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Verantwortlicher Schrlftleiter: A.wetzler für die Anzeigen'- $. Parze»« in 8«lba-

ZultzaerMZeitung

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«otationrdruck u. Verlag der 8uldaer 21« tiendr tckerei in Hulda. Fernsprecher Nr. 9.

34. Jahraanq.

Fulda, Freitag den 20. September 1907.

M 216.

Zweites Wtatt.

* Die örohiiMiotolofltn der fandmrt- Idjoft.

Bei jeder Preissteigerung landwirtschaftlicher Produkte wird die Landwirtschaft treibende Be­völkerung von der landwirtschaftsfeindlichen Presse mit den bekannten Schlagwörtern: Brot­wucherer, Nimmersatte Ausbeuter rc. überhäuft, wohingegen Preissteigerungen industrieller und gewerblicher Erzeugnisse meist ruhig hingenom­men werden. Diese ungleichmäßige Behandlung bei der Erörterung der Preissteigerung von Er­zeugnissen der Industrie und Landwirtschaft hält Dauernd an, obwohl man allgemein weiß, daß das in der Landwirtschaft angelegte Kapital mit weit geringeren Zinserträgnissen sich zufrieden geben muß als das Industriekapital und die landwirtschaftliche Arbeit weniger lohnend ist als Hie Jndustriearbeit. Hierdurch entstehen natür- lich für die Landwirtschaft direkte Nachteile. Es erscheint deshalb angebracht, auf die Frage ein- zugchen, warum gerade der Landwirtschaft wu­cherische Preisforderungen nachgeredet werden ünd wie mit Aussicht auf Erfolg die offensichtlich

grundlosen Borwürfe

'zurückgewiesen werden können. Gelegentlich einer ;@rt.ung des Ausschusses für Landeskultur und Persuchswesen zu Halle a. Saale wurde in einem Äeferat diese Frage kurz beantwortet. Als Hauptursachen werden hingestellt die großen Schwankungen der Preise landwirt­schaftlicher Produkte und die U n- Kenntnis der Landwirte selbst darüber, mit welchen S e l b st k o st e n sie produzieren. Die igroßen Preisschwankungen zwingen nicht bloß die andern Erwcrbsstände, die die Preise für die eigenen Produkts unter genauester Berücksichti­gung ihrer Geschäftsunkosten feststellen, sondern auch der gesamten Bevölkerung die Ueberzeu- gung auf, daß die Landwirte auch bei niedrige­ren Preisen noch einen ausreichenden Gewinn er­zielen und hohe Preise daher sachlich unbegrün­det erscheinen. Daß die Landwirtffhaft keinen oder doch nur geringen Einfluß auf die Preis­gestaltung habe, bleibe der großen Masse unver­ständlich, da nur die kleinste Zahl der Landwirte sich die Aufgabe stelle, zu ermitteln,

zu welchen Selbstkosten

die marktfähigen Erzeugnisse hergestellt werden. Die große Allgenieinheit der Landwirte kennt die eignen Produktionskosten nicht, weiß also anch nicht, welcher Gewinn oder Verlust bei den ver- schicdenen Preisen ihre Wirtschaft trifft. Wenn Aitn: Beispiel gelegentlich der Milchpreiserhöhung in verschiedenen Städten behauptet wurde, der Landwirt könne ein Liter Milch nicht unter 13 Pfennig produzieren, dagegen aber Molkereien bestehen, die die Milch vom Bauer weit billiger beziehen, so kann der Schluß nicht wuuderneh- men, daß bei solchem Auseinaudergehen der vom Landwirte angegebenen Preise andere Erwerbs­stände einem Teil der Landwirte ivucherisches Treiben nachsagen. Offenbar weiß aber der Bauer, der Milch an Molkereien zu niedrigem Preise verkauft, selbst nicht mal, daß er bei sol­chen Preisen unter Selbstkosten arbeitet, also direkte Verluste erleidet und seine Arbeit nicht bezahlt bekommt. Um nun den offensichtlich grundlosen Vorwurf wucherischer Preisforderun­gen durch die Landwirtschaft zurückzuweisen, ist es unerläßlich, daß die tatsächlichen

