Einzelbild herunterladen
 

34. Jahrgang.

Fulda, Freitag den 9. August 1907

M 181.

Äw$e igen. Vie ein­spaltige petitzeile ober deren Raum 15 pfg. Reklamen »le petitzekl« 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wirb entfpr. Bobalt ««währt.

srjcheint tSgtich mtt lnrnahm« bet Son*« inb Seiet tage ütertel» «hn Se;na5preir ,hn« Bringet!'b* und #e8engelbi*8*lbannb enrwärtr 1 Mk SS pfg-

Roman von Ed. Wag nex.

"stf] (Nachdruck verboten.)

Lord Glenham täuschte sie mit ihrer schein- varen Aufrichtigkeit, nicht aber den Marquis.

„Ich werde heute nachmittag nach London zn- rückkehren", erklärte der junge Graf entschlossen. ^Mr. Barker, lassen Sie mich alles wissen, was Sre unternommen haben. Ich kann und werde nicht eher ruhen, als bis ich Miß Romberg's Spur aufgefunden habe!"

Der Advokat wiederholte dem Grafen alles, was er am Tage vorher dem Marguis mitgeteilt hatte.

Dieser saß schweigend dabei. Die Tatsache, daß das junge Mädchen, welches ihn so eingenom­men hatte, mit der vermeintlichen Abenteurerin identisch war, machte ihn gleichsam sprachlos. Wenn er erst die ganze Wahrheit gewußt hätte!

Als Mr. Barker seine Erzählung beendet und alle die eifrigen Fragen des Grafm beantwortet hatte, sagte der Marquis zu diesem letzteren:

„Gordon, ich habe Miß Ronrberg großes Un» -recht getan, daß ich fie für eine Abenteurerin ge­halten. Nun ich sie gesehen habe, will ich mein ! Leben an ihre Reinheit und Seelenhoheit setzen. Dieses Mädchen ist Deiner würdig! Ich will sre als meine Enkelin adoptieren! Bringe fie nur und Du sollst meine Einwilligung haben, jfie zu heiraten!"

_. ."dlber ich", rief Lady Glenham aus, „werde zugeben! Lieber wollte ich, das Mädchen Ware tot, als daß sie lebte, um die Gattm meines Sohnes zu werden!"

Lady Trevor's dunkle Augen flammten un- Heimlich.

Die „Corrispondenza Romana" veröffentlicht folgende sensationelle Enthüllung „aus bester Quelle und auf Grund von Doku­menten": ..

1. Der gegenwärtige Kulturkampf m Italien, der Klostersturm und Verleumdungsfeldzug, wird von der französischen Freimaurerei unterstützt, auch mit Geld.

2. Seit der letzten italienischen Wahlkam­pagne bis zur jetzigen Klosterhetze hat die Loge Frankreichs zirka 150 000 Franken für den italienischen Kulturkampf ausgegeben.

3. Es sei hier betont, daß dre Familie Bas­son, welche den Salesianerskandal in Varazze inszenierte, französisch ist. ... .

4. Der Angriff gegen die Salesianer ist da­rauf zurückzuführen, daß diese Ordensleute die Leiter eines sehr einflußreichen Instituts für Volkserziehung sind. .

Wir wiederholen, so fügt die „Corrispondenza Romana" hinzu, daß wir kein Dementi fürchten, )enn unsere Veröffentlichung ist dokumentiert. Weiteres Material ist in ihrem Besitz. (Das klingt, da selbst liberale Blätter die „Mache" auf- decken und zugeben, sehr wahrscheinlich. Sozial- demokratie und Freimaurerei haben an jeder Lüge Interesse, welche gegen die katholische Kirche und ihr Wirken gerichtet ist. D. Red.) ____

Bisher sind ungefähr 120 Zeitungen angemeldet. Wir hoffen, in der nächsten Woche noch einige auS- ührliche Mitteilungen über Einzelheiten bringen zu können und sprechen für heute nur noch den einen Wunsch aus: Es möge gerade in Anbe­tracht der Hoffnungen, welche die Gegner der chthol. Kirche auf die Uneinigkeit der beut- chen Katholiken wegen einiger untergeordneter Zragen hegen, ein starker Besuch des 54. Katholikentags und ein einmütiger glänzender Verlauf desselben der ganzen Welt aufs Neue beweisen, daß die deut- chen Katholiken, sich von keiner Konfession an Va- erlandsliebe und von keiner Nation an Treue ge­gen Kirche und Papst übertreffen lassen.

nimmt man unsere Priester nicht auS und stets bleibt an ihnen etwas hängen.

