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34. Iahraanq

Fulda, Samstaa den 14. September wm

jw 211.

Zweites 'Sdl'aft

Äwjuaen. Die ein" spaltige Petitzeile oder der«« Bannt 15 Pf-. Rtflamtn die Petit,eil« 25 Pf-.; bei wieder» holuu-e» wird entspr. Habalt gewährt.

Sonne, der erste Gasthof des Städtchens, ivelcher außer von Fremden auch viel von den Honora­tioren des Ortes besucht wurde.

Frau Helene war eine tüchtige Wiriin und wußte, tote man zu sagen pflegt, zu geben und zu nehmen; ihr Mann, Herr Schmidt, ein ganz angenehmer Gesellschafter, der stets für die be­sten Getränke sorgte. Kein Wunder also, daß abends die Gesellschaftszimmer gefüllt waren. In einem Seitenzimmerchen, welches mit einem Fenster nach der Vorhalle versehen war, saß abends nach vollbrachtem Tagwerk Frau Helene, mit einer Handarbeit beschäftigt, und überwachte den Ein- und Ausgang der Gäste. Manche der­selben, welche zu den näheren Bekannten des Hauses gehörten, kamen zuweilen herein, um die Dame zu begrüßen und sich mit derselben in ein Gespräch einzulassen. Seit Käthchen die Abende mit ihrer Schwester in dem Zimmer zubrachte, machten auch verschiedene junge Herren von die­sem Vorrecht Gebrauch, und das muntere Ge­plauder Käthchens zog dieselben jeden Tag wie­der dorthin zurück.

Nach kurzer Zeit war Käthchen die gefeiertste junge Dame im Städtchen; auf der Promenade, auf den Bällen und bei den gemeinsamen vom Kasino veranstalteten Ausflügen wurden ihr ver­steckte und offene Huldigungen entgegengebracht. Hiedurch wurde sie so sehr an die ihr dargebrach- ten Huldigungen gewöht, daß sie diesleben nur noch wie einen ihr zustehenden Tribut entgegen-

^Es war im schönen Monat Mai; die Mor­gensonne schien hell und freundlich durch das runde Bogenfenster des an der breiten Straße liegenden Zimmers, in welchem Käthchen am Nähtische beschäftigt war. Sie hatte die schöne Gewohnheit, früh aufzustehen, vom Kloster her beibehalten und führte an diesem Morgen schott seit länger als einer Stunde emsig die Nadel. Der Kanarienvogel, welcher in einem vergoldeten Käfig über ihrem Kopfe hing, sang und trillerte seine schönsten Lieder.

noch obendrein durch ein reichliches Trinkgeld den Kutscher für die Nachtarbeit. Alkohol und Ben- zin vertragen sich zu nachtschlafender Zeit vor- - restlich; was da sonst noch mitspielt, wollen wrr ieber unbesprochen.lasten.

Wie steht es denn nun mit der Rentabilität der Kraftdroschken? Daß sie einen höheren Tarif haben, als die Pferdedroschken, haben totr schon erwähnt. Im übrigen sagt der Sachverständige in dem genannten Sportblatt: Die Autodroschke rentiere sich im Einzelbetriebe, wenn sie vom Vater, Sohne oder einem sonstigen zuverlässigen Anverwandten gesteuert werde, aber nicht tn der Masse, in einem Großbetriebe, wo die Spesen zu üppig wuchern und von den Einnahmen (z. B. an Trinkgeldern) manches der Betriebskasse ent-

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Unpolitische Zeitläuse.

(::) Berlin, 12. September 1907.

(Nachdruck verboten.)

Wie gehts denn dem Geschlecht der Gäule? Sind die vierbeinigen und warmblütigne Reit- und Zugkräfte wirklich auf den Aussterbeetat ge- setzt, weil sie den Wettbewerb mit den Stahlros­sen, den Automobilen, den Kraftdroschken, den Benzinomnibussen und den elektrischen Wagen nicht mehr aushalten können?

