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34. JahraMg.

Fulda, Freitag den 30. August 1907.

M 198.

Würzburg und der Bischof von Eichstätt, sowie der apostolische Bikar Geyer und mehrere Benediktine r-Aebte.

Großen Beifall ruft das Eintreffen eines AntworttelegramS aus Amerika her­vor, welches folgenden Wortlaut hat: „Der 54. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands in Würzburg entbieten wir herzlichen Dank und Gegengruß im Namen der deutsch-amerika­nischen Katholiken. Dem Vertreter der Katho­liken Deutschlands und Mitglied der Zentrum-» fraktion des Reichstags, Herrn Dr. Bitter, sichern wir herzlichstes Willkommen unter den deutsch, amerikanischen Glaubensgenoffen. Nikolaus Gönner, Festpräsident."

Hierauf erteilte der Präsident das Wort dem ersten Redner des Tages Professor Meyers- Luxemburg über das Thema:

Literatur und Kunst im Lichte der katholischen Weltanschauung.

Dichtung und Kunst sind zwei verschiedene Offenbarungen einer und derselben ewigen Schönheit. Zwei Schwestern, von denen Johan­nes Diel so schön gesagt hat, daß sie sich deshalb so gern zu einander gesellen,weil sie aus dersel­ben Heimat kommen und im Lande der Verban­nung sich gegenseitig trösten und ermutigen. (Bei­fall.) Gestatten Sie mir darum, zu zeigen, wie die katholische Welt- und Lebensauffassung, wenn nicht die einzig richtige und wahre, so doch sicher ' eine der machtvollsten und höchsten Einflüsse auf künstlerisches und dichterisches Schaffen ist. Denn im Lichte der katholischen Weltanschauung finden Kunst und Literatur das höchste Ziel, die glor­reichste Geschichte, das hochsinnigste Programm. (Beifall.) In der katholischen Weltan­schauung finden Kunst und Dichtung das höchste Ziel und vollkommenste Ideal. Stamminger hat eines Tages im Ki- lianeum den Satz geschrieben: „Die Kunst em­pfängt ihre Nahrung von der Religion, ihre Wiege stand immer im Schatten der Altäre, sie ist nicht die Dienerin, sondern mehr, sie ist die Tochter jener. Als solche lebt sie das Leben ihrer Mutter mit und stirbt auch ihrer Mutter Tod. Es wird daher auch nur ein vergebliches Be­mühen sein, die Kunst einer Zeit wieder zu er­wecken, wenn sich deren Glauben nicht beleben läßt. Was gerettet werden kann, ist die Technik, nicht der Gehalt." Dieses Wort bedarf keiner Begründung. Nicht als Künstler schlechthin find Homer und Dante, Michel-Angelo und Shake­speare so bedeutend, sondern als Künstler von hochgespannter religiös-philosophischer Grund- ftimmung. Erst aus ihrer Weltanschauung floß ihre Kunstanschauung. (Lebh. Beifall.)

Größe und Harmonie, Weltblick im höchsten Sinne des Wortes und ein nie ruhendes Streben gibt der Gottesgedanke der Kunst. (Beifall.) Sie gibt die Sehnsucht nach einer Vollkommen- heit, die unsere Werke nicht erreichen können. Je größer das Genie, umso schmerzlicher empfin­det es die Unzulänglichkeit seiner Werke. Virgil warf seine Aeneide ins Feirer, nachdem er sie be- endigt hatte; Augustinus ist unzufrieden mit allen seinen Reden, Leonardo da Vinci kann sich nicht entschließen, sein Abendmahl zu vollenden, weil er das Antlitz des Welterlösers nicht so dar- zustellen vermag, wie er es im Geiste fielst, Mil­ton zieht feinem verlorenen Paradies ein ob­skures Gedicht feiner Zeit vor, und Fenelon be­ginnt immer wieder von neuem seine Teleinague. Das Genie ist eben niemals der Wahrheit so nahe, als wenn es fie anklagt, dieselbe nicht er­reicht zu haben. Wir besitzen einige Macht, einige Wissenschaft, einige Güte, in Gott sind sie alle; die Künste find unvollkommene Musterbilder der­selben; alle Schönheit ist nur ein Erguß seines Reichtums." Und Plate sagte: „Gott ist die un- erschaffene Schönheit, unabhängig von der Zeit und dem Urteil der Menschen, frei von aller sinn­lichen und körperlichen Zutat, rein, einfach, ohne Mischung und ohne Schatten, mit einem Worte — vollkommen." Am großartigsten aber erhält der Gottesgedanke seine Verwirklichung und fei­nen Einbau in das Kulturleben der aufivarts wandernden Menschheit in der katholischen Welt­anschauung.

