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34. Iahrnmm

Botottonsbrud u. Verlag her Sulbatr Ac» tttnbr idtrei in $«lba. ,8tmfprti>tr Nr.

Fulda, Mittwoch den 4. September 1907

Schriftleiter: A.wetzler tor die Anzeige«: j. parzeiler in Zulda-

Anzeigen. Vie «I« spaltige Petitzeile oder deren Boom 15 psg. Reflamtn oie petitzeile 25 psg.; bei wieder. Holungen wird «ntspr. Rabatt gewährt-

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Zuldaer

wochmbeNage: „Illustrierte sonntagszekung'

Zeitung

monafsbdtogt: „gulbaer Geschichtsbister"

Iie Perle Ses CchivlicDkldeS.

Roman von Ed. Wagner.

59] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Und er reichte Brief und Kouvert dem Hoch­länder, welcher beides betrachtete.

,,Ja, das ift der Brief, der von hier fortging", bestätigte er. „Ich erkenne Kouvert und Papier, welches ich selbst der alten Frau gegeben habe. Auch der Poststempel ist der richtige. Das ist ohne allen Zweifel also derselbe Brief! Der andere Mann, der vor Ihnen hier >var, hatte keinen Brief, er zeigte mir keinerlei Beweise, aber der Doktor kannte ihn, und er kannte den Doktor. Das ist doch sonderbar!"

„Ein Mann kam gestern abend hierher und gab sich für mich aus?" überlegte Crafton nach­sinnend. „Das ist seltsam! Ich verließ London sogleich nach Empfang des Briefes; niemand tveitz, daß ich ihn erhalten habe, wenigstens ahnt niemand etwas von seinem Inhalt! Wie sah der Mann aus, der sich meinen Namen zulegte?"

„Er war ein starker Mann mit rotem Gesicht, kleinen grauen Augen, großem, rötlichem Bart und freundlichen, ruhigen Manieren", antwor­tete ?ier Hochländer bedächtig. „Wir mochten ihn alle ganz gern leiden!"

. . Grafton ließ eine Reihe seiner Bekannten in iem'm Gedanken Revue passieren, und da er noch trmuer Lady Trevor mit dem Verschwinden Alice s rn Verbindung brachte, gerieten seine Gedanken auch auf Pulford und blieben bei die­sem stehen.

„ »Tch kenne nur einen Mann, auf den Ihre Beschreibung paßt", ließ er sich unwillkürlich ver­lauten, „der herßt aber Pulford!"

„So nannte ihn die alte Frau auch!" fiel 5er Hochländer Crafton hastig ins Wort. „Sie

Erstes Matt.

[j Dar Echo der neuen Raiserrede.

Verhältnismäßig spät erst ist die Rede des Kaisers in Münster bekannt geworden; es war ein schwieriges Thema, über das der Kaiser sich verbreitete; selbst einem guten Redner, wie es unser Kaiser zweifelsohne, ist, können hierbei Worte unterlaufen, die spater, ganz anders klingen, als sie wirklich gemeint waren. Erne solche Annahme ist aber jetzt ausgeschlos­sen; man hat es hier mit einer gut vorbereite- ten Kundgebung zu tun. Wir nehmen sie auch als eine solche hin. Auffallend muß es daher er­scheinen, daß die Presie so wenig Notiz von der­selben nimmt. Die meisten Blätter begnügen sich mit der bloßen Wiedergabe der Rede; wir glauben kaum, daß dies nach des Kaisers Ge- schmack ist; er will, daß eine Erörterung sich an seine Ansichten knüpft. Mit Schweigen dem Kai­ser gegenübertreten wollen hieße seiner Persön­lichkeit und seiner Stellung nicht gerecht werden. Der „Vorwärts" allerdings hat es nicht einmal der Mühe wert gefunden, auch nur die Rede selbst mitzuteilen: er fürchtet wohl, daß die Arbeiter ihm untreu werden könnten, wenn, sie erfahren, wie offen der Kaiser sich zur Sozial- resorm bekannt hat. Wir wünschen nur, daß alle „Handlanger" des Kaisers nun auch ernst ma­chen mit der Einlösung des kaiserlichen Wortes, sonst schadet es dem Ansehen der Krone gar sehr.

