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Maer

Zeitung

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monotsbeilage: „Mdaer Gefchichtrblälter

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34. Jahrgang

Fulda, Mittwoch den 14. August 1907

M 185.

Sot«tt»«»br»ck «. Verlag der Salbaet Ar< tiendr ickerei in fiuM zernfpre-er ttr. 9.

a*3tfaett. vke ft* fpaltige Petitzeil« oder deren Raum 15 pfg. Reklamen sie prtitzeile 25 pfg.; bei wieder« Holungen wird entspr. Rabatt gewahrt.

Lrjcheiut IS glich mit Aurnahm« der Sonn» uud Feiertage, vrertel- tährl. vez« arvrrir ohne vringerl 'hn und veteLgeld inZuidaund aurwärtr! M. so Pis-

verantwortliHer Schriftteiter: A-Wetzler

z. Vr«»tr"n 5ulda. wochLNbeilage: „Illustrierte Ssnntagszeitung

Zweites

Reklamen, und Anzeigenteil.

Nähre mit „Knorr“.

* Umtötige Vorsicht. Vater: ,Farlchen, ich hoffe doch, daß du in der Pension keine Schweinewurst ißt; es könnten leicht Trichinen darin sein." Karl« chen: „Ach, die schaden gar nicht; die Frau Pro« feffor schneidet die Wurst so dünn, daß die Trichinen alle zerschnitten werden."

vor 500 und 600 Jahren dre vom Landturm ge­meldeten Zeichen über einen der, Bergturme herab telegraphiert" worden, wenn dre „Ansbacher t« plötzlichem Ueberfall die heute noch türme- und wehrreiche Grenzstadt Ochsenfurt erobern wollten. Dieses kleine Städtchen mit seinen Kunstwerken und Altertümern, seiner noch so gut erhaltenen Befestigung steht der Stadt Rothenburg nicht viel nach. Auch hier ist eine schon 1000 Jahre alte Kulturstätte. Ach wie neu ist noch AmerikaI

Der Turm zeigt uns den Weg zuruck durchs herrliche Maintal nach Würzburg. Der Abend- sonne Gold liegt auf den glatten sanften Wassern des fisch- und sandreichen „lieblichen Mmnes . Der „mönus amönus" fließt vorbei, soweit unter Auge ibn verfolgen kann, an dem weinberuhmten Randersacker, dem altbefesttgten Heidingsfeld, an den neuen Merteln der Stadt, die durch das prächtige Hochkai gegen Ueberflutung geschützt sind und in der neuen romanischen Adalberonrche einen baulichen Mittelpunkt finden. — Warum sie in Amerika für die romanischen Bauten auch gar keinen Sinn haben! Keine einzige romanische Kirche habe ich gesehen. Sollte der praktische Sinn die Ursache dieser Erscheinung sein, oder, der Mangel an Verständnis für alt überlieferte kirchliche Kunst? , . .

Die neue Ludwigsbrucke mit den vier mächti­gen ehernen Löwen zieht den Blick ab vom Wasser und drängt ihn auf die Stadt hin! Welch wun­dervolles Städtebild l Wer das inselreiche Stock­holm und Chrrstiania kennt, wer in Kopenhagen geweilt und Prag bewundert hat, wer das Hau- sermeer von London, Berlin und Paris gesehen, den herrlichen Ring der Kaiserstadt Wien vom Kahlenberg aus betrachtet hat, wer schon un alpenumschlossenen Innsbruck, im schönen Salz­burg gewesen, an der Drei Flüssc-Stadt Passau von Oberhaus her sein Auge gelabt hat, der muß anerkennen, daß all diese Städte ihre besonderen einzigartigen Schönheiten haben, aber als Städtebild, frei von feder Zutat, wird man nicht leicht ein schöneres finden, als es die Hauptstadt des Frankenlandes ist.____________________

stungstor heraustritt, da erheben sich auf den Felsen in drei gewaltigen Terrassen die riesigen Steinwälle der Festungswerke, auf ihrer Krone die Wohngebäude tragend, und unten schlüpft ein Arm des Maines hart an den Felsen vorbei durch ein hohes Gewölbe hinein in die steinerne Umwallung.