Verant»ertn*«r

Schriftleiter: H-We®«»

wochenben-g«: „Illustrierte Sonntagrzeitung

„Du lieber, kleiner Vogel," sagte sie, zu ihm aufschauend, „bist so munter, sobald du die Sonne siehst, und kannst doch nicht heraus in Gottes schöne, freie Natur; kannst nicht den fri- schen balsamischen Blütenduft einatmen, und kannst Dein Auge nicht erfreuen an der Pracht der Blumen und Bäume. Armes Vögelchen, du mußt immer in deinem Käfig bleiben; aber euch, ihr lieben Blumen, hätte ich bald vergessen, ihr sollt doch auch die schöne, frische Luft genießen."

Sie stand von ihrer Arbeit auf, öffnete das Fenster, tränkte die Blumen mit Wasser und stellte sie der Reihe nach vor das geöffnete Fen- ster in den Hellen, warmen Sonnenschein. Kaum hatte sie die eben verlassene Arbeit wieder aus­genommen, so scholl ihr ein fröhliches „Guten Morgen, Tante Käthi! Schon so fleißig?" ent­gegen.« , ,

Ein liebliches Mädchen von etwa zwölf Jah­ren trat in das Zimmer und brachte ihr den Morgengruß. Martha Schmidt, wie sie da mit dem Hellen Kleidchen in das Zimmer hüpfte, war eine anmutige Erscheinung. Die großen, blauen Augen blickten schelmisch unter den langen, ge­bogenen Augenwimpern hervor; das frische, rosig angehauchte Kindergesichtchen zeigte beim Lächeln kleine Grübchen in den Wangen, und das blonde Haar, welches durch einen Kamm die Stirne frei hielt, fiel nach hinten in Locken herunter.

„Ei, Tante Käthi," begann sie ihr kindliches Geplauder, „Du bist ja so fleißig, als wolltest Du mit der Nadel Dein Brot verdienen. Laß mal sehen, wie weit Du mit der Stickerei bist?"

„Schau her, Püppchen," entgegnete Käthchen, „viel weiter bin ich mit der Arbeit nicht gekom­men, das Dessin ist so breit, aber ist's nicht hübsch?" - . ~ ,

„O, wunderschön," jubelte dte Kleine. „Tante Käthi, wie geschickt bist Du doch; tote schön' sind die Trauben, und die Blätter so natürlich, nem, und die Reben, wie allerliebst geschlungen, ge- rade so wie am Spalier. Wie machst Du es nur, daß dies alles so schön wird?"

Haberei. ,, ...

Bei dem Kraftkutschen - Sport spie- len das dicke Portemonnaie und die Ettel- leit entscheidende Rollen. In Sacken des Pferde- losen Omnibus hat der Rechensttft das letzte Wort. Der Betrieb der Kraftommbusse tst teu- rer, viel teurer, als die Unternehmer sich gedacht hatten. In Berlin war die Große Allgemeine Omnibus-Gesellschaft unter Führung des kühnen Bankiers Neuburger mit vollen Benzm-Tanks ins Zeug gegangen. Um halbtoegs auf dte So­ften zu kommen, hatte sie bei der Polizei eme Er- Höhung des Fahrpreises durchgesetzt: 10 und 15 Pfennig attstelle der für Pferdeomnibusse nbli- chen 5 und 10 F. Diese Preiserhöhung rief den Wettbewerb anderer Gesellschaften wach und wollte zur Kostendeckung noch nicht ausreichen. Bleickröder sicherte sich und seinen Hausfreun­den die Mehrheit der Aktien, stürzte die Dynastie Neuburger und führte Sparsamkeit ein. Als auf dem Grundstück, wo die unterirdischen Ben- zintanks lagen, ein Brand ausgebrochen war, be­nutzte man die Gelegenheit, um eine Linie der Autoomnibusse für behindert zu erklären und sie dann dauernd einschlafen zu lassen. Es war ge­rade die einzige Linie (Nr. 10), die ich manchmal zu benutzen pflegte, um nebenbei zu. beobachten, tote schwierig und gefährlich es ist, einen lolchen Wagenkoloß durch das Gewirr der elektrischen Wagen, der sonstigen Fuhrwerke und der Passan­ten in sausender Fahrt sich hindurchwinden zu lassen. Wenn alles gut geht, macht es Spaß, vorausgesetzt, daß man nicht hinten steht und die Auspuffgase geradewegs in die Nase bekommt. Der Benzinverbrauch, der Verschleiß der Gummi- reifen, die häufigen Ohnmachtsanfälle und die ewigen Reparaturen der Wagen verursachen aber so viele Kosten, daß die Gesellschaft sehr erfreut wäre, wenn sie irgend einen Vorwand hätte, um überall mit Ehren den alten Pferdebetrieb wie- der Herstellen zu können.

