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Rotationsdruck u. Verlag der 5»ldaer Ac- tirndrtckerei inSulba.

Zerniprecher Nr. 9.

34. Jahraanss.

Fulda, Mittwoch den 11.'Sevtember 1907.

M 208.

werden, sofern sie nach den entsprechenden ministeriellen Bestimmungen vollwertig gemacht sind. Die ferneren Wünsche betreffen eine engere Verknüpfung der Pflichtfortbildungsschulen mit den Fachschulen. Wie man hieraus sieht, ist mit dieser Angelegenheit eine Frage aufgerollt, welche für das gesamte Handwerk von der größten Bedeutung ist. Wie in Berlin, so kann sie auch überall dort akut werden, wo neben den obligatorischen Fortbildungsschulen Fachschulen für einzelne Handwerkszweige bestehen. Aus diesem Grunde empfiehlt eS sich, die Bestrebungen der Berliner Handwerkerorganisationen auf diesem Gebiete weiter zu verfolgen.

x Schiff in Not.

Don O. Boljahn, Bremerhaven.

Machdruck verboten.)

Aufregung erfaßt alle Strandbewohner wenn über das wildschäumende Meer her durch den brausenden Orkan hindurch das dumpfe Grollen eines Kanonenschusses erschallt. Jeder weiß daß der Schuß von einem Schiffe in Not kommt. Jetzt heißt es für die Rettungsmannschaften: „Auf, zum Strande! Macht die Rettungsboote klar und dann hinein in die Brandung und die Wogen zur Rettung der Gefährdeten."

Dann zittert so manches Mutterherz für den Sohn, so manches Herz für den Ehemann und Ernährer der großen Kinderschar, die vielleicht noch ahnungslos in lieblichen Träumen schlum­mert. Wer weiß, ob nicht die todesmutige, opferfreudige Rettungsmannschaft selbst schon in der nächsten halben Stunde den Heldentod stirbt, falls das Rettungsboot durch eine Sturzsee zum Kentern gebracht wird, oder an Felsenriffen zer­schellt.

Bevor loir auf einen besonders schweren Schiffbruch zu sprechen kommen, dürfte es inter­essieren, sich erst einmal mit den Notsignalen, die ein Schiff in Not abzugeben pflegt, bekannt zu machen. Seit dem 9. Mai 1897 haben laut kaiserlicher Verordnung Schiffe, welche sich in Not befinden, folgende Signale abzugeben und zwar zusammen oder einzeln. Bei Tage: Kanonenschüsse oder Knallsignale, welche in Zwi- schenräumen von ungefähr einer Minute Dauer abgefeuert werden: das Signal mit Flaggen: NG des Internationalen Signalbuches: das Fernsignal, bestehend aus einer viereckigen Flagge, über oder unter welcher ein Ball, oder etwas, was einem Balle ähnlich sicht, aufgehißt ist; Raketen oder Leuchtkugeln, wie solche wei­terhin hier noch als Nachtsignale angegeben sind; anhaltendes Ertönenlassen irgend eines Nebel­signalapparates. Bei Nacht: Kanonenschüsse oder andere Knallsignale, wie an: Tage; Flam­mensignale auf dem Fahrzeuge, z. B. brennende Teer- oder Oeltonnen oder dergleichen; Raketen oder Leuchtkugeln von beliebiger Art und Farbe; anhaltendes Ertönenlassen irgend eines Nebel- signalapparates.

Und nun zur praktischen Verwendung zweier solcher Signale! Es war in einer finstern 9te» vembernacht, als ein besonders schwerer Aequi- noktialsturm über die Nordsee fegte, die ihre wilden, hohen, schäumenden Wogen bis hoch in die Dünen der Insel Spiekeroog jagte. Dabei gingen fortwährend schwere Schnee- und Hagel­böen nieder.

