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34. Jahraanq.
Fulda, Dienstag den 13. August 1907.
M 184.
a Abgeordneter vr Zpahn über die auswärtige und innere Politik.
In einer Zentrumswählerversammlung, die Sonntag nachmittag in Rheinbach bei Bonn stattfand, hielt der Reichstagsabgeordnete Dr. Spahn eine zweistündige Rede, in der er sich über die auswärtige und innere Polrtrk tn Deutschland äußerte.
Ausgehend von dem Worte Moltkes in der Einleitung zu seiner Geschichte des deutsch-französischen Krieges: „Weniger kommt es zur Zeit darauf an, ob ein Staat die Mittel besitzt, Krieg zu führen als darauf, ob seine Leitung stark genug ist, ihn zu verhindern" beleuchtete Redner unsere auswärtige» Verhältuiflr.
Seit der Schlacht von Tschusima sind für unsere auswärtige Politik England mit Frankreich, Japan und Nordamerika die wichtigsten Länder geworden.
Englands Beziehungen dem Auslande gegenüber sind vor drei Jahren derart gewesen, daß England selbst von einer Englandisolation sprach, in der es lebe. König Eduard hat jetzt die Fäden der auswärtigen Politik in die Hand genommen und mit allen bedeutenden Staaten Verträge abgeschlossen ober will er sie noch abschließen. Dieses Bestreben hat zum Ziel, die englische Flotte, die zerstreut sein mußte, möglichst in der Heimat zu konzentrieren, die Flotte in den fremden Gewässern zugunsten dieser Konzentration zu vermindern. Daneben geht England dazu über, seinen Kolonien die Haltung einer Kolonialarmee zu gestatten.. Das alles dient zur Erleichterung der englischen Auslandspolitik. Englands Kündigung der Brüsseler Zuckerkonvention kann die Frage der Zuckerprämie aufrollen, wenn England den Zucker aus unserem Reiche bei seiner Einfuhr ungünstiger wie aus anderen Ländern oder aus seinen Kolonien behandeln sollte.
In Frankreich ist mit dem Wechsel des Präsidenten ein Wechsel dos Ministeriums tn noch radikalerer und sozialistischerer Richtung verbunden gewesen. Die Trennung von Kirche und Staat wird energisch durchgeführt. Wie England sucht Frankreich seine See- strcitkräfte auf die Heimat neu zu verteilen. Der Marineminister Thomson erstrebt die gesetzliche Festlegung seines Flottenprogramms, wonach von 1906—1919 24 Linienschiffe neu gebaut werden sollen.
In Nordamerika spielt die gelbe Gefahr eine beachtenswerte Rolle. Roosevelt hat erreicht, daß eine erstklassige Schlachtflotte gebaut werden wird, die Amerikas Interessen sowohl auf dem atlantischeu, wie auf dem Stillen Ozean zu wahren befähigt ist und deren Aktionsfähigkeit nach Fertigstellung des Panamakanals noch erhöht wird. Die Union weicht einem Kampfe mit Japan zur Zeit aus. Sucht Japan ihn, so darf es den Zeitpunkt nicht, über die Eröffnung des Panamakanals hinausschieben.
Rußland ist krank wie politisch so finanziell. Der Kampf im Innern dreht sich um die Landfrage. Nach außen ist Rußlands Machtstellung ebenfalls geschwächt. Bei den ausgestreckten Berührungen unserer Grenzen haben wir ein Interesse an guten Beziehungen zu Rußland, die, wie die Kaiserbegegnungen gezeigt haben, tatsächlich bestehen.
In Oesterreich ist an die Stelle des Ku- rienreichsrates ein neuer auf Grundlage des allgemeinen Stimm rechtes getreten. Redner weist besonders auf die Eröffnungsrede Kaiser Franz Josephs hin, in der er betont, daß in unveränderter Herzlichkeit das Verhältnis zu Oesterreichs Verbündeten fortbestehe.
