Zeitlin
gulöaer
34. Jahrgang
Lotati onrdruck ü. Verlag btt Fuldaer Ar« ttrndrrckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.
Anzeigen. Sie einspaltige petiizeile ober deren llanm 1$ Pfg. Aeklame» »le Petiizeile 25 Pfg.; bei wieder. Holungen wird entspr. Labalt gewährt.
Erscheint täglich «st Au,nahm« der Son«» KndFeiettag». viertel' jährl. vezuarprei, ohne öringerl'hn und ö^eügeldin Fulda und luswätt, I Ult. 50 Pffl-
rchrlftleiterr A. Wehle» fflx die Anzeigen: I. parzeSer in Fulda.
Kustes Matt.
):( Gegen das Kurpfuschertum.
Wie jüngst gemeldet wurde, soll auf gesetz- sichern Wege dem Kurpfuschertum wieder zu Leibe gerückt werden. Es handelt sich um Maßnahmen, welche in einem Reichsgesetz geschaffen werden sollen. In mehreren Bundesstaaten ist schon in den letzten Jahren Verschiedenes gegen das Ueberhandnehmen der Kurpfuscherei ge- schehen. Baden machte den Anfang und verbot die Fernbehandlung, stellt auch alle öffentlichen Anzeigen der Kurpfuscher unter Strafe. Aehn- lich ist Oldenburg vorgegangen. In Preußen machte man im Jahre 1903 einen energischen Schritt vorwärts; ein Erlaß des Kultusministers sorgte dafür, daß das Kurpfuschertum unter Aufsicht gestellt wurde. Trotz dieser Maßnahmen ist indessen die Zahl der Kurpfuscher nicht geringer geworden; aus einer Statistik der Medizinalabteilung im preußischen Kultusministerium erfahren wir, daß von 1902 bis 1904 die Zahl dieser Art Krankenbehandler von 4104 auf nicht weniger als 5529 gestiegen ist. Dieses ungeheuerliche Anwachsen fordert gebieterisch ein abermaliges gesetzliches Einschreiten.
Tatsächlich wird im Reichsamt des Innern zurzeit ein Gesetzentwurf über die Bekämpfung der Kurpfuscherei vorbereitet. Wenn eine solche Vorlage wirksam sein soll, muß sie sich nach -wei Seiten er st recken. Vor allem muß gegen den bei der Kurpfuscherei sich geltend machenden Betrug eingeschritten, dann aber auch für eine Verbinderung der Gefährdung von Leben und Gesundheit der Behandelten gesorgt werden. Wenn sich jemand :’t die Behandlung eines Kurpfuschers begibt, ist das seine eigene Angelegenheit, in die ihm temand hineinzureden hat. Sowie aber der Kurpfuscher gleichzeitig mit seinem Hokuspokus auch den Betrug beginnt, muß eingegriffen werden. Und daß diese Fälle keineswegs zu den Seltenheiten gehören, beweisen uns zur Genüge die Gerichtsverhandlungen, die uns die schädlichen Folgen des Kurpfuschertums schon in allen Variationen vor Augen geführt haben. In dieses Kapitel fällt namentlich jene Art von, Kurpfuscherei, der es gelungen ist, den Patienten ganz ansehnliche Summen aus der Tasche zu holen. Gegen die wucherische Ausbeutung der Dummheit sind wir aber erst dann geschützt, wenn aus den Reihen der Krankenbehandler alle jene Elemente entfernt sind, welche nicht einwandfrei passieren können.