Die katholische Weltanschairung hat der Kunst und Literatur eine glorreiche Geschichte gegeben. Wenn nicht der Haß blind macht, so würde niemand es wagen, der Kirche den Vorwurf zu machen, fie habe sich als Feindin der Kunst erwiesen. Oft und schön haben im Laufe der Jahrhunderte die Unsrigen geredet von den Aufgaben und der Ge­schichte der Kunst. Sie haben es getan in der Genialität des Augustinus, in dem goldenen Redestrom des C h r i s o st o m u s, in der Milde des Ambrosius, in der Poesie des Gregor von N a z i a n z, mit dem Adlerflug Bossuets, im Feuereifer Lacordaires, im flammenden Prophetenworts des großen G ö r r e s, mit der sicheren Wissenschaft feinsinniger Kulturhistoriker. Aber wenn sie auch alle geschwiegen hätten, so würden die Steine reden. Es gibt keinen Stein am zweitaufendjährigen Bau der Kirche, der nicht mit der Unwandelbarkeit ihrer Lehre auch den Glanz und die Schönheit ihrer Kirnst von sich strahlte. Nachdem der Redner in schwungvollen Worten die Pflege der Kunst durch die Kirche im Mittelalter geschildert, fuhr er fort:

Me katholische Weltanschauung gibt endlich der Literatur und Kunst das hochsinnig st e Programm. Auf dem Programm der Kirche wird immer das Wort stehen: „Liebt die Lite­ratur und die Kunst in den klassischen Werken der Vergangenheit, wie in allem wertvollen Neuen. Pflegt sie, damit in den geistigen Strö­mungen der Gegenwart der Katholizisnms nicht ausgeschaltet, sondern, so Gott will, recht einge­bürgert werde." Me zweite Parole der gläubi­gen Weltanschauung lautet: Entfaltung

in den ersten Jahrhunderten, als unter der Leitung des armen ungebildeten Fischers Petrus und seiner ersten Nachfolger aus dem Bischofsstuhl zn Rom, ans dem unsichtbaren Schutze der finsteren Kata­komben heraus dieses Kind des Lichtes zuerst seine mächtigen Schwingen auszubreiten begann, wie unter dem Wüten der greulichsten Christenverfolgungen die Kirche sich mehr und mehr ausbreitete, bis schon nach einigen Jahrhunderten Kaiser Konstantin die christliche Religion als Staatsreligion im großen Römerreiche anerkennen mußte. Arme, verachtete, grausam verfolgte Männer find jene heiligen Päpste gewesen, die unter dem Schwerte des Henkers, auS der Arena, vom Kreuze herab krast ihrer göttlichen Autorüät ihre Herde stärkten, begeisterten und zum Siege führten. In den Zeiten der Völkerwande­rung ficht das Papsttum wie ein Lenchtturm da in der wogenden See. Leo der Große weist allein durch das Diadem seiner göttlichen Mission den un­bezwungenen Attila von den Toren Roms, und Gregor der Große leitet mitten in Sturm und Drang feiner Zeit das Schifflein Petri mit starker Hand. Pipinder Kleine empfängt Papst Stephan.HI. wie einen mächtigen Herrscher, obwohl er seinen Schutz sucht, und von der Notwendigkeit durch­drungen, die autorttative Stellung des Kirchen­hauptes auch durch Schaffung äußerer Unabhäugig- kett zu sichern, schenkte er dem Papste jene Gebiete, welche den Grundstock des Kirchenstaates bilden sollten. Die glorreiche Weihnacht vom Jahre 800 kann wohl als der Höhepunkt jener bedeutsamen Episode in der Geschichte des Papsttums betrachtet werden, welche durch die Idee, der sich gegenseitig stützenden päpstlichen und kaiserlichen Macht, die Idee der zwei Schwerter charakterisiert wird. Die Papstgeschichte des Zeitalters der Renaissance zeigt in Licht und Schatten ein treues Spiegelbild der Zeit. Ter Umschwung der Weltanschauung und Gesittung, welchen die Rückkehr zur oft ein« festig verstandenen Antike in Wiffenschaft, Literatur und Kunst im Augenblick heftiger Gärungen und politischer Verfahren m Innern der Staaten ver­ursachte, konnte die Menschen auf dem Stuhl Petri nicht unberührt lassen. Aber dieser in persönlichen Verhättniffen liegende Niedergang bedeutet die g l o r r e i ch st e Apologie des Papsttums als göttliche Jnststution (Lauter Beifall). Denn war es denkbar, daß solche Verhältnisse nicht den Be­stand der Kirche vernichten und nicht die oberste Leitung der Kirche Hinwegfegen sollten? Es war nicht menschenmöglich. — aber es war gottes­möglich. (Bravo!)