Produktionspreise einwandfrei ermittelt

und dann darauf hingearbeitet wird, daß die er­mittelten Produktionspreise allgemein anerkannt und in den landwirtschaftlichen Betrieben ebenso bei der Produktion wie bei der Setoertunq der Produkte Berücksichtigung finden. Produttions- Preis-Ermittlungen, für welche öffentliche und amtliche Anerkennung in Anspruch genommen werden dürfte, sind nicht vorhanden. Darum ist auch die Stellung der Landwirtschaft in den wirtschaftlichen Kämpfen den andern großen Er­werbsständen gegenüber wesentlich erschwert. Das bekannte Bismarcksche Wort: „Niemand hat in Deutschland ein Recht, landwirtschaftliche Pro­dutte billiger zu verlangen, als dieselben in Deutschland herzustellen kosten", hat solange kei­nen Wert, als die Herstellungskosten nicht be­kannt sind. Solange solche sichere Ermittlungen fehlen, erscheint deshalb jede Preislage als mehr oder weniger willkürlich und kann der Vorwurf der Nichtberechtigung nicht mit Erfolg abgewie- sen werden. Wären dem Landwirte die Selbst­kosten bekannt, wüßte er, wann für ihn die Pro­duktion mit Verlusten beginnt, so tvürde der Widerstand gegen das Sinken der Preise bis auf die Selbstkosten oder gar unter dieselben nicht nur bei jedem einzelnen stärker, sondern es würde der Widerstand der gefaulten Landwirtschaft ge­schlossen und einheitlich geltend werden und somit an innerer Kraft gewinnen. Allerdings darf nicht übersehen werden die

außerordentliche Schwierigkeit,

die tatsächlichen Produktionskosten landwirt­schaftlicher Erzeugnisse 311 bestimmen. Deshalb erscheint cs angebracht, daß Ermittlungen, die eilUvandfreie Geltung beanspruchen wollen, nur von bestimmten Stellen erfolgen können. In dein Referate wurde darauf hingetviesen, daß sich in erfter Linie Mu st erwirtschaften und wissenschaftliche Institute mit der Erinittelung der Eigenkosten befassen sollten. Je autoritativer diese Ermittlungssiellen sein wer­den, desto leichter werden die Ermittlungen selbst allgemeine Beachtung finden. Da recht erhebliche Abweichungen unter den Ermittlungen nach der Gegend, dein Boden, Klima unvermeidlich sind, wird die Anerkennung vermittelnder Ausgleichs- Preise Herbeizitführen sein. Eine Verwirklichung solcher Vorschläge wäre mit Frenden zu begrü­ßen, denn nur dadurch wird die Stellung der Landwirtschaft gegenüber der Preisgestaltung sicher begründet und nicht bloß auch Berücksichti­gung beim Handel, sondern auch bei den staatli­chen Behörden finden und dieser würde damit eine sichere Richtschnur bei allen Tariffragen, Abschlüssen von -Handelsverträgen gegeben. Auch der landwirtschaftlichen Produktion selbst würde aus solchen Maßnahmen großer Nutzen erstehen.

Deutsches Netch.

Berkin, 19 September 1907.

§ Die Altkatholiken mit dec Werbetrommel. Ein Hoffnungsschimmer scheint den Altkatholiken in der sog. Reformbewegung der letzten Tage zu leuchten, um ihr kleines Häuflein zu vermehren. Darum glauben sie das Eisen schmieden zu müssen, solange es warm ist. Auf dem VIL internationalen Altkaiholikeukongreß, der vom 3. September an im Haag abgehallen wurde, ist auf Antrag des Pfarrers Moog aus Dort­mund folgende Erklärung angenommen worden: „Der Kongreß hat it Dank gegen Gott Kenntnis genommen von den ernsten Ver­suchen gottesfürchtiger und gelehrter Männer in Deutschland, in Frankreich, in Italien und anderen Ländern, innerhalb der unter dem