In dieser Hinsicht scheint der bereits in Vorbereitung begriffene Entwurf nicht unwirksam zu werden. Eine medizinische Fachzeitschrift hat Angaben darüber gemacht, n a ch w e l ch e r R i ch- t u n g sich die Maßnahmen der Regierung er- strecken sollen. Vor allem soll allen gewerbsmäßigen, nicht approbierten Krankenbehandlern die Anmeldung bei den Amtsärzten zur Pflicht gemacht werden. Diese Pflicht erstreckt sich auch auf die Anmeldung der Wohnung und die Niederlegung der Praxis. Andererseits muffen die Amtsärzte Personalakten über sie anlegen. Das sind Maßnahmen, welche einerseits dem Kurpfuschertum steuern, andererseits der Oeffentlichkeit einen gewissen Schutz gewähren. Aber auch direkt will der Entwurf einer Gefährdung der Gesundheit und des Lebens Vorbeugen. Zunächst wird die Fernbehandlung verboten, weiter wird den Kurpfuschern die Behandlung von an st eckenden Krankheiten sowie die Anwendung von narkotischen Mitteln untersagt, lieber den Wert der Bestimmung, über die Behandlung ansteckender Krankheiten kann man im Zweifel sein. Kann doch der Kurpfuscher, der bei deren Uebertretung abgefaßt 'wird, sich immer noch der Ausrede bebienen, daß
er den wahren Charakter der Krankheit nicht gekannt habe, ein Einwand, der in vielen Fällen sogar zutreffend sein wird. Schließlich will der Entwurf alle ungeeigneten Elemente aus den Reihen der Krankenbehandler entfernen. Solchen, welche wegen Gewalttätigkeit bestraft oder denen die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind, soll die Zulassung von vornherein untersagt werden können; derselbe Fall tritt bei Unzuverlässigkeit ein. An S t r a f e n sollen Geldbußen bis zu 1500 JL bezw. Gefängnis vorgesehen fein. Hieraus ist nicht ersichtlich, ob schon von vornherein auf Gefängnisstrafen erkannt werden kann oder ob sie nur für den Even- tualfall Platz greifen sollen. Wir befürchten nämlich, daß Geldstrafen allein nicht abschreckend zu wirken vermögen. Das beste Mittel zur Eindämmung des Kurpfuschertums sehen wir ledig- lich in angemessenen Freiheitsstrafen.
Falls in diesen Angaben der hauptsächlichste Inhalt der neuen Vorlagen sich wiederspiegelt, scheint der Entwurf, von Einzelheiten abgesehen, tm großen ganzen das Richtige zu treffen. Immerhin wird es aber noch Sache der gesetzgebenden Faktoren sein, Lücken auszufüllen und un- nötige Härten auszumerzen. Mit letzterer Andeutung haben wir namentlich den Umfang im Auge, auf den sich die Bestimmungen des Gesetzes erstrecken sollen. Unter den Krankenbehandlern gibt es eine große Menge, gegen welche der Vorwurf der Kurpfufcherei nicht i m e n t- ferntesten erhoben werden darf. Wieviele Männer hat es doch schon unter den nicht appro- bierten Krankenbehandlern gegeben, welche sich die größten Verdienste um die Gesundheit ihrer Mitmenschen erworben und dank ihrer methodischen Behandlung der medizinischen Wissenschaft dankenswerte neue Anregungen gegeben haben! Ihnen gegenüber muß das neue Gesetz sich jeder Schärfe enthalten. Es darf sich also mir gegen jene Elemente richten, welche den geheimnisvollen Wunderdoktor spielen, der imstande sein will, alle Krankheiten willkürlich mit einem einzigen zweifelhaften Heilmittel zu heilen. Daß es nicht immer leicht sein wird, die richtige Grenze zu finden, ist selbstverständlich. Dessen ungeachtet ist es aber Pflicht des Gesetzgebers, gegen das gemeingefährliche Kurpfuschertum mit allen Mitteln einzuschreiten.
Deutsches Reich.
