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34. Jahrgang.

Fulda, Samstag dm 7. September 1907

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J[ Var Kart» einer Sewerkschaftr- hauses.

' (Glossen zum bevorstehenden sozialdemokratischen Parteitage.)

(Nachdruck verböte».)

Lor einigen Tagen stellte das fozialdemokra» tische Parteiblatt in Dortmund, das zugleich auch dem Parteiinteresse im Wahlkreise Essen dient, die Behauptung auf, für den sozialdemokratr- jchen Parteitag in Esserr solle die bürgerliche .Presse nur zu einem kleinen Teile zugelassen werden. Der „Vorwärts" hat diese Meldung -sehr schnell dementiert, wie das gar nicht anders zu erwarten war. Immerhin ist es bezeichnend, daß eine solche Meldung überhaupt von einem sozialdemokratischen Blatte vertrieben werden konnte. Man kann daraus einen sehr weitgehen» den Schluß ziehen auf den Katzenjammer, der über die Essener Genossen nach ihrem Mißgeschick mit dem neuen Gewerk­schaftshause hereingebrochen ist, und der sie weiter beherrscht in der Angst, daß sie sozial­demokratische Vorstellung hinten in Rüttenscheid in einem mittelmäßigen Dorfsaale kaum dem Ansehen der Partei förderlich sein wird.

Wie es kani, daß die Sozialdemokraten nicht bei Gelegenheit dieses Parteitages

ein stolzes Gewrrkschastshaus

im besten Teile Essens mit großem Reklamepomp pinweihen konnten, darüber unterrichtet das fol­gende Schreiben eines guten Beobachters der Angelegenheit in Essen selbst:

Die hiesigen Genossen haben sich seit mehre­ren Jahren mit dem Bau eines eigenen Heims hefaS. Anfangs 1906 hat man nun die Aus­führung in einem schlau angelegten Plan begon­nen in der Absicht, mit dem Bau eines eigenen Gewerkschaftshauses einen großen Saal für ca. 800 Personen, ferner auch Räume zu schaffen, tit denen die Parteibuchhandlung, eine eigene Druckerei sowie die Bureaux der Beamten unter» gebracht werden könnten.

Eine engere Kommission aus drei Oberge­nossen hatte sich einen auswärtigen Wirt — Jansen aus Gelsenkirchen — ausgesucht und mit chm einen Vertrag dahingehend abgeschlossen, daß er eine alte Wirtschaft nebst zugehörigen Grundstücken am Pferdemarkt in Essen auf sei­nen Namen ankaufte. Nach diesem Kauf sollte der groß angelegte Plan dann zur Ausführung gelangen. Alles wurde ganz im Stillen betrie­ben. Der Kauf wurde perfekt und das Grund­stück auf den Namen des Wirtes Jansen im Grundbuch aufgelassen. Die Konzession wurde seitens des Stadtausschusses erteilt, wahrschein« lich, ohne daß diese Konzessionsbehörde wußte, was eigentlich mit den Räumen geplant war. Nachdem so alles fix und fertig war, traten die Genossen mit der Bekanntgabe des Zweckes in die Oeffentlichkeit. Mit dem Um- und Neubau wurde begonnen und dabei die Arbeit möglichst beschleunigt. Man hoffte, mit dem L Januar 1907 schon soweit zu sein, daß die eigene sozial­demokratische Zeitung für den Wahlkreis Essen herausgegeben werden könnte. Zweifellos spielt der Bau auch eine Rolle für den Parteitag in­sofern, als man darin den Parteitag tagen las­sen wollte. Für die Druckerei waren bereits Maschinen bestellt. Ta auf einmal trat eine Stockung in dem Bau ein, von dem das größere Gebäude bereits bis zur 3. Etage im Mauer­werk errichtet war. Sehr bald folgte auch die vollständige Stillegung und dann erfuhr die Oeffentlichkeit, daß Jansen das auf seinen Namen eingetragene, mithin zu seiner Verfüg­ung stehende. An wesen an die Gewerk­schaft Stinnes verkauft habe.

