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Zuldaer WZeitung

moMfsbtitose: „$«»«« Seschichtrblätter"

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34. Jahrgang.

Fulda, Montag den 9. September 1907

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Vekan1wortlich«r Zchrlftletter: A.Wehlrr wochenbeiiage: „Illustrierte Zonntagrzeitung

BotatloMibritf tu Verlag der Zuldaer Ar« tienbriderd ht^alb«.

Fernsprecher Nr. 9.

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Rabatt gewährt.

Es ist nur gut, daß die,Nationalzeitung' als Wächterin des Kapitols die geheimen Pläne der Jesuiten rechtzeitig noch entdeckt und der Oeffentlichkeit unterbreitet hat. Selbstverständlich druckt eine verwandte Prefle die ganze Quak- salb er ei wortgetreu nach.

Eine Warnung an Minister erläßt ein Offiziosus in der Bülowpreffe. Die Münchener Neuesten Nachrichten dienen als Sprachrohr. Sie erinnern an die jähe Entlastung von Posa« dowsky und Studt und fügen bei:

„Wir glauben, daß Fürst Bülow gewillt ist, ohne Ansehen der Person sein Ziel zu ver­folgen, wir glauben auch, daß Minister und Staatssekretäre dies genau misten und sich darnach richten, weil ihnen bekannt ist, daß hinter dem Reichskanzler der Kaiser steht, der Minister ernennt und entläßt."

Wem soll beim diese offiziöse Verwarnung gelten? Als der letzte Ministerwechsel vollzogen wurde, da hieß eS, daß jetzt die Einigkeit im Ministerium hergestellt Wi; nunmehr scheinen wieder einige Staatsmänner zum Ab sä gen reif zu sein, falls fie auf dieses Signal nicht achten. Nach unserer Erkundigung kann es sich nur um eine Warnung an denFinanzminister handeln; denn von ihm ist bekannt, daß er nicht sehr begeistert für die neueste Politik ist; aber warum hat er dann noch im Juni den höchsten preußischen Orden erhalten? Auffallend ist, in welcher Weise unter dem neuen Kurse die Minister gemahnt und gerüffelt werden. Der Albdruck der neuen Lage ist ein sehr starker. Bekanntlich ist vor der schnellen Entlassung der Minister im Juni auch eine solche Verwarnung erschienen. Man darf sich also darauf ein­richten, daß vielleicht noch vor dem Zusammen­tritt des Reichstages einige Aenderungen im Ministerium eintreten werden. Die Oeffent­lichkeit kann auch hieraus entnehmen, daß der Block noch eine lange Lebensdauer hat, wenn es nach den Wünschen an hohen Stellen geht. Da sich aber im Lause der letzten Monate immer deutlicher zeigt, wie die Staatssekretäre als Handlanger des Reichskanzlers benutzt werden, so muß man die Frage aufwerfen, ob diesen im Rahmen der Reichsoerfassung nicht eine er­höhte Selbständigkeit zu geben ist. Seit­dem bekannt wurde, daß die Auslösung aus dem Grunde erfolgte, um den Fürsten Bülow im Amte zu halten, muß man sich erst recht fragen, ob es gut ist, daß die Verfassung in die Hand eines Mannes so viel Macht legt. Da Fürst Bülow es auch vorgezogen hat, im Reichstag nur ganz selten zu erscheinen, da er auf die schärfsten Angriffe das Schweigen dem Reden vorzieht, so kann diese Ansicht nur mehr Freunde gewinnen. Wir wollen damit nicht sagen, daß wir nun für selbständige Reichsministerien ein­treten; aber es liegt nahe, sich einmal in der Richtung umzusehen, ob eS unter den verän­derten Verhältnissen gut ist, dem ersten Beamten des Reiches noch jene Machtfülle zu lasten, die nur ein Bismarck tragen konnte, und auch er hat mit derselben manche Mißgriffe gemacht.

