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Zuldaer WZeitung

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Sotationedruck n Verlag der Fuldaer Ae tiendr rckerri in Fulda. Fernsprecher Ur. 9.

34. Jahrgang.

Fulda, Mittwoch den 28. August 1907. .

M 196.

Krstes Maik.

54. Üentralotrioiiiinhiiig der MHMe« IeuWM j« Würrbmg.

CPO. Würzburg, 26. Aug. 1907.

(Nachdruck nicht gestattet.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

DaS Wort erhält nunmehr als letzter Redner der Abt Norbert St. Ottilien, den die Versamm­lung stürmisch begrüßt. Sein Thema lautet:

Katholizismus und Missionen.

„Wir müssen ein echt katholisches Herz haben, nicht engherzig sein, sondern in opferfreudiger Liebe den armen Heiden in fernen Landen zu Hilfe kommen." Dieses apostolische Wort richtete vor wenigen Wochen der Hochwürdigste Herr Bi­schof von Würzburg, Ferdinand v. Schlör, an die Alumnen eines Missionsseminars. Die gleiche Sprache wie ihr Bischof redet die Bischofsstadt und die ganze Diözese. Hier in Würzburg stehen wir ja so recht mitten im weiten Arbeitsfeld des großen Apostels Deutschlands, des hl. Bonifatius, dessen rastloses, opfervolles Mühen unseren Ahnen den wahren Glauben, unserem Vaterlande christliche Kultur und Zivilisation gebracht hat. Im weiten Kordon hatte Bynifatius um Würz­burg herum die ersten 6 Klöster errichtet. Das waren die Stätten, in denen das Glaubenslicht und das Liebesfeuer gehütet werden sollte. Von da aus sollte sich Heil und Segen über ganz Deutschland ergießen. Würzburg selbst erhielt vom hl. Bonifatius den ersten Bischof in der Per­son seines treuen Gefährten, des hl. Burchard.

Schon so viele Jahrhunderte besitzt Deutsch­land das kostbare Gut des hl. Glaubens. Warum haben wir so lange gezögert, von den Gütern, die uns zuteil geworden sind, auszuteilen an die Ar­men, an die Aermsten, an die Heiden? Spät ist das katholische Deutschland eingetreten in die Kampfesreihen für Christus und die Ausbrei­tung seines Gottesreiches auf Erden. Aber: Last not least, sind wir wirklich die letzten, so wollen wir nicht die schlechtesten sein. Wir kom­men mit deutscher Kraft, mit deutschem Mut, mit deutscher Treue. (Lebhafter Beifall.)

Doch lassen wir nicht allein das Herz seine Forderungen stellen, das uns gebietet, aus dem Ueberflusse der Gnaden den Unglücklichen zu ge­ben! Die gläubige Erkenntnis ersaßt das Wort der ewigen Wahrheit, das unseren Ahnen und unserem Heimatland zum Heile geworden: „Gott will, daß alle Menschen selig werden und zur Er­kenntnis der Wahrheit gelangen." Den tiefen Ernst dieser Worte hat der Gottessohn durch sei­nen Tod bestätigt. Sollte der Kreuzestod Jesu Christi nicht wenigstens eine Ahnung geben da­von, wieviel Gott an der Rettung der Menschen gelegen ist? Oder sollten etwa die Jahrhunderte, die hinter uns liegen, die Erkenntnis trüben, sollte unser Ohr taub geworden sein gegen den Nachklang jener Aufforderung des Weltheilan- des: „Gehet hin in alle Welt und lehret sie alles halten, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes." Wir sehen auf diesen Auftrag hin die Apostel ausziehen, um die Länder der alten Welt für Christus zu erb* bern. Der Völkerapostel hat uns das gemeinsame Programm mitgeteilt: „Allen alles werden, um alle für Christus zu gewinnen." Das gleiche Streben zieht einen hl. Kilian in die Würzburger Gaue, macht einen hl. Bonifatius zum Apostel Deutschlands. Ein hl. Franz Xaver sucht Indien und Japan auf, und Tausende pnd aber Tau­sende von apostolischen Männern und Frauen werden von erbarmendem Mitleid erfaßt. War-

Die Perle SchimMes.

