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Fuldaer WZeitung

Monakbeilage: „Sulbdtt GeWchtSblStt«'

34. Jahrgang.

Fulda, Samstag den 24. August 1907

M 193. ‘

Ln zeige«. Vie eiii spaltig« Petitzeile ober deren Raum IS Pf-. Rtnomtu sie petitzeile 25 pfg.r bei wieder- Holungen wird entspr.

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Sotattonedru« v, Verlag der Zuldaer Aee tiendr rckerei in Selb«, Zernsprechrr Ur. 9.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonin und Feiertage. viertel' jähri.vezuarpreir ohne vringerlshn unb veftellgelbinZnibannd -«usroärts l Ml 50 pfg-

verantwortli»er Schriftleiter: A.We»ier

wochendeiiaze: „Illustrierte Sonntagszeitung

Krstes Wlcrlk.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. August 1907.

* Einen Fehlbetrag von mindestens HO Millionen Mark soll der nächstjährige Reichs« haushaltSetat mit sich bringen. Eine Berliner Korrespondenz bemerkt dazu, daß man infolge­dessen an zuständiger Stelle wohl oder Übel mit der Einbringung neuer Steuern rechne. Selbst­verständlich hält die »Deutsche Tageszeitung' di- erste Hälfte dieser Mitteilung für Vermutung, die zweite für unrichtig. Sie schreibt weiter: „Wie hoch der Fehlbetrag sich im neuen Etat belaufen werde, steht jetzt noch nicht im mindesten fest; es ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit zu ^warten, daß er die von der Korrespendenz mit» geteilte Höhe nicht erreichen werde. Was aber die neuen Steuervorlagen anlangt, so wird man solche dem Reichstage während seiner nächsten Tagung nicht unterbreiten." Großer Wert ist dieser Auslassung nicht beizulegen. Daß mit einem blbetrag und zwar mit einem ziemlichgroßen za rechnen ist, steht längstens fest. Wenn nun die Regierung in Rücksicht auf die Blockpolitik die unvermeidlich gewordenen neuen Steuern noch um ein Jahr hinausfchieben will, so verschlägt das an der Tatsache, des erneuten Steuerbedürf» »usses nichts. Wenn nicht heute, so muß der Block doch morgen in den sauren Apfel beißen, nur befürchten wir, daß bei einer Hinausschiebung das Steuerbukett noch reichhaltiger werden würde.

* Ein Bild aus dem preußischen Klasien- wahlrecht. Nach den zur Zeit im Rathause aus­liegenden Gemeindewählerlisten sind in Schöneberg 26 089 wahlberechtigte Personen vorhanden, 1882 mehr als im vorigen Jahre. Es gehören zur:

1. Abteil. 1907: 796 Wähler, 1906 : 731 Wähler.

2. „ „ 4123 „ „ 3844 „

8. „ „ 21170 „ „ 19632 „

Die 796 Wähler der ersten Abteilung haben also genau dieselben Rechte, wie die 21170 Wähler der 3. Abteilung. Von den Wählern werden insgesamt 4 508 399 Mk. Steuern aufgebracht, P93 523 Mk. mehr alv im Vorjahre. Im Durch« 'chnitt entfallen auf jeden Wähler 172 Mk. Steuern zegen 161 Mk. im vergangenen Jahre. Der Durchschnittsatz in der ersten Abteilung beträgt 2256 Mk., in der 2. 435 Mk., in der 3. 43 Mk. Der höchstbesteuerte Wähler Schönebergs hat 58 516 Mk. an Steuern zu zahlen. Zur ersten Abteilung gehört, wer mindestens 1044 Mk. Steuern jährlich zahlt, während man der zweiten Abteilung angehören kann, wenn man 181 Mk. Steuern zahlt. Alle diejenigen aber, die weniger als 181 Mk. Steuern zahlen, sind in der 3. Abteilung untergebracht. Einen: Wähler der ersten Klasse werden dieselben Rechte eingeräumt, wie 27 Wählern der 3. Klasse. Man wird eS verstehen, wenn man ein solches Wahlsystem als überlebt und veraltet bezeichnet.