Die dritte Klasse bilden die Autodrosch- fen. Kleine Dinger, die durch ihr massenhaftes Auftreten dem Straßenbilde einen neuen Zug ge- .geben haben. Namentlich dem nächtlichen Straßenbilde. Sie gehören nämlich in ihrer Mehrzahl zu den Nachtfaltern oder Fledermäu­sen. Wo man am Tage eine Autodroschke sieht, da kann man abends ein halbes Dutzend und in­mitten der Nacht ein ganzes Dutzend zählen. Das hat feine natürlichen Gründe. Der stärkste Reiz ist die große Schnelligkeit, und die läßt sich erst zur Nachtzeit, wenn der Lastverkehr der- schtounden ist, auf den Hauptstraßen entwickeln. Wer am Tage fährt, rechnet zumeist genau und zieht die billigeren Pferdedroschken vor. Die Nachtbummler aber lassen etwas dranfgehen, sie scheuen die höhere Taxe nicht und entschädigen

„Es liegt hauptsächlich am Aufzeichnen; wenn es gut vorgezeichnet ist, kann man es mit Leich­tigkeit schön nachsticken.''

„Du hast es aber nicht aufgezelchnet, Tante Käthi; ich habe es wohl gesehen, wie kürzlich Onkel Theodor hier war und Dir diese schöne Girlande aufzeichnete. Ach, welch' ein schönes Kleid wird es doch! Ich möchte auch wohl mit einem so schönen gestickten Kleide zum Ball gehen."

„Später, wenn Du groß bist, stickst Du Dir auch ein solches, Martha; ich will es Dich lehren und Dir aiich dabei behülflich sein," versetzte Käthchen.

„Aber wirst Du dann noch bei uns fern, wenn ich groß bin?" fragte Martha?"

„Gewiß, Kind, wo sollte ich denn sonst fern? entgegnete sie verwundert.

„Wo? Bei Deinem Manne, wie Tante Ma- rie. Deine Schwester, auch."

„Bei meinem Manne? Närrchen, was fallt Dir ein? Ich habe ja feinen," versetzte mit sil- berhellem Lachen Käthchen.

„Du bekommst aber bald einen," sagte Mar- tha mit wichtiger Miene; „unsere Magd, die Dina hat es mir gesagt, daß Du den reichen Gutsbesitzer Herrn Franke heiraten würdest; alle Leute sagten es."

„Ach, Possen, Martha", widersprach das Mäd­chen" heftig. „Was weiß die Magd., was wissen die Leute davon, ob und wen ich heirate. Herr Franke hat immer unser Haus besucht, auch als ich in der Pension war, und er bezeigt mir nicht mehr Aufmerksamkeit, wie andere Herren auch. Ich begreife nicht, wie die Leute gleich vom Hei­raten sprechen können."

„Ich habe Dina auch gesagt, ich glaubte e8 nicht. Herr Franke ist so viel, viel alter tote Du, und hat auch eigentlich gar keine fernen Manie­ren. Ich nähme ihn nicht, und wenn, er zehn Landgüter hätte; ich wollte doch lieber einen jun- gen Mann nehmen. Spante Käthi, wenn ich groß

[::] Wildernde Hunde und «atzen.

Von einem Juristen.

(Nachdruck mit Quellenangabe gestattet.)