Große Wut und Enttäuschung bei den Genossen! Ihr selbst eingestecktes Geld in Höhe von ca. 20 000 o« war hypothekarisch eingetragen und es soll nach ihrer eigenen Angabe keinerlei finan­zieller Verlust eingetreten sein. Aber ihr schö- ner Plan war dahink Mit der Herausgabe der Zeitung als auch mit dem Bau eines neuen Ge­werkschaftshauses hat es vorläufig anscheinend seine guten Wege.

Der Wirt Jansen hat nach Zeitungsmeldun­gen erklärt, daß er es bei den Genossen nicht habe aushalten leimen. Die auf dem Grund­stück befindliche alte Wirtschaft hatte er nämlich seit dem 1. Juli 1906 betrieben und die Sache satt bekommen.

Was nun den Parteitag anbelangt, so hat der Arbeitersekretär Limbertz nach der sozialdemokra­tischen „Arbeiterzeitung", als Delegierter von Essen in Mannheim erklärt, daß man tu Essen ein großes Zelt bauen wolle, das den

„Jesuitenzirkus"

gemeint ist die Festhalle des 1906er Katho- bckeutages — noch in den Schatten stellen solle.

„schwarzen Woche" müsse eine „rote Woche" {’ißen. So hohe Töne werden heute der sozial- ^sEatischen Pfeife nicht mehr entlockt. Man q .;r,t bescheiden und ängstlich geworden. Vom „nh x" A sar keine Rede. Das Geld fehlt, _ .Biegung selbst ist in die Periode des ' ? „ < gekommen. Das Maas'sche Lokal, Parteitag stattfinden soll, liegt in enWeii. Vom Hauptbahnhof, der süd- Ilchen Grenze Essens, liegt es stark 20 Minuten entfernt, und die Straßenbahn vermag einem größeren Verkehr nicht gerecht zu werden. Das

800 Personen, mit Gallerien Höchstens 1000 Personen, läßt die Partei, wie

sie mitteilt, in Stand setzen, «m dem Parteitag ein „würdiges" Heim darin zu bereiten. In der sozialdemokratischen Presie wurde mehrfach von „Saalabtreibung" gesprochen. Davon kann gar keine Rede sein. Soweit bekannt, hat die Parteileitung nur beim Oberbürgermeisteramt um Ueberlassung des städtischen Saalbaus ange­fragt, ist aber abschläglich beschieden worden.

Hier ist man allgemein überzeugt, hätten die Essener Genossen den Krach mit dem Gewerk­schaftshaus geahnt, und die Reichstagswahl vor­aussehen können, sie hätten den Parteitag nicht nach Essen geholt.

Kapitalismus und Sozialismus in Frankreich,

O Paris, 3. Sept. 1907.

Die Entscheidung zwischen den zurzeit herr­schenden Radikalen und den aufstrebenden So- zialisten ist definitiv. Der berühmte Block hat seinen Flügel von der extremen Linken verloren und die Macht der Verhältnisse die Brücke zwi­schen den seit 6 Jahren in Treue verbrüderten Bundesgenossen der Kammer abgebrrchen. Die Devise des Exministerpräsidenten Combes: „Wir kennen keine Feinde nach links", fiel. Auch der Sozialistenchef Jaures, ein Meister der Dia­lektik und parlamentarischen Taktik, mutzte sich beugen, der Not gehorchend und nicht dem eignen Trieb. Sein Deputiertenmandat säße sonst auf schwankem Stuhl. Der Anprall gegen ihn er­folgte in erster Linie von dem ca. 300 000 Mit­glieder zählenden Arbeitsbund, der in anarchisti­schen Farbentönen zu schillern begann und an­statt seine Tätigkeit aufs ökonomische Gebiet zu beschränken, die Politik unter seine Herrschaft nahm.