Der Dreibund ist stillschweigend verlängert worden. Deutschlands Politik ist nn- bezweifelbar friedlich. Der
Die Perle fts ElhmrzwaldeS.
Roman von E d. Wagner.
361 (Nachdruck verboten.)
. Inzwischen hatten die Jarvis und die Portugiesin ihre letzten Vorbereitungen zur Abreise beendet und saßen nun um den großen Tisch vor dem Küchenkamin, in welchem noch das Feuer hell loderte. Sie hatten tüchtig der Pfanne und der Flasche zugesprochen und dann miteinander noch einmal alles durchsprochen, bis jeder von ihnen schwieg und nun in einem Zustande zwischen Wachen und Schlafen die Zeit zum Handeln abwartete.
Plötzlich — eben sagte die alte Uhr die vierte Morgenstunde an — fuhr Jarvis in die Höhe, blickte wild um sich .griff dann nach einer Laterne, zündete sie an, ging in den Stall und fütterte die Hunde und Ponnies und spannte die letzteren hierauf vor den Wagen.
Als er damit fertig war, sperrte er die großen Torflügel der Umfassungsmauer weit auf und lenkte Pferd und Wagen aus dem Stall auf den Hof hinaus.
„So," murmelte er vor sich hin, „nun brauchen wir nur aufzusteigen und es kann fortgehen. Jetzt nur noch die letzte Arbeit!"
Er betrachtete den Himmel, welcher im Osten zeigte er^en Schein des anbrechenden Tages „In einer halben Stunde ist es hell," sagte er, „und tn einer Stunde haben wir Black-Rock hrnter uns!"
, , ^r^Qflb??e Sferbe an den Torpfeiler und kehrte hierauf rn dte Küche zurück, wo die Frauen frch mtttlerwerle ebenfalls fertig gemacht hatten -um sofortigen Aufbruch.
Nachdem alle noch aus einer mit Branntwein gefüllten Flasche einen tüchtigen Zug getan, gin-
Wechskl in der inner« Politik wird diesen Charakterzug in der äußern umsoweniger berühren, als der Leiter derselbe geblieben ist. Wenn eine Zeitlang von der Einkreisungspolitik Englands gegen uns gesprochen wurde, so ist der Ausdruck unrichtig gewählt gewesen, weil es eine feindselige Haltung unserer Nachbarn gegen uns voraussetzte. Tatsächlich handelte es sich um unsere Ausschaltung bei ihrer Regelung einzelner, unsere Weltmachtstellung nicht direkt berührender Fragen.
Von einer Kriegsgefahr, die uns seitens einzelner Nachbarstaaten drohe, kann also nicht die Rede sein. Nach Moltke ist aber eine schwache Regierung beim Nachbar die größte Kriegsgefahr. Zu einer derartigen Besorgnis ist ebenfalls kein Anlaß geboten. In der Ausgestaltung unserer Verteidigungsmittel stille zu stehen, ist uns leider nicht möglich, weder beim Heer, noch bei der Flotte. Unser Flottenbauplan ist allerdings gesetzlich festgelegt, aber das kann uns nicht hindern, daß unter Beibehaltung der Zahl der Schiffe in der Art des Baues der einzelnen Schiffe und in der Berechnung ihrer Lebensdauer auf Grund der bei anderen Staaten gemachten Erfahrungen, Aenderungen vorgenommen werden. Wir müssen beachten, welche Gefechtsstärke die Gegner ihren Schlachtschiffen geben. Nordamerika läßt Schiffe "mit einem Tonnengehalt von 22—23 000 t bauen. Für unsere neuen Schisse muß ein Deplacement von über 20 000 t und Armierung mit schweren Schiffskanonen gewählt werden. Folgen wir auch bezüglich der Lebensdauer der Schiffe, 20 statt 25 Jahre, dem Ausland, und wir werden folgen müssen, so erwachsen uns 40 M i 11. d a u- ernde Mehrausgaben, zu denen noch 25 Millionen für das H e e r kommen.