Den liberalen Blättern ist der Grundakkord der Rede höchst unbequem; der Kaiser hat die

hohe Bedeutung der Religion für das Lebe» hervorgehoben. Wenn, er hierbei auch von dem ftreng dogmatischen Sinne ab sieht, so bleibt der Wert dieser Kundgebung doch bestehen. Man findet in der Rede allerdings gar keinen An­haltspunkt dafür, was zu dem Dogma gerechnet werden soll und was nicht. Es will uns scheinen, als sei der Kaiser hier den Spuren von Harnack gefolgt, der schon ähnliche Wendungen gebraucht hat und auf welche Kardinal Kopp bei der Einweihung der Berliner Bonifatiuskirche die Antwort gegeben hat; wir empfehlen, diese Rede gerade jetzt nochmals nachzulesen; denn gar viele werden sich auf diesen Teil der Rede berufen, ohne die weiteren Forderungen aus derselben zu ziehen. Wenn die Religion die hohe Bedeutung für das Leben hat, die der Kaiser ihr mitRecht beilegt, daun muß sie einen klaren und festen In- halt haben; denn an etwas Verschwommenes kann man sich in den Zeiten der Not nicht hal­ten; ein Strohhalm ist im Kampfe des Lebens keine seste Brücke, die über Schwierigkeiten hin- wegführt. Auf dem Würzburger Katholikentag hat zudem in durchschlagender Weise der Luzer- ner Professor Meyenberg dargelegt, wie Reli­gion und Konfession auseinander herauswachsen. Der Liberalismus kann sich deshalb auf diesen Teil der Rede nicht berufen. Wir heben die Helle Lichtseite derselben hervor und diese ist das

freudige Bekenntnis zur Religion.

Der Kaiser selbst hebt hervor, daß auch er ohne die Religion nicht auskommen kann; ein solcher Satz ist Gold wert; alles, was der Mensch sich an irdischen Gütern wünschen kann, steht demsel­ben zur Verfügung und doch ist sein Herz nicht befriedigt, auch es ist den Wallungen des Zor­nes und dem Kummer ob der Verkennung der guten Absichten unterworfen. In diesen Stun­den sucht der Kaiser, der auf der ganzen Welt das höchste Ansehen genießt, den Trost i n der Religio ii und nichts erhebt ihn so sehr,, als der Gedanke, daß wir alle Brüder Christi

sind. Ein goldenes Wort, das jenen nicht ge­fallen mag, die im Materialismus ihren Gott erblicken. Dem christlichen Deutschland sagt der Kaiser auch eine große Zukunft voraus,' nur dem christlichen. Wenn wir bei den anderen Völ­kern Umschau halten, so werden wir diesen Satz vollständig unterschreiben müssen. Man schaue nur einmal nach Frankreich hinüber. Auf dem Boden des lebendigen Christentums erhofft der Kaiser auch ein

verständnisvolles Zusammenwirken der beiden großen Konfessionen.

Es ist seit den letzten Wahlen wieder das erste Mal, daß von höchster Stelle aus wieder dieser Gedanke unter das Volk geworfen wird; bei den letzten Wahlen war es gerade der erste Diener des Kaisers, der durch seine Wahlmache den kon­fessionellen Frieden stark erschüttert hat, um fein schlimmeres Wort zu gebrauchen. Der Kai­ser ist kein Freund solcher Dinge und darum ha­ben diese Worte jetzt erhöhten Wert; man kann aus denselben auch eine Verurteilung mancher Erscheinungen des letzten Winters herauslefeu, wenn man will. Ein liberales Blatt der Reichs- Hauptstadt ist ganz unglücklich, weil der Kaiser nicht von den Atheisten gesprochen hat; — Den Gottesleugnern konnte der Kaiser kein Lob spen­den, selbst auf die Gefahr hin, daß der Block noch einige Risse mehr erhält. Das wuchtige persön­liche Bekenntnis des Kaisers bleibt als ein histo­rischer Akt für alle Zeiten bestehen und als Ka­tholiken freuen wir uns desselben, wenn wir auch nicht mit allem einverstanden sind. ®en vom Kaiser geforderten konfessionellen Frieden haben wir stets angestrebt, indem wir für volle Gleichberechtigung der Konfessionen eintra­ten. In Westfalen, besonders aber in Münster selber, besteht auch dieser Zustand; die Katholi­ken, die hier eine große Mehrheit haben, sind den Protestanten immer in sehr nobler Weise entgegengekommen und haben ihnen auf dem Rathause stets eine Vertretung gegeben, die der Freisinn den Berliner Katholiken bis zur Stunde noch vorenthält. Wenn der Grundsatz des Kaisers von der Gleichberechtigung der Kon­fessionen auch in der Verwaltung mehr zum i Durchbruch kommt, so kann es nur angenehm sein; es ist höchste Zeit dafür.

Deutsches Reich.

Berlin, 3, September 1907.

r. Der Kaiser hat die bei dem erstgeborenen Sohlte des Herrn Krupp von Bohlen und Hal­bach die Patenstelle angenommen; wie weiter be­richtet wird, findet die Taufe voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats auf Villa Hügel bei Essen statt. Die bereits festgelegten Reisedifpo-

i sitionen des Kaisers werden aber seine persvn- ; liche Teilnahme an den Tauffeierlichkeiten nicht i ermöglichen lassen.

I * Der Rede des Abg. Dr. Spahn über die I Flottenfrage sind von gegnerischer Seite aller­hand Nebenabsichten beigelegt worden. Einer­seits wurden ihm „Aubrüderungsversuche" bei Staatssekretär von Tirpitz, andererseits eine da­mit bezweckte Kaltstellung des Staatssekretärs angedichtet. Jetzt müssen sich die bekümmerten Herren sogar von der „Deutschen Tageszeitung" sagen lassen: „Zwischen dem Staatssekretär und dem genannten Abgeordneten ist über die Frage der Beschleunigung des Fkottenbaues nie ein Wort gewechselt worden." Gleichzeitig wird dem Blatte das bestätigt, was jedem poli­tisch selbständig denkenden Manne von allem An­fang an als selbstverständlich erschien, daß näm­lich die Rheinbacher Rede des Abg. Spahn nicht auf Informationen des Neichsmarineamtes und nicht auf Unterhandlungen und Gesprächen des

sagte es ihm gerade ins Gesicht, daß er nicht Crafton, sondern Pulford sei. Er aber erklärte sie für irrsinnig und blieb uns gegenüber dabei, daß er Mr. Crafton sei, und führte uns das so überzeugend zu Gemüte, daß wir an dieser Tat­sache gar nickt zweifeln konnten!"

Mit atemloser Erwartung hatte Crafton zu- gehörk.

„Pulford war hier! Mein Verdacht auf Lady Trevor ist also der richtige!" flüsterte er jetzt vor sich hin. „Sie- — sie ist die Urheberin von allem!"

Laut sagte er:

„Derjenige, der hier war, heißt also in Wirk­lichkeit Mr. Pulford! Und er ging heute morgen wieder fort? Wo aber ist Miß Romberg und ihre alte Dienerin?"

Mac Dougal zeigte mit betrübter Midue auf die noch rauchenden Trümmerhaufen.

„Großer Gott! Sie ist doch nicht —"

Das Wort erstarb Crafton auf der Zunge; er wagte nicht einmal, den Gedanken, der sich ihm aufdrängte, auszudenken.

„Die junge Dame und ihre' alte Dienerin sind diese Nacht bei dem Feuer mit verbrannt!" erklärte der Hochländer ernst.

Crafton wollte sprechen, aber nur ein schwa­cher Laut kam aus seinem Munde, während er auf den nächsten Sitz bietenden Gegenstand nie­dertaumelte und fein Gesicht in beiden Händen barg. Er hatte ja mit aller Sicherheit Alice bereits in seinem Bereich gewähnt; so war der Schlag, sie zu verlieren, doppelt hart für ibn.

„Sagen Sie mir alles über Pulsord's Er­scheinen hier!" tief er aus. „Wie lange war Miß Romberg in Ihrem Hause?"

