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Zuldaer

Zeitung

monatebettage: „falbatt GeschichKblSll«

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34. Jahraanq.

Fulda, Samstag den 21. Sevtember 1907

M 217

Drittes stellt

Sn 3Ha eit. Vie tht fpalttge Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Keflamen sie Petitzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

Leser anzureden?

Am meisten finden ivir solche Fälle tu nw- ralischen Abhandlungen und erbaulichen Betrach- tungen. Der Autor wünscht in ein p e r s ö it« liches Verhältnis zu dem Leser zu treten' seine Gefühle direkt auf ihtt zu übertragen. „Lie- her Leser" bedeutet dann: ich meine es gut mit dir, möchte dich glücklich machen, dir raten, dich warnen. Ein väterliches Lächeln, ein Hände, druck, ein Freundesblick ist es, was der Autor in diesen Worten geben möchte. Er wendet sich an den lieben Mitmenschen, er will nicht seine eigene Arbeit, sondern die darin behandelte Sache em­pfehlen. Wiederholt sich die Anrede allzuhäufig, so muß sich der Leser allerdings auf sade Süß­lichkeiten und Gedankenarmut des Autors gefaßt mache».

ES hat hier keinen Zweck, mit der psycholo- logischen Sonde in die tiefsten Tiefen des Unter- bsvußtseins einzudringen, für welches man kei­nen Sterblichen verantwortlich machen kann. Aber wer in den Worten „lieber Leser" einen Appell an dessen Geneigtheit erblicken und diesen tadeln will, der muß auch folgerichtig eine große

Betattonsbtntf tu Verlag der faltaerlc« fienbndetei te falbe. Fernsprecher Ur. 9.

[:] Mein Lieber, weine Liebe.

Eine Plauderei von C. Cornelius.

(Nachdruck verboten.)

Wenn der Schriftsteller sehr wohl weiß, daß verschiedene Persönlichkeiten, die er nicht liebt, seine Worte lesen werden, so kann er doch eigent­lich gar nicht schreiben: „lieber Leser"!

Andere fügen noch Beiworte hiiqn. Es gibt Verfasser, die zuweilen die Schönheit der (ihnen unbekannten) Leserin hervorheben. Die Ünwahrbaftigkeit, die eine solche Redensart ent­hält, liegt auf der Hand. Von anderen wird der geneigte Leser angeredet. Das klingt ein wenig zopfig, wenn auch nicht ganz so plump, wie die vorstehende Schmeichelei, ist aber, wenn wörtlich genommen, eben so aus der Luft gegriffen tote diese und hat nur die Entschuldigung der Höf­lichkeit, nicht aber die toeit wichtigere des Wohl- klanges für sich.

Diese letzte Erklärung gewinnt noch an Wahr' scheinlichkeit, wenn wir eine andere, namentlich in Versen hier und dort vorkommende Anrede daneben stellen. Das Wort Wanderer oder Wan­dersmann meine ich. Es wird wenigsketts ohne jede Liebeserklärung gebraucht.

Meine Gegner wenden mir ein, daß der Wan­derer meistens in den betreffenden Dichtungen selber eine Rolle spiele, und daß sein Verhältnis zu dem Autor ein ganz anderes fei, als das­jenige des „Lesers". Es sei dem Autor daran ge­legen, den Leser für das Gebotene günstig zu stimmen und auf diesen Wunsch beruhe die Re­densart „lieber Leser". Der Wanderer hinge­gen, ein Phantasiegebilde des Dichters, brauche nicht bestochen zu werden.

Ich kann es anshalten, den letzten, scharfen Vorwurf erst noch ein wenig auswachsen zu las­set» und zuvor dem Wanderer zuleibe zu rücken. Daß er in vielen Fällen ein Geschöpf des Dich­ters ist, gebe ich zu und führe als Beispiel die Heysche Fabel „Wandersmaitn und Lerche" an. Die Lerche und auch der Dichter haben also beide nicht notig, jenen durch Liebenswürdigkeit zu bestechen. Er wird daher einfach „Wanders­mann" angeredet. Meinetwegen I

Nun ein Beispiel anderer Art. An der Glo­ckengießerei zu Rudolstadt, in welcher Schiller die Studien zu seiner Glocke gemacht hat. ist eine Erztafel angeschlagen, auf welcher die Worte stehen:

„Steh, Wandrer still, denn hier entstand, Daß keine andre gleich ihr werde, Gebaut von Schillers Meisterhand,

' Die schönste Glockenform der Erde."

„Der Vers ist so vorzüglich", wird mir er­widert, „und was er berichtet, ist so interessant, daß der Wanderer nicht durch eine, liebenswür­dige Anrede bestochen zu werden braucht. Außer­dem dient der Vers nur als Hinweis, mid es kau» dem Verfasser gleichgültig sein, ob er ge­lobt wird oder nicht."

Danach ließe also ein freundliches Anreden des „Lesers" auf einen minderwertigen Inhalt schließen. Und das ist nicht schmeichelhaft.

Wann gebraucht nun ein Schriftsteller die Anrede „lieber Leser" oder bei welchen Gelegen­heiten Kält er es überhaupt für passend, den

Scheint lägt ich mit Ittsnabwte btt Sornt« titbSeiertage. viertel» Uhrt.Vezpgrpreir tont Bringer!'hn mtb 6eik tigelb ütfalbaimb fatwärtsimt.sopfg.

Pachtung übernehmen, ist eine fachlich Ausbil- düng ebenso notwendig und nützlich. Heuw wer» ben kaum noch Verwalter angestellt, die sich Nicht über ben Besuch einer landwirtschaftlichen Schule ausweise» können.

Ein weiterer Vorteil des Besuches der Wm- terschulen besteht darin, daßfürdasspätere Leben der Zusammenhang mit der Schule erhalten bleibt. In wichtigen Fragen erweist sich auch die Schule später immer als der freundliche und nützliche Ratgeber des rüheren Schülers. Der Leiter der Schule steht wohl immer im regen schriftlichen und persönli­chen Verkehr mit seinen ehemaligen Schülern. Auch unter seinen Berufskollegen wird ein Land- wirt, der neben einer praktischen eine gründliche theoretische Schulung erhalten hat, eine höhere Stellung einnehmen, die ihn dazu befähigt, in landwirtschaftlichen Fragen, im Vereins- und Genossenschaftswesen seine Kenntnisse zum Se­len seines Standes verwerten zu können. Ge­rade in der heutigen Zeit fehlt es an jungen Männern im Bauernstände, die, ausgerüstet mit einem gediegenen Wissen und einem weitschauen- den Blick, die Interessen des Bauernstandes in >er jLeffentlichkeit vertreten. Um dieses aber zu können, bedarf es einer allseitigen Ausbildung und die Grundlage dazu geben die Winter- fdjulen.

PerOTh»ortli*et IchttstleNer: »Wetzl« jÄ’t’wi.- roodwbeuage: „Illustrierte Sonnlagrzettung

Anzahl unserer Höflichkeitsformeln int geselligen unb brieflichen Verkehr tadeln und selber ber- ^Jch' denke also, die Schriftstellerzunft wird in der vorliegenden Angelegenheit von der An­lage der Ünwahrhaftigkeit und unlauteren Gunstbewerbung freigesprochen.

Suchen wir nach Fallen, in denen die An­rede „mein Lieber, meine Liebe", eine wirklich bewußte Unwahrheit enthältI Sie smo leider allzuschnell gefunden.

In einem Hellen Gesellschaftssaal herrscht em fröhliches Treiben. Zuweilen Hingt ein Helles, kindliches Lachen aus dem Stimmengewirr her­vor. Es rührt von einem sehr jungen Mädchen her, welches die Freuden des Augenblicks in harmloser Unbefangenheit genießt. Nach auf- gehobener Tafel wird getanzt. Jenes Lachen erschallt wieder und wieder wie ein feines Glock- chen aus den wogenden Reihen in die Tanzmusik hinein. Da tritt eine ältere Dame, deren auf- fallend herausgeputzfe, blasiert dreinschauende Töchter sehr wenig getanzt haben, an das rosen- wangige, heitere Naturkind heran und flüstert, indem fie ihm gönnerhaft über das krause Haar streicht: „Meine Liebe, Sie täten gut, sich eine Weile zurückzuziehen und sich abzukühlen. Sie find erregt, Sie fallen auf."

Die Augen der Flüsternden funkeln vor Miß­gunst, während den Mund ein verzerrtes Lächeln umspielt. DaS ist offenbare Falschheit.

In diese Kategorie gehören auch die schrift- lickten Liebesbeteuerungen bei umgekehrter Ge- sinming, sofern sie ben Rahmen der üblichen HSflichkeitsformen überschreiten.