.'. „Unstimmigkeiten" sollen, wie die ,Mil.« pol. Storr.' erfährt, anläßlich der Verleihung neuer Fahnen an die Truppenteile des VII. und X. Armeekorps zwischen dem Kaiserhof und den nordwestdeutschen Fürstenhöfen entstanden sein. Das Recht der Fahnenver­leihung ist nach den Militärkonventionen ein liche Bewegung über ihr Antlitz und sie ant­wortete:

„Dann werden wir sie zu ihrem Glücke zwin­gen müssen! Denn wenn Sie sie lieben, wie Sie mir gesagt haben, was kann sie, die Namen» und Heimatlose, sich dann Besseres wünschen, als Ihr Weib zu werden und als solches ein gesicher­tes Los zu finden, — ein Leben der Liebe und des Glückes?"

Zweiundvierzigstes Kapitel.

Nachdem Lord Glenham in Loch-Low ange, kommen war, hatte er von Mr. Mac Douzal die ganze traurige Geschichte Alice's, wie auch ihre Errettung durch Grafton erfahren. Er sah sich, da der Abend schon weit vorgerückt war, ver- anlatzt, in dem kleinen Orte zu übernachten. Aber die Aufregung, die ihn wegen der Gelieb­ten beherrschte, ließ ihn keine Ruhe finden und früh am andern Morgen ließ er schon sein Pferd satteln und ritt, den Mac-Dougals für den durch ihre Gutmütigkeit erlittenen Schaden reichen Er­satz hinterlassend, voll Unruhe nach Jnverneß zu­rück, wo er gegen Abend ankam. Er verfügte sich direkt nach dem Gasthofe, in welchen Graf­ton eingekehrt war. Auf seine Frage wurde ihm jedoch die Mitteilung, daß Miß Romberg mit ihrer Dienerin und Mr. Grafton bereits mit dem Morgenzuge dieses Tages über Edinburg nach London gereift seien.

Ohne Verzug eilte er darum nach dem Bahn­hof, den er rechtzeitig erreichte, um den Kourier- zug nach London noch benutzen zu können. Da­selbst angekommen, fuhr er sofort in einem Wa­gen nach Grafton's Wohnung, wo et zu feiner Verwunderung erfuhr, daß dieser aus Schott­land noch nicht zurückgekehrt sei. Er eilte nach dem früheren Logis Miß Romberg's. Die gute Mrs. Thomas vernahm mit Tränen der Freude die Nachricht, daß die junge Dame lebte und gefunden worden sei, erklärte aber, daß sie noch nichts von ihr gesehen, noch gehört habe. Da stieg jählings ein furchtbarer Verdacht in Glen-

Ausland.

* Oesterreich und Ungarn. Die „Nene Ffeie Presse erfährt von einer gut unterrichteten Per- fönlichkeit bezüglich der Absichten der dsterreichi- scheu Regelung in der Ausgleichsfrage, ein Aus- gleich, in toeldiem nicht gleichzeitig tute be- friedigende Lösung der Bauk- undQuvten- frage sichergestellt werde, werde von der oster- reichischeu Regierung dem Reichsrate nicht unter­breitet werden. Zu dieser Entschiedenheit hat die Haltung der Ghristlichsozialen sicher W viel bet- getragen. — In dem ruthenischen Studeutenpro- zeß wurden 7 Angeklagte zu einem Monat einfachen Kerkers verurteilt, die übrigen freigesprochen. .

* Frankreich versucht die Algeciras Akte zu durchbrechen. Eine überaus wichtige Nachricht ist der „Köln. Zig." am Freitag aus Berlin in folgendem offiziösem Telegramm zugegangen.

Die französische Regierung hat den Mächten, die die Akte von Algeciras un- terzeichuet haben, eine Denkschrift überreicht, worin der Vorschlag entwickelt wird, als einst­weilige Maßregel die Polizei in Ra- rokko nicht wie vorgesehen, durch Marok­kaner unter französischem und spanischem Kommando, sondern durchweg aus Fran- zosen und Spaniern zu bilden. Diese Organisation soll in Kraft bleiben, bis die weitere Entwicklung es gestattet, die Polizei entsprechend den Bestimmungen der Akte von Algeciras zu bilden.