Ich wandere die Straße, welche schon vor 1100 Jahren der erste Bischof von Würzburg gewan­dert ist, der heilige Burkardus. Der älteste Teil seiner Grabeskirche stammt noch aus dem Jahre 1033. —Run steige ich langsam den Weg hinauf, der zum Ausfichtsturm Frankenivarte führt. Wie haben doch die alten Steinbrüche, in denen wir vor 22 Jahren noch als Soldaten bei Feld­dienstübungen herumstiefelten, sich verändert! Ge­meinsinn und Schönheitssinn der Bürger hat sie in wildromantische Anlagen verwandelt, in einen neuen Stadtpark, der mit den neuangelegten der amerikanischen Städte sich kühn messen kann.

Nun bin ich auf der Höhe und wende mich um — welch wunderliebliche deutsche Landschaft, welch ein entzückendes Städtebild 'bietet sich da im warmen goldenen Sonnenschein meinem Auge!

Es ist ganz gewiß keine Uebertreibung, nicht Lokalpatriotismus, wenn ich behaupte, die ganze neue Welt kann kein ähnliches liebliches, so reich gegliedertes und doch harmonisch abgerundetes Städtebild aufweisen, wie es Würzburg bietet. Da liegt unten vor mir die Marienburg, wie sie sich auf dem langen, fchmalen Bergrücken hin- zieht. Jahrhunderte, ja ein Jahrtausend hat da­ran gebaut. Stammt doch die noch erhaltene Rundbau-Anlaqe der Festungskirche aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. — Zum Schutze der schwa­chen Flanke hat Balthasar Neumann einen Fe­stungsturm errichtet, den Massikuliturm, der aus dem Felsen herauswachseud Naturkraft mit trotzi- gcr Festigkeit und kunstvoller Gliederung innig vereint. Vier gewaltigen Strebepfeilern gleich, als sollten sie das Abgleiten der Marienburg ver­hindern, ziehen sich die hohen Lünetten und stei­nernen Wälle abwärts. Es sind die Cyklopenarme der Burg, mit der sie in ihre sorgsame mütterliche Hut die gutgepflegten Weinberge einschlicßt, den weltberühmten „Leisten", der in den wundervol­len Hofkelleranlagen der königlichen Residenz Be- gräbnis und Auferstehung feiert. Wo findet man das sonst noch, daß die rauhen Festungsmauern und die edelste Frucht, der Weinstock, so innig ver­einigt mitten zwischen die Wohnhäuser der Bür­ger sich hineinerstrecken?

Das Auge schweift über die Festung hinweg, hinüber zur Steinburg, wo hintereinander und zwischendurch die Rebenhügel sich drängen. Je­des Plätzchen ist benutzt. Tausendjährige Kultur­arbeit hat so Gründliches und Sorgfältiges ge­leistet. Und unten herum um die Berge schlingt sich in vielfachen Windungen des Maines Silber­band wie eine breite Borte, einfasseud das grüne reichhaltige Schleppkleid der „Wirciburgia".

Und weiter abwärts schaut über den Reben­hügeln auf hohem Plateau ein Kirchlein herüber. Auch von diesem spinnen sich Fäden hinüber über den Ozean in all die deutschen Gesangvereine, in welchem das weltberühmte Lied des Komponisten Val. Becker gesungen wird:

„Ein Kirchlein steht im Blauen Auf steiler Bergeshöh'".

Und weiter schweift der Blick und — o Wun­der! Sind das nicht die blaugrauen Meeres- wogen, die sich am fernen Horizonte ringsum in ■ weitem Kreise hinziehen? In dunstigen Schleier ; gehüllt erwecken die welligen Gebirge des Spes- ■ sarts und der Vorrhön, des Steigerwaldes und । der Frankenberge diesen Eindruck.

Der hohe Wartturm bei Ochsenfurt bietet dem ■ Auge einen kurzen Ruhepunft. Von ihm sind

Lady Trevor hielt ihr Taschentuch vor die Augen und tat, als wenn sie schluchzte.

Aber den Marquis beirrte das nicht.

„Deiner Hinterlist habe ich alle Sorgen mei­nes Leben? zuzuschreiben, — meine ganze schreck­liche Einsamkeit," fuhr er fort, und tiefe Furchen lagerten sich auf seine Stirn. „Wenn Du meine kleine Enkelin nach dem Tode ihrer Mutter, wie diese es Dir aufgetragen, zu mir gebracht hättest, würde ich Adeline heute bei mir haben. Manch- inal zweifle ich doch noch an Dir, trotz aller Deiner Versicherungen. Manchmal bei Tag wie bei Nacht drängt sich mir, — ob ich will oder nicht, — doch noch der Gedanke auf, daß Du das un­schuldige Kind dennoch getötet hast, um sein Ver- mögen zu erben!