Wenn im Durchschnitt das geschriebene Wort ein gesprochenes, sagen wir, um das Gewicht von Feder, Papier und Briefbeschwerer übertrifft, so Hilden die geschriebenen Höflichkeitsformen darin eine Ausnahme. «Und da das ganze ein Sym- bol, kann es nicht schaden, wenn es hohl", sagt Wilhelm Dusch. Dieser Satz läßt sich auch auf solche Formen anwenden, unb zwar sind die ge- schriebeneii noch hohler als die gesprochenen. Es läßt sich sehr wohl vermeiden, einen ungeliebten Menschen im miindlichen Verkehr „mein Lieber" anzureden, ober wie oft sind wir genötigt, „lie­ber Schwager", „liebe Tante" zu schreiben,, wenn wir über die Laune des Schicksals, uns mit die­sen Persönlichkeiten in Beziehung zu bringen, noch niemals Freude empfunden haben! Glück- lidjertoeife pflegt der Empfänger solcher Briefe aus der unvermeidlichen Anrede nur soviel von der wörtlichen Bedeutung herauszulesen, tote er im umgekehrten Falle selber Hineiulegen würde, er wird also nicht betrogen. Ließe man diese Form ans, so würde man ohne Not beleidigen unb sich selber als unhöflichen Menschen kenn­zeichnen.

Unaufrichtig und unnötig ist es hingegen, solche Briese, tote es oft aus nichtiger Be­rechnung geschieht, gleichsam, besonders am Schluß, Ivie Schuldscheine auf eine Summe von Liebe zu tzestalten, die der Betreffende niemals auszuzahlen vermag.

Sollte in den bisher angeführten Beispielen das Wort „liebe" in seiner wörtlichen, wenn auch hier und dort abgeschtoächten oder ertoeitetten Bedeutung verstanden werden, so gewinnt es in andern Fällen einen entgegengesetzten Sinn ober auch noch eine Nebenbedeutung.

Zwei junge Leute gehen spazieren. „Ei, da kommt Fran S., die Du so zärtlich liebst", sagt der eine mit einem listigen Seitenblick, „aber das hilft nun nichts, grüßen mußt Du sie doch."

Erklärung überflüssig.

Und mm ein letztes Bild. Die Hausfrau, welche selber darin eine Figur bildet, soll er­zählen :

„Komme ich da eines Abends in die Küche, unb da sitzt in ihrer ganzen Pracht und Fülle die Neue am Tisch: vor sich die große Pfanne mit

□ Kkdwdinr und Silben der towirt» ' Idiuftliitjrn Wmikhchultn.

In einer am 1. September im Ballhause zu Hulda abgehaltenen Versammlung der Land- ivirte wies Herr Landrat Sp rin gor um dar- ouf hin, daß der Besuch der landwirt­schaftlichen Winterschule aus dem Kreise Fulda unbedingt ein stärkerer wer­den müsse. Die Redaktion dieses Blattes möchte die Ausführungen des Herrn Landrates mit dem Hinzufügen unterschreiben, daß es Pflicht der Eltern ist, auf die Ausbildung ihrer Sohne besondere s Gewicht zu legen, selbst wenn für diese auch einige Opfer gebracht werden muffen. Die Ausgaben hierfür sind eine Kapitalsanlage, Welche, wenn auch nicht für ben Augenblick, so doch für das ganze spätere Leben schöne und gute Zinsen tragen wird. — In ben landwirt­schaftlichen Zeitungen und Zeitschriften wird getzt wieder zum Besuch der Winterfchulen auf ge­fordert. Mögen deshalb von den Landwirten pte nachfolgenden Zeilen besonders berücksichtigt werben:

Klagen über die schwierige Sage des Bauern­standes sind in letzter Zeit nicht mehr so häufig Wie früher laut geworden. Gewiß mag 8Uge­hoben werden, daß die beiden letzten Jahre für die Landwirtschaft etwas günstiger waren tote die früheren, und daß auch der Landwirt heute Niit etwas mehr Vertrauen in die Zukunft blicken kann wie ehedem. Gleichwohl wäre es falsch, onnehmen zu wollen, daß nun die Landwirt­schaft auf Rosen gebettet sei. Nichts verkehrter wie das! Auch heute muß jeder Landwirt, der aus seinem Gute etwas herariswirtschafteii will, knaestrengt tätig fein. Aber fleißiges Arbeiten allein tut es nicht. Das Arbeiten und Wirischaf- ten nach alter, überlieferter Methode genügt nicht mehr. Der Landwirt muß sich heute, wenn er gute Erfolge erzielen will, der v on der Wissenschaft unb Te chnik gebö­te ii e n, b e to ä b r t cn Hülssmiitel bebte* n e n. Alle Beteiligten müssen die Mitt eß welche bringen. Umsomehr werden dann auch die Land­wirte mit bollem Recht verlangen können, daß die Regierungen und Behörden ihre Wünsche und berechtigten Forderungen berücksichtigen.