DaS Recht zum Töten von Hunden und Katzen ist in der neuen Jagdordnung vom 15. Juli 1907 nicht berührt. Es sind also die bisher geltenden Bestimmungen hierüber aufrecht erhalten. Nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen ist da? Töten fremder Tiere ohne Zustimmung des Eigentümers unberechtigt, verpflichtet zum Schadenersatz und zieht, soweit eS vorsätzlich geschieht, Bestrafung wegen Sachbeschädigung nach sich. Diese Regel findet auch auf das Töten wildernder Hunde und Katzen Anwendung.

lizei einzurichten. Deutschland Bai aber der französischen Regierung ein Schriftstück unter­breitet, in welchem sie jedoch auf die eigentliche deutsche Marokkopolitik nicht eingeht, indessen gibt sich die französische Regierung den Anschein, als ob sie an den Ernst der deutschen Note uber- haupt nicht glauben würde. Sie wird in dieser Haltung von der Pariser Presse auf das beste unterstützt. Im übrigen scheint Spanien aus der einigermaßen reservierten Haltung, die es bisher gegenüber der französischen Nation in Marokko bekundet hat, her aus treten und auch seinerseits größeren Anteil an der Wieder- Herstellung der Ordnung nehmen zu wollen. Es bereitet eine militärische Expedition größeren Stiles vor.

Auf dem Gebiete der internationalen Politik I ist in dieser Woche der Abschluß des schon lange angekündigten russisch-e n g lisch en UeberernkammenS erfolgt. Seit ^ahr und Tag hat man sich jenseits des Aermelkanals über diese immer wieder hinausgezogerte Ab­machung die Kopfe zerbrochen. Niin ist eme Be- ruhigung eingetreten. Wenn auch über die Ein­zelheiten des Vertrages nichts bekannt ist, ferne geschichtliche Bedeutung ist umso größer, als er I eine lange Periode politischer Eifersüchte­leien und Wettbestrebungen zwischen den beiden Vertragschließenden zunächst auf dem heißen Boden des asiatischen Weltteils beschließt. Rußland hat sich bei den nun abgeschlossenen Verhandlungen sehr zurückgezogen gezeigt; sden Vorteil des Abkommens wird ohne Zwei- |fei in der Hauptsache England haben. Es scheint, daß Frankreich zur Beschleunigung des I Zustandekommens der Konvention beigetragen I hat; hat es doch ein Interesse daran, England und Rußland einander näher gebracht zu sehen. I Es ist Freund und Verbündeter beider Mächte und stand zwischen Tür und Angel, solange der endgiltige Abschluß des Ilebereinkommens noch in der Lust schwebte. Das war ein Zustand, der ihm iiamenflich angesichts der marokkanischen Frage mindestens u n e rwünscht sein mußte.

^Bezeichnend für die Sage ist es ferner, daß in demselben Blatte sich eine ganze Reihe von Anzeigen finden, in dem Chauffeure Stellung suchen und Automobile oder Motorräder („fast neu", sehr billig") ausgeboten werden, wahrend von einer Nachfrage nach Chauffeuren oder Kraftwagen nichts zu merken ist.

Aus alledem ergibt sich die alte, aber oft miö- achtete Wahrheit, daß es auch der rafftmertejten Technik nicht leicht wird, die Leistungen der alten stillen Werkstätte der Natur zu übertrumpfen. Das Pferd ist eine wundervolle Maschine; mit einem bischen Hafer, Häcksel und Wasler werden bedeutende Kräfte in schöner Form recht billig erzielt. Das Pferd hat auch seine Schatten- selten, wie alles i»dische; doch die künstlichen Er- atzmittel haben deren noch mehr und noch dunk- ere. Besonders laborieren sie an der Kostspielig- leit.

Wenn die Aktien des Pferdes wieder steigen, so kann man sich darüber auch ästhetisch freuen. Demi eine flotte Kutsche mit Pferden hat doch zweifellos mehr Schönheit an sich, als ein ras- selnder, schüttelnder Benzinmotor, auch wenn der letztere mit der prunkvollsten Karosserie versehen ist Auch die elektrisch betriebenen Wagen geben bei allen sonstigen Vorzügen noch kein schönes Bild. Der Kaiser soll einmal gesagt haben, etn elektrisches Automobil mache den Eindruck, als ob dem Kutscher die Pferde nebst Deichsel abhan­den gekommen wären. In der Tat muß erst noch eine ganz andere Form des Wagens gefunden werden. Wichtiger aber noch ist die Verbilligung der elektrischen Triebkraft. Die Technik hat noch eine Unmasse Arbeit zu bewältigen, ehe sie tn ihrem Wettstreit mit dem alten Geschlecht der Gäule Viktoria rufen kann.

