Einzelbild herunterladen
 

Erscheint töglich et» Ausnahme der Sone« Mi» stittiegt viertel» jähr» vezn yspreis ohne Bringeri'6« und Vehellgeldin5uldaun» auswärts 1 Bit 50 PfS-

verantt»»rtU»er WjW

Vtriftküer: »-Wetzl« für die »«eigen :

j. Parze«"in wochenbeilage: „

: „Sulbacr Geschlchtsblä ter"

3nteigen. Die ein fpaltig« petitzeile ober deren Baum 15 pfg. Reflamen He Petitzeile 25 Pfg.; bei wird«. Holungen wird entfpr. Rabatt gewährt.

Rotationsdruck u. Verlag der jkuldaer 2lt< tienbr tckerel tajalb«. .Fernsprecher Nr. 9.

M 209.

Fulda, Donnerstag den 12. September 19<»7.

34. Jahrgang.

*; woher stießen die sozialdemo­kratischen parteibeittäge?

Auf Grund des Berichtes des sozialdemokrati­schen Parteivorstandes an den am nächsten Sonn­tag in Essen zusammentretenden sozialdemokrati­schen Parteitag haben wir bereits die wich- tigsten Daten über die Finanzen der Genossen mitgeteilt. Hierzu ist nun noch eine zweite Bro­schüre erschienen, welche eine sehr interessante Zusammenstellung der Parteibeiträge gibt und zwar geordnet nach den einzelnen Landesteilen. Die Zusammenstellung ist wiederum getrennt in Beiträge der Organisationen und in die G eld er, welche aus sonstigen An­lässen in die Parteikasse flössen.

Uns interessiert vor allem die Tabelle, welche -die

Beitrage bet Organisationen verzeichnet. Wir ersehen daraus, daß aus Preu­ßen insgesamt 246 599 «M Parteibeiträge ge­flossen sind. Bayern folgt mit 11700, Würt­temberg mit 4100 und Baden mit 5500 <M. Dagegen hat das Königreich Sachsen 64 000 Mark bei gesteuert. Von sämtlichen preußischen Landesteilen steht selbstverständlich Groß- Berlin an erster Stelle. Der Parteikasse sind aus Groß-Berlin an Beiträgen der Organisatio­nen allein 150 000 dH zugeflossen, an sonsti­gen Beiträgen 56 400, insgesamt also 206 400 <M. Außerdem ist Groß-Berlin der größte Teil des Ueberschusses des „Vorwärts" zuzu­rechnen, welcher 170 000 dH beträgt. In dieser Hinsicht wird die Reichshauptstadt nur, noch von Hamburg annähernd erreicht. Die sozial- dentokratischen Organisationen der Hansestadt haben der Parteikasse 101 500 dH zugeführt. Da­gegen ist der geringste Beitrag aus der Provinz Posen gekommen; er steht mit nur 84 M zu Buche. Auch Ost- und Westpreußen haben nur einige hundert Mark abgeworfen. Andererseits sind aus Schleswig-Holstein 20 000, aus Hanno­ver 18 000, aus der Rheinprovinz 15 000, aus der Provinz Sachsen 13 000 und aus Schlesien 7000 Mark abgeführt worden. Wenngleich auch diese Zahlen einen Rückschluß auf die sozialdemokrati­schen Reichstagswähler nicht zulassen, so sind sie doch geeignet, um mit ihnen mancherlei Ver­gleiche inbezug auf die Opferwilligkeit der bür­gerlichen Parteien anzuftellen.

WaS die aus

sonstigen Anlässen in die sozialdemokratische Parteikasse geflossenen Beiträge betrifft, so gibt der „Vorwärts" dar- iiber noch keinen ins Einzelne gehenden Bericht. Nur über Groß-Berlin macht er nähere Angaben, die wir weiter oben schon erwähnt haben. Welcher Art diese sonstigen Beiträge sind, geht auch her­vor aus der Quittung über die Einlieferung im abgelaufenen Monat August. Dort steht z. B.: „Honorar von der „Deutschen Tages­zeitung" für einen Artikel aus dem „Vor- wärls" abgedruckt 13,05 dH". Es ist ja er- gotzlich zu vernehmen, daß die „Deutsche Ta­geszeitung", welche noch immer in den vordersten Reihen des Scharfmachertums irrt Kampfe gegen die Sozialdemokratie stand, auf diese Weise selbst zur Bereicherung der sozialdemokratischen Partei lasse beitragen muhte.