Der beste Kitt des Blocks in der alten Form — denn auch künftig wird man noch vom Block reden — war die Kongregationsfrage und ihre Folge die Auflösung des Konkordats. Sobald diese Themen, welche die gesamte politische Welt seiner Zeit in regem Atem hielten, erledigt waren, aus der parlamen­tarischen Diskussion allmählich verschwanden und so ihre Zugkraft verloren, trat das soziale Problem an ihre Stelle. Gleichzeitig machte sich zwischen den geeinten Sozialisten und den bürgerlichen Parteien ein Riß der Meinungen bemerkbar, zuerst sachte, dann klaffend. §)em heißen Temperamentseifer der französischen Kol- lektivisten, deren Einbildungskraft durch die Phrasen der politischen Streber von der Redner­tribüne herab in den letzten Jahren noch bedeu­tend geschürt wurde, stemmte die rauhe Wirklich­keit das Bein in den Weg. Das waren schwere Enttäuschungen, und die verzeiht man selten. Die Syndikatsbewegung spottete jeder Autorität, appellierte mitunter unverholen an die rohe Gewalt und trat so über die demokra­tisch gezogene Gesetzesgrenze. Staats- und Ge­meindebeamte machten Miene, um den General­streik in Szene zu sehen, sich mit dem Arbeits­bund gewerkschaftlich und politisch zu verbinden. Mit kurzer Sachlichkeit gesprochen: Ter Re- volutionskessel fing zu brodeln an und die Staatsform zu schwanken. Die gemäßigt republikanische und felbst die radikale Presse (die notorischen Uebertreibungen der Na­tionalistenorgane können wir übergehen) er­kannte die Gefahr und mahnte die unsicher zö- gernde Regierung zum Einschreiten. Das wurde dieser schließlich um so leichter, als der brutalste Antimilitarismus unter Herves Führung sich mit merkwürdiger Raschheft Erfolge sicherte, die in den Meutereien einiger Regimenter und den häufigen Verstößen gegen die Disziplin zum praktischen Ausdruck kamen. Die Besorgnis der leitenden Kreise wuchs noch mit den Flottenun­fällen, über deren Ursachen trotz der technischen und parlamentarischen Untersuchungen vielfach noch der Zweifel schwebt. Auch der Pessimismus der Masse setzte ein und erreichte seinen Höhe­punkt mit der im Senat erfolgten ruhrgen, aber schneidenden Sritif der Militärzustände seitens des Generals Langlois, desieu republi­kanische Gesinnung und teckmische Kompetenz außer Zweifel stehen, und der Demission des Generalissimus Hagron sowie dreier Mitglieder des obersten Kriegsrats.

Schon die Winzerdebatte warf die So­zialisten in die Opposition ob der für hiesige Auffassung strammen Haltung Clemenceaus, der zudem den Syndikatsführer Lehrer Negre sowie einige Unterbeamte der Post ihres Amtes ent­setzt hatte und gegen 3 Mitglieder Arbeitsbörser erfolgreich gerichtlich vorgegangen war. Die parlamentarische Majorität litt darunter aller­dings nicht, denn die Rechte sprang in die Lücke.

Nach dem Ranziger Nationalkon­greß der Sozialisten, auf dem Herve den Sieg an seine Fahne knüpfen und den Einfluß des alten &ueSbe Niederdrücken konnte, hat sich das Geplänkel zwifchm dem Radikalismus und So­zialismus zur regelrechten Schlacht erweitert. Der Bruch ist da und offiziell vom sozialisti- fchen Vorstand zum Grundsatz erho­ben worden. Das radikalste Kabinett der drit­ten Republik wird in einer offenen Erklärung der Reaktion bezichtigt und fein Sturz an- gestrebt. Die radikale Presse, obwohl sich aus ihr mitunter noch schüchtern eine elegische Stim­me erhebt ob der Plötzlichkeit dieser Wendung und der Undankbarkeit der Exverbündeten, fin­det sich scheints beftiedigend in die neue Sage, und das wird ihr nach der antimilitaristischen Debatte auf dem internationalen Soziali - stenkongreß in Stuttgart noch leichter, wie ihre Kommentare reichlich bartun.

Diese Entzweiung bedeutet eine Verschie­bung der Parteien im Parlament.

Die Brücke ist nach links abgebrochen und soll nach dem Vorschlag des radikalen Exmarmennm- sters ve Lanessan nach rechts wieder erweitert werden. Man sucht intime Fühlung mit dem linken Flügel der numerisch immer noch starken Progressisten. Das ist fteilich werter nichts als ein Gebot kluger Taktik, um bte Mehrheft selbst bei leichteren Zwischenfällen auf ihrer imposan­ten Höhe zu halten.

• Wit ein Bild entsteht.

Bon Ludwig Segebarth.