Im übrigen ist zu bedenken, daß es für die Stadtbewohner ein Danaergeschenk wäre, wenn man ihnen das Fahren gar zu billig und bequem machen wollte. Sie wiirden das Gehen verler­nen, und das Gehen ist die notwendigste und nützlichste Turnübung für unser papierenes Zeit­alter. Höher noch, als das vierbeinige Pferd, muß man „Schusters Rappen" leben lassen.

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zweifelt wenig Geld eingenommen. Endlich ka­men dann die Unternehmer dahinter daß etn eingebauter Pferdewagen alten Stils Mel bil­liger und besser das Verkehrsbedurfnis befrte- biae. Alle Anwohner bis auf Stlometerbreite machten dem staubenden, stinkenden und stuckern- den Ungetüm drei Kreuze nach und priesen das wackere Pferdchen als Erlöser.

In dem Sportblatt „Am Mittag lese ich heute in einem Bericht vom Automobilmarkt, daß ür so viele schön gebaute Automobile kein Sau­er zu finden fei; gegenwärtig übersteige das An- gebot die Nachfrage erheblich, und der gleich- mäßige Galoppsprung der letzten Jahre fet durch einen kleinen Knax beeinträchtigt worden. Von den Automobilverkäufern werde man im Herbst manche, denen die Puste ausgehe, fallen sehen, und nur wenige würden ruhmreich die Winter- quartiere beziehen. — Ich fürchte, daß der Un- glücksprophet recht behält und tn dem Automo- )il°Luxus eine ähnliche Abebbung eintrttt, tote im vorigen Jahrzehnt bei der Fahrrad-Lieb-

Wochen-Rundscha«.

n. Fulda, 14. September 1907.

Güne Reihe von Blockkonferenzen hat in den letzten Wochen in Norderney ftattgefun- den Dort weilt der Reichskanzler in der Som- mpr'frifdje, und er benutzte die Seit, um eine $»eibe von Parlamentariern zu sich zu rufen, mit denen er Beratungen über die nächsten Auf­gaben der Gesetzgebung pflegte. Den Anfang I machte Soffermann, mehrere konservative Herren folgten, und schließlich kam der äußerste linke Flügel des Blocks mit dem süddeutschen De- mokratenführer Bayer an die Reihe. Was in Norderney verhandelt wurde, entzieht sich noch der Oesfentlichkeit. Der Linksliberalismus ver- steht bekanntlich den Gedanken der konservativ- liberalen Paarung in der Weise, daß fortab alles nach der liberalen Pfeife zu tonten hatte. Ob ihm nun am Strande der Nordsee dieses oder jenes Zugeständnis gemacht wurde oder ob der Reichskanzler etwaige Bekehrungsversuche bet den liberalen Herren in Sachen ihrer Schul- oder Wahlrechtspolitik vorgenommen hat, lassen wir dahingestellt. Es ist auch sehr die Frage, ob er mit solchen Versuchen gut abge- sthnitten hätte. Andererseits ist aber von libe­ralen Organen in den letzten Tagen versichert Worben, daß die Führer der Linken bereit sind, mit der Regierung zusammenzugehen. Dieser Bereitwilligkeit wurde aber alsbald der N ach- s a tz angefügt, daß dies nur geschehen könne, so­weit es den liberalen Herren- ihre Grundsätze ge­statten. Es ist also das alte Lied, das schon tn den Zeiten der Reichstagswahlkämpfe geklungen hat. Fürst Bülow mag zusehen, Wie er in der kommenden Tagung,, die voraussichtlich, zu einer schweren Kampagne sich auswachsen dürfte, mit seinen neuen liberalen Freunden auskommen wird. Von konservativer Seite sind dem ßibera- liSnurs die alten Erbfehler auch neuerdings toie- der alle aufgezählt worden. Ob es Was fruchtet, ist indessen eine andere Frage.

