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M 180.
Fulda, Donnerstag den 8. August 1907.
34. Jahrgang.
::: Das Rechtsstudium.
Die bayerische Regierung hat wieder einmal vor dem Studium der Rechtswissenschaft gewarnt. In der Tat ist der Andrang dazu geradezu beängstigend, und er scheint immer noch größer werden zu wollen. Außer den sonstigen Beobachtungen stützt sich die bayerische Regierung auf die unverhältnismäßig große Zunahme der Meldungen zum juristischen Staatsexamen. Wie in Bayern liegen die Verhältnisse auch anderswo. Die Statistik zeigt, daß sowohl in Preußen wie im Reich die Zahl der Jura Studierenden wie auch derjenigen, welche die Prüfung schon bestanden haben,
auffällig stark gestiegen
ist. In Preußen haben sich im Jahre 1906 zur juristischen Prüfung 2000 Kandidaten gemeldet, gegen 1500 im Jahre 1900. Zur zweiten juristischen Prüfung gingen 990, während die Zahl sechs Jahre früher 700 betrug. Und zur Prüfung für den höheren Verwaltungsdienst haben sich 67, drei mehr als im Jahre 1900 gemeldet. Ganz auffallend ist auch die Vermehrung der Studenten der Jurisprudenz überhaupt. Im Winter 1902=03 wurden 5600 gezählt. Drei Jahre später, also im vorigen Wintersemester, war ihre Zahl schon auf 6300 gestiegen. Anderseits ist beispielsweise die Zahl »er Examinanden bei den theologischen und nedizinischen Prüfungen in den letzten Jahren rerklich geringer geworden. Angefügt seien noch nt sprechende Zahlen aus dem
Richterstand.
Noch im Jahre 1883 betrug die Zahl der Richter an den ordentlichen Gerichten des deutschen Reiches rund 7000; auf 6414 Einwohner kam ein Richter. Im Jahre 1905 wurden schon 8800 Richter gezählt, die entsprechende Einwohnerzahl fiel aber auf 6394. Ein gegenseitiger Ausgleich hat also nicht stattgefunden. Unter Liefen Umständen ist es sehr wahrscheinlich, daß in absehbarer Zeit der richterliche Beruf überfüllt sein wird und Neuaufnahmen überhaupt nicht mehr stattfinden können. Die Warnung der bayerischen Regierung ist also sehr am Platze. Deutlicher noch geht der übermäßige Andrang zum juristischen Studium aus statistischen Ausnahmen über den
Rechtsanwaltsstand
hervor. Hier sind die Zahlen noch erschreckender. In der Zeit von 1883 bis 1905 haben sich die Rechtsanwälte um das Doppelte vermehrt. 1880 gab es in Deutschland 4112 Anwälte, 25 Jahre später war ihre Zahl auf 7863 gestiegen. Im Jahre 1880 kam auf 11000 Einwohner ein Anwalt, heute ist diese Zahl bereits auf 7000 gesunken. Geradezu unglaublich sind aber die Zahlen, welche für die Reichshauptstadt Geltung haben. Innerhalb desselben Zeitraums ist in Berlin die Zahl der Anwälte von 231 auf 1187 gestiegen, das ist mehr als das Fünffache. Und während vor 25 Jahren in Berlin ein Anwalt auf 15 000 Einwohner kam. beträgt die auf ihn entfallende Kopfzahl heute nur noch 4500. Aehnlich dürsten die Verhältnisse in anderen größeren Städten liegen. Diese Zahlen schildern die Ueberfüllung in den grellsten Farben. Kein Wunder, daß eine vor mehreren Jahren dem deutschen Anwaltstage unterbreitete Denk
schrift von einer wirtschaftlichen Misere im Anwaltsstande gesprochen hat.
