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34. Iahraann

Fulda, Donnerstag den 5. September 1^'7

M 203.

Orstes Wlcltt

* Das Kaisermanöver zwischen dem 7. und 10. Armeekorps findet vom 9—13. September statt. Das kaiserliche Hoflager befindet sich wäh­rend der Manövertage in Schloß Corvey bei Wörter, das Hauptquartier und der Generalstab in Höxter. Das 7. Armeekorps wird aus der Richtung Münster zwischen dem Teutoburger Walde und dem Gebiete der Lippe heranrücken, während das 10. Korps von Hameln aus, zwi- schen der Weser und den, Lippischen Berglande vorrückt. Die ersten beiden Manövertage wer­den besonders dem Aufklärungs- und Ännähe- rungsdienst gewidmet sein, während die letzten drei Manövertage wahrscheinlich die Zusammen­stöße großer Truppenmassen und damit glan­zender Gefechts- und Schlachtenbildec zeigen werdeir. Interessante Kämpfe werden sich vor- aussichtlich zwischen Pyrmont-Schieber und Bo- denwerder-Polle, besonders auf dem gewaltigen Ottensteiner Hochplateau, abspielen. Die Trup­penbewegungen werden an sämtlichen, Manöver­tagen beim ersten Morgengrauen beginnen und an den meisten Tagen zwischen 11 und 12 Uhr beendet fein. Die Hauptzugangsstraßen nach dem Manövergelände dürften die an der Weser

Don den Betriebsverwaltungen hat nur die der Reichseisenbahnen ein Mehr von 4,7 Millionen Mark ab geliefert, dagegen rst Post- und Telegraphenverwaltung um 6,2 und die Reichsdruckerei um 100 000 hinter dem An­schläge zurückgeblieben. Die Einnahmen aus dem Bankwesen stellen sich um W Millionen Mark gegen den Etat höher. Dieser endgiltige Ab­schluß bestätigt lediglich die Angaben, welche a den vor einigen Tagen schon veröffentlichten vor­läufigen Ergebnissen bereits bekannt waren. Wir können uns deshalb mit den Bemerkungen be- gnügen, die wir seinerzeit schon angefugt haben.

r. Ueber den Inhalt der dem Bundesrat vorliegenden Gewerbeordnungsnovelle macht der »Berliner Lokalanz/ einige Mitteilungen.. Darnach bestimmt die Novelle u. a. auch, daß von den Gewerbeunternehmern zur Sicherung gegen Vertragsbruch auch den Belriebsbeamten, Werkmeistern und Technikern gegenüber Löhne nicht in größeren Beträgen einbehalten werden dürfen, als dies den Handlunasgebil en gegen- über statthaft ist. Bei diesen dürfen nach § U9a der Gewerbeordnung die Lohneinbehaltungen be, den einzelnen Lohnzahlungen «in Viertel des fälligen Lohnes und im Gesamtbeträge den Be­trag eines durchschnittlichen Wochenlohnes nicht übersteigen.

* Graf Posadowsky schreibt Memoiren. Mit großer Spannung darf man dem Memoiren­werk entgegensehen, das Graf Posadowsky unter der Feder "hat. Während seiner Amtswaltung hat Graf Posadowsky an einer solchen Menge von wichtigen Fragen mitgea,beitet, mit so ver­schieden politischen Persönlichkeiten zu schaffen gehabt und so zuverlässig Buch geführt, daß man sich von seinen Aufzeichnungen vielversprechen darf.

Blockparlamentarier beim Reichskanzler. Die »Frankfurter Zeitung' schreibt in Nr. 245 vom 4. September:

bauten."

An Unterhaltung hat es also den „Enterbten der Menschheit" nicht gefehlt!

als die unentbehrliche Grundlage der gedeihli­chen Arbeitsgemeinschaft. Durch die Bülowsche Blockpolitik aber sind gerade solche Elemente, die Religion und Christentum höchstens als Privat­fache gelten lasten wollen, ausschlagge- b e n d gemacht worden. Man braucht nur im Lichte der tief religiös gehaltenen Kaiserrede die neuesten Bestrebungen des Bülow-Blocks, in Preußen zu betrachten: statt der christlich-religiö­sen Volkserziehung sucht man eine liberale Schule zur „Aufklärung" des Nachwuchses zu be­gründen.

