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wochenberiage: „Illustrierte §onntag§zeitung" Monakbeliage: „Mldaer Geschichtrbla ter"

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Sotationrdruck u. Verlag der rnldaer Sc» tiendr ickerei in.^uIda.

Hernfprecher Nr. 1

JA 210.

Fulda, Freitaq den 13. September 1907.

34. Iabraana.

Erstes Wlcrtt

der Regierung, sie stehe auf dem Boden der Konfessionsschulen, ein großes Mißtrauen ent» gegenzubringen. Vielmehr zeigt die Erfahrung, daß überall die Simultanisierung der Volksschulen langsam aber stetig betrieben und die Umwand­lung bestehender Simultanschulen trotz des ent­schiedenen Verlangens der beteiligten Eltern nicht genehmigt wird. Ein derartiger Fall wird seht wieder aus Oberglogau in Schlesien gemeldet. Dort war in der Glühhitze deS Kulturkampfes eine Simultanschule einaerichtet. Seit Jahren aber wünschen die katholischen Eltern eine Um­wandlung derselben in eine konfessionelle und wiederholt hat sich auch die Stadtverordneten­versammlung mit großer Majorität für die Umwandlung ausgesprochen. Aber jedesmal hat der Magistrat unter Führung des Bürgermeisters die Zustimmung zu diesen Beschlüssen verweigert. Jetzt soll nun auch, wie der .Oberschlesische Anz/ meldet, die König!. Regierung zu Oppeln die Umwandlung der Schule abgelehnt haben mit der Begründung, daß der bisherige Zustand sich bewährt (was heißt das?!) und auch die Mehrheit des Magistrats und die Sckuldeputation sich für die Beibehaltung der Simultanschule ausgesprochen habe. Dazu bemerkt nun, laut ,Schles. Ztg/ (Nr. 413) die ,Oberschles. Volksztg.':

„Also trotzdem die gesamte katholische Bevölkerung von Oberglogau — das sind 90 Proz. der Bewohner — mit der Mehrheit der Stadtverordneten aus religiöser lieber» zeugung die Wiederherstellung der Konfessions­schule fordert, lehnt die Regierung von Oppeln diese Forderung ab, weil der Herr Bürger­meister und mit ihm ein paar Stadträte an­derer Meinung sind als die überwiegende Mehrheit der Bewohner von Oberglogau. Die Regierung hört nicht auf die große Masse der Bevölkerung, deren Kinder die Schule besuchen und dir deshalb wohl das Recht haben, den Charakter der Schule zu bestimmen".

Diese Bemerkungen sind sehr zutreffend. Es ist zu beklagen, daß nicht die Stimme der Eltern, deren Kinder hier in Frage kommen, maßgebend ist für die Regierung und auch nicht einmal die rechtmäßige Vertretung der Bürgerschaft (dieStadtverordneten), son­dern der Bürgermeister und einige Magistrats­mitglieder, obgleich eS sich in der Hauptsache nicht um städtische Angelegenheiten, sondern um erziehliche und Elternpflichten handelt. Wenn die Regierung so verfährt, was helfen dann all die schönen Bestimmungen des neuen Schulgesetzes? Wir treiben immer stärker einer systematischen Simultanisierung der Volksschulen ent­gegen. Da machen all die Aussprüche der Pädagogen und Schulautoritäten über die Ver­derblichkeit der Simultanschulen keinen Eindruck auf die Regierung, und alle Bitten und Vor­stellungen der Eltern helfen nichts.

e. Bestrafte Verleumdung. Die Strafkammer zu Koblenz verurteilte den Bäckermeister Bam­berger aus Steinhardt in der Berufungsinstanz wegen Beleidigung des katholischen Pfarrers von Waldböckelheim zu 1v Mark Geldstrafe und Tragen sämtlicher Kosten. Er hatte näm- lich ansgestreut, der katholische Pfarrer habe in einem Vorträge seine Psarrkinder aufgefordert, le sollten bei Andersgläubigen nichts kaufen. Etwas derartiges hat aber der Pfarrer nicht gesagt. Es ist gut, daß endlich einmal gegen diese Verleumdung gerichtlich vorgegangen ist, denn es gibt kaum eine so weit verbreitete und