In einem Artikel, der offenbar die Ansicht der leitenden Kreise in Berlin wiedergibt, be- sich eine Gestalt^deren Haltung, Gang und Klei- düng er sogleich erkannte. Es war Maldred Grafton. „

All der Argwohn, der gegen den falschen Freund in der Seele des Grafen erwacht war, drohte ihm in diesem Augenblick die Fassung zu rauben. Gr machte eine rasche Bewegung vor- wärts, in der Absicht, den Verräter einzuholen und anzuhalten. Aber in demselben Augenblick hemmte er feine Schritte wieder. Er wurde plötzlich vorsichtig und beschloß, dem falschen Freunde von fern zu folgen. Seinen Rockkragen aufschlagend und seinen Hut ins Gesicht drü­ckend, um sich vor dem Erkanntwerden zu schützen, hielt er sich stets so, daß Grafton ihn nicht sehen konnte, während er jenen nicht aus den Augen ließ. Wenn es ihm gelang, wenn er dem Ver­räter folgen konnte, ohne daß derselbe es ent­deckte, und so auf Alice's Spur gelangte! Das Herz drohte ihm mehr als einmal stillzustehen bei dem Gedanken und wie ein Spürhund schlich er jenem nach, — wie ein Spürhund dem Marder.

Nicht überflüssig sollten die von Glenham an- gewandten Vorsichtsmaßregeln sein, denn Graf­ton sah sich, während er durch die Straßen dahin- schritt, öfters um, als wenn er sich überzeugen wollte, daß er nicht erkannt und verfolgt werde.

Endlich bog er in eine dunklere Gasse ein und beschleunigte hier seine Schritte, bis er endlich in das enge Gäßchen mit den hohen Hecken an beiden Seiten kam.

In entsprechender Entfernung folgte ihm Lord Glenham, welcher rasch in den Schatten der Hecke trat, als Grafton vor Mrs. Malson's Gar­tentür stehen blieb, und deutlich sah er, wie der­selbe einen Schlüssel ans der Tasche zog, die Tür aufschloß und durch dieselbe in den Garten ein- trat.

Kaum hatte Grafton die Tür wieder hinter sich verschlossen, als Lord Glenham eilig herbei- kam, noch rechtzeitig genug, um die Fußtritte Grafton’s während dieser sich dem Hause näheote, zu hören.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. September 1907.

* „Die Sozialpolitik aus dem 54. beutschen Katholikentag". Die .Soziale Praxis' (Heraus- Mer Professor Francke) schreibt hierüber: 1 „Der Katholikentag m Würzburg (25. brS 29. August) hat aufs neue bewiesen, daß d e sozialpolitischen Aufgaben der Zeit und die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer kräftigen Fortführung einer umfassenden Sozial- teform in den führenden Kreisen der deutschen Katholiken ebenso wie in den Reihen der Zentrumspartei ihren angestamm­ten Platz behaupten. In den Verhand­lungen traten zahlreiche Reichstagsabgeordnete per Zentrumspartei hervor, und damit ist die Bürgschaft gegeben, daß die sozialpolitischeu Beschlüsse des 54. Katholikentages nicht auf dem Papier bleiben, fonbetn in den Reichstag eingeführt werden. Auch unter der veränderten politischen Konstellation wird das Zentrum seinem alten Ruhm treu bleiben, eine zuverlässige und kräftige Stütze der Sozialreform im Parlament und im Volke zu sein. Die Führer der Katholiken in Deutsch­land bieten hier der evangelischen Mehrheit unseres Volkes ein leuchtendes Beispiel von Einigkeit, Verständnis, Ueberzeugungskrast und ^Energie, das hoffentlich nicht ohne Wirkung und Nachfolge bleibt.“

* Den bösen Jesuiten wird zur Zeit wieder allerhand in die Schuhe geschoben. Wessen sie sich alles schuldig gemacht haben sollen, erzählt das führende Organ der Nationalliberalen, die fMationalzeitung', des langen und breiten in swahren Schauermären. Das Blatt schreibt:

„Nachdem § 2 des Jesuitengesehes aufge­hoben war, hörte man in katholischen Landes­teilen da und dort, nach Abfinß einiger Zeit würden die Väter der Gesellschaft Jesu sich — namentlich an den früheren Niederlassungs­punkten — einfinden und in Tätigkeit zu treten beginnen. Unter dem jüngst gewählten Provinzial der deutschen Ordensprovinz, dem man große Initiative und Organisationsluft nachrühmt, scheint diese neue Jesuitenperiode jetzt einsetzen zu sollen. Man geht wohl nicht irre, wenn man den erhöhten Eifer mit den schon ge­leisteten Diensten der Denunziation der deutschen Jndexbittschrifturheber, mit bet Schellagitation, mit bem neuen Syllabus, mit der demnächst erscheinenden päpstlichen Encyklika, die die Kommandogewalt des Papstes auch in allge­mein politischen und sozialen Dingen verkünden soll, in Zusammenhang bringt. Auf welchem Wege die neue Organisation der Jesuiten in Deutschland einziehen soll, wird man, ohne fehl zu gehen, aus den Gerüchten entnehmen lönnen, wonach die frommen Väter zunächst als Vorsteher von Arbeiter- und Männerkongregationen an größeren Stadt­pfarrkirchen Anstellung finden wollen. Ohne sich auf dieses Vorhaben im jetzigen Augen­blick näher einzulassen, wird man doch sagen können, daß der ganze Plan und Prozeß, trotz des formalen Rechts, den bestimmten Eindruck her Verfrühtheit weckt und offensichtlich $u wenig die Imponderabilien und Kräfte im deutschen Volk in Rechnung zieht, wo er in der jetzigen Zeit bis zum alsbaldigen Zusammen­brechen belastet sein würde."

* Das Branntweinmonopol. In der Geld­not, in der das Reich sich befindet und nach längerer Blockzeit erst recht sein wird, sucht man nach allen möglichen Mitteln, um höhere Ein­nahmen zu erzielen; so kommt auch die Frage des Branntweinmonopols wieder zur Sprache. Nachdem die Spirituszentrale eine Art priv ate? Monopol geschaffen hat, ist die Zahl der Gegner des staatlichen Monopols sehr zusammenge- schrumpft; man sagt sich, daß es besser sei, ein staatliches Monopol zu haben als ein privates. Es kommt bei dieser Frage allerdings darauf an, waS man verstaatlicht. Daß man nicht den gesamten Kartoffelbau monopolisiert, ist selbstverständlich. Man kann auch nicht daran denken, alle Spiritus- Brennereien zu verstaatlichen; denn es gibt über 68000 Brennereien. Unter diesen sind sehr viel kleine Brennereien, bei denen sich der Betrieb gar nicht mehr lohnt, wenn er sich in den Händen des Staates befindet. Die Betriebsaus­gaben wären auch hier zu hoch. An die Ver­staatlichung des Kleinverkauss kann man aber erst recht nicht denken, schon aus polnischen Gründen; man denke nur daran, welchen Wahl-' apparat die Regierung auf diese Weise erhalten würde. Es bleibt also nur die Verstaatlichung der Spritfabriken übrig; daß sich diese leichter durchführen lasten würde, steht fest. Sämtliche Spritsabriken stellen nur einen Wert von etwas über 60 Millionen Mark bar; das Reich müßte also nicht viel Kapital hineinstecken. Aber eine anbere Gefahr droht hierbei: die Schnapsbrenner würden für ihren Spiritus recht hohe Preise vom Reiche fordern; jedes Jahr hätte man darüber große Debatten. Dem Reich selbst würde nicht mehr viel übrig bleiben und es könnte schlechter fahren als heute mit der Steuer. So hat auch diese Frage ihre große Bedenken und ist nicht im Handumdrehen gelöst.

