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Zuldaer

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Verantwortlicher Schristleiter: ».»<*«« w»ch«iibeii-z«: „Illustrierte Soimtagrzeltnng

Zeitung

m»n»kb«iiag«: „gnRiatr Geschichtsblätn"

Snze laen. v« ei» fpaltige peNtzeiie »der deren Raum 15 pfg. Reklamen Mt petttrell« 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

SotattonrbrnS n. Verlag der Fuldaer 3t» tiendrrckerei in KU»«.

Sttnfprti)« lir. ».

M 179..

34. Jahrgang.

Fuld a, Mittwoch den 7. Auqust 1W7.

Zweites WLatt.

Gerne gelesen wird die,Fuldaer Zettnug' auch in den Sommermonaten in allen Bevölkerungsklaffen. Wer in der Zustellung derselben keine Unter­brechung erleiden will, der abonniere sofort für die Monate

A«g«ft u. September. Der Preis beträgt «ur 1 Mark (ohne Bestellgeld und Brrngerlohn).

WksmrWMches un> Males.

X Die SozialpoMik im Kaufmannsstande hat in den letzten Jahren die Oeffentlichkeit viel­fach beschäftigt. ES war nötig, daß die Lage des großen und wichtigen Standes der Handlungs- gehülfen untersucht und verbeffert wurde. Einiges tft durch beharrliche Arbeit auch erreicht worden, aber noch lange haben nicht alle berechtigten Wünsche Befrittttgung gefunden. DaS wird besonders verständlich, wenn man die riesenhafte Entwickelung deS Handels in den letzten 10 oder 15 Jahren betrachtet, die eine vielfältige Ver­schiebung der Stellung der Handlungsgehülfen im Geschäft, die zugleich einen großen Zulauf oon Gehilfen in neue Stellungen, die auch zahl­reich von Frauen auSgefüllt werden, mit sich gebracht hat. Die neuen Gedanken, deren Ber- >virklichung die Lage der Angestellten verbessern pll, zu prüfen, haben die Handlungsgehilfen- irrbände sogenannte Tage veranstaltet, auf denen sorgsam vorbereitete Referate zu den einzelnen Fragen gehalten werden und die Zustimmung der Mitglieder zur emgeschlagenen Richtung oder den neuen Wünschen eingeholt wird. Während der jetzt über 80 000 Muglieder zählende Ver­band Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig bisher seine Generalversammlungen zur Besprechung sozialpolitischer Standesangelegen- heilen verwandt hat, wird er dieses Jahr zur Erfüllung dieser Aufgabe einen Verbandstag in Berlin einberufen, der daselbst am 1. September in der Philharmonie abgehalten werden soll. Es ist selbstverständlich, daß dabei das bisherige sozialpolitische Programm des Verbandes be­sprochen oder revidiert werden wird, und eS dürste sich wohl hauptsächlich um die Hervor­hebung solcher Punkte handeln, die auch in der Allgemeinheit ein größeres Interesse beanspruchen. Neben den Besprechungen der Erfolge der Sonn­tagsruhe, des Ladenschlusses, der KontorarbeitS- zeit, de» SommerurlaubS, der Versicherungsarten Ldie Krankenversicherung, Unfallversicherung, Peu- sionSoersicherung) wird er sich um Abschaffung der jronkurrenzklausel, die in der letzten Zeit so uu- tiebkam von sich reden »-achte, um die Erfahrungen bei den Kaufmannsgerichten und die Notwendig-

eit der HandelSinspektore» und Handlungsge- ;llsenkammern handeln. Das LehrdugSwesen im Handel hat in den letzten Jahren eine Gestalt angenommen, die bringenb der scharfen Beleuchtung bedarf, ebenso hat die Konkurrenz der Frauen Verhältnisse geschaffen, welche ebenfalls eine ein- gehende Besprechung der Frauenarbeit im Handel, Die nicht mehr wegzufchaffeu ist, nötig machen. Mein auch die gesamte Lebenshaltung der Hand- iungsgehilsen und ihre Entlohnung muß einmal öffentlich diskutiert werden.

(*) verrechnet. /

Aus dem Englischen von Pia Rainer.

Nachdruck nicht gestattet.

Hastig öffnete Doktor Merton die Tür des Empfangszimmers seiner Mutter.

„Ich gehe jetzt, Mutter. Man kann die alte Lady Cathcart doch nid)t mit dem Essen warten lassen. Neberdies, heute abend soll sich mein Schicksal entscheiden, Mutter, und ich denke, daß ich wohl keine abschlägige Antwort zu fürchten habe."

„Nein", stimmte Mrs. Merton bei, „das glaube ich auch nicht. Früher hatte ich einmal gefürchtet, daß Rose eine Neigung für Ted Rise» dale habe."

„Armer Tedk" Ein verächtliches Lächeln glitt bei diesen Worten über das Gesicht des jungen Mannes. „Er hat für nichts Sinn, als für seine Pferde und Rinder."

„Und Du bist ganz sicher inbezug auf Roses Vermögen?"

„Vollständig. Aengstige Dich nicht, Mutter. Sie besitzt ein Einkommen von zehntausend Mark int Jahr."

„Und sie ist ein reizendes Mädchen."

„O jak" Aus dem Ton, in dem Doktor Mer­ton dies sagte, war indes keine große Begeiste­rung heraus zu hören. „Nun, guten Abend Mutter."

Als vor dreißig Jahren Alick Mertons Daker sich mit der Erzieherin seiner Schwester verlobte, geriet er dadurch in ernstes Zertvürfnis mit sei­ner Familie und die Verwandten des Bräutigams zogen sich alle von dem jungen Paare zurück. Durch den früh erfolgten Tod ihres Gatten sah sich Mrs. Merton zum größten Teil auf ihre eige­nen Mittel zum Lebensunterhalt angewiesen. Vielleicht verbttterte der Kampf um das Dasein eine Natur, die ohnedies nicht sanft und nach­giebig angelegt war. Aber wenn sie litt, so klagte sie doch nicht. Zn gehöriger Zeit besuchte Alick Merton Schule und Kolleg und seine medizinr- schen Studien waren glänzend verlausen. Aber trotzdem hatte er weder in London, wo er als Assistent bei einem alleren Arzte tätig war, noch in seiner Praxis, die er sich in Morecambs er­worben, einen nennenswerten Erfolg.

„Und Alick liebt sie", spann Mrs. Merton ihre Bettachtungen weiter, als die Tür sich hinter dem jungen Mann geschlossen hatte, „wenigstens so weit es ihm überhaupt möglich ist, jemanden lieb zu haben. Und Rose" — sie lächelte — „nun, Rose glaube ich, liebt ihn."

Indessen hatte der junge Mann sinnen Ueber- , rock angezogen und war zrr seinem seiner warten- den Wagen geschritten. Als er eben im Begriff war, aufzusteigen, kant atenilos ein Junge auf ihn zugelaufen.

„Sie möchten gleich zu Mrs. HansonS Kleinen körn men, Herr. Es geht ihm sehr schlecht."

„Ich kann nicht kommen. Ich habe eine Ver­abredung", erwiderte der Doktor unmutig.

„Aber es stirbt", wandte der Bursche ängst­lich ein. _________________

Der Marquis stützte sorgenvoll sein Haupt; dann sprach er nach kurzer Pause in ermahnendem Torre:

„Edith, nachdem ich meine Lebensretterin bet Dir gesehen hatte, sagte ich Dir, daß ich gewillt sei, sie als meine Tochter anzunehmen. Warum wolltest du sie also nach Greycourth schicken, statt mir ihre Adresse zu geben?"

Lady Trevor schwieg; auf diese Frage war Schweigen für sie das beste.

„Du fiudest keine Antwort auf mehre Frage?" fuhr der Marquis fort. „Wohl, so will ich sie Dir an Deinerstatt geben. Du wolltest sie mir aus dem Wege schaffen und trachtetest deshalb danach, sie vor mir zu verbergen. Leugne eS. wenn Du es kamrstl"

,Zch leugne es nicht!" erwiderte Lady Trevor fast trotzig. „Soviel ich von Madame Singe ver­nommen habe, ist Miß Romberg aus niedriger Familie. Ich sah, daß Sie von ihrer Schönheit bestocken waren. Ich hielt sie aber des Platzes, den Sie ihr in Ihrem Hause und in Ihrem Her­zen zu geben beabsichtigten, nicht würdig."

