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34. Jahraana.
Fulda, Donnerstag den 19. September 1907.
.30 215.
Deutsches Reich.
Berlin. 18. September 1907.
wie sie umfangreicher nicht in einem bürgerlichen Blatt enthalten ist. Abgesehen von den Anzeigen über Gewerkschafts- und ähnliche Versammlungen. die ja auch mit einem geselligen Beisammensein geschlossen zu werden pflegen, bringt das genannte Blatt am, letzten Sonntag nahezu an zwei Seiten reine ~ ~ 2 “ " 2 *' ** 2 a'
* Wo bleiben die neuen Reichskassenscheine ? Am 20. Februar 1906 ist das Gesetz über die I neuen Banknoten zu 30 und 50 Mark erlassen worden; am 5. Juni 1906 folgte das Gesetz, wonach die Reichskaflenscheine künftig zu 10 und 5 Mark ausgegeben werden sollen. Die ReichS- bank hat mit der Ausgabe der kleinen Banknoten begonnen, aber sie gab nicht genügend solcher Abschnitte heraus. Man kann heute schon sagen, daß sich die Einführung dieser kleinen Banknoten gut bewährt hat, jedermann benutzt sie gerne; es ist deshalb- zu wünschen, daß man bald noch mehr solcher Banknoten erhält. Verwundert aber
muß man fragen, weshalb die Reichsbank noch | qar keine neuen Reichskassenscheine ausgegeben! hat; das Gesetz ist schon über ein Jahr in Kraft: und noch wartet alles auf diese neuen Kassenscheine. Man erfährt aber nur. daß dre Reichs- I bank nahezu alle alten Kassenscheine aufgekauft hat; das geschieht wohl nicht allein zu dem Zwecke, um dem Reiche den Einzug zu ersparen, sondern im Interesse der Bank, welche diese Reichskastenscheine zur Verbesserung ihrer Notendeckung benutzt. DieReichskaflenscheine sind eine schwebende Schuld, für welche eine Deckung nicht vorhanden ist- wenigstens nicht immer. Man verweist gerne darauf, daß nur 120 Mill. Mark in Reichskaflen- scheinen ausgegeben seien, daß aber auch 120 Mill. Mark in Gold im Juliusturm in Spandau liegen, daß somit eine gewisse Deckung doch vorhanden sei- aber daS ist nur für den Frieden zutreffend, denn am ersten Tage der Mobilmachung werden ja schon diese 120 Mill, des Juliusturmes ge- braucht. Aber unbekümmert um diese Frage muß man fordern, daß nun endlich mit der Ausgabe
Meint IS gl ich «« lnrnahme der Sonn« tob Stietlage. viertel« jiHN.ve;usspre,r ebne Brhtgtrl'-bn und ye,ellgeldin8«ldannd auswärts 1 Ult Sv pfg-
lichen muß." *— — .
Bravo der Anwesenden Herr Srnger. berichten über die Verhandlungen.an - Stelle, hier sollen nur einig: Illnstr:.. dem Begriff „Proletariat", das ja dre Sozialdemokratie speziell zu vertreten behauptet, gegeben werden. Das Prolet arr at rn der wah- ren Bedeutung des Wortes ist überhaupt nicht organisiert und hat deshalb auch rn der Sozialdemokratie keine Vertrete- rin. Die Fürsorge für die Aermsten überlassen die Genossen wohlweislich der
christlichen Liebestätigkeit.
