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M 177.
Fulda, Montag den 5. August 1907.
34. Jahrgang.
(:) Zur Kameruner Bahnftage.
Als jüngst die Nachricht von Unruhen in Nord- kainerun eintraf, zeigte man sich im Kolomalamt einer gewissen Presse gegenüber. sehr gesprächig. Man beschränkte sich nicht auf die vermutliche Ursache des Aufruhrs, sondern gefiel sich auch in einer phantastischen Folgerung für die Zukunft. Dem Mitarbeiter des „Berl. Tagebl. wurde gesagt: „Immerhin aber können uns die neue« Unruhen eine Mahnung sein, tote wichtig es wäre, die Manenguba-Bahn ms zum Tsa.dsee fortzuführen. Bisher ist nur der kleine Strich von Duala bis an die Ma- nengubaberge vom Reichstag bewilligt worden. Eine Fortführung bis zum Tsadsee, die freilich nur ein fernes Zukunstsideal sein kann, würde einerseits unsere Truppe kräftig schützen, andererseits aber auch durch Verminderung der großen Trägerkosten das Land wirtschaftlich erschließen." Aehnlich ließ man die Kamerunbahn-Politik in der Scherl-Presse zum Wort kommen.
Diese Pläne werden durch eine Aeußerung der Regierung selbst insrechteLicht gerückt. Die Tsadseebahn kam auch in der Budgetkommission des Reichstags im Jahre 1905 zur Sprache. Stand schon damals der Reichstag dem ganzen Projekt ablehnend gegenüber, so bezeichnete ein Regierungsvertreter den Plan direkt als eine
Phantasie.
Dieses Wort trifft vollkommen das richtige; drei Momente genügen als Beweis dafür.
Bis jetzt handelte es sich nur um die Bahn von Duala bis zu den Maneugubabergen. Nach der Dernburgscheu Denkschrift beträgt ihre Länge 160 Kilometer. Hierzu steht das, was jetzt angeregt wird, in gar keinem Verhältnis. Die Bahn, welche von den Manengubabergen nach dem Tsadsee gebaut werden sollte, müßte durch eine Strecke von ü6er 1000 Kilometer geleitet werden, also, sechsmal so lang werden, als die bereits bewilligte Bahn. Ein Beispiel wird genügen, um die kolossale Entfernung erkennen zu lassen. Die Linie, welche von München über Stuttgart, Karlsruhe und Straßburg nach Paris führt, hat erst eine Länge von 935 Klm.; sie bleibt also noch mit fast 70 Klm. hinter der für Kamerun angeregten Bahnstrecke zurück. Daß ein solches Unternehmen riesige Ko st en verursachen wurde, ist selbstverständlich. Von privater Seite ist die Ausführung des Projektes berechnet worden. Darnach würde die Bahn einen Kostenaufwand von nicht weniger als
100 Millionen Mark
erheischen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Bahnen in Afrika gewöhnlich teuerer kommen, als die ursprüngliche Berechnung annimmt. Schon dieses Moment allein mußte genügen, um die Ausführbarkeit des offiziösen Wunsches scheitern zu sehen. Dazu kommt, daß außer den vielen Millionen auch eine ganz gewaltige Spanne Zeit aufgetoendet werden müßte. Nach der „Freis. Ztg." nimmt man an, daß der Bau jedes einzelnen Kilometers zehn Tage beansprucht. Bei einer Strecke von 1000 Klm. macht dies also 10 000 Tage oder
beinahe 30 Jahre.
Daraus kann man ersehen, was die in der Luft schwebende Tsadseebahn bei einem jetzt oder in nicht allzu ferner Zeit ausbrechenden Aufstand für eine Bedeutung hätte, selbst wenn durch Beschleunigung des Bahnbaues die Zeit sich noch vermindern lassen sollte. Auch wenn die Bahn nur stückweise gebaut und in" Betrieb genommen würde, müßte immer noch mit einer Reihe von Jahren gerechnet werden. Das geht schon daraus hervor, daß die Bahn von Duala zu den Manen-
Ar Perle des SchivlirDaldes.
Roman von Ed. Wagner.
27] (Nachdruck verboten.)
»Ich erhielt ihre Adresse und besuchte sie", fetzte Craston seine Erzählung fort. „Denn, ist sie auch leine geeignete Partie für Lord Glen- ham, in meinen Augen ist sie das vollendetste Wesen auf Erden und so setze ich alles daran, sie mir zu gewinnen! Sie können sich also meine Ueberraschnng denken, als ich nun vernahm, daß sie fort und auf Ihrem Landgut sei. Aber dann sagte ich mir auch wieder, daß ich schon auf Ihre Dritotmegenheit würde rechnen können und daß Ste sicher dem Grafen Glenham Miß Romberg's Aufenthalt nicht verraten werden, nachdem Sie nun doch wissen, daß sie mit Ihrer Stickerin identisch ist."
„Ihr Geheimnis ist bei, mir vollkommen sicher aufgehoben. Ich werde Sie nicht verraten", entgegnete Lady Trevor, aufatmend.
"Ich wußte es", sagte Craston, spöttisch 15- toelno. „Wollen Sie mir denn also genau sagen, too Greycourt liegt? Ich werde mit dem nächsten Zuge. nach Yorkshire fahren." '
~le ^ady hielt den Fächer vor ihr Gesicht.
„Nach Yorkshire?" wiederholte sie mit feit» fam gepreßter Stimme. „Um Miß Romberg zu besuchen. ^a, sie ist ja zweifellos da, ich habe aber felbst noch nichts von ihr gehört."
Thomas, ihre Logiswirtin, war ton1 "Oa) keinen Brief von ihr erhol'
ten hatte. Aber unzweifelhaft ist sie in Grey- $“rta ^ssE^^^der Arbeit. Morgen werde m; J0,1# etL beabsichtige, sie ohne weitere Unuchwelfe zu fragen, ob sie meine Gattin werben will. Es wundert mich eigentlich, daß Sie, Lady Trevor, nicht ahnen, wer sie ist" ,ri -'Wie konnte ich das?" sagte die Lady. „Sie ist sehr schon, aber das allein konnte doch noch keinen Verdacht in mir erwecken. Ich hoffe'und
gubabergen im Sommer 1906 begonnen und schwerlich vor 1910 beendet fein wird.
Angesichts des Risikos, das damit verbunden ist, ist also nicht daran zu denken, daß ein solches Projett Aussicht auf Verwirklichung hat, am allerwenigsten in der jetzigen Zeit, welche nicht nur zu äußerster Sparsamkeit zwingt, sondern auch die Erschließung neuer Einnahmequel- Ine unbedingt notwendig macht. Außerdem sind die vorgeschützten militärischen Interessen keineswegs so zwingender Natur, daß wir uns in eine solch
uferlose Bahupolitik
stürzen müßten. Ganz zuttesfend sagt die freikonservative „Post" mit Bezug auf die Gefahr, welche der Norden Kameruns für uns birgt: „Kenner der Verhällnisse haben schon 1903 bezweifelt, daß der friedliche Geist von Dauer sein werde .... Unter diesen Umständen wäre es vielleicht besser gewesen, die deutsche Ver- waltungstätigkeit vor der Hand noch auf die Küste zu beschränken."
Deutsches Reich.
Berlin, 3. August 1907.
* Die Kaiserzusammenkunft bei Swincmünde. Am Samstag morgen unmittelbar nach der Flaggenparade um 8% Uhr machte die „Hohenzol- lern" los und ging in See. „Königsberg" und „Sleipner", welche vorher den Hafen verlasien hatten, schlossen sich an. Alle drei Schiffe führten die russische Flagge. An Bord dec „Hohen- zollern" befanden sich mit dem Kaiser der Reichskanzler, die Generaladjutanten, Staatssekretär v. Tirpitz, Admiral Büchsel, Hof- marschall Freiherr von Lyncker, Gesandter Freiherr v. Jenisch, die Flügeladjutanten u. a.; außerdem die zum Ehrendienst beim Kaiser von Rußland kommandierten Herren. Um 9 Uhr 30 Minuten kam die russische Kaiserjacht „Standart" in Sicht, begleitet von den Torpedokreuzern „Ssibirski-Strjeiok", „Pogzanitschik", „Ochotnik" und „General Kondratenko". Im Gefolge des Kaisers von Rußland befinden sich Minister des Kaiserlichen Hofes Baron Fredericks, Minister des Aeußeren Iswolski u. a. Die Begegnung der kaiserlichen Jachten erfolgte um 10 Uhr südlich von Oderbank—Süd-Boje. Das Wetter war bedeckt, die See ziemlich ruhig. Sobald der „Standard" die „Hohenzollern" erreicht hatte, brachten die Mannschaften der letzteren drtzi Hurras aus. Die Musik spielte die russische Hymne. Kaiser W i l h e lm in russischer Admiralsuniform mit dein Bande des Andreasordens, begleitet vom Reichskanzler, der Husarenuniform trug, dem Staatssekretär von Tirpitz und von den anderen Herren des Gefolges, begab sich an Bord des „Standart". Auf dem „Standart" empfing Kaiser Nikolaus den Kaiser Wilhelm auf das herzlichste. Die Besatzung erwies die Honneurs. Hierauf nahm der „Standart" seine Fahrt wieder auf mit beiden Monarchen an Bord und hielt auf die vor Swinemünde ankernde deutsche Hochseeflotte zu. Die „Hohenzollern" und die beiderseitigen Begleitschiffe folgten. Um ll^ Uhr feuerten die Schiffe Salut und der „Standart" durchfuhr langsam die Flotte zwischen dem ersten und zweiten Geschwader. Die sämtlichen Mannschaften standen in Parade, brachten drei Hurras ans, und die Musikkapelle spielte die russische Hymne. Hiernach gingen der „Standart" und die „Hohenzollern" auf den vorgesehenen Ankerplätzen vor Anker. Das Wetter hellte etwas mehr auf. Um 11% Uhr begaben sich die deutschen Admirale und Kommandanten, als erster der Flottenchef Prinz Heinrich, an Bord des „Standart", wo Kaiser Nikolaus die Mel-
wüusche, daß es Ihnen gelingen möge, sie sich zu getoinneit."
Nachdem Craston noch die genaue Lage Grey- court's erfahren hatte, verabschiedete er sich.
Mit dem Nachtzuge reifte er nach Yorkshire und am Nachmittage des nächsten Tages fuhr er in einem an der Eisenbahnstation gemieteten Wagen vor das Landhaus der Lady Trevor. Eine ältliche Frau öffnet ihm.
„Ich wünsche Miß Romberg ,zn sprechen", sagte er.
„Miß Romberg ist nicht hier!" erwiderte die Fran verwundert.
„Nicht hier?" wiederholte er.
„Nein!" lautete die Antwort. „Mylady schrieb mir vor vierzehn Tagen, daß ein junges Mädchen, namens Romberg, ankommen würde, und wir schickten einen Wagen an die, Station, