Zeitung
Zuldaer
34. Jahraang.
Hotattonsirud u. Verlag der fiulbatr Ae> tiendrrderei in Sulba, Zernsprecher Nr. 9.
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die
Augen übergehen
[] Mehr Sparsamkeit im Reichs' haushalt.
Das deutsche Volk mutz die Blockpolitik sehr 'teuer bezahlen; denn schon steht fest, daß eine grotze neue Steuervorlage dem Jtctajs- tage zugehen wird. Wir halten aber neue Steuern für ganz überflüssig, wenn dre rrchtrge Sparsamkeit obwaltet. Wo man das Geld mit vollen Händen ausgibt, da ist es nicht auffallend, dah immer Ebbe eintritt. Allen offiziösen Versuchen, die drohenden neuen Steuern tu Abrede zu stellen, macht die „Franks. Ztg., das Lerborgan des Fürsten Bülow, mit folgenden Mrttetlungen etn Ende: „Der Reichskanzler hat die Ahnung derer bestätigt, die sich durch die neulichen offiziösen Beruhigungspulver nicht wollten beschwichtigen lassen. Von anderer Seite war kürzlich eine Rechnung aufgemacht, bei der dem Steuerzahler
konnten. Trotz der letzten Bewilligungen von etwa 180 Mill. M neuer Steuern sollten doch wieder 250 Mill, erforderlich sein, wozu man eine Reichserbschaftssteuer auf den direk- ten Erbgang, eine Wehrsteuer, eine Steuer- krhöhung auf Tabak (Zigarren-Banderolsteuer) vnd Bier in Aussicht genommen habe. Da vor- fettige Erörterungen darüber unerwünscht waren, o mußte dementiert werden. Aber wie! Nicht etwa, daß Geld genug vorhanden sei, daß man bem Steuerzahler nicht mehr zumuten könne, oder daß man jetzt endlich lernen werde, nicht mehr Geld auszugeben, als man einzunehmen habe. Nein: die Verhandlungen seien noch nicht soweit gediehen, daß sich schon irgend etwas bestimmtes sagen lasse, am wenigsten über das wie, aber auch nicht über die Höhe der Summe. Das ist, als ob der Koch mit dem Messer über den Hühnerhof geht und alle Hennen in die Ecke flüchten, worauf der Koch beschwichtigend sagt: Es steht noch gar nicht fest, wie viel es sein sollen und auch nicht, ob ihr gekocht oder gebraten werden sollt. — Nun beglückwünscht der Reichskanzler den Schatzsekretär zur begonnenen Neichssteuerresorm und hofft auf vollständige Durchführung. Was will man mehr!" Das Blatt führt dann weiter aus, daß die Reichs- erbschaftssteuer auf den direkten Erbgang, die -angeblich 100 Millionen bringen solle, wohl nur eine Dekoration sei; denn sie werde an dem W i- d e r st a n d der Finanzminister der Einzelstaaten unter Hülfe des Zentrums und der Konservatt- den scheitern. — Seinerseits empfiehlt das Blatt die Aufhebung der Liebesgabe an die Branntweinbrenner, die allein für reinen Alkohol bei dem jetzigen Kontingent von 2y4 Millionen Hektoliter 45 Mill. M beträgt, ohne die mit der Maischbottichsteuer immer noch gegebene, aber schwerer zu beziffernde zweite Ste- besgabe. Aber die „Franks. Ztg." hat selbst wenig Hoffnung auf die Wirksamkeit ihrer Em- pfehlung, denn „vor irgend eifern steuerpolitischen Punkte, der den Agrariern unangenehm werden könnte, weicht man höflich zurück..
Das demokratische Blatt erkennt also dte Notwendigkeit neuer Steuern an und mutz daher auch die Quellen angeben, aus denen das Reich schöpfen kann. Es spricht zwar auch von S p a r- samkeit. Aber wo kann denn das Retch sparen? Einzig und allein bei den
Ausgaben für Heer, Flotte und Kolonien!