Wir erinnern uns nicht, daß die Berliner I Sozialdemokraten mit ihren reichen Mitteln I für die untersten Schichten des Volkes, etwas I namhaftes geschaffen hätten, abgesehen vielleicht von dem Asyl in der Wiesenstraße m Berlin, das zum Teil von einigen reichen Parteifreunden erhalten wird, der unentgeltlichen Rechts- auZkunftstelle des „Vorwärts", und hier und da einer Renommiersammlung, die aber meistens I einen politischen Hintergrund hat. I Die Angehörigen des untersten Standes gewin- nen für die Sozialdemokratie erst wieder ^nter» I esse, wenn sie wirtschaftlich genügend er- stärkt sind, um Parteibeiträge leisten zu können. Vertreten ist in den sozialdemokratischen I Organisationen nicht das Proletariat, sondern gerade der be st bezahlte Teil der Arbeiter-1 schast, Leute, die mit ihrem Einkommen viele selbständige Kaufleute, Handwerker rc. weit über- treffen. Noch beim letzten großen Berliner Bau- Handwerkerstreik wurde bekannt, daß die Akkordmaurer einen
Wochenverdienst von 110 <At und darüber erzielen. Welcher mittlere Beamte kann ein solches Einkommen aufweisen? Von solchen Leuten als von Proletariern zu sprechen, ist direkt lächerlich. Wir sind die ersten, die der Arbeiterschaft den höheren Komfort des Lebens gönnen. Wenn der Kampf ums Dasein leichter wird, wird auch mehr Raum und Zeit für Bildung s - und Wifsenszwecke und eigenes- Nachdenken geschaffen, die ersten Vor- bediugungen, um den Arbeiter von ben. sozialdemokratischen Ideen abzubringen. Es ist aber törichtes Gerede, wenn die sozialdemokratische Presse so tut, als weun die Genossen samt und sonders nicht wüßten, wie sie täglich ihren Hunger stillen sollen. O nein, so schlimm geht es den Herren nicht, sie sind sogar imstande, sich Ausgaben zu leisten, bei denen sich der Mittel- staud zehnmal besinnen muß, ehe er sie verwirklicht. Der „Vorwärts", der im Leitartikel über Auspowerung und Verelendung jammert, bringt im Inseratenteil eine
Vergnügungstabelle,
zeigen. Man kann nicht sagen, daß unter, den angezeigten Vergnügungsstätten sich nur ,edler Art" befinden, wie sie der „^orw^.- sonst emphatisch empfiehlt. Nun schließlich muß feder wissen, wie er am vorteilhaftesten für sich sein Geld ausgibt, das gilt auch für die Genossen. Aber Einladung ins Metropolthe- ater und Auspowerung und Verelendung, das reimt sich schlecht zu- s a m m e n.
ment der Gardes du KorpS in Potsdam enthoben und zum Major befördert worden.
♦ Gegen die Reife des Kolonialstaats« sekretars Dernburg werden in der ihm gutge- finnten Presse immer mehr Klagen laut. So schreibt die .Deutsche Tageszeitung', daß die Vertreter der Presse s e h r f ch l e ch t behandelt worden seien, daß man sie nicht einmal habe an der Wüstenreise teilnehmen lassen. Wir haben eine gewisse Schadenfreude darüber; denn die Preffe hat diesen Mann einstens über den grünen Klee gelobt, so daß er zu der Ansicht kommen mußte, en eonniaa ncmezu i diese als ganz unbedeutend zu behandeln. Warum Ve^gnügungs-Isind die Vertreter der Preße mit hmausgererst.
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.Fernsprecher Rr. *>.
' * Gegen die Welfen sucht der Reichskanzler nun seine Stärke zu zeigen, , nachdem er Öen Kampf mit den Polen verspielt hat nnd nach- dem er den Dänen etwas nachgegeben hat. Dre Welfen haben bekanntlich auchin derOpvositton gestanden und wurden Mit Hilfe der Krieger Vereine und des konfessionellen Hasses geschlagen. °$efet wird bekannt, daß man 3 Angehörigen der Partei die Bestätigung als Landschaft sm, tf ,he- btrn versagt hat. Wir glauben nicht, daß der Reichskanzler mit solchen Maßnahmen sehr
Ausland.