„Großvater!"

Der Marquis stieß ihre Hand zurück, welche sie nach ihm ausstreckte, und rückte weiter von ihr fort.

„Ich kann diesen Namen von Deinen Lippen nicht hören, Edith!" rief er bart. „Ich war die ganze vorige Nacht wach und dachte zuerst an Miß Romberg und dann an Dich und an meine kleine Adeline Und alle meine früheren Zweifel an Dir kamen mit verdoppelter Stärke über mich. Ich erinnere mich, daß Dein Mann eine Schmach für die Edelmannschaft England's war, daß — — Doch ich bin nicht gekommen, um alte Geschich­ten wieder aufzurühren oder Dich anzuklagen. Ich will nicht willen, ob Du schuldig oder ob Du es nicht bist. An den: Tage, an dem die Ge­heimnisse aller Herzen offenbar werden, wird ja auch die Geschichte von dem Tode der kleinen Adeline ihre Prüfung zu bestehen haben!"

„Sie tun mir grausames Unrecht!" sagte Lady Trevor, heimlich erbebend. „Ich bin unschuldig an dem Tode der kleinen Adeline. Zu bereuen habe ich nur, daß ich sie nicht gleich nach ihrer Mutter Tode zu Ihnen gebracht habe. Lassen Sie doch endlich Ihre Zweifel an mir fallen und seien . Sie aer«bt gegen mich, Großvater!"

vermischtes.

* Oldenburg, 12. Aug. 1907. Bei der heu­tigen Landtagsersatzwahl für Reichsgerichtsrat Burlage wurde Oberverwaltungsgerichlsrat Dr. Driver (Ztr.) gewählt.

* Blitzschlag in eine Gesellschaft. Am Sonn« tag nachmittag schlug ein Blitz in Friedberg in Böhmen in eine ganze Gesellschaft, die vom Moldaubad zurückk'am. Der Sprachlehrer Teufelberger aus Wien war sofort tot, seine Frau ist heute noch bewußtlos und wurde ebenso wie ihr schwerverletzter Schwager, der Lehrer Seebter, mit den Sterbesakramenten versehen. Schwerverletzt sind ferner zwei kleine Töchter des Ehepaares. Leichter verletzt wurden mehrere Personen, die sich mit der Fa­milie Teufelberger schutzsuchend unter eine Birke stellten. Alle Brandwunden weisen die Form eines Baumes auf.

* Militärlustschiffahrt. Im September findet in Brüssel ein internationaler Kon­greß von Militärlustschifsern statt. Deut« scherseits werden Major v. Parseval und Graf Zeppelin zum Kongreß erscheinen. Frank­reich entsendet Major Renaro, England Haupt­mann Ferleer. Mit der Konferenz wird eine Distanzfahrt verbunden werden,

* AnS dem Ballsaal. „Stellen Sie doch meiner Tochter Tänzer vor!" „Bitte, ich bringe gleich den Assessor Tirling. Er tanzt allerdings miserabel — aber mit ernsten Absichten!" _______

Ehe Lady Trevor antworten konnte, trat Mr. Pulford ins Zimmer. Er verbeugte sich mit einer Art Vertraulichkeit vor dem Marquis, welcher ihn einzig mit stolzer Verachtung betrachtete.

„Wir haben soeben von Ihnen gesprochen, Mr. Pulford", sagte der alte Lord streng. „Ich habe Lady Trevor mitgeteilt, daß ein Gerücht im Um­lauf ist, welches Sie mit ihr verlobt bezeichnet. Darf ich Sie bitten, diesem Gerücht zu wider­sprechen?"

Mr. Pulford sah erst Lady Trevor fragend an, deren verstohlene Gebärde, dem Marquis eine zufriedenstellende Antwort zu geben, er jedoch nicht beachtete: dann wandte er sich dem alten Lord zu.

„Ich bin so glücklich, Mylord, diesen Wider­spruch nicht nötig zu haben", sprach er. „Edith, sage doch auch Du dem Marquis, daß das Ge­rücht auf Wahrheit beruht, — daß Du beabsich- tigtest, ihm eine Ueberrafchung zu bereiten, — und daß ich binnen kurzem sein Schwlegerenkel und Dein glücklicher Gatte sein werde!