Wir müssen uns letzt sofort mit aller Entschiedenheit zur Wehr setzen, ehederFeuerbrand auch in nu­fer Haus geworfen wird.

E Eine neue UathoMenhetze?

Aus Italien kommt das Signal zu einer neuen Katholikenhetze, an der der internationale Liberalismus und die Freimaurerei den hervor­ragendsten Anteil haben. Es ist nicht das erste Mal, daß dieses Sturmeszeichen von „Jen- eits. der Berge" kommt; als bei uns die Graß- mann-Hetze tobte, als man gegen den Beichtstuhl und die Geistlichen zu Felde zog, da kam auch der erste Anstoß aus Italien und deutsche liberale Blätter nahmen ihn begierig auf. Soll es nun wieder so kommen? Es ist nicht ausgeschlossen, und daher muß das katholische Volk

bei Zeiten aufgeklärt

werden. Wir lassen es uns nicht mehr bieten, daß man die Geistlichen, unsere Söhne, Brüder und Freunde von bem nächst Besten mit Kot bewirft. Das sittliche Leben unseres Klerus steht auf einer weit höheren Stufe als das seiner Ankläger, bie so oft erbärmliche Tröpfe, elende Verleumder und am allerwenigsten berufen sind, sich als Sittlich- keitswächter der katholischen Kirche aufzuspielen. Was derzeit an klerikalen Skandalen aus Italien gemeldet loirb, beweist uns, daß es sich um einen neuen Feldzug der Kirchenfeinde, handelt; das allermeiste an diesen Meldungen ist

erlogen und frei erfunden.

wo einzelne Ausschreitungen vorgekommen find, da hat es sich um Personen gehandelt, die zu un­recht das geistliche Kleid getragen haben, gegen welche die Kirchenbehörden schon seit Jahren vor­gingen, aber die Polizei steuerte dem Unfug nicht, fie ließ solche Verbrecher ruhig das geistliche Ge­wand weiter tragen, obwohl dies nur geschah, um Bettug und Schlimmeres ausführen zu können. Diese Dinge sind durch eine Reihe von Tatsachen bewiesen, was selbst anständige liberale Blätter zugeben. Nunmehr werden auch Skandale aus klösterlichen Instituten gemeldet; aber es hat sich sofort herausgestellt, daß es sich hierbei um ganz böswillige Erfindungen handelt. Die liberale Presse muß dies selbst zugeben. Wir wol­len an der Hand der gewiß nicht katholiken freund­lichen „National-Zeitung" (Nr. 365 vom 7. Aug. 1907) einen solchen Fall, der geradezu typisch ist, näher schildern, so unangenehm es auch sein mag, diese. Geschichten wiederzugeben. Genanntes Blatt schreibt: Der in Varazzo vorgekommene Fall wird Psychiatern und Pädagogen, die sich mit der ab­normen Psyche krankhaft veranlagter Kinder be­schäftigen und Richtern, die die Aussagen jugend­licher Zeugen zu wägen haben, ein sehr inter­essantes Material liefern. Ein vierzehn­jähriger Externe des Salesianer Instituts, namens Alessandro Besson, beschuldigte die Lehrer perverser Ausschreitungen, wie sie obzsöner in der schlimmsten Literatur nicht dargestellt werden; nächtlicher Weile seien von den geistlichen Lehrern mit den Nonnen des nahen Klosters ber heiligen Katharina von Siena schwarze Messen in Gegen­wart von 200 Schülern gefeiert worden, die Leh­rer hätten nackt ober halbnackt unterrichtet unb

vom 54. Katlfolitentag.