Papste stehenden römisch-katholischen Kirche eine Reinigung der Lehre, der Einrich- 1 ungen und gottesdienstlichen Formen anzu­bahnen. Allein wie aufrichtig er auch diesen Bestrebungen Erfolg wünscht, so kann er ins- besondere im Hinblick auf die Dekrete des vatikanischen Konzils und auf den neuen Syllabus vom 4. Juli 1907 sich keine Mög­lichkeit vorstellen, eine Besserung der Verhält- niste herbeizusühren ohne Ausscheiden der Reformfreunde aus der Jurisdiktion des römischen Papstes. Der Kongreß bittet daher alle frommen, denkenden römischen Katholiken, sich nicht durch den Schein einer äußerlichen unkatholischen (?) Einheit blenden zu lassen. Indem sie sich der altkatholischen Kirche, die den Glaubens- satz und die Verfassung der ungeteilten katho­lischen Kirche unversehrt (?!) und mit unver­brüchlicher Treue bewahrt, an sch ließ en, werden sie die Einheit der katholischen Kirche unter dem einen Haupte Jesus Christus wahr- haft fördern usw."

Dieser Versuch ist doch gar zu plump an­gelegt. Also das kleine Häuflein von Altkatho- li en — im ganzen Deutschen Reiche sind es etwa 4000 mit 60 Geistlichen — will die wahre Kirche Christi repräsentieren und einzig und allein den „Glaubensschah" unversehrt bewahrt haben! Darauf wird wohl niemand mehr hinein- fallem

Roch ausdringlicher ist ein Ausruf desselben allkatholischen Psarrers Moog, in dem es u. a. heißt:

„Ist denn kein deutscher Mannesmut, fein deutscher Mannesstolz, kein deutscher Mannes­zorn in den Herzen jener Tausende freigesinnter Katholiken, deren Mund Schell gewesen ist? Warum lasten sie sich bannen und stoßen? Kann man nicht katholisch sein ohne Papst? (!) echt katholisch und echt deutsch? Gehört denn das Papsttum zum Wesen des Katholizismus? [freilich! D. R.f Gibt es nicht eine russisch-katholische Kirche ohne Papst? [leibet!] eine griechisch-katholische Kirche ohne Papst? . . . warum soll es keine deutsch-katho- lffche Kirche geben ohne Papst? [weil es keine katholische Kirche ohne Papst geben kann!] . . . Kommt zu uns, wenn ihr frei sein wollt! Die altkatholische Kirche ist durch und durch katholisch [ja wohl, das katholisch ist bei ihr durchs, aber sie ist zugleich echt deutsch, [die katholische in Deutschland auch], frei von altem welschen, ultramontanen Wesen [leider!]. Was ihr mit Sandkörnern zusammensucht, haben wir als stolzen Bau. (?!) . . . Warum habt ihr nicht den Mut, zu uns zu kommen? Wir haben alles, was ihr begehrt. Wir sind katholisch: wir haben die hl. Messe, wir haben die 7 Sakramente, wir haben einen katholischen Bischof, katholische Priester. Wir haben alles, alles, was eine katholische Kirche ziert, [nur keine Leute! D. R.] . . . Welch eine Erlösung für Euch, wenn ihr zir uns kommt! Und welch ein Gewinn für uns", [kehrrichtig. D. R.]

Einen dritten Versuch, Die Katholiken zu sangen, macht ein Altkatholik in bewegten Worten in der liberalen ,Nationalzei!ung' vom 3. Sept. (9lr. 412), indem er am Schluffe sagt: „Richt jedem sagt es zu, solche Befreiung zu suchen durch Uebertritt zum Protestantismus. Im Alt­

katholizismuS aber ist das Mittel gegeben, fref zu werden und doch katholisch zu bleiben." Mau sieht, die Katholiken sollen durch das Wort „katholisch" auf den Leim gelockt werden. Der Altkatholizismus wird wohl auch diese Periode vorübergehen lasten müssen, ohne seiner Alters­schwäche durch neues Blut aushelsen zu können.