Förmlich triumphierend brüllte der orkan­artige Sturm, als wollte er sagen: „wartet nur, bis der Morgen graut, dann sollt ihr schon sehen, mit welcher Macht ich wütete."

Und der Morgen kam und mit ihm ein dumpfrollender Kanonenschuß, dem in kurzen Pausen einer nach dem andern folgte. Alle

Zweites Wtcrtt

):( Fach- and FoMimnrsWien für Handwerker.

Mit dem 1. Mai vorigen Jahres ist in Berlin die Pflichtfortbildungsschule ein­geführt worden. Damit ist für das Berliner organisierte Handwerk eine Frage brennend ge- worden, welche von allergrößter Bedeutung ist. Sie betrifft den Berufsunterricht und hängt eng zusammen mit der Frage der Jnnungsfachschulen. Durch die Einführung der PflichtfortbildungS- fchulen ist es nämlich sehr fraglich geworden, ob die Fachschulen, so wie sie bisher bestanden haben, weiter existieren werden.

Wie aus dem Bericht der Berliner Hand­werkskammer über das Jahr 1906 hervorgeht, sind die Fachschulen seit der obligatorischen Einführung der Pflichtfortbildungsschulen sehr üu rückgegangen. Nicht weniger als 30 Berliner Innungen und sonstige Handwerkerkorporationen haben teils aus eigenen Mitteln, teils mit sehr 'erheblicher städtischer und staatlicher Unterstützung Fachschulen unterhalten; dazu gehören die Bäcker, die Barbiere, Fnseure, Perüickenmacher und Heilgehilfen, die Juweliere, die Böttcher, die Korbmacher, die Strumpfwirker und andere. Durch diese Bemühungen des organisierten Hand­werks haben im Jahre 1905, also vor Ein­führung der Pflichtfortbildungsschule

rund 17000 Berliner Handwerkbildungslehr­linge

Fach« und Fortbildungsunterricht genossen. Dies Zahl stellt 80- -90 Prozent aller in Berlin in Handwerksbetrieben beschäftigten Lehrlinge dar. Nunmehr droht in den Pflichtschulen die Ver­nichtung der bewährten Fachschulen.

Tatsächlich geht der Besuch der Fachschulen seit dem Inkrafttreten der Pflichtfchulen immer mehr zurück; und die Zeit liegt nicht fern, in der von einem Besuch überhaupt nicht mehr die Mede sein wird. Die Ursache liegt in dem Doppel- hesuch beider Schulen. Die Lehrlinge sind ver- «, wöchentlich an zwei oder drei Tagen

, iichtschule zu besuchen, infolgedessen hält es sehr schwer, sie außerdem noch an einem dritten oder gar vierten Tage in die Fachschule zu schicken. Da der Unterricht in beiden Schulen außerdem noch hauptsächlich in die Arbeitszeit fällt, liegt es auf der Hand, daß sich nur sehr wenige Meister dec Verpflichtung unterziehen können, ihre Lehrlinge gleichzeitig in die beiden Schulen zu schicken. Die Berliner Handwerks­kammer ist nun bemüht, den Uebelstand zu be­heben und Abhilfe zu schaffen.

Eine Kommission, welche zum Studium der .Frage eingesetzt wurde, hat der Kammer ver­schiedene Vorschläge gemacht. Es wird gefordert, daß in den Privatschulen reine Berufsklaffen eingeführt werden oder verwandte Handwerker zu

Berufsklaffen zusammengelegt iverden, wo dies infolge der ge­ringen Zahl der Lehrlinge erforderlich erscheint. Andererseits ist die Erhaltung der altbewährten Fachschulen einer der Hauptwünsche der Ber­liner Innung. Wie dies in einigen Fällen schon geschehen, sollen die Fachschulen als der Pflicht- Fortbildungsschule gleich berechtigt anerkannt

M Perle des Schimzmlöes.

Roman von Ed. Wagner.

66J Machdruck verboten.)

Lady Trevor sah fi)n verständnislos an.