Die heutige Landwirtschaft verdankt der wis­senschaftlichen' Forschmrg unendlich viel. Ohne die großen Erfolge der Wissenschaft und Technik itoürbe die Landwirtschaft nicht ihren heutigen Stand auftocifcn. Anderseits darf aber auch nicht verkannt werden, baß namentlich in vielen bäuerlichen Betrieben die Ergebnisse der L a n b- Wirtschaftswissenschaft noch bet iwt- fem nicht genügende Berücksichtigung und An­wendung finden. Das gilt sowohl von der Pflan­zen- unb Tierprobnktionslehre, als auch von ber Betriebslehre, Buchführung und Taxaticmslehre. Unb doch müssen diese Errungenschaften Geinens gut des gesamten Bauernstandes werden. Jedoch werden die Kenntnisse, die von ben Landwirten namentlich nach der theoretischen Seite verlangt werden müssen, nut sehr wenige ohne besondere Anleitung sich aneiguen können, und den meiften gelingt dies auch nur unvollständig. Am besten werden sie in schulmäßiger Weise erworben. Das gilt sowohl für den Bauernsohn als auch für den Rittergutsbesitzer! , ,

Für bett Bauernstand kommen in erster Butte die landwirtschaftlichen Wintersch u- leu in Betracht. Die Unterrichtszeit an diesen Schulen ist, wie der Name schon besagt, zweck- mäßig auf die Winterzeit verlegt, um nicht tväh- rend der arbeitsreicheren Sommerzeit der Wirt­schaft die notwendige Arbeitskraft zu entziehen. Auch die Anschaffungskosten für Bücher, da3 Schulgeld usw. sind so niedrig gehalten, daß es auch ben kleinen unb mittleren Bauernwirtschaf­ten ermöglicht ist, die mit dem Besuche einer sol­chen Schule verbundenen Kosten zu bestreiten.

Bei ber Kürze der Unterrichtszeit muß sich bet Unterrichtsstoff im wesentlichen ans solche Gegenstände 'beschränken, die dem Bauernsohne bei seiner Arbeit im Felde und im Stalle immer vor Augen treten. Es ist eine vielfach falsche. Ansicht zahlreicher Landwirte, daß die Söhne auf den Schulen Sachen lernen, die fie später im Be­rufe nicht verwenden können, ober daß sie durch den Aufenthalt auf der Schule später 6er prakti­schen Arbeit entfremdet würden. Mit ber Ver­mittlung der theoretischen Kenntnisse geht Hand in Hand eine Erziehung für ben künftigen Stand des jungen Mannes. Auf die Erziehung zur Gottesfurcht, Arbeitfamkeft, Ausdauer und Sparsamkeit, Tugenden, die unfern Dauern- stand besonders zieren, wird auf ben Schulen be-

- Literarischer.

«»ziale Kultur. Der Zeitschrift Arbeiterwohl imb der christlich-sozialen Blätter neue Folge. 27.

Jahrgang, September 1907. 80 S. gr. Oktav. Erscheint monatlich. Preis vierteljährlich 1,50 Mark. „ ..

Inhalt des Septeinberheftes: liebet den Begriff christlich-soziale Bildung. Von Elisabeth Gnauck- Kühne, Blankenburg a. H. Beiträge zur Repro- duktion der Bevölkerung in Preußen. Von Dr. Georg ReuhauS, Direktor des Statistischen Amte» Kö­nigsberg. 1. Die Geborenen nach Beruf und sozialer Stellung des Vaters. 2. Die eheliche Fruchtbarkeit nach Beruf und Stand. 3. Die ehrliche Fruchtbarkeit nach Beruf und sozialer Stellung in einigen Lande»- teilen Preußens. Rundschau. Soziale Hygiene: Die hygienische Bedeutung der Ziegenzrnht für die Arve«, terfamilie. (Von Geh. Med.-Rat Dr. O. Schwartz, Köln). Soziale Gesetzgebung: GesängniSarbcit. (Von Rcichrtaqsabg. M. Erzberger, Berlin). Soziale Zu- stände: Statistik: Die Slürnberg-Fürther Metallspiep warenindustrie. lVon Dr. Hans Rost, Augsburg.) Kongresie: Einige» vom jüngsten Wohnungs-Reform, tag. (Von Leopold Kätscher.)