* Hefter die Enzyklika gegen den Modernis­mus ist die liberale Presse mit ihrem Urteile schon fertig, noch ehe ihr der Wortlaut der Enzyklikavörliegt. Die,TäglicheRundschaist, das Organ unseres Kaisers, hebt ein gewaltiges Geschimpfe an; nachdem sie einen lelegraphstcheu Auszug aus der neuen Enzyklika gegeben hat, schreibt sie in der an ihr gewohnten Stilart folgendes:

„Im wesentlichen hat man ja etwas derart erwartet. Hefter die Tendenz der Enzyklika konnte ja gar kein Zweifel bestehen. Auch hatte man voir der seit dem Tode Leos unter dem Krummstab des zehnten Pius im Vatikan Mode aewordenen „H e m ft ä r m e l p 0 l i t i k" (!) ge­wiß kein Meisterstück raffinierter Hmschreibungs- lüulle erwarten dürfen. Doch aber überrascht diese neueste vatikanische Kundgebung au ftcit Erdkreis durch die ungeheuerliche Plumpheit, mit der sie im Gegensatz zur ktaslischeit Stilistik leoninischer Zeit unge­schlacht drein führt. (I) Niemals hätte ein Manu von der Kultur eines Leo feinen Namen unter ein solches Dokument priesterlicher Barbarei (!) gesetzt, nie hätte er zugelassen, daß die Taten des heiligen Stuhls derartig auch des äußerlichsten Firnisses moderner Bildung, auch des leisesten Scheines von Verständnis sur die Forderungen der Zeit entkleidet worden wä­ren. (!) Man kannte den armen Geist (!) des Mannes, der zum Schaden seiner selbst auf den Stuhl Petri gehoben wurde. -Hilft doch steht man überrascht, fast erschreckt vor dieser Dokmuentie- rung erftarmung§toerteftcr innerer 9t r in u t. (!) ' Alles ist da eng und durstig und darum gehässig im kleinsten Sinn. (!), Welcher dunkle Abgrund von Verständnislosigkeit für den Durst der Seelen nach Licht und Lauterkeit. (!) Welche hilflose Dumpfheit (!) in 'dieser gewaltsamen Proklamierung der „wahren, katholischen Wissen- schast inift der pflichtgemäßen katholischen Lehre". Welä er Haß in dieser Aechtung, Verfolgung und Ausrottung der Modernisten ans allem Herrsch- oereich der Kirche. (!). Welche unwürdige Unter­werfung auch der Getreueste» unter ein aller Menschenwürde bares System von Gesin­nungsschnüffelei. (!) Nichts, aber anch nichts'unterscheidet die Gesinnungsart der Leute, die dem Papst diese Kundgebung diktiert haben, von jener der der si ch t i g t e n Meister der In- guifition. (!) Sie hassen und verfolgen und rot­ten aus mit dem äußeren Blaß von Mitteln, die ihrem Haß zu EeMtz stehen. Daß sie nicht mein die Werkzeuge der alten Iuqnifition nach Herzenslust gebrauchen, ist nicht ihr Verdienst, sondern ihr fühlbares innerstes Bedauern. Den Geist befällt bei ihrem Tun ein G r a u en. Hilft doch werden die dicken römischen Kerkermaucrn schließlich am sichersten zum Bersten gebracht werden durch die innere Anhäufung solchen ino- ralischen Zersetzungsstoffes, durch die Mehrung und übermehrung solcher innerer Spannungen.

Man kann iolche Wutausbrüche nur daraus erklären, daß bte /Tägliche Rundschau' und ihre Gesinnnngsgenosse« von der von der Enzyklika getroffenen 'Richtung sich Hoffnungen machten, deren Erfüllung sicherlich nicht im Interesse der katholischen Kirche liegen.

Lebenswege.

Roman von Klara Wilhelml.

<] (Nachdruck verboten.)

„Denken Sie wirklich, daß es so schlimm wer­ben könne?" sagte er scherzend. „Sollte es öfter in der Tat so schlimm werden, so wäre es ein Trost für mich, daß wir zusammen sind."