Deutscher Reich.

Berlin,.11. September 1907.

* Prinz Oskar von Preußen, der fünfte Sohn des Kaiserpaares, der mit dem beginnenden Wintersemester die Universität Bonn bezieht.

wird u. a. auch forstwirtschastliche Studien pflegen. Demzufolge ist der Dozent an der landwirt­schaftlichen Akademie, König!. Forstmeister Hoff­mann, mit einem Lehrauftrag für den Prinzen betraut worden.

.. Den Führern der diesjährigen Kaiser­manöver, General der Kavallerie v. Stü nzner, kommandierender General de- X. Armeekorps, und dem General, der Kavallerie Freiherrn von Bissing, kommandierender General deS VII. Armeekorps, ist laut dem »Reichsanzeiger' der Schwarze Adlerorden verliehen worden.

* Die Tabaksteuer ist in letzter Zeit sehr häufig Gegenstand der Erörterung in der Prefie gewesen. Auf alle Kombinationen und Vermu­tungen folgte aber prompt ein offiziöses Dementi. Wie einem Mitarbeiter des ,Berliner Tageblatt' im Reichsschahamt erklärt wurde, stehen zurzeit mehrere Steuerprojekte zur Erörterung. WaS davon im Winter vor den Reichstag kommen werde, laffe sich heute noch nicht übersehen, da der Reichsetat noch nicht fertiggestellt sei und man infolgedessen noch nicht wiffe, welches Manko durch neue Steuern gedeckt werden müsse. Tat­sache sei jedenfalls, daß man im Reichsschatzamt auch jetzt noch, ebenso wie im verfloffenen Jahre, rote dies ja auch bekanntlich mehrfach von der Regierung im Reichstag erklärt wurde, an der Ueberzeugung festhalte,daß gerade der Tabak durch eine andere Ausgestaltung der Steuer einen wesentlich höheren Ertrag abwerfen könne.

* Eine vielumstrittene Frage scheint in der kommenden parlamentarischen Saison zum Ab­schluß gelangen zu sollen. ES handelt sich um den § 63 des Handelsgesetzbuches. Wie nämlich der,Berl. Lokalanz.' mitteilt, wird dem Reichs­tage in dem bevorstehenden Sesfions - Abschnitt auch ein Gesetzentwurf zu diesem Paragraphen zugehen. Darnach wird beabsichtigt, der Bestim­mung deS § 63, wonach der Handlungsgehilfe im Falle einer unverschuldeten Erkrankung Anspruch auf ein Gehalt für 6 Wochen haben soll, den Charakter zwingenden Rechtes bei» zulegm, sodaß in Zukunft der Abschluß von Ver­trägen unstatthaft fein würde, durch die der Handlungsgehilfe verpflichtet werden könnte, für den Fall der Erkrankung auf sein Gehalt ganz oder teilweise zu verzichten. Dagegen sollen mit Rücksicht auf die mißliche Lage meler kleiner Kaufleute, denen durch die Einstellung von Hilfs- hätten überdies noch besondere Kosten erwachsen, die dem Erkrankten zustehenden Beträge aus der Kranken» und Unfallversicherung für abzugsfähig erklärt werden.

* D i e Blockkouferenzen in Norderney. Alle, alle sind gekommen! Der Reichs­kanzler hat seit Wochen eine Reihe Parlamen­tarier zu sich eingeladen, um mit ihnen allerlei Beratungen zu pflegen. Bassermann machte den Anfang, andere Herren folgten. Nun ist auch der Demokratenführer Payer in Norderney ge­wesen, mit ihm Schmid t-Elberfeld und zuvor Vizepräsident Kämpf. Die „Voss. Ztg." schließt daraus, daß Fürst Bülow sich bemüht, ein gutes Einvernehmen mit der bürgerlichen Lin- k e n herzustellen und zu unterhalten. Inwiefern dies zutrifft, wird die nächste Zeit schon zeigen. Einstweilen stellt das freisinnige Blatt fest: „Der Reichskanzler wird, deß sind wir gewiß, bei den Verhandlungen in Norderney volles Ver­ständnis für die politische Lage gefunden haben. Er wird erkannt haben, daß die Führer der Lin­ken bereit sind, mit der Regierung zusammenzu­gehen, soweit es ihnen ihre Grundsätze gestatten,