Die Finanzreform von 1906 hat bisher nicht ganz den gehegten Erwartungen entspro- cheit. Es läßt sich jedoch hoffen, daß sie im Be- harruugszustande 180 Mill. M ergebe. Welche neue Steuer quellen erschlossen werden sollen, ist noch unsicher. Nahe liegt jedoch, daß der Tabak das nächste Besteuerungs- o b j e k t bilden wird.
In seinen weiteren Ausführungen gedenkt Redner der Verdienste des Grafen Posa- dowsky, von dem er sagt: Er hat auf den von ihm verwalteten Gebieten so bedeutendes geleistet, daß ohne Uebertreibung gefügt werden darf, daß er sich durch seine Arbeiten um das Reich dauernd verdient gemacht hat. Wenn auch der Reichskanzler geäußert hat, daß nach dem Ausfälle der Wahlen erst recht Sozialpolitik getrieben werden solle, so wäre die Annahme doch falsch, daß der neue Staatssekretär des Innern verpflichtet wäre, die Sozialpolitik seines Vorgängers in allen Teilen nach demselben Rezepte fortzuführen. Die Aenderung des Börse n g e se tz e s ist eine Belastungsprobe des Blockes. Anscheinend soll eine auf anderen als den von der Kommission angenommenen Grundsetzen beruhende Vorlage eingebracht werden. Für die Stellung der Zentrumspartei ihr gegenüber ist maßgebend, wie die Frage zu beantworten ist, ob die Zustände nach Erlaß des Börsengesetzes mit seiner Beschränkung des Börsengeschäfts für Volk und Reich gesünder wie vor demselben. Ist diese Frage zu bejahen, dann läßt sich eine Aufhebung des Börsengesetzes mit den Interessen der Börse und deren Schädigung durch dieses Gesetz nicht rechtfertigen. Von dem neuen Scheckgesetzentwurf verspricht sich Redner keine besondere Belebung des Scheckverkehrs. Die wirtschaftlichen Verhältnisse im Reiche und die Geldbedürfnisse der Einzelnen sind dem Scheckverkehr nicht günstig. Redner widerlegt bann den mit Unrecht gegen das Reichsjustizamt in der Presse der Linken erhobenen Vorwurf der Langsamkeit und kommt dann auf die Eisen-
gcn sie hinaus in die Halle und die Treppe hinaus.
Alice und Gretchen hatten Stunde um Stunde gewacht. Wie hätte auch nur der leiseste Schlaf in ihre Augen kommen können, angesichts dessen, was ihnen drohte!
Endlich drang das erste Morgengrauen durch die Gardinen und Alice atmete erleichtert auf, denn sie glaubte, daß die Gefahr nun vorüber fei, daß sie sich in der Bedeutung des Blickes ihrer Gefangenwärterin geirrt habe und daß ihnen noch eine weitere Frist gegeben sei, in welcher ein unablässig erhofftes unerwartetes Ereignis em« treten konnte. Sie sandte ein heißes Dankgebet zum Himmel empor.
Ta — horch, was war das?
War das nicht Geräusch? Ja, das Knarren der Treppenstufen, dann leise, schleichende Tritte auf dem Vorplatz und Geflüster vor der Tür ließ sich vernehmen.
Minutenlang trat noch wieder Stille ein. Dann wurde der Schlüssel leise ins Schloß geschoben.
Jetzt war keine Zeit mehr zu verlieren. Alice stieg auf den Herd und schlüpfte in das finstere Versteck und Gretchen folgte ihr unmittelbar.
Kaum waren sie in Sicherheit, als die nach dem Vorplatz führende Tür geöffnet ward und die Jarvis und die Portugiesin eintraten.
Schritte in den Zimmern ertönten, erst leise, dann rascher und hastiger und auf einmal scholl ein furchtbarer Fluch durch das Zimmer, welcher Alice und Gretchen in ihrem Versteck erzittern machte.
„Sie ist fort!" tobte Jarvis. „Sie und die alte Dienerin!"