„So reden Sie!" gebot der alte Lord ihr und die Frau hob an:

„Vor fünfzehn Jahren adoptierte Lady Tre- vor mein Kind. Sie gab wenigstens vor, es adoptieren zu wollen. Sie tat das unter einem falschen Namen in Baden-Baden. Mein Kind war ein Mädchen, drei Jahre alt und starb an der Auszehrung."

Der Marquis schrak heftig zusammen.

„Ich befand mich damals in der größten Ar­mut und Bedrängnis," fuhr Mrs. Peters fort, „und Lady Trevor oder Mrs. Nelson, wie sie sich nannte, sprach so überzeugend zu mir, daß ich ihr mein Kind übergab. Ich sah die Dame auch niemals wieder bis vor kurzem. Auf meine Frage sagte sie mir bei dieser Gelegenheit, daß mein Kind in Paris gestorben sei. Ich reiste da­raufhin nach Paris und ermittelte, daß Lady Trevor dort nur ein Kind bei sich gehabt hat, und dieses Kind war das meinige. Herr Mar­quis von St. Leonards, das Kind, welches Sie in Ihrer Familiengruft bestatteten, war nicht die kleine Lady Adeline Ravendale, sondern meine Tochter!"

Der alte Mann war totenbleich geworden; er rang sichtlich nach Atem.

mir auf! Was soll das alles bedeuten? Sprich, Edith I Bekenne die Wahrheit! Wer ist Miß Romberg?"

Lady Trevor stand wie zu Stein verwandelt.

Da — in demselben Augenblick, als der alte Lord seine letzte Frage stellte, wurde die Tür ge­öffnet und Sarah Peters trat ins Zimmer. Sie war dem Wagen Lord Leonard's gefolgt und hatte sich ihren Weg durch die Dienerschaft, welche sie zurückzuhalten suchte, erzwungen.

„Diese Frage — ich kann sie beantworten, Herr Marquis von St. Leonards!" rief sie, auf die blitzartig aller Augen sich richteten. „Ich bin in Paris und in Deutfchland gewesen und habe das ganze Geheimnis erforscht!"

I Budgetrechts des Reichstags, man kann die Maß­nahme auch nicht mit der Kommandogewalt des Kaiser- rechtfertigen; denn diese geht in solchen Fällen nicht weiter, als der Etat es gestattet. Wenn man aber die neue Inspektion für absolut erforderlich hält, dann muß man fragen, wes- halb man nicht im letzten Frühjahr die Maß- nahmen hierfür im Etat getroffen hat. Der Reichstag wird sich genötigt sehen, im nächsten Winter nach der Sache Umschau zu halten; denn an seinem Budgetrecht kann er nichts ab- streichen lasten. In Freiherrn von Huene haben wir einen katholischen kommandierenden General erhalten; er hat den wichtigen Posten in Straßburg inne, wohin immer nur die besten Offiziere kommen.

* Eine abermalige Entgleisung des Generals von Liebert. Der bei den letzten Wahlen in den Reichstag gelangte Generalleutnant z. D. v. Liebert, der bis dahin nur als Agitator und als Vorsitzender des ZentralverbandeS zur Bekämpfung der Sozialdemokratie von sich reden gemacht hatte, hat sich inzwischen im Reichstage selbst und noch mehr außerhalb desselben als ein Heißsporn erwiesen, vor welchem selbf den ihm sonst politisch nahestehenden Parteien und Personen unheimlich wird. Es schein auf ihn keinen Eindruck gemacht zu haben, da er gezwungen worden ist, die beleidigen­den Aeußerungen zurückzunehmen, die er in dem bekannten Münchener Prozeß wegen des gegen Peters ergangenen Urteils gegen den Disziplinargerichtshof ausgesprochen hatte. Jetzt hat er auf der Herbstparade des Alt- deu Ischen Verbandes in Wiesbaden bezüglich der Polenpolitik den bezeichnenden Ausspruck getan: „In der Politik muß Macht vor Recht gehen." Das wird selbst der konser­vativen .Kreirzztg.' zu viel. Sie schreibt:

„Man kann nicht bestimmt genug dagegen Einspruch erheben, daß die Aeußeruug des Herrn v. Liebert von irgend einer politrschen Partei außer der revolutionären als Grundsatz anerkannt werde. Die preußffche Regierung täte vielleicht auch wohl daran, die Sache nicht zu ignorieren, da an Herrn v. Liebert der Silvesterbrief des Reichskanzlers gerichtet war, und der Adressat dadurch den Nimbus einer Ver­trauensperson des Reichskanzlers erhalten hat." —

Also v. Lieber!, der Intimus des Reichs­kanzlers, proklamiert Grundsätze, die nur bet' revolutionären Elementen Anklang finden können. Köstlich!

* Die hoffnungsvolle Börse. Seit dem Ham- burger Bankiertage sind die Börsenblätter ganz entzückt; sie rechnen nun mit einer großen Börsenreform. Der Abg. Paasche scheint ihnen auch den Mund stark wässerig gemacht zu haben; er hat bei einem Festmahle versichert, daß er viel auf dem Kongresse gelernt habe und daß er sich bemühen werde, das neue Wissen in die Tat um» zusetzen. Wir wollen einmal diese Tat abwarten, aber der Börse doch raten, sich nicht allzu großen Hoffnungen hinzugeben, denn an den Grund­bestimmungen des Börsengesetzes kann nichts geändert werden; darüber besteht in den weite­sten Kreisen Einigkeit. Auch der Reichskanzler wird sich damit abfinden müssen.

X Simultanisierung der Volksschulen. Man wird nicht umhin können, allen Versicherungen

„Ich habe den ganzen Betrug verfolgt vom Anfang bis zum Ende," sprach Mrs Peters wei­ter, „und habe alle Beweise zufammengebracht, die nötig sind, um alles aufzudecken. Hier sind sie!" Und sie zog ein Paket Dokumente aus ihrer Tasche. „Ich stelle meine Belohnung in Ihr be­lieben, Herr Marquis! Hier sind jedenfalls die unwiderlegbaren Beweise, daß das Mädchen, toel- ches Sir Albert nach Schönau brachte und in dem bärtigen Pfarrhause zurückließ, die kleine Lady Adeline Ravendale war, Ihre Enkelin und Erbin!"

Ihre Worte waren von überzeugender Glaub­würdigkeit. Und dem Impulse seines Herzens folgend, trab der Marquis ohne jedes Besinnen auf Alice zu, öffnete seine Arme nach ihr und chloß seine wiedergefundene Enkelin fest an sein Herz.

Mit funkelnden Augen verfolgte Lady Trevor diese Szene, während ihre Hand nach der Brust griff.

Da plötzlich öffnete sich die Tür von neuem und zwei Männer in schlichter Zivilkleidung tra­ten ein.

„Mylady," sagte der eine dieser Männer, „wir kommen in Ausübung einer höchst unangeneh­men Pflicht. Wir haben Sie zu verhaften im Namen der Königin wegen des von Ihnen be­gangenen Mordes an Horace Pulford, welcher gestern abend in seinem Klubhause starb!"

Ein furchtbarer Schreck lähmte alle.

„Pulford ist tot?" brach nach kurzem Schwei­gen Lord Glenham als erster die Stille.

„Er ist tot, Mylord, ja!" erklärte der eine der Polizisten. „Gegen Mitternacht gab er seinen Geist auf. Der Arzt, welcher herbeigerufen wurde, berfidjerte, daß er vergiftet worden sei, und Mr. Pulford sagte sterbend aus, daß dann Lady Trevor ihn beim Abendessen, etwa zwei Stunden vorher, durch eine Tasse Kaffee, den sie

Deutsches Reich.