daß sie aber diese Grundsätze nicht auf- zu geb en vermögen." Dieser Nachsatz schränkt freilich die Bereitwilligkeit des entschiedenen Li­beralismus zur Mitarbeit an der konservativ- liberalen Paarung ganz merklich ein. Ver- steht er doch diesen Gedanken so, daß in Zu­kunft liberal Trumpf zu sein hat. Nun kommt aber der konservative „Reichsbote" und flüstert den beutelüsternen Liberalen folgendes ins Ohr: „Es hängt alles davon ab, daß die L i b e r a I e n endlich e i n s e h e n, daß sie schon zu lange den alten Zopf ihrer demokratischen Theorien aus dem vorigen Jahrhundert nachgeschleppt ha­ben und daß es hohe Zeit ist, ihren Tatsachen und Aufgaben Rechnung tragen. Mit ihrem alten Manchestertum, ihrem Prinzip des Gehenlassens und dem freien Spiel der Kräfte bis zur Wucher­freiheit, für welche sie früher schwärmten, ist heute nichts mehr anzufangen, diese Theorien sind bankerott geworden, und die Zeit ist mit der Wirtschafts- und Sozialreform, dem Schuh der nationalen Arbeit über sie hinweggegangen." Das konservative Organ rechnet ihnen auch vor, wie sehr sie die evangelische Kirche schädigen, wenn sie ihre Schulpolitik gegen den Einfluß des katholischen Klerus richten. Deshalb kommt das Blatt zu folgendem Schluß: „Daß dadurch der Sozialdemokratie und ihren revolu­tionären Bestrebungen der Boden im Volke be­reitet wird, daß ist doch eine heute mit Händen zu greifende Wahrheit. Das von der libe­ralen Presse gegen Christentum und Kirche verhetzte Volk wird der Sozialdemokratie ja geradezu in die Arme getrieben." Ob der Reichs­kanzler bei den Konferenzen in Norderney an dem linken Flügel auch Bekehrungsversuche in Bezug auf seine Schulpolitik unternommen hat, wissen wir nicht. Mit seiner Kritik am Libe­ralismus hat aber der „Reichsbote" eine Wahr­heit gesagt, welche angesichts der Verhandlungen zwischen Bülow und den Führern des Freisinns doppelt interessant zu lesen ist.

* Der Kapitalismus in der Sozialdemokratie. Im „Korrespondent für Deutschlands Buchdru­cker und Schriftgießer" hatte ein Buchdrucker na­mens H. einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich darüber beklagte, daß seine Berufskollegen bei den „Leipziger Neuesten Nachrichten", obwohl diese Zeitung nach einer Mitteilung der „Leipz. Dolksztg." jetzt 90 000 dH Mehreinnahmen habe als früher, nur 156 dH mehr verdienten. Die Redaktion des Korrespondenten antwortet dem Artikelschreiber u. a. wie folgt: „Wenn H. sagt, „wie erbärmlich kommen einem da die 156 Mark vor, die wir bekommen haben," so kann er diese Nutzanwendung auch auf die „Leipziger Volkszeitung (sozialistisch. D. Red.) über­tragen, die auf das eingezahlte Kapital im ver­gangenen Jahre nahezu sechzig Prozent Dividende erzielte. Auf je hundert Mark eingezahltes Kapital wurde ein Gewinn von sech­zig Mark erreicht; haben nun die Arbeiter in der „L. B." an diesem Dividendensegen, den sie durch ihre Arbeit mit verdienten, irgend einen Anteil gehabt? Genau so wenig wie die Arbeiter in den „L. N. N." an der angeblich 90 000 dH betragenden Mehreinnahme. Kapi­talistische Politik hüben tote, {trü­ben! Sechzig Prozent Dividende ist nicht zu wenig für ein Blatt der Enterbten und „Aus­gepowerten". Dem Kommentar des Korrespon­denten etwas hinzuzufügen, hieße seine Wirkung beeinträchtigen.