Roman von Gd. Wagner.

60) (Nachdruck verboten.)

Wieder trat eine bedeutungsvolle Paufe ein.

„Nun denn", preßte Lady Trevor aus tiefster Brust hervor, „ich leugne es nicht, noch bekenne ich, daß ich die Frau bin, welche Sie als Mrs. Nelson kannten. Aber selbst, wenn ich es bin, so können Sie. doch keine Anfprüche an mich er­heben, da das Kind tot ist."

„Wann und wo starb das Kind?" forschte Mrs. Peters. „In Paris vielleicht?"

Lady Trevor antwortete nicht.

,Hch habe gehört," fuhr die Peters fort, „wie Sie zu Ihrem großen Vermögen gekommen sind: — durch den Tod Ihrer kleinen Stiefschwester, der Lady Adeline Ravendale. Ich kann nichts beweisen, aber ich vermute einen großartigen Be­trug!"

„Verwegene!" wollte Edith auffahren.

„Ich vermute," fuhr Mrs. Peters jedoch völlig ruhig fort, „daß Sie mein armes krankes Kind nahmen, um es für die kleine Adeline auszuge- ben. Ich vermute, daß das Kind, welches in Pa- ns starb, nach England gebracht und in der Fa- Mlliengrust zu St. Leonards begraben wurde, Aieme kleine Fanny war. Die wirkliche Lady Adeline war vielleicht schon vorher beseitigt wor- ’enk «... vielleicht aber lebt sie heute noch!"

?rebor hatte die Sprecherin sprachlos .oor Schrecken angehört.

„Wie können Sie es wagen, so zu mir zu spre­chen? entbebte es ihr jetzt.

„Ich vermute das alles nur," wiederholte die Peters, „beweisen kann ich es nicht!"

„So sollten Sie auch Ihre Zunge hüten!" rief Kady Trevor drohenden Tones. „Zu Ihrem

um? Sie alle schätzen die Kostbarkeit der Men­schenseele nach dem Kaufpreis, den ein ewiger und unendlicher Gott dafür gegeben hat. Vor Gott hat jede Seele den gleichen Wert; sie ist gewertet durch das Erlöserblut Jesu Christi.

Doch ich muß die Gedankenfolye abbrechen. „Gehe hin und tue desglerchen," das war die Folgerung, welche der göttliche Meister aus der Parabel vom barmherzigen Sa­nta ritan gezogen. Gehe hin und tue desglei­chen, das muß die Folgerung sein für uns Ka- tholiken, wenn wir des Heilandes Liebesleiden "erfassen, wenn wir die Kostbarkeit der Menschen- seelen überdenken, die wir durch unser Interesse, durch unser Mitwirken mit der Missionstätigkeit retten können. Gott verlangt unsere Mitwirkirng zur Rettung der Heiden. Er hat uns das Gebot der Liebe gegeben, und dieses Gebot gestattet keine Ausnahmen.

Aber: Sie stehen uns so ferne, und wir haben so vielen Bedürfnissen in unserer nächsten Umgebung abzu­helfen. OI Das ist nicht die Sprache der kSiebe, nicht die Sprache eines weiten, katholischen Herzens. Lesen Sie einmal aufmerksam die Pa- ra6el vom barmherzigen Samaritan nach! Die Heidenvölker sind so recht jenem Unglücklichen gleich; furchtbar zugerichtet liegen sie in der Fin­sternis des Unglaubens, aller Gnadenhülfe be­raubt, geschlagen von der Fußsohle bis zum Scheitel von geistigem und leiblichem Siechtum. Wer will an diesen Unglücklichen ohne Erbarmen vorübergehen? Wer wollte sich noch katholisch nennen, wenn er ohne Trauer und ohne Teil­nahme zusehen könnte, wie Millionen und Aber- millionen für ewig zugrunde gehen.

Wollte ich all das Elend schildern, welches über dem Heidentum mit seiner Sittenlosigkeit ausgebreitet ist, ich würde an kein Ende kommen. Hungersnot, rasches Siechtum, Hülflosigkeit in Krankheiten und jeder Notlage, ausgesetzt den Unbilden der Witterung, schutzlos preisgegeben den wilden Tieren, das ist ihr Erbenlos. Ist dies der Herr der Schöpfung, von dem der Psalmist singt: Nur um ein weniges hast du ihn unter die Engel gestellt?