Was den Liberalismus in all seinen kultur­kämpferischen und freidenkerischen Ausläuien zu der Blockfahne getrieben hat, war nicht aus­schließlich der Haß gegen Katholizismus und Zentrum, sondern die allgemeine Erwartung, daß es bei dieser Wendung überhaupt um den christlich-religiösen Zug in der Politik geschehen sein werde, daß die Glaubens- und Religions­losigkeit sich durchsetzen werde in der Schul- und der Kirchenpolitik und auf allen einschlägigen Gebieten. Es ist also nur natürlich, wenn die Presse der liberalen Blockparteien zu der Rede j des Kaisers nicht sofort Stellung gewinnen kann. Ein Berliner freisinniges Blatt, daß sich nicht an die Blockkünstelei gebunden hat, das „Berl. Tage­blatt", ist dagegen schnell mit einem Leitartikel fertig: in demselben finden wir z. B. folgende bezeichnende Bemerkung:

„Wenn man an der Tätigkeit des Zen- trums besonders tadeln muß, daß es Reli­gion und Politik mit einander verquickt, dann wird man auch die Bedenken gegen die Auffassung des Kaisers, sofern sie zur Richtschnur unserer Politik gemacht werden soll, nicht unterdrücken können. Ohnehin glaubt man im Zentrum schon wieder Oberwasser bekommen zu haben."

Die letztere Behauptung ist tatsächlich unbe­gründet. Das Zeirtrum gibt sich keinen Einbil­dungen hin und traut sich auch zu, die regel­rechte, erschöpfende Probe der Blockpolitik aus- halten zu können. Interessant ist die Klausel, welche das „Berl. Tagebl." an die Auffassung des Karsers anfugt, als ob es in einem monarchischen Staatswesen nicht selbstverständlich sei, daß die öffentlich und feierlich bekundete Willensmein- ung des Herrschers zur Richtschnur der Politik gemacht werden müffe. Wir können uns die Unvereinbarkeit der Kaiserrede und der gegenwärtigen Kanzlerpolitik nicht anders erklären, als durch die Annahme, daß Fürst Bülow den Monarchen über das Wesen und die Tragweite der neuen Blockpolitik nicht £ t ti g informiert hat. Nur so erklärt !!? Qudb der Kaiser dem kleinen, separatisti- jg-ß »Block« des Fürsten Bülow das großartige

aufwärts führenden Landstraßen Hameln, Bo­denwerder, Höxter, Holzminden sein, sowie die von diesem nach rechts abführenden, ins Lip- pische und Westfälische führenden Nebenstraßen. An dem Kaisermanöver nehmen insgesamt zirka 90 000 bis 100 000 Mann teil.

r. Die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Rechnungsjahr 1906 werden nunmehr im „Reichsanzeiger" veröffentlicht. Beim Reichs- tage waren 1,4 Millionen Mark mehr erforder­lich, die fast ganz auf die Aufwandsentschädigun- gen für die Abgeordneten entfallen, ein Zeichen für ihre zahlreiche Anwesenheit in den Sitzungen. Das Auswärtige Amt und die Ko­lonialverwaltung hat eine Mehrausgabe von über einer halben Million Mark erfordert. Um­gekehrt ist im Geschäftsbereiche des Reichsamts des Innern eine Wenigerausgabe von fast 2 Millionen Mark zu verzeichnen. Für das Reichs­heer sind bei den fortdauernden Ausgaben fast eine halbe Million Mark mehr erforderlich gewe­sen. Bei der Marineverwaltung schließen die fortdauernden Ausgaben mit Ich Millionen und die einmaligen Ausgaben mit einer halben Mill. Mehraufwand ab. Bei den Fonds des Reichs­schatzamts beziffert sich die M i n d e ra u s g a b e auf über 22 Millionen Mark. Nach der Berech- nung der im § 15 des Zolltarifgesetzes bezeichne- tat Bestimmung ist für das abgelaufene Rech- nungsjahr an den Hinterbliebenenfonds nichts abzuführen gewesen, während dafür ein Betrag von 22 Millionen Mark eingesetzt war. Uner- freulich rst, daß die Verwaltung und Verzinsung der R e i ch s s ch u l d mit einer Mehrausgabe ! von über 5 Millionen Mark abgeschlossen hat. । Auch beim Reichsinvalidenfonds sind insgesamt 1,3 Millionen Mark Mehrausgaben entstanden. Die Einnahmen an Verbrauchsabgaben für Branntwein sowie an Maischbottich und Brannt­weinmaterialsteuer ist um 3ch Millionen Mark zurückgeblieben, dagegen haben die Reichsstem­pelabgaben für Wertpapiere 5,5 Millionen Mark mehr gebracht. Es folgen nun die Einnahmen aus den Reichs st euer n. Davon haben Mehrerträge gebracht: Die ZigarÄten- steuer 2,6 Mill., die Zuckersteuer 8,4 Mill., die Salzsteuer 1,7 Mill., die Schaumweinsteuer eine halbe Million, die Brausteuer 10,8 Mill., der Spielkartenstempel 70 000 <M, die Wechselstem­pelsteuer 2,4 Mill., der Frachturkundenstempe' 114 000 Jft, die statistische Gebühr 145 000 X Andererseits find gegen den Voranschlag z u- rückgeblieben: die Zölle um 3,6 Millionen, die Tabaksteuer um fast eine Million, die Fahr­kartensteuer um 12,4 Millionen, die Automobil» steuer um 0,8 Millionen und die Steuer aus Ver­gütungen an Aufsichtsratsniitglieder um 4y2 Mill., sowie die Erbschaftssteuer um 8,8 Mill. jt. Bei der Brennst euer sind diesmal 1,6 Millionen I Mark mehr verausgabt als vereinnahmt worden.

Auztlzen. Vst eilt' spaltige Petit;«ist oder deren Kaum 15 psg. Rette men Ke Petitteile 25 pfg.: bei ©lebet« tzolunqen wird entspr. Kabelt nerodbrt.

Das Fest dauerte bis lange nach Mitternacht. „Flirtende" Pärchen fixier­ten in den lauschigen Laubgängen des Gartens umher, und an den Tischen wurden untordesien unzählige Hochs ausgebracht. Flotte Kellnerrn- nen kredenzten den schäumenden Mein. Ein gro­ßer, schwarzhaariger Italiener mit langem Bart hob eines der Schankmädchen auf den Tisch, wor­auf die ganze Gesellschaft unter Gesang "nd stU- belgeschrei ihr Wohl ausbrachte, und sie schließ­lich tote eine neue Freiheitsgöttin die Marseil­laise anstimmte. Die Schweden gingen umher und tranken mit allen Nationen Brüderschaft, wobei sie die ganze Zeit ihren Schlachtengesang: „Söhne der Arbeit" ertönen ließen. Die Russen saßen still für sich und tranken. Aber was die Menschen trinken konnten! Die alten Wikinger würden sich in ihren Gräbern umgedreht haben, hätten sie das mit ansehen können! Der Wetn floß überall in Strömen: aber am Tisch der Rufien glich der Strom den schwellen- den Fluten der Weichsel oder den brausenden Wogen der Wolga. Selbstverständlich waren Mich die Deutschen und die Engländer keine K o st- Verächter. Die Süddeutschen jodelten und deklamierten. Die Engländer sangen und tanzten Cakewalk nach jedem Hoch, das aus- oebracht wurde, was um so komischer wirkte, als ihnen der Wein allmählich anfiug, zu Kopfe zu steigen, und die Beine nicht mehr das Gleichge­wicht zu halten vermochten. Die Uhr war toett über Mitternacht, und der letzte Straßenbahn- wagen schon lange weggefahren, als ich den Fest­platz verließ. Ich war so glücklich, drei Schweden zu treffen, die ein „Automobil" ergattert hatten, und mit Hilfe dieses modernen Beförderungs­mittels waren wir in wenigen Minuten wieder in der Stadt. Aber Taufende von Menschen mä­ren noch auf dem Festplatz zurückgeblieben, uiid gar mancher kam erst am hellen Morgen heim, in fröhlicher Gesellschaft mit Gott Bacchus und feinem ganzen Heere neckischer kleiner Tra-

„Gestern ist der freisinnige Herr Kaempf, der zweite Vizepräsident be£ Reichstages, beim Reichs­kanzler in Norderney gewesen; wie es heißt, werden noch mehrere 'Abgeordnete den Weg nach dem Nordseebade einschlaqen, und so dürsten nach und nach die bekaurtten Vertreter der Rechten und der bürgerlichen Linken den Strand von Norderney kennen lernen. -L>s vergnüquugssückstig ist Fürst Bülow gewiß nicht, daß er ivährend feines Sommer­aufenthaltes den gesellschaftlichen Verkehr mit den Parlamentariern nicht entbehren könnte. Es han­delt sich also bei diesen Besuchen unziveiftlhast um politische Geschäfte, als die mau sich ohne iveiteres fondierende Besprechungen über die gesetz­geberischen Ausgaben denken kann, die dem Reichs­tage unb dem preußischen Landtage bevorsiehen, also in der Hauptsache dieselben Fragen, die im Laufe des Sommers in der Presse erörtert worden sind. Dazu gehört gewiß auch die Reform des preußischen Wahlrechts und gehören wohl auch neuerdings die Forderungen, mit denen die Ma- rineverwaltung im Laufe des Herbstes an den Reichstag hcrantreten wird. Wir rotff en nicht, ob auch die sog. Polett- oder Ansiedelungs- Vorlage Gegenstand dieser vorbereitenden Unter- Haltungen ist, aber cs wäre jedenfalls sehr wün­schenswert, wenn die Vertreter der linksstehenden Parteien bem Reichstan4er und Ministerpräsidenten über die Idee, für die Ansiedelungskommission ein Enteignungsrecht einzusühren, recht eindring­lich und offen ihre Ansicht sagten.'

* Zur Wiederbesetzung des Posener erz- bischöstiche« Stuhles. In mehreren Zeitungen ist behauptet worden, Kandidat der Regie­rung bei der Posener Erzbischosswahl sei der frühere Pfarrer von Altkloster und jetzige Divisionspfarrer in Magdeburg v. Krzeiinski. Wie die ,Kreuzztg/ erfährt, ist diese Mitteilung nicht richtig. „Es muß, bemerkt das Blatt, doch nach den Erfahrungen mit Stablewski jetzt und für absehbare Zeit undenkbar fein, einen polnischen Geistlichen zum Posener Erzbischofs- stuhl zuzulaffen. Mit der Fiktion, daß der Posener Erzbischof eine Art polnischer Zwischen- könig sei, muß ein Ende gemacht werden. Da andererseits aber auch nicht gerade ein den Polen besonders unsympathischer Kandidat von der Re- gierung unterstützt werden wird, sind die Schwie­rigkeiten nicht gering, und man braucht sich nicht u wundern, wenn die Regierung nicht gerade auf Beschleunigung der Wahl drängt. Bisher hat sich die Reaierung unseres Wtffens noch nicht für bestimmte Persönlichkeiten entschieden, die sie als annehmbar gelten kaffen könnte." Wenn der Erzbischof durchaus ein Deutscher sein soll, so wird man schwerlich einen Kandidaten finden, der den Polen nicht unsympathisch wäre. Einen Deutschen werden sie unter den obwaltenden Un ­ständen immer als Germanisator betrachten; sie werden ihm das Leben verbittern, und er wird außer Stande sein, zu leisten, was die Regierung von ihm erwartet. In der Verlegenheit um einen geeigneten Kandidaten verrät sich hur wieder, daß die Regierung mit ihrer Polenpoliük in eine Sackgasse geraten ist.

.'. Das Bergnügen auf dem internatio­nalen Sozialistenkongreß in Stuttgart. Das in Aarhus erscheinende sozialdemokratische, wohlgemerkt sozialdemokratische, Hauptorgan Jüt­lands Demokraten bringt in seiner ls^en Nummer einen „Spezialbericht" über ein A^ndseft der „Internationalen" in Stuttgart. Es entwirf von dem schönen Verdrüderungsfeste folgendes „Stimmungsbild":

Deutscher Reich.