„Ueber eine Woche, Sir", entgegnete Mr. Mac Dougal. „Sie war an demselben Tage, an welchem die alte Frau an Sie schrieb, hier ein­getroffen. Beide kamen auf gänzlich abgetriebe­nen Ponys hier angeritten und baten uns um ein Obdach. Die junge Lady sank sogleich wie t

Staatssekretärs mit Herrn Spahn. beruhe. Gleichwohl werden wir der in gegenteiligen Be- Häuptlingen sich wiederspiegelnden kindischen Angst noch oft begegnen.

n General Keim, der Geschäftsführer des deutschen Flottenvereins, hat wieder einmal auf der Jahr es Versammlung des hessen­darmstädtischen Landesverbandes des deutschen Flottenvereins zu Lauterbach am Vergange­nen Sonntag eine seiner bekannten Reden ge­halten, in der er gegen Reichstag und Regierung loszog, die deutsche Flotte hinsichtlich ihrer Stärke und Brauchbarkeit in möglichst ungün­stigem Lichte zeigte und nach neuester Methode den Zentrumsabgeordneten Dr. Spahn wegen seiner Rheinbacher Rede für den Flottenverein mit Beschlag belegte. Auch die Reichstagsauf- lösung wurde wieder herangezogen und General Keim führte nach dem „Lauterb. Anz." aus; ......Später wurde dann der Reichstag aufge- löst, diese Frage wurde vorhin schon berührt, sodaß ich darüber toenig zu sagen brauche. Ich meine aber, — und ich war ja bei dec ganzen Sache das Oberkarnickel (große Heiterkeit) — es war nicht allein unser Recht, es war unsere Pflicht, damals auf die Bühne zu treten und wenn es noch einmal vorkommt, dann m achen w i r e s — wenigstens was meine Person anbe­trifft — hoffentlich genau wieder so." Herrn Spahn widmete er folgende Worte: „Meine Herren, es ist überflüssig, hier nochmals klar zu legen, weshalb und warum wir nicht ohne eine starke Flotte bestehen können, weder politisch noch wirtschaftlich. Die Gründe hierzu sind ihnen als Flottenvereinsleuten alle geläufig. Unsere Gegner haben das aber als uferlose Flot­tenpläne bezeichnet. Nun kommt auf einmal Herr Spahn, der Führer des Zen­trums und hält eine Rede und verlangt alles das, was wir seither auch verlangt haben. Wir sind deshalb früher als gemeingefährlich bezeich­net worden. Ergo ist auch Herr Svahn ge­meingefährlich. (Lautes Bravo.) Meine Herren, die Forderungen des F lot t e n- vereins sind die Forderungen des Herrn Dr. Spahn. Was wir seit Fahren verlangen, das größere Deplazement und die stärkere Armierung ist jetzt von jener Seite aner­kannt worden. Fetzt erkennt auch Herr Dr. Spahn an, daß wir in der Flottenfrage auf dem richtigen Wege waren und sind. Also adovtiert er auch unserer Flottenpolitik, denn er verlangt zum Schluß: „Rascheres Bauen und Herabsetzen der Lebensdauer der Schisse." Was nun die Bauzeiten anbetrifft, so hat die „Magdeb. Ztg." nach der Rede Dr. Spahns nachgewiesen, daß wir hinsichtlich der Bauzeit der Kreuzer sogar an der Spitze marschieren (40 Monate Bauzeit, England 44, und daß wir für den Bau von Linienschiffen in Deutschland 43 Monate, d. h. gerade soviel wie in England, benötigen. Fm übrigen hat Dr. Spahn, der nur seine Pttvat- ansicht, nicht aber die Meinung der Partei zum Ausdruck gebracht hat, sich keineswegs auf den Boden des Flottenvereins gestellt, das Zen­trum wird auch weiterhin für die Marine alles Erforderliche bewilligen, ohne den phantastischen Plänen der Flottenschwärmer Beachtung zu schenken.

* Neue Verträge mit der Wörmannlinie. Unter Aushebung der zwischen dem Reich und der Wörmannlinie bestehenden Abmachungen sind jetzt zwischen dieser Gesellschaft und dem Staats- tetretär Dernburg als Vertreter des Fiskus neue Verträge geschlossen worden, die das Landungs- wesen in Lüderitzbucht und Swakop- m un d eingehend regeln. Der Fiskus verpflichtet sich darin, für die Dauer der Verträge' die Be­förderung sämtlicher in Lüderitzbucht und Siva- kopmund für feine Rechnung an kommenden und

tot nieder und ich trug sie ins Haus hinein. Sie lag mehrere Tage krank darnieder und wir ha­ben sie gepflegt, so gut wir konnten. Wenn sie noch am Leben wäre, würde sie Ihnen bestätigen müssen, daß die Mac-Dougal's sie freundlich be­handelt haben."

