34. Jahrgang.
Fulda, Montag den 26. August 1907
M 194.
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Mac Dougal. Wollen Sie auch mich so lange hier im Hause behalten, bis Miß Romberg's Freunde aus London gekommen sein werden?"
Mac Dougal war sehr gastfreundlich und er würde sich eines Mangels dieser im schottischen Hochlande heilig gehaltenen Tugend beschuldigt haben, hätte er Jarvis zurückgewiesen. So antwortete er einfach:
„Sie können bleiben, Sir! Setzen Sie sich an den Tisch! Elsbeth, decke noch für eine Person mehr!"
Das geschah, die ganze Familie setzte sich wieder zu Tisch und das Mahl nahm seinen Fortgang.
Es war beinahe beendet, als, Gretchen ein* trat, um sich etwas für ihre Herrin auszubitten. Sie blieb vor Schreck wie erstarrt stehen, als sie Jarvis bemerkte; dann aber zog sie sich mit einem lauten Aufschrei zurück und eilte die Treppe wieder hinauf.
Mrs. Mac Dougal folgte ihr und wiederholte ihr Versprechen, ihnen Schutz zu gewähren, und bat sie, ihrer jungen Herrin nichts von den Anwesenheit von Jarvis zu sagen, da ihre Krankheit infolge unnötiger Besorgnis sich sonst nur noch verschlimmern könnte.
Gretchen versprach es der Hochländerin aber es wurde ihr über alle Maßen schwer, das Geheimnis in sich zu bewahren. Sie wußte, daß Jarvis nicht ruhig die Ankunft ihres Retters aus London abwarten würde, sondern das er uux blieb, um irgend einen Schurkenstreich auszuführen, gegen den sie jetzt unausgesetzt auf ihrer Hut sein mußte.
Aber langsam und resultatlos verstrich die Woche. Alice wurde mit jedem Tage bester und konnte endlich schon stundenlang das Bett verlassen und im Zimmer sitzen, sodaß sie hoffte, in
Erscheint täglich mit ihsnaW der Son«, «ndzeiertage. Ottrltb lnhrUvtzngsprti, ohne Sringerl'hn und veftellzeldin Hulda und surwärlr 1 Bit. 50 pfg-
W Rotation,dru« u.
Verlag der Hulda« Rt* ttendrrckerei in Hulda. 14 Fernsprecher Nr. 9.
Roman von Ed. Wagner.
48] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
Nachricht aus London! Jarvis geriet außer sich bei der Möglichkeit, daß jemand von dorther zur Befreiung der beiden Frauen kommen könnte.
„Wollen Sie damit sagen", stammelte er, „daß das Mädchen nach London geschrieben hat?"
„Sie nicht", antwortete der Hochländer, „aber die alte Frau. Der Brief ist gestern mit' der Post abgegangen, und wenn ihre Freunde nun kommen, können Sie ja mit ihnen alles abmachen."
Jarvis schaute finster drei. Wenn Alice oder Gretchen nach London geschrieben hatten, war alles verloren.
Aber ungeachtet seines Erschreckens blieb er äußerlich ruhig.
„Was Sie da sagen, erscheint mir vollkommen klchtrg, Mr. Mac Dougal," sagte er. „Es wird erne Woche dauern, ehe jemand von London hier fern kann, und so lange will ich — wenn Sie es mir erlauben — hier warten. Die Freunde Miß Romberg s können nur bestätigen, was ich Ihnen gesagt habe., Sie werden Ihnen sagen, daß ich der Besitzer einer Irrenanstalt bin, daß das junge Mädchen gus unglücklicher Liebe wahnsinnig wurde und daß, während sie ganz vernünftig und bei vollem Verstands scheint, sie doch so gefährlich Ift wie eine Schlange. Die Alte ist noch gefährlicher. Ich will nur hoffen, daß keine vM ihnen Ihrer Familie irgend einen Schaden zufugt, Mr.
mu8 und Hochschulen sein. Abt Norbert von St. Ottilien behandelt die Mission 8- tatigkeit der Kirche im Ausland. Rektor Brück-Bochum spricht über Katholizismus und Volksschule. Professor M e y e r 8 - Luxemburg führt uns in die Hallen der Schönen Literatur und Kunst. Universitätsprofessor Dr. Schor er-Freiburg in der Schweiz wird un8 die mildtätigen Werke der Charitas lehren und endlich wird Pfarrer Barthels- Bielefeld die N o t l a g e d e r K a- tholiken im Inlands schildern.