* Die halbverkrachte Damuka. Die Kolonial­ausstellung darf als em ganz verfehltes Unter» nehmen bezeichnet werden; nun ist gar noch der Konkurs gegen sie beantragt worden; freilich wurde der Antrag in der letzten Stunde wieder

Die Perle des SchimMldeS.

Roman von L d. Wagner.

68] (Nachdruck verboten.)

>,Alice ist meine Braut, Mylord!" sagte der sjunge Graf stolz. „Ich bitte Sie, sie als solche zu empfangen!"

„Mit Freuden, mein lieber Glenham!" er­widerte der Marquis, ganz seltsam erbebend un­ter dem wunderbaren Blick der strahlenden Au- gen des jungen Mädchens. „Ich gratuliere Ihnen, daß Sie sie sich getoonnen haben, Gor- don! Setzen Sie sich. Miß Alice! Und nun sa­gen Sie mir, — ich brenne vor Unm-duld darauf,

wo haben Sie sich den ganzen Winter über Alufgehalten?"

„Lassen Sie mich erzählen, Mylord!" ergriff lder junge Graf das Wort. „Wenn Sie gütigst .erlauben, daß Alice ein Zimmer angewiesen wird, wo sie eine Stund« ausruhen kann, will ich ihre Abwesenheit benutzen. Ihnen das ganze Ge- Zeimnis zu enthüllen!"

Der Marquis klingelte und befahl die Haus­hälterin herbei. Als diese erschien, gab er Alice |n ihren Schutz und beauftragte sie, besonders Darauf zu achten, daß es der jungen Dame an Nichts , fehle und daß diefelbe durch nichts und von ntemond behelligt werde. Er begleitete fte

Tür und sah ihr mit zärtlichem Blick Üe mit der Haushälterin und dem alten sn-n durch die lange Halle schritt.

r„ «sch"" dieses Mädchen ist!" sagte er, als « Glenham zurückkehrte. „Ihr Blick

4* $erä hinein, Gordon. Ich glaube,

tch habe erahnen uoch nicht gesagt, aber ihre

«lerchen einem Augenpaar, welches ich vnst verehrte, — einem Paar tiefer, süßer, zärt- luyer Augen ! Sie haben recht daran getan, sie M-VM zu bringen I — Doch nun, was ist es für

ein Geheimnis, welches Sie mir zu enthüllen haben? Wo ist sie so lange gewesen?"

Und der junge Graf antwortete ernst:

„Sie ist eine Gefangene gewesen, Mylord, sie hat den Winter verbracht in der Gewalt elen­der Menschen. Sie ist eingesperrt gewesen in einem verlassenen Hause an der Nordwestküste von Schottland. Die Geschichte ist unglaublich. Ich will sie Ihnen so kurz wie möglich erzählen!"

Und der Graf erzählte dem aufhorchenden alten Herrn in Kürze die ganze Geschichte, wel­cher der Marquis mit Staunen und Abscheu zu- hörte.

„Wer ist dieser nichtswürdige Feind, der ihr nach dem Beben trachtet?" fragte er, als der junge Graf seine Erzählung geschlossen. „Wer ist das Weib, welches dieses unschuldige Mädchen beseitigen zu wollen herzlos genug sein konnte?"

Der Graf zögerte mit der Antwort.

„Nun? Wer find diese Elenden?" drängte Lord Leonards.

Glenham öffnete die Lippen, aber noch ein­mal versagte ihm die Sprache, ehe er dem alten Manne, den diese Antwort immerhin schwer tref­fen mußte, zu erwidern vermochte:

„Es ist Lady Trevor!"

„Meine Enkelin?" entfuhr es dem Marquis entsetzt.

„Ja, Mylord!" versetzte der junge Graf mit tiefer Stimme. „Und Mr. Pulford war der­jenige, welcher sich dazu hergab, ihren Willen auszuführen!"

Der Marquis saß da wie vom Blitz getroffen.

„DaS also ist das Band, das diese beiden einte!" sprach er erst nach längerem Schweigen mtt dumpfer Stimme. „Großer Gott, wie ist's nur möglich, daß eine von meinem Blute so schlecht sein kann! Aber welchen Zweck konnte es denn nur für sie haben, daS arme Mädchen zu vernichten?"