„Es ist eine lange Geschichte," fuhr Pulford t „aber ich will sie in so wenig wie möglich Worte fassen. Meine Reise nach Schottland war das glücklichste Unternehmen meines Lebens; denn ohne sie wären wir beide unfehlbar verlo­gen gewesen."

„Wie meinst Du das?" fragte sie gepreßt.

„Das Mädchen ivar aus Black-Rock entkom­men!" sprach er mit Betonung einer jeden Silbe. „Entkommen?" wiederholte sie erschreckt.

„Ja, entkommen!" bestätigte er. „Ich kam stach Jnverneß und nahm mir dort ein Pferd, -in der Absicht, die Reise nach der Nordwestküste über Land auf den rauhen Gebirgspässen zu ma- aber am Abend desselben Tages noch, an tElchem ich von Jnverneß anfgebrochen war, traf ich rn der Nähe eines kleinen Dorfes Jarvis, — etn ganz wunderbarer Zufall! Er sagte mir, oatz das Mädchen mit der alten Dienerin in einem nahen Bauernhause sei und sie sich schon ß. x vCl21e Woche dort aufgehalten hätten, daß E>> an et”en ?reund nach London geschrie- er m°8.ei chnen zu Hilfe kommen, und leder Stunde in Loch-Low — ».b Nest —- erwartet würde. Jarvis hatte ^'ugegenuber, keine Gelegenheit gehabt, nach selbst „ach Jnverneß gehen Jn h/r a6er hatte nur einmal

srn der Woche Postv^bindung. Er wagte es auch namentlich nicht, sich von dem Hause zu entfer­nen, damit ihm das Mädchen nicht zu entschlü- psen vermochte. So wußte er jetzt gar nicht, was er, tun sollte, als — mit meinem gewöhnlichen

Glück — plötzlich ich auf dem Schauplatz er­schien!"

„Und der Freund aus London?" fragte Lady Trevor hastig. „Hast Du ihn gesehen?"

Pulford nickte.

„Dec Freund war Crastonl" erklärte er. „Ich begegnete ihm am andern Morgen, oder besser: er fuhr an mir vorbei, während ich mich in einem Gebüsch verborgen hielt. Aber er kam zu spät: — das Mädchen war bereits in der Nacht vor­her beseitigt worden!"

Und er erzählte der atemlos Zuhörenden die ganze Geschichte: — wie die Flüchtlinge in das Haus Mae Dougals gekommen waren, was Jar­vis dem Bauer erzählt, sowie von feiner Ankunft bei demselben und wie er und Jarvis dann das Haus in Brand gesteckt hatten.

Lady Trevor hörte mit der größten Span­nung zu.

„Und Du bist Dir vollkommen sicher, daß sie nicht etwa »nieder entkoinmen ist?" fragte sie.

„Ich wünsche, ich erlangte so sicher die Titel, nach denen ich trachte, wie ich das weiß!" ant­wortete Pulford. „Wenn Du das Feuer gesehen hättest, wie es mit Blitzesschnelle um sich griff, und diese ungeheure Glut, Du würdest eine solche Frage nicht mehr stellen. Das Mädchen ist tot und mit ihr die alte Frau. Die Familie, welche unten im Hause schlief, kam sogar kaum mit dem Leben davon."

„Es war eine gewagte Tat, aber es ist gut, daß sie geschah!" sagte Lady Trevor. „Ich möchte wohl wissen, was Maldred Grafto» dachte, als er an die Ruinen des Hauses kain und hörte, daß das Mädchen tot sei. Wie aber, wenn er nun von beinern Besuch dort hören sollte?" #.-■

M „Wie sollte er das können da ich seinen Na­men annahm und mich Grafton nannte?" ent­gegnete Pulford überlegen. „Wenn er es aber dennoch ermitteln tollte, dak ich es war, der fei­

Schüsse aber wurden von dem donnerähnlichen Brauten der haushohen Brandung fast ersttckt.