(Nachdruck verboten.)

Eine bunte Menge durchflutet die Hellen Räume der Kunstausstellung. Kichernd krftisie- ren einige junge Damen das in breiten Flächen hingeftrichene Porträt eines eleganten Herrnrei- wrs, während daneben ein Jnfanterieoffizier kopfschüttelnd eine impressionistische Wiesenland­schaft in Augenschein nimmt. Vor einem „In­terieur" doziert ein „Sachverständiger" fernen ehrfurchtsvoll lauschenden Zuhörern die „Fines­sen in der Auffassung"; auf dem Samtfauteuil in der Mitte des Saales sitz ein dicker Herr, trock­net sich die Schweißtropfen von dem hochroten, triefenden Gesicht unb schimpft ungeniert auf die „Sudeleien, welche heutzutage dem Publikum ge­boten werden".

Heber den Geschmack läßt sich bekanntlich ftreiten; der eine liebt Bilder, die bis in das kleinste durchgeführt sind, der andere solche, die nur flotte Andeutungen enthalten. Wohl aber ist es zu bedauern, daß die wenigsten Menschen, welche über ein Gemälde ihr Urteil ab geben, sich Har machen, was dazu gehört, ein „Bild" her- zustellen. Der Dilettant macht sich meist das Se­hen leicht. Auf fertig gekauften Blendrahmen setzt er feine Farben hin und nimmt es nicht all­zu tragisch, wenn dieselben im Tonwert nicht ganz stimmen mit denjenigen des Bildes, welches er kopiert. Anders der Künstler von Beruf.

Verfolgen wir einmal die Entstehung eines größeren „historischen" Gemäldes. Die meisten Maler präparieren sich ihre Leiirwand selbst mit Seim und Kreide, ist doch die Leuchtkraft eines Bildes in nicht unbeträchtlichem Matze von der „Grundierung" abhängig. So wird auch der Künstler, dem der Auftrag geworden, unser histo- risches Gemälde auszuführen, zunächst seine größte Ausmerksamkeit auf das Material lenken, mit dem er zu arbeiten gedenkt. Hat er sich über­zeugt, daß die von ihm behandelte Leinwand ord­nungsgemäß auf den durch viele Querleisten ge­stützten Blendrahmen gezogen ist, so macht er sich daran, vermittels Quadraten die Komposition des Vorwurfs nach dem vorher fertig gezeichne­ten Karton auf die Weiße Fläche zu übertragen. Welche Mühe, welch ein Nachdenken jedoch geht der Herstellung des Kartons voraus.

Fürs erste macht sich der Künstler eine Blei­stiftskizze seiner zu künftigen Schöpfung. Sein Hauptaugenmerk richtet er auf die „Gruppie­rung der Massen" sowie auf tadellose „Linien­führung". Tann fertigt er eine farbige Studie des Motivs an; sorgsam wägt er die einzelnen Farbenwerte in ihrer Verteilung gegeneinander ab. Erst jetzt können die Spezialarbeiten begin­nen, die Modelle treten in Aktion. Es dauert fine ganze Weile, bis dieselben die gewünschte Haltung annebmen. Drapiert der Maler mit großem Geschick die Falten der Gewandung, so sieht die Stellung meist „gemacht" aus und ruft fomit einen unerfreulichen Eindruck hervor. Bes- fer, man läßt dem Zufall freies Spiel, die Wir­kung ist dann natürlicher. Immer und immer wieder studiert der Maler die „Details" an sei­nen Modellen und füllt die Blätter seines Skiz­zenbuches mit den gemachten Beobachtungen an. Auch die Photographie wird zuweilen als Hilfs­mittel hinzugezogen, wenn auch von dem wahren Künstler nur in beschränktem Matze. Aeußerst fatale Folgen kann die Unziiverlässigl'eft der Modelle, eilt chronisches, schon sprichwörtlich ge- wordenes Nebel, nach sich ziehen. Es ist leicht einzusehen, daß der Maler nicht immer, meist nur mit großen Schwierigkeiten einen passenden Ersatz findet für z. B. den Darsteller der Haupt- figur seines Bildes, welcher plötzlich entschuldigt oder unentschuldigt nicht mehr zur Sitzung er­scheint. Ein solches Verhalten kann die Abliefe­rung des Gemäldes um längere Zeit verzögern und dem durch zwingende Verträge gebundenen Künstler eine recht empfindliche Schädigung be­züglich seines Rufes an Zuverlässigkeit, aber auch in pekuniärer Hinsicht zufügen.