Die Wirkung dieser ruhigen Erklärung auf den Marquis, nachdem Lady Trevor ihm em paar Minuten früher ihre Verlobung mit Ent- rüstung in Abrede gestellt hatte, überstieg «och die, welche Pulford erwartet hatte.

Nachdem Lord Leonards eine Weile in un­gläubiger Erstarrung dagestanden hatte, erklärte er dem würdigen Paare ehenso ruhig, wie Pul­ford gesprochen hatte, aber mit Eiseskälte, daß er diese Heirat niemals anerkennen, sondern seine Enkelin vielmehr verstoßen und enterben werde.

„Wenn diese Heirat vor sich geht", schloß er, „sind wir geschiedene Leute für immer! Jedes Band der Verwandtschaft zerreißt damit! Mit einem Mr. Pulford und einer Mrs. Pulford hab« ich nichts gemein! Lady Trevor, wenn Sie nut noch irgend eine Erklärung zu machen haben, io mögen Sie dies schriftlich tun. Unsere Weg« gehen von heute weit auseinander!"

(Fortsetzung folgt.)

Und sie sah den Marquis mit so traurig bit­tenden Augen an, daß die ganze unüberwindliche Aversion, die er vor ihr empfand, dazu gehörte/ ihn ungerührt bleiben zu lassen.

„Wir wollen nicht weiter davon reden," ent­gegnete Lord Leonards kühl, „sondern von etwas, was dem am nächsten liegt. Und das ist dieser Mr. Pulford. Er ist noch in Deinen Diensten, wie ich höre, Edith. Ich kam besonders deshalb hierher, um ihn doch einmal zur Rede zu stellen. Das Gerücht, daß Du ihn zu heiraten beabsich­tigst, tritt mit immer größerer Bestimmtheit auf."

„So bitte ich Sie, diesem Gerücht mit Ent­schiedenheit entgegenzutreten, Großvater, denn ich habe nie die Absicht gehabt, ihn zu heiraten," erwiderte die Lady, die vor dem Gedanken eines Zusammenstoßes zwischen dem alten Lord und Pulford erbebte. „Ich weiß nur zu gut, was ich meinem Range und meiner Familie schulde, als daß ich eine zweite Heirat schließen könnte, welche gegen den Willen meines Großvaters wäre. Außerdem" — und sie senkte mädchenhaft die Au­gen — „hoffe ich, daß Ihr früherer, eine Wieder­verheiratung von mir betreffender Wunsch noch in Erfüllung geht. Sie wissen, daß ich Lord Glenham liebe. Seine Mutter wünscht mehr als je die Heirat ihres Sohnes mit mir und diese Heirat wird zustande kommen, wenn der Einfluß einer Mutter und die Beständigkeit einer Liebe, wie die meine, noch etwas auszurichten "vermö- gen!" .

Der Marquis hatte ihr mit gefurchter Stirn zugehort.

"„Glenham kann tun, was er will, ich werde ihn in keiner Weise beeinflussen", sagte er jetzt. „Solange ich glaubte, Miß Romberg sei eine Abenteurerin, suchte ich ihn durch eine Hetra mit Dir vor einer Torheit zu bewahren. Nun ich das Mädchen aber gesehen habe und weiß, daß sie rein und seiner würdig ist, wurde ich ihn verachten, wenn er Dich heiratete. Das ist meine unumwundene Ansicht von der Sache!"

ßaferm&M

f Bestes Rohmaterial und sorg­fältige Fabrikation bedingen die wertvollen Eigenschaften von Knorr's Hafermehl als leichtver daulichste, nahrhafte und Durchfall vorbeugende Kindernahrung.

Mrzburg

die Stadt des 54. Katholikentages.

