u
34. Jahrqanff.
Fulda, Mittwoch den 14. August 1907.
M 185.
Erstes Hstatt
Verlag bet $Mttaet Sc* ttenbr icferel tu Kulba. Fernsprecher m. S.
zwischen dem Deutschen Reiche und der Union bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu festigen und den deutschen Export nach Amerika zu heben. Es wäre erwünscht, wenn das Unter« nehmen von jetten der beteiligten Interessentenkreise Unterstützung finden würde. Louis Viereck ist der ehemalige bekannte Sozialdemokrat, der auch eine Zeit als Vertreter eines sächsischen Wahlkreises dem Reichstag an- gehörte."
* Das Anziehen der Schweinepreise. ES findet sich bei einem Rückblick seit 1900 kein ein- ziges Jahr, in dem nicht gleich heftiger Ausstieg der Schweinepreise stattfand, wie in diesem Jahre. Nicht einmal im Jahre 1906, in dem die Schweinepreise eine besonders scharfe Hauffe erfuhren, war die Verteuerung von Juli auf August so erheblich. Daß der Einwand, die diesjährige Preisbewegung von Juli auf August korrespondiere mit der im Vorjahre, durchaus nicht berechtigt ist, geht aus einem Vergleich der Auftriebszahlen mit den vorjährigen hervor. Ziehen wir z. B. Berlin zum Vergleich heran, so zeigt sich, baß in früheren Jahren der Austrieb von Juli auf August sehr viel stärker zurückging als in diesem Jahr und trotzdem sind 1906 die Preise erheblich stärker gestiegen, als in früheren Jahren. 50 Kilo Lebendgewicht kosteten nämlich am Anfang deS Monats in Berlin Mk.:
gewünschte Vollmacht erteilt worden war, auf ich beruhen werde; leider scheint man sich zu äuschen, denn man hört, daß in Köln eine Ver- ammlung stattfindm soll, die namentlich der Agitation zu dienen habe, es sollen besonders süddeutsche Kreise für das letztgeborene Kind sich erwärmen. Wir haben das feste Vertrauen zum gesunden Sinne unseres Volker, daß es von solchen Dingen nichts wiffen will: wir können aber auch nicht begreifen, weshalb die Urheber nicht an den bisherigen Erscheinungen genug haben. Man kann sich einmal vergreifen in der Sache und in der Taktik; aber man muß dann doch nicht auf der Fehltaste fitzen bleiben, damit der Mißton recht lange und recht schrill gehört wird. Eine etwas überspannte Empfindlichkeit nur läßt eine solche Haltung verstehen.
Aber was soll das Ende von allen diesen Dingen und Bewegungen sein? Ohne ein Prophet zu werden, läßt sich doch das eine sagen, daß eine größere oder geringere Spaltung unter den deutschen Katholiken eintreten muß, und zwar wegen einer Sache, die dies nicht rechtfertigt. Wenn auch nur ein Teil der Katholiken der „befleren Stände" sich abseits davon stellt und nicht mehr mitarbeitet an den großen Aufgaben der Zeit, so ist der Verlust schon groß genug. Wir haben die
energische Mitarbeit aller katholischen Kräfte nötig, um unserer Ausgabe gerecht zu werden; denn die äußeren Hemmnisie find noch groß und stark genug, eine Absplitterung im Innern schädigt den gesamten deutschen Katholizismus. Wir nehmen aber an, daß auch jene Kreise, die heute in der Rolle der Empfindsamen stehen, das nicht wollen; eS mag manchem schwer werden, von seiner Theorie und seiner LieblingSmeinung abzugehen, aber er muß es sich schließlich doch überlegen, ob sein Weg zum Wohle der Gesamtheit führt oder nicht.
rill3eigen, vit ein« spalttge Petitzeile ober beten Raum IS psg. Reklamen sie petitzetle 25 Pfg.; bei wieder» belangen wird entspr.
Rabatt gemährt
Man konnte sich schon vor einiger Zeit darüber klar sein, daß die Schweinepreise wieder in die Höhe gehen mußten.
* Der gefesselte Redakteur. Die Angelegenheit des gefesselt vorgcfiihrten Redakteurs W i ck y in Mülhausen (Elsaß) hat dadurch ihre Er- ledigung gefunden, daß die amtliche Untersuchung der Angelegenheit durch einen Straßburger Ministerialrat mit dem Landgerichtspräsidenten in Mülhausen durch persönliche Vernehmung und Gegenüberstellung des Untersuchungsrichters Dr. Jwand und Wickys in korrekter Weise zu Ende geführt worden ist. Wicky hat sich bei dem jetzt in aller Form ausgesprochenen Bedauern tatsäch lich für befriedigt erklärt.
Verantwort»»« Schriftleiter: A.webler
I.spayeiiet ln 8«i‘ba. $od^itbeiloge: f,3nuftriCTtC
Ausland.
* Die Wirren in Marokko. Die Niederlage, die sich die Eingeborenen bei ihrem erneuten Angriff auf die französische Stellung in Casablanca am Samstag geholt haben, hat sie zunächst von weiteren derartigen Versuchen abgehalten. Sie halten sich aber noch nahe bei der Stadt. Der Kampf am Samstag war, wie sich herausstellt, ein ziemlich schwerer und brachte auch den Franzosen größere Verluste als die Hauptaktionen an den Tagen vorher. An dem Angriff am Samstag nachmittag waren 2 000 Marokkaner beteiligt. Sie kamen bis auf 700 Schritt an die französische Stellung heran, und ihre Geschosse fielen ins Lager. Auf der Ostseite zurückgeschlagen, versuchten die Mauren den Angriff im Westen, sie wurden aber unter dem Granatfeuer der Schiffe zu- rückgetrieben. Die französische Kavallerie verfolgte sie und machte viele Gefangene. Die Franzosen verloren vier Offiziere und fünfzehn Mann. In den maurischen Häusern Casablancas wurden große Quantitäten Waffen ansgegraben. Danach scheint die kriegerische Erhebung von langer Hand vorbereitet gewesen zu sein. — Der französische Minister des Aeußeren, P i ch o u, hat sich einen Mitarbeiter des „Matin" gegenüber bezüglich bei Absichten Frankreichs folgendermaßen geäußerte „Um keinen Preis beabsichtigenwir, ein Werkder Eroberung zuverfolgen und eine Expedition zu unternehmen, die übrigens auch gegen den Willen des Landes wäre. Unsere Rolle ist begrenzt. Die-Re- gierung ist so weit als möglich von jedem A b e n- teuergeist entfernt, aber sie ist gewillt Frankreichs Rechte, die Interessen und das Leben seiner Angehörigen in Respekt zu fetzen und durch energische Maßnahmen der Wiederkehr solcher Attentate vorzubeugen, wie sie in einem Lande, wo Frankreich ein besonderes Mandat in dieser Hinsicht hat, gegen die fremden Ansiedelungen verübt worden sind.
* Strahcnkämpfe in Belfast. In der irischer Hafen-, Handels- und Fabrikstadt Belfast befinden sich seit Monaten die Hafenarbeiter und zahlreiche Fabrikarbeiter im Ausstand. Dazu kommt, daß vor einigen Wochen die Polizisten streikten, wodurch den Ausschreitungen des PöbelS Vor- schub geleistet wurde. Nunmehr ist es zu großen Unruhen gekommen, zu deren Unterdrückung Militär herangezogen werden mußte. Am Montag wurde zum erstenmale, nachdem die Geduld der Soldaten erschöpft und verschiedene von ihnen verwundet worden, auf den revoltierenden Mob gefeuert, wobei drei Tote und sechs Verwundete gezählt wurden. Bei einbrechender Nacht war das Militär ins Nationalistenquartier gerückt und wurde dort durch Werfen von Steinen und Flaschen auf dieselbe Geduldsprobe gestellt wie am Sonntag. , e
* Der amerikanische Telegraphtstenstretk. Der Ausstand der Beamten der Western Union Telegraph Company, der bedeutendsten unter den amerikanischen Telegraphengesellschaften, , wird mit großer Hartnäckigkeit durchgeführt. Dte Ge»
Nchestth i« glich >ust Arnahme 6er~ Sovn» viertel»
Bhrl.vezusrptelr >hne Bringetbb« «nd Ve»rllgrlbtn5ttlbaanb (wrtoSttt l Mk so pfg-
» mehr Einigkeit, weniger Empfinblichkeit.