Berlin, 12. September 1907.

j. Herr von Bülow läßt die Sonne feine» Wohlwollens auch über die kleinen Fraktionen und Fraktiönchen leuchten. Als nächster in der Reihe der Besucher auf Norderney wird der antisemitische Abg. Liebermann von Sonnen­berg genannt, der am Donnerstag vom Fürsten empfangen werden soll, lieber die in Norderney gepflogenen Verhandlungen plaudert die ,Lib. Corr/ wie folgt: Es ist selbstverständlich, daß Über den Inhalt der Aussprache, die der Reichs­kanzler Fürst Bülow in Norderney mit Partei­führer der Linken und Rechten gehabt hat, und die, wie man wohl annehmen darf, in erster Linie eine Verständigung über die Einlösung der von dem Kanzler bei Einleitung seiner „Paarungs"- Politik versprochenen liberalen Reformen zum Zweck hatte, in der Oeffentlichkeit vorerst keine näheren Angaben gemacht werden können. Daß auf den bevorstehenden Parteitagen der frei­sinnigen Volkspartei und der Deutschen Volks- Partei diese vertraulichen Verhandlungen etwa zur Sprache gebracht werden, ist ebenfalls nicht gerade wahrscheinlich. Vielleicht wird man dabei aber doch über den Kurs, den die Reichspolitik im nächsten Jahre nehmen wird, wenigstens emige Andeutungen finden in dem Referate, das der Abg. von Payer auf dem am 28. und 29. September in Konstanz stattfindenden Partei- tage der Deutschen Volkspartei über die politische Lage erstatten wird." Darauf kann man ge- js-s/ etn' Am Donnerstag waren der Vize- vrä; ident des Staalsministeriums und Staats­sekretär des Innern v. Bethmann Hollweg, der Minister des Innern v. Moltke und der llnterstaatssektetär v. Loeb eil beim Reichskanzler.

v Militärische Aenderungen. Der Schluß der Kaisermanöoer hat die von uns schon vor längerer Zeit gemeldeten Aenderungen in den ob er enKomm andost ellen gebracht und dazu noch einige Neuerungen, die man beachten muß. SDer Kaiser hat eine 6. Armeeinspektion! gebildet und den sehr tüchtigen General von der Goltz auf diesen Posten gestellt. Was die Auswahl der Person betrifft, so herrscht nur eine Stimme der Anerkennung; anders aber ist es mit der etatsrechtlichen Seite der Sache. Bisher hatten wir 5 Armeeinspektionen im Heere. Der neue Etat enthält keine Vermehrung der Zahl dieser Stellen; man muß sich daher I fragen, ob denn niemand den Kaiser auf den Umstand aufmerksam machte, daß es nicht an- gängig sei, neue Stellen zu schaffen, ohne daß der Reichstag seine Zustimmung hierzu gibt. Das Gehalt des neuen Armeeinspektors kann ge- gewiß einstweilen auf den aggregierten Etat ge­nommen werden, ebenso der seiner Adjutanten. I Aber die anderen Bedürfnisse der neuen Armee- Inspektion können nicht hieraus genommen werden. Dian muß sie also als außeretats- mäßige Ausgaben buchen. Für den Reichs­tag aber tritt die schwere Frage heran, ob es stwem Budgetrecht entspricht, wenn jetzt Stellen geschaffen werden, die im Etat nicht ge­nehmigt worden sind; die nachträgliche Ge- nehmrgung ist keine Anerkennung des vollen

ihm bereitete, vergiftet habe. Mr. Pulford's j Angehörige haben die Sache nun in die Hand

Die Perie -es SlhMjm!-eS.

Roman von Ed. Wagner.

e9l (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Auf bte Worte des Marquis hin hatte Alice sich erhob und schlug jetzt ihren Schleier in die Hohe.