„Ja, das taten wir!" schluchzte Mrs. Mac Dougal. „Ach, und wir taten es gern! Wir alle fabelt ja noch nie ein schöneres und ein lie­beres Mädchen als diese Miß Romberg!"

„Am Tage nach ihrer Ankunft kam ein Mann, der sich Doktor Graham nannte", fuhr der Bauer zu berichten fort. „Er sagte, daß er in Jncledon ein Irrenhaus habe und daß unsere beiden Gäste irrsinnig und ihm entslohen seien."

„Damit sprach er die Unwahrheit!" unter­brach Crafton den Hochländer.

„Ich hörte beide Teile an", erzählte dieser weiter, „und sagte btt jungen Lady, daß, wenn ihre Aussagen die richtigen seien, der Freund, an den die alte Dienerin gleich nach ihrer An­kunft geschrieben hatte, ja zu ihr kommen und dieselben bestätigen würde, und dem Doktor sagte ich, daß er warten müsie, bis wir eine Antwort aus London auf den Brief der altenFrau hätten. Gestern abend nun kam der Mann, der sich Craf­ton nannte, hier an und erklärte die Aussagen des Doktors für wahr. Es wurde darauf von beiden besttmmt, daß Miß Romberg und die alte Frau heute morgen mit dem Doktor nach Jncle- don zurückkehren sollten. Die alte Frau sah den Mann; die junge Dame sah ihn nicht. In der Nacht — ich weiß nicht, wie es geschehen ist — wurden wir von Mr. Pulford plötzlich geweckt mit dem Rufe: „Feuer!" Wir hatten kaum Zeit, lebend aus dem Hause zu kommen, und konnten nur das wenige retten, was Sie hier sehen. Die junge Dame und ihre alte Dienerin mußten noch in ihrer Kammer sein, denn die Tür und die Fenster dazu waren fest geschlossen, aber gerade, als Anstalten getroffen wurden, sie zu retten, stürzte das Dach zusammen und bald

abgehenden Personen, Tiere und Güter zwischen Schiff und Land der Wörmannlinie zu über­tragen. Beide Verträge endigen am 31. März 1909. Eine auf Wunsch der Regierung ein- tretende Verlängerung auf weitere sechs Monate, wozu dieser das Recht zusieht, kann sich nur auf beide Verträge gemeinsam erstrecken. Ueber alle Ansprüche, die sich aus dem Vertraasverhästms ergeben, ioll laut .Berliner Lokal-Ameiaett unter Ausschluß des Rechtsweges ein Schiedsgericht entscheiden.

* Der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie will nun eine Politik auf eigene Faust machen; er hat es satt, nur Zu­treiberdienste für andere Parteien leisten zu müs­sen. Wer die letzten Wahlen aufmerksam Ver­folgt hat, konnte schon die Anfänge dieser Ent­wicklung verfolgen. Bei den kommunalen Wah­len scheint er mut offen mit dem hervorzutreten, was er anstrebt. In den Vororten von Berlin gründet er bereits eigene Wahlvereine, die außerhalb der bestehenden fechten wollen. Unter der schönen Flagge des bürgerlichen Wahl­ausschusses segelt er, um sich in das Nest der alten Parteien einzusetzen. Diese Entwickelung legt es dem Zentrum doppelt nahe, auf jebe Hilfe seitens dieser Organisation zu verzichten; denn die Unterstützung ist nicht uneigennützig. Als Freund kommt man; später aber will man den Herrn im Hause spielen.

