34. Iahraanfl.
Fulaa, Saaistag den 31. August 1907
M 199
Zweites WLatt
liefern wolle, so erschien Öffnung.
Nachdem Mrs. Mac hatte, setzte Pulford sich
kleine Roman erfüllte die Bewohner des Hauses mit Mitleid für Alice und gewann Pulford das Vertrauen der arglosen, schlichten Leute.
Kaum aber wußte er doch sein Frohlocken zu unterdrücken, als die Hausfrau ihn dann in das in aller Eile für ihn hergerichtete Zimmer geleitete und ihm mitteilte, daß dasselbe nur durch eine dünne Wand von demjenigen getrennt sei, in welchem Alice und Gretchen sich befänden. Als wenn der Bose selber sie ihm in die Hand
HotatiousOtud ü. Verlag 6er Sulöaer 2k- tienör iderei in Hulda.
HernlpreHer Ur. M.
alles still. Atemlos horchte er jetzt an der Wand, welche seine Kammer von der Miß Romberg's trennte. Er hörte ein leises Flüstern, konnte aber feine Worte unterscheiden.
Nachdem er lange vergeblich gelauscht hatte, kehrte er ans seinen Platz zurück. Es lourde spät. Kein Laut im ganzen Hause ließ sich ver- nehinen.
Gegen Mitternacht wurde Pulsord's Tür geöffnet und Jarvis schlich geräuschlos herein
„Alles schläft im Hause, ausgenommen wir selbst", flüsterte er, während er dicht neben seinen Auftraggeber trat. „Sie haben Ihre Sache gut gemacht, Sir, — wie ein geborener Schauspieler. Die Geschichte, die Sie ihnen von dem Mädchen erzählten, hätte einen Stein zu Tränen rühren können. Ich sah selbst den alten Bauer sich mehrmals die Augen wischen. Die Leute halten Sie für den gutherzigsten Menschen auf Gottes Erdboden."
„Aber dennoch dürfte es mir schwer fallen, das Mädchen morgen fortzuschaffen", entgegnete Pulford. „Sie ist ja doch in Wahrheit nicht irr
sinnig und wenn die Leute nicht selbst närrisch sind, muß das eine oder das andere Mitglied der Familie durch irgend etwas zu dieser Ueber- zeuguug gelangen. Sie wird sich nicht wie die alte grau ausbringen lassen. Sie wird vielmehr mit aller Ruhe eine Untersuchung verlangen und die angeborene Vorsicht der Schotten wird diese bestimmen, ihrem Verlangen nachzugeben. Wenn wir es nun aber selbst darauf ankommen lassen wollten, so wird doch auch Grafton wahrscheinlich morgen hier eintreffen und wir müssen jedenfalls fort fein, ehe er kommt. Darum bleibt uns nur eine Wahl: — das Mädchen muß samt rhrer Dienerin noch diese Nacht beseitigt werdenI"
„Nach dem von Ihnen bereits entworfenen Plane-:" fragte Jarvis.
„Ich wüßte nichts besseres", versetzte Pulford mit einer Kaltblütigkeit, als handelte es sich um eine Bagatelle. „Sollten die Leute aber auch so fest schlafen, daß wir in unferm Unternehmen von ihnen nicht gestört werden?"
„Ganz gewiß", versicherte Jarvis, „solche Leute schlafen wie die Bäume. Sie stehen früh auf und arbeiten den ganzen Tag so angestrengt, daß sie des Nachts durch nichts aus ihrem Schlafe geweckt werden."
„Gut denn!" beschied Pulford sich. „Der erste ist jedenfalls der festeste Schlaf, also ist unsere Zeit zum Handeln die Zeit jetzt sogleich- Sie wissen im Hause Bescheid. Gehen Sie hinunter nach den Brennmaterialien."
Jarvis nickte und verließ geräuschlos das Zimmer. Pulford horchte, aber kein Geräusch verriet ihm Jarvis' Bewegungen; dann lauschte er wieder an Alice's Kammer, aber auch hier war alles still.
„Sie müssen schlafen", dachte er. , Er setzte sich wieder und wartete auf JarviS' Rückkehr, welcher ihm endlos lange ausblieb, betör derselbe mit zwei vollaepackten Körben zurückkehrte.
Än zeigt«. Bit da spattigt petiizeilt ober deren Raum 1» M. Reilamen oie petitztile 25 pfg.; bei wieder- holunge» wird entspr.
Rabatt gewährt-
öerantroortlffrtr , Sn-Meyer:Westler
A.spai?eller in Hulda. Q)o^nbdIOgC:
es ihm bei dieser Er»
Dongal ihn verlassen aus einen Stuhl und kommen sollten. Bald
„Ich habe Glück gehabt, Sir", sagte er, „sehen Sie hier!"
In dem einen der Körbe waren Spähne und trockenes Solz, in dem andern einige Seiten Speck und ein paar Flaschen Spiritus. Pulford sprach seine Zufriedenheit darüber aus.
„Ich habe aus dem Speiseschrauk genommen, was wir gebrauchen können", sagte Jarvis. „Niemand erwachte davon. Sie werden froh sein, wenn das alles gezündet haben wird, ihr nacktes Leben retten zu können!"
„In meinem Bett liegt ein mit Stroh gefüllter Sack", gebot Pulford jetzt. „Nehmen Sie den heraus."
Jarvis gehorchte
„In meinem Bett ist auch ein Strohsack", flüsterte er, „den will ich ebenfalls holen."
Und er holte den Strohsack und legte ihn vorsichtig vor die Tür zu Alice's Zimmer, wohin er hierauf auch den andern brachte. Zwischen beide Säcke wurde der Inhalt der Körbe gelegt, der Spiritus obendrauf geschüttet und besonders die Tür damit besprengt; dann trugen sie noch Stühle und andere leicht zu bewegende Gegen- stände aus ihren Zimmern herbei und fügten sie dem Haufen bei, so daß die Tür vollständig ver- barrikadiert und ein Oeffnen derselben von innen unmöglich war.
„So, das genügt!" flüsterte Pulford. „Das Mädchen hat sicher Möbel vor die Tür geriuft, welche nun von dem eindringenden brennenden Spiritus gleich Feuer fangen werden. Nichts kann sie jetzt mehr rette«I"
„Wenn sie nicht durch die Fenster entkommen!" wandte Jarvis ein.
„Ich denke, ehe sie dazu gelangen, werden sie ersticken", versetzte Pulford. „Das Haus ist gänzlich trocken und wird in kurzer Zeit in vollen Flammen stehen. Aber um allen Möglichkeiten vorzubeugen, gehen Sie hinunter und bewachen
harrte der Dinge, die da
hörte er Jarvis heraufkommen und in sein Gemach gehen. Noch einiges Geräusch in den unteren Räumen ließ sich vernehmen, dann wurde
irld>ehit täglich mit Ittsnahmt der sonn. ,-no.Heienagr. viertel» Mri.vezugrpreir »hve vringerlohn und öetzeügeldln Hultzeund turwSrtr l Ml. sopfe-
Zuldaer MZeitmg
vocheiibeüag«: „Illustrierte Sonntagrzeitung" Monatsbettage: „Hulbaer GeWchtsblä ter"
habe die Tränen in ihren Augen gesehen. Avec der bischöfliche Segen hat sie getröstet, und ne hat zum Herrn gehofft, auf daß aus al. dem Segensschatz, der hier niederstrahlt, msoege des Gebetes so vieler Männer, auch ihr etwas an Trost zuteil wird. (Lauganhaltender, stürmischer Beifall.) Wir haben ein großes, ein bedeutendes Gotteswort gehört und haben dem hl. Opfer der Messe beigewohnt. Ein kräftiger deutscher Man- nerchor hat sich abgelöst mit den lieblichen, zarten Engelsstimmen der Knaben und haben sich vereint zu einem inbrünstigen Gebete zum Himmel (Bravo!) Dann kam der Augenblick, wo mir die Kirche verließen, wo wir wieder hinaus- traten ins Freie. Das war der Moment, wo die Rührung aus dem Herzen hinaufstieg in Jne Augen. Die Winde hatten den Nebel zerrissen, der Marienberg erstrahlte in der Herrlichkeit eines herrlichen Sonnenmorgens, und da lagen sie alle und beteten, die ungeheuere Zahl von Tausenden von Gläubigen. Da erklang dura, die ganze Statur die unendliche Symphonie von Gottes Minne und Gottes Jubel. Uno nicht blos die Männer allein haben eingefttmint, nein, auch die Wellen des Maines haben die Litaneien gemurmelt, und der Marienberg, der Nikolaus- bera, sie haben eingestimmt mit in den ^ubel: Hosianna, Halleluja! (Lauganhaltender, fturmi- scher Beifall.) .