L

lieber den Ort, an welchem die diesjährige Katholikeuversammlung tagt, ist m Wort und Bild schon so viel geschrieben worden, daß eine Reklame zum Besuche der schonen Frankenstgdt Würzburg kaum mehr nötig erscheint. Wenn wir doch heute unseren Lesern ein kleines Bild vor die Seele führen, so veranlaßt uns dazu die vorliegende ganz eigenartige Schilderung und dec besondere Umstand, unter dem sie erfolgte. Der Abg. Bencfiziat Gerstenberger in Wur^ bürg hatte vor einigen Jahren am Tage nach seiner Rückkehr von einer längeren Reise m die Vereinigten Staaten Nordamerikas unter dem frischen Eindruck der neuen Welt eineu Vergleich mit dieser Kulturstätte der alten Welt angestellt, den ein fremder Besucher von der Stadt gewinnt. Dieser interessanten Schilderung des Tagungs­ortes der 54. Katholikenversammlung entnehmen wir folgendes: ... ..,

So wanderte ich denn am Nachmittage über den Marktplatz, wo Obst- und Gemüsehändlerin- neu unter ihren großen Sonnenschirmen so ge­mütlich sitzen und dem Würzburger Markte ein spezifisches Gepräge verleihen. Ehe ich in das schmale Gäßchen einbiege, das Marktplatz und Domstraße mit einander verbindet, reißt es mich I unwillkürlich herum, einen Blick zu werfen au; das Kleinod Würzburgs: die Marienkapelle. Wie mächtig sie mit den feingegliederten Fialen em­porsteigt und den Markt beherrscht! Von allen Kirchen, die ich in der neuen Welt gesehen, wird sie in baulicher Hinsicht nur von der Patriks- kathedrale in New-York an Größe, nimmermehr an Feinheit und Harmonie übertroffen. Den jungen Küchlein unter den Flügeln der alten Henne gleich reihen sich unten im Umkreise zwi­schen den Strebepfeilern die kleinen Verkaufs­läden, das Bild des mittelalterlichen Marktes wirksam abschließend. s 9

Und hinter dem Chor der Kirche schaut das Nokokohaus „zum Falken" hervor. Immer und immer wieder muß ich es bewundern in seiner zierlichen und harmonischen Schönheit, jedes Fen­ster mit einer anderen, prächtigen Stukkatur um­rahmt. Ein gleich schönes Privathaus in diesem Stile habe ich nirgends getroffen in den Städten, deren ich schon so viele gesehen.

Die enge Schustergasse, in welcher Laden an Laden sich drängt und oben nur ein schmaler blauer Streifen die Richtung zeigt, erinnert mich on die „Himmelskratzerstraße" in New-York. — Wie alt kommt mir heute der Grafeneckhards- turm mit dem Kaiser Wenzelsaal vor, weniger wegen seiner altersgrauen Farbe, als bei dem Ge­danken, daß er schon im Jahre 1452 erbaut wurde, zu einer Zeit, wo noch kein Mensch an Amerika gedacht hat. Ich wandere über die alte Brücke. Mit ihren großen Heiligenstatuen erinnert sie an die Engelsbrücke in Rom. Ehe noch Kolumbus die beiden Gestade des Atlantischen Ozeans mit­einander verband, trugen schon die Pfeiler dieser Brücke die Verbindungswege zur Festungssette.

Aus den schmalen Felsengäßchen blitzen die äh abfallenden Kalkielsen, auf denen die alte Testung mächtig thront. Eine imponierende An- age! Reicher und schöner ist der Hradschm auf her Kleinseite von Prag; mächtiger und ein­drucksvoller wirkt die Festung Marienberg auf der Kleinseite von Würzburg. Wenn man durch die von der Straße durchbrochene Burkattmsktrche und durch das tunnelartige lange gebrochene Fe-

Marktberichte.