Berlin, 4. September 1907.

* Die Kaiserrede in Münster und die Presse. Die protestantisch-bündlerische,Deutsche Tagesztg/ schreibt zur Kaiserrede: „Die Rede des Kaisers, insbesondere ihr zweiter Teil, ist ein freimütiges, tiefinnerlicheS, königliches Bekenntnis; solchem Bekenntnisse gegenüber hat die Kritik zu schweigen. Wir freuen uns dieses Bekenntnisses und haben besonderen Grund dazu, weil es im letzten Ziele und im tiefsten Grunde den Anschauungen ent« spricht, die wir selbst an dieser Stelle vertreten haben und oerireten werden. Es gibt auch nach unserer felsenfesten Ueberzeugung kein anderes Mittel, alle Stände und Berufsgruppen innerlich zu einigen, als die Religion, als die Per­son des Erlösers, zu der Evangelische und Katholiken mit der gleichen Ver- ehrung emporschauen. Es ist ein Irrtum, daß die feste, bekenntnistreue sieber- zeugung intolerant mache. Je fester ein Christ in seinem Glauben steht, um so toleranter ist er gegen die, die in einem anderen i christlichen Bekenntnisse das Rechte und das Heil gefunden zu haben glauben. Manche von den Wendungen, die der Kaiser gebrauchte, werden vielleicht verschieden verstanden werden. Was er aber im tiefsten Grunde damit meinte, das ist deutlich und nicht mißverständlich. Das deutsche Volk kann nur dann zum Frieden, zum Gedeihen kommen und seiner Zukunft sicher werden, wenn es mit fein em Kaiser in der Gesinnung eins ist."

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3.fpaneiet"to WodKitbeilage: „Illustrierte Soitttfagsjeifttitg

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* Die Unfälle bei den österreichischen Ma- növern. Zu den Meldungen ber Manöoer- unsälle in Kärnten läßt das österreichisch-un­garische Relchskriegsministerium einen !ängeren Bericht ve> breiten, worin es heißt: Daß m Kärnten und im Bereich des zweiten Korps anläßlich der Manöver Todesfälle und äußerstzahlreicheschwereErkrankunqen von Mannschaften not tarnen, ist, ioroeit die bis­her eingegangenen Meldungen besagen, un­richtig. Todesfälle kamen überhaupt nicht vor. Daß einzelne Soldaten während des Manövers ma>ode werden, ist 'invermeidlich.

* Eine neue Beleidigung des Kardinal­staatssekretärs. Dem Meffaggelo' zmolge stieß ein Betrunkener in einem Straßenbahnwagen in Castelgandolso Beleidigungen gegen den Kar­dinalstaatssekretär Merry del Val aus, der gerade zu Wagen vorüberiuhr. Dir Polizei ver­haftete ihn. Die Einwohner von Castelgandolso veranstalteten darauf zu Ehren Merry del Vals eine herzliche Kundgebung unter den Fenstern des päpstlichen Schlosses, wo der Kar« dinalstaatssekrelär wohnt.

* „Erbauliches" vom französischen Antimili- tarismus. Als das 10. Jägerbataillon die Fahne auf dem Bahnhof von St. Dier in Empfang nahm, rief ein Korporal der Reserve nameirs Görome laut: „JchfpuckeaufdieFah ne." Die Worte wurden dem Hauptmann gemeldet, der Görorne sogleich absühren und ihn für acht Tage ins Gefängnis fetzen ließ. Der Oberst, dem die Strafe zu gering erfchien, weil Görome fein ungebildeter Mensch, sondern ern Lehrer ist, hat den Arrest verdoppelt.

* Militürtuftschiffahrt in Frankreich. Das lenkbare Luftschiff „Patrie" wird an dm Festungsmanövern, die in der Gegend von Verdun zwischen dem 15. und 19. Sepiember stattfinden, teilnehmen. Die Manöver werden Angriff und Verteidigung des Forts Moulain- Dille östlich von Verdun barfteüen.

• Frankreichs Marokko-Sorgen. Die fran- zösische Regierung befindet sich in einiger Ver­legenheit darüber, was sie zur Entwirrung des marokkanischen Knäuels augenblicklich tun soll. Die Kabylen verhalten sich still, unb der französische Befehlshaber darf, wenn er nutzt an- gegriffen wird, kein Treffen liefern: er bat ja nur eine Polizeimission. Noch unsicherer als die Lage in Marokko, über die sehr wider- spruchsvolle Nachrichten vorliegen, ist tm Augen- blick die Politik der Regierung. Man ist sich darüber einig, daß etwas geschehen muß, nur weiß man nicht recht, was. Aus allen fran- zösischen Zeitungen kann man entnehmen, daß die ganze Aktion in Frankreich nicht große Sym- pathien genießt, und daß man erfreut wäre, sie in ehrenhafter Weise so rasch wie möglich zu beenden. Kriegerische Verwickelungen von voraussichtlich längerer Dauer erscheinen ebenso unbequem wie die Verantwortung den Mächten gegenüber, die man gern auf irgend eine Weise aktiv am Vorgehen gegen Marokko beteiligen möchte, um nicht allein, und even­tuell für andere, die Kastanien ans dein Heuer zu holen. Die Sache kostet dazu G e l d, viel Geld. Clemenceau sagte» der Sultan muffe alle Auslagen ersetzen. Nun sind zwei oder gar drei von dieser Art da, keiner aber hat Geld. Die Entschädigiingen wie die Kriegskosten durften

K ttaiserrede und UanzlerpolMl. |

Wenn es regelrecht und folgerichtig bei uns zuqinge so müßte Fürst Bülow die großartige Rede bie der Kaiser in Munster gehalten hat, mit seinem Abschiedsgesuche beantworten. Denn der Kaiser bekennt sich bann öffentlich unb feier» lieb zu Grundsätzen unb Zielen, tue mtjt ber blockpolitischen Künstelei des umgewandelten Reichskanzlers durchaus nicht im Einklang stehen.

Der Kaiser ist in feiner Auffassung und feinem Streben der alte geblieben: das herz­liche Bekenntnis zur Religion und zum Erlöser hat er nicht zum erstenmal abgelegt, und der Ruf zum Sammeln, zur Mitarbeit aller braven Deutschen auf dem gemeinsamen christlich-ratio- nalen Boden ist schon öfter von der höchsten Stelle erklungen. Wenn bie Kaiserrede gerade jetzt ein besonberes Aufsehen erregt, so liegt das daran, daß der Reichskanzler unb preußische Mi­nisterpräsident

nicht bei den früheren Grundsätzen

unb Bestrebungen geblieben ist. Der Kaiser emp­fiehlt bie versöhnliche Einheit; ber Kanzler aber besorgt feit dem 13. Dezember, den Zwie­spalt unter den Orb nun gsparteien, bie Ausschal­tung eines gutgesinnten Volksteils, bie Verhän­gung ber nationalen Acht über eine Partei, be­reu Verbienste um die vaterländische Entwick­lung bekannt sind unb besonders der zu beson- berm Dank verpflichteten Person des Reichskanz­lers nicht entfallen fein dürfen. Der Kaiser will nicht bloß die historischen und wirtschaftlichen, sondern auch die konfessionellen Gegensätze in versöhnlicher Weise einen; der Reichskanzler aber läßt sich die Wahlen machen von General Keim mit ber anerkannt entscheidenden Hilfe des furor protestanticus (des protestantischen Grim­mes). Der Kaiser bezeichnet die Religion und insbesondere die Verehrung unb

Nachahmung des Erlösers

Grauitblock

Jn?™™Ä?er£nten christlich-deutschen Volkes Tas genannte „Berl. Tagebl." 3» b'esem Granitblock des Kaifers rnmrf "Ä ^tor,S m£.br Vertrauen, als zu bem ^ 5?. Fürsten Bulow. Wir natürlich erst recht ober in ruhiger Abwartung der ^.e 1 ®er verworfene Granit­block wird doch wieder zum Eckstein werben.

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Verlag der Sulbatr 2k» rtenbt iderti in Jnlba.

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