Bekanntlich gibt es sogenannte „reine Oelsar- ben", sowie „Dekorations- und Skizzenfarben". Letztere, weniger gut geriebene und mit minder vorzüglichem Bindestoff bereitet, sind nicht uner­heblich billiger. Trotzdem wird der Maler, dem ein Auftrag geworden, lieber z» den teueren, reinen Farben greifen, da er mit denselben leich­ter und besser die gewünschte Leuchtkraft erzielt. Es liegt smvohl dem Künstler als dem Auftrag­geber barem, daß das Gemälde „sich hält". Aus diesem Grunde muß der Maler über nicht unbe­deutende theoretische und praktische Kenntnisse der Chemie verfügen. Er muß wissen, ipelche Farben sich vertragen, welche nachdunkeln, welche reißen usw. Fehler in dieser Beziehung rächen sich unerbittlich, wie wir an den Schöpfungen Makarts und Menzels zu beobachten Gelegenheit haben. Auch mit dem Firnissen der Bilder muß sehr vorsichtig Verfahren werden, falls dasselbe nutzen und nicht schaden soll. Viele Künstler war­ten ein volles Jahr, bis sie sich des Lackes bedie­nen, andere wieder verzichten ganz darauf.

Es gibt nicht wenige Leute, die sich über die „hohen" Preise Wundern, welche für ein „Bild" gezahlt werden. Ist die Bezahlung wirklich so überreichlich? Leider nein in den meifteit Fäl­len, abgesehen von den Honoraren einiger „Mo­

demaler" sowie Berühmtheiten, denen allerdings ihr „Name" gar manchmal unverhällnismäßrg „vergoldet" wird. Die Unkosten, die der Künst­ler mit seinem Bilde hat, stnd nicht gering. Man rechne nur die Zeit des Studiums auf den Aka- demien, Kunstschulen oder ähnlichen Instituten, in denen der junge Künstler die weitgehendste Ausbildung in allen möglichen Fächern erhält, eine beträchtliche Ausgabe, die er späterhin mit feinen Bildern wieder einbringen soll. Doch hier­von abgesehen, rechtfertigt schon das teure Ma­terial, mit dem der Maler arbeitet, den scheinbar hohen Preis eines Gemäldes. Monatelang setzt der Künstler sein ganzes Wollen mrd Denken da­für ein; Leinwand und Farben sind nicht billig, wie jeder bezeugen kann, der auch nur zu seinem Vergnügen die edle Malkunst betrieben. Und zuletzt die Modelle, welche häufig bis zu 1,50 M die Stunde erhalten. Rechnet man dann noch die Transportkosten eines Bildes, die Ausstel­lung desselben an Ort und Stelle, Versicherungs- gelber usw., fo wird man die Forderung des Künstlers nicht mehr übertrieben finden.

Schmerzlich jedoch ist es für den Maler, wenn er sein Werk aus eigener Initiative angefertigt und dann dasselbe nicht loszuschlagen vermag, ein Uebelstand, der leider nicht zu den Selten­heiten gehört; sagt doch schon Wilhelm Busch treffend:

Leicht kommt man auf das Bilder malen, Doch schwer an Leute, die's bezahlen.

vermischtes.