„Jawohl, auch für mich," entgegnete sie leise.

Diese wenigen Worte klangen ihm wie himm­lische Musik durch den Gewittersturm. Er ant- hJortete nicht, rückte öfter näher zu ihr heran, vis sein Arm ihre Schulter berührte, und sie sich daran lehnte. Wieder zuckte sie beim Blitzstrahl zusammen.

„Was fürchten Sie?" fragte er mit innigem Tone und blickte tief in ihre Augen. Es wurde ihr wieder recht beklommen zu Mute, und sie senkte ängstlich den Blick.

„Ich fürchte, daß uns der Blitz trifft," ent­gegnete sie befangen.

„Wir wollen hoffen, daß dies nicht geschieht," entgegnete er, seinen Arm fester um sie legend. BO, wie gern möchte ich Sie mein ganzes Leben tnfturdj vor Leid und Hngemach schützen. Wür- fen?" tC nnter meinem Schutze sicher füh- ., --Ja, ganz sicher," hauchte sie und wendete sthm dabei das Gesicht zu. Die unschuldigen Plngen blickten ihn so voll Innigkeit und Ver- ~9“eu. an< daß es ihm ganz wundersam zu jSmne ward, und er sich sagte: „jetzt ober nie!" s . "Kathchen," sagte er bewegt, „eine Stunde icjc kommt so leicht nicht wieder; lassen Sie xs sich sagen, was ich seit langem im Herzen mit tnir Herumtrage. Geben Sie mir das Recht, ihr ganzes Lehm hindurch Ihr Beschützer zu sein! «lassen Sie uns im Gewittersturm hier in der iberebeten Kapelle einen Bund für das Leben fließen. Käthchen, ich liebe Sie, — und wenn

ich mich nicht sehr irre — so lieben Sie auch mich."

Sie barg das erglühende Gesicht an seiner Brust und fragte mit bebenden Lippen: „Ist eS denn wirklich wahr? Ist das Liebe? — 0 könnte ich nun sterben!"

„Nicht sterben." rief er, indem er sie stürmisch an sich zog, „sondern leben, und so Gott will, ha­ben wir noch ein langes Leben vor uns, dessen wir uns in Liebe erfreuen wollen. Sage mir nur, daß Du mich liebst."

„Ja, in alle Ewigkeit."

„Nun, dann sind wir glücklich," jubelte er, „der heißeste Wunsch meines Herzens ist erfüllt, da ich Deiner Liebe gewiß bin."

„O, wie bin ich glücklich," wiederholte sie, in­dem sie sich zärtlich an ihn schmiegte.

„Darf ich jetzt auch den Grund Deiner Tra- nen von vorhin im Walde erfahren," sagte er, ihren Kopf empor hebend und sie mit glücklichem Lächeln anschauend.

»Ich weiß wirklich nicht, weshalb ich weinte," entgegnete sie, treuherzig seinen Blick erwidernd, „ich tvürde es Dir sonst gewiß sagen. Es war mir so eigen ums Herz, als wollte dasselbe zer­springen."

Sie hielt erschrocken und errötend inne, wie leicht und unvermertt war das Wörtchen „Du" ihren Lippen entschlüpft.

„Sag, Käthchen, galten Deine Tränen mir?"

„Ich glaube ja, es waren Tränen der Sehn­sucht nach dem Glücke, welches ich jetzt gesunden habe."

„O, Käthchen, Du sollst meinetwegen keine Tränen mehr vergießen, es seien denn Tränen der Freude."

So saßen sie eine Weile Arm in Arm anetn# ander geschmiegt und vergaßen die Welt draußen mit ihrem Unwetter und freuten sich ihres eben gewonnenen Glückes, bis ein heftiger Blitz, dem gleichzeitig ein Donner folgte, welcher das Klo­ster in seinen Grundfesten wanken machte, sie in

die Wirklichkeit zurückführte. Fester schmiegte sie sich an ihn.