Beklagenswert liegen unter dem Fluch der Sünde die sozialen Verhältnisse darnieder. Die Familienbande sind gelockert durch Ausschweif­ung und Vielweiberei. Das Weib selbst ein Ge­genstand trostlosen Elends, das es freilich in fei­nem Stumpfsinn nicht einmal fühlt. Man braucht durchaus nicht sentimental zu fein, um von Weh­mut und Mitleid erfaßt zu werden, wenn der heidnische Neger seine Mädchen wider deren Wil, len zur Ehe verkauft, und wenn das Weib weiter nichts ist als die hart gehaltene Sklavin des Mannes. Das Weib hat die schweren Arbeiten auf dem Felde zu verrichten, der Mann ver­träumt und vertrödelt und vertrinkt feine Zeit und feine Kraft.

Der Flug der Gedanken hat uns fort- getragen, weit hinaus über die Grenzen unseres Vaterlandes. Aber wenn dabei unsere Herzen weit werden für die ganze Welt und tatkräftiges Mitleid fühlen mit den Negern und Indern, mit den Japanern und den Bewoh. nerit Neuseelands, so hängen unsere Herzen nichtsdestoweniger an der teueren Heimat, die wir mit Liebe umfassen. Wie der Missionar in fernen Landen in Liebe an der Hei­mat hängt, fo beweisen die Förderer des Mis­sionswerkes, daß wir Katholiken Deutschlands nicht vaterlandslos sind. (Bravo.) Freilich macht das katholische Glaubensbewußtsein ,die katholische Liebe, die sich in der Mission betätigt, nicht Halt an den Grenzpfählen des Deutschen Reiches. (Großer Beifall.) Wir sind eben keine Deutsch-Katholiken; aber wir sind ka­tholische Deutsche (Reicher Beifall) und wollen uns darum an wahrer Vaterland s- liebe von niemand übertreffen las-

Glück sind wir allein! Wenn Sie solche Beschul­digungen gegen mich int Beisein anderer laut werden ließen, würde ich Sie ins Gefängnis sper­ren lassen. Sie wissen, was Rang, Reichtum und Einfluß vermögen!"

„Nichts," antwortete Mrs. Peters kühl, „wenn ich beweisen kann, was ich vermute! Ich brauche alsdann mit meiner Erzählung nur zu Lord St. Leonards zu gehen und Sie werden es erleben, was dann geschieht. Denn ich bin eine ehrliche Frau, wenn ich auch arm bin, und würde an einem Betrug niemals teilnehmen, Lady Trevor. Aber ich bin mir meiner Sache nicht sicher. Wenn Lord Leonards mich nach Beweisen fragte, könnte ich ihm keine bringen. Und so, Mylady, kann ich ihm auch nichts erzählen, was ich nicht beweisen kann, und bin gegen meinen Willen zum Schwei­gen gezwungen."

„Und auch das ist ein Glück für Sie," .fiel Edith ein, „denn Sie haben mir bitter unrecht getan mit Ihrem schmählichen Verdacht, Mrs. Peters. Was Sie sich da zurechtdachten, wider­spricht allen Tatsachen. Beide Kinder waren Spielgefährtinnen, beide Kinder starben in Pa­ris, wo Ihre Fanny auf dem Montmatre begraben liegt, während meine Stieftchwester in der Gruft der Ravendales beigefetzt ward. Aber ich verstehe Ihr ganzes Auftreten vollkommen. Sie sind arm und kamen zu mir, um mittels Ihrer Kenntnis jener Episode aus der Vergangenheit Geld von mir zu erlangen. Nun denn, kurz gesagt: Wie­viel beanspruchen Sie für Ihr vollständiges Schweigen? Wäre Ihnen nicht mit einer Rente, sagen wir: hundert Pfund jährlich, am besten gedient?"

Die Augen der Peters funkelten habgierig.

„Ja", sagte sie, „für diese Summe will ich zu schweigen versprechen."

„Gut!" sagte die Lady und reichte ihr den Betrag. „Nach Ablauf eines Jahres erhalten Sie wieder hundert Pfund und immer io weiter.

s e n. (Beifall.) Wo deshalb die Bedürfnisse in den deutschen Kolonien zur Mitarbeit auffordern, da bleiben die katholischen Missionen nicht zuruck. Und gerade die Missionstätigkeit muß da als eine soziale Tat im Dienste des Vaterlandes be- zeichnet werden.

Ich spreche dieses Wort aus in dem Bewußt­sein, daß ich damit auf Widerspruch stoße bei jenen, die ohne christliche Sitte und ohne christliche Zivilisation und ohne christlichsoziales Fundament glückliche Kolonien schaffen wollen. Aber ich kann mich auf die Geschichte als Zeugin berufen. Soll ich wieder auf St. Bonifatius der- weisen? Er hat in den Samenkörnern des Glau­bens, die er überall ausgestreut, auch jene GotteS- pflanze christlicher Kultur gepflanzt, die unser Deutschland aus einem Lande starrend von Wäl­dern und wüsten Sümpfen in einen reichen Gar­ten verwandelt hat; er hat jenen Wunderbaum christlicher Kultur gebracht, dessen Früchte nun- mehr auch jenen in den Schoß fallen, welche die katholische Kirche anfeinden und nichts von der kulturellen Bedeutung des Christentums wissen wollen. . . .

Wir müssen erklären: Es ist tn keinem an­deren Heil außer in Christus Jesus. In seiner göttlichen Lehre finden wir den Hebel, in ihm selbst den Stützpuntt, wodurch wir die trostlose Welt des Heidentums aus den Angeln heben und hineinbewegen in die Bahnen einer glücklichen Zukunft. Die rettende Lehre Christi hat das zufammenbrechende Römerreich regeneriert, seine milde Macht hat das unwirtliche Deutsch­land umgewandelt; die Geschichte der Völker weist dem Kreuze eine Stelle unter den ersten Kulturfaktoren zu. (Beifall.)

D a s K r e u z ist es, mit dem die P i o n i e r- arbeiten in den Kolonien geschehen müssen, sollen gesunde, glückliche Verhältnisse sich erschließen. Freilich sollte die Zahl dieser Kreuzfahrer sich verzehnfachen, verhundertfachen. Ihr Feldzug, der die wilden Volksstämme zuerst dem Reiche Christi unterwerfen wird, wird sie auch unter die staatliche Ordnung beugen. Das ist sicher, daß die christliche Gesittung eine größere Gewährleistung für Ruhe und Ordnung bietet als die Gewalt der Waffen, das ist klar, daß un­ter dem milden Einfluß der Lehre Christi jene Naturvölker rascher mit den ungewohnten Ver­hältnissen einer neuen Regierung vertraut wer­den als durch äußere Zwangsmaßnahmen. (Bei­fall.)

Es ist in den Erörterungen, die sich an die unseligen Aufstände in unseren Kolonien angeschlossen haben, viel es entstellt wor­den, um den katholischen Missionen eins anzuhängen, manches Große, das sie geleistet haben, ist unumwunden eingestanden worden. Beides betrachte ich als einen Beweis für die kulturelle Bedeutung der Missionen. Sollte da der Wunsch, der mir nahe gelegt wurde, nicht ausgesprochen werden dürfen, der Wunsch nach einer staatlichen Förderung der Missionen? (Bravo!) Ich weiß nicht, ob nicht diese zögernde Bitte ungehört verhallt; aber eines, dessen bin ich sicher, ein Apell an das ka­tholische Volk wird umsomehr verstanden werden, umsomehr als die Beteiligung an der Missions- tätigfeit dem katholischen Herzen ein herrliches Ideal darbietet. (Reicher Beifall.)

Unsere Zeit braucht Ideale, um nicht ganz int Irdischen zu versinken. Der göttliche Meister schaut einst über das reifende Aehrenfeld hinweg und sieht Menschenseelen, die geerntet werden sollen für den Himmel. Da fordert er auf: „Bittet den Herrn der Ernte, daß er Ar­beiter sende in seine Ernte!" Jedes Gebet, auch das für die armen Heiden, nützt am allermeisten dem Beter selbst und zieht fein Herz himmelan. Unsere Zeit ist leidensmüde: Das In­teresse an der Mission, die Entbehrungen und Lei-

— Hätten Sie nicht Lust, nach den Kolonien auszuwandern?"

„Warum nicht?" erwiderte die Peters. „Ich habe sogar einen Bruder in den Kolonien, wel­cher Farmer ist. Mit hundert Pfund jährlich könnte ich mir auch eine Farm erwerben und meine Kinder dieselbe bearbeiten lassen."

„So kommen Sie nach acht Tagen wieder!" sagte die Lady. „Ich werde Ihnen dann Fahr- billete und noch extra hundert Pfund geben, da­mit Sie gleich eine Anzahlung auf die Farm machen können."

„Ich werde über acht Tage wieder hier fein und bis dahin alles zur Fahrt bereit haben", versprach die Peters, sich mit allen Zeichen gro­ßer innerlicher Erregtheit erhebend.

Sie warf noch einen triumphierenden Blick auf die Lady; dann verließ sie das Zimmer. Als die Haustür sich hinter ihr schloß, atmete Lady Trevor tief auf.

„Diese Gefahr ist wieder überwunden", sprach sie. „Pulford muß ihr Billette besorgen und mir die Gewißheit bringen, daß er sie wirklich abfahren sah."

Auf der untersten Stufe vor dem Hause des Reichtums blieb Frau Peters stehen, blickte noch einmal nach der Tür zurück, durch welche sie eben herausgekommen war, und sprach dann zu sich selbst:

„Das Geld erhielt ich leicht! Wenn ich doch nur wüßte, ob der Marquis mir noch mehr zahlte für meine Mitteilungen? Wenn ich doch Be­weise beibringen könnte! Ich weiß, was ich tue: Für dieses Geld kaufe ich mir zunächst bessere Kleider und dann reise ich nach Paris, um zu ermitteln, ob dort zwei Kinder zu derselben Zeit starben, an derselben Krankheit und in derselben Familie. Mit dem, was ich bereits weiß, gelingt es mir am Ende doch noch, das Geheimnis zu ergründen und die Beweise beizubringen, daß mein Verdacht der richttge ist. Und wenn ich

den der Missionare, all das bittere Elend der Heidenländer lehrt uns, wenn auch nicht den opfermutigen Glaubensboten zu folgen, so doch das Kreuz unserer täglichen Pflichten in Gedul? zu tragen. Unsere Zeit hat Schassens« mut, aber keinen Schaffensgel st; ei fehlt ihr jener Geist, welcher der Arbeit einen höheren Wert, einen Wert vor Gott verleiht. Sollte der Geist der Liebe, der in jedes, auch das kleinste Werk für die armen Heiden, hineingelegt ist, nicht allmählich auch auf die anderen Werk« sich übertragen und ihnen so den Stempel ewiger Wertung aufdrücken. Freilich fordern hehre Ideale auch manche Opfer. Ohne mate­rielle Unterstützung ist es nicht möglich, Missio­nare in den Missionsseminaren heranzubilden. Aber wer soll den Samen der heilbringenden Gotteslehre ausstreuen, wenn die Arbeiter .seh- len? Wie sollen die Missionare leben und wir­ken, wenn nicht christliche Liebe ihnen zu Hülfe kommt? Ohne Geld ist es nun einmal — ich sage dies als Ordensmann mit Wehmut — nicht möglich, der von Gott gewollten Arbeit nachzu­kommen. „

Ein schweres Opfer wird es für den Vater, den Sohn dem opfervollen Missionsberuf zu weihen. Ich gedenke noch der Tränen, die es meinen alternden Vater gekostet. Die Liebe hat gesiegt. Es ist eine harte Trennung, wenn die Tochter sich von der Mutter losreißt, um zu de» „Wilden" zu gehen. Von den Opfern, die der Mssionar, die Missionsschwester bringen müssen, will ich schweigen; sie begeistert das Feuer der Liebe. Ein großes Ideal ist großer Opfer wert. (Großer Beifall.)