Am Samstag abend fanden sich die bereits ein getroffenen Mitglieder des A u g u st i n u s» Vereins zu einer gemütlichen Zusammenkunft in der Harmonie ein. Unter dem frohen Ein- druck des Wiedersehens gab es ein reiches Hände- chütteln unter den Kollegen, die aus allen Gauen des deutschen Reiches zur Generalver- ammlung gekommen sind, und einen regen Austausch der Gedanken.
Der Sonntag wurde eingeleitet durch eine Predigt im Dom, an die sich um 9 Uhr ein Hochamt i>ur Anrufung des hl. Geistes anschloß. Die Teilnahme an beiden war eine ungeheuer rege.
Auf die Einladungsschreiben des Lokalkomitees an den Episkopat teilt derNuntiusvonMünchenCaputo mit, daß er am 27. oder 28. nach Würzburg kom- men werde und daß er das vom Lokalkomitee beigelegte Schreiben an den Papst übersandt habe. Erzbischof von Bamberg von Abert schreibt, daß er mit Freuden der Einladung folgen werde und daß er es sich zur besonderen Ehre rechne, daß man ihn zur Feier der hl.. Messe bei Gelegenheit der Wallfahrt auf das Käppele ein- geladen habe. Erzbischof von München Franz Joseph drückt sein Bedauern aus, daß er am Erscheinen verhindert sei, er werde aber im Geiste den Verhandlungen beiwohnen. Eine gleiche Antwort ist erfolgt von dem Bischof Maximilian von Augsburg. Leider ist auch der Bischof von Passau, Felix, durch eine Versammlung seines Klerus am Erscheinen verhindert. Bischof Konrad von Speyer hat seine Mitgliedschaft erklärt und wird voraussichtlich nach Würzburg kommen. Ebenso hat der Bischof von Eichstätt in einem huldvollen Schreiben sein Erscheinen angezeigt. Besonders herzlich sind die Antwortschreiben des Kardinalfürstbischof Kopp und des Kardinals Fischer.
In der Generalversammlung des Volks» Vereins für das katholische Deutschland werden am Mittwoch sprechen Fabrikbesitzer Brandts- M.-Gladbach, Generaldirektor Dr. Pieper, der bayerische Landessekretär des Volksvereins Br em, Bezirksamtsassessor Land- tagsabgeordneter Dr. Einhauser - Laufen (Oberbayern), ferner die Reichs- und Landtagsabgeordneten Landgerichtsrat Gröber und,Justizrat Trimborn. Während des Katholikentages veranstaltet die Kunststickereianstalt Buri eine Paramentenausstellung.
Gegen Mittag begann die Bevölkerung in eine bestimmte Richtung zu sluktieren nach dem Platz hin, wo sich der
Festzug der Arbeiter- und Gesellenvereine aufstellte, an welchem sich 286 Vereine mit zahlreichen Fahnen und Mufikkorps beteiligten. Aus der Diözese Fulda waren die Arbeitervereine aus Fulda, Rommerz, Neuhof, Rönshausen, Großenlüder und Hanau, sowie die Gesellenvereine aus Fulda, Eckweisbach und Seiferts vertreten. Von allen deutschen Arbeitervereinen ragte Fulda durch die Stärke der Beteiligung — etwa 100 Mann — hervor, er stand an erster Stelle, aus den Fenstern und von den Spalier bildenden Scharen mit Jubel begrüßt.