Wieder ging ein schwerer Hagelschauer her­nieder; doch bald konnten die bereits aus ihren Betten gesprungenen Strandbewohner einen hel­len Schein bemerken, der in der dunkeln, mit Schnee und Hagel erfüllten dicken Luft oft rie­sige Formen anzunehmen schien. Immer noch folgte Kanonenschuß auf Kanonenschuß. Tie Inselbewohner wußten, daß auf dem vor der Insel liegenden Riff ein Schiff gescheitert fei. Inzwischen war auch schon die Besatzung des Ret- tungsbootes, welches in einem kleinen, dicht hin- ter den Dünen stehenden Schuppen auf einem niedrigen, mit sehr breiten Radreifen versehenen Wagen lag, herbeigeeilt und hatten das Boot aus dem Schuppen heräusgeholt. Schnell waren die vier kräftigen Pferde, mit denen der Ortsschulze zur Stelle geeilt war, angespannt, und dann ging es durch Sturm und Braus und tiefen Dünensand möglich nahe der Unfallstelle zu.

Allmählich war es Heller geworden. Tie schwere Hagelboe hatte ausgetobt und man konnte ganz deutlich einen Zweimaster, eine Brigg erkennen, die auf dem Riff gestrandet war und von den Wogen scharf angegriffen mür­be. Bereits waren allerlei zu bem Schiffe ge­hörende Gegenstände, wie Teile von Booten, Rie­men. Tonnen usw. an den Strand geworfen wor­den. Und als man näher zufah, bemerkte man auch, daß bereits die Stängen, das sind die Mastverlängerungen, heruntergebrochen waren und zum Teil noch in der Takellage hingen.

Inzwischen hatte der Ortsschulze mit seinen Pferden auch den Raketenapparat herbeigeholt. Dieser konnte vorerst allerdings nicht bei der Bergung der Schiffbrüchigen in Frage kommen, da das Schiff viel zu weit vom Strande entfernt lag, als daß es von einer abgefchossenen Rakete erreicht werden könnte. Aber es konnte ja auch geschebeu daß das Schiff durch eine besonders hohe Woge vom Riff ab- und näher an den Strand geschleudert wurde, wie es öfter ge- schicht. Dann konnte der Apparat in Tätigkeit treten. Für alle Fälle mußte er zur Hand sein.

Zunächst wurden einige Leuchtraketen abge- fchosfen um bett mit bem Tobe Ringenden zu zeigen daß sie gesehen seien und zu ihrer Ret­tung das Menschenmögliche geschehen würbe. Alsbald auch bestieg die Mannschaft das Ret­tungsboot, als letzter der Steuermann, der alte, reckenhafte Kapitän Hinnerk Julius, mit schnee­weißem Haupt- und Barthaar.

Auf einen Wink des Alten legten sich die Männer mit ihren muskulösen Armen in die Riemen, und wie ein Pfeil schoß das starke Boot auf einer künstlich hcrgestelltcn schrägen Rutsch- bahit in die milchweißen, donnernden Wogen.

Fast die ganze Einwohnerschaft Spiekeroogs hatte sich eingefunden und schaute sorgenvoll bem Rettungsboot nach. Da braust eine riesige Woge heran unb wirft das Rettungsboot wieder hoch auf den Strand. Wieder wurde es auf den Wagen mit feiner schrägen Rutschbahn gehoben, wieder wurde es ins Wasser gefahren, wieder glitt es in die tosende Brandung und jeder Mann im Boot strengte alle seine Kräfte an. Es half alles nichts, die Brandung war zu wild und das Boot wurde immer zurück auf den Strand geworfen. Man konnte noch Gott danken, daß es dabei nicht umschlug und seine Insassen erdrückte.