Literatur. Schweitzer: Individualismus von Smith (Ad. Ott). Bonrguin: Die sozialistischen Systeme und die wirtschaftliche Entwicklung (I. Mum- bauer). Lang: 100 Jahre Zollpolitik (A. Karst). Knoop: Konziliation und Arbiiration (Dr. Brück). Methoden des gewerblichen Einigungswesens: Vor- Handlung der 3. Generalvers. der Gesellschaft für So- -ialreform. Gilmann: Beiträge zum gewerblichen Frieden. Bernstein: Der Streik. Epstein: Die autonome Fabrik (Heinrich Koch). Pfankuch: WaS mutz der Steuerpflichtige von den preuhischen Steuergesehen wiffen (FernverS). Drillon: Le rode sozial de la Charite; Die Regel des hl. Bene- diktus (Adolf Ott). Sinclair: Der Sumpf; Der Jndustriebaron. Kaiser: Baier unser (I. Mumbauer). Eichendorfs: Geschichte der Porto schen Literatur Deutschlands (Herrn. Herz). Js«e« panski: Die Reformen der hSheren Mädchenschule; Plothow: Die Begründung der deutschen Frauen­bewegung; Krukenberg: Neber da» Eirwrtngetz .her Frauen. i« männliche. Berufe lLrane Becker),

sonders Wert gelegt. ...

Die Unterrichtszeit auf beit Winterschulen ist ian unb für sich schon sehr kurz bemessen. Sie er- ftreckt sich für gewöhnlich auf zwei Winterhalb­jahre. Es ist daher ein bedauerlicher Uebelstand, Aaß viele Eltern glauben, sie hatten genug für pte Ausbildung ihres Sohnes getan, wenn er fil" Wten Winter die Schule besucht hat. Das ist nur pn halber Bildungsgang. Der junge Mann wirb sticht ben größten Nutzen von biesem einen hal­be« Schuljahre haben. Heber wichtige land­wirtschaftliche Fragen wird er gar nichts ersah- treu haben und in seinem späteren Beruf wird ?r den Mangel einer solchen Halbbildung schwer pnpfinben müßen. Auch sollten die Eltern es »licht damit getiUg sein lassen, nur einen Sohn, Vielleicht den späteren Gutsübernehmer, zur Schule zu schicken. Auch den anderen Söhnen, insoweit sie in ber Landwirtschaft bleiben, sei eS, m sie später eine Gutsverwaltuna oder eine

vermischtes.

* London, 19. Sept. 1907. Ein noch größerer Passagierbampfer als die Lustitania, die Manretania, hat seine ersten Probefahrten begonnen. Die Wasserverdrängung be- ragt 450000 Tonnen. Die Fahrge - chwindigkeit dieses neuen Schiffes soll noch nm einen halben Knoten größer werden als die ber Lusitania.

* Brandkatastrophe in Moabit bei Berlin« Ein schweres Brandnnglück ereignete sich vor­gestern abend in ber Lehrter st raße 38 in Moabit. Eine Frau unb ein Kinb fan< >en babei ihren Tob, währenb fünfzehn Personen von ber Feuerwehr burch Sprung- : sicher, .Hakenleitern unb Fangleinen gerettet würben. Sieben von ihnen erlitten Rauch­vergiftungen und zum Teil schwere Ver- etznugen; sie würben in verschiebene Kran- enhäuser transportiert. ,

** Eme Reise hn Automobil-Wohnwagen hat bet Marseiller Automobilist Baron de Fabrögues dieser Tage durch Frankreich angeltet en. Das elegant ausgestattete Fahrzeug enthalt vorne einen »ter« enstrigen Salon und Sveiseraum mit einem Tisch sir acht Personen und vier in bequeme Betten um­zuwandelnden Polsterbänken; hinten befindet sich eine Küche mit Kohlenherd, Spülwasser-Abfluß auf die Straße und vollständiger Einrichtung; n. der Diitte ein Water-Closet und ein Toiletten-Zimmer. An auf dem Dach eingebauter Behälter, der miltetft einer von dem Motor betätigten Pumpe mit 250 Liter Wasser gefüllt werden kann, speist die Hähne der Küche und des Toilettenraumes. Der Motor, ein Tourand 35—40 PS, ist vorne angeordnet; ein Klappsitz auf der kleinen Plattform gestattet dem Mechaniker in der Nähe des Lenkers zu bleiben. Die Vorderräder haben Vollgummirrifeu; die Hinter­räder sind aus Eisen. Der Wagen besitzt eine Fuß­bremse und endlich eine Kurbelbremse, die die Feb gen der Hinterräder angreift. Baton de Fabrögues, der in Begleitung mehrere Freunde unb zweier Die­ner reift, für die in der Küche zwei Betten vorge« eben find, gedenkt niemals in einem Hotel abzu« teigen, fonbetn stets in feiner „Roulotte" zu über- nachten.