Eine andere Möglichkeit zu sparen gibt es vorläufig nicht. Hat man denn nicht gerade den Wahlkampf um der K o l o n i e n willen geführt? Ist es nicht gerade der ausgesprochene Zweck dieses Reichstages, die kostspielige Kolonial- Politik der Regierung weiterzuführen? Hat ntcht der Liberalismus sich gerade in dieser Frage auf die Seite der Regierung gestellt und die Poltttk,
die in China 500 Millionen, in Südwestafrika 600 MMonen verpulverte, durch sein Verhalten im Wahlkampf auf da» tatkräftigste unterstützt? Und dann spielt man den besorgten Berater deS Volkes und empfiehlt Sparsamkeit, die man vorher selbst unmöglich gemacht! Auf diesem Wege kommt also der Liberalismus nicht vorwärts; er hat im Gegenteil die Suppe eingebrockt und mutz sie jetzt ausessen.
Das Z e n t r u m ist in der Lage, auf erhöhte Sparsamkeit hinzuwirken; da steht in erster Lini« der Rest der ostasiatischen Expeditton, der jährlich noch 6 Millionen Mark kostet. Diese Truppen können und müssen zurückgezogen werden; das Interesse des Reiches leidet nicht Not. Eine dauernde Gesandtschaftswache ist doch überflüssig und wenn man je glaubt, sie nicht entbehren zu können, so verlege man die Gesandtschaft in einen befestigten Küstenplatz. Unser Handel mit China ist nicht so lohnend, datz wir allein für die Be- wachnng der Gesandtschaft 6 Millionen JH aussetzen können. Dann kommt Kiautschou. Wer will in Abrede stellen, daß alle unsere Hoffnungen auf diesen „Platz an der Sonne" vereitelt worden sind? Es war Fürst Bülow, der in diesem Pachtvertrag uns einen SteinumdenHals legte. Kiautschou hat schon über 100 Mill. <M Reichszuschuß gekostet und kann sich nie aus eigener Kraft erhalten. Für den deutschen Handel hat es fast gar keine Bedeutung; Japaner und Chinesen haben den ganzen Handel an sich gezogen und benutzen für ihren Gewinn alle die Anlagen, die wir mit viel Geld herstellten. Wie soll es jedoch im Ernstfall werden? In Ostasien sind die Verhältnisse gespannt; da kann es gar leicht wieder losgehen. Dann wird Kiautschou sich nicht mehr als neutraler Hafen halten können. Nachdem die Russen Port Arthur verloren haben, nachdem die Engländer Waihaiwat zurückgegeben haben, verschlägt es gar nicht, trenn Deutschland von jener Bestimmung des Pachtvertrages Gebrauch macht, nach der die Niederlassung gegen Ersatz der Ausgaben wieder an China fällt. Wir haben bann unser Geld wieder und sind eine große Sorge los. Die Chinesen gehen gerne hierauf ein und geben uns gewiß für alle Zeiten die offene Tür. Ein besseres Geschäft könnten wir gar nicht machen und den Reichsfinanzen wäre gedient. Ostasien kostet uns jährlich 16—20 Mill. hier also kann gespart wer- den. Zentrumsabgeordnete haben schon im letzten Winter hierauf hingewiesen, aber sie sanden keine Unterstützung. Aehnlich liegt es mit den militärischen Ausgaben für die Kolonien, die jetzt über 30 Mill. M verschlingen; leider steht hier sogar noch eine Steigerung bevor. Wohin soll dies führen?
Auch im
Reichsheer
steht mancher Posten, der gestrichen werden kann und sogar muß. Wir erinnern nur an die vielen K o mm an d an ten und Platzmajore n in ehemaligen Festungen; diese Stellen sind nicht unentbehrlich; was hier an Arbeit zu leisten ist, kann auch ein aktiver Offizier tun. Dann weisen wir auf die sehr zahlreichen Adjutanturen hin; worin liegt denn das Bedürfnis, daß jeder Prinz irgend eines Hauses einen Adjutanten, haben muß; wenn er selbst Militär ist, wollen wir noch gar nichts einwenden; aber wenn der Prinz nie die Uniform getragen hat, dann braucht er auch keinen Adjutanten; er besolde einen Hofmarschall auf seine Kosten und belaste nicht das Reich hiermit. Die Zahl der Adjutanten ist eine sehr große. Auch bei der Flotte gibt es eine Anzahl von Positionen, an denen man sparen kann. Gerade weil wir dafür sind, daß für die Schlagfertigkeit der Vaterlands- Verteidigung alles Notwendige bewilligt werden muß, deshalb fehen wir darauf, entbehr
liche Stellen zu streichen. Adjutanten für Prinzen in Zivil aber erhöhen den Wert unteres Heeres nicht; im Gegenteil, diese Offiziere wer- den dem Militärdienst ja ganz entzo- a e n und bleiben nicht auf dem Laufenden. Der Reichskanzler hat Ersparnisse auf diesem Gebrete zugesagt; gut, bann mache er einmal ernst nut benfelben. Neue Steuern tun es nicht. Sparsamkeit ist für bas Reich bas erste Gebot.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. August 1907.