Auf die Weitere Entwickelung des mar ok- konischen Abenteuers scheint Frankreich mit nicht geringer Besorgnis hinzublicken. Die Hoffnungen jener französischen Kreise, welche eine vollständige Besitzergreifung Marok- kos ohne nennenswerte Hindernisse erstrebten, ist arg enttäuscht worden. Die Marokkaner lei­sten den französischen Vesatzungstruppen verzwei- selten Widerstand, und es ist noch gar nicht abzu­sehen, wie sich die Dinge weiter gestalten wer­den. Andererseits scheint die Bitte, die von eini-1 9§ f Qr§ §b die städti-

gen Kabylenstämrnen an den französischen Gene-1,, t (g^r'va^ert öon ollem Pferdeduft befreit und ral gerichtet wurden, und die auf eine Euistel-1 . Benzingestank versüßt" werden ,soll-

1""° -d-- »ALL«"„St MpÄÄÄw«* von Friedensverhandlungen gerichtet War doch gilt die Regel, daß die Sachen

ernster gemeint getousen zu s , . ~ I nicht so heiß gegessen werden, wie sie gekocht sind,

fang» glauben tooKte.AcJ®infJA Auf den Wellenberg folgt ein Wellental, und ver- sucherr von dem frt^fifäen ruit I fckiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß am

ta»SÄÄ u™ ® ° t i d ” Sei f'« ®S*' Set ei" S,iMid,la9 Cin" Kämpen" des" h^ei I i q^n rTfq eS^aniieb" Meine häusliche Ruhe war einige Monate ge-

Alle Nachrichten lassen erkennen, daß Frankreich fährdet, Weil ein Benzinomnbus über die nahe- bestrebt ist, über die Bestimmungen der Alge- gelegene Landstraße hin- und herpolterte Ei- cirasakte hinaus seine Sonderinteressen im Sui-1 gentltdj Waren es zwei, etn roter und ein blauer, tanat zur Geltung zu bringen. Zu dieser neue- einer pflegte immer ^^arafurbedurstig zu sein, ften Wendung in der Marokkokrisis lag in der Schwere Dinger, die allenfalls ans Asphalt m t letzten Woche auch eine erste amtlicheKund- richtigen Pneumatiks etn menschenwürdiges Fah- gebung von deutscher Seite vor. Frank- ren ermöglicht hatten aber auf dem gewöhnlichen reich beschäftigte sich mit der Absicht, int Einver-1 Steinpflaster oder Chausseedamm mit ihren Rei- nehmen mit der spanischen Regierung in etlichen I fen von Vollgummi fürchterlich ftudferten. Es Bertragshäfen Marokkos eine provisorische Po-1 wurde riesig viel Benzin verbraucht und ver-

Lebenswege.

Roman von Klara Wilhelmi.

vi] (Nachdruck verboten.)

I.

Kops ohne Herz macht böses Blut;

Herz ohne Kopf tut auch nicht gut; Wo Glück und Segen soll gedeih'n. Muß Kopf und Herz zusammen fein.

Fr. Bodenstedt.

Sie toar eine Waise; nicht eben besonders hübsch, aber frisch und gesund, schlank und doch kräftig gebaut. Sie hatte einen schönen, weißen Teint, große blau-graue Augen, und ihr üppi­ger dichter Haarwuchs toar von der jetzt so selte­nen Farbe, die früher dem Germanenstamme eigen toar. Im Sonnenschein glänzte das Haar, Welches sie, nach damaliger Sitte vorn hoch tou­piert, am Hinterkopf in herabhängenden schönen, breiten Flechten trug, tote eitel Gold.

Käthchen Bruns hatte sehr früh die Mutter verloren, und bevor sie ans der Schule entlassen Wurde, starb auch der Vater. Von einer Reihe Geschwister War sie die jüngste; die älteste der­selben verheiratete sich in ihrer Vaterstadt, als Käthchen noch ein kleines Mädchen War. Der Tod hatte unter den Geschwistern gewaltig auf­geräumt, es blieben nur drei, und die andere Schwester folgte nach dem Tode ihres Vaters Ihrem Gatten in eine entferntere Stadt. Käth- wea blieb bei der älteren Schwester Helene, Welche sich des früh verwaisten Kindes in solcher annahm, daß dieses den Verlust der Eltern Nicht fühlte.

Helene schickte die junge Schwester zu ihrer 'Werteren Ausbildung in eine viel besuchte Pen­sionsanstalt, in ein Kloster am Rhein. Nach einigen Jahren kehrte letztere in das Haus ihrer Schwester zurück unb machte sich in dem großen Haushalt und bei den Kindern derselben nützlich. Aas Haus der Schwester toar das Hotel zur