Es grüßt das.Muttergottesbild vom Marienberg in alter Schöne, mild, alle tröstend, sieg- verheißend. Salve regina sedes sapientiae, so- latium pauperum! (Sei gegrüßt, o Königin; sei gegrüßt, du Sitz der Weisheit; sei gegrüßt, du Trost der Armen!) In dir sind aufgelöst alle wissenschaftlichen Streitfragen, alle Kampfe zwischen Wissen und Glauben, in dir amgewst alle Fragen des sozialen Lebeiis, alle Not, alles Elend. (Stürm. Beifall.) Gegrüßt feilt du, Sitz der Weisheit, Trost dec Armen! /Mit tiefbewegter, aber mächtiger Stimme schließend' «Allmächtiger Gott, schütze deine heilige Kirche! All- mächtiger Gott, segne uns und unser geliebtes Vaterland!"
Nach einem Augenblick tiefer und anda^tv- voller Stille, die während der letzten Worte des Präsidenten geherrscht hat, bricht ein jubelnder und stürmischer Beifall ans, wie er die große Halle wohl noch nie durchbranst hat. Als Red- uer von der Rednertribüne nach dein Präsiden- tensitze zurückrehr-t, wird er von allen Seiten umdrängt und beglückwünscht; unter dem stürmischen Jubel der Versammlung drücken die Bischöfe ihm beglückwünschend die Hand. Nach einem Augenblick der Stille bricht der jubelnde Beifall noch einmal mit elementarer Gewalt los.
❖ ♦
Unter den Nebenveranstaltungen sei noch die Festversammlung der Akademische» Piusverciue erwähnt, die am Montag mittag in Anwesenheit des Hochw. Herrn Abtes Gregor Danner von St. Bonifaz-Mnnchcn und anderer hoher Her- rett und Ehrenmitglieder im Saale der Union stattfand. Sie wurde eröffnet mit der italienischen Papsthyinne ,Tn alziam sulle rive del Tebro* von Abbate Rosati in überaus wirkungsvoller Weise vorgetragen vorn Akademischen Piusoerem Fulda unter Leitung des Herrn RegcnS Pros. Dr. Schreiber-Fulda.
Nach der Begrüßung durch den Vorortsprasl- denten canck. theol. Ebert-Dillingen, iprach cand. theol. Vormwald-Mainz über „Religion und Wissenschaft" — unser Programm. Mit großem Beifall wurde Universitätsprofessor Dr. Kneib begrüßt, der sich in der Festrede über „Klarheit und Festigkeit im Wollen als Ziel unseres Strebens" verbreitete. Nachdem er eingangs auf die vor nunmehr 50 Jahren gegründeten Piusver- eine und deren Bestrebungen hingewiefen und die Erfolge gestreift hatte, welche der Verband im
54. ® rnrr alvrrl nmmlung imKathMm DeuWand, in Wimdmg.
CPC. Würzburg, 30. Aug. 1907.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Schlußrede des Präsidenten des Würzburger Katholiken. !fageS Reichstagsabgeordneteu Rechtsanwalt Fehreubach.
Wir stehen am Schluffe unferer Tagung. Schöne, gottgesegnete, fruchtbringende Tage sind es gewesen. Ich habe sie in meiner Eröffnungsrede unter den Schutz des Allerhöchsten und unter die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau gestellt. Und so soll es jetzt am Schlüsse mein erstes sein. Dank zu sagen dem allgütigen Gott und unserer Gottesmutter, der Patronin unserer Geueralver- sammlung. (Lebhafter Beifall.) Den reichen Dank, den ich den übrigen abzustatten habe, bitte ich nicht stückweise zu verlangen. Ich befürchte, daß ich den einen oder den anderen übergehen könnte, und das wäre schmerzhaft für den Betreffenden und für mich. Allen, die in irgend einer Weise um das Gelingen dieser schonen Tagung sich bemüht haben, sei der herzlichste, der wärmste Dank dargebracht. (Stürmischer Beifall.) Der reiche Segen, der aus dieser Ver- fammlung fließen wird, ist ein köstlicher Lohn. Wir brauchen uns jetzt in der letzten Stunde dieser Tagung nicht zu verhehlen, daß wir diesmal ganz besonderen Anlaß zum Danke haben. (Sehr wahr!) Die Verhältnisse lagen bis wenige Tage vor der Versammlung so, daß manche mit bangem Herzen und stiller Sorge dem Verlauf der Tagung entgegen- gesehen haben.