Um so prächtiger dokumentiert sich das Ansehen des Papsttums in der neueren Zeit. Noch die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts brachte den Be­ginn eines Aufschwunges des Papsttums und der gesausten Kirche, wie er spontaner und vollkommener nicht gedacht werden kann. Paul HL, von eiserner Strenge gegen sich selbst, greift mit starker Hand in das Wespennest der Mißbräuche. Julius III., der heilige Pius V., Gregor XIII., Sixtus V. vollen­den das Werk wahrer Reform an Hallpt und Gliedern mit solchem Erfolg, daß der Heftige Stuhl und der päpstliche Hof wieder zum Vorbild der Chriftenheft werden. Auf dem ewig denkwürdigen Konzil von Trient hat der Papst den Wankel­mut feiner ängstlichen Berater, den Widerstand der um ihren mißbräuchlichen Einfluß besorgten Fürsten besiegt, hat er den Irrglauben besiegt und ihm die Einfallspsorte in die Feste der Kirche für immer vermauert. Damit hat die Geistesalstorität des Papsttums einen ihrer größten Triumphe gefeiert Es war hohe Zeit; denn von außen her stürmten und wühlten jetzt die Feinde. Den Erschütterungen, welchen die kirchlichen Organisationen durch die verheerenden Kriege des 17. Jahrhunderts ausge­setzt wurden, folgte religiöse Lauheit. Das Be­streben nach nationaler Kirchenbildung ging Hand in Hand mst der Usurpierung geistlicher Gerechtsame durch die irdischen Fürsten, die sich als Stellvertreter Chrifii wähnten.

Die Emheit eines sozialen, gesellschaftlichen Ver­bandes, die eine jahrhundertweite und weltweite ist, setzt voraus eine Autorftät, die sich durch alle Jahr- hundeite behauptet, die ökumenisch, deren Macht­gebiet sonach wettweit ist, eine Autorität, die in ihrem Geltungsreich souverän ist, die religiös ist in dem Ursprung und Rechtstitel wie in dem Umfang ihrer Machtbefugnisse und in dem Be­weggrund, der ihr Gehorsam zufichert. Wie die Einhett des katholischen Weltreiches in Vergangen- heft und Gegenwart ein Schauspiel ist ohne gleichen in aller Geschichte, ebenso ist auch das Prinzip, der ttagende Grund solcher Einhett ein welthistorisch einziges. (Bravo!) Von Petrus dem Fischer dis Pins X., dem Bauernsohn, dessen mildern ernsten Wort die Erde lauscht, ist das Papsttum eine säku­lare Autorität, eine ökumenische, eine soziale — die religiöse Autorität. (Beifall.)

Das Papsttum ist auch der Hort der Kultur (Beifall), und wie jede wesenttiche Lebensänßerung des Papfümns nur aus seinem gottgewollten Ursprung verstanden werden kann, so auch seine Welt und Geist umspannende Knlturarbett.

Hätten nicht die Päpste alle, die Deutsch- lands Kultur begründet und geschützt, in unseren deutschen Herzen em Monument dauernder als Erz — das prächtigste Denkmal müßte in Deutschland jenem h. Papste Gregor gesetzt werden, der uns Bonffattns gegeben hat. (Beifall u. Bravo!)