♦ Bon der Haager Friedenskonferenz. In einem sehr wichtigen Punkte, in der Mi neu- frage, werden die langwierigen Konferenzver- veihandlungen wiederum ohne Ergebnis bleiben. Das ist bedauerlich, aber leider auch nur zu erklärlich: viel Köpfe, viel Sinne, und dazu kommen die technischen Einwände. Sehr anerkennenswert war Deutschlands Haltung, die Worte, die Frhr. v. Marschall sprach, be- wiesen den ernsten Willen, soweit es irgend angängig, Humanität walten zu lassen und Rücksichten auf den Seeverkehr zu nehmen, wenn auch das harte Gebot der Landesverteidigung, der Selbsterhaltung zu des Anwendung des grau- fönten Kampf- und Verteldigungsmittels der Uliterseeminen zwingt. Der Antrag, welchen Frhr. v. Marfchall bezüglich dieser Frage stellte, I kam vor dem Komitee-Entwurf zur Abstimmung; 15 Stimmen lauteten dafür und 9 da-
daß auf diese Dinge hin die Partei sich, erholt was wir wünschen; nur muß sie dm sozialen Gedanken mehr in den Vordergrund stellen. Von dem Protest gegen 1866 kann eine Partei heute "^/.^Tie^Angst vor den Orden. Mit sicht- sicher Beklemmung meldet das freipnn ge-Berliner Tageblatt': »In der Nähe von Glatz wird demnächst eine Zweigniederlassung der Kongregation des hl. Franz von Sales, genannt S i lesianer von Troyes, errichtet. Durch einen Ministerialerlaß vom Juni erfolgte die Genehmigung. Sie war eine der letzten -Ja en der Aera Studt. Damit erhalt die Grafschaft i Glatz ihre erste Ordensniederlaflung."
* Schutz gegen Mädchenhandel. Der/Reichs- anz.' veröffentlicht eine Bekanntmachung des ReichS- kanzlers betr. den Beitritt Deutschlands für die Schutzgebiete zu dem in Paris unterzeichneten Abkommen über Maßregeln zum Schutze gegen den Mädchenhandel, ferner eine Bekanntmachung, I welche die Bestimmungen betr. Einfuhr von Pflanzen aus der Schweiz insofern erleichtert, als die Zollabfertigungs-Stellen vermehrt werden.
öer«*t*ortii*<*kt
w«chE«g«: „Illustrierte Sonntagrzettung
* Das Kaisertelegramm an den Kardinal I Vannutelli läßt gewisse Leute nicht zur Ruhe kommen. Die Preffe des Evangelischen Bundes entnimmt der »Croix' die Nachricht, daß s. Z. auf dem Metzer eucharistischen Kongresse die Bekanntgabe der Drahtnachricht des Kaisers absichtlich zurückgehalten worden sei, nm den französischen Bischöfen eine Kundgebung zu ersparen, die ihrem Patriotismus peinlich geworden
sei man habe nämlich das übliche Kaiserhoch I umgangen. Demgegenüber stellt die ,Lothr. Volkst/ fest: Das Begrüßungstelegramm des Kardinals ging ab nach dessen Ankunft am Dienstag abend. Der Kaiser befand sich damals ständig auf der i Reife, und so mag es gekommen fein, daß die Beantwortung erst verhältnismäßig spät erfolgte. Das Antworttelegramm traf am Sonntag, den 11. August, ein, und zwar gerade während des Festesfens im Bischofshofe, welchem neben den Kirchenfürsten und hohen geistlichen Würdenträgern auch die Vertreter der Regierung und der Stadt beiwohnten. Alles in allem 70 Personen, darunter auch, wie besonders hervorgehoben sei, drei französische Bischöfe. Der Kardinal seM verlas den Wortlaut des Kaisertelegramms und gedachte im Anschluß hieran mit warmen Dankes- roorten deS Kaisers.