Berlin, 30 August 1907. '
* Der Kaiser in Münster. Ein so herrliches Schauspiel, wie die gestrige Parade, hat das Münsterland wohl noch nicht erlebt. 32 Bataillone Fußtruppen, 4 Kavallerieregimenter, 150 Geschütze und ein Trainbataillon, zusammen rund 20000 Mann mit etwa 4500 Pferden waren auf dem Paradeselde in Münster versammelt. Die Truppen begaben sich zunächst auf einen Platz an der Hiltruper Chaussee, um Anzug und Ausrüstung zu ordnen, und rückten dann in ihre Stellungen ein, in denen der rechte Flügel jedes Truppenteils durch Tafeln bezeichnet war. Pünktlich zur bestimmten Zeit war die Aufstellung beendigt. Punkt 9 Uhr kündigten vieltausendstimmige Hoch- und Hurrahrufe das Eintreffen des Kaisers an. Am Eingang des Paradefeldes stieg der Kaiser, der im Automobil angekommen war, zu Pferde und ritt an der Spitze der Abordnung, welche die jüngst in Kassel neugenagelten Fahnen brachte, bis vor die Mitte der Tribüne. Hier übergab er mit einer kurzen Ansprache den Kommandeuren die neuen Feldzeichen. Namens derselben antwortete General v. Bissing, der gelobte, daß die neuen Feldzeichen in Kriegs- und Friedenszeiten in Ehren gehalten und die Regimenter anspornen würden zur Erreichung größter
M Perle te SchumMes.
Roman von Ed. Wagner.
<55] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
„Eine Lösung, wie wir uns dieselbe nicht bes- <ser wünschen könnten," meinte Jarvis. „Ich !werde jetzt sogleich nach Black-Rock aufbrechen."
„Und ich nach London," versetzte Pulford. „Folgen Sie mir, daß uns keiner sieht, und ich will Ihnen das Geld einhändigen, das Ihnen fukommt, — Ihnen und Ihren beiden Gefähr- innenl"
Und sie gingen hinter eine Baumgruppe, tvo 'Pulford an Jarvis die verabredete Summe auszahlte und in seiner gehobenen Stinnnung noch ein gutes Extrageld hinzufügte.
Beide waren gerade eben wieder auf der Brandstätte angelangt, als Mr. Mac Dougal aus der Scheune kam und niedergeschlagen sich chnen näherte.
, --Ein trauriger Anblick für einen Mann wie Mich- Mr. Grafton," sagte der Hochländer auf die ^'rauchenden Trümmer seines Hauses zeigend, gestern abend, als ich mich schlafen legte, hatte ich ein schützendes Dach über mir und einen war- ,tnen Herd. Dies war das Haus, in welchem ich erzogen wurde und in welchem alle meine Kinder geboren sind, das Haus, in welchem ich zu sterben Mte, — und. nun ist es zerstört. Und ich bin über Nacht so arm geworden, Sir, daß ich Ihnen nicht einmal ein Frühstück anbieten kann."
; „Ich bedauere Sie von ganzem Herzen, Mr. Mac Dougal," erwiderte Pulford mit erheuchelter Teilnahme. „Ihr Los ist ein wirklich be- Wgenswertes!"
„Und dennoch nicht so schlimm wie das Ihrige, Sir," sagte Mac Dougal. „Das traurigste ist und bleibt doch, daß das liebe gute Mädchen und die alte Frau verbrannt sind. Ich kann keine Worte finden, um Ihnen mein Bedauern darüber auszusprechen l"
„Ja, meine arme Nichte!" seufzte nun auch Pulford, geschickt schauspielernd. „Ihr wirrer Geist hat endlich feine Ruhe gefunden! Ich fürchte, Mr. Mac Dougal, daß Ihre Güte gegen diese armen Frauen das Unglück über Sie gebracht hat. Das Feuer entstand in beider Kammer. Ich stelle mir vor, daß die alte Frau in einem Anfall von Wahnsinn das Feuer angelegt hat, um sich und meiner Nichte den Tod zu geben."
„Ich bezweifle nicht, daß Sie recht haben," sprach Mr. Mac Dougal.
„Ich habe die Asche genau durchsucht und einige Ueberrefte gefunden, die jedenfalls von den Unglücklichen herrühren," fuhr Pulford, anscheinend tief betrübt, fort. „Ich kann nicht iveiter über die Sache sprechen; es zerschneidet mir die Seele. — War Ihr Haus versichert?"
„Versichert?" wiederholte der Bauer. „Ich verstehe Sie nicht! Es ist ein völliger Verlust, der mich mit dem Herunterbrennen des Hauses trifft. Es wird nicht das geringste für mich aus den Trümmern zu retten fein!"