„Das Gewitter zieht jetzt vorüber," suchte el­fte zu beruhigen, „höre nur, der Donner rollt schon in einer größeren Entfernung. Bald ha­ben wir wieder das schönste Wetter. Laß uns diese kurze Zeit, welche uns hier zugemessen, noch benutzen. Zuerst habe ich eine Bitte an Dich, Liebste."

„Sprich, Geliebter, sie ist Dir im Voraus ge- währt," lächelte sie selig.

^Jch muß bitten, daß wir unser süßes Ge­heimnis noch eine Zeit lang geheim halten."

„Geheim halten?" fragte sie erstaunt, „war­um denn?"

„Weil ich bemerkt habe, daß Deine Schwester mich nicht mit ganz freundlichen Augen anschaui, ich glaube nicht, daß ich ihr ein willkommener Schwager bin. Deshalb muß ihr unser Verhält­nis noch verborgen bleiben, bis sie günstiger über mich denkt."

„Aber, Paul, ich habe noch niemals meiner Schwester gegenüber ein Geheimnis gehabt," entgegnete sie, „darf ich es ihr nicht sagen?"

„Damit sie unfern eben geschlossenen Bund morgen gleich wieder löse?"

„Tu sollst doch wissen, Paul, daß ich mich nicht zwingen lasse," entgegnete sie, trotzig die Ober­lippen aufwerfend: unsere erste Begegnung hat Dir ja schon gezeigt, daß ich das mit gesteckte Ziel auch erreiche."

„Zwingen tvird man Dich auch nicht, mein liebes Käthchen, öfter uns trennen, sobald unsere Liebe entdeckt wird. Es toerden Dir bessere Par­tien geboten und deshalb wird man Dich zu Dei­ner anderen Schwester oder zu einer Freundin so lange auf Besuch schicken, bis Dein Herz, sich neuen Eindrücken hingegeben, mich vergessen hat," sagte er schmerzlich.

„Ich habe Dir eben gesagt, daß ich Dich in alle Ewiakeit liebe, 6a werde ich Dich gewiß auch

nickt v»rgesseu. Hilft eine Trennung von Dir halte ich auch nicht aus, da wird cs wohl so sem müssen, wie Tu sagst, und wir unser Geheimnis für uns behalten."

„Ich wußte ja, daß Du dieses enisehen wur- fteft, Tu bist ja mein verständiges, liebes Maft- ^"'Kennst Du diese Rose noch. Liebste," sprach er eine verwelkte Blume aus seinem Notizbuch neftinrnft. „ES ist dieselbe, welche Du damals von dem Felsen holtest, und seit sie mein Eigen- tum wurde, mich stets begleitete. Du siehst, tote treu ich Dich liebe." ,

Sie schlang ihren Arni um feinen Hals und flüsterte: „O Paul, ich werde Dir diese Liebs mein Leben lang vergelten. Doch nun komme, der Regen hat nachgelassen, man wird besorgt um uns sein."

.Zuvor aber sage mir noch, wo wir uns tref­fen können, wenn wir uns sprechen und etnanfter etwas mitteilen wollen. Im Hause Deiner Schwester geht das natürlich nicht, da stehen totr uns fremd gegenüber."

Käthchen sann einige Augenblicke nach: .Meine alte Wärterin, die Christine, ist treu tote Gold, der können wir uns anvertrauen." '

Nachdem auch dieses geordnet, begab sich das junge glückliche Paar auf den Weg zum Wirts- hause. Alle Fenster desselben waren geöffnet und Tanzmusik tönte ihnen aus denselben ent­gegen. Die leichtlebige, fröhliche Jugend hatte sich durch BttG und Donner nicht nochmals in ihrer Lustbarkeit stören lassen und schnell einen ländlichen Ball arrangiert j

Als Paul unft Käthchen eintraten, wurde der Tanz unterbrochen und alle drängten sich zu ihnen, um zu erfahren, tote es ihnen ergangen unft wo sie so lange gesteckt hatten. Werner er­zählte, daß sie in der verfallenen Kapelle M, alten Klosters Schutz vor dem Unwetter 0^ fünften. . ..... . . /M

(Fortsetzung folgt.)