Hoheitsrecht der Kontingentsherren. Demzufolge wurde vom preußischen Kriegsministerium in Oldenburg, Detmold und Bückeburg angefragt, ob die betreffenden fürstlichen Kontingentsherren mit der Neuverleihung von Fahnen an ihre Landestruppenteile einverstanden seien oder nicht. Die lippeschen Fürsten gaben ihre Zustimmung, während der Großherzog von Oldenburg die Zustimmung nicht erteilte, vielmehr wünschte, daß die Oldenburger Truppen ihre alten Feldzeichen behielten. Eigentümlich lagen die Verhältniffe in Braunschweig. Der Re- gentschastSrat, in dessen Händen nach bem Tode des Prinzregenten Albrecht von Preußen die Regierung des Landes übergegangen war, besaß bestimmungsgemäß keinerlei militärische Hoheitsrechte. Diese Rechte ruhten vielmehr, solange kein Regent gewählt war, in dm Händen des Kaisers als oberstem Kriegsherrn. Die Ver- leihung neuer Feldzeichen an die braunschweigischen Truppen wurde deshalb auch ohne weitere An­frage von Berlin auS verfügt, noch ehe die Wahl des Herzogs Johann Albrecht zum Re­genten erfolgt war. , ,

* Herabsetzung der Zuckersteuer. Seit einet Reihe von Jahren ist in der Budgetkommission des Reichstages stets eine Resolution auf Herab- setzung der Zuckersteuer mit großer Mehrheit, ja fast immer einstimmig, angenommen worden. Alle Parteien erklärten sich für eine Ermäßi­gung, weil man mit der letzten Herabsetzung gute Erfahrungen gemacht hatte. Der Freisinn schwärmte aber ganz besonders für diese Reso- lution, weil er Gegner von allen indirekten Steuern sei. Man hat nun auch angenommen, baß im Jahre 1908 diesem Wunsche des Reichs­tages Rechnung getragen werden würde. Da muß es nun doppelt auffallen, wenn jetzt die ,greifinnige Zeitung' Nr. 212 vom 7. September 1907 schreibt: ,

„Jetzt wird verlangt, daß die Steuer von 14 auf 10 Mark herabgesetzt werde. Wenn dabei der gleiche Reinertrag erzielt werden sollte, müßte der Verbrauch von 16,6 auf über 23 Kilogramm pro Kopf steigen. Es ist mindestens sehr unsicher, ob das eintritt. Daher wird man mit dem von den Agrariern empfohlenen Experiment vorsichtig sein müssen."

Nun liegt uns ganz ferne, jemanden die Vorsicht in Steuerfragen übel nehmen zu wollen; aber wir sind doch sehr verwundert, daß bei dem freisinnigen Blatte diese Vorsicht sich jetzt auf einmal zeigt: Seine Freunde haben bisher im Reichstage immer für die Herabsetzung gestimmt. Wenn man nun ernst machen will mit einer Resolution des Reichstages, dann sollte man nicht mit einer solchen Flaumacherei einsehen. Auch ist es falsch, daß die Agrarier diesen An­trag besonders vertreten haben; es find auch die Sozialdemokraten für ihn ins Zeug gegangen, ebenso andere Parteien, nicht zuletzt auch das Zentrum. Will das freisinnige Blatt nur deshalb nichts mehr von diesem Antrag wissen, weil feine Partei mit zur Mehrheit gehört? Dieser Verdacht liegt sehr nahe; man müßte aber da­bei annehmen, daß der Freisinn in der Minderheit für Anträge gestimmt hat, die -er n i ch t durchführen will, wenn er im Be­sitze der Mehrheit ist. An dieser Frage geht auch der sorgfältig gehütete Block nicht zu Grunde; vielmehr wird ein solches Gesetz ein­stimmige Annahme finden.

ham auf und dieser Eingebung Folge leistend, fuhr er ohne jeden Aufenthalt noch mit dem Nachtzuge nach Schottland zurück. ES wurde ihm klar, daß er nur hier eine Spur werde Ver­folgen können. Und in Edinburg stellte er denn auch wirklich fest, daß ein Herr, welcher ganz der Beschreibung entsprach, die er von Grafton gab, vor zwei Tagen in Edinburg den Zug verlassen habe und daß in seiner Begleitung eine junge Dame und eine alte Frau gewesen seien.

