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3,"i>,.5äÄ<ii«- MchEiage: „Illustrierte Soimtagrzettung"

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Sotati»«»druck n. Verlag der Kuldaer Ac« tlendr eckerei in Sttlba. §ernspr«ch«r Nr. *>.

Fulda, Mittwoch den 18. September M»7.

JW 214.

34. Jahrgang.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. September 1907.

* Wechsel im königlichen HauSministerium. Dem Minister des königlichen HauseS v. Wedel, ist unter Belassung des Ranges der Staats« Minister und unter Verleidung der Brillanten zum

Orden vom Schwarzen Adler die nachgesuchte Entlassung aus dem königlichen Dienste zum 1. Oktober d. Js. gewährt worden. Mit der Verwaltung des Ministeriums ist bis auf weiteres der Oberhof, und Hausmarschall Graf zu Eulenburg beauftragt worden. Herr v. Wedel-Piesdorf ist vor wenigen Monaten 70 Jahre alt geworden. Von 1884 bis 1890 war er Mitglied des Deutschen Reichstages und in den Jahren 1884 bis 1886 dessen erster Präsi­dent. In das Herrenhaus wurde Herr v. Wedel im Jahre 1886 auf Lebenszeit berufen.

* Heber Mvrcnga, dessen bevorstehende Unter­werfung vor einigen Tagen angekündigt war, bringt das „Berl. Tagebl." unterm 16. d. M. aus Kapstadt folgende beunruhigende Meldung: „Vollkommen zuverlässigen Nachrich- ten zufolge, die heute direkt von der Grenze eingetroffen sind, scheint der Frieden in Deutsch-Südwestafrika durchaus nicht gesichert und eine sorgfältige Ueberwachung Moren gas notwen­dig zu sein. Zahlreiche Eingeborene diesseits der Grenze sind ihren Herren entlaufen und ha- ben teilweise eine Anzahl Kleinvieh mitgenom- weil. Ein bekannter Transportunternehmer ist heute von Warmbad zu Pferde in Upington an- gelangt; feine Mitteilungen lauten bedenk- l i ch. Die eingeborenen Wagentreiber lassen ihre Herren im Stich, um Morenga zuzu- laufen, und die ganze Hottentotten- bevölkernng ist auf den Wiederbe­ginn des Krieges begierig. Bei Ha- suur ist alles ruhig, und bis der Regen im No­vember fällt, ist nichts zu befürchten. Die B a- st a r d s diesseits der Grenze lei st en den Hottentotten Vorschub und die Kap-

Polizei ist zu schwach, um kräftig dagegen wirken zu können." Hoffentlich wird eine Erklärung der amtlichen Stellen zu vorstehender Nachricht nicht zu lange auf sich warten lasten.

* Die Tabakssteuer wird nun doch kommen. Der Vorschlag ist im Reichs • Schatzamt« bereits ausgearbeitet, es handelt sich um eine Ban- derolensteuer nach Art der Steuer auf Zigaretten. Die Steuer soll mit dem Satze von 3 Mark pro Mille beginnen und in 4 Stufen nach dem Preise der Zigarrm steigen bis auf 18 Mark. Der Rauch-, Kau- und Schnupftabak aber soll nicht höher versteuert werden. Man hofft, daß diese

Steuer im Jahre 80 Mill. Mark einbringen werde und daß sie die Industrie nicht schwer treffe; in Wirklichkeit aber kann man schon jetzt sagen, daß diese Steuer die 5 Pfennig-Zigarre am schwersten treffen wird, es wird nach der Einführung der Steuer nicht mehr möglich sein, die heutige 5 Pfen- nig-Zigarre Herstellen. Man kann darauf am meisten gespannt sein, wie sich der Freisinn zu dieser Steuer stellen wird; wir sind der Ansicht, daß er sie trotz seiner Vergangenheit bewilligen wird.

♦ Die Prügelstrafe in Preußen. Das preußische Gesinderecht wird wieder einmal klas­sisch gekennzeichnet durch ein Vorkommnis aus

S>c$on

nehmen Reichs- und Landtag ihre Arbeiten wieder auf und da? nächste Jahr bringt uns Neu. wählen für das preußische Abgeordnetenhaus. Beide Körperschaften werden sich in der bevor­stehenden Session mit wichtigen politischen Fragen zu beschäftigen haben. In diesen, wie in allen wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Gegenwart bildet die Stellungnahme des vom katholischen Bolksteil getragenen Zentrums und der Zentrnmsparter mehr als je den Mittelpunkt alles Interesses. Mehr als je wird daher das Zentrum und die Zentrumspartei gleichzeitig von allen Seiten umworben und angegriffen sein.

Mehr als je tritt daher auch an den katholischen Volksteil die Pflicht heran, sich durch die mit dem Zentrum und mit der Zentrumspartei in engster Verbindung stehende Zentrums­presse über den Gang der Dinge zu unterrichten und sich für die kommenden politischen Kämpfe zu rüsten. Für den Regierungsbezirk Kassel ist das

einzige Zentrumsorgan die ,Fuldaer Zeitung^.

Als ein täglich erscheinendes Blatt, das alle Gebiete des öffentlichen Lebens berücksichtigt, das überall rasch und eingehend berichtet, ohne in langweilige Erörterungen zu verfallen, muß die ,Fuldaer Zeitung' betrachtet werden. Durch ihre entschiedene politische Richtung, durch ihr mutiges Eintreten für die Interessen des Volkes und durch ihre populäre Schreibweise ist sie im Laufe der Jahre den Lesern ein lieber Freund geworden. Sie ist reich an Leitartikeln über die einzelnen Tagesftagen, an besonderen Arbeiten über wichtige Gebiete des politischen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Leben?, wobei besonders hervorragende Tagesereignisse durch Zugabe von aktuellen

—.............. Illustrationen, —

dem Verständnis der Leser näher gebracht werden. Besondere Sorgfalt legt die Redaktion auf das

Feuilleton,

indem sie schöne, lehrreiche und spannende Erzählungen zum Abdruck bringt. Neu hinzniretenden Abonnenten werden auf Wunsch die bis jetzt erschienenen Fortsetzungen des Romans: „Lebens­wege" von Klara Wilhelmi nachgeliesert. Außerdem erhallen sie die bis zum Schluffe des Quartals erscheinenden Nummem der ,Fuldaer Zeitung' gratis. Probenummern stehen auf Wunsch gern zur Verfügung. Für Angabe von Adressen solcher Personen, an welche mit Aus­sicht auf Erfolg Probenummern versandt werden können, sind wir dankbar. Bei der weiten Ver­breitung unseres Blattes finden

v&s Anzeigen

die eingehendste Beachtung. Beim Ende des Quartals ersuchen wir unsere seitherigen Bezieher um baldige Erneuerung de§ Abonnements. Auch bitten wir sie, sich für die Verbreitung des Blattes nach Kräften bemühen zu wollen.

Von unseren Gesinnungsgenossen erhoffen wir allseitige Unterstützung durch Abonnements und Mitteilung von allgemein interessierenden Vorkommnissen.

©S8T Allen unseren Freunden, die nns bisher ihre Unterstützung znteil werden ließen, sagen wir herzlichen Dank nnd bitten sie, nns auch ferner­hin ihr Wohlwollen zu bewahren.

Wtiim und Verlag der .Fuldaer Zeilung'.

dem Osten. Ein in Danzig in Stellung befind- liches Dienstmädchen im Alter von 42 Jahren war mit feiner Frau in Streit geraten und zwar wegen des Stieselputzens; das Mädchen erhielt im Laufe des Streites eine solche Ohrfeige, daß es ärztliche Hil;« in Anspruch nehmen mußte. Dann erhob eS gegen die Frau Anklage wegen Körperverletzung; aber der Amtsanwalt lehnte ein Einschreiten ab mit der Begründung, daß es sich nur um eine leichte Züchtigung handle, und daß diese Strafe durch das unoer» schämte Betragen verdient worden sei. So ge- schehen im August 1907 in Danzig; wenn noch durch etwas die Reformbedürftigkeit des preußischen Gefinderechts darzutun sein würde, dann muß es eine solche Entscheidung tun; man braucht sich auch nicht zu wundern, wenn im Osten die Dienstboten und ländlichen Arbeiter ganz besonders selten sind, wenn man solche Zu- stände noch gewähren läßt; das treibt die Mäd­chen einfach fort in den Westen und in die Großstadt.