Streitigkeiten im Evangelischen Bunde. Die Generalversammlung des Bundes steht be­vor; roir'baben sehr wenig Hoffnung, daß sie die Worte des Kaisers in Münster beherzigen werbe- der alte Kamps wird weitergehen, Höch- stens 'mit dem Unterschied, daß man diesmal auch an den Fürsten Bülow ein Dankteleqramm absendet: verdient hätte er es reichlich, vielleicht wild er auch zum Ehrenmitglied des Bundes ernannt. Gegen bas Zentrum kann nun nicht mehr viel Hetzen; der Herzenswunsch bes Bundes ist erfüllt. Da kommt nun Graf Hoens- broech und ist mit der bisherigen Leitung des Bundes umufrieben und will schärfere Töne an- geschlagen wissen. Es ist ein alter Streit, der aufs neue entbrennt; die eigentliche Leitung des Bundes hält noch den Schein aufrecht, daß sich bet Bund nicht um Politik zu kümmern habe, das geschieht, um den Maschen des Verelns- gesetzes zu entgehen und um keine Uneinigkeit im Bunde auskommen zu lassen. Wenn der Bund tffen Politik treibt, dann muß er auch Stellung nehmen im Kampfe zwischen Liberalen und Kon- servativen; bas aber kann er nicht, ohne Tau­sende von Mitgliedern zu verlieren. Hoensbroech aber bekümmert sich um solche Dinge nicht; ei will eine offene Erklärung, baß ber Bund sich mit Politik befasse und sucht nun in Zirkularen die einzelnen Vorstände für sich zu gewinnen; er erhebt gegen die Leitung des Bundes den Vorwurf, daß sie die Einrichtungen der ka- tholischeii Kirche gar nicht kenne und doch gegen diese anstürw.e. Dieses Geständnis ist sehr wertvoll, denn wir haben schon sehr oft ganz ähnliche Vorwürfe erheben muffen. ' Wer in diesem Kampfe siegen wird, läßt ftdi nod) nicht sagen; bemerkenswert aber bleibt, baß Graf Hoensbroech auch hier wieder in der Lage ist, gegen seine Gegner mit alten Privatbriesen vorgehen zu können.

* Der Altkatholizismus sucht für sich aus dem Würzburger Katyolikentag Kapital zu schlagen. Der Schreiber einer an die .Nationalzeiiung, gerichteten Zuschrift will auf Grund der Ver. Handlungen in Würzburg die Entdeckung gemacht daraus die Mauenu So mußten beide in den Trümmern begraben werden und berbrennen!

„Hier liegt ein Verbrechen bot!" rief Graf- ton bet ftarr t>or ©dyreefen ZU gehört Ijotte. „iVnt ist es unzweifelhaft, daß Pulford das Haus m Brand gesteckt hat, um Miß Romberg zu ver­nichten!"

Es ist gar keine Frage -für mich, daß er es tat", fuhr Crafton fort, „und wie tödlich sein Haß, der ihn zu dieser Tat trieb, sein muß, be­zeugt, daß ihm selbst Ihr ganzes Eigentum nicht heilig war, um nur sein schurkisches Ziel zu erreichen."

„Er schentte mir hundert Pfund zum Wieder- aufbau des Hauses!" sprach der Hochländer.

„Das bestätigt nur meine Annahme!" rief Crafton. „Er gab Ihnen die hundert Pfund gleichsam als Blutgeld. Sind Sie sich denn auch ganz sicher, daß die beiden Frauen ver. brannten?" t .

Der Hochländer senkte den Kops.

.Ganz sicher, Sir", sagte er. „Wir wurden selber auch verbrannt sein, hätte Mr. Pulford uns nicht rechtzeitig geweckt!"

„Er tat es nur , versetzte Crafton finster, „weil ihm an Ihrem Tode nichts lag, weil ihm die zwei Opfer genügten! Aber dafür soll er am Galgen enden müssen, und fein Name und der­jenige der Frau, welche ihn dazu veranlaßte, ihre unglückliche Rivalin zu vernichten, sollen durch ganz England mit Abscheu und Verachtung klingen! Ich schwöre es: ich will sie rächen, — ich will--Großer Gott!"

Der Ausdruck seines Gesichts wurde wie mit einem Zauberschlage ein ganz undefinierbarer und keines weiteren Wortes mächtig, starrte tzt nur in gerader Richtung vor sich hin, wohin die Blicke aller Umstehenden ihm folgten — mit dem Ausdruck eines geradezu namenlosen Ent­setzens.

(Fortsetzung folgt.)