet, das größte Vergnügen gewährten ihr die Stunden, welche sie in meiner Gesellschaft zubringe. Was braucht sie dann noch weiteren

Lebenswege.

Roman von Klara Wilhelmi.

7] (Nachdruck verboten.)

Nachdem der Tanz beendet, wurde ein ge­meinschaftliches Abendessen serviert und darauf ;ur Abfahrt geblasen; als die Kerzen der in den Maienzweigen hängenden Ballons angezündet, begann die Rückfahrt. Paul stichle »eben Käth­chen einen Platz zu bekommen, was ihm anch gelang. Sie redeten fein Wort, gaben sich aber vafur manchen verstohlenen Hän bedruck. Die Schweigsamkeit der Beiden fiel den Uebrigen auf -md wurden diese deswegen geneckt. Sie aber behaupteten, in dec Kapelle Gespenster gesehen tu haben und sie befürchteten, durch vieles Reden iefe noch ferner heraufzubeschwören. Darauf «ieß man sie in Ruhe. Im Städtchen angelangt, gegleitete Werner seine Braut zu bereit Wah­rung und schied von ihr mit den Worten: Schlafe wohl, Du meine Süße Du!"

in.

Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, Die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Schleiermacher.

In einem nicht feinen, aber freundlichen und reinlichen Zumuer finden wir eines Abends Herrn Paul Werner. Er unterhielt sich mit einer gutmütigen, freundlichen, alten Matrone. Dw weiße Haube derselben laar von zahllosen, mjon gelegten Fältchen umgeben; noch weit mehr Balten zeigte das Angesicht ber Alten, in welchem «tobe und Güte ausgeprägt waren. Die frisch getünchten weißen Wände, die schlichten, ein- ,adjen Gardinen, welche das einzige Fenster des IZimmerchens schmückten, die Decke, welche den chon ziemlich wackeligen Tisch zierte, wetteifer- en mit ber Weiße von Jungfer Christinens' Zaube.

Vergnügungen nachzugehen?" sagte er, stehen bleibend.

„Herr Werner, sagen Sie nicht dasselbe auch von sich, und doch gehen Sie fast jeden Abend in Gesellschaft."

„Ja, ich, das ist was anderes. Es würde auf­fallen, wollte ich mich von allem zuriickziehen."

„Und bei Käthchen würde es cbenfo gut auf­fallen."

„Wäre sie nur nicht bei Hellmuths! Ich glaube, Frau Schmidt sähe es gern, wenn ihre Schwester Frau Hellmuth würde."

„O ja, warum nicht? Es wär auch eine ganz passende und gute Partie. Die Hellmuths sind reich, sehr reich, und der junge Herr gefällt mir auch wohl, er mit feinem feinen, stattlichen Aeußern ist ein Ehrenmann."

„Christine, schweigen Sie, foltern Sie mich nicht noch mehr mit solchen Reden!" rief Werner. „O Käthchen, wärest Du hier!"

„Weshalb gehen Sie nicht offen zu Schmidts, da Herr Schmidt doch Käthchens Vormund ist, und bitten, sie ihnen zur Gattin zu geben?"

„In meiner jetzigen Stellung darf ich es nicht wagen, ich würde )id)er eine abschlägige Antwort erhalten. In Hinsicht des Vermögens kann ich mich den Herren Franke und Hellmuth nicht zur Seile stellen, doch ich besitze reiche kauf­männische Kenntnisse, nnd diese berechtigen mich dazu, später auch einem anderen Lebenskreise anzugehören, wie jetzt."

„So lange Sie der Welt gegenüber Käthchen nicht als Ihre Braut präsentieren können, müs­sen Sie sich darin fügen, sie mich von anderen Herren umworben zu sehen. Und dies wird Ihnen doch keine Ueberwiudung kosten, da Sie wissen, wie Sie geliebt werden."

„Ja, aber wegen meiner grenzenlosen Liebe kann es mich nicht gleichgiltig lasten, sie so um­schwärmt zu sehen. Doch, Jungfer Christine, ich will Sie nicht länger mehr aufhalten, die Er- tvartete kommt doch nicht mehr, aber ich hoffe

sicher, sie morgen abend hier zu treffen. Gute Nacht."

„Gute Nacht, Herr Werner", sagte sie, ihm zur Türe hinausleuchtend.

„Wenn mein liebes Herzchen nur keinen Fehl­griff getan hat", sagte Christine, ihren eben ver­lassenen Platz wieder einnehmend. „Es scheint mir, Herr Werner hat große Anlagen zur Eifer- sucht. Und meint ich nicht irre, so trug die Furcht, einen eifersüchtigen Mann zu bekommen, viel dazu bei, Herrn Frankes Antrag zurückzu- weisen." -

Nachdenkend wiegte sie den Kopf hin und her. „Nun, ich will auch nicht das schlimmste denken, ihre gegenseitige große Liebe wird diesen bösen Fehler nicht anskommeu lassen."

Paul promenierte «och ein wenig in de» Straßen umher und begab sich bann zum Hotel zur Sonne, in der Hoffnung, noch einen Gruß von der Geliebten zu erhalten. Er fand jedoch das Seitenzimmerchen nicht erhellt, demnach mußten die Damen noch nicht zuritckgekehrt sein. Heute abend sagten ihm die Scherze der an- wesenden Herren nicht zu, er hmg seinen eige­nen, nicht allzu erfreulichen Gedanken nach. Plötzlich zuckte sein Herz zusammen; hatte er recht gehört?

„Die Damen sind bet Hellmuths", hörte er tu seiner Nähe sprechen, „wer weiß, was dies zu bedeuten hat. Dec alte Herr wünscht, daß sein Sohn ihm bald eine Schwiegertochter ins Haus bringt und Fräulein Bruns ist ihm die liebste."

„O ja", entgegnete der Angeredete, „sie wäre dort anch ganz am Platze. Und der schöne Beu- tel voll Geld, welchen sie mitbringt, ist auch nicht zu verachten."

Paul konnte diese Unterredung nicht mehr anhören, ergriff mit einem finstern Blick auf die ahnungslosen Gäste seinen Hut und stürmte hinaus, seiner Wohnung zu.

In der Hast, mit der er voran schritt, be­merkte er nicht die beiden verhüllten weiblichen