Die Einigkeit der deutschen Katholiken war seit Jahren ihr Weltruhm; wohin man kam, hörte man die deutschen Katholiken loben; wer auS fremden Ländern uns besuchte, stellte stets als hervorragende Eigenschaft der deutschen Katholiken die Einigkeit hin. Diese Geschlossenheit in allen religiösen und auch politischen Fragen ist leicht erklärlich: Im katholischen Deutschen steckt ein tiefer religiöser Sinn; daneben befindet er sich in der Minderheit und man hat ihn dies seit 100 Jahren stark fühlen lassen. So wurden die deutschen Katholiken förmlich zusammengeschmiedet und alle Unterschiede des Stammes vergeffen. Bischöfe und Päpste haben diese Einigkeit rühmend hervorgehoben und betont, wie selbstlose Männer an dieser gearbeitet haben. Es gab freilich auch in aßen Zeiten „Außensteher"; mancher kommt sich nur dann groß vor, wenn er zwischen zwei Heerlagern marschiert, und zur Erbauung der Gegner gegen die eigenen Freunde Kieselsteine schleudert: Doch die Masse der deutschen Katholiken hat sich nie hieran bekümmert und solches treiben nur bedauert. Deutschlands Katholiken blieben und sind einig, woran auch einzelne v 'lstische Abbröckelungsversuche nichts änderten.
Soll das nun anders werden?
Diese Frage legt sich Demjenigen nahe, der die Zeichen der Zeit zu beobachten und zu würdigen versteht. Es macht sich hier und dort etwas Mauersraß bemerkbar, der in einzelnen Ständen und Gegenden sich tiefer einnistete. Man findet eine gewisse Reizbarkeit und Nervosität, die man früher nicht kannte. Nach dem eigenen Kopf soll es gehen und zeigt sich ein Hindernis, so vird man empfindlich wie ein schalloseS Ei. Gegen andere hat man diese Empfindlichkeit nicht; man scheut sogar vor einer recht derben Abkanzelung (wir wollen gewisie Ausdrücke nicht wiederholen) nicht zurück. Unter den Worten „Reform", „Fortschritt", «Katholische Kultur" und wie solche Schlagworte alle heißen, sucht man zu werben und will vielfach ein neues Ei des Kolumbus entdeckt haben. Hat man denn ganz vergessen, daß die Katholische Kirche seit ihrem Bestehen fich selbst und die Menschheit zu reformieren suchte, indem sie auf Veredelung aller ihrer Glieder hinarbeitet? Es will uns fast scheinen, als bringe der Anfang eines jeden Jahrhunderts gewisse Kinderkrankheilen mit, vor 100 Jahren war man auch sehr eifrig in der „Reform"; man hat in den Klöstern ' das deutsche Brevier eingeführt, die Wallfahrten ganz abgeschafft, das Fasten beseitigt usw. So war es zu Anfang des 19. Jahrhunderts, bis bann die große katholische Wiedererweckung kam, aber in den Zeilen der Reform hat der Katholizismus sehr viel an Einfluß in bet Oeffentlichkett verloren. Soll es nun zu Anfang bes 20. Jahrhunberts ähnlich gehen?