* Ter Kronprinz ist, wie daS Militär- Wochenblatt' amtlich milteilt, am Mittwoch von dem Kommando zur Dienstleistung beim Regi-
, tu 9 sntntt Iber neuen Kassenscheine ernst gemacht wird, weil
eitlen willen für se- wenn man fe to 6tm» fte für i>ie ® e jd) «f»”«» «blolut noWnbig ftnb.
welchem Stolle li- ch-1 da, Merst die He-ab >.»> f,. I • Für,--,- M den b-mlch-n Weiniom Der
Er hat in Staatssekretär des Innern, Staaismmister Dr. Bethmann-Hollweg und der Minister
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UtlHORtöliL ! schönen Augen des Herrn Singer willen geben ^ch Steine auf ihn; es schreibt. ,,®r hat m (
In Essen, „der Hochschule der kapitalistifchm sie «g»*® Parad« AKL ^Äch^Domänm und Forsten v
eiusbeutung", wie der „Vorwärts schreibt, ta ! sch 6enn interessant zu Imit einem einzigen Kauf«! Arnim haben in Begleitung von > Raten die
gen zur Zeit die Bertreter der „Entrecht u die größten Spezialitätentheater Ber- ^gemach, w Aber die Bedürfnisse geplante Reise nach dem von der Reblaus ver-
Enterbten", um der Arbeiterklasse zum B ^ch^s „icht billig sind und ihr Haupt- mann oder Pflanz y Fort- leuchten Gebiete um Metz am Mittwoch, den
sein zu bringen, „daß sie nicht dazu^da. is, Aus I)ahl'ikum in der L e b e w e l t suchen, mit großen deS Landes gesprochen, sch R 6 ch angetreten. Die Besichtigung selbst
hentungsobiett für mne Hand vollGrotz PudUwm m eine Unzahl kleinerer schritten überzmgt. Kaum in emeinzigesKonwr 1«. unb roirb ba§ mr-
einige ,o, । ; <m™ -— dnb unter den Arvr tzie Hunderttausende,
Vorwärts diese selflamste aller Ministerreisen kosten Vorwärts l welche daS in der Kolonie so reichlich vorhandene böse Blut tonnenweise vermehren wird." Der Reichstag wird somit verpflichtet sein, sich über diese Reise nähere Auskunft zu erbitten, schon wegen der hohen Kosten. Das deutsche Volk zahlt die Mimstergehälter nicht für XSeSäSA=ISÄ6Ä dem Afrikafonds Gelder zur Unterstützung einer Art Jagdpartie eines Prinzen gegeben worden sind, so muß der Unwillen noch steigen; man nennt zwar diesen Jagdausflug eine For cher- l reise; aber gerade in der .Franks. Zeitung' ist klar gesagt worden, daß die ganze Veranstaltung mehr den Charakter einer Jagdpartie trage. Von der einst so vielgerühmten Reinigung und großzügigen Kolonialpolitik hört man sehr wenig mehr reden.
Lebenswege.
Roman von Klara Wilhelmi.
5] (Nachdruck verboten.)
Ungefähr eine Stunde von dem Städtchen entfernt findet man die Ruinen eines großen, stattlichen Klosters, welches in grauer Vorzeit der Aufenthalt frommer Mönche gewesen. Der eine Flügel desselben ist noch wohl erhalten, während der andere so ziemlich einem großen Schutthaufen ähnlich sieht. Ginster unb sonstiges wildes Gestrüpp ragt aus den öden Fensterhöhlen hervor. Unmittelbar hinter dem alten Kloster erhebt sich eine ansehnliche, große Waldung von hoch zum Himmel emporragenden Eichen und Buchen, welche meistenteils bis in die Gipfel von Epheu umrankt sind. Und dieses schöne Bild spiegelt sich klar und deutlich in dem Hellen @e- tväfler des majestätisch vorbeifließenden Stromes.
In geringer Entfernung steht das freundlich«, bon wildem Wein umrankte Haus eines Land- Wirts, dessen tätige Ehehälfte gern bereit ist, den vielen Besuchern dieses schönen Punktes Erfrischungen zu reichen und dadurch ihre Einnahmen zu vermehren.