Nur noch 14 Tage trennen uns von der 54. Generalversammlung ber Katholi­ken Deutschlands. Die schwierigen mw zahlreichen Vorarbeiten sind nunmehr soweit ge- förbert, daß das Lokalkomitee und die Stabt Würzburg ruhig den Scharen ber werten Gaste "ÄÄ. M 1» d°° von der Bildung des Lokalkomitees angefangen, bis zum Tage der Generalversammlung so viele unvorhergesehene SchW 1ertg- feiten erhoben, wie sie der 54. Tagung erwach­sen sind. Zuerst haben die Reichstagswahlen in­folge der plötzlichen Auflösung des Reichstages unb bie für Würzburg notwendig gewordene Stichwahl die Kräfte der im öffentlichen Leben tätigen Katholiken stark in Anspruch genommen; bann kamen im Monate Mai bie Wahlen tut den bayerischen Landtag, welchen nun noch eine Er­satzwahl folgen wird am letzten Tag ber Katho­likenversammlung, am 29. August.

Brachten alle diese Ereignisse, manche Ver­zögerung in die Vorarbeiten für„den Katholikentag, so schienen die bekannten „Unstim­migkeiten" in der Würzburger theologischen Fa­kultät direkt als ein erschwerendes Hin- berniS für die würdige Abhaltung ber o4. <3e» neralberfammlung zu bebeuten. Schon gleich nach ber Konstituierung des Lokalkomitees tm Monat November vorigen Jahres erklärten bie Professo­ren Merkle und Kiesel ihren Austritt. Danach ist also die Meldung liberaler Blätter, als ob erst vor einigen Wochen der Austritt dieser Her­ren geschehen sei, infolge von Differenzen zwischen den Professoren Merkle und Kneib, richtig zu stellen. . „ ...

Mit gleicher Freude, wie von jenem Austritte hat die gegnerische Presse Notiz genommen von bem in diesen Tagen erfolgten Ausscheiden eini­ger Freunde des Professor Schell, welche sich als Mitunterzeichner des Denkmalkomitees für den verstorbenen Gelehrten durch Veröffentlichung des Papstbriefes tm Würzburger Diözesanblatt per­sönlich angegriffen fühlten und zwar vorn Dw- zesanbischof, „unter dessen Auspizien ber Katho- lilentag stattfinde." . . .

So bedauerlich diese Schritte bei.emer so gro­ßen und allgemeinen Sache auch sein mögen, sie werden den Erfolg der. 54. Generalversammlung ebensowenig beeinträchtigen, wie der Versuch der ganzen kirchenfeindlichen Presse gelingen wird, die in letzter Zeit entstandenen kirchlichen Strett- fragen als Sprengpulver zu benützen zwischen Rom und den deutschen Katholiken.

Das zeigen die bisherigen Anmeldungen, dre vielen Nebenveranstaltungen, welche mit dem Ka­tholikentag verbunden werden, und dre Teilnahme ber Bevölkerung. Tas Lokalkomitee glaubte von .Anfang an von einem Arbeiterfestzug absehen zu können. Aber aus allen in Betracht kommenden Gegenden wurde ein derartiges Drängen auf das .Lokalkomitee ausgeübt, daß es auch noch diese Last auf sich nehmen mußte und rasch eine eigene Fest­zugskommission einsetzte. Bis jetzt haben sich schon aus allen Teilen Bayerns 130 Arbeiter- und Ge- sellenvereine mit Fahnen definitiv gemeldet. Außerdem sind Ertrazüge mit Vereinen ange- fagt aus Frankfurt a. M., Stuttgart, Mannheim, Bamberg, München. Da­bei sind bie Vereine aus der nächsten Umgebung noch gor nicht mitgerechnet.

Die Festhalle geht in diesen Tagen ihrer Vollendung entgegen. Sie wird im Gegensatz zu all ihren Schwestern auf den bisherigen Ver- f a m m I u n g e n in ber Anordnung und Aus- sckmückung etwas ganz Apartes bringen, und allein schon eine Sehenswürdigkeit bilden. Die Presse, von welcher ber Erfolg des Katholiken­tages so stark beeinflußt wird, wird dabei ganz besonders geräumige und praktische Plätze finden.