* Durchdringung der Politik mit dem Geiste des Protestantismus will der Evange­lisch e B u n d. In Schweinfurt hat Bundes­direktor, Reichstagsabgeordneter Lic. Eber- ling, nach dem „Volksfr." u. a. gesagt: „In der Zersplitterung der Parteien müsse ein großer Einheitsgedanke hineingetragen werden. Dadurch werde der Bund nicht eine politische Organi­sation, aber eine Geistesmacht für das öffentliche Leben. Nicht Verquickung von Religion und Po­litik sei das wünschenswerte Ziel, aber eine Durchdringung der Politik mit dem Gei st e des Protestantismu s." Es ist schon ein tüchtiges Stück Einseitigkeit und Unduldsamkeit, die deutsche Politik „pro- testantisch durchdringen" zu wollen, umsomehr, wenn nian sich nicht genug darüber über den an­geblichen Plan des Zentrums entrüsten kann, die Politik „katholisch zu durchdringen". Was dein einen recht ist. muß doch dem andern billig feilt. Aber das Zentrum will die Politik gar nicht „mit dem Geiste des Katholizismus durchdringen", sondern nur mit dem christ­lichen Geiste.

* Die Wandelbarkeit des Freisinns beleuchtet treffend ein Organ der Freisinnigen Vereini­gung, das „Verl. Tagebl.", das bezüglich des Parteitages der Freis. Volk spartet in Berlin schreibt: „Wir möchten auf einen merk­würdigen Widerspruch Hinweisen, der zwi­schen den jetzigen Aeußerungen des Abgeord­neten Müller-Sagan und den früheren Er­klärungen dieses Parlamentariers besteht. Am 14. September sagte Herr Müller-Sagan: „Im „Berliner Tageblatt" ist versucht worden, mich für Naumanns Wahltaktik in Anspruch zu nehmen. Ich stehe ganz auf dem Standpunkt Fischbecks (der die gemäßigte Richtung ver­tritt! D. Red.), und ich mache gar kein Hehl daraus, zu sagen, daß ich die Naumann- schePolitikfür grundverkehrt halte." — Am 3. A u g u st hatten wir in unserer Abend- nummer eine Zuschrift Friedrich PayerS veröffentlicht, in der dem Vorgehen Naumanns Beifall gespendet wurde. Die „Freisinnige Zei­tung", das Organ des Herrn Müller-Sagan, druckte (in ihrer Nummer vom 4. August) diese Payersche Erklärung und eilten noch schärferen Artikel Konrad Haußmanns ab und bemerkte dazu: „Aus diesen Auslassungen geht hervor, daß die Abgeordneten Payer und Haußmann in bezug auf die Wahlrechtsreform genau auf demselben Standpunkt stehen.

Lebenswege.

Roman von Klara Wilhelmi.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Das junge Mädchen machte auch weiter keine Umstände, nahm die gebotene Hilfe mit Freuden an, und so gelangten sie in verhältnismäßig kur- ger Zeit, indem er sie bald von einem Steine Sunt andern heruntertrug, bald Beide mit Hilfe feiner Hand und seines Stockes einen kühnen Sprung wagten, unten an. Während der gan­gen Zeit hatten sie kein Wort gesprochen, jetzt aber, da die Gefahr überstanden, drückte sie ihm mit dankbarem Blick die Hand.

. toure aus mir geworden, hätten Sie mich nicht heruntergeholt? Ich danke Ihnen aus tiefstem Herzen."

„Ich schätze mich glücklich, daß ich Ihnen die­sen Dienst leisten konnte, mein Fräulein," ver­setzte galant der junge Herr. „Wie konnten Sie Äber da hinauffteigen? Allein wären Sie nie- mals heruntergekommen."