Lady Trevor taumelte zurück, einen dumpfen Schrei aussto^nd, und starrte auf das Mädchen, als ob dasselbe eine strafende Göttin wäre

„Ewige Barmherzigkeit!" hauchte sie so leise, chaß die Anwesenden es nicht verstehen konnten. »Sie lebt! O, wäre doch Pulford hier!"

Und schwankend, wie sie sich fühlle, erfaßte 1“ mit zitternder Hand einen Stuhl, an dem sie M krampfhaft festhielt. Sie fühlte, daß das Verhängnis unerwartet, plötzlich über sie her­einbrach, daß die Stunde ihres Sturzes getont» tnen war. Einen Moment wollte die Verzweif­lung und der Schrecken sie übermannen; dann uver, sich sagend, daß das große Geheimnis ihres irt « f vielleicht ja doch noch ungelöst und dann fassen nnf,t ^es verloren war, suchte sie sich zu svr^^ad sie nach Selbstbeherrschung rang, I keü? g-,Archen plötzlich auf. Ihre Gesichtsmus- ihren 9r,2_en konvulsivisch vor Auflegung und n„ *2? erhebend und mit der Hand auf ein

Cel «enM“es

Es ist'das Bild des Mannes, hrrtifchif p?a ?Äce in das Pfarrhaus zu Schönau brachte! Es ist das Porträt des gehermnisvollen Fettrdes tuetner jungen Herrin!" u dtld ist das Bild Sir Albert Tre-

*0:1 r'J,TC5-Marquis mit lautet Stimme, schickliche Ahnung, die mir bereits wie- verholt kam, — mit Allgewalt drängt sie sich jetzt |

so total unwahre üble Nachrede, als die, bet Pfarrer würde den Katholiken verbieten, bei Protestanten zu kaufen. Leider läßt sich nicht immer der Urheber dieser tmfamen Ver­leumdung so genau feststellen, daß eine Be­strafung erfolgen kann, aber wo es möglich ist, soll man ganz entschieden dagegen vorgehen. Selbst im Reichstag hat der Abg. Dr. Paaschk sich nickt gescheut zu behaupten, auf dem Huns­rück hätten Pfarrer die Katholiken aufgefotbert, nicht bei Protestanten zu kaufen. Den Beweis ist er schuldig geblieben, weil es überhaupt nicht wahr war. Aber gegen diese Aeußerung von der Reichstagstribüne gibt es leider keine gericht- liche Klage.

* Geschäfts - Patriotismus in der Ostmark. Einen wertvollen Beitrag zu diesem Kapitel lie­fert ein Vorkommnis auf dem jüngst statlgehab- ten „Deutschen Tag" in Bromberg. Rach einem Berichte der ,Ostd. Presse' haben nämlich die Brauereien in Bromberg ihre Teilnahme an dem anläßlich des Deutschen Tages veran­stalteten Festzuge rundweg abgelehnt, weil — man höre und staune — beim Festkommers im Schützenhause nur auswärtige und keine Bromberger Biere geflossen feien! Der Patriotismus der Br omberger Brauereibesitzer geht also nur bis zum — Bierfaß, mit anderen Wor­ten bis zum Geldbeutel.