Es liegen tatsächlich Zeichen ber Zei vor, bie das vermuten lasten; wir haben nicht nötig auf die Menge der Einzelerscheinungen einzugehen, da sie zu bekannt sind. Einzelne kath. Kreise hat eine Empfindlichkeit getroffen; ganz normale Aeußerungen des Organismus der kath. Kirche werden als Kränkungen ber Einzelperson und aller Freunbe derselben aufgefaßt. Man erkennt bas unfehlbare Lehramt ber Kirche an, »der wenn es bann Warnungstafeln auf stellt >ber bie Ansicht dieses oder jenes Gelehrten für isllsch erklärt, bann nimmt man eine Stellung etn, die mit ber aus bem unfehlbaren Lehram sich ergebenden Konsequenz nur schwer zu vereinen ist. So ging man in manchen Kreisen dazu über, das Grabdenkmal für Schell als eine
Protestation gegen Rom
auszuspielen; wir sind überzeugt, daß den meisten Unterzeichnern des Ausrufes dieses ganz ferne lag; aber andere haben die Sache so zugespitzt. Man darf doch auch in aller Ruhe fragen, weshalb nun gerade Schell ein solches Denkmal erhalten sollte, zumal besten eigenen Verwandten selbst für ein Grabmonument sorgen wollten? Wir anerkennen gern die Größe von Schell; aber vor ihm haben auch große Männer in Würzburg gelebt und es ist nicht bekannt, baß ihnen ein Denkmal mit Aufwendung von so vie Agitation gesetzt worben wäre. Wir erinnern nur an den großen Apologeten Hettinger und an den Historiker Hergenröther, bas ftnb doch auch Geisteshelden, deren Namen einen vorzüglichen Klang haben und bie ber katholischen Sache sehr viel leisteten. Aber ein Denkmal ober Grabmonument erhebt sich nicht für sie. Die Münstersche Aktion gehört auch in dieses Kapitel, man hat geglaubt, daß sie Mn, nachdem den deutschen Bischöfen die
Möaer
Zeitung
mondsienege: „Stllbaer GeschichtMäit«"
Deutsches Reich.
Berlin, 13. August 1907.
. . Dem Besuch deS Königs von England widmet die ,Nordd. Allg. Zig.' folgenden offiziösen Begrüßungsartikel: „König Eduard trifft morgen früh auf Schloß Wilhelmshöhe ein, um einen Tag mit dem deutschen Kaiserpaar zu verbringen. Wir begrüßen diesen Besuch als ein besonders nach zwei Richtungen willkommenes Ereignis: er ergänzt in erwünschter Weise die so erfreulich verlaufene Begegnung von Swinemünde und die bevorstehende Zusammenkunft des Königs mit dem Kaiser Franz Joseph in Ischl. In dieser Folge von Monarchenbegegnungen darf man eine Bekräftigung der friedlichen und ausgleichenden Bestrebungen erblicken, welche in den Beziehungen der Nationen auf allen Seiten zutage treten. Sodann entspricht die Begegnung in Wilhelmshöhe auch den sreundlichen Gesinnungen, die mehr und mehr in der Bevölkerung Deutschlands wie Eng- lands wieder herrschend werden. Die uneigennützigen Bemühungen um die Stärkung und Vertiefung dieser Volksstimmung werden auf beiden Seiten durch das Beispiel der Monarchen eine Förderung erfahren. Indem wir den König von England auf deutschem Boden ehrerbietig willkommen heißen, wünschen wir seinem Aufenthalt in Wilhelmshöhe wie seiner weiteren Reise glücklichen Verlauf."