Sie erzählte, wie sie sich die Rose habe errin- gen wollen, „und was ich mir einmal vornehme, «nu& ich auch ausführen," fügte sie hinzu, „sehen Mre, hier ist die Rose."

"Da möchte ich mir aber doch erlauben. Ihnen Den Rat zu erteilen, daß Sie sich nächstens mit Syrett Wünschen und Zielen nicht so hoch verstei- 8en tote heute. Nicht immer gibt es von so stei­ler Hohe einen Rückzug, sondern meist einen Murz m die Tiefe."

?e,c Ferne erscholl laut Käthchens Name. ^Pcan hat mich vermißt, ich werde gesucht," sagte pc. ,,^ch möchte nicht gerne, daß die andern er- fahren, tote es mir ergangen ist. Bitte, entfer­nen sie sich wieder auf dem Wege, welchen Sie jgekommen find, und nehmen Sie nochmals mei- $tert wärmsten Dank."

„Ganz wie Sie wünschen, mein Fräulein," entgegnete jener, „nur möchte ich mir zum An­denken an unsere Begegnung diese Rose erbit­ten."

Verwundert sah sie ihn einen Augenblick an, es lag aber ein Etwas in seinen auf sie gerich­teten Augen, daß sie die ihren niederschlug und ihm die erbetene Rose reichte. Zugleich mit die­ser erfaßte er ihre Hand mit sanftem Drucke und sagte: „Auf Wiedersehen!"

Immer näher ertönte der Ruf nach Käthchen, deshalb entzog sie ihm rasch die Hand und eilte davon.

Sie sah es nicht, daß der junge Mann ihr so lange nachschaute, bis ihr helles Gewand in den Büschen verschwunden war. Darauf öffnete er seine Brieftasche, drückte die Rose an seine Lip­pen, legte sie dann hinein und barg dieselbe an seinem Herzen.

Käthchen, bei der Gesellschaft angekommen, erzählte ihr kleines Abenteuer nicht, sondern gab an, beim Blumensuchen sich ermüdet und dann ausgeruht zu haben. Einige Tage darauf kehrte sie mit der Freundin zum Pensionate zurück; ihre „Versteigung" auf den Felsen und die Begeg­nung mit dem jungen Herrn hat sie nie erwähnt; nur einmal hatte sie ihrer Schwester Helene ge­genüber davon gesprochen. Doch konnte sie ihr den Namen ihres Retters nicht nennen, denn sie hatten beide gegenseitig nicht danach gefragt, und ihn auch nicht genannt

Jetzt plötzlich erkannte sie in dem Fremden ihren Retter oder vielmehr, sie glaubte ihn zu er­kennen, denn seine Sttmme, die ihr damals bis in die Seele gedrungen, hatte sie noch nicht ge­hört. Bald sollte sie jedoch auch hierüber Gewiß­heit haben, denn nach beendigtem Gottesdienst trat der Fremde in das Hotel „Zur Sonne" und Käthchen hörte ihn Helene fragen, ob er dort einen ständigen Mittagstisch haben könne. Sie erkannte diese Stimme sofort wieder, sie gehörte ohne Zweifel ihrem Retter. Aber was führte ihn her, in ihr Städtchen? Dieser Gedanke be­schäftigte sie noch» als ihre Schwester hereinkam.

um ihr mitzuteilen, daß sie einen neuen Stamm- gast bekommen habe. „Helene, der Fremde, den wir diesen Morgen am Kirchhofe trafen, ist der Herr, welcher mich im vorigen Jahre von den Felsen holte," sagte erregt das junge Mädchen.

„Weißt Du dieses bestimmt?" fragte sie.

„Ich glaube mich nicht zu täuschen," entgeg­nete sie, „in der Kirche erkannte ich fein Gesicht, und soeben hörte ich die Stimme. Seinen Na­men batte er mir damals nicht genannt."

„Er heißt Paul Werner, ist Buchhalter hier im Geschäft der Herren Fugger und gestern abend hier angekommen. Aber was ist Dir, Käthchen?"