Aber der allseitige gute Wille, der echt-katholische Geist (Beifall) und Gottes Gnade haben die Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt (Stürmischer Beifall). Ich werde als Vorsitzender, mich hüten, in meiner Schlußrede neue Schwierigkeiten zu schassen (Heiterkeit). Aber ich habe das Gefühl, in diesem Moment ist es nicht bloß das Recht — ist es vielleicht sogar die Pflicht des Präsidenten der Katholikenversammlung, den Beteiligten einige Worte zu widmen, freundlich gemeint, herzlichst gedacht, und ich hoffe, daß sie nur in unanfechtbarer Objektivität und Korrektheit gelingen werden. Ich befinde mich dabei durchaus im Einklang mit den Worten des stellvertretenden Vorsitzenden des Präsidenten des Zentralkomitees. M. H. Sache der Wissensamft ist die Forschung, Sache der Theologie, speziell der apologetischen Wissenschaft, ist die Verteidigung der Grundprinzipien der katholischen Religion gegenüber allen Angriffen (Beifall und Zustimmung). Die-Verteidigung wird sich zu richten haben nach den Angriffen, nach der Art und dem Charakter der Angriffe in den verschiedenen Zeiten.
Die Theologen der ersten christlichen Jahrhunderte und des Mittelalters sind der Auseinandersetzung mit den Behauptungen der damaligen Philosophie nicht aus dem Wege gegangen. Ein einfaches Ignorieren der wissenschaftlichen Bestrebungen der Neuzeit würde dec katholischen Theologie nicht förderlich sein (Beifall und Zustimmung); sie muß die Grundlagen unserer Religion gerade gegenüber den Theorien der modernen wissenschaftlichen Richtungen verteidigen, vielfach in moderner Methode, vielfach nut modernen Mitteln. (Beifall). Irren ist möglich. Errare hum an um est; es irrt der Mensch, so lange er strebt. Irren an sich ist auch keine Schande und keine Sünde (Beifall undZustiniLiung); die Kirche, die milde Richte
Die Beredsamkeit ist bei unseren Katholiken- tagen nicht die Hauptsache.
Ser Stempel, den wir unseren Karholiftm- tagen aufdrücken, ist der W i II e jur Tat. unseren Ausschüssen, den geschlossenen Versammlungen, beraten wir eingehend und gründlich über alles, was auf kirchlichem, gesellschaftlichem oder sozialem Gebiet die Menschheit fordern famt, und unsere großen Versammlungen, die sie von Tag zu Tag sehen, sind bestimmt, die Menge zu begeistern und sie auf die Hohe der Erkenntnis zu tragen, und das Massenaufgebot, wir wissen, was es für einen Wert hat für den inneren Zusammenschluß, für die innere Freudigkeit, für das Gefühl der Zuiammengehorig- keit bei allen Katholiken Deutschlands.
Dabei haben wir gerade auf dieser Tagung das Glück, daß die Quantität des Besuches in gleicher Höhe stand mit der Qualität des Dar- gebotenen. Ich freue mich ganz außerordentlich, seststellen zu können, daß ganz vorzügliche Reden QUf unseren Versammlungen, den Kommersen und bei sonstigen Veranstaltungen gehalten toor- den sind. Wir alten Kameraden sind aber auch zu der Ueberzeugung gekommen, Gott Lob und Dank: auf euch braucht man nicht mehr zu ruckzugreifen, die junge Garde ist schon da. (Lebhaftes Bravo!)
Unsere katholischen Versammlungen sind zugleich aber auch Audachtsstätten. In ungeheuer großer Zahl haben wir uns beim Pontifikalamt, beim Regniem und den übrigen Gottesdiensten zu frommem Gebet versammelt. Und dann die ergreifende Wallfahrt auf das K ä p- p^le! Dieser majestätische Ausdruck der kstho- lischen Kirche. Mit welchen heiligen Gefühlen haben wir die Grabstätte der Apostel dieses Landes verlassen! Per aspera ad aslra, per nucem ad lucem! (Durch Pacht znm Licht, durch Kreuz zum Lickt!) (Stürmischer Beisall.) Tausende haben sich an diesem imposanten Zuge beteiligt. Keine Frauen waren dabei, keine Kinder, es war ein ernster, — man möchte fast sagen — harter Aufzug, fo, wie unsere modernen Maler und Bildhauer die Männer der Arbeit darstellen. (Stürmischer Beifall.) Es waren auch Männer der Arbeit, der geistigen und der körperlichen. Es waren in diesem herrlichen Wallfahrtszug alle Stände auch vertreten. Da ging der Fürst neben dem Arbeiter und der Bauer neben dem Professor. Sie haben alle mit der gleichen Andacht ihr salve regina gesungen, der eine, der in die Tiefe der theologischen Wissenschaft eingedrungen ist und der andere, der nur die Gemeinschaft der Heiligen gepriesen hat, alle mit der gleichen Andacht und Ueberzeugung. vVangan- haltender, stürmischer Beifall.) Das sind Weggenossen zum frommen Ziel, das sind Weggenossen zur Arbeitsstätte des Gebetes. Und an dem Rande deS Weges waren die Massen, die nicht der Andacht hatten beiwohnen können, damit sie auch einen Eindruck bekommen von der Großartigkeit unserer Veranstaltung und vor dem Segen, der dieselbe über die Lande ausbreiten wird. Haben Sie die Kinder, die Waisenkinder in dem Schulgarten gesehen? Sie verstehen ja nichts von der Bedeutung dieses Vorgangs, aber noch in späten Jahren werden sie einander sagen, denkst du noch an damals, wo die vielen, vielen Männer auf das Kcippele hinauf getoaüfahrt waren, wo die ersten schon oben waren im Käv- pele und die letzten noch drunten auf der Brücke, denkst du noch an die vielen Bischöfe, wie die gesegnet haben? O, das ist eine kostbare Erinnerung für die Kinder. (Stürmischer Beisall.) Und haben Sie die Frauen ans dem Volke gesehen? Ich habe die eine und die andere gesehen, die da knieend und betend den Segen des Bischofs erwartete, abgehärmt ihr Kind vor sich; eS ist vielleicht die Sorge um das tägliche Brol, es ist vielleicht der Kummer, der an ihr nagt. Ich
rin hat es noch nie dafür erklärt. Ist die Forsch- ung Sache der Wissenschaft, so ist die Entscheidung Sache des kirchlichen Lehromts. (Stürmischer Beifall und Zustimmung.) Und die Entscheidung mag fallen, wie sie will, ihr gegenüber gibt es nur eine Unterwerfung (wiederholter, stürmischer Beifall und Zustimmung). Die Kirche ist nicht so grausam, eine freudige Unterwerfung zu verlangen; aber was sie verlangen kann und was sie verlangen darf, das ist eine klare und unzweideutige Unterwerfung. (Stürmischer, nicht enden wollender Beifall und Zustimmung.)
Und nun noch ein zweites Wort. Ist die Forschung Sache der Wissenschaft, so steht die Entscheidung dem obersten kirchlichen Lehramt zu; die Bischöfe überwachen die Ausführung. Es mag einer ein noch so eifriger Theologe, ein noch fo gewandter Publizist und Schriftsteller fein, die Erteilung und Entziehung der geistlichen Sendung steht ihm nicht zu. Wenn ich annehme, daß es diesen mit der Verehrung der kirchlichen Autorität ernst ist, nehme ich auch an, daß diese gut daran tun werden, sich zu hüten vor aufdringlichen Ratschlägen. Unsere Bischöfe kennen ihre Pflicht und werden sie erfüllen. (Bravo! und stürmischer Beifall.)