♦ Frankfurt, 12. August 1907. Am heutigen Wochen- markt kam Weizen neuer Ernte in schönem Muster vor, jedoch entwickelte sich noch kein Geschäft. Roggen stärker offeriert und zu weichenden Preisen lebhaft ge­handelt. Ausländische Brotfrüchte bei kleinen Beständen m guter Mage, namentlich russische Provenienzen stärker umgesetzt. Gerste geschäftslos. Hafer knapp ,md still. MaiS billiger erlassen. — Es notieren: Weizen, hiesiger und Wetterauer, 00.00 bis 00.00 Mark, kurhessischer je nach Qualität 00.00 00.00 Mark, norddeutscher 00 00-00.00 Mk., russ. 21.50-22.75 M., Redwinter W.00— 00.00 Mk., Kansas 00.00—00.00 Mk., La Plata 22.00—22.75 M„ rumänischer 21.75—22.7a Mark. Roggen, hiesiger, 18.00—18.50 Mk., rnmän. 00.00—00.00Mk., russischer 00.00—00.00Mk. Gerstege- schäftslos. Hafer, hiesiger, 20.00 bis 21.00 Mk., bäuerischer 20.00—21.00 Mark, russischer 19 50 bis 20.25 WL, rumän. 19.50—20.25 Mh, amerika­nischer 19.25—20.25 M., Mais (Mixed) 14.50—15.00 M„ Donaumais 14.50—15.00 M, La Plata 14.50—15.00 Mark, russ. 14.50—15.00 M. Alles per 100 Kilo, netto effektiv loco hier. — Mehl unverändert. Es notiert je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 29.50 bis 30.— M., feinere Marken 30.25—31.25 M., Nr. 1. 27 50—28 — M., feinere Marken 28.50—29.— Mark, Nr. 2 26.75—27.25 Rt., feinere Marken 27.25-28.-. Mark, Nr. 3 25.50—26.— Mk., feinere Marken 26.— bis 26.50 M., Nr. 4 23.50—24.— M„ feinere Marken 24.00—24.50 M., Roggenmehl hiesiges Str. 0 29.50 bist 30.— M., Nr. 1 27.5J 28.00 M., Nr. 2 23.00—24.— Mark Alles per 100 Kilo inklusiv Sack. Futterartikel knapp. Weizenschalen 5.40-5.50 Mark, Weizenklein 5.40-5.50 M., Roggenkleie 6.40—6.75 M, Futtermehl 7.50—8.50 M., Biertreber, getrocknet, 5.90-6.00 Mk je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effettti loco hier. ,

Ujf Ws mit rinn' WMik, mrin Mullin? O Ach, Herr Hansen, wie gern, wenn ich mich nur X nicht immer auf dem Wasser erkältete? Ich komme V von solchen Partien nie heim, ohne wemgstens eine Ö Heiserkeit davongetragen zu haben und oft ist s X noch Schlimmeres. — Ei, da kann ich helfen! Hier V bedienen Sie sich: Fays ächte Sodener Mmeral- Ö pastillen lassen gar keine Erkältung aufkommen X und Sie sollen sehen, die Partie bekommt Ihnen V vortrefflich, wenn Sie ein paar Pastillen langsam Ö im Munde zergehen lassen. Fays ächte Sodener sollten X sie sich auch halten - ich hab sie immer m der Tasche. V Man kaust sie sür 85 Pfg per Schachtel M ieder Apotheke, Drogen- oder Mineralwasferhandlung.

Roman von Ed. Wagner.

371 (Nachdruck verboten.)

„Auf dem Kontinent, um eine neue Spur zu! verfolgen, die aber gewiß ebenso resultatlos fern wird wie alle übrigen," antwortete, der alte Lord seufzend. „Miß Romberg wird feit beinahe he­ben Monaten vermißt, und ich bin nahe daran, zu verzweifeln."

„Welch ein seltsames Geheimnis dies ist!" sagte die Lady gedankenvoll. „Meine Ansicht ist, daß das Mädchen tot sein muß!"

„Wo aber ist bann ihre Dienerin?" fragte Lord Leonards scharf. „Zwei Personen können doch nicht von der-Erde verschwinden, ohne nur eine Spur zurückzulassen? „Ich lasse mich nicht von der Ueberzeugung abbringen, daß da irgend eine Schurkerei verübt worden ist! Aber so wahr ich lebe, ich will die Wahrheit ans Licht bringen, und derjenige, welcher Miß Romberg ein Leid zugefügt hat, — wer es auch sein mag, — soll dafür feine Strafe empfangen, — seine exempla­rische Strafe!"

Lady Edith zitterte, aber ihr Gesicht blieb un­bewegt und scheinbar teilnehmend.

„Wie sehr Sie sich doch für das Schicksal die­ses Mädchens, welches Sie nur zweimal gesehen haben, interessieren!" äußerte sie. „Sie gefiel auch mir —"

„Sie gefiel Dir — Dir?" unterbrach der Marquis sie mit Bitterkeit. „Ohne Deine Verrä­terei, sie ans meinem Bereich zu bringen, würde sie heute sicher in meinem Hause sein. Wenn sie tot fft, fällt die Schuld auf Dich! Mir ist ja alles nur zu klar! Du "wußtest, daß ich sie adop- tieren wollte, wenn sie damit einverstanden -ei, und einzig darum faßtest Du die Idee, sie nach Greyeourt zu schicken. Du — nur Du bist ver­antwortlich für alles, was geschehen ist!"