Nun wird es an Mitteilungen über die Ursache dieser Erscheinungen und an Vorschlägen zur Abhilfe nicht fehlen. Manche sehen eine Ursache des Uebels in der Billigkeit deS Schulgeldes an den Mittelschulen. Tatsächlich erhebt Bayern an seinen Königl. humanistsschen Gymnasien ein jährliches Schulgeld von nur etwa 30 Mark. Zwar zählen zahlreiche bayerische Gymnasien auch eine sehr hohe Schülerzahl; der Andrang zur juristischen Laufbahn macht sich aber außerhalb der weiß-blauen Grenzpfähle ebenso geltend wie in Bayern selbst. Diese Ursache ist also nicht stichhaltig. Ein anderer Vorschlag erwartet eine Besserung der Verhältnisse durch Einigung des Studiums überhaupt und will zu diesem Zwecke eine gründliche Säuberung der Mittelschulen von unten herauf vorgenommen wissen. Dieser Vorschlag, welcher also auf eine Verschärfung der Anforderungen an die Schüler hinausläuft, hätte wenigstens die eine Wirkung zur Folge, daß den Unfähigen der Besuch der Mittelshulen unmöglich gemacht würde. Zu berücksichtigen bleibt aber vor allem, daß der Jurist für alle öffentlichen Verhältnisse des Staats-, wie Gemeinde- und Privatdienstes vielfach am besten vorgebildet ist, und infolge dessen auch für derartige Stellen bevorzugt wird. Deshalb ist nicht zu erwarten, daß die Zahl der Juristen in der nächsten Zeit abnehmen wird. Andererseits ist ein Appell an die Eltern sehr von nölen. Mögen ihre Jungen noch so begabt sein, so ist es doch nicht immer angebracht, sie unter allen Umständen dem Studium zuzusühren, nachdem doch Industrie und Technik, Handwerk und Gewerbe rc. lohnendere Aussichten bieten. Gleichwohl befürchten wir sehr, daß auch die jetzige Warnung wieder erfolglos bleiben wird.
Deutsches Keich.
Berlin, 7. August 1907.
* Der Zar hat am Dienstag mittag kurz nach 12 an Bord des „Standart" Swine- münde verlassen, um nach Rußland zurückzu- kehren. Die „Standart" durchfuhr die Deutsche Flotte zwffchen dem zweiten Geschwader und dem Geschwader der Aufklärungsschiffe. Die „Hohen- zollern" signalisierte „Glückliche Reise!" Der „Standart" sprach in seinem Flaggensignal innigen Dank für die Gastfreundschaft aus. Der Zar im Sportanzuge der deutschen Marine stand auf der Kommandobrücke seiner Jacht und salutierte andauernd. Sobald der „Standart" die Flotte passiert hatte, feuerte diese Salut. — Um 123/* Uhr verließ die Schlacht- fiotte die Reede. Kurz darauf lief die „Hohen- zollern" in Swinemünde ein. Dor der Abreise des Zaren fand an Bord des „Standart" eine Abschiedsfeier statt, bei der Kaiser Nikolaus folgenden Trinksprvch ausbrachte:
„Ich bin glücklich, daß ich die Gelegenheit habe, Ew. Majestät für die mir bereitete herzliche Aufnahme auftichtig zu danken und den ganzen Wert zum Ausdruck zu bringen, den ich auf die Fortdauer der Beziehungen überlieferter Freundschaft und Verwandtschaft lege, die beständig ein enges Band zwischen unfern Häusern und Ländern gewesen sind. Nach- dem ich mit lebhaftem Interesse und großer Bewunderung den Manövern der schönen deutschen Flotte beigewohnt habe, erhebe ich mein Glas auf
M Perle des SchmrMldes.
Roman, von E b. Wagner.
811 (Nachdruck verboten.)
Es bot sich also jetzt keine Gelegenheit für Lord Glenham zu einer Unterredung mit Lady So ungeduldig er war, sich bei ihr in betreff Alice's zu erkundigen, war er doch ge- 8rDunflen, bis nach der Unterredung mit dem ainy: 3u warten und Barker in die Bibliothek zu folgen.
Lord Leonards, die Füße in Decken gehülst, tn einem großen Lehnstuhl sitzend, sah mit Span- nung nach der Tur. Sein strenges Gesicht er- hellte sich, feine Augen leuchteten und in freudiger Erregung streckten seine Hande sich aus, als'er des jungen Grafen ansichtig wurde, den er wie einen Sohn liebte.
»Es freut mich, Dich zu sehen, Gordon!" rief er herzlich. „Willkommen, GräfinI Entschuldi- gen Sie, daß ich fitzen bleibel Mein alter Feind ~~ dw Gicht — hält mich fest!"
Man begrüßte sich gegenseitig, dann nahmen alle Platz.
„Ich bin in einer großen Unruhe, Gordon", er Marquis hierauf an, „und ich gebrauche Eine höchst peinliche Geschichte, die Preis enträtselt sehen möchte, be- eine «Ä "Nb mich. Vielleicht findest Du erne ^osung, wo wir im Dunkeln tappen!" Sie wußte ?urde blaß bis in die Lippen. £e Säfte würde, und mußte alle
Son%ieibl£n (S\enne[)mcn' um mit Ruhe dem unausbtetblrchen Sturm entgegentreten zu kön-
^UEN jn irgend einer Weise behilflich fein kann , erklärte der junge Graf schlickt „so stelle ich mich zu Ihrer Verfügung.- ™ '
„So höre mich an!" fuhr der Marquis fort. „Vor mehreren Wochen, am Abend nach meiner Rückkehr von Schottland nach London, wurde ich in einer stillen Straße, welche in Rengenstreet einmündet, von zwei Männern angefallen, die mich zu erdrosseln beabsichtigten, um mich berauben zu können. Nach kurzer Gegenwehr, bei der ich erkannte, daß ich den Strolchen nicht gewachsen sei, entschlüpfte ich ihnen, wurde aber von beiden eingeholt und niedergeworfen. Ta —im Augenblick der höchsten Gefahr kam ein junges Mädchen, welches voir der Ecke der Regeirstreet aus den Ueberfall mit angesehen hatte, herbeigeeilt, indem sie um Hilfe rief. Die Banditen ergriffen infolgedessen die Flucht und ich kam mit dem Schrecken davon."
„Welch ein Heldenmut!" rief Lord Glenham. „Die meisten jungen Damen würden in Ohnmacht gefallen oder davongelaufen sein!"
„Ja! Ich muß sagen, daß ich ihr die Rettung meines Lebens verdanke!" sprach der alte Lord bewegt. ,Hch ließ mir ihre Adresse nicht geben, woran die Bestürzung, in der ich mich befand, schuld fein mochte. Sie stieg in einen Omnibus und fuhr mit ihrer Begleiterin, einer alten Frau, fort Sie war sehr schön. In ihrem ganzen Wesen lag eine Art Majestät, welche ihr königlich stand. Nie zuvor sah ich ein junges Mädchen vom gleichen ehrfurchtgebietenden Benehmen!"
„Ein vollständiger Roman!" bemerkte die Gräfin, welche mit Jnteresie zugehört hatte. „Ich vermute, daß Sie sie nicht wiedergesehen haben?"
„O, doch!" versetzte der alte Lord. „Ich sah sie wieder, bei Lady Trevor in South-Audley- ftreet, und es stellte sich heraus, daß sie eine Stickerin war. Ich war überrascht, das zu hören. Ihre Augen, so wunderbar gleich einem andern Augenpaar, welche ich einst gekannt und geliebt, sind mir nicht aus dem Gedächtnis gekommen von dem Augenblick an, als ich sie zuerst sah, und ich faßte den Entschluß, sie zu adoptieren, wenn sie
die Gesundheit Kaiser Wilhelms, des obersten Chefs dieser Flotte, und auf daS Gedeihen der tapferen deutschen Marine."
Kaiser Wilhelm erwiderte: „Eurer Majestät sage ich meinen herzlichsten Dank für die soeben gesprochenen gütigen Worte, welche die Freundschaft zum Ausdruck gebracht haben, die unS und unsere Länder verbindet. Es ist das erste Mal, daß meine Flotte unter dem Kommando meines Bruders die Ehre gehabt hat, vor Ew. Majestät zu manövrieren. Die anerkennenden Worte Ew. Majestät werden in den Herzen meiner Offiziere und Mannschaften fortleben. Wir alle sind von dem Wunsche durchdrungen, daß es Ew. Majestät vergönnt fein möge, den eingeleiteten Ausbau der r «ss i» schen Flotte erfolgreich durchzufiihren. Wie Ew. Majestät bin auch ich erfüllt von dem Gedanken unveränderlicherFrendschaft unserer Häuser und unserer Völker. Diese Freundschaft hat mehr als ein Jahrhundert überdauert, sie verbindet uns heute und wird weiter dauern. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Seiner^ Majestät des Kaisers Nikolaus. Seine Majestät der Kaiser von Rußland Hurra, hurra, hurra!"
.'. Der Kronprinz wird am 9. ds. Mts. wiederum in Heiligendamm eintreffen, wo bekannttich seit einiger Zeit die Kronprinzessin mit dem kleinen Prinzen Wilhelm Erholungsaufenthalt genommen hat. Zu Ehren des fron- prinzlichen Paares wird am Abend des 9. August ein Brillantfeuerwerk abgebrannt werden.
* Bon der neuen Personentarifresorm wollen einige Kundige schon wissen, daß sie einen Mißerfolg darstelle; wir halten ein solches Urteil für sehr verfrüht; die bis jetzt vorliegenden Zahlen lassen diesen Schluß noch nicht zu. Der Juni 1907 hat in Preußen im Güterverkehr 834 Mill. Mark mehr als int Vorjahre ergeben, dagegen eine Mindereinnahme von über 5% Mill. Mark im Personen- und Gepäckverkehr. Allerdings fiel Pfingsten im Vorjahr in den Juni, in diesem Jahre in den Mai, und der Mai 1907 brachte wesentlich aus diesem Grunde eine Mchrein- nahme von 5y2 Mill, im Personenverkehr. Aber die Gesamteinnahme für die Monate April dis Juni 1907 betrug 27% Mill. mehr als in den gleichen 3 Monaten des Jahres 1906, und von dieser Mehreinnahme fällt nicht nur nichts auf den Personenverkehr, sondern dieser hat 990800 <M Mindereinnahme ergeben. Das ist ganz 'natürlich, weil im Jahre 1906 sehr viele Fahrkarten noch im Juni gelöst worden sind, um der Steuer zu entgehen. Der neue Gepäcktarif mag etwas an der Verminderung schuld sein. Währettd sich die Zahl der Ferienreisenden auf den Berliner Hauptbahnhöfen an den ersten 5 Ferientagen dieses Jahres auf 247 689 (gegenüber 223 049 im Jahre 1906) steigerte, hat sich die Zahl der von diesen so wesentlich vermehrten Reisenden aufgegebenen Gepäckstücke auf 75 525 (gegenüber 92 122 im Jahre 1906) vermindert'. Mit ziemlicher Sicherheit ist hieraus zu schließen, daß die Verminderung der Gepäckstückzahl auch eine Verminderung der Einnahmen ans dem Gepäck zur Folge gehabt hat. Im übrigen aber muß man das Ergebnis mehrerer Jahre abwarten, ehe man ein sicheres Urteil abgeben darf.
* Das Fiasko der Wünschelrute in Deutsch- Südwestafrika wird immer deutlicher. Das Gouvernement kann sich aber nicht entschließen, endlich reinen Tisch zu machen, die wahren Tatsachen bekannt zu geben und Herrn o. Uslar mit seiner Wünschelrute wieder zu seinen Penaten zurückzuschicken. Herr v. Uslar selbst macht sich die Sache sehr leicht, indem er den ,Windhuker Nachrck, die ihn um Aeußerung gegenüber den
damit einverstanden sein sollte. Ich vertraute meine Absicht Mr. Barker, und dieser beauftragte einen Abgesandten, den Aufenthalt der jungen Dame zu ermitteln."
„Warum wandten Sie sich damtt denn nicht an Edith?" warf die Gräfin ein. „Wenn das junge Mädchen für sie arbeitete, mußte sie doch auch ihre Adresse bei der Lady zurückgelassen hadep."
„Ich habe mich an Edith gewandt, aber ohne Erfolg", antwortete der Marquis mit Bitterkeit. „Vielleicht wird Edith die Gewogenheit haben. Ihnen diesen Teil der Geschichte selbst zu erzählen. Barker's Abgesandter erfuhr, daß die junge Dame in London wohnte; als er aber in ihrer Wohnung, die er wirklich ermittelte, nach der jungen Dame fragte, war diese aus derselben fort!"
„gort?" wiederholte Lady Glenham in einem Tone, als sei sie sehr erschrocken. „Und wohin hatte sie sich gewandt?"
„Das ist das Rätsel, welches hier zu lösen bleibt!" rief der Marquis. „Sie verließ ihr Logis, ihrer Wirttn erklärend, daß sie von Lady Trevor auf mehrere Monate engagiert worden sei, um in deren Landhaus in Greyconrt alte Wandstickereien auszubessern. Sie verfügte sich auch in einem Wagen nach Lady Trevor's Hause, stieg dort aus und fuhr nach kurzem Aufenthalt in einem andern Wagen nach dem Enston- Square-Bahnhof, ist aber seitdem nicht wieder- gesehen worden. Sie ist auf rätselhafte Weise verschwunden und nirgends ist eine Spur von ihr zu finden!"
Eine große Aufregung, die mit jedem Worte des Marquis sich steigerte, hatte nicht nur Gordon, sondern auch die Gräfin ergriffen. 'Die Geschichte. welche Maldred Grafton am Abend vorher erzählt hatte, stimmte wunderbar mit dieser jetzt von dem Marquis vorgetragenen überein, so daß Glenham nicht zweifeln konnte, daß das junge Mädchen, welches den Marquis so an ge
rieten heftigen Angriffen auf die Wünschelrute ersucht hatten, erwidert hat, er antwort« auf dergleichen Angriffe, selbst wenn sie direkt unwahr oder entstellt seien, grundsätzlich nicht. Er erstattete dem Gouvernement, in dessen Diensten er stehe, über seine Tätigkeit genau Bericht und müsse es dieser seiner Behörde überlassen, von dem ihr gelieferten Material den ihr geeignet erscheinenden Gebrauch zu machen. Das Gouvernement aber hüllt sich nach wie vor gleichfalls in Schweigen.
* Zu Ehren des Staatssekretärs Dernburg veranstaltete am Montag der Gouverneur Frhr. v. Rechenberg in Daressalam einen Empfang, an dem 200 Gäste teilnahmen. Auf Vorschlag des Staatssekretärs wurde an den Kaiser folgendes Huldigungs-Telegramm gesandt:
Einer Majestät Untertanen aller Berufsstände, beim Gouverneur versammelt, huldigen Eurer Majestät mit dem Gelübde unverbrüchlicher Treue. Braver deutscher Arbeit wird es gelingen, die reichen Schätze dieses herrlichen Landes zu heben und unter dem inachtv ollen Schutz Eurer Majestät ein überseeisches Reich zu entwickeln, würdig des deutschen Namens.
In der Rede, die Herr Dernburg auf dem Empfangsabend hielt, erzählte er den Zuhörern, der Kaiser habe ihn beauftragt, den Deutschen. in Ostafrika zuzurufen: „Seid einig, seid treu, seid deutsch!"
* Daß die gegenwärtige Uniform unserer Soldaten — der Offiziere sowohl wie der Mann- schäften — im Kriegsfälle ganz unzweckmäßig und sogar sehr gefährlich ist, wird heute wohl von keiner Stelle mehr in Zweifel gezogen. Der bayerische Oberst G. Schoch weist nun im /Militär- Wochenblatt' darauf hin, daß die heutige Osfiziers- bekleidung auch für die Friedensübungen nicht mehr paßt. Wörtlich schreibt er:
„Daß sie (unsere gegenwärtige Uniform) im Felde nicht praktisch ist, darüber sind die Akten wohl geschlossen. Aber unsere Uniform ist auch für den Friedensgebrauch insofern unvorteilhaft, als sie jeden Schmutzfleck deutlich sichtbar macht. Da nun unsere jetzige Ausbildung im „Anschmiegen an den Boden" gipfelt, das Hinlegen also für alle in der Schützenlinie tätigen Offiziere unerläßlich ist, so sehen diese bei nassem Boden oft recht wenig gut aus. Ist es da zu verwundern, daß sie manchmal glauben, sich das Hinlegen schenken zu dürfen, um auf dem Heimweg von der Kaserne nicht gar zu sehr durch ihre beschmutzte Uniform aufzufallen? Ferner leiden unsere Kleider viel zu sehr unter der Berührung mit dem Boden; mancher junge Oifizier, dessen Mittel gering sind — solche Offiziere haben wir bekanntlich sehr viele in der Armee, und es sind nicht die schlechtesten — denkt mit Schrecken daran, daß seine Uniform durch das Hinlegen auf feuchten Ackerboden schlecht wird und er bald vor die Notwendigkeit einer Erneuerung — zum mindesten der Aufschläge — gestellt wird. Aus diesen Gründen dürste es an gezeigt sein, den Offizieren das Tragen der neuen Felduuikorm, wenn eine solche eingesührt werden sollte, was wohl nicht mehr lange auf sich warten läßt, so bald als möglich zu gestalten, mithin früher, als sie von den Mannschaften getragen wird. Die Erfüllung dieses Wunsches ist eine Konsequenz unserer jetzigen Ausbildungsweise."
zogen hatte, mit dem Mädchen, welches er so über alles in der Welt liebte, identisch sei.
„Wie war der Name der jungen Dame?" fragte er mit vor Erregung stockendem Atem.
„Miß Romberg", antwortete der Marquis einfach.
„Miß Romberg?" wiederholte Lady Glenham, ehe der junge Graf noch Laute der Erwide- rung fand. „Wie es scheint, hat dann dasselbe Mädchen auch Sie bezaubert, Mylord, welches mit ihrer schönen Larve meinen Sohn umstrickt hat!"
Der alte Marquis machte ein verwundertes Gesicht; er wußte nicht, was er dazu sagen sollte.
„Wie? Kennen Sie diese Miß Romberg denn?" fragte er.
„Sie ist die Pflegetochter des Pfarrers in Schönau!" antwortete die Gräfin scharf.
„Der alte Pfarrer ist gestorben", fuhr der junge Graf erklärend fort, „Miß Romberg kam deshalb nach London, um sich hier ihr Brot zu verdienen. Sie ist es also wirklich, die einen so wunderbaren, tiefen Eindruck auf Sie machte, Marquis! Sie ist es, die auf so unerklärliche Weise verschwunden ist!"
Lord Leonards konnte noch immer keine Worte finden.
„Sie haben nun selbst gesehen", fuhr Lord Glenham fort, „daß es keine Abenteurerin ist, die ich liebe. Was Sie uns mitteilten, hörte ich bereits gestern von Crafton, der es in meinem Interesse erforschte. Als ich hierher, kam, hoffte ich, daß Lady Trevor vielleicht Licht in die Sach« zu bringen imstande wäre."
„Leider kann ich das nicht", erwiderte Lady Trevor, scheinbar sehr teilnahmsvoll. „Ich weiß nicht, was aus dem jungen Mädchen geworden ist, nachdem sie in einem Wagen mein Haus verließ, um nach Greycourt abzureisen. Es mag ihr ein Unfall begegnet fein, — ich erhielt keine Nachricht von ihr, wohin sie sich gewandt haben kann."
(Fortsetzung folgt)