„Alsp sind sie hier!" sagte Glenham sich und fein Herz jubelte auf vor Freude. „Ich werde sie in einem Hotel finden, oder, wenn Alice wirklich krank ist, in einem Privatlogis. Die Aufgabe, die ich mir gestellt, ist zwar keineswegs leicht, aber .sie ist hier und daS wissend, muß ich sie finben. , . Ä m

Er begab sich nach einem Hotel ersten Ran- qes und fand hier die Namen, die er suchte, ein­getragen: Maldred Grafton, Miß Romberg und Dienerin.

Weitere augestellte Nachforschungen ergaoen als Resultat die Tatsache, daß diese Personen daS Hotel gestern verlassen hatten und noch nicht zurückgekehrt seien. Der Graf eilte nach dem Bahnhof zurück, um feine Erkundigungen zu ver- schärfen; auch nach den anderen Bahnhöfen ging er, aber nirgends waren die Gesuchten gesehen worden. , ~ ,

Am Abend des zweiten TageS seines Suchens spazierte er gedankenvoll und betrübt in einer Straße der äußeren Stadt, neue Pläne zu einem erfolgreicheren Suchen entwerfend. ES war noch nicht fpät und die Straßenlaternen und daS aus den Kaufläden strömende Licht erhellten die Straßen vollständig.

Er war so sehr in Gedanken vertieft, daß er nicht auf die wenigen Menschen, die diese Straße passierten, acht gab und so beinahe mit einem um eine Ecke biegenden Manne zusammengestotzen wäre. Dieser Zwischenfall rüttelte ihn auS fei­nen Träumereien auf. Er blickte empor und sah gleichzeitig plötzlich in geringer Entfernung vor

Sie Perle -es SchimMes.

Roman von Ed. Wagner.

64] (Nachdruck verboten.)

„Wenn Sie ihn nur heiraten könnten und Mollten, liebe Miß Alice", rief Gretchen, „so wurde ich glücklich sein! Wir können hier doch nicht bleiben, wir werden doch nach London zu- l'ückkehren müssen; dort aber wird Mr. Pulford ^Sie — wer weiß, wie bald — finden! An das .weitere mag ich gar nicht denken! Sie werden knie mehr sicher fein, ausgenommen in einem Hause, welches Sie das Ihrige nennen können. Und bei einem Gatten, der Sie schützt!" , „Still, Gretchen", wehrte Alice der Spre- fieriii, „Mr. Graffon weiß, daß ich ihn nicht eiraten kann, und hat mich deshalb gebeten, wie Hin Bruder für mich sorgen zu dürfen, und das habe ich ihm zugeftauden!"

lind sie setzte sich anS Feuer und gab sich ihren Gedanken hin.

Kaum aber, daß Alice und Gretchen mit der Haushälterin die untere Wohnstube verlassen U&atten, wandte MrS. Malson sich an Grafton und fagte:

■ „Sie ist ein hübsches Mädchen, Maldred. Es wundert mich nicht, daß Sie sie lieben. Wie 'Nabe, daß sie arm ist!"

4‘ "vchre Anmut und Schönheit sind ihr Reich' '"in! rief Grafton begeistert aus.

-.v,? — gewiß!" gab die alte Dame ihm

foTT; "find ich will sie unter den verabredeten

r;iUn0en ^halten, solange Sie eS wünschen.

.au$. ^et bleiben, wenn Sie wollen.

X?- •e.t.n Zimmer für Sie zu recht gemacht.

- Gelegenheit recht benutzen, müssen Vie sich das Mädchen gewinnen können!" t „Wenn sie sich aber weigert, mich zu hei- ten. sprach Grafton, die alte Fran scharf sehend.

- Xllnb seinen Blick verstehend, zuckte eine Plötz-