Alljährlich wurde einmal vom Kasino aus eine Fahrt zu Wasser nach dem alten Kloster gemacht, wo man unter den hohen Bäumen des dichten Waldes sich stets herrlich amüsierte. Auch für diesen Sommer stand diese Partie noch auf dem Vergnügungsprogramm des Komitees und sollte am folgenden Sonntag stattfinden. An den Tagen vorher wurde viel gesprochen über die zu erwartenden Freuden, und ob das Wetter noch so lange gut bleiben würde, da in der letzten Zeit eine schwüle Hitze geherrscht habe. Man befürchtete ein Gewitter und mit diesem einen Umschlag in der Witterung. Allein das Vergnügungskomitee hatte die feste Versicherung abgegeben, daß
Matter gut bleiben würde, und fröhlichen
Herzens - bestieg man am Sonntag mittag die chön mit Fähnchen geschmückten und mit Maien besetzten Kähne. Es wurde eingestiegen,, wie man eben Platz fand, nur daß Jugend bet Jugend und die älteren Herren sich bei ihre Damen setzten. Paul Werner sorgte dafür, daß er m demselben Kahn Platz fand, welcher Käthchen aufge- nommen. Es war eine herrliche Fahrt auf dem blauen Wasser zwischen den malerisch schönen Ufern, welche viele Abwechselung boten. Bald waren die hohen Ufer mit schönen, schattigen Bäumen besetzt, bald zierte dichtes Gebüsch die sanfte, grüne Rasenfläche, dann wieder schlän- gelte sich der Fluß durch üppige Kornfelder, lieber alles dieses spannte sich der wolkenlose, blaue Himmel aus, und der Fluß bemühte sich, das Bild desselben getreulich wiederzugeben.
Unter Gesang und allerlei Scherz und Kurzweil wurde die Fahrt bald zurückgelegt; schon war man an der Stelle angelangt, wo von der einen Seite des Ufers drei große ehrwürdige Föhren in den Fluß hinabschauen. Ein leises Rauschen zieht durch ihre Zweige und die Wipfel neigen sich dem zur Seite angepflanzten jungen Föhrenwalde zu. Gewiß erzählen sie den kleinen Schwestern Geschichten aus längst vergangenen Zeiten, die sie miterlebt und angesehen haben. Noch eine Biegung des Flusses und das alte Kloster mit seinem dunkeln Waldeshintergrund liegt still und weltverloren vor ihren Blicken.
In der Nähe des Waldhauses wurde abgelegen und in dem zierlich angelegten Garten desselben unter schattigen Bäumen der Kaffee eingenommen. Danach begab man sich in den Wald, spielte „Bäumchen wechsele dich, „Der- stecken" und sonstige frohe Spiele. Käthchen be- fand sich heute in einer ihr bis dahin uiigekann- ten Stimmung. Zum ersten Male fand sie an diesen Spielen kein Vergnügen; sie ließ sich in geringer Entfernung von den Spielenden auf den weichen Moosteppich nieder, indem sie Kopfschmerz vorschützte und beobachtete die Gesellschaft. Sie wußte nicht, wie ihr war, es war ihr
so seltsam, sie hätte weinen mögen und hatte doch keine Ursache dazu. Achtlos zerpflückte sie die ibr zur Seite wachsenden Blümchen, und der Wind spielte mit den Blättern derselben. Plötzlich fühlte sie, wie Tränen ihre Augen füllten; wa« würde die heitere Gesellschaft denken, wenn sie dies sähe? Behüte, das durfte nicht geschehen' Unbemerkt erhob sie sich, wendete dem Spiel- platz den Rücken und ging tiefer tu den Wald. Paul Werners Augen waren jeder ihrer Bewegung gefolgt.