* Sämtliche Drucksachen der Friedenskonfe­renz siitd von der holländischen Lcmdesdruckerei int Haaa airsgeführt worden. Man macht sich einen Begriff von der geleisteten Arbeit, wenn man hort, daß bis heute rund 17 000 Kilo Schrift unb Druckerschwärze gebraucht worden sind. Die Anzahl Buchstaben, die die Setzer gebraucht haben, um die Drucksachen zu setzen, war 8 Mill, unb an Papier sind 1240 Ries oder 620 000 Bogen verwandt worden mit einem Gesamtgewicht von 17 000 K i la, Aufemandergelegt würde bas bis heute gelieferte Druckwerk eine Höhe von 184 Metern er- reichen. . . ,

* ein letzter Kaualschwimmverfuch. Der Ka- nalschwimmer Wolffe hatte am Montag den letzten Versuch in dieser Saison gemacht, den Aermel-Känal zu durchschwimmen. Drei Kilo­meter von der französischen Küste entfernt mußte er den K ampf mit ben Wellen aufgebe n. Er war int ganzen HVy Stuuden in zum Teil sehr Letoegter See geschwommen. Einmal wurde er angeblich durch einen Haifisch erschreckt, der so dicht bei ihm war, daß er ihn mit bet Hand streifte. Vor Antritt seines Schwimmver- suches batte Wolffe Gelegenheit zu einer schönen Tat. Er sprang von seinem Boote in voller Kleidung in die See, um eine Amerika n e - rin z u retten, die zu weit in die See hin- ausgeschtoommen und vom Krampf erfaßt wor­den war.

♦ Schrecklich! Seine Frau: „Nun? Du bist ja so niedergeschlagen?" — Der Börsianer: „Ein schrecklicher Unglückstag heute! Ich habe 100000 Mark verspekuliert! Und das Entsetzliche ist, hundert Mark davon waren mein eigene? Geld!"

Fisch und Bratkartoffeln, welche fchon fast ge­leert ist. Zuerst bemerkt sie mich im Eifer des Gefechts überhaupt nicht, unb als ich erstaunt frage: was sollen wir beim nun essen? wischt sich meine liebe Minna mit dem Hand­rücken gemütlich ben Mund ab unb sagt: „O, wollten Sie auch was bavon haben?"

Die Hausfrau ist dem naiven Mädchen durch­aus nickt abhold. Sie will mit dem Ausdruck „meine,liebe Minna" nicht gerade das Gegen­teil sagen, sondern der Sache nur einen ko- mischen A n st r i ch verleihen.

D« lieber Gott, man muß Geduld habenI Die liebe Jugend ist nun einmal leichtsin­nig und es wäre verlorene Liebesmühe, ba lange Moralpredigten zu halten l Wenn sie den l i e b e n l a n g en T a g geschafft hat, greift sie na& dem lieben Brot, wo sie's findet, ober noch viel gefd:tumber nach ihrem Lieblings- g e r i ch t.

Wir könnten noch mehr Beispiele heranziehen, um das Licht ber Liebe in alle sieben Regen­bogenfarben zu zerlegen, aber es mag mit dem Gesagten unb mit einem letzten Blick auf bie liebe M i n na genug sein.

Derb, tollpatsckrg, ja sogar ein bißchen dumm ist sie. Aber haben nicht gerade die Dummen viel Liebe und Nachsicht nötig?

Mutter Natur kann ebensowenig wie olle andern Mütter, ihren Kindern gleichmäßig ihre Gaben zuteilen. Darum verleiht sie häufig ben mit Verstand nur spärlich Beschenkten ein lie- bcRSroürbigcS, liebeerweckendes Wesen, welches ben Mangel ausgleicht.

Unb bann heißt es von solchen Persönlich- ketten: t v

„DaS Pulver hat er gerabe nicht erfunden, aber bas schabet auch nichts, ein lieber Herl ist ec doch."