* Der mit der Stell Vertretung des Staats­sekretärs Dernburg beauftragte Ministerial­direktor Konze hat eine bis zum 26. August währende Dienstreise nach Witzenhausen und Engelport angetreten. In diesen Orte be­finden sich bekanntlich Kolonialschulen.

* Morenga. Das „Bcrl. Tagebl." meldet: Heute ist in Berlin eine neue Nachricht eingc-

Die Perle Ses SchnmzuMeS.

Roman von Tb. Wagner.

16] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung auS dem zweiten Blatt.)'

Bei dem aus der Halle herausströmenden Licht erkannte Lady Trevor, daß die Frau kränk­lich und ärmlich gekleidet aussah, und ängstlich suchte sie einer Berührung mit der vermeintli­chen Bettlerin auszuweichen.

Die Frau, in welcher wir Mrs.. Peters er­kennen, aber folgte ihr an den Wagen.

„Lady Trevor," begann sie tn bittendem Tone, „Mylady —"

Sie kam nicht weiter. Rauh stieß Pulford sie beiseite. „Fort", rief er, „oder ich lasse Sie arre­tieren!" Und mit Heftigkeit schlug er, selber ein­steigend, die Wagentür zu und der Wagen rollte rasch davon.

„Ich hätte warten sollen bis auf einen gün- (tigeren Moment," murmelte die Frau, dem Ge­fährt nachsehend, „aber ich brannte vor Unge­duld. Nun, ich komme wieder und dann werde öch mich schon nicht wieder beiseite schieben lasten. Da ich aber jetzt einmal hier bin, will ich doch «ehen, was ich erfahren kann."

Und sie eilte die Stufen hinauf an die Tür, welche der Portier eben zuzumachen im Begriff war.

„Entschuldigen Sie, Sir," redete sie diesen ful)r?"XlC Trevor, welche soeben tveg-

."Ja", lautete die Antwort, und der Mann '"atz st- von unten bis oben. „Was wollten Sie von Ntylady?"

fn;n^C^:LrrlDi^tte Peters mit einem ge- roifjen -tolz, „ich war früher bereits in ähnlicher Stellung und wollte fragen, ob ich vielleicht einen Platz m diesem großen Haufe bekommen konnte.

troffen, die die Ergebnisse der letzten Rekognoszierungen über MorengaS Aufenthalt mitteilt. Die Kapeldepesche hat den folgenden Inhalt: „Gamsibkluft ist völlig frei von Hottentotten. Die neuesten Nachforsch, ungen haben sich bis an die deutsche Südgrenze erstreckt und deutscherseits keine Spuren der Feinde erkennen lassen. Man kann daraus mit ziemlicher Sicherheit schließen, daß Morenga auf englischem Gebiete, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach unmittelbar am Oranje- flusse sitzt. Er ist von einer großen Anzahl Wei­ber und Kinder umgeben. Außerdem steht fest, daß er es verstanden hat, sich in vortrefflicher Weise mit Vieh zu versorgen und sehr reich­lich mit Geldmitteln versehen ist. Eine Truppenverschiebung der deutschen Hauptmacht hat sich nach Lage der Dinge noch nicht als not­wendig erwiesen. Vermutliche Zahlen über die Kriegsstärke Morengas liegen vor, doch sind ge­naue Angaben darüber zurzeit nicht zu machen. Ueber die Bedeutung der neuen Depesche ist man an unterrichteter Stelle der Anschau­ung, daß sie für die abwartende Haltung des Feindes spricht. Es ist noch nicht klar, ob Morenga sich vorläufig noch nicht bis zu einem festen Entschlüsse durchgerungen hat, oder ob er nur deshalb seine zögernde Haltung nicht auf­gibt, weil er auf große neue Verstärkungen wartet. Er weiß sehr wohl, daß die deutschen Truppen, solange er sich jenseits der Grenze be­findet, ihm gegenüber zur Ohnmacht verdammt sind. Vor den Engländern scheint er sich nicht zu fürchten, da kriegerische Vorbereitungen seitens der Kapregierung gegen ihn nicht ge­troffen sind, und er daher mit etwaigen engli­schen Verfolgern mit Hilfe feiner verhältnis­mäßig zahlreichen Umgebung kriegsbereiter Mannschaft leicht fertig zu werden hofft.

* Der internationale Sozialistenkongreß in Stuttgart findet keine besondere Aufmerksamkeit. Die sozialistische .Münchener Postt ist damit nicht zufrieden und meint, die bürgerlichen Blätter sollten nicht so hochmütig sein. Es ist indes an­zunehmen, daß das Paradestück hohler Dekla­mationen, das jetzt in Stuttgart aufgeführt wird, in sozialdemokratischen Kreisen nicht besser beurteilt wird, als in bürgerlichen. Als der verstorbene bayerische Sozialistenführer Grillenberger emstmals in München (Orpheum) über seine Delegiertentätigkeit auf dem Londoner inter­nationalen Sozialistenkongreß Bericht erstattete, äußerte er eine sehr geringe Meinung über der­artige Veranstaltungen und machte schlecht Witze darüber. Was würde Grillenberger erst über Einzelheiten der jetzigen internationalen Sozialisten­tagung sagen I

* Ausweisung eines internationalen Ge­nossen aus Stuttgart. Der englische Sozial­demokrat Quelch, der die Mitglieder der Haager Konferenz eine Gesellschaft von Dieben genannt und später diesen Ausdruck nicht zurückgenommen hatte, ist aus Stuttgart ausgewiefen worden.

*** „Unglaube im Lehrerstande". Unter der Aufschrift: „Der Unglaube im Lehrerstande" brachte das ,Korrespondenzblatt für die evange- liche Konferenz in Baden und die kirchlich-positive Vereinigung im Großherzogtum Hessen' vor einigen Monaten aus der Feder des Hauptlehrers K. Engler in Lüllingen bei Lörrach (Baden) einen Artikel, der zur Charakteristik der Zustände im Lehrerstande Süddeutschlands, speziell Badens, sehr bemerkenswert ist. Es heißt da: „Ueber dieses Thema wird gegenwärtig viel geredet und geschrieben. Warum gerade über den Unglauben

„Nein, hier ist kein Platz frei und in diesem Hause werden Dienstboten auch nur auf dem ge­wöhnlichen Wege engagiert," sagte der Portier. „Wenn Sie das wollen, müssen Sie sich schon an ein Vermietungsbureau wenden."

Die Frau sah neugierig und verwundert um sich her.

„Ihre Lady muß sehr reich fein," äußerte sie dann. „Und all diesen Reichtum erbt nur ein Kind?"

„Unsere Lady hat gar kein Kind!" versetzte der Portier hochmütig.

„So ist es tot?" forschte die Peters.

Der Portier schüttelte den Kopf.

„Sie hat überhaupt nie ein Kind gehabt!" entgegnete, er.

„Aber ich habe doch gehört, daß sie ein Kind hatte," wandte die Peters ein.

„Dann müssen Sie sich eben irren!" sagte der Portier und schloß ihr die Tür vor der Nase zu.

„Sie hat kein Kind!" flüsterte die Frau vor sich hin, während sie langsam die Stufen hinab- stieg. „Sie hat nie ein Kind gehabt!" wieder­holte sie sich. „Das ist seltsam, das verstehe ich nicht! Wo hat sie denn das Kind hingebracht, welches sie in Deutschland hatte? Da ist nicht alles in Ordnung; aber ich will es schon heraus­bringen. Jedenfalls muß,ich jetzt erst Nachforsch­ungen anstellen, ehe ich wiederkomme!"

Und sie ging langsam unb nachdenklich die Straße entlang.

Sie war noch nicht weit gegangen, als sie dem Kindermädchen begegnete, mit welchem sie, während alle die eleganten Equipagen vorüber- fuhren, am Nachmittag im Park gesprochen hatte. Das Mädchen hielt sie, überrascht über diese unerwartete Begegnung, an.