Inzwischen war auf bem Schiffe schon alles an Deck Befindliche zertrümmert und fortgespült worden. Gegen Mittag etwa brachen auch die beiden Untermasten über Bord, und die Schiff­brüchigen mußten unter steter Lebensgefahr be­müht fein, mit Aexten und Beilen so schnell als möglich die Taue zu kappen, abzuhauen, damit das Schiff nicht durch die schweren, halb in, halb über Wasser hängenden Masten zum Kentern gebracht würde.

Sechsmal hatte man es schon vergeblich mit dem Rettungsboot versucht und es begann be­reits zu hämmern während der Orkan immer noch mit ungeschwachter Kraft wütete. Nun sollte es noch ein siebentes und letztesmal versucht wer­den, denn die Mannschaft des Rettungsboote) war ganz erschöpft und die Nacht brach herein.

Wieder glitt das Boot in die See. Und was niemand mehr zu hoffen gewagt hatte, das ge­lang endlich doch. Das Boot erreichte allmählich tieferes Wasser und näherte sich bem Schiffe. Anlegen am Schiff konnte es aber nicht, sollte es nicht in ber nächsten Minute von ber Brau- bung an ber Schiffswanb zerschmettert werden. Es blieb nichts anderes übrig, als daß sich da) Rettungsboot in kurzer Entfernung vom Schiff hielt, um die Schiffbrüchigen, die einer nach dcm andern ins Wasser sprangen, anfzufischen. Das war alles schon oft gemacht worden, und in der­artigen Fällen auch die einzige Möglichkeit, dir Leute zu retten. Aber zu aller Schrecken sah man jetzt auch eine Frau, die sich am Maststmnps angeklammert hielt und den Blick angstvoll auf einen kleinen, etwa vier Monate alten Knaben richtete, den gut verpackt der Kapitän ber Brigg foeben aus ber Kajüte heraufgeholt hatte. Der Steuermann des Rettungsbootes rief nun dem Kapitän auf bem Wrack zu, er toerbe mit dem Boot einen Augenblick dicht herankommen. bann solle er ihm das Kind zuwerfen und seine Frau falle im selbigen Moment ins Boot springen.

Und so gefchah es.

Das arme kleine schreiende Kindlein flog wie eilt Gnmmiball in die ausgestreckten Arme, des Steuermanns; die Mutter wurde von einem anderen aufgefangen. Nun sprangen auch die letzten Männer ber Besatzung ins Wasser und würben glücklich alle ins Boot gezogen. Als letzter sprang ber Kapitän mit einer runden langen Blechbüchse, in welcher sich die Schiffs­papiere befanden, über Bord und wurde eben­falls geborgen. Dann ging's mit aller Kraft und Schnelligkeit auf den Strand zu. Eine be­sonders hohe See warf das Rettungsboot bis hoch auf die Dünen, fast zu den Füßen der Zu- schauerrnenge.

Nun gab es unter den Inselbewohnern einen förmlichen Streit um die Aufnahme ber Schiff« brüchigen, und die Mutter mit bem Kinde woll­ten alle haben. Der greife Bootsführer aber fogte, das liebe Geschöpfchcn auf den Arm neh­mend: „Nee, nee! Tat kriegt je nich; bat hcw ick upfangt un min Moder schallt hebben." Und damit gab er cs feiner vor Glückseligkeit strah­lenden, auch bereits eiSgratien Ehehälfte, nahm beit Kapitän unter einen, besten Frau unter den andern Arm und eilte seinem Häuschen zu.

Am andern Morgen ging die See zwar noch hoch, aber Sturm und Schiff waren ver­schwunden.

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neu Namen borgte, fo könnte er doch nicht be­weisen, daß ich bas Haus in Brand steckte. Ich gebe Dir mein Wort, Edith: ich habe mich bor- gcfehen, daß man mir nichts anhaben kann! Was Grafton auch vermuten mag, er wird es für sich behalten, da er nichts beweifen kann!"

„Wann trug sich dieses alles zu?" versetzte Lady Trevor. „Du kamst direkt nach London nach diesen Ereignissen?"