„Das Fenster ist offen!" rief die Portugiesin. „Seht da! Ein Seil! Daran haben sie sich hin- abgelassen und sind entflohen!"
Und unter wilden Drohungen stürmten die Jarvis und die Portugiesin, nachdem sie die Zim-
bahntarifreform zu sprechen.,, Dre durch diese Reform hervorgerufenen begründeten Beschwerden dürfte durch eine Vermehrung der Zahl der indirekten Fahrkarten zwischen größeren Sta- Honen, Gestattung wiederholter Fahrtunterbrechung und eine Beschränkung der Zahl der zuschlagspflichtigen Schnellzüge innerhalb gewisser Strecken abzuhelfen sein.
Wenn jemals der einer Partei gemachte Vorwurf antinationalen Verhaltens von den Tatsachen widerlegt worden tft, fo tft es durch die Ereignisse in Südwestafrrka geschehen. Da die Schutztruppe vom 1. Oktober ab 4000 Mann stark sein sollte, so sind 2300 Mann in der Heimat anzuwerben und ut bte Kolonie zu senden. Es lag nahe, die Truppenstärke von 4000 Mann als zu hoch abzulehnen. Nachdem aber die Budgetkommission vom Herrn von Lm- dequist erklärt worden war, daß die Kosten der Polizeitruppe sich hoher stellten, wie nach den früheren Etats angenommen worden war, daß an den Uebergang zu einer Kolonialarmee nicht gedacht werde, daß entgegen der Auffassung des Oberkommandos der Schuktruppe lediglich auf feine Verantwortung im Bundesrat die starke Truppenverminderung zugestanden worden sei, erschien die Erhebung eines Widerspruches verfehlt.
Im Schlußteile feiner Rede berührte der Herr Abgeordnete die Landtagswahlen und die Vorgänge, die sich in letzter Zeit auf
kirchcnpolitischem Gebiet
in Deutschland^ ereigneten. Ein Bedürfnis für einen Laienbund fei nicht anzuerkennen. In der Schellangelegenheit möge man es doch in diesem Streit über den Toten genug sein lassen.
Bezüglich der kommenden
preußischen Landtagswahlen
führt Redner aus: Die Fraktion muß den Fraktionsbestand der Zahl nach behaupten. Denn die V e r m in d er u n g der Zahl der Fraktionsmitglieder schwächt die Stellung der Fraktion in Preußen. Wir haben nur mit der Gefahr des Verlustes einiger Mandate zu rechnen. Es muß mehr auch auf die innere Stärkung der Landtagsfraktion Bedacht genommen werden. Unter diesem Gesichtspunkte ist von den Wahlkreisen bei Aufstellung der Kandidaten auf die Verminderung von D o p- pelmandaten hinzuwirken. Eine Steigerung der Fraktionstätigkeit ist nur von Mitgliedern zu erhoffen, die ihre Kraft ungeteilt dem einen Parlamente zuwenden können.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. August 1907.
* Die Zusammenkunft des Ka sers mit dem König von England findet betannttich am Mittwoch dieser Woche in Wilhelmshöhe statt. König Eduard wird den ganzen Tag der Gast des Kaisers sein. Außer dem Reichskanzler, der am Dienstag schon in Wilhelmshöhe eintrifft, soll auch der Staatssekretär des Auswärtigen an der Begegnung teilnehmen. Blältermeidungen zufolge wird in diplomatischen Kreisen hieraus geschlossen, daß es sich bei der Zusammenkunft der beiden Souveräne um bestimmte politische Vereinbarungen handele, die derselben eine besondere Bedeutung verleihen: Es wird auch angenommen, daß zwischen der Zusammenkunft vor Swinemünde und der in Wilhelmshöhe ein innerer Zusammenhang besteht und das Ergebnis der ersteren sowohl zwischen dem Kaiser und dem König von England als auch zwischen dem Reichskanzler und dem in Begleitung des Königs
mer in allen Winkeln durchsucht hatten, in rasender Hast zur Tür hinaus und die Treppe hinab, — weil sie es für nutzlos hielten, gar nicht daran denkend, die Tür wieder zu verschließen.