Ein dumpfer Donner mahnte zur Rückkehr in das Landhaus, und plötzlich beendete die Gesellschaft das Spiel, um noch vor dem ausbrechenden lange befürchteten Gewitter das schuhende Obdach zu erreichen. Das dichte Laub der hohen Bäume, welches ihnen den Himmel verdeckte, hatte sie verhindert, das drohend aufftetgenbe Gewitter zu bemerken. Bei dem allgemeinen Aufbruch erst vermißte man Käthchen, und Herr Werner erbot sich, diese auszusuchen und folgte ihr in der Richtung, welche sie elngeWagen hatte. Er hatte kaum etmge hundert Schritte zurückgelegt, da sah er die Gesuchte an einem Baume stehen; den einen Arm um denselben geschlungen, lehnte sie ihren Kopf daran. Paul war auf dem dicken Moose rasch vorangeschritten und stand unbemerkt neben ihr. Da gewahrte er ihr von Tränen überströmtes Gesicht.
Fräulein Käthchen, was fehlt Ihnen, warum weinen Sie?" fragte er teilnehmend mit sanftem, einschmeichelndem Tone.
„O Gott, Sie hier?" versetzte sie erschreckt, ihm das Gesicht zuwendend. Rasch trocknete,sie mit ihrem Taschentuch die tränenfeuchten Augen.
„Wie kommen Sie hierhin? Ich wohnte sie bei der Gesellschaft," sagte sie, unbefangen schel- nend und tapfer ihre Aufregung niederkampfend.
„Ich wollte Sie vor dem nahen Gewitter war- neu, hören Sie nicht den Donner? Es kommt schnell näher, und die Anderen, werden schon in Sicherheit sein. Doch sagen Sie.Mir erst, bitte, die Ursache Ihrer Tränen."
, Es ist nichts, Herr Werner, gewiß nicht," sagte sie unter Tränen lächelnd, doch laffen totr uns eilen, damit wir die Gesellschaft einholen.
„Dies ist nicht mehr möglich, allein um so rascher gehen zu können, erlauben Sie mir ^hren Arm. Im Weitergehen fühlte er, tote ihre Hand 8lUe„Sürd)ten Sie sich vor dem Gewitter?" fiaS,0 nein, nicht sehr,", antwortete sie, froh dar- über, daß ihr Begleiter ihre Aufregung auf diese Art auslege; „allein es ist Nicht angenehm, tm Freien und unter so hohen Bäumen vom Ge- Witter überrascht zu werden." .
Sie hatten den Ausgang des Waldes erreicht und bemerkten jetzt den schon ziemlich heftigen Regen, welcher das dichte Laub der Baume nicht hatte durchdringen können. .
Nun ist aber guter Rat teuer, mein Frau- lein" sagte Paul besorgt. „Bleiben totr im Walde, so sind wir freilich ziemlich vor Regen geschützt, dagegen aber einer anderen Gefahr aus- gesetzt. Die hohen Baume ziehen den Blitz an. Ader wie wollen wir ohne Schirm bis zu dem Wirtshaus kommen, zumal Sie mit ^hren dun- ““iÄ" LL" KAHch^- -ie-Nch-, W nicht für Regenwetter berechnet, unb einen An- gcnbUck schaute sie überlegend vor sich nieder; dann hafteten ihre Augen auf dem gegenüber- liegenden alten Kloster und sie sagte, beherzt.
* Wenn es weiter nichts ist? Meine Schuhe halten es schon aus. Sehen Sie dortdasvo^ springende Portal des alten Klosters? Die,es wird uns Schutz gewähren."
Sie raffte mit den Fingerspitzen zierlich ihr Kleid in die Höhe, damit sie durch dasse be nicht am schnellen Lausen gehindert werde, und fl g leicht und behende wie eine Gazelle ans das an- gedeutete Ziel los, sodaß Paul Muhe hatte- ihr so rasch zu folgen. Bei dem im Sturm erfolg en Anprall auf die Tür gab das morsche Schloß nach, und die Beiden befanden sich in einegi.