„Es tut mir leib, das zu hören," entgegnete Pulford. „Aber ich kann nicht zugeben, daß Sie einen so schweren Verlust infolge Ihrer Güte gegen zwei arme unglückliche Geschöpfe, deren Sie sich aus übergutem Herzen annahmen, erleiden follten. Obwohl ich nichts von der alten Frau weiß und durchaus keine Verantwortlichkeit in bezug auf sie habe, möchte ich Ihnen doch die Schwere Ihres Verlustes erleichtern können, soviel es in meinen Kräften siebt. Hier ist eine
Tüchtigkeit. Gegen 3All Uhr war die Parade beendet. Der Kaiser hielt eine kurze Krrtlk ab, setzte sich an die Spitze der Fahnenkompagnie, welche von dem 13. Regiment und von dem 4. Kürassier-Regiment gestellt war, und zog über die Hammerstraße in Münster ein. Die ganze Parade war von herrlichstem Wetter begünstigt. Prächtig nahmen sich die Kürassiere aus.
lieber den Würzburger Katholikentag schreibt die .Deutsche Tageszeitung' (Nr. 405 vom 30. ds.):
„Er trug, wie alljährlich, das Gepräge einmütiger Geschlossenheit und un- gekünstelter Begeisterung. Es wurde töricht sein, die einmütige und _ begeisterte Stimmung zu leugnen oder als künstlich bezeichnen zu wollen. Durch die Karholikentage, sowohl durch ihre äußere glänzende Gestattung als auch durch den Geist, Der sie beseelt, wird für jeden Unbefangenen bewiesen, daß die ka- tholifche Kirche eine Macht über die Massen hat und daß sie von dieser Macht einen maßvoll en Gebrauch macht. Nur der befangene und der übelwollende Gegner wird behaupten können, daß in Würzburg die Gegensätze zwischen den beiden christlichen Hauptbekennt- nissen verschärft worden seien. Alle Reden atmeten ausnahmslos zwar Den Geist hoher Bekenntnisfreude und starken Bekenntnisstolzes, aber auch den Geist entgegenkommenden Friedens. Die Heißsporne, an denen es auch unter den Katholiken nicht fehlt, sind nicht zu Worte gekommen. Wenn am Anfang der Tagung gesagt wurde, daß in Würzburg kein böses oder scharfes Wort gegen die Andersgläubigen fallen werde, so hat man hauptsächlich dementsprechend gehandelt. Wir wenigstens hoben gar kein Wort des scharfen Angriffes oder gar der Gehässigkeit entdecken können."
Zur Rede des Kanonikus Mepenberg schreibt die,Kölnische Zeitung':
„Professor Kanonikus Dr. Meyenberg aus Luzern sprach über Religion und Konfession. Auch diese Rede war ein rednerisches Meisterstück, eine von Begeisterung getragene Apologetik der katholischen Religion als wahre Grundlage des christlichen Glaubens." Die frankfurter Zeitung läßt sich von ihrem L-Korrespnndenten über die Katholikenversammlung folgendes Telegramm senden:
„Der Straßburger Professor Spahn hielt heute bei der Besprechung des Themas „Katholizismus und Hochschale" fine Programmrede für die Inangriffnahme der Agitation zur Verkirchlichung der Hochschulen." Hat der Mann, der diese Weisheit von sich gibt/ bie Rede Spahns wirklich gehört? Offenbar nicht, man müßte denn annehmen, er habe sie nicht verstanden. — Zum Schluffe noch etwas Humoristisches. Die ,Bad. Presse' bringt in ihrem Bericht über Den Katholikentag in Würzburg folgende interessante Stilblüte:
„ES läutet zur Abendmesse, der Redner wird unterbrochen und der Bischof spricht den marianischen Segen."
Der gute Mann hält das Angelusläuten für ein „Läuten zur Abendmesse"!
Großen Eindruck hat die Männerwallfahrt auf das Käppele in Würzburg auch bei Protestanten gemacht. Die extrem- protestantische .Tägliche Rundschau' schilderte die- selbe in folgenden schönen Watten:
Banknote von hundert Pfund. Nehmen Sie sie an im Namen meiner armen Nichte, als einen Zoll ihres Dankes und ihres Mitgefühls!"