„Jetzt ist es Zeit!" flüsterte Alice dein alten Gretchen zu.
Unk» sie verließen ihr Versteck, eilten gleichfalls vorsichtig die Treppe hinab und durch die Küche 'und die offene Tür hinaus in den Hof. Ihre Feinde, welche auf der andern Seite des Hauses in den Felsenklüften am Gestade nach ihnen suchten, sahen sie nicht.
Alicen's scharfer Blick aber entdeckte sogleich, daß das große Tor offen stand, und sie eilte um die Ecke des Hauses und sah nun den bespannten Wagen zur Abfahrt bereit dastehen. Blitzschnell war ihr Entschluß fertig.
„Komm rasch, Gretchen!" rief sie leise und eilte auf das Gefährt zu, loste, ohne sich nur einen Augenblick zu bedenken, die Zügel der Pferde vom Torpfeiler und fchwang sich auf den Wagen, wohin das alte Gretchen zitternd am ganzen Leibe ihr folgte, — im selben Augenblick, als die Jarvis und die Portugiesin nach vergeblicher Absuchung der Felsklippen jenseits des Torweges erschienen und auf einen Blick die Situation erkannten und nun wie die Wilden auf den Wagen mit den Flüchtlingen zustürzten — unter' den fürchterlichsten Verwünschungen.
Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Während im Norden Schottland'? im. Anfang des Monats Mai noch alles mit Schnee und Eis bedeckt lag, hatte das südliche England zu derselben Zeit schon sein schönstes Frühlingsgewaud angelegt.
Die sashionable Welt Englands war zur Frühjahrssaison nach London gekommen, wo das Parlament seit mehreren Wochen tagte.
Lord Leonard's, eins der hervorragendsten Mitglieder des Hauses der Lord's. weilte in fei-
Eduard befindlichen englischen Unterstaatssekretär zur Sprache gelangen werde.
* Der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Radolin, ist in Norderney angekommen und folgte einer Einladung des Reichskanzlers Fürsten Bülow zu Tisch. Offenbar hängt diese Zusammenkunft mit ben Vorgängen in Marokko zusammen.
* Ein Erfolg des Zentrums. Da die für den Kapital an ten-Unterricht geltenden Bestimmungen nicht mehr genügen, den jungen Un- terofsister auf einem seinem Stande entsprechenden Bildungsgrad zu bringen, noch weniger aber Len Anforderungen entsprechen, die an die Militäranwärter zu stellen sind, hat das Zentrum bei der Beratung des Osfizier-Penfionsgefehes beantragt, auf e-ne Aenderung des Kapitulanten-Un- terrichtes Hinzustelen. Das Kriegsministerium vermag, wie die,Nationalztg/ hört, die Berechtigung dieser Wünsche nicht zu verkennen und hat daher Veranlassung genommen, die Frage zur Erörterung zu bringen. Das Kriegsministerium geht dabei von folgenden Erwägungen aus: „Wenn auch der Unteroffizier in erster Linie für die Zwecke des praktischen Truppendienstes verfügbar fein muß, so bleibt doch die zwingende Notwendigkeit bestehen, seine Elementar-Kenntnisse zum Nutzen der Truppe und für seine spätere Verwendung im Zivildienste zu heben. Hierzu wird es erforderlich sein, den bisherigen Kapitulanten-Unterricht durch geeignete Lehrkräfte erteilen zu lassen, ihn soweit als möglich zu erweitern unv zu vertiefen und endlich den Unteroffizieren vor ihrem Ausscheiden den Unterricht zu erteilen, dessen sie bedürfen, um eine angemessene Versorgung im Zivildienste zu erlangen. Das Kriegsminffterium verschließt sich durchaus nicht den Bedenken, welche diesen Forderungen entgegenstehen und die im wesentlichen neben dem Kostenpunkte sich in der Belastung der Truppe fühlbar machen werden. Opfer müffen aber in dieser Hinsicht gebracht werden, zun'.al sie der Truppe späterhin wieder zum stutzen gereichen. Das Kriegsministerium fordert hierüber eine Aeußerung bis zum 15. Dezember 1907, wie den zur Sprache gebrachten Forderungen bei den König!. General-Kommandos unter Berücksichtigung der dienstlichen Verhältnisse, Infanterie, Kavallerie, Feldartillerie und des Trains am zweckmäßigsten, wenn angängig ohne Mehrbelastung der Truppe entsprochen werden kann. So wirkt dieArbeitdesZentrums noch heute nach.