* Der Löwe ist los! Aus New-Uork wird be­richtet: Dieser Tage wurde Pittsburg der Schau­platz einer furchtbaren Panik; ein wilder nubi- scher Löwe brach aus einer Menagerie aus und stürzte sich auf die Menge, die um den Schau­platz versammelt war, tötete eine Frau und konnte erst nach langen fürchterlichen Minuten des Schreckens unschädlich gemacht werden.. Die Menagerie war in der Nähe des Musikpavillons aufgeschlagen, im Pittsburger Park, wo Tau­sende dem Konzerte lauschten. Der Löwe, ein prachtvolles Tier, war erst seit kurzer Zeit in Gefangenschaft. Man hatte versucht, ihn zu zäh- men, aber vergebens, das Tier war zu wild und fo hatte man schließlich davon abgelassen. In einem Käfig vor der Menagerie stellte man den König der Wüste als besondere Attraktion auf. Während der Wärter über den Löwen einen Vortrag hielt und Tausende den Käfig umstan­den, gebärdete sich die Bestie sehr aufgeregt, rüt­telte an den ©ifenftäben und warf sich schließlich mit einem wilden Ruck gegen das Gitter; die eisernen Stangen gaben nach, und wütend sprang der Löwe auf die entsetzte Menge. Eine Dame, die in der vordersten Reihe stand, wurde sein Opser; sie wurde von dem Raubtiere zu Boden geworfen, mit einem Schlage seiner mächtigen Tatze riß er ihr die rechte Seite auf, zerbrach ihr mehrere Rippen, und ehe, man dazwischen- ; treten konnte ,riß die Bestie mit den Zähnen ein ! gewaltiges Stück Fleisch ans der Hüfte seines Opfers.' Der Polizist Doweny war der erste, der sich von dem Schrecken erholte. Mit dem Revolver feuerte er auf die Bestie und traf sie in die Seite. Der Löwe wandte sich gegen, sei­nen Angreifer. Aber Doweny hanbhaöte feineit Knüttel fo energisch, daß die Bestie von ihm ab­ließ. Der Löwe brach sich Bahn durch die entsetzt anseinanderstiebende Menge, und mit fürchter­lichem Gebrüll wandte er sich zur Treppe des Musikpavillons. Inzwischen waren mehrere andere Polizisten herbeigeeilt und eröffneten nun ein regelrechtes Sck uellfeuer gegen das wü­tende Raubtier. Schulter an Schulter bildeten sie eine Maner, aber das kleine Kaliber der Ge- jchosse fchien dem Löwen wenig anzuhaben. Erst nachdem mehr als hundert Schüsse auf ihn ab­gegeben worden waren, brach das Tier sterbend zufammen.

* Fürs Vaterland! Jedes Jahr fordert die Feier des Unabhängigkeitstages der Vereinigten Staaten beinahe ebenso viele Menschenopfer, wie die Unabhängigkeitskriege selbst. Dieses , Jahr ist man sehr befriedigt, daß die Statistik, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde,, eine auf­fällige Abnahme der Unglücksfälle zeigt. Laut der offiziellen Statistik sind „nur" 164 Personen getötet und 4249 verwundet worden. Von bie­te» letzteren ist eine große Anzahl zeitlebens zu Krüppeln geworden. Einige Details aus dieser „Festchronik" dürften Wohl interessieren. Das größte Kontigent der Opfer stellen wie gewöhn­lich halbwüchsige Burschen, die mit Feuerwerks­körpern unvorsichtig umgingen. 73 der Opfer starben infolge von Brandwunden. 31 Knaben wurden dadurch buchstäblich verkohlt, da ihre Kleider Feuer fingen. Von den Verwundeten haben 12 Personen beide Augen verloren, 71 sind auf einem Auge erblindet, 57 haben einen Arm, und 237 einen oder mehrere Finger verloren. Wie bereits gesagt, haben diese enormen Zahlen, die in Europa Entsetzen Hervorrufen würden, in Amerika große Befriedigung erweckt, weil sie einen bedeutenden Rückgang gegen die Vorjahre aufwiescn. Es wurden beinahe nur halb so viele Revolverschüsse abgegeben wie früher und der „schöne" Gebrauch, ganze Salven gegen be­setzte Eisenbahnzüge abzufeuern, ist zum größten Teil verfchwunden.

* Ein wackerer Theaterleiter. Aus Marien- bad wird ein seltenes Kuriosum berichtet: Ju­lius Laska, der Direktor des Marienbader Stadttheaters, hat folgenden Anschlag erlassen: „Da nicht nur die Stücke und das dem Theater fo günstige Wetter, sondern in erster Linie die wirklich künstlerische Hingabe und der _fünftle- rifche Eifer der Herrschaften Schuld trägt, daß sich das Geschäft so gehoben hat und der Monat Juli der beste Monat meiner nun 19jährigen Direktionsführung in Marienbad genannt wer»