Der Bauer wollte sich weigern, aber Pulford redete ihm solange zu, bis er unter Tränen der Wehmut einwilligte intb es annahm.
„Möge Gott es Ihnen vergelten, Sir!" sagte er wirklich bewegt.
„Mein Freund, der Doktor, wird nach Jucle- don zuttickeilen," fuhr Pulford erklärend fori. „Seine Patienten werden ihn schon lange vermissen. Und was mich betrifft, so muß ich schleu- nigst nach London mit der traurigen Nachricht von dem Schicksal, das meine arme Nichte betroffen hat. Wir möchten Ihnen auch in Ihrem Kummer nicht länger lästig fallen. Wenn wir bei einem Ihrer Nachbarn ein Frühstück bekommen könnten, würden wir sogleich unsere Reise antreten."
„Ich will Sie zu Mr. Mac Kap bringen, wo meine Frau und Töchter sind," sagte der Hoch- lautier. „Sie werden Ihnen gern ein Frühstück geben."
Er brachte seine Gäste zu dem genannten Nachbar, wo ihnen ein Frühstück bereitet wurde. Als Mac Dougal von der Gabe Pulsord's erzählte, wurde dieser wie ein fürstlicher Wohltäter betrachtet. Mrs. Mac Dougal und ihre Töchter überhäuften ihn unter Tränen mit Dankes- und Segensausfprüchen. Nach dem Frühstück packte die Hausfrau einen Beutel voll Lebensrnittel für den „Doktor" ein, welcher auf seiner weiten Reise keine menschliche Wohnung antraf, und Pulford kaufte von Mac Dougal ein starkes Pferd für Jarvis, da die Ponies sich als völlig untauglich erwiesen.
Hierauf verabschiedeten Pulford und Jarvrs sich, bestiegen ihre Pferde und ritten zusammen ans dem Hose. Aus der Landstraße trennten sie
„In aller Frühe sammelten sich an bie viertausend Männer zu einer gemeinsamen Wallfahrt zu der Franziskaner-Klosterkirche auf der linksmainischen Berghöhe, im Volksmund baS „Käppele" genannt. Es war eine wuchtige Glaubensbemonstration, und berEin- bruck war nicht der bes künstlich Inszenierten. Hier bekannten öffentlich tau« senbe ernste Männer, baß ihnen bie Religion bas höchste Gut ihres Lebens ist."
Mehr solcher Worte auf protestantischer Seite, unb es wird Liebe unb Friede unter den Konfessionen einziehen!
* Von einer Erweiterung der kolonialen Studienreisen auf Kosten des Reichs ist heute im Organ der Panzerplattenfabrikanten abermals bie Rebe. Jüngst hieß es, baß für Studienreisen der Reichstagsmitglieder ein bestimmter Posten im nächstjährigem Etat erscheinen würde. Dieser Meldung wird jetzt noch hinzugefügt, baß sich bie Absichten ber Regierung ' in biefer Hinsicht noch weiter erstrecken würden. Zunächst will man auf Die Unter» richtsv erwallung einwirken, baß sie mit der Zeit ben Lehrern bie Reisen in bie Schutzgebiete ermögliche. Außerdem foll bie Notwendigkeit erkannt fein, einzelnen Kolonialbeamten bie Mittel zu bewilligen, baß sie fremde Kolonien, namentlich bie den deutschen Besitzungen benachbarten, besuchen und eingehcnd kennen lernen. Wenn bas so weiter geht, so dürfen wir uns auf noch manche Ueberrafchungen bei den Forbe« rungen für unsere Kolonien gefaßt machen.
<*) Wieviel Kosten verursacht dem Deutschen Reiche ber Unterhalt eines Mannes seines HeereS pro Jahr im Durchschnitt? So fragt uns ein Leser und bie Antwort sei ihm hiermit gegeben. Das deutsche Heer zählt im Jahre 1907 folgende Präsenzstärke:' 25,111 Offiziere, 2255 Militär- ärzte, 687 Veterinäre, 2286 Zahlmeister, 1133 Büchsenmacher, Waffenmeister ec., 84,712 Unter» Offiziere und 500,661 Gemeine, also insgesamt 616,848 Köpfe. Für diese aber wurden im Jahre 1907 im Etat bewilligt: 1) Im ordentlichen Etat: Reichsheer 567,560 Mill. Mark, Pensionsfonds 93 Mill. Mk., Reichs-Invaliden- sonds 36,6 Mill. Mk., als fortdauernde Aus- gaben und als einmalige insgesamt 108,9 Mill. Mk. 2) Der außerordentliche Etat beträgt an Ausgaben 51,6 Mill. Mk., sodaß bie Gesamt- Ausgaben betragen 85 7,7 Mill. Mk.; es treffen somit auf einen Kopf im Jahre rund 1400 Mark an Ausgaben. Man ersieht daraus, daß bas Soldatsein ein teures Vergnügen ist, zu- mal hierzu noch treten die Verluste am Volks- vermögen, die dadurch entstehen, daß diese Schar von Männern der produktiven Arbeit entzogen wird. Solche Zahlen legen große Vorsicht auf bei der Vermehrung des Heeres wie der Flotte.
* Zmn Rücktritt des Herrn von Stndt hatten die ,Berl. Neuest. Nachr.' neuerdings die Tatsache hervorgehoben, daß dem Exminister selbst der Rücktritt völlig überraschend gekommen sei. Die .Deutsche Tagesztg.' glaubte diese Behauptung als „Unfug und Unsinn" bezeichnen zu sollen, weil sie selbst diese Nachricht nicht bringen konnte. Darauf bereiten chr die ,Bett. Neuest. Nachr.' einen argen Reinfall. Sie schreiben: „Es entspricht unserer Gepflogenheit nicht, die Ausdrucksweife des agrarischen Blattes mit gleicher Münze heimzuzahlem Nur um seine Unkenntnis der tatsächlichen Verhältniffe zu erweisen, möge ihm gesagt fein, daß die Mitteilung unseres Gewährsmannes, der Wechsel im Kultusministerium fei im Augenblicke feines Eintrittes Herrn v. Studt völlig überraschend gekommen, von niemand anders stammt, als von Herrn von Studt selbst. Sollte er in der Beurteilung seiner eigenen
sich nach nur noch wenigen Worten. Jarvis schlug die Richtung nach Black-Rock ein und Pulford ritt in entgegengesetzter Richtung fort, um Jnvernetz noch vor Anbruch der Nacht zu erreichen.
Er hatte kaum zwei Stunden Weges zurückgelegt, als er auf einmal einen Wagen, welchen zwei fräftige Pferde zogen, sich entgegenkommen sah.
Ganz und gar in seine Gedanken vertieft, wäre er fast geradewegs auf den Wagen zuge- ritten. Ganz zufällig nur blickte er auf und im selben Moment kam ihm der Gedanke an die Gefahr, die ihn damit bedrohen konnte.
Hastig blickte er um sich und ein Gebüsch seitwärts des Weges entdeckend, stieg er hurtig von seinem Pferde und lenkte dieses letztere rasch hinter das Gebüsch, sich unb sein Pferd so sbrg- fältig hinter dasselbe verbergend, daß — wie er mit Sicherheit kalkulieren zu können glaubte - man von der Landstraße ans nichts von ihnen beiden zu sehen vermochte.
Regungslos verharrte er und unbewegt stand auch das Pferd, während das Räberrollen näher unb näher kam unb balb — wie er aus feiner Verborgenheit gar wohl wahrnahm — eine altmodische Reisekalesche bie Landstraße passierte, aus welcher der Kops eines Mannes sich herausbeugte und mit scharfem Blick in das Gebüsch hineinstarrte.
Pulford trat ber Angstschweiß vor die Stirn, indes ihm ber Herzschlag stockte.
Hatte jener ihn gesehen? War er entdeckt worden? Die nächste Minute — brachte sie sein Verderben?
Denn der, dem er sich da fast von Angesicht zu Angesicht gegenübersah, war ja kein anderer als der wirklich zu Alice's Rettung herbeiettende Freund aus London: — Grafton — Maldred Grafton! (Fortsetzung folgt.)