Meine Herren, ich glaube nicht, daß wir von Würzburg fortgehen können, ohne einer sehr.be- denklichen Erscheinung Erwähnung zu tu», die sich um die Wende des letzten und dieses Jahres vollzogen hat. Die politische Betrachtungsart jener Vorschläge scheidet hier aus, aber die Tatsache haben wir festzustellen, daß man sich nicht gescheut hat, die konfessionelle Leiden- f ch a s t aufzurufen gegen uns. (Lebch Bravo!) Man hat sich dabei nicht gefragt, ob die Katholiken je einmal Anlaß gegeben haben zu Klagen bei anderen Konfessionen, und man hat auch nicht daran gedacht, welche Summe von mühsam erworbenem Vertrauen man dadurch leichtsinnig entreißt. (Bravo!) , Diese Tatsache predigt eine klare und eindringliche Predigt für jedermann. Wir können nur auf unsere eigene Kraft bauen und auf Gottes Hilfe. (Lebh. Bravo!)
Meine Herren, ich habe auch jetzt wieder wahr- genommen, daß man unseren Katholikenversamm- luiigen in gewisser Weise immer noch übelwollend und bösartig gegenübersteht. Demgegenüber möchte ich folgende Tatsache feststellen: das kann doch kein Einsichtiger mehr bestreiten, daß unsere Katholikentage allmählich in Wirklichkeit geworden sind die iße fjam m In n g e n nicht b l o ß' der katholischen Vereine, sondern aller Katholiken Deutschlands» Wenn ein Eigenbrödler auf der anderen Seite steht oder Leute, die von ihrem Katholizismus keinen Gebrauch mehr machen, so widerlegt das natürlich nicht die Tatsache, daß unsere Katholikentage die Versammlungen aller Katholiken Deutschlands sind. Wer könnte der heurigen oder einer anderen Versammlung nacksagen, daß sie eine politische Versammlung, die Versammlung einer politischen Partei gewesen sei. Wo ist irgendwie in einer öffentlichen Ansprache jemals von politischen Bestrebungen die Rede gewesen? Ich kann versichern, daß auch bei den übrigen Zusammenkünften mit keinem Wort haben die Rede war. Es sind nicht einmal die Parlamentarier der verschiedenen Volksvertretungen und des Reichstags zu einer Aussprache zusainmengekommen.
Meine Herren, in gewissen Zeiten, wo man es braucht, gibt man Kundgebungen der Hochachtung vor der Religion, besonders vor der katholischen Religion. Wenn das ehrlich ist. dann verlangen wir wenigstens eine gewisse hon arische Behandlung unserer Katholikentage. (Lebhaftes Bravo!) Es werden unsere Kattzolikeniage auch vielfach von einem einseitigen Standpim't aus behandelt, vielleicht als rethoriscke Leistungen.
Sie Perle des SchmrDÄeS.
Roman von Ed. Wagner.
64] ;Nachdruck verboten.)
„Nicht innerhalb einer Tagesreife!" antwortete der Hochländer.
„Wir wollen ihn morgen dennoch holen lassen", erklärte Pulford bestimmt, „und er soll es Ihnen durch sein Gutachten noch ganz besonders beweisen, daß meine Nichte wirklich geisteskrank ist. Es ist ein Wunder, daß sie Ihnen ihren Geisteszustand noch nicht durch einen ähnlichen Auftritt offenbart hat wie diese Frau."
„Wünschen Sie auch nun die junge Dame heute nicht mehr zu sehen?" fragte Mrs. Mac Dougal.
„Nein, Madame, ich will lieber bis morgen warten", versetzte Pulford. „Ich möchte eine zweite ähnliche Szene, wie die eben überstandene, heute nicht mehr erleben. Aber morgen früh Kull ich das liebe Kind aufsuchen, und Sie sollen sehen, daß sie mich freudig erkennen wird. Arme Alice! Sie pflegte in früheren Tagen sogar sehr zärtlich gegen ihren Onkel zu sein!"
Und mit einem bangen Seufzer setzte er sich. Auch die Familie nahm wieder am Tische Platz; Wer kein Mitglied derselben hatte mehr Appetit -um Essen. Alle fühlten sich von einer wunder- varen Vorahnung erfüllt. Es war einem jeden von ihnen, als muffe dieser peinlichen Szene eine andere folgen, — eine andere, noch schrecklichere. Pulford suchte sich bei den Leuten ange- ttehm zu machen und erzählte ihnen eine rührende Geschichte von der unglücklichen Liebe feiner sichte, über welche Mrs. Mac Dougal stille Tränen vergoß und Elsbeth mehrmals laut schluchzte. Der in der Geschwindigkeit zusammengedichtete