* Bayern und Baden. In der Behandlung der Sozialdemokraten ist zwischen Bayern und Baden ein Konflikt auSgebrochen, der wohl in der Oeffentlichkeit noch eine große Rolle spielen wird. Als in Baden in der Hauptstadt ein Sozialdemoflat auf das Rathaus gewählt worden war, hat ihn die badische Verwaltung vor die Frage gestellt, ob er das Mandat ann-hme ober nicht; geschehe ersteres, so werde ihm seine Stellung in der staatlichen Eisenbahnwerkstatt gekündigt werden. Das gesamte Ministerium stellte sich dann hinter diese Stellungnahme der Verwaltung und die S ch ar fm a ch e r aller Grade waren ob dieser Schneidigkeit befriedigt; der Staat war wieder einmal gerettet. Nun kommt eine Entscheidung aus Bayern, die denselben Leuten viel Kummer bereiten wird. In München war der Sozialdemokrat Roßhaupt zum Abgeordneten gewählt worden; dieser aber ist Arbeiter in der dortigen staatlichen Zentralwerkstätte; das Gesamtministerium beschloß nun, Roßhaupt den nachgesuchten Urlaub für die Dauer der Tagung des Landtages zu ge­währen, und zwar unter Weiterzahlung des Lohnes. Wir finden diesen Beschluß sehr ver­ständig; wenn ein staatlicher Arbeiter durch das Vertrauen seiner Mitbürger in daS Parlament gewählt wird, soll man ihm keine weiteren Schwierigkeiten machen in der Ausübung seines Mandates; wie der Beamte in solchen Fällen ohne weiteres Urlaub erhält, so muß es auch beim Arbeiter fein. Der Umstand, daß es sich um einen Sozialdemokraten handelt, ist nicht entscheidend; wenn man einmal anfängt, hier Unterschiede zu machen, bann kommt man auf eine schiefe Ebene; bann kommt das nächste- mal auch ein Arbeiter an bie Reihe, ber sich zum Zentrum bekennt. Mit solch kleinlichen Mitteln wie in Baden kann man diese Partei nicht bekämpfen; wenn badische Minister sich für ein Bündnis zwischen Liberalen und Sozialdemokraten interessieren, dann ist daS viel schlimmer. Die Blockparteien im Reiche aber werden in heilloser Verlegenheit. fein, daß das bayerische Mini-

genommen, und wir müssen Mylady bttten, uns zu folgen!"

Lady Trevor stieß einen wilden Schrei aus. Ihr Gesicht war schrecklich anzusehen in der Angst und Verzweiflung, in der sie sich befand.

„Es ist alles vorbei!" stieß sie hervor. „Mein Geheimnis ist ans Licht gebracht! Alles wird mir genommen: Reichtum, Ehre und Freiheit! Die Tür des Kerkers, mit tvelcher er mir drohte, öffnet sich mir und ich bin rettungslos verloren! Ich habe nur noch ein letztes Wort für Sie, Lord St. Leonards. Da Mrs. Peters Beweise für ihre Aussagen hat und jedes Leugnen infolgedessen nutzlos ist, bekenne ich, daß Alice Romberg in Wirklichkeit Lady Adeline Ravendale, Ihre Enke­lin und Erbin, ist. Es war Sir Albert Trevor, der diesen Betrug aussann und zur Ausfichrung brachte; er trägt die Schuld an allem!"

Und mit blitzartiger Schnelligkeit zog sie un­ter ihrem Kleide das zweite Fläschchen hervor, führte es an die Lippen und leerte es auf eine« Zug. Die Polizisten sprangen hinzu, um es zu verhindern, — aber zu spät. Sie konnten nur noch Edith's wankende Gestalt auffangen und auf ein Sofa legen, wo sie nach wenigen Minu­ten unter furchtbaren Schmerzen starb.

Nachdem die Leiche, toeldje neben der Sir Albert Trevor's beigefetzt wurde, fortgebracht worden war, verließ auch Lord St. Leonards mit seinen Begleitern das Haus, welches der Schau­platz für den Schlußakt einer furchtbaren Tragö­die geworden war, und sie fuhren zu Lady Glen­ham, deren Herz beim ersten Anblick sofort für Alice schlug, und als sie gar hörte, daß diese in Wirklichkeit Lady Ravendale sei, da schloß sie das junge Mädchen erst mit verdoppelter Freudigkeit in ihre Arme und bereute bitter, daß sie auS Stolz ihre Einwilligung zu ihres Sohnes Hei­rat mit diesem Mädchen, das ihr ja allerdings flemd gewesen war, verweigert hatte. Sie wett­eiferte mit dem Marquis darin, der so Hartge- prüsten gleichsam an den Augen absehen zu fön«