„Sie hatten Ihr Interesse an Miß Romberg verraten, Mylord," erklärte der junge Graß „und hatten die Absicht laut werden lasten, die­

selbe zu adoptieren und zu Ihre Erbin machen zu wollen."

„Aber Edith ist doch selber reich genug!" ent­gegnete der Marquis kopfschüttelnd. „Das also kann doch kein Grund für sie fein. Miß Romberg zu vernichten. Dafür mußte sie andere, weit zwingendere Motive gehabt haben. Aber welche — welche?"

Der Graf errötete. Es widerstrebte ihm, dem Marquis zu sagen, daß Lady Trevor ihm ihre Liebe gestanden habe und daß Eifersucht die Triebfeder zu ihrem nichtswürdigen Handeln ge­wesen fein könne.

„Es müssen andere, ganz andere Gründe ge­wesen sein!" wiederholte der Marquis gedanken­voll. „Doch entschuldigen Sie, Gordon. Sie sehen angegriffen aus. Sie müssen sich ausruhen. Gehen Sie hinauf, ich werde das Frühstück auf Ihr Zimmer beordern und Sie werden mich hier finden, wenn Sie wieder herunter kommen!"

Und der Marquis klingelte dem Diener und erteilte diesem seine den Gast betreffenden Wei­sungen^

Sobald er allein war, begann der alte Mann mit gesenktem Haupte und mit schweren Schrit­ten auf- und abzugehen. An seine Parlaments­arbeiten dachte er nicht mehr. Das, was er ge­hört hatte, war zu überwältigend, als daß er noch an etwas anderes hätte denken könn«. Er wiederholte sich im Geiste noch einmal die ganze Geschichte und grübelte und suchte von neuem nach Motiven, welche Lady Trevor zu einer so entsetzlichen Tat getrieben haben konnten.

„Könnte Eifersucht sie dabei geleitet haben?" fragte er sich. „Oder welche Motive könnte sie sonst gehabt haben?"

Aber je mehr er über die Sache nachdachte, um so verwirrter wurde er nur.' Schließlich kam er auf den Gedanken, den gordischen Knoten da­durch zu lösen, baß er Lady Trevor selbst danach fragen wollte.

AIS Alice und Lord Glenham wieder in der Bibliothek erschienen, gab der Marauis ihnen

zurückgezogen. So bildet die gefeinte Aus­stellung ein kleines Bild von dem Zustande, in dem sich manche Zweige der Kolonialverwaltung befanden, ehe man mit der scharfen Kritik ein» setzte. In dieser Ausstellung haben sehr viele Leute ihr Vermögen eingebüßt; ein Teil derselben hat sich nun an den Kronprinzen als an den Protektor der Ausstellung gewendet, um von ihm Hilfe zu erhalten. Wenn auch das so schlechte Wetter zum Mißlingen viel beigetragen hat, so ist doch nicht in Abrede zu stellen, daß die Leitung der Ausstellung auch ihren Teil zu verantworten hat. Eine Reihe von glänzenden Namen steht an der Spitze; es sind meistens auch sehr reiche Leute, so daß man in. weilen Kreisen erwartet, daß diese den verkrachten Existenzen etwas zur Seite stehen würden. Jeden­falls hat dies Ergebnis nicht wenig dazu beige- tragen, daß der Plan einer Weltausstellung in Berlin so jäh begraben worden ist.

* Ein Lob der Barmherzigen Schwestern aus Gegners Munde. Das Multeihaus der Grauen Schwestern in Breslau beab­sichtigt in Greifswald eine Anstalt für ambu­lante Krankenpflege einzurichten. Der Magistrat von Greifswald hat aber den Antrag abgelehnt, weil eine solche Anstalt den konfessionellen Frieden stark beeinträchtigen werde, da bekannt fei, daß das Mutterhaus in Breslau in die Nieder­lassungen vornehmlich polnische Schwestern ab» ordne, diese aber mit Rücksicht auf die groß­polnischen Umtriebe (!) zweckmäßig aber von der rein deutschen Bevölkerung Greifswald fernzu­halten seien. Dieser Auffassung tritt der frei­sinnige Abg. Goth ein-Breslau mit folgenden fachlichen Darlegungen entgegen:

„Niemals habe ich gehört, daß die Grauen Schwestern den konfessio­nellen Frieden stören. Ihre Satzungen verbieten ihnen, die Krankenpflege zur Prose­lytenmacherei zu mißbrauchen. Deshalb werden sie auch hier von allen Konfessionen gleichmäßig unterstützt, ja, so viel mir bekannt, auch von un­seren evangelischen Geistlichen. Ebensowenig ist mir bekannt geworden, daß das Breslauer Mut­terhaus in die Zweigniederlassungen vornehmlich polnische Schwestern abordnet, die dann die groß­polnische Bewegung unterstützen. Die Leitung, auch die geistliche des hiesigen Mutterhauses, ist eine re in deutsche . . . Wer das direkt feind­selige Verhältnis zwischen den Polen und der ka­tholischen Geistlichkeit in Schlesien nur einiger­maßen kennt, der weiß, daß die Behauptung, die vom Mutterhaus Breslau abgeordneten Schwe­stern förderten großpolnische Bestrebungen, eine an den Haaren herbeigezogene, durch nichts substantiierte Behauptung ist. Gerade in der rein deutschen Gegend Greifs­walds fänden solche Bestrebungen doch auch gar keinen Boden. Der Magistrat Greifswalds will, wenn der Minister die Niederlassung der Grauen Schwestern genehmigen sollte, durch den Land­tagsabgeordneten Rewoldt die Sache im Abge- ordnetenhause zur Sprache bringen. Ich empfehle ihm, sich dann zuvor bei dem Mitglied seiner Reichstagsfraktion Fürsten Hatzfeld, Herzog von Trachenberg, dem früheren langjährigen Oberpräsidenten Schlesiens, zu informieren, und ich bin sicher, daß diese Information so ausfallen wird, daß er verzichten wird, die Sache zur Sprache zu bringen. Es ist eine schöne Sache um ein starkes evangelisches Bewußt­sein, wenn das aber zur Intoleranz ge­genüber der hingebenden, opfervollen und segens­reichen Tätigkeit von Personen anderer Konfes­sionen ausartet, wenn es in jeder Betätigung

seinen Entschluß kund und lud beide ein, ihn zu Lady Trevor zu begleiten. Alice wurde bleich bei dem Gedanken, ihrer Todfeindin wieder gegenübertreten zu sollen. In dieser Beglei­tung aber konnte es ja nichts für sie zu fürchten geben.

Der Wagen wurde bestellt und eine Viertel­stunde später fuhr die kleine Gesellschaft, ein­schließlich Gretchen, welche gebeten hatte, ihre junge Herin begleiten zu dürfen, dem palais­artigen Hause der Lady Trevor zu.

Als der Marquis und feine Begleitung das St. Leonards'sche Palais eben verließ, blieb eine schwarz gekleidete Frau, welche, im Begriff ge­wesen war, die Stufen der Treppe vor dem Hause hinaufzusteigen, stehen, hörte zu, welchen Befehl der Marquis dem Kutscher gab, und ent­fernte sich dann hastig.

Die Frau war Sarah Peters.

Gleich nach der Ankunft im Palais der Lady Trevor wurde die Gesellschaft in den Wohnsalon gewiesen und des Marquis Karte der Lady ge­bracht, welche sogleich erschien. Sie sah mübe und verstört aus, als habe sie die Nacht durch, wacht. Ihre schwarzen Augen hatten etwas fast Starres, Schreckhaftes im Blick, und sie erschien unruhig und nervös.

Der Besuch ihres Großvaters überraschte sie; sie wußte ihn aber nicht zu deuten, wie ebenso- wenig, ob sie Hoffnungen an denselben knüpfen durfte.

Sie bemerfte bei ihrem Eintritt ins Zimmer weder Alice noch Gretchen, sondern eilte auf den alten Lord zu mit erkünsteltem Lächeln und aus- gestreckten Händen.

Aber ernst und stteng In Miene und Haltung, die Hände auf dem Rücken haltend, erwartete der Marquis ihre Annäherung.

„Edith," sagte et in einem Tone, welcher toie fern grollender Donner klang und welcher alle­in ihr gleichsam erstarren machte, „erlaube mir, daß ich Dir hier Miß Romberg vorstellel"

(Schluß folgt-)