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34. Jahrgang.

Fulda, Donnerstag den 22. August 1907

M 191.

uit»Feiertage viertel» tährt. Bezugspreis ohne Btingerblm und vetleLgeldinfiuldaund auswärts 1M SVPfg-

Anzeigen, Vit ei« spalttge Petitzeil« oder deren Raum 15 pfg. Reklamen di« Petitzeil« 25 Pfg.; bei wieder- hslungen wird rntspr. Rabatt gewährt.

das schöne Weib neben ihnn Jetzt fesselte das­selbe nicht mehr nur die Vergangenheit an ihn, sondern mit noch weit unlösbareren Ketten auch die Gegenwart, in der sie sich durch diese heutige Fahrt vor aller Welt zu ihm bekannte. Wieder­holt suchte er ein Gespräch mit ihr anzuknüpfen, aber alles scheiterte an ihrer eisigen Unnahbar­keit, für die er ihr heinilich Rache schwor, wenn sie erst ihm angetraut und er ihr Herr sein würde.

Edith hingegen saß wie auf Kohlen. Die Tragweite dieser Fahrt, erst jetzt wurde sie ihr klar. Plötzlich aber fuhr sie wie von einem Schlag getroffen zusammen. Ihr Wagen begegnete dem der Lady Glenham und sie sah, wie der befrem­dete Blick der stolzen Dame sich auf sie und ihren Begleiter richtete.

Aber schon übergoß es sie siedendheiß. Sie sah sich auf einmal dem Wagen des Marquis von St. Leonards gegenüber. Der alte Mann blickte mit deutlicher Absicht zur Seite; er wollte sie offenbar nicht sehen. Ihm zur Seite aber saß Lord Glen­ham und wenn derselbe auch höflich grüßend den Hut zog, so konnte Edith doch seine Ueberrafch- ung nicht entgehen, trotzdem, was sie ihm erst heute gesagt hatte, sie in der Begleitung dieses Mannes jetzt hier im Hyde-Park spazieren fahren zu sehen, den zu hassen sie ihm gegenüber be­hauptet hatte.

Eine monientane Störung in der Wagenreihe nötigte auch den ihrigen, stehen zu bleiben, als sitz sich eben nahe einer Bank befanden, auf der zwei weibliche Wesen saßen. Eine von ihnen, ein Dienstmädchen mit weißem Häubchen und weißer Schürze, teilte ihre Aufmerksamkeit zwischen drei elegant gekleideten Kindern, welche hinter ihr auf dem Rasen spielten.

Die Frau neben diesem Dienstmädchen war groß und hager, mit blassem Gesicht und sehr kränklich aussehend. Die scharf markierten Züge, die eingefallenen Wangen, das, spitze Kinn, die tiefliegenden Augen und die tiefen Falten der

Stirn erzählten eilte ganze Geschichte von Mangel und Entbehrungen. Ihre mageren Hände mit den zerstochenen Fingerspitzen,sprachen von langer und angestrengter Arbeit mit der Nadel. Sie trug ein Kleid von schwarzen! Stoff, grau und dünn vom langen Gebrauch und an mehreren Stellen geflickt. Ihren Hut hatte sie offenbar fchon verschiedene Jahre getragen und ihr Um­schlagetuch war so alt, daß man buchstäblich nicht mehr erkennen konnte, welche Farben es einst gehabt haben mochte. Ihr ganzes Aenßeres bil­dete jedenfalls einen grellen Kontrast zu all dem Glanz um sie her.

„Es geht doch höchst ungerecht in der Wel zu", sagte die Frau zu dem Kindermädchen, „da einige Menschen in Equipagen fahren und nichts tun können, während andere dagegen gehen miif- fen und kaum eine Stunde übrig haben, um sich zu erholen und frische Luft zu atmen. Dafür, daß ich mir die Zeit genommen habe, jetzt hier­her zu gehen, muß ich heute abend aufsitzen und nähen, bis ich das Versäumte eingeholt habe. Ach, wie fs oft hätte ich mir schon gewünscht, zu sterben, wenn ich mich nicht doch noch immer wie­der an eine Hoffnung festklammerte!"

„Und was für eine Hoffnung ist das?" fragte das Mädchen. „

Die ärmlich gekleidete Frau überlegte.

„Na, warum foll ich es nicht fügen?" ent­gegnete sie dann. „Ich fuche unablässig nach einer Person, welche ich bis jetzt jedoch noch nicht habe finden können, soviel ich auch überall nach ihr Umschau hielt. Darum habe ich mir jetzt vor­genommen, einen ganzen Monat lang jeden Tag hierher in den Park zu kommen. Vielleicht habe ich ebenso wenig Erfolg wie bisher, aber e§ tft ja auch möglich, daß ich endlich einmal das Gluck habe, ihr Gesicht hier in irgend einem Wagen zu sehen. Ich würde es auf den ersten Blick er­kennen, so lange Zeit es auch her ist, daß ich es gesehen habe. Und ich weiß überhaupt, daß ich

Kleinbetriebes. Wir haben also einen neuer­lichen Beweis für die alte Erfahrungstat­sache, daß die Warenhäuser durch die eigentüm­liche Art ihrer Geschäftsführung das Fortkom­men von vielen Existenzen nicht nur gefährdet, sondern auch verhindert. Die Befürchtung, wel­che der Verband der deutschen Gewerbevereine schon im Jahre 1899 hegte, daß nämlich durch die Warenhäuser „die Gefahr der Aufsaugung zahl- reicher durchaus berechtigter Existenzen des ge­werblichen und kaufmännischen Mittelstandes in bedenkliche Nähe gerückt ist", war also durchaus zutreffend und hat leider zum Teil schon ihre Verwirklichung gefunden. Selbstverständlich las­sen die Beschützer des Warenhauses. diese Ein­wendung nicht gelten. Ein liberales Blatt sieht die Verminderung der Gewerbesteuerpflichtigen 4. Klasse derart vor sich gehen, daß sie einfach in die dritte oder zweite Klasse aufrücken, also vorwärts schreiten. Mag das in wenigen Fäl­len auch zutreffen, so muß doch auch. wiederum darauf hingewiesen werden, daß gerade der 4. Klasse der Gewerbesteuerpflichtigen, der „Nach­wuchs" stärker zuströmt als den übrigen Klassen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist also der in der amtlichen Statistik gezogene Schluß durchaus richtig. Selbstverständlich erblicken wir in den Warenhäusern nicht die einzige, diesem Teil des gewerblichen Mittelstandes drohende Gefahr; daß sie aber einen schädlichen Einfluß in dieser Hin­sicht von jeher geübt haben, läßt sich nicht in Ab­rede stellen. Deshalb muß immer wieder fort- gefahren werden, ihre erdrückenden Ein­wirkungen einzudämmen. Und da bleibt eine progressiv wirkende Umsatzsteuer mit den nötigen Vorsichtsmaßregeln noch immer das wirksamste Mittel.

kampfszeit stammt die leidenschaftlich gesteigerte Erregung der Gemüter und die aufreizende Po- enparole, die deutsch und protestantisch auf der einen und katholisch und polnisch gleichstellt. In , rote st antischen Kreisen wird hier und da noch immer an der Anschauung festgehalten, daß im Hinblick auf die nationale Zuverläs- igkeit der deutsche Katholik zu minderem Maße einzuschätzen sei als der deutsche. Protestant, daß die eigentliche germanische Ausprägung der Gottesverehrung erst im Protestantismus gege­ben wäre und daß die römische Form des Ehri- teutums mit echtem deutschen Wesen sich nicht verschmelzen lasse. Das sind Vorurteile, hi st arische Irrtümer...... Lassen Sie

mich hier nur auf eins Hinweisen, auf das, was gerade die katholische Kirche für die Germanisie- rung der Ostmark getan hat. In engster Gemein­schaft mit der bäuerlichen Siedelung haben die Cistercienfermönche eine Reihe von Hochsitzen deutscher Kultur hier be­grün ö e t, ebenso haben Franziskaner und Do­minikaner als treue Hüter deutschen Wesens sich bewährt. Mit durchschlagendem Erfolge hat das gewaltige Schwert des deutschen Ordens im deutschen Dienste gewirkt. Der katholischen Kirche verdanken wir ein gut Teil der kolonisa­torischen Errungenschaften im Mittelalter, da war deutsch und katholisch eins. Die Re­formation hat einen Riß in diese enge Verbin­dung gebracht. .... Nach dem Grundsatz: „Wes das Land, des der Glaube" sind heute die West­falen der alten Reichslande, die echten Nachkom­men Hermanns und seiner Cherusker und die Sachsen des Herzogs Wittekind eifrige K a- tholiken. Sie sind darum, doch kernige Deutsche geblieben, so gut, wie die braven Ti­roler in der schönen Heimat Walters v. d. Vogel­weide und Andreas Hofers und als Deutsche ge­nau soviel wert wie der protestantische Pommer oder Brandenburger. (Lebh. Zustimmung.) . . . Sodann sprach Prof. Höninger noch von „Ultra- montanismus und fchwarzer Internationale" in einer von keinerlei Sachkenntnis getrübten, Weise und machte noch das Eingeständnis, daß in den Reihen der Protestanten die „rote Internatio­nale" „zahlreiche Anhänger" besitze.

* Eine Abordnung des katholischen Lehrer­verbandes hatte am Dienstag vormittag eine Audienz beim preußischen Kultusminister, um ihm, wie die ,Germania' berichtet, die Wünsche der katholischen Lehrerschaft Preußens zu unter­breiten. Bericht wurde erstattet über die Besol- dungs- und Küsterfrage, über Rang- und Standes- fragen, über Vor- und Fortbildung der Lehrer und über die Feriensrage. In einer sich an die Audienz anschließenden zwanglosen Unterhaltung suchte der-Minister sich namentlich über die Wünsche zur Besoldungs- und Küstersrage zu orientieren und gab die Versicherung, die vor­getragenen Wünsche wohlwollend zu prüfen und das Mögliche zu ihrer Verwirklichung zu tun.

d. Die Kolonialfrage auf dem internatio­nalen Sozialistenkongreß in Stuttgart. In der Kommiffion, die sich mit der Kolonialsrage beschäftigte, ging es nicht minder lebhaft her wie in der Sektion für Antimilitarismus. Wie der Franzose H erva den antimilitaristischen Gedanken in allen seinen Folgen mit zäher Hartnäckigkeit vertritt, so wendet sich der Deutsche Ledebour gegen jede Kolonisation durch die heutige bür­gerliche Welt. Beide finden aber energischen Widerstand. Zunächst erklärte Dr. David- Mainz, die Sozialdemokratie müsse die Art, rote die bürgerliche Welt heute kolonisiere, verurteilen, aber andererseits ihren ganzen Einfluß aufbieten, um sowohl die koloniale Bevölkerung wie die kolonialen Naturschätze gegen kapitalistische Aus-

verantwortli»«r HU

Schriftleiter: A. Westler

3.fpanenet in Mda. Woch^libeilage: „3nuffricttc Sotintagsjeifuna

li tion Srecht vorenthalt en und die „Gelben" Gewerkschaften protegieren, da ein solches Der- talten weder „nationalen* noch „liberalen" Grundsätzen entspricht.« Auf dem Delegierten- tage sollen laut dem ,Hann. Kour.' 3 Arbeit- nehmer aus dem Saarrevier diese Anträge ein­gehend begründen, und zwar ein gemaßregelter nationalliberaler Hüttenarbeiter aus Bürbach; ein deutsch-nationaler Handlungsgehilfe aus St. Johann und der Gewerkschaftssekretär S ch n eid er- Malstatt. Von den christlich organisierten Ar­beitern des S.aarreviers bekennen sich etwa 7000 politisch zur nationalliberalen Partei. Sie ühlen sich beschwert durch Jba§ Verhalten ver- chiedener Großindustrieller. Die Großindu­striellen selbst aber sind ganz ausgesprochene Nationalliberale, so daß die Debatte über diesen Antrag höchst interefiant werden kann.

* Eine Schwenkung der Freisinnigen. Die ,Lib. Korresp/ fühlt plötzlich das Bedürfnis, tn der Wahlrechtsfrage eine Schwenkung zu vollziehen und sich mit einem Kompromiß zu begnügen. Sie schreibt: Die Freisinnigen haben sich niemals der Hoffnung hingegeben, daß sie ihre Forderung mit einem Schlage durchsetzen könnten, und sind selbstverständlich gern bereit, jede Aktion zu unterstützen, die geeignet ist, dem bestehenden reaktionären Wahlsystem wenigstens die schlimmsten Giftzähne auszubrechen. Daraus folgt, daß die Freisinnigen in erster Lmie natürlich alle ihre Kraft zur Durchsetzung ihrer eigenen Programmforderung d. h. Er­setzung des bisherigen Wahlrechts durch das Reichstagsroahlrecht, einsetzen werden, wenn sie, wie bei den bestehenden MehrheitsoerMnissen vorauszusehen ist, mit dieser Forderung, die wahrscheinlich nur auf die Unterstützung des größten Teils des Zentrums zu rechnen hat, nicht durchdringen, in zweiter Linie die Anträge der Nationalliberalen unterstützen werden; allerdings, wie wir glauben, nur unter zwei Voraussetzungen. Erstens müssen die Anträge der Rationalliberalen einen glatten Verzicht auf das Klassenwahlsystem enthalten und ferner die tatsächliche Forderung der geheimen Wahl. Da im übrigen auch die Natwnalliberalen ein Haupt- gewicht bei der Wahüeform auf die Neuein­teilung der Wahlkreise legen, scheinen die beiden wesentlichen Differenzpunkte zwischen Freisinnigen und Nationalliberalen in den beiden erwähnten Abweichungen zu bestehen." Man sieht also bereits das schöne Ende, wo sich die Parteien des Blocks in den Armen liegen; bisher hieß es stets: „Alles oder nichts!" Jetzt nimmt die,Lib. Korrefp/ bereits mit kleinen Abschlagszahlungen vorlieb. Bis zum Herbst kann noch manches anders werden; und da sind freisinnige Blätter unzufrieden, weil das Zentrum nicht sofort sich von ihnen einfangen ließ. Das Zentrum if und bleibt selbständig.

* Die konfessionelle Frage ans dem Haka- tistentag in Bromberg. Auf der Tagung des Ostmarkenvereins in Bromberg hat ein Prof. Dr. Höninger- Berlin eine Rede über die konfessionelle Frage in der Ostmark gehalten, die neben zahlreichen Verschrobenheiten und Unrich- tigkeiten auch manches Wahre enthält und von der wir die bemerkenswertesten Stellen wieder- geben. Dr. Höninger führte ungefähr ans: „Nichts hat nnfere (der Ostmark) politische 23 er- gangenheit störender beeinflußt, als der r e- ligiöse Zwiespalt, der unser Volk durch­zieht. Gerade hier in der Ostmark hat er sich be­sonders schädigend erwiesen. Aus der Kultur-

fie eines Tages finden werde, und dann werde ich keine Armut mehr kennen!"

„Um Gottes willen, Sarah Peters", rief das der Frau bekannte Dienstmädchen, „ich glaube, es ist nicht ganz richtig in Ihrem Kopfe! Wie könnte der Anblick eines Menschen Sie reich machen?"

„Das werden Sie sehen!" antwortete Sarah Peters mit ungewohnter Siegesgewißheit. „Von der Stunde an, in der ich die Person, die eine reiche Dame ist und die lieber eine Schlange als mich sehen wird, hier finde, werde ich keine Hand mehr zu rühren brauchen und dennoch Geld im Ueberftuß haben I — Himmel", unterbrach sie sich plötzlich, aufspringend und nach den Wagen hinüberstarrend, „da ist sie, — da ist fiel"

Es war in dem Moment, als der Wagen der Lady Trevor gerade gegenüber der Bank minu­tenlang halten mußte. . ,

„Wo — wo denn?" fragte das Dienstmädchen.

„Dort, die Lady mit dem schwarzen Hut und der hellen Rose und der Feder darauf!" antwor- tete die Frau in fieberischer Aufregung.

„Die Lady ist es?" tief das Mädchen der- wundert. . t , _

Die Wagen setzten sich eben wieder tn Be­wegung. Sarah Peters sank, unfähig, sich auf­recht zu halten, auf die Bank zurück.

„Ja, die Lady ist es!" ächzte sie. „Es ist dieselbe! Ich weiß, daß ich mich nicht irre! End­lich habe ich sie gefunden!"

Das Kindermädchen betrachtete sie zweifelnd; dann fchüttelte sie den Kops.

„Ich weiß wirklich nicht, was ich von ^hnen denken soll, Sarah Peters", sprach sie bann. „Sie Lady können Sie doch nicht kennen! Ich glaube, Sie würden sofort arretiert, wenn Sie es nut wagen sollten, die anzureden. Die Lady ist ernt der reichsten Erbinnen England's!"

„Sie kennen sie?" fragte Sarah Peters ha­stig. „O, schnell, schnell: wer ist sie, - tot« ist ihr Name?"

(:) Warenhaus und Warenhaussteuer.

Der Verband deutscher Gewerbevereive faßte im Jahre 1899 auf feiner Hauptversammlung in Köln einstimmig eine Resolution, tn welcher er aus Gründen des Allgemetnwohls etne wirksame Besteuerung der großen Warenhäuser für brinaenb geboten erachtete. Zwei ^zahre vor­her legte schon die oberbayerische Handels- und Gewerbekammer in München in einem Gutachten an die bayerische Regierung nieder, daß thr ge­genüber der Warenhausfrage nach Lage der Ver­hältnisse ein anderer Weg als der Steuerge- setzgebung nicht gangbar erscheine. Auch auf vielen anderen Versammlungen von Gewerbetret- benben wurde immer wieder eine ausgiebige, pro­gressiv wirkende Umsatzsteuer verlangt. Im Jahre 1899 wurden in Bayern die Warenhäuser mit einer Gewerbesteuer von % bis 3 Prozent des ge­samten Geschäftsumsatzes belegt. Sachsen hat drei Jahre vorher schon die Umsatzbesteuerung der großen Ladengeschäfte bewilligt, in Preußen kam die Frage im April und Juni 1896 ins Roh len, als eine Kommission des Landtags sich auf. einen konservativen, vom Zentrum unterstützten Antrag auf Besteuerung der Warenhäuser fest- legte.

Dieser Tage wurden nun die Ergebnisse der Warenhaus st euer in Preußen für das Jahr 1906 veröffentlicht. Danach sind in dem genannten Jahre 90 Warenhausinha­ber mit einer Steuer von 2 525 000 JC ver­anlagt worden. Die Zahl der steuerpflichtigen Warenhausbetriebe stellte sieh im Jahre 1905 auf 93 und im Jahre 1901 auf 109. Der ©teuerer­trag ist im Verhältnis zum Jahre vorher um 865000 M gewachsen, bleibt aber hinter dem Resultat von 1901 um 55 000 M zurück. Von Interesse sind die Bemerkungen, welche die „Sta­tistische Korrespondenz" diesen Zahlen anfügt. Zunächst kann daraus geschlossen werden, daß die Einführung der Warenhaussteuer von der Grün­dung neuer Unternehmungen abgehalten hat. Andererseits erwirkten sich manche Waren­häuser Steuerfreiheit, indem sie ihren Betrieb durch Beschränkung auf Waren einer ein­zigen der gesetzlich vorgesehenen Warengruppen in Spezialgeschäfte verwandelten. Der durch­schnittlich auf einen Warenhausbetrieb entfal­lende Steuerbetrag stellte sich 1901 auf 28 201 M 1905 auf 23 230 und 1906 auf 28 058 /(. Daraus ergibt sich für die neueste Zeit eine günstige Ent­wickelung der bestehen gebliebenen Unternehmun­gen. Dieser Tatsache ist die Bemerkung ange­fügt, daß „die weitere Ausdehnung dieser Be­triebe offenbar durch die Warenhanssteuer nicht beeinträchtigt wird, zumal sie vielfach vom Groß­kapital unterstützt werden und die Steuer abzu­wälzen verstanden haben." Schließlich heißt es noch wörtlich: „Hand in Hand mit dem Auf­schwünge im Warenhausgewerbe geht neuer- dings ein

beträchtlicher Rückgang des gewerblichen Klein­betriebes;

auf 10000 der städtischen Bevölkerung kommen nämlich in Preußen im Jahre 1901 206, im Jahre 1905 205, im Jahre 1906 dagegen nur »och 202, insbesondere in Berlin in denselben Jahren 264 bezw. 261 und 256 Gewerbesteuer- pflichtige der Klasse IV."

Diese Bemerkungen enthalten zwei teert- tolle Zugeständnisse. Als seinerzeit der Gesetzentwurf über die Warenhaussteuer im preu­ßischen Landtag beraten wurde, ist auch daraüf hingewiesen worden, daß die Warenhäuser es fer­tig bringen könnten, die Steuer abzuwälzen oder gänzlich von ihr befreit zu werden. Die amtliche Statiftik gibt jetzt zu, daß ihnen dies tatsächlich gelungen ist. Ebenso wertvoll ist die Einräum­ung von der Verminderung des gewerblichen

Deutscher Keich.

Berlin, 21. August 1907.

* Der Kaiser wird am 3. September in Wilhelmshafen eintreffen. Die großen Manöver in der Nordsee, an denen etwa 90 Schiffe teilnehmen, beginnen am 4. September und er­reichen am 6. September ihr Ende. An diesem Tage kebrt der Kaiser nach Wilhelmshasen zurück, um dort voraussichtlich noch einige Tage Aufent­halt zu nehmen und dann nach dem Manöver- gelände in Westfalen abzureisen.

* Blockparlmnentarier beim Reichskanzler. Der Reichskanzler hat in Norderney den National- liberalen Bassermann und dann den Konser- vaiiven v. Istormann empfangen. Die,Franks. Ztg/ schreibt dazu aus Berlin:

„Der Reichskanzler empfängt in Norderney viele Besuche, sowohl ausländischer Diplomaten, wie deutscher Politiker. Bor kurzem war erst Herr Bassermaun bei ihm. Neuerdings hat er den Führer der konservativen Neickistagsfraktiön, Herrn v. Normaun eingeladen, unj> nächstens werden, wie eine hiesige Korrespondenz wissen w'll, zwei freisinnige Führer, Dr. Müller-Mei­ningen und Dr. Müller-Sagau, in Norderney einen Besuch abstatten. Es scheint, daß der Reichs­kanzler mit den Führern der sog. Blockparteien manches zu besprechen hat und sich über die politische Lage und die nächste parlamentarische Kampagne unterhalten will.

* Die Nationalliberalen in der Klemme. Einen politisch sehr interessanten Antrag haben die nationalliberalen Arbeiter des Saar- gebiets zum Delegiertentag der Naiionalliberalen Partei in Wiesbaden gestellt. Er lautet: „Der Delegiertentag wolle beschließen: 1) Grundsätz­liche Stellung gegen die „Gelben" Gewerkschaften zu nehmen; 2) Ausschluß derjenigen Herren aus der nationalliberalen Partei anzubahnen, welche den christlich organisierten Arbeitern ihr Koa-

Roman von Ed. Wagner.

43] ^Nachdruck verboten.)

Siebenundzwanzigstes Kapitel.

, Hyde-Park bot an diesem schönen Mai-Nach­mittage einen glänzenden Anblick dar. Die vor­nehme Welt gab sich hier ihr Rendezvous und die weniger von der Göttin des Glücks Begünstigten beobachteten die glanzvolle Parade und machten dre verschiedenartigsten Bemerkungen über die Teilnehmer an derselben.

Eine der schönsten Equipagen war die der Lady Trevor. Die Rosse waren von der edelsten Rasse, der Wagen war ein wahres Meisterstück und Kutscher und Diener prangten in der prun- kendsten Livree.

„Ach", tönte es wohl mehr als einmal hinter ihr drein, „wer doch auch so glücklich wäre wie die Dame da!"

Und Lady Trevor sah in der Tat glücklich aus. Ihre, Augen glänzten und sie lächelte, als habe sie nie eine Sorge gekannt. Kein Mensch, der sie sah, konnte ahnen, daß hinter dieser heiter . strahlenden Stirn ein Heer von Dämonen in Tä­tigkeit war und daß sie nur darauf sann, den Mann an ihrer Seite, den sie nun selber offen­kundig aller Welt als ihren Verlobten vorführen suußte, zu verderben. Niemand konnte erraten, m-cn^.r ^rem kostbaren Gewände ständig r- r.^'stftäfchchen verborgen trug, mit denen •4. Z.re Freiheit zu erlaufen sie jede Stunde be- rett war wenn ihr keine Wahl blieb. Am wenig- fron uh nie dieser Manu selber etwas davon. Ein schier maßloser Triumph erfüllte ihn vielmehr einzig.

Das Erstaunen auf den Gesichtern der ihnen Begegnenden erhöhte seine Siegesgewißheit nur Ivch. Run gab es vollends kein Zurück mehr für

Rotationsdruck u. vertag der SuIftaer Av . tlendr ickeret In Sulfta monawuage: „Wdaer Seschichtsbiä ter'