„Nein!" antwortete Pulford. „Ich war ge­zwungen zwei oder drei Tage in Jnverneß zu bleiben. Als ich von Loch-Low, so heißt das Dorf, zurückkehrte, stürzte mein Pferd dicht vor ber Stabt und ich erlitt eine leichte Verletzung, jedoch schlimin genug, daß ich mich ein paar Tage ruhig verhalten unb in die Pflege einesArztes geben mußte. Du kannst Dir benfen, baß ich mich nicht außerhalb des Hanfes sehen ließ, da ich fürchtete, Mr. Grafton zu begegnen, und, als ich mit bem Eisenbahnzug abfuhr, mir ein Knpee allein sicherte. Aber trotz all meiner Vorsicht würbe ich am Tage vor meiner Abreise in mei­nem Hotel von Jarvis entbeckt —"

„Von Jarvis?" wieberholie Lady Trevor. „Aber Du sagtest doch, baß er nach Black-Rock zuriickgekehrt fei!"

„Ich sagte: wir gingen auSeiuanber, er in ber Richtung nach Black-Rock, ich nach Jnverneß," verbesserte Pulforb, „und so war es. Als er zu mir in mein Hotel kam, erzählte er mir, daß er nach einer Reise von beinahe ztveiTagen seine Frau unb die Portugiesin erstarrt am Wege ge­sunden habe. Wahrscheinlich hatten die beiden Frauen gefürchtet, allein in Black-Rock gelassen zu werden, und hatten sich zu Fuß ans den Weg gemacht. Dabei sind ihnen bann wohl bis Le­bensmittel ausgegangen unb sie sind elendiglich nit ber Lanbstraße verhungert und erfroren. Jarvis trat sogleich den Rückweg an, passierte Loch-Low in ber Nacht unb fuhr nun mit bem-

selben Zuge, den ich benutzte, nach London, aber in einem Kupee dritter Klaffe."

„So sind die beiden Mitschuldigen vonJarvis auch tot!" sprach Lady Trevor vor sich hin. „Da) ist gut, wir haben bann also auch von ihnen nichts mehr zu besorgen!"

„Nein, nichts!" bestätigte Pulforb. „Sie ha­ben ihre Schuldigkeit getan und können sich ihren Lohn in einer andern Welt holen. Jarvis aber haben wir ebensowenig zu fürchten. Er will da) Land verlassen und sich in den Kolonien eine neue Existenz gründen!"

„Ich fühle, baß ich enblich frei aufatmen kann!" sagte Laby Trevor.

„Unb das hast Du einzig mir zu danken, meine Liebe!" versetzte Pulforb selbstgefällig. „Aber dafür ist jetzt ber Preis auch mein, — ber Preis, um ben ich biefe) und alles tat!" setzte er hinzu und ber Triumph, ber ihn erfüllte, ließ ihn nicht bas unheilvolle Licht sehen, das in ihren Augen flackerte — zu seinem Verderben!

Ganz nur von ber Angelegenheit, die ihn beschäftigte, in Anspruch genommen unb sich da- rin völlig sicher fiihlenb, fuhr Horace Pulford fort:

„Der Marquis hat wohl noch nichts wieder von sich merken lassen?"

Lady Trevor schauspielerte so ineifterhaft, daß sie ihn vollends täuschte.

„Nein," versetzte sie, „aber ich hoffe, daß er schon noch anders denken lernen wird. Ich bin feine einzige Verwandte und ich habe in letzter Zeit eine kindliche Rolle gegen ihn gespielt, die auf die Dauer ihre Wirkung nicht verfehlen wird. Nebenbei bemerkt, ich habe einen Besuch von ber Laby Glcnham gehabt. Sie hatte von meiner Verlobung mit Dir gehört und kam, um zu fragen, ob es wirklich wahr fei."

„Unb Du fugtest ihr?" warf Pulford ein.

kFortfetzuna folgt.)