i. Mit Dr. Spahns Flottenfreundlichkeit beschäftigt sich zur Zeit die Blockpreste. Anlaß dazu gibt ihr bie Rede, welche Dr. Spahn am Sonntag in Rheinbach vor feinen Wählern hielt. Von den Berliner Blättern haben bis jetzt nur wenige sich zu feinen Ausführungen geäußert. Die meisten begnügen sich mit der Wiedergabe ber hauptsächlichsten Stellen aus seiner Rebe. Obgleich Dr. Spahn irgend welche Andeutungen über die Bewilligungsluft des Zentrums bezw. über fein künftiges Verhalten ber Flottenpolitik gegenüber nicht gemacht hat, so wird seinen Worten doch große Bedeutung beigelegt. Am weitesten geht die freikonservative ,Post^. Sie schließt aus der Rede, „daß Spahn wieder zu den Vertrauten des Reichskanzlers gehört". Zur Begründung fügt sie an: „Diese Annahme gewinnt an Glaubwürdigkeit einmal durch die rücksichtsvolle Behandlung, welche er darin dem Fürsten Bülow persönlich zuteil werden ließ, und dann durch die genaue Kenntnis ber neuesten Marineanträge, welche bemnächst ben Reichstag beschäftigen sollen". Zu ben Ausführungen Spahns über bie Flottechragen selbst schreibt bie ,PosV weiter: „Wir müssen selbstverständlich dem Reichstagsabgeordneten Spahn bie Verantwortung für diese detaillierte Erörterung der Marinepläne überlaffen. Wir können jedoch unsere Genugtuung und Freude darüber nicht unterdrücken, daß das Zentrum anscheinend bereit ist, die Kosten für diese nationalen Verteidigungs- und Rüstungsmittel zu bewilligen; denn voraussichtlich wird die Flottenfreundlichkeit seines anerkannten Führers von bem ganzen Zentrum geteilt. Die neuen Marine- forberungen sind jedenfalls nicht zu hoch gegriffen in Anbetracht, daß der Flottenbau in den fremden Staaten schon jetzt viel arößere Ausdeh
Wege» des Feiertags Maria Himmel fahrt wird die nächste Nummer der Fuldaer Zeitung erst am Freitag ausgegede«.
nungen angenommen hat. Auch wird man anerkennen müssen, baß bie Regierung nur bte unentbehrlichsten Machtmittel zur Verstärkung beS Küstenschutzes verlangen unb bei ber Aus- sührung ihrer Pläne große Sparsamkeit walten lassen wirb." Die,Voff. Ztg/ begnügt sich ledig- lich mit folgender kurzen Bemerkung: „Der Deckung neuer Heeres- und Flotten - Bedürfnisse wird sich danach bas Zentrum nicht widersetzen." Anbers benimmt sich bie ,Nationalztg/: Sie gefaßt sich in allerlei Bemerkungen, welche bem Zentrum gegenüber auf ben Ton gestimmt sind: es kann so und kann so. Wir geben aus dem Artikel folgende Stelle wieder: „Es galt durch einen schlagenden Beweis das Wort vom anti- nationalen Zentrum zu widerlegen, um sich nach oben wieder regierungsfähig zu machen. Was aber eignete sich dazu bester als gerade unsere Flotte, deren Ausbau ja dem Kaiser besonders am Herzen liegt. Man geht wohl nicht fehl in ber Annahme, baß das ber Gedankengang war, aus dem heraus Herr Spahn so plötzlich sem flottensreundlicheS Herz entdeckte. Vielleicht aber hat diese so klug ausgestellte Berechnung doch noch einen Fehler, an dem sie scheitert, vielleicht hat das Zentrum bas politische Verständnis ber Freisinnigen boch unterschätzt! Noch ist cs noch lange nicht so weit, wie Zentrums-Sehnsucht es scheinen lasten möchte, baß bie Blockpolitik schon hat Bankerott erklären mästen, und es wird hoffent- lich auch nicht so weit kommen." Im übrigen hofft das Blatt, das Zentrum bei Flottenvorlagen künftig Seite an Seile mit den Nationall'beralen zu sehen; fraglich sei nur, ob seine Parteifreunde ihm alle auf diesem Wege folgen würden. Wir begnügen uns vorerst mit der Wiedergabe dieser Blätterstimmen. Die Erörterungen über die Rede werden zweifelsohne noch einige Zeit andauern.
r. Das militärische Personal der Flotte soll einer Meldung des »Berliner Taqebl/ zufolge im neuen Etatsjahr auf rund 50,000 Mann anwachsen. Die Mehrsorderungen an Personal für 1908 würden rund 3000 Mann betragen. Angesichts dieser Mitteilung verweisen wir auf die Ausführungen, welche Dr. Späh?, in Rheinbach über unser Flottenpolitik gemacht hat.