* Für parlamentarische Studienreisen nach den Kolonien soll in den nächsten Reichshaus- halis-Etat ein Posten eingestellt werden. Wenig- stenS berichtet ein Berliner Blatt, daß in der Kolonial-Verwaltung diese Absicht bestehe. Zur Begründung seiner Meldung teilt eS folgende Gesichtspunkte, die dafür ausschlaggebend wären, mit: „Von den früheren Reisen in die Schutzgebiete schloß sich das Zentrum aus mit der Begründung, daß man dadurch in eine gewisse Abhängigkeit von Rhedereien komme. Früher hatte die Firma Woermann Erleichterungen für die Reise gewährt, daS Zentrum hatte aber damals noch einen Angriff auf diese Firma int Sinne. Die Ablehnung einer Beteiligung an der Fahrt war daher denn Zentrum erklärlich. Um nun solchen Einwurf künftig zu beseitigen, sollen die Reisen auf Kosten des Reiches gemacht werden. Schon die bisherigen Reisen von Abgeordneten in die Kolonien haben sich nützlich erwiesen. Dies wird noch viel mehr der Fall sein, wenn Parlamentarier in größerer Zahl daran teilnehmen und wenn auch die Parteien, die bisher grollend beiseite standen, sich anschließen." Der Vorschlag, diese Reisen auf Reichskosten auszuführen, ist nicht neu; er ist schon früher in der kolonial- freundlichen Presse aufgelaucht. Einstweilen vermögen wir aber mit ihm durchaus nicht zu sympathisieren, am allerwenigsten in der jetzigen Zeit, die mehr denn je auf äußerste Sparsamkeit im Reichsbudget hindrängt. Im übrigen ist der damit eingeflochtene Seitenhieb auf das Zentrum zu läppisch, als daß man sich weiter mit ihm beschäftigen müßte.
r. Herr von Podbielski, der frühere preußische Landwirtschaftsminister, ist am Donnerstag in Berlin eingetroffen und im Palasthotel abgelegen. Gleichzeitig kommt die Meldung, daß man in agrarischen Kreisen beabsichtige, ihn im Wahlkreise Westpriegnitz als Kandidaten für die nächsten Reichstagswahlen aufzustellen. Der bisherige Vertreter dieses Wahlkreises ist der Abg. Stubbendorf, welcher nach Ablauf der gegenwärtigen Wahlperiode ein Mandat für den Reichstag nicht mehr annehmen will, weil er mit Arbeiten überhäuft ist.
* „Billiges Brot" im In- und Ausland. In den Spalten sozialdemokratischer Blätter findet sich fast tagtäglich großes Lamento über „B rot- wuche r", an welchem die böse Zollgesetzgebung Schuld sein soll. Damit verbunden ist in der Regel ein Loblied auf England, das klassische Land des Freihandels, das es verschmähe, durch Zölle die wichtigsten Lebensmittel zu Verteuern. Die sozialistische Presse sucht dadurch den Anschein zu erwecken, als ob in England die Brotpreise bedeutend niedriger seien als in Deutschland. Datz dem nicht so ist, beweist der in Braunschweig als Reichstagskandi- bat für alle Zeiten abgefägte Genosse Rich. Cal-
Sic Perle -es SchMMl-es.
Roman von Ed. Wagner.
44] (Nachdruck verboten.)
Achtunbzwanzigstes Kapitel.
Minuten hinburch standen Alice und das alte Gretchen wohl in der geöffneten Tür, ehe sie aus derselben ins Freie hinaustraten und die Tur wieder anzogen, damit die offenstehende Tür ihre Flucht nicht vor der Zeit betraten konnte.
So schnell wie möglich eilten sie dann nach den Pferden, welche sich in das feuchte Gras niedergestreckt hatten. Den Zügel des einen Pferdes ergreifend, nötigte Alice dasselbe, aufzustehen, und dasselbe tat Gretchen bei dem zweiten Pferde, mit dem Jarvis gekommen war. Beide stiegen hiernach auf und machten sich davon, mit aller Vorsicht, so wenig Geräusch wie nur möglich zu machen.
Das Pony, welches Gretchen am Tage vorher geritten hatte, war vollständig lahm und würde sie nur am schnellen Fortkommen gehindert haben, weshalb sie es zurücklietz. Es legte sich wieder nieder ins Gras.
Und wie die Flüchtlinge am Tage vorher das Ende der Entfernung ersehnt hatten, welche sie noch von der ersten menschlichen Wohnung, auf dre sie stießen, trennte, so kannten dieselben jetzt nur das eine Ziel, eine möglichst große Entfernung zwischen ihnen und der Schäferhütte zu schaffen. Aber nur so, daß die Schäfer nicht aufwachten, durfte das geschehen. Erst als sie weit 0enu£Ltoe<? to™.n' daß der Hufschlag nicht mehr ans Ohr der Manner bringen konnte, trieben sie die Ponys zu größerer Eile an.
„Dem Himmel sei Dank für bieses zweite Ent- kommen!" rief Alice unb es klang wie ein Dank- gebet aus tiefster Seele. „Sie haben zu unserer Verfolgung nur das lahme Pony, unb mit biesem
können sie uns nicht einholen. Ach, errette uns boch ber liebe Gott von unseren Feinden!"
Und sie trieben die Pferde zu kurzem Trabe an, bis sie aus dem Tale in einen gefährlichen und schmalen Gebirgspaß gelangten, auf dem sie nur langsam vorwärts kommen konnten, bis sich beim Schimmer des anbrechenden Tages plötzlich ein schönes Tal, durch welches ein breiter Fluß strömte, vor ihren Blicken auftat. Uebermübe von ber allgewaltigen Anstrengung unb Aufregung, glitten bie Flüchtlinge, an bem Flusse angelangt, von ihren Pferden herab, denen sie die Freiheit ließen, während sie selber sich ins Gras legten, um zu ruhen.
Aber nicht allzulange ließ die Unruhe sie rasten und nachdem sie noch etwas Nahrung zu sich genommen hatten, bestiegen sie die Ponys wieder und setzten ihre Reise fort. Jetzt kamen keine gefährlichen Gebirgspässe mehr; mit den Bergen wechselten anmutige Täler, und Waldungen bedeckten die Bergrücken.
Spät am Abend machten sie sich in einem Tannenwald« ein Nachtlager zurecht unb mit Tagesanbruch ritten sie weiter, sich fragend, ob ihre Reise denn gar kein Ende nehmen wollte.
Da, am Nachmittage, als die Sonne sich schon stark zu neigen begann, sahen sie in der Entfernung von einigen Meilen endlich ein Dorf, — ein erquickender Anblick für die Flüchtlinge.
„Endlich sind wir sicher!" rief Alice. „Hier wird Jarvis es nicht wagen, uns anzugreifen, selbst wenn er uns einholen sollte!"
„Wir haben zur rechten Zeit eine Zufluchtsstätte erreicht," stimmte Gretchen ihr bei. „Ich wäre nicht imstande, noch einen Tag zu reiten, unb auch Ihre Kräfte sind erschöpft, Fräulein Alice. Ich sehe es Ihnen an, obwohl Sie es nicht sagen. Sie sehen aus, als ob Sie jeden Augenblick zusammenbrechen müßten!"
Alice antwortete nicht. In ber Tat waren ihre Kräfte schon beim Beginn ber Flucht infolge ber langen Gefangenschaft nicht sehr stark gewe
sen und nur mit bem ganzen Aufgebot ihres festen Willens hatte sie sich immer noch aufrecht gehalten. So hätte der Anblick des Dorfes, wo sie auf Schutz und Sicherheit rechnen konnten, sie beinahe übermannt. Ihr Herz begann fieberhaft und unregelmäßig zu schlagen, ihre Hände zu zittern, sodaß sie kaum die Zügel zu halten vermochte. Aber mit übermenschlicher Gewalt über- wand sie noch einmal die sie anwandelnde Schwäche.
Sie erreichten bas Dorf unb hielten vor bem ersten Bauernhaus. Die ganze Familie: Vater, Mutter, zwei stämmige Söhne unb zwei flinke Töchter, mit mehreren Knechten unb Mägde«, kam heraus, voll Neugierde über das seltsame Ereignis. Aber damit war es auch vorbei mit Alice's Kraft. Sie glitt noch vom Pferde, sie tat noch einige Schritte vorwärts, sie versuchte noch zu sprechen, bewegte aber nur schwach die Lippen, taumelte und sank wie eine Leblose zur Erde.
Der Herr des Hauses, ein einfacher, kräftiger Hochländer, sprang hinzu und hob sie auf und trug sie ins Haus, als ob sie ein Kind wäre.
Die Frauen, voller Teilnahme und Verwunderung und betroffen von der Schönheit und Hilflosigkeit des Mädchens, eilten ihm nach. Jammernd unb Hagenb folgte allen Gretchen.
Der Mann trat in bie große Wohnstube unb legte Alice auf das einfache Sofa. Ihr Kopf fiel schwer zurück aus bas Kissen; ihre Augen waren geschlossen; sie sah aus wie eine Tote.
Gretchen, all ihr eigenes Leib vergessend, stieß einen durchdringenden Schrei aus, und indem sie sich über ihre junge Herrin beugte, rief sie deren Namen und streichelte ihr die Hände unb bie Stirn. Wortlos gingen die Männer hinaus, .um nach den Pferden zu sehen, während bie Frauen, ebenfalls ohne Fragen zu stellen, Master, Wein unb anbere Hilfsmittel herbeiholten unb bie Schläfen bes Mäbchens damit benetzten und alles aufboten, sie ins Bewußtsein zurückzu- bringen.
wer, ein geschätzter Volkswirtschaftler. In feinem Werke: „Das deutsche Wirtschaftsjahr 1906" sagt er auf Seite 322: „Daß der Zoll den Gefteidepreis beeinflußt, daß er entweder gesteigert oder doch sein Fallen gegenüber dem Weltmarktpreis verlangsamt und aufgehalten wird, das i st e i n e T a t s a ch e, die nicht betote- fen zu werden braucht. Die Schwierigkeiten beginnen erst bei der Feststellung der Tragweite der Zollwirkung auf Getreide-, Mehl- unb Brotpreis. Hier bietet sich aber bem Forscher eme solche Menge von Fragen, baß man sich über bte Naivität berer bertounbern muß, bie im Hanbumbrehen gleich bie Lösung gesunden haben unb sie sogar sicher verkünden. So kann man sehr häufig lesen, baß ber englische Arbeiter billigeres Brot esse als ber deutsche. Warum? Weil bei uns das Brot durch den Zoll verteuert werde, während in England Getreide zollfrei fei. Diese Feststellung entspricht k e i n e s w e g s d e n Tatsachen, sondern in Wirklichkeit verhalt es sich etwa umgekehrt: nicht der deutsche, son- dem der englische Konsument hat einen höheren Brotpreis zu bezahlen. Das klingt zunächst un- glaublich, paßt auch ganz und gar nicht zu der üblichen Auffassung und wird daher nicht gern« gehört. Tatsachen soll man aber lieber bei Zeiten anerkennen, da sie sich schließlich doch Anerkennung erzwingen. Wir wollen nur hier den Beweis anfllhren, daß der Brotpreis in England Häher steht als in Deutschland, daß wir trotz des Zolles billigeres Brot essen als der Engländer." Um dieses zu beweisen, gibt Calwer für vier Stichtage im Jahre 1905 an, wie viel der durchschnittliche Brotpreis in Großbritannien betrug. Danach kostete 1 Kilogramm Brot am 1. Dezember 1905 in London etwas über 24 H, in England und Wales annähernd 23 H. In Berlin dagegen war der Durchschnittspreis zur selben Zeit 22 Pfennige pro Kilogramm. Freilich essen bie Englänber Weizen-, wir Roggenbrot. Aber Calwer ist ber Ansicht, baß beide Brot- arten von jedem Gesichtspunkt aus ihrer Güte nach gleichwertig seien. — Ob die sozialdemokratische Presse aus diesen Darlegungen C a l w e r s die nötigen Schlüsse zieht? Wir glauben's nicht.
* Zur preußischen Wahlrechtsreform ergreift wieder Abg. Naumann in der „Hilfe" das Wort, um zu erklären, daß die Dreiklasseneinteilung eine Herabwürdigung der Mehrheit der Staatsbürger sei.. Aber sonst bleibt er ganz ruhig unb erörtert bie Frage, ob nicht bie So- iialbemotratie den Hauptgewinn ernten könnte: „Es ist natürlich nicht zu leugnen, daß eine Verbessreung des politischen Rechtes ber 3. Klasse auch ber Sozialdemokratie als Partei zugute kommt. Darin liegt für den Liberalismus eine nicht zu verkennende Schwierigkeit. Es gibt Wahlkreise, die bei jeder auch nur teilweisen Verbesserung des Wahlrechts sozialdemokratisch werden, und zwar auf Kosten der Freisinnigen. Vorn Standpunkt der Wahlkreispoiitik aus kann man deshalb wohl die Frage auftoerfen, ob die Gewinne des Liberalismus sicher genug sind, um diese fast sicheren Verluste mit Gelassenheit zu ertragen. Mit bloßer Statistik aber ist hierbei wenig gemacht, denn im Kampf um das preußische Wahlrecht werden sich überhaupt dis politischen Schicksale der Parteien entscheiden. Dabei handelt es sich nicht bloß um einige Wahlkreise, so wichtig diese fein mögen, sondern es handelt sich darum, ob der Liberalismus als Ganzes eine politische Macht in Preußen wirb ober nicht. Gelingt ihm eine ernstliche Wahlreform, bann braucht er keine allzuängstlichen Wahlkreissorgen zu haben, benn bann wird et durch das Gelingen von selbst magnetisch, gelingt ihm aber bie Reform nicht, so helfen auch bie bisherigen Wahlkreise nicht viel." Die ganzen Auslassungen Naumanns nähern sich schon bedenklich
Und endlich schlug Alice bie Augen auf, aber nur, um sie gleich wieder zu schließen. Sie war zu erschöpft, als daß sie ein Glied ober auch nur eine Muskel bewegen konnte. Und jetzt erst gewann Gretchen es über sich, an das Nächstliegende zu denken und die Hausftau um ein Obdach für die Nacht zu bitten.
„Die Mac-Dougals haben noch nie einen Bittenden von der Tür gewiesen," lautete die mit einem gewissen Stolz gegebene Antwort. „Sie sind uns willkommen und können bleiben, solang^ es Ihnen hier gefällt, — Sie und Ihre junge Herrin, welche überhaupt vor einer Woche nicht imstande sein dürfte, weiter zu reifen."
Die Frau fragte nicht, wer die Fremden feiert, woher sie kamen und wohin sie wollten; sie befahl vielmehr ganz einfach einer Magd, eine unbenutzte Kammer für bie Gäste in Ordnung zu bringen.
Die Tochter des Hanfes machten sich wieder an bie Bereitung bes Abendessens, in welcher Beschäftigung sie durch die Ankunft der Fremde« gestört worden waren. Gretchen sprach leise mit Mrs. Mac Dougal und Alice log regungslos auf bem Sofa, nur zeitweise bie Augen auf schlagend, um sie mit fieberhafter Erregtheit im Zimmer umherschweifen zu lassen, von Gegenstand zu Gegenstand. Dieses große einfache Zimmer dänchte Alice in diesem Augenblick so traulich wie nicht bas prachtvollste Gemach in einem fürstlichen Palaft. Die wohltuenbe Wärme, bie freundlichen Gesichter und die sympathischen Stimmen der Bewohner des Hauses erfüllten ihre Seele mit Ruhe unb eine Behaglichkeit, wie sie sie seit dem Verlassen des Pfarrhauses in Schönau nicht empfunden hatte, kam über sie.
Ein großer Tisch in der Mitte des Zimmers ward zum Abendesfen gedeckt unb bie Töchter trugen bie Speisen auf. Die Männer würben gerufen unb man setzte sich zu Tisch. Gretchen wurde der Ehrenplatz eingeräumt. Für Alice hatte MrS.