Diese stand mit auf der Brust zusammenge- legten Händen da, während ein glückliches Lä­cheln um ihre Züge schwebte.

„O nichts", entgegnete sie, „ich dachte nur eben, — ich Machte — ich weiß selbst nicht was; es ist auch einerlei, Helene, ich glaube, ich bin eine Närrin"; mit diesen Worten eilte sie zur Tür hinaus und Helene schaute ihr verwundert nach.

Käthchen ober fragte sich immer und immer wieder: „Hat er auch mich erkannt? Weiß er, daß er hier im Hause meiner Schwester ist?" —

Das Haus „Fugger & Söhne" war ein be­deutendes Handelshaus, und das bedeutendste im Städtchen. Täglich wurden viele große Ballen und Kisten dort auf- und abgeloben, welche teils mit Schiffen den Fluß heraufbesördert, teils durch die Eisenbahn in die verschiedensten Welt­gegenden gesandt mürben. Eine ziemliche An­zahl junger Leute fanben in dem Kontor bes genannten Hauses Beschäftigung, und es ist be­greiflich, baß ber Buchhalter eines so großen Ge­schäfts immerhin eine ziemlich angesehene Per­sönlichkeit in einem kleinen Lanbstäbtchen ist, zu­mal wenn biese Persönlichkeit sich durch die äußere Erscheinung, durch Schönheit, Eleganz und feine gesellschaftliche Unterhaltungsgabe auszeichnet. Es ist daher nicht zu verwundern, daß der mit solch reichen Fähigkeiten ausgestat- tete Paul Werner bald ein aern gesehenes Mit­

glied des Kasino und der erklärte Liebling dec Damen war. Auch die Herren, namentlich die jüngeren, liebten seinen Umgang und seine stets heitere, anregende Unterhaltung. Nur einige Wenige konnten zu dem geschmeidigen, schillern­den Wesen Paul Werners fein rechtes Zutrauen fassen. Zu diesen gehörte auch Fran Helene Schmidt, trotzdem Herr Werner es sich recht ange­legen fein ließ, ihr Wohlwollen zu erwerben. Er war unermüdlich bereit, der Dame kleine Auf- nierksamkeiten zu erweisen, er begleitete sie häu­fig zum Garten, trug dann das Körbchen, oder führte eines der kleinen Kinder an ber Hand und suchte sich überhaupt stets angenehm zu ma­chen. Frau Helene ließ sich aber nicht so leicht beirren, sonbern suchte jebe annähernbe Höflich­keit abzuschneiben. Paul Werner fühlte aus bem Benehmen Helenens ihm gegenüber recht wohl heraus, baß er bei ihr nicht besonders in Gunst stehe und war darüber innerlich verstimmt. Seine Klugheit gebot ihm jedoch, sich dies, nicht merken zu lassen. HAene mußte wohl zu viel Vertrauen in die Worte Käthchens setzen: „Ich denke nicht an's Heiraten, ich bin ja fast noch ein Kind," sonst würde sie die Veränderung gesehen haben, welche mit derselben stattgefunden. Sie war noch im­mer so heiter wie ehedem, plauderte, scherzte und lachte, ober wenn die Zeit heranrückte, zu welcher gewöhnlich Paul Werner erschien, horchte sie auf jeden sich dem Zimmer nähernden Fußttitt und ihr frisches, rosiges Gesicht leuchtete noch einmal so hell und freundlich, wenn sie ihn erblickte. Vielleicht wußte das junge Mädchen ebenso wenig wie bereit ältere Schwester, welche Gefühle von ihrem Herzen Besitz genommen und wie sich allmählich bie Regungen einer tiefen Liebe in demselben geltend machten. Paul aber bemerkte diese Veränderung wohl; er sah bie feimenbe Neigung Käthchens mit freubiger Erregung wachsen, beim zog es doch auch ihn stets mit zärt­licher Sehnsucht zum Hotel „Zur Sonne" hin, wo ihm wirklich bie Sonne bes Lebens aufgegan­gen war. .

(Fortsetzung folgt.)