„Ist das die Wahrheit, Edith, die volle Wahr- heit?" fragte der Marquis ernst und streng. „Weißt Du wirklich nichts von dem Aufenthall oder dem Schicksal Miß Rombergs?"

„Nein, ich weiß nidjtä von beidemk" erklärte Lady Trevor mit scheinbar gleichem Ernst, aber doch mit einem inuerkicheu Schauder.

„So müssen wir unsere Nachforschungen fort« setzen, bis wir sie gefunden haben!" sagte der Marquis. „Und finden müssen mrd werden wir fiel Und wenn tote sie finden und sie ist damit einverstanden, will «h sie adoptieren und zu mei­ner Erbin machens"

Lady Tredor hätte Mühe, ruhig zu scheinen und an sich zu hallen.

„Wünschen Sie, daß ich St. Leonards sogleich wieder verlasse, Großvater?" brach sie erst nach Minuten da» Schweigen.

„O, nein!" erwiderte der Marquis. „Ick er­warte Lord Glenüam und seine Mutter »um Be-

Roman von Kd. Wagner.

291 (Nachdruck verboten.)

Lady Trevor machte eine Bewegung, als wollte sie sprechen, aber die Warte erstürben ihr auf den Lippen.

,Lch beauftragte Mr. Barker, Miß Romberg aufzusuchen", fuhr Lord Leonards fort, „und er entdeckte, daß sie aus fremdem Lande gekommen und in England ohne Angehörige ist und daß sie rn einem achtbaren Haufe in London wohnte. Er entdeck auch daß sie für eine Madame Singe gestickt hatte, von der sie Dir empfohlen ward. Sr erfuhr ferner, daß sie vor zwei Wochen ihre Wohnung verließ und sich in Dein Haus in South Audleystreet begab, welches sie in einem Sagst nach enter Viertelstunde wieder verließ. Wohin hot sie sich gewandt?"

„Wie kann ich das wissen?" erwiderte Lady Trevor, insgeheim aufatmend, daß scheinbar nicht mehr entdeckt war. „Sie hatte ihre frühere Die- , nernt bei sich und ging nach Greycmrrt, tote ich annahm uni wie es zwischen uns verabredet war. Allem dort ist sie nicht angekommen."

„Wo ist ihre frühere Heimat?" forschte der Marquis eiudringüch.

JäA weiß es nicht", antwortete Lady Trevor, hie ihre Fassung vollständig wiedererlangt hatte, da sie sah, daß noch nicht alles verloren und daß

Geheimnis noch unverraten war. --Aw habe nicht die Gewohnheit, die Leute, welche ich in meine Dienste nehme, auszuforschen. Ma- tarne vntge empfahl sie mir und das war ge­nügend.

„vielleicht kann ich vmr Miß Romberg's tzogiswirttn den Namen ihre» Heimatsortes er- fahren", bemerkteRr Barker. „Mr. Thomas sagte mir, da« «iß Romberg eu» Deutschland «kommen iet"

„Da kann ich nicht helfen." Dollar Merton setzte sich bequem auf seinem Sitz zurecht. „Es gibt ja noch andere Aerzte."

„Ja, aber meilenweit weg." Der erregte Knabe griff nach den Zügeln. „Ach, kommen Sie doch, Herr. Die Lady sagte. Sie würden es schon tun."

Die Lady?" Doktor Mertons Gedanken rich» feiert sich auf eine gewisse Miß Hagel, die in der Nähe von Mrs. Hanson wohnte, und gelegentlich für geringfügige Unpäßlichkeiten der Lcmdkeute manchmal einige Mittel verordnete. Zwischen ihr und dem Doktor bestand keine besondere Zunei­gung. „Da laßt nur die Lady ihre Kunst ver­suchen. Geh aus dem Wege, Junge, wenn Du nicht die Peitsche um die Ohr«i fühlen willst. Du willst nicht? Nun denu —Der Dollar er- hob den Arm und erschreckt wich der Knabe vor der drohenden Peitsche zurück.

Das Essen bei Lady Cathcart erwies sich als eine ziemlich langweilige Sache für den jungen Mann. Die Gäste waren zum größten Teil schon versammelt, als er das Gesellfchastszimmer be­trat. Die Wirtin begrüßte ihn mit einigen hastt- ast Warten. c

„Es tut mtt so leid, Doktor Merton, daß Mitz Charuey nicht kommt i Sie ließ sich im letzten Augenblick entschuldigen. Nun werden Sie Mrs. Bruce zu Tisch sichren müssen und diese wird die ganze Zett von ihren Kindern und deren .Krank­heiten unterhalten."

Mrs. Bruce lieferte den schlagendsten Beweis für Lady Cathcarts Prophetengak« und schon nach einer lleinert Weile wandte der Dollar seine ganze Aufmerksamkeit dem Essen zu, das seine volle Befriedigung fand. Nachdem er dann noch einige Schillinge beim Kartenspiel verloren hatte, kehrte er in nichts weniger tote angenehmer Stimmung gegen Mitternacht nach Hause zurück. Seine Mutter erwartete ihn.

„Sie war nicht da", sagte er in Erwiderung auf die stumme Frage, die er in ihren Augen las, „und der Abend war unerträglich lanchveilig."

Denselben Ausspruch tat er am Nachmittag des folgenden Tages gegen Miß Charuey selbst, als er eine Tasse Tee aus den Händen der jungen Dame nahm. Sie blickte sehr ruhig, als ihr Auge deut feinigen begegnete.

„Ich glaubte, Sie würden bei Lady Chathcart fein", fuhr er fort, „sonst würde ich mich auch noch in der letzten Stunde entschuldigt haben."

„Ich sehe nicht ein, warum Sie das hätten hm sollen", sagte Rose kühl und dec Doktor glaubte eine gewisse Veränderung in ihrem Wesen wahr- zunehmen. „Haben Sie das neue Buch gelesen, von dem alle Welt spricht?"

Dollar Merton ließ die Frage unbeantwortet. Statt dessen begann er in fließender, Wahlgesetz- ter Rede Miß Charuey seine Liebe zu erklären und endete mit der Frage, ob sie die Seine wer- ben wolle. Zweimal schon hatte die junge Dame versucht, seiner Beredsamkeit Einhalt zu tun. Endlich schwieg er und schöpfte Atem.

„Es tut mir sehr leid, daß Sie mir das ge­sagt haben", nahm jetzt Rose noch viel kühler das Wort. „Meine Antwort kann nur „Nein" sein."

„Nein?" Doktor Merton war wirklich aufs peinlichste überrascht. „Nein! — Ist denn wirk­lich gar keine Hoffnung für mich?"

Entschieden schüttelte Rose den Kops; dann nach einer Keinen Pause fügte sie hinzu:

„Ich sollte es vielleicht erklären. Wenn Sie gestern gesprochen hätten, statt heute, so würde meine Antwort wahrscheinlich anders ausgefal­len sein."

„Ich verstehe nicht."

„Nun — das glaube ich wohl. - So will ich Ihnen noch etwas sagen. Mrs. Hanson war die Dienerin meines Vaters und seit dem Tode ihres Mannes interessierte ich mich doppelt für die arme Frau. Gestern abend nun schickte sie zu mir,

such, und ei wäre mir angenehm, wenn Du .väh- rend ihres Verweilens ebenfalls hier bliebest."

,Hhre Wünsche sind mir ein Gesetz, Großvater, obgleich ich — Ihre leibliche Enkelin — Ihnen weniger bin als jenes Mädchen, welches Sie nur zweimal gesehen haben und welches Ihnen fremd ist", sagte Lady Trevor mit Bitterkeit. „Wenn Sie erlauben, uiöchte ich mich zurückziehen. Nnr noch eins: Ich bitte Sie, überzeugt sein zu tool- len. daß ich mich an dem Suchen nach Miß Rom­berg mit voller Energie beteiligen werde. Wie es scheint, vermuten Sie, daß ich irgend eine Ver­räterei inbezng auf Miß Romberg ausgeübt habe; ich will sie ermitteln, um mich von jedem Verdacht zu reinigen. Das fordert meine Ehret"

Sie erhob sich und verließ das Zimmer.

Eine kurze Pause trat ein, welche Lord Leo­nards zuerst unterbrach.

.Nun, Backer?" fragte er finster.

„Ich weiß nicht, was ich zu alledem sagen soll", erwiderte der Advokat offen. „Lady Trevor bekennt, versucht zu haben. Miß Romberg aus Ihrem Bereich zu bringen, sie behauptet aber, nichts von ihrem jetzigen Aufenthalt zu wissen."

„Und folglich müssen wir es glauben", fiel der Marquis ein, als jener zögernd innehielt."

Mr. Barker Nickte die Achseln, schwieg aber.

„Das Dunkel wird immer geheimnisvoller", fuhr der Marquis von St. Leonard» fort. „Wo kann Miß Romberg sein? Setzen Sie alles in Bewegung! Lassen Sie Europa von einem Ende zum andern durchforschen — nur finden Sie daS Mädchen! Mit ihrem Verschwinden hängt irgend eine Nichtswürdigkeit zusammen, — da» sagt mir eine innere Stimme, die mich noch nie trog. Vielleicht hat sie Feinde, welche sie zu verderben trachten. Was das Geheimnis aber auch immer sein mag, es mutz enthüllt werden und sei der Preis, welcher er wolle!"

" Neunzehntes Kapittt.

Kn demselben Tage, an welchem Lady Tredor in St. Leonard» ankam, kehrte Lord Glenham in

weil ihr einziges Kind an Krämpfen erkrankt war. Ich schictte nach Ihnen."

„Sie schickten nach mir?" staunte Doktor Mer­ton. „Ahl — Dann waren Sie es, die der dumme Tölpel meinte!"

„Wahrscheinlich. Der „dumme Tölpel" — in Wirklichkeit ist er ein gutherziger, aufgeweckter Bursche — erzählte bei seiner Rückkehr die Be­gegnung, die er mit Ihnen hatte, und machte sich dann auf zu Miß Hagel. Sie war nicht so unwissend und unbeholfen tote ich. Sie brachte das Kind in ein warmes Bad und schickte dann nach Dr. Browe. Heute scheint der kleine Patient wieder wohlauf zu fein. „Nun", fügte Miß Cbar- neif hinzu, „werden Sie mein „Nein" verstehen."

vermischtes.

* Die Schimpanseugestllschast. Aus New Bork wird gemeldet: Eine der neuesten amerikanischen Gesellschaftstollheiten hat Mr. Elishar Dyer jun. in Newport zur Unterhaltung seiner Gäste ersonnen. Er war mit einem Menageriebesitzer befreundet, und ein Bekarmter flüsterte ihm den vielleicht etwas boshaften Rat zu, seinen Freund doch einmal zu bitten, zur Gesellschaft einen großen Schimpansen mitzubringen. Air. Dyer jtm. war von dem Vorschlag sofort begeistert; der Affe wurde vollkommen salonmäßig ausgerüstet, so gut wie die berühmten New Aorker Modeschneider sich eben mit diesem ungewohnten Klienten absinden konnten, und eine glänzende Gesellschaft wurde geladen, um ■ die Anwesenheit dieses Ehrengastes zu genießen. Der Schimpanse schien sich mit seiner neuen Umgebung trefflich abznfwdeu; Schüchternheit war nicht seine Sache, mit echtem Schimransenappetit verzehrte er das Lunch, das ihm serviert wurde, und auch auf dem Parkett zeigte er sich zu Hause. Die Gäste waren von dem neuen Gesellschafter entzückt, fanden ihn für sehr — geistreich, und es schien, als ob sie sich in Gesellschaft selten so anregend unterhalten hätten, als mit diesem Schimpansen.

* Hoher geht's nicht. Einen Rekord im Sau­herdenton, der so leicht nicht zu brechen ist, hat das sozialdemokratische N o r d d en t s ch e V o l ks- blatt ausgestellt, indem es kürzlich auf einen Leitartikel der Wilhelmshavener Bürgerzeitung erwiderte: „Reif für die Irrenanstalt ist nunmehr der Schmutzfink geworden, der die Sanier Bürgerzeitung zusa mm en- schmiert, die sich in kindischemGrößen» wahn Organ für bürgerliche Bestrebungen in Vereinen und Kommune nennt. Weil das Nord­deutsche Volksblatt im Anschluß an eine Notiz des Wilhelmshavener Tageblattes darauf hinge- wiesen hat, daß der Bürger-Zeitungs- s ch m i e r e r einen Kompagnon mit 40 000 Barvermögen sucht, ist ihm das Lot-Gehirn, mit dem er seine Lüg en und Gemeinhei­ten zusammenbraut, völlig durcheinander gekom­men. Ableugnen kann er das Inserat nicht, des­sen dumm-prahlerische Fassung an sich schon von einem gestörten Geisteszustan- d e zeugt, und so wirft er denn derartig mit G e- meinheiten und Lügen um sich, daß die letzte Nummer der Bürgerzettung aussieht, als ob ihr Schreiber, um sich zu inspirieren, den Kopf in den Abtritt gesteckt und seine Feder statt in die Tinte, in seinen eigenen Kot getaucht hätte. Wie tief muß doch dieser Su d e l f r r tz e seinen Leserkreis einschätzen, wenn er ihm einen gebrauchten Klosettwisch als geistige Nahrung vorzufetzen wagt. Wir schätzen die Hin­termänner der verkommenen Giftkröte gewiß nicht hoch ein, glauben aber doch, daß sogar sie die letzte Nummer der Bürger-Zeitung mit Ekel erfüllt haben muß. Es gibt nur eine Er­klärung für die unglaubliche Gemeinheit jenes Hallunken, die Erklärung nämlich, daß er

Begleitung seiner Mutter von seiner Reise au» dem Schnxrrzwald zurück.

Er hatte Schönau besucht und dort erfahren, daß der alte Pfarrer tot und Alice, von dem alten Gretchen beglettet, nach England gegangen sei. Er hatte auch von Crafton's mittlerweile stattge­fundenem Besuch in Schönau gehört und darauf­hin sofort an diesen telegraphiert, ihn sogleich nach seiner Ankunft in London in seinem Hotel zu besuchen.

Ungeduldig harrte er nun der Ankunft Craf- ton's, als ein Diener eintrat und, ihm auf silber­nem Präsentierteller eine Karte überreichte.

„Führe den Herrn herein!" gebot der junge Graf dem Dom^tiken.

Der Diener entfernte sich und gleich darauf trat Crafton ein. Unbefangen streckte er dem Grafen ine Rechte entgegen. Dieser aber nahm die borgebotene Hand nicht an; fein Gesicht zeigte eine ungewöhnliche Strenge und in seinen Augen lag eine Kälte, die Grafton noch nie dann be- mertt hatte.

Wie geht es Dir, Gordon?" fragte Grafton, sich "stellend, als nähme er feine Veränderung in dem Wesen seines Verwandten wahr. „Willkom­men wieder in der Heimat!" Und indem et sich an die Gräfin wandte, fuhr er fort: „Ich freue mich. Sie zu sehen, Lady Glenham!"

Die Gräfin erhob sich.

„ES freut auch mich, Sie wiederzusehen, Mr. Grafton", erwiderte sie, ihre feine Hand leicht ut die {einige legend. „Wir find vor kurzem erst aus Schönau zurückgekehrt!"

weiß es!" erklärte Grafton, als ob gar nicht- geschehen fei. -Ich habe Dein Tüegramm gestern abend erhalten, Glenham. Ich war w Borkshire und es wurde mir dorthin nachgeschickt. Du siehst nicht recht wohl aus! Ist Dir etwa» passiert?"

(Fortsetzung folgt.)