„Was tun Sie hier, Sarah Peters?" richtete sie das Wort an die Frau. „Ich glaube, Sie wollen hier spionieren in bezug auf die Lady Trev<">'

unter den Lehrern? Ist er etwa in diesem Stande verbreiteter als in anderen Ständen? Nein, ver- breitetet wohl nicht, aber verhängnisvoller, denn den Volksschullehrern ist der größte Teil des Religionsunterrichtes übergeben. . . . Faßt man den biblischen Christenglauben ins Auge und vergegenwärtigt fich den in unserer Lehrerschaft herrschenden Geist, so muß man der Wahrheit gemäß leidet sagen: die weitaus größte Mehr- heit der Lehrer ist ungläubig. Man wird vielleicht fragen: Wie kannst du das wissen? Dem antworte ich: Aus Konferenzen und Lehrer- Versammlungen. Es ist eine unbestreitbare Tat- fache, daß in Lehrerversammlungen immer "Der­jenige den größten Beifall hat, der am „frei- sinnigsten" redet. ... Die größte Zugkraft in Lehrervetsammlungen haben immer solche Reden, die tüchtig gegen Pfarrer und Kirche und im tiefsten Grunde gegen das biblische Christen- tum losschlagen. Diese Tatsache *ann ehrlicher- weise niemand leugnen, her solchen Versamm­lungen angewohnt hat. Und diese Tatsache be­weist ganz unwidersprechlich den Unglauben tn der Lehrerschaft. Woher kommt der Unglauben der Lehrerschaft? So fragen wir nun weiter. Im Schoß des Lehrervereins ist er nicht geboten worden. Er wurde von außen hinemgetragen. Don welchen Seiten das geschehen ist, und noch geschieht, kann ich nur für den evangelischen Teil der Lehrer beantworten. Da muß ich in erster Linie die Religtonslehrer an Mittelschulen und Seminaren anklagen. ... In 2. Reihe klage ich einen großen Teil der Pfarrer -an. Neben ihnen arbeiten die Lehrer; auf sie wird geschaut. Was soll nun der Lehrer denken, wenn er als Organist hören muß, wie der Prediger auf der Kanzel an Weihnachten, am Karfreitag, an Ostern oder am Himmelfahrtsfest mit mehr oder weniger Geschick um den Kern des Festes herumzukommen sucht oder die biblische Wahrheit offen leugnet? Weiter muß ich die Professoren unserer Universitäten anklagen. Sie sind die Hauptzerstörer. Zum Schluß komme ich zur Anklage gegen die Kirchenbe- Hörden. Sie wäre berufen, dem Unglauben einen Damm zu setzen; aber sie tut es nicht." So weit der protestanlische Lehrer, der wissen muß, wie weit er gehen kann. Was er schreibt, ist ganz logisch und vernünftig; aber dann hebe man gegen die katholische Kirche doch keinen Stein' auf, wenn sie dem Unglauben bei Zeiten entgegentritt unb Irrlehren als solche klipp und klar bezeichnet.

* Der 14. Weltkongreß der Freidenker wird vom 8.—12. September in Prag abgehalten. Der leitende Gedanke des Kongresses soll sein: Die Vertiefung der zur Verwaltung der gesamten europäischen Gesellschaft führenden Idee auf dem Wege sozialer und gesetzlicher Entwicklung. Die Verhandlungen werden in deutscher, tschechischer und frc rtzösischer Sprache geführt. Unter den vorgesehenen Referaten seien erwähnt: Die freie Schule, die Trennung des Staates von der Kirche, die weltliche Gesellschaft (Reform deS Eherechts, die gesellschaftliche Stellung der Frau, Feuerbe­stattung, Gewissensfreiheit). — Die hervorragenden Vertreter des modernen Heidentums werden sich im goldenen Prag en mässe ein Rendezvous geben und von ihrem Unglauben erneut ein unerq uickliches Schauspiel abwickeln.

i. Zum sozialdemokratischen Parteitag. In seiner vorletzten Nummer veröffentlicht das

„Warum nicht gar!" erwiderte die Peters. „Sie sagten mir doch, daß diese Lady Trevor kein Kind hat und auch keins hatte. Sie kann also die Dame nicht sein, nach der ich suche. Ach wenn ich doch aus der aristokratischen Welt so viel wüßte wie Sie!"