Katholiken Deutschlands! In unserer hl. Mutter der Kirche sind wir geeint. Einigkeft tn Glaube und Liebe macht uns stark. Ich darf die gottbegeisterte Kraft auffordern zum Kreuzzug für Christus. Einst stand St. Bernhard vor unse- reu Ahnen; er predigte den Kreuzzug zur Er­oberung des Heiligen Landes, in dem unser Hei­land gelebt und gewirkt. Gott will es, Gott will es! so schallte es damals durch die Lande, unb ein gewaltiger Heereszug wallte zum Heiligen Land. Ein anderes Reich ist zu ero bern. Regium Dei intra vos. Das Reich Got­tes ist in euch, so belehrt uns Christus. Es gilt, Seelen für Christus zu erobern. Hätte ich die Stimme eines hl. Bernhard, so würde ich aufru­fen zum Kreuzzug in die Heidenländer, zum friedlichen Feldzuge des Kreuzes, zur eifrigen Förderung der Missionen. Hätte ich die Stimme eines hl. Bernhard, ich würde als Antwort auf diesen * Aufruf die freudig begeisterte Zustim­mung hören aus echt deutscher, aus wahrhaft ka­tholischer Brust: Gott will es, Gott will esl (Reicher, langanhaltender Beifall. )

Präsident Fehrenbach dankt dem Ordensmann und Abt für die herrlichen Worte, die er im In tereffe unserer Mission an die Versammlung ge richtet hat und benutzt zugleich diesen Anlaß, der herzlichen Freude über die zahlreiche Beteiligung von Ordensleuten an der Versammlung Ausdruck zu geben.

Es wird noch ein Begrüßungstelegramm des bisherigen Nuntius Caputo aus München mit geteilt, der der Versammlung den freundlichste!! Gruß entbietet, sowie den herzlichen Wunsch aus­spricht, daß alle Katholiken Deutschlands mit Papst und Kirche stets richtig vereint bleiben mö­gen zum wahren Wohle der Religion und des Vaterlandes. (Stürmischer Beifall.)

Hierauf schließt die Versammlung.

Dritter Tag.

Würzburg, den 27. August 1907.

Der heutige Tag begann mit einer Män­nerwallfahrt auf das „Käppele" von der Neumünsterkirche aus. Die Zahl der Teil­nehmer war sehr groß. Wohl 6000 Wallfahrer bildeten den schier endlosen Zug, und kein katho-

Lady Trevor's Schuld an dem Betrug, den ich vermute, beweisen kann, dann kann ich auch ohne alle Scheu direkt zu dem hochedlen Herrn Mar­quis von St. Leonards gehen und werde es auch unverweilt tun, und dann, meine stolze Lady Trevor, wird es sich zeigen, wer von uns beiden die Glücklichere ist: Sie, mit all Ihrem Glanz und Reichturn, oder ich, die arme Sarah Peters, die schlichte Frau aus dem Volke!"

Dreiunddreißigstes Kapitel.

Die Ueberraschung Mr. Pulford's, mit Jar» vis hier zusammenzutreffen, spottete jeder Be­schreibung.

„Sie hier?" rief er. „Sie sind es wirklich — Jarvis aus Black-Rock?"

„Ja, ich bin es wirklich, Sir: — Jarvis aus Black-Rock l" erwiderte der andere. „Und ich habe mich noch nie so gefreut, einen Menschen, den ich eben mit allen meinen Gedanken herbei­wünschte, zu sehen, wie in diesem Augenblicke Sie! Der Teufel selber muß Sie hierher geführt haben. Denn wohl noch nie war ein Mensch irgendwo so nötig, wie eben Sie hier!"

„Ist denn etwas passiert?" stieß Pulford aus.

„Ja!" entgegnete Jarvis mit harter Stimme. „Wenn Sie auf dem Wege nach Black-Rock sind, brauchen Sie nicht weiterzugehen. Ich bin hier und das Mädchen ist auch hier!"

„Alice ist hier?" stieß Pulford hervor, indem er vom Pferde sprang. „Was hat denn das zu bedeuten? Sprechen Sie, Jarvis!"

„Das ist es ja gerade, was ich will, Sic!" versetzte der also Aufgeforderte. „Miß Romberg und die alte Frau sind aus Black-Rock ent­flohen —"

„Sie sind entflohen?" rief Pulford hastig. „Aber wie war denn das möglich?"

(Forffetzung folgt.)