* Staatssekretär Dernburg ist nach zwev tägigem Aufenthalte in Sansibar, wo er vom Sultan empfangen wurde und an einem Bierabend beim deutschen Konsul sowie an einem Diner im Deutschen Klub teilnahm, nach Daressalam zurückgekehrt; in plötzlicher Abänderung des-Reifeprogramms reifte Staatssekretär Dernburg am letzten Samstag nach Mombassa, von dort mit der Ugandabahn nach Port Florence und über den Viktoria-See nach Muanza. Hieran wird sich dann ein Marsch über Ta- bora und Moro goro nach Daressalam anschließen. Die Reise wird voraussichtlich 45 Tage dauern.
** Der Volksverein für das katholische Deutschland veröffentlicht über den Stand seiner Mitgliederzahl am 31. Dezember 1906 in den einzelnen Landesteilen bezw. Bezirken eine zahlenmäßige Aufstellung, der zu entnehmen ist, daß die Gesamtzahl am genannten Termine 524 666 betrug gegenüber 484 229 am 1. Dezember 1905, d. i. eine Zunahme von 40 437 — 8,4 Prozent.
nein Palais in Parklane. Lord Glenham und seine Mutter bewohnten ihr Haus in derselben Straße, und Lady Trevor domizilierte in ihrerti Hause in South-Audleystreet.
Die schone Lady saß in ihrem Morgenzimmer, mit der Abfassung einiger Briefe beschäftigt. Sii war eben mit dem Schreiben fertig; jetzt siegelst sie die Briefe und adressierte sie. Kaurn daß dies geschehen war, als Lord Leonards angemeldet wurde.
Sie erhob sich und eilte dem Marquis mit scheiirbar lebhafter Freude entgegen.
„O, wie freue ich mich. Sie zu sehen, Großvater!" rief sie aus. „Ich habe Sie seit meiner Ankunft in London vor einer Woche jeden Tag erwartet und fürchtete schon, Sie würden gar nicht kommen!"
Sie bot ihm ihren Mund zum Kusse, aber der alte Lord reichte ihr nur ernst die Hand, indem er erwiderte:
„Ich erhielt Deinen Brief, welcher mir Deins Rückkehr nach London mitteilte, Edith, aber es war mir nicht möglich, eher zu Dir zu kommen.""
„Ich bin immer froh, Sie zu sehen, zu wel- cher Zeit es auch fein mag, lieber Großvater!" sprach Lady Trevor lebhaft. „Wie geht es dieses Frühjahr mit Ihrer Gesundheit? Als ich Sie zu St. Leonards sah, waren Sie leidend."
„Ich bin ganz Wohl, Edith," versetzte der alte Herr. „Ich bin mit Glenham beinahe den ganzen Winter in der Stadt gewesen."
„Ja, ich Weitz," erwiderte Lady Trevor, sich neben den Marquis setzend und ihn mit einem Blick zärtlicher Betrübtheit ansehend. „Sie wa- ren bemüht, Miß Romberg aufzusuchen. Haben Sie sie gefunden?" e
„Nein!" lautete die kurze Antwort.
„Ich habe Gordon seit meiner Rückkehr in die Stadt nicht wiedergesehen," fuhr die Lady fort. „Wo ist er?"
(Fortsetzung folgt.)