M Betattonsbrud tu

Verlag der 5«ldarr Ac- tie*dr ickerei i» Hilda. 44 Fernsprecher Br. 9.

mit ihren Zöglingen perverse Handlungen vorge- nommen. Ueber diese angeblichen Vorfälle fan- den sich Aufzeichnungen in einem petnltd) geführtenTagebuchdes Besson. Die An­geklagten beteuerten aufs energischste ihre Un- chuld Bei ber Gegenüberstellung wurden bie Angaben des Besson plötzlich unsicher; er ver­wickelte sich in Widersprüche unb stellte unmögliche Behauptungen auf, z. B. die Nonnen hatten sich nachts aus bem Kloster unb bie Externen aus den elterlichen Wohnungen weggeschlichen, um den Or­gien im Institute beiwohnen zu können. Es stellte ich heraus, daß Besson ein Diplom, um das er ich in der Anstalt beworben hatte, nicht erhalten hat. Als Bessons Mutter befragt wurde, warum ie ihren Sohn in ber Anstalt gelassen hatte, ob­wohl nach ihrer eigenen Aussage die Zustände ihr eit geraumer Zeit bekannt waren, wußte sie keine bessere Ausrede, als die, ihr Sohn fei r.tr des­halb geblieben, um Aufzeichnungen zu machen und als sicherer Zeugege- gen die Priester auftreten zu kön­nen. Die Lettüre des Tagebuches erzeugt den Eindruck, daß es nach perversen Büchern unb wahrscheinlich nach Leo Taxil zusammengestellt ist. Die Salesianer Anstalt ist vorläufig von der Behörde geschlossen worden, die Angaben über die Untersuchung, die im Gange ist, lauten unklar ober wibersprechend. Wenn man bis zum Ab­schluß ber Untersuchung auch barüber zweifeln kann, ob Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind ober nicht, so ist es doch jetzt schon sicher, daß d i e ungeheuerlichen Beschuldigungen des Knaben Besson falsch sind. Die Bevölkerung von Varazze, die ihre Kinder in die Anstalt sandte, und am besten über ihre Führung urteilen kann, hat auch entschieden für die Sale­sianer und gegen die Ankläger Stellung ge­nommen." , „

Ein ähnlicher Fall, daß ein Kind falsche Aus­sagen über eine angebliche Vergewaltigung machte, ereignete sich in R 0 rn. Die dreizehn­jährige Ida Sprodl war in einem Asyl unter­gebracht, das sich nach dem heiligen Hieronymus nannte, obwohl es weltlich ist. Als das Kind an einem Augenübel erkrankte, brachte die Mutter es zur ärztlichen Untersuchung nach der Poliklinik, und die Aerzte glaubten nach oberflächlicher Visi­tation, das Hebel auf eine Infektion zurückführen zu müssen. Das Kind gestand, vergewaltigt wor- den zu fein. Der „Avanti", der bie Geschichte zu­erst veröffentlicht hatte, beutete sie in antikleri­kalem Sinne aus, obwohl auf keinen Fall die Geistlichkeit damit etwas zu tun gehabt hatte. Am anberne Tage gestanb bas Kinb, gelogen zu haben. Bei einer neuen Untersuchung wollen bie Aerzte gefunben haben, daß sie sich im Charak­ter ber Krankheit getäuscht haben, unb daß das Kind überhaupt noch unberührt ist! Wir haben hier 2 Fälle vor uns, wie sie nicht bester gedacht werden können. Ein verdorbener 14 Jahre alter Knabe führt

veraMwortliid««

ZLriftteiler: ».wetzler

wochEi-s«: „Illustrierte Somrtagsjettting

„Die Gräfin soll ihren Willen haben", sprach sie finster für sich, „denn nur foTann ich nach alle diesem noch den Sieg davontragen I"

Wochen vergingen nun unb umsonst forschten Lorb Glenham nebst Grafton unb Barker nach Alice. Durch alle Zeitungen hatte Gorbon Auf­rufe ergehen lassen, Alice blieb verschwunben. Alle Nachsuche seitens der Polizei blieb vergeblich. Jede Spur erwies sich als erfolglos.

Es war an einem regnerischen Novemöer- abenb, als in bem Stadtpalast des Marquis von St. Leonards eine gemeinschaftliche Unterredung abgehalten wurde, um zu beraten, was weiter in ber mysteriösen Angelegenheit getan werden konnte.

An dieser Beratung nahmen teil ber alte Marquis, ber inzwischen wiederhergestellt war, Lord Glenham unb Malbreb Grafton, sowie ein Geheimpolizist, ben Lorb Glenham für seine An­gelegenheit gewonnen hatte.

Derselbe berichtete zunächst über feine Sei­fen, bie er zur Verfolgung verschiedener falscher Spuren unternommen hatte, unb fügte bem Be­richt hinzu:

„Von einem Freunde habe ich soeben gehört, baß in Paris sehr zurückgezogen eine junge Dame lebt, auf welche bie Beschreibung von Miß Sam­berg paßt. Ich will darum morgen früh nach Paris aufbrechen, um dieser neuen Fährte nachzu­spüren."

„Finden Sie sie, unb Sie sollen belohnt wer­den, daß Sie zufrieben fein können!" rief Lorb St. Leonards lebhaft. „Dieses Geheimnis bringt mich noch förmlich von Sinnen! Das atme junge Mädchen! Wenn ich an alle Möglichkeiten des Schicksals denke, das sie betroffen haben kann, so bin ich nicht mehr imstande, ruhig zu sein!"

Lord Glenham stand auf unb burchschritt in heftigster Unruhe das Zimmer.

„Daß wir hier so ohnmächtig zur Untätigfeit verurteilt fein müssen, toäbrenb fie sich vielleicht

ein Tagebuch (!!)

über feine Lehrer, unb dessen Mutter läßt den Taugenichts im Institut, damit er über die Brie- fter noch weiter lügen kann. Der liberalen Meute in Italien aber ist dies ein vollgewichtiger Zeuge, er genügt, um diese ganz erlogenen Geschichten als bare Münze durch die Welt zu schleifen. Der Junge verwickelt sich in Widerspräche, tut nichts; er ist ber liberale Kronzeuge. Der 2. Fall ist nicht besser: hier handelt es sich gar nicht um ein klö­sterliches Institut, das 13 jährige Mädchen lügt und trotzdem glaubt ihm der „Avanti"; bie Aerzte stellen bie Unwahrheit fest; nutzt alles nichts, es wirb gelogen unb verleumdet, daß sich die stärk­sten Balken biegen könnten. Man sage nicht, daß es sich um italienische Geistliche handelt; was über diese gelogen wird, trifft immer auch zum Teil den deutschen Klerus; in den Reihen ber Gegner heißt es sofort: So sinb alle Schwarzen! Da

in Tobesgefahr befindet!" rief er verzweifelt. „O, wo nur mag sie fein, — was kann ihr begeg­net fein? Ich kann es nicht glauben, daß sie tot ist, — und doch, wo sollte sie sich aufhalten, da sie nicht zu finden ist?"

„Ich werde fie in Paris finden," sagte der Polizist zuversichtlich, sich erhebend. „Hier sind drei Spuren, welche ich verfolgen wollte. Sie können 'sich mit denselben beschäftigen, sollte sich meine Abwesenheit in die Länge ziehen."

Und er reichte dem Grafen mehrere Bögen Papier und entfernte sich bann. Am andern Mor­gen reifte er nach Paris, während ber Marquis, ber Graf, Grafton unb Barker ben anderen Spu­ren nachgingen, die jener ihnen an die Hand ge­geben hatte. Allein alles erwies sich wieder als erfolglos.

Der Polizist kam zurück unb berichtete, baß das junge Mäbchen, welches er in Paris aufge­sucht hatte, die Tochter eines Londoner Arztes sei, welche dort Unterricht im Malen nähme. Aber sein Mut toanfte dennoch nicht; er hatte einige neue Ideen und ging auf Grund derselben mit ben besten Hofnungen auf Erfolg von frischem ans Werk.

Die Anzeigen in ben Zeitungen wurden in der verschiedensten Form fortgesetzt unb ebenso das Suchen. Aber qualvoll reihte sich Tag an Tag, ein Monat nach bem anbern verstrich unb ber März kam unb Alice war noch immer nich gefunden worden. Es war schließlich ein ganzes Heer von Geheimpolizisten mit der Sache betraut worden. In allen Ländern des Kontinents wur­den die sorgfälligsten Nachforschungen angeiteHt, aber alles vergebens, — die Vermißte war unb blieb verschwunden. . . _.

Lord Glenham fühlte sich wie vernichte. Die Erfolglosigkeit aller Nachforschungen druckte ihn zu Boden. Irgendwo mußte bie Derschwunbene doch sein! Warum war sie nickt aufaufinben?

Deutsches Reich.

Berlin, 8. August 1907.

* Neue Mariueforderungen sollen im kom­menden Etat enthalten sein. Wie ein Kieler Blatt meldet, fordert der Voranschlag für ben nächstjährigen Marineetat zwei neue Linienschiffe von größeren Deplacements als sie die bereits bewilligten vier Linienschiffe haben. Außerdem oll noch ein neuer Riesen-Panzerkreuzer in den Forderungen enthalten fein.

* Der Ausstand der Bauarbeiter in Groß» Berlin gilt in Arbeiter- und Arbeitgeberkieiien ür verloren. Die Haupt-Bausaison ist überall vorbei. Das Angebot von Arbeitskräften nimmt von Tag zu Tag zu. Die Zahl der Arbeitswilligen wächst und die Arbeitsgelegenheit wird geringer. Die Situation ist heute für die Arbeitgeber be­brüt enb günstiger, als zu Beginn des Ausstanbes.

* Die Sedan feier bleibt. Das Sedanfest wirb von ben Schulen auch in Zukunft gefeiert werben. Der preußische Unterrichtsminister hat sämtliche kgl. Provinzialschulkollegien und kgl. Regierungen jetzt durch eine besondere Verfügung veranlaßt, dafür zu sorgen, baß in allen unter­stellten Schulen biefer Brauch auch weiterhin beibehalten wird. Es ist bisher, heißt es ferner darin, in ben preußischen Schulen allgemein guter Brauch gewesen, am Sebanstage unter Ausfall bes Unterrichts eine entsprechende Schul­feier zu veranstalten. '

* Polizeileute als Sozialdemokraten. Die Berliner Polizei scheint auf eigenartige Mittel zu verfallen, um den Sozialdemokraten beizu­kommen. Der.Vorwärts' teilt mit, daß sich ein Ki iminalschutzmann Palm als „Mechaniker Max Heise" in den sozialdemokratischen Wahl- verein habe aufnehmen lassen; dort sei er bemüht gewesen, sich als recht eifriger und gesinnungs-

„O, Alice, Alice, wo bist Du?" rief ber junge Graf immer unb immer toieber in Tönen bes höch­sten Schmerzes. „Lebst bu, ober bist bu tot — tot in aller beiner Schönheit unb Lieblichkeit? Nein, nein, — ich will, ich kann es nicht glauben! Tu lebst — bu lebst, aber wo — wo bist bu? Unb was trennt uns? Was hält dich fern von allen, die dich lieben, — was hält bich fern von mir, dem bu doch ein unb alles bist? O, wo — wo nur soll ich dich suchen? Wo weilst bu — wo weilst bu? Werbe ich dich wieder finden — werde ich dich jemals toieberfinben? Unb wie bann — 0, allbarmherziger Gott! — wie bann — wie bann?"

Einundzwanzigstes Kapitell

An ber Norbwest-Küste von Schottland, in einer Region gänzlicher Wildnis, über ^welcher beständig ein Hauch tiefer Vereinsamung schwebt, ragt ein kahler Bergvorsprung hinaus m die schäumende See, Black-Rock genannt.

Zu einer Höhe von mehreren hundert Fuy erhebt sich bie steile, vielfach zerklüftete Felswand, stets von zahllosen Windenten unb Seemöven um- schwirrt. ,, . .

Black-Rock ist weit entfernt von jeher mensch­lichen Wohnstätte; bie nächsten Fischerhäuser ober Echäferhütten sind erst in einer Entfernung von vielen Meilen anzutreffen. Die gefährlichen Ge­birgspfade, welche nach Black-Rock führen, machen diese Gegend zur Einöde. *

Aber ungeachtet dessen thronte auf dem Gip­fel von Black-Rock ein langes, massiv gebaute» Haus, von einer dichten Nadelholzung umgeben, welche nur ben hochragenden Turm, ben bas Haus trug, sehen ließ. ,

Das altersgraue Haus von Black-Rock hatte eine tragische Geschichte. ...

In alten Zeiten wohnte in feinen Mauna eine mächtige Familie, welche ledoch einmal bi» auf nur noch rwei Brüder ausstarh, bie sich iW