Zu jeder Zett haben Wiffenschaft und Kunst im Papsttum eine mächtige Förderung ge­funden. Dir ideale Einhett der christlichen Kultur- auffaffung, welche die volle Harmonie zwischen reli­giöser und profaner Kullnr ansftebt, brachte es mit sich, daß die Päpste sich nicht mit der Erfüllung ihres religiösen Auftrages begnügten, sondern sich zugleich die Bildung des menschlichen Geistes in allen Zweigen und Graden profanen Wiffens zur Ausgabe fieltten. Wo immer in der Well das Kreuz errichtet war und kirchliche Organisationen geschaffen wurden, da folgte fast unmittelbar die Gründung von Klosterschulen und Domschulen. Bis in die neuere Zeit hinein war so die Kirche im wesentlichen

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54. @eneroloerfamtnlung der Katholiken

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«PC. Würzburg, 29. Ang. 1907.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Fünfter Tag.

Die vierte und letzte geschloffene Versammlung sand am Donnerstag vormittag 8 Uhr im Schrannensaal statt. Sie war wiederum außer­ordentlich gut besucht.

Der zweite Vizepräsident, Reichstagsabgeord- Jteter Engelen, eröffnet die Versammlung mit hem katholischen Gruße.

Die Beratung der Anträge aus dem Aus­schuß für soziale Fragen wird fortgesetzt. Zur Beratung steht zunächst ein Antrag betreffend die Gründung kath. Dienstbotenvereine. Der Antrag weist die Katholiken Deutschlands aus die Notwendigkeit von Standesorganisationen für Dienstboten hin und fordert daher auf, allerorts Hienstbotenvereine zu gründen und für diese Vereine eventuell größere Verbände zu gründen. Als Aufgabe wird diesen Vereinen vor allem zu- gewiesen die religiös-sittliche Hebung des Stan- es, die Ausbildung und Erziehung für den künftigen Beruf als Gattin und Hausfrau, die Beseitigung wirtschaftlicher Mißstände, insbe- ’onbere veralteter Bestimmungen der Gesinde- prdnung; die Ausdehnung der Krankenversiche­rung auf die Dienstboten; die Uebernahme der Stellenvermittlung. In der Diskussion betonte Dr. Heim (Regensburg) die Notwendigkeit, daß sich auch die ländlichen Arbeiter und Dieifftboien organisierten. Arbeitersekretär Giesberts gibt feiner außerordentlichen Freude darüber Aus­druck, daß gerade ein Vertreter der Landwirt­schaft in solcher Weise für die Organisationen der Dienstboten und Landarbeiter gesprochen habe. Daß durch die Organisation eine größere Stabilität in der Landarbeiterschaft eintreten würde, sehe man leider vielfach noch nicht ein. Der Streik der Landarbeiter fei eine ganz unter­geordnete Sache.

Er scheue sich nicht, den Str ei kderLand» a r b e 11 e r, der die Folge haben würde, daß die Frucht der Arbeit eines ganzen Arbeitsjahres vernichtet mürbe, wenn er nicht aus ganz drin­genden Gründen unternommen werde, zu verur­teilen. In Preußen sei aber zunächst eine Re- bision der Dienstbotenordnung nötig, denn sie halte noch an dem Paragraphen fest, der be­stimme, sobald er sich organisiere, um die Ar­beit niederzulegen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft würde. Der Antrag bett, kathol. Dienstbotenvereine wird einstimmig angenom­men.

Ein Antrag, der die Mitarbeit btt gebildeten Kreise auf sozialem und charitativem Gebiet für eine unabweisbare Notwendigkeit erklärt und auf die Einrichtung sozialer Studienzirkel in der Studentenschaft hinzuwirken empfiehlt, wird nach Begründung durch Generaldirektor Dr. Pieper einstimmig angenommen.

Ein weiterer Antrag lenkt die Ausmerksam- keit der deutschen Katholiken auf die Notwendig­keit einer besseren hauswirtschaftlichen Ausbildung der Heranwachsenden weiblichen Jugend, desgleichen ein Antrag bett, soziale Schulung intelligenter Söhne des Bauernstandes. Letzteren Antrag begründet Dr. Heim mit dem Hinweis, daß in Regensburg in nächster Zeit bereits eine Schule zu diesem Zweck errichtet werde; für dieselbe läge bereits eine außerordent­lich hohe Anzahl von Anmeldungen vor. Er hofft, daß in nächster Zeit auch eine solche Schule für Franken, speziell in Würzburg, errichtet ‘«erbe.

Ein weiterer Antrag beschäftigt sich mit dem kaufmännischen Mittelstände und be­zeichnet einen umfassenden gesetzlichen Schutz die­ser Bevölkerungsschicht für notwendig. Ebenso werden die Bestrebungen der Privatange- stellten, ihre wirtschaftliche Lage durch Staats- und Selbsthilfe zu heben, für begründet erachtet. Der Antrag wird von Dr. Pieper und Verleger 'Held (Regensburg) begründet. Letzterer weist besonders darauf hin, daß Bayern inbezug auf die katholischen kaufmännischen Vereinigungen noch stark im Rückstände fei.

Ein weiterer Antrag betont die Notwendig­keit des Zufammenfchlnfses der kath. Frauen und Jungfrauen zu einem gro- feen Bunde. Begründet wird dieser Anttag von Frau Emmy Gordon. Sie empfiehlt besonders dem Klerus das eingehende Studium der Frcmen- frage. Man möge auch darauf hinwirken, daß bereits bestehende,.Frauenvereine fich dem katho­lischen Frauenbund anschließen.

Zur Förderung des Handwerks hält ein Antrag im Jntereffe einer gesunden volks­wirtschaftlichen Entwickelung es für notwendig, daß alle geeigneten Mittel angewandt würden, um den um seine Existenz ringenden Kleinge- lverbestand zu stärken und zu heben. Der An- trag wird nach kurzer Diskussion angenommen. , , ftflm Schlüsse wird noch die Konstituierung des Zentralkomitees vorgenommen. Die fahungs- ge i ii aß au ssch e tben den Mitglieder werden wieder - gewählt. An Stelle des ^Prinzen Arenberg und des ^ustizrat Eustodis-Köln werden Dr. Fehren- bach und Jifftizrat Dr. Thaler zugewählt. Dar- auf schließt die Versammlung.

Die vierte uud letzte öffentliche Bersamnttung Wurde unter starker Frequenz eröffnet An den Verhandlungen nehmen teil der Bifchof von

des ganzen Reichtums der Kunst, scharfe Scheidung zwischen dem Echten und Un­echten, vernünftige Kritik und Selbstzucht, freu­dige Entfaltung der künstlerischen Ideale, insö- fern fie mit den Grundsätzen SeS Christentuns übereinstimmen. Großmütiges Mäzenatentum aller berufenen .Kreise gegenüber den Bemühnn- gen junger Dichter und Künstler. Vergeffen wir nicht, was wir im besonderen der katholischen Literatur schulden. Jeder soll in seiner Eigenart die Dinge und Menschen beurteilen dürfen, aber über alles Persönliche und Individuelle hinweg reichen wir uns die Hand im Dienste der gemein­samen Gottes- und Weltanschauung in der Liebe zur heiligen Kirche. (Lebhafter Beifall.) Diel Großartiges haben wir geschaffen. Ich darf nur erinnern an die meisterhaften Werke der Ge- schichte und Biographie, von denen uns gerade die letzten Zeiten eine so reiche Fülle gebracht ha­ben. Ich will speziell erinnern an die herr­liche Windthorst-Biographie von Dr. Hüsgen Düsseldorf. Ich erinnere an die Arbeiten der P r e f f e, die so viel bewerkstel­ligt haben im Dienste guter Literatur und Kunst. Ehrenvoll fei diese Tätigkeit erwähnt. Ich ver­weise weiter auf das Herdersche Konvex- fationslexikon, das als ein Monument gläubiger Wiffenschaft eine epochemachende Be­deutung erlangt hat, würdig in jeder Beziehung aller ähnlichen zeitgenössischen Unternehmun­gen. Nein, die Anteilnahme der Katholiken an Kunst und Literatur ist nicht zu leugnen. (Leb­hafter Beifall.)