* An den Grasen Posadowsky hat der Präsident des Deutschen Handelstages folgendes Schreiben gerichtet:
Den Rücktritt Eurer Exzellenz von der Leitung des Reichsamts des Innern können wir nicht vorübergehen lassen, ohne sür das in dieser Stellung dem Deutschen Handelstag entgegengebrachte Interesse unseren ver. bin d lichsten Dank und für die Art, in der Eure Exzellenz das hohe und schwierige Amt des Staatssekretärs des Innern verwaltet haben, unsere aufrichtige Bewunderungzum Ausdruck zu bringen. Es hat uns stets mit Gen ugtuung erfüllt, daß Eure Exzellenz, dem Beispiel Ihres Herrn Amtsvorgängers folgend, die Vollversammlungen des Deutschen Handelstages regelmäßig mit Ihrer Anwesenheit beehrt und durch Ansprachen ausgezeichnet haben, und wir können sagen, daß dies bei allen Mitgliedern des Deutschen Handelstages, insbesondere den gesetzlich berufenen Vertretern von Industrie und Handel deS ganzen Reiches, die gebührende Würdigung gefunden hat. Die von Eurer Exzellenz vertretene Politik hat nicht in allen Puntten unsere Zustimmung finden können, weil sie den Interessen von Industrie und Handel nach unserer Meinung nicht immer in ausreichendem Maße gerecht wurde. In manchen Beziehungen sind aber auch Industrie und Handel durch Eurer Ex.ellenz Tätigkeit wesentlich gefördert worden, und die angeoeuteten Meinungsverschiedenheiten hindern uns nicht, daß wir der ganzen rastlosen Arbeit, mit der Eure Exzellenz das allgemeine Wohl zu mehren suchten, und der erstaunlichen B eherrschung des großen, zu erheblichem Teil mit unserem eigenen Tätigkeitsbereich zusammenfallenden Arbeitsgebiets des Reichsamts des Innern in aller Bescheidenheit unsere h ö ch st e Anerkennung zollen. Bei dem Rückblick ans die langjährige Leitung jenes Amtes dürfen Eure Exzellenz K dessen versichert halten, daß in Deutschlands Jn- irie und Handel volles Verständnis für Ihre a uß er- gewöhnlich bedeutende Persönlichkeit bestanden hat und besteht. Indem wir dieses bezeugen, verbinden wir damit den Wunsch, daß den mühevollen und erfolgreichen Jahren amtlicher Arbeit noch viele Jahre folgen mögen, die Eurer Exzellenz nach Ihren eigenen Wünschen reiche Befriedigung und für die dem Vaterland geleisteten Dienste einen schönen Lohn gewähren.
m. Der nächstjährige Reichshaushaltsetat wirb schwerlich bem Reichstag bei feinem Wieder- jufammentritt schon vorliegen. Sollte dies in» besten boch möglich fein, so wirb jetzt schon mit Nachtragsetats gerechnet. Wenigstens soll es sich nicht erreichen lassen, baß bie in Aussicht genommenen organischen Gehaltsaufbesserungen im Hauptetat schon berücksichtigt werben. Auch bie Gesetzesvorlage über bie Neuregelung bes Wohnungsgelbzuschusses soll ben gleichen Schwierigkeiten begegnen, weil zuvor in allen Orten Deutschlands, in benen sich Reichs- beamte befinden, bie Wohnungsverhältniste fest- gestellt unb miteinauber verglichen werben müssen. Diese zwei Vorlagen sollen bem Vernehmen nach kaum bis November erlebigt werben können. Uebrigens sind schon früher Andeutungen gemacht worben, baß ber Reichshaushaltsetat erst zu einem späteren Termin würbe fertig werden.
Die amtliche Empfehlung eines ehemaligen Sozialdemokraten ist entschieden etwas neues für ben Staat Preußen. Die offiziöse ,Berl. Korresp/ schreibt: „Der Schriststeiler L. Viereck au8 New-York gibt seit Neujahr bS. Js. eine Monatsschrift für beutsche Kultur in Amerika, betitelt: „Der deutsche Vorkämpfer", mit bem Zweck heraus, bas Deutschtum in ben Vereinigten Staaten von Amerika zu stärken, bie
Juli
August
Steigerung in Proz.
1903
40—48
50—56
20
1904
44—51
46—54
6
1905
56-62
65—67
12
1906
57—64
63—68
8
1907
48—54
63—67
27