„Dann wären Sie auch noch nicht glücklicher als jetzt," entgegnete das Mädchen ihr. „Glau­ben Sie nur, die reichen Leute haben ebensogut ihre Sorgen wie die armen. Selbst der Mar­quis von St. Leonards, Lady Trevor's Groß­vater, der doch einer der reichsten und ersten Männer des Landes ist, hat seinen Kummer und der größte Teil davon kam durch Lady Trevor, wie man sagt."

„Wieso denn das?" fragte Mrs. Peters.

„Ich will Ihnen die Geschichte erzählen, die durchaus kein Geheimnis ist," sagte das Kinder­mädchen, während beide zusammen wettergingen. „Der Marquis von St. Leonards hatte einen Sohn, Lord Harry Navendale mit Namen. Die­ser Sohn verliebte sich in eine niedrig geborene Frau und fein Vater verstieß ihn deshalb. Diese Person, eine Abenteurerin, lebte nur noch ein Jahr nach ihrer Heirat, und als sie starb, hinter­ließ sie ein Kind, Lady Edith Raveudale, nun Lady Trevor. Als Lady Edith beinahe eine junge Lady war, heiratete Lord Ravendale noch einmal. Seine zweite Gattin war eine Waise aus vornehmer Familie und eine der reichsten Erbinnen des Landes. Der Marquis liebte sie wie eine Tochter. Aus dieser zwetten Ehe ent­sproß eine Tochter, welche Adeline getauft ward. Dieses Kind wurde bald der Abgott- des Mar­quis. Zur selben Zeit war es, als Lady Edtth es sich in den Kops setzte, Sir Albert Trevor zu heiraten. Ihr Vater und der Marquis verwei­gerten ihr die Zustimmung unb, da entschloß Lady Edith sich kurz und ging mit ihrem Gelieb­ten auf und davon. Etwas später reiften auch Lord Harry und feine Gattin mit dem Kinde nach Italien, da die junge Frau an der Auszehr­ung erkrankt war, wenn ich nicht irre. Kaum

sozialdemokratische Zentralorgan den Bericht des Parteivorstandes an den Mitte Sep­tember in Essen stattfindenden sozialdemokrati­schen Parteitag. Er enthält manche Mitteilung, welche allgemeines Interesse beansprucht. Zu­nächst befaßt er sich mit den Gewerkschaften. Es heißt da: Der Kern der Partei ist gleichzeitig in den Gewerkschaften, und eS gibt keine freie Gewerkschaft, deren Mitglieder nicht größtenteils Sozialdemokraten sind. Eine gewisse Scheidung besteht nur solange und in­soweit, als verschiedene Tätigkeitsgebiete sür die politische und gewerkschaftliche Organisation be­stehen." Es wird sich empfehlen, bei der Agi­tation für die christlichen Gewerkschaften diese Feststellung immer in den Vordergrund zu stellen. Was das preußische Wahlrecht betrifft, so verfichert der Bericht, „daß die Arbeiterklasse jedenfalls ihren Kampf gegen die Dreiklassen- schmach mit aller Energie weiterführen wird". Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der sozialdemokratischen Organisation. Es wird festgestellt, daß die Parteiorganisation im letzten Jahre einen glänzenden Aufschwung ge­nommen hat. Im Jahre 1906 zählte sie 384327 Mitglieder, in diesem Jahre dagegen 530466, sodaß eine Zunahme von 146139 Mit­gliedern zu verzeichnen ist. Der auf dem letzten Parteitag ausgesprochene Wunsch nach einer halben Million Organisierter ist also erreicht, die Zahl selbst aber zeigt, wieviel das Mit* l ä ufert um und die Gewerkschaften zurErreichung der 3Vi Mill. Stimmen bei den letzten Reichs­tagswahlen betragen haben. Nach den große»! Mandatverlusten mag das Bedürfnis des Partei« Vorstandes hierüber besonders ausführlich zu sei«, erklärlich erscheinen. In der Agitation hat die Sozialdemokratie erstaunliches geleistet. Die Gesamtauflage der von ihr im Reiche während der Wahlkampagne verbreiteten Flugschriften be­trägt 55,5 Millionen. Dabei sind au8 49 Wahlkreisen keine Angaben gemacht worden. Der Wahlkampf hat von Parteiwegen eine Ge­samtausgabe von rund 1,570,000 Mk. gefordert, es entfällt also auf jede sozialdemo­kratische Stimme ein Wahlaufwand von rund 50 Pfennigen! Auch mit den Landtags­wahlen beschäftigt sich der Bericht. Wir er­fahren daraus, daß die Sozialdemokratie in den Parlamenten von 18 deutschen Bundesstaate« mit 135 Abgeordneten vertreten ist. __

Ausland.

* Die Folgen der Pöbelausschreitungen in Rom. Infolge der jüngsten Ausschreitungen gegen Wett- und Ördensgeisttiche in Rom hat der hl. Vater verschiedenen französischen und spanische« Komitees zur Vorbereitung von Pilgerzügen den Wunsch ausgedrückt, daß diese Pilgerzüge einst- malen verschoben werden möchten. Daraufhin zirkulieren zwei Bittschriften in der Stadt, namentlich unter den Kaufleuten im Borgo und bedecken sich mit Unterschriften. Die eine ist an den Papst gerichtet, er möge angesichts des schlechten Geschäftsganges von einer weiteren Aufhebung derPilgerzüge Abstandnehmen. In bet anderen Bittschrift an den Minister deS Innern erklären die Unterzeichneten, kein« Steuern mehr bezahlen zu wollen, wen« nicht den Priestern und Ordensleuten ein der­artiger Schutz gewährt würde, daß künftighin die Pilgerzüge nicht mehr auszufallen brauchten.

in Italien angekommen, erkrankte aber Lord Harry fetber ganz plötzlich und starb. Allem tm fremden Lande und hilflos, wie sie infolgedessen war, rief nun die junge Lady Ravendale ihre Stieftochter, die Lady Trevor, deren Aufenthalt dieselbe ihr bekannt gegeben hatte, herbei, in- dem sie sie bat, zu ihr und zu ihrem verwaisten Kinde zu kommen und Lady Trevor folgte dieser Aufforderung; ihr Gatte begleitete sie und dies» beiden waren von nun an um Lord Harry S junge Witwe, bis auch diese starb, nachdem siS Lady Trevor noch ihr Kind übergeben hatte, mit dem Auftrag, dasselbe zu deren Großvater, dem Marquis von St. Leonards, zu bringen. Da- aber tat diese nicht, sie blieb vielmehr monate­lang fort, und als der Marquis einen Abgesand­ten ausschickte, das Kind zu holen, konnte er dem tieferschütterten alten Manne nur einen kleinen Leichnam heiinbringen, der in der Familiengruft der Ravendales beigefetzt wurde. Der alte Mar- quis aber fand von diesem Tage an kerne froh» Stunde mehr; er hat lange Jahre hindurch feine Enkelin weder gesehen, noch mit ihr gesprochen. Die Entfremdung zwischen den beiden ist aller Welt bekannt."

Die Peters hatte atemlos zugehört.

„Wie lange ist das her?" fragte sie jehtz .Fünfzehn Jahre!" antwortete das Mädchen. ,'Unb die kleine Stiefschwester starb, wie Sie sagen?"

„Ja."

„Wie alt war sie, als sie starb?"

„Drei Jahre."

„Und was war die Ursache ihre? Tode-?, forschte die Peters.

„Schwindsucht, soviel ich weiß" antwortet« daS Kindermädchen. „Es soll freilich behaupt« worden fein, daß die kleine Adeline schlecht bs- haiidell und infolge beispielloser Vernachlässi­gung gestorben wäre. Aber die Welt redet leicht viel, wenn es sich um eine Million Vfundsterling handelt."