Um 2 Uhr erfolgte der Abmarsch und, zwar zunächst am bischöflichen Palais vorbei, wo der Hochwürdigste Herr Bischof den Zug in Augenschein nahm. Es ist unmöglich, im Nay-
Bera«troortn*er
Schriftleiter: A.weßl«
3. pa^eStt"in Mda. wochLNbellage: „Illustrierte Sonntagrzeitung
(Bravo!) Aber es soll heute auch zum Ausdruck kommen, was Sie von sich selber hoffen, es soll zum Ausdruck kommen, daß Tüchtigkeit. Pflichtgefühl notwendig sind, daß Sie gut geleitete Organisationen zu schätzen wisten und daß die Arbeiter- und Gewerkvereine für Sie von der allergrößten Bedeutung sind. (Bravo!) Ich übermittele Ihnen dann noch den Gruß von dem katholischen Arbeiterverein des Westens, die sich freuen, daß die süddeutschen Arbeitervereine einen derartigen Aufschwung genommen haben (Lebh. Beifall), daß sie über 100 000 Mitglieder zählen und daß sie ein tüchtiges Arbeiterorgan besitzen. (Bravo!) Arbeiten Sie so weiter, damit wir dem Tage tn nicht zu ferner Zeit entgegengehen, wo der christ- lichen Arbeiterschaft die Führung in der ganzen deutschen Arbeiterbewegung gebührt. , (Stürm. Beifall.) Die Christlichen müssen an die Spitze. Das ist die Voraussetzung für die Entwickelung unseres Vaterlandes. (Lebh. Beifall.) Heute ist es ein Ehrenname, wenn es drüben in China, tn Japan, in Südamerika heißt: made in germany, d. h. gemacht in Deutschland. (Stürm. Beifall.) Was sollte unsere Industrie machen, wenn sie bei den Fortschritten der Technik nicht auch solche Männer hätte, die es verstehen, mit den komplizierten Maschinen umzugehen. Ihnen verdankt die Industrie gleichermaßen ihre Fortschritte, tote der Technik. Darum: Frisch voran auf diesem Wege und der Tag wird nicht mehr fern sein, wo es heißen wird: Die Gegenwart und die Zukunft gehört der christlichen Arbeiterschaft. (Stürmischer Beifall.) Mit stürmischem nicht endenwollendem Beifall begrüßt ergreift hieratls das Wort
Arbeitersekretär und Reichstagsabgeordneter Gicsberts: Er ruft zunächst den versammelten Arbeitern „int Auftrag ihrer Kameraden aus dem Westen, und speziell aus der Kanonenstadt Esten" ein herzlich „Grüß Gott!" zu und fährt dann fort: Wenn im vorigen Jahr gesagt worden ist, eine Arbeiterdemonstration, wie Essen sie gesehen hat, werde anderswo nicht möglich sein, so sind diese Prophezeihungen heute Lügen gestraft worden. (Beifall.) Die heutige Demonstration stellt sich unter den Verhältnissen, unter denen sie zustande gekommen ist, allen ihren Vorgängern zum mindesten ebenbürtig an die Seite. (Beifall.) Aber wir sind nicht blos nach Würzburg gekommen, um zu demonstrieren, wir sind auch hierher gekommen, um eine kleine Gewistenserforschung zu veranstalten darüber, ob unsere katholischen Arbeitervereine sich auch würdig in die große katholische Kundgebung eingliedern können,, die in diesen Tagen hier stattfindet. Man hört ja nicht selten die Meinung aussprechen, unsere kaiholi» scheu Arbeiter- und Gesellenvereine hätten sich überlebt, seien nicht mehr zeitgemäß. Die heutige Demonstration allein ist schon eine Widerlegung dieser Auffassung. Am heutigen Tage treten wir katholischen Arbeiter in die Oesfentlichkeit als ein Teil der gesamten Katholiken Deutschlands, nehmen wir für uns in Anspruch, daß wir mit zu den mutvollsten und energischsten Kämpfern für den katholischen Glauben gehören. (Lebh. Beifall.) Von diesem Gesichtspunkte aus sage ich: die katholischen Arbeitervereine sind eine würdige und eine notwendige Einrichtung der deutschen Katholikentage. Und sie sind heute notwendiger als je zuvor. Wir haben stets die Wahrung und Festigung der religiösen Grundsätze in den Vordergrund gestellt, ausgehend von der Erkenntnis, daß es ohne Religion, daß es ohne Treue zur katholischen Kirche für uns ein wahrhaftes Gluck auf der Welt nicht gibt. (Zustimmung.) Ist aber etwa in unserer heutigen Zeit die Festigung religiöser Grundsätze minder notwendig als sonst? Ich verweise darauf, daß zu keiner Zeit je zuvor der Unglaube so frech sein Haupt erhoben hat, wie zu unserer Zeit, und daß gerade der Arbeiterstand es ist, den er zum Objekt seiner Angriffe macht. Von jeher haben wir
die Berge in gutem Zustande ist und ob man sie mit Sicherheit des Nachts passieren kann?"
Aber statt zu antworten, starrte Jarvis in der bereits stark zunehmenden Dunkelheit den Reiter minutenlang nur groß an, um dann einen freudigen Schrei auszustoßen.
„Erkennen Sie mich denn nicht, Sir," rief er aus, „mich: Jarvis — Jarvis von Black-Rock? Denn ich täusche mich doch nicht und Sie, den der Teufel selber gerade im rechten Augenblick her- geführt haben muß, sind doch Mr. Pulford — Mr. Pulford?"
Zweiunddreißigstes Kapitel.
Am Morgen nach dem Besuch des Theaters saß Lady Trevor allein in ihrem Toilettenzimmer.
Mit ihren Gedanken eilte sie Pulford voraus, der in aller Frühe bereits seine Reise, nach Schott- land angetreten hatte.
Während sie so dafaß, trat ein Diener mit der Meldung ein ,daß eine arme Frau, namens Peters, sie zu sprechen wünsche.
„Du solltest doch wisten, daß ich derartige Leute nicht empfange!" wies die Lady ihn ab.
Der Diener zog sich zurück, kehrte aber alsbald mit einer Karte aus silbernem Tablett zurück.
„Entschuldigen Sie, Mylady, die Frau will sich nicht abweisen lasten," berichtete er. „Sie saat, ihre Geschäfte seien von so großer Wichtig- feit und Mylady würde sie nicht abweisen, wenn Sie wüßten, wer sie wäre. „Hier ist ihre Karte.
„Vielleicht ist es ja eine Person, die früher einmal in meinen Diensten war," sagte die Lady
• mit Geringschätzung. „Gib her die Karte!
> (Fortsetzung folgt.)
men dieses Berichtes all die Orte aufzuzah- len welche Deputierte zu dem Festzug ent- 1 sandt hatten; e8 sei nur erwähnt, daß solche i selbst auS Eger und Hamburg erschienen waren. Der imposante Festzug bedeutete i eine würdige Einleitung der 54. Generalver- - sammlung. Um 3 Uhr begannen die Arber- erversammlungen, deren Hauptver- - sammlung in der Festhalle ftattfonb. ;
Die Spitze des Festzuges erreichte die Fest- balle gegen %8 Uhr. Die Begeisterung ist eine ■ allgemeine. Auf der Straße bildete die Menge zu vier, fünf Reihen tief auf allen Straßen, die der Festtug passierte, Spalier. Das Wetter ist herrlich. Vor dem Hotel de8 voraussichtlichen Präsidenten brachen die Teilnehmer in begeister» tes Hoch aus. Diese Hochrufe erneuerten sich beim Betreten der Festhalle. Man konnte es der dicht gedrängten Menge ansehen, daß die ^est- halle für sie eine ungemein überraschende Schönheit bot. Während wir dieses schreiben, ist die Festhalle von einer nach vielen Tausenden zäh- lenden Menschenmenge umlagert. Wir müssen gestehen, daß die Begeisterung, welche sich hier allgemein kundgibt, eine so tiefe herzliche spon- taue und große ist, daß wir wohl sagen dürfen, es sei die Stimmung in Würzburg und der Verlauf des Arbeiterzuges derartig, daß sie von einer anderen Katholikenversammlung nicht übertroffen worden ist. Em wundervolles farbenprächtiges Bild bot sich innerhalb und außerhalb des Festsaales. In den reichen Schmuck der Stadt mischen sich die ungezählten Fahnen der nahezu 300 Vereine, und die zahlreichen Musikkorps lasten die Begeisterung dauernd steigen. Schon um 2% Uhr ist der unermeßlich große Saal dicht gefüllt und noch immer sieht man draußen kein Ende des Festzuges. Besonders auffallend ist, daß sich unter den bayerischen Frauen eine mächtige Anteilnahme für die Katholikenversammlung zeigt. Die Scharen der Männer, welche heute nach Würzburg gekommen sind, wiesen ein starkes Kontingent von Frauen auf. Das, Urteil derjenigen Personen, welche die Katholikenversammlungen regelmäßig zu besuchen pflegen, lautet dahin, daß die bayerische Bevölkerung den Beweis erbracht hat, daß sie sich an Interesse für unsere gute katholische Sache von den Katholiken der übrigen deutschen Landesteile nicht überbieten läßt.
Laudtagsabgeordneter Beneftziat Gerber eröffnete die
Arbeiterversammlung
mit dem Gruß: „Gott segne das ehrbare Handwerk und die christliche Arbeit!" und teilt mit, daß Fabrikant Brandt-M.-Gladbach die Ver- sammlung leiten werde.
Fabrikant Brandts dankt für die Ehre, die ihm mit der Uebertragung der Leitung der Versammlung zuteil geworden sei und begrüßt die Erschienenen als „die erste große und öffentliche Katholikentagung von Würzburg". (Lebh. Beifall.) Unter stürmischem, nicht enden wollendem Beifall begrüßt er dann speziell die Gesellen- und Männervereine aus Schwerin in Mecklenburg, aus Neumünster, Kiel und Rendsburg und aus Hamburg. „Seit, Jahren schon", so fährt Redner alsdann fort, „bildet der Arbeiterfestzug am Sonntag ein farbenprächtiges Bild und zugleich ein erhebendes Bekenntnis der arbeitenden Stände zu den Idealen des Glaubens, die der Katholikentag vertritt. In den Versammlungen hier von vielen tausend Arbeitern legen Sie dar, was eine christliche Arbeiterbe- wegstng in unseren Bahnen bedeutet. (Bravo!) Sie legen dar, daß, was Sie trennt, von der großen antichristlichen Arbeiterbewegung, das, was Sie eint, mit den Katholiken aller anderen Stände, was der heilige Glaube für Ihre Familie, für Ihren Stand und dessen Hoffnung ist und sie legen auch dar, was Sie erwarten von der Einsicht und von dem Entgegenkommen der Arbeitgeber im Interesse des Arbeiterstandes, zwei oder drei Tagen ihre Reise fortsetzen zu können.
Während aller dieser Tage hatte Jarvis fortwährend auf eine Gelegenheit gelauert, sich der beiden Frauen bemächtigen und sie für immer zum Schweigen bringen zu können; aber Elsbeth, des Bauern Tochter, hielt sich fast immer in Ali- ce's Nähe auf, und wenn sie abwesend war, fand ihre Mutter sich ein, oder es war sonst jemand in der Nähe, sodaß all fein Bemühen vergebens blieb.
Und näher und näher rückte die Zeit, zu welcher die Ankunft von Alice Romberg's Freund mit Bestimmtheit erwartet werden konnte.
„Sie werden nicht mehr lange zu warten haben, Doktor," sagte Mac Dougal eines Abends eben vor Sonnenuntergang, als er Jarvis auf dem Hofplatze begegnete. „Miß Romberg's Freund kann morgen hier fein."
Jarvis sprach seinen Wunsch aus, daß der Erwartete wirklich ankommen möchte, und schlenderte mißmutig hinaus auf die Straße.
„Morgen — morgen!" murmelte er vor sich hin. „Also bleibt mir nur noch eine Nacht zum Handeln, und in dieser Nacht muß etwas geschehen!"
Und langsam ging er weiter und weiter, einen Plan nach dem andern entwerfend und wieder verwerfend, wie er diese Nacht fein teuflisches Werk ausführen konnte. Da plötzlich blieb er stehen. Ihm entgegen kam ein Reiter, welcher durch das Dorf geritten war, ohne anzuhalten, und höchst wahrscheinlich nach den jenseitigen Bergen wollte. , .
Als der Reiter näher kam, trat Jarvis zur Seite, um den Reiter vorbeizulassen, doch dieser hielt fein Pferd dicht neben ihm an.
„Können Sie mir wohl sagen, mein guter Mann", sprach derselbe, „ob die Straße durch
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CPC. Würzburg, 25. Aug. 1907.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Der Tag des Beginnes der 54. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ist ange- brochen. Die Stadt Würzburg prangt tn einem Schmuck, welcher Zeugnis dafür ablegt, mit wie freudigen Gefühlen man die Ehre zu schätzen weiß, daß Tausende und Abertausende von Ka- tholiken nach der Stadt des hl. Kilian, kommen, um hier ein lebendiges Zeugnis für ihre religiöse Ueberzeugung abzulegen. Mit Verwunderung haben wir in diesen Tagen vernommen, daß die von unseren Gegnern so gern genährte Vermutung, als ob es sich bei unseren Generalversammlungen um eine politisch e D e r an» st a 11 u n g handele, hier und da auch Eingang in katholische Kreise Süddeutschlands gefurtben hat, in Kreise, die zu den gebildeten des Volkes gehören. Bei den Gegnern kann man Tendenz vermuten, aber in den eigenen Kreisen kann es sich nur um Ignoranten handeln oder um Personen, welchen der Mut des öffentlichen religiösen Bekenntnisses fehlt. Ihre Zahl ist, Gott sei Dank, eine verschwindende und ihr Ausbleiben wird auf den Verlauf der Würz» burger Generalversammlung keinen Einfluß aus- uben. Seit dem frühen Morgen, wälzen sich aus der Richtung vom Bahnhof dichte Volks- massen durch die Straßen, ihr Strom will nicht abfluten, und immer kommen neue Züge aus den verschiedenen Weltrichtungen, welche Gäste nach der Stadt Würzburg bringen. Schon am Samstag hatte sich das Bild der Stadt Würzburg völlig geändert. Von Stunde zu Stunde mehrte sich das Leben in den Straßen. In vollen Scharen trafen bereits die Teilnehmer an dem Festzug der Arbeiter und Gesellen mit ihren Fahnen ein. Die mit bunten Fähnchen geschmückten elektrischen Wagen brachten unablässig, namentlich in den Nachmittagsstunden die Fremden ihrem Domizil zu. In den Gasthöfen herrschte reges Treiben und die Festpostkarten fanden einen reißenden Absatz. Wie wir schon hervorgehoben haben, sind, für die öffentlichen Versammlungen erstklassige Rednerkräste gewonnen worden. An der Spitze nennen wir den rühmlichst bekannten Professor Dr. M e y e n- b e r g aus Luzern, ein Redner, der durch die Tiefe feiner Gedanken und durch den Farbenreichtum seiner Worte seit seinem ersten Auftreten auf den Katholikentagungen vor einigen Jahren sich die Herzen der Katholiken im Sturme erobert hat. Die letzte Generalversammlung in Essen hat ihn ersucht, in Würzburg über Religion und Konfession zu reden. Zweifellos wird sich Professor Meyenberg dieser Aufgabe in einer Weise unterziehen, die von grundlegender apologetischer Bedeutung ist. Einen Namen von altbewährtem Klang, dessen hinreißenden Worten wir schon so oft gelauscht, ist der des Landgerichtsdirektors Gröber- Heilbronn, welcher über Katholizismus und wirtschaftliches Leben sprechen wird. Ihm reiht sich an Erbprinz Löwen st ein, der Sohn des früheren ständigen Kommissars für die Katholikenversammlungen. Erbprinz Löwenstein, der seine hervorragende rednerische Begabung und tiefe Bildung zum erstenmal in Straßburg vor der breiten Oesfentlichkeit bekundete. Sein Thema behandelt das Papsttum. Der alte Kämpe für die katholische Sache Pfarrer W a k- fer-Zähringen wird über Katholizismus und Nationalität sprechen. Von hoher Bedeutung wird die Rede des jungen Universitäts- Professors Dr. Spahn über Katholizis» l -------------- -----~