Heilighalt ung der Kunst itnb Schutz derselben vor dem Siechtum der Unwahrheit und Unsittlichkeit- ist der dritte Punkt des Programms. Wir stehen nicht mehr allein in diesem Kampfe, nachdem her- vorragende Staatsmänner und Schriftsteller aus allen Lagern, nachdem Aesthetiker und Kunst- Historiker wie Professor Henry T h o d e, Künstler wie Hans T h o m a u. a. sich in das Vordertref­fen gestellt haben. Es war eine der heillosesten Verirrungen unserer Zeit, daß die Kunst ge­glaubt hat, die Wahrheit bestehe in der Schilde­rung aller Krankheiten und Abnormitäten der menschlichen Seele. Gegen solche Unwahrheit und Verirrung haben wir namentlich das Heilig­tum der Familie und das Herz unserer Jugend zu schützen. (Lebhafter Beifall.) Aus unserer Schule soll die Jugend die Gabe mitbringen, schon früh Echtes vom Unechten, Gold bom Flit­terwerk, zu unterscheiden. Aber auch einen ge­sunden Widerwillen soll sie mitbringen ins Leben gegen alle literarische Gaukelei und Verwirrung, gegen alle seelische Verkümmerung und Verkrüp­pelung, die im Namen der Kunst und Poesie geht. Den schonen Schein des Lebens, seinen farbigen Abglanz, soll uns die Dichtung bieten und auch, wo sie, der nichts Menschliches fremd bleiben darf, bis in die dunkelsten Tiefen des Erdenlebeus hinabsteigt, da soll fie immer noch Kunst bleiben, nicht peinlich treue Wiedergabe dessen fein, was wir ohne Kunstverklärung im Lebensalltag um uns sehen. Nur so wird uns als die Blüte des Volkstums eine gebildete Jugend heranwachsen, die mutig und einsichtsvoll die Hand ans Steuer legt, dem Vaterlande und der Menschheit dienend in Ideal und Leben, in Sturm und Sonnen­schein. (Erneuter lebhafter Beifall.)

Und der letzte Punkt unseres Programms heißt: Fortschritt und Freiheit auf dem Gebie­te der Literatur und Kunst. Gemäß dein Worte August Reichenspergers soll Neuheit und An­passung an die zeitgemäßen Bedürfnisse, an die Probleme der Wissenschaft, der sozialen Frage, der Arbeit und Armut, auch unser Losungswort sein. (Lebhatser, langanhaltender Beifall.)

Die Rede machte einen tiefen Eindruck auf die Versammlung; der stürmffche Beifall wollte nicht enden. Die Bischöfe drücken dem Redner, als er die Reduettribüne verläßt, herzlich die Hand.

Bon stürmischem Beifall begrüßt ergreift nun­mehr das Wort Erbprinz Löwenstein. Sein Thema lautet:

Das Papsttum.

Bevor unser Heiland in der Himmelfahrt der ttauernden Erde seine körperliche Gegenwart in menschlicher Natur entzog, da schuf er der Mensch­heit zum Tröste und zur Vollendung seiner gött­lichen Mission seine Kirche gleichsam als seinen mystischen Leib; er gab diesem ein sichtbares Haupt in Petrus und seinen Nachfolgern im Primate. So wurde die Jnstittttion des Papsttums der natürliche Träger des Autoritätsgedankens. Das Papsttum mußte zum Hort des Autoritätsgedankens werden, weil es der Hort der Wahrhett wurde, denn Christus wollte durch fein göttliches Wort die Bande des Irrtums und der Unwissenheit zerreißen; er hat uns die Wahrheit gebracht. Nun wäre dieser Hauptinhalt seines heiligsten Lebens auf Erden verloren gewesen, hätte er nicht ein Forum unter uns Menschen geschaffen, welches er befähigte, die Wahrhett unverfälscht, mtthenttsch den tommenben Geschlechtern zu übermitteln. Er hat das Licht in die Finsternis der Welt gebracht, und diesem Lichte hat er einen treuen Wächter gesetzt, das Papfttum. Darum mußte der jeweilige Inhaber desselben in der Wiedergabe und Auslegung der Wotte-unseres Heilandes unfehlbar fein, weil es nur eine Wahr­heit künden bitrfte. Christus, die Sonne der Wahr­heit, spiegett sich in seinem irdischen Stellvertreter wie in dem erhabenen Monde, der die Wahrheits­strahlen auffängt und sie gemildert, aber klar in die Nacht unserer Niederungen hinableuchten läßt. Christus gab der Kirche nicht nur die Krone der Wahrheit, sondern auch das Schwert der geistigen Macht, das andere Jnfignium könig­licher Autorität. Es ist weltgeschichtlicher Vor­wurf, wie die auf Wahrhett «nd .Macht fußende Autorität d«S Papsttums in die äußere Er­scheinung getreten ist. Denken Eie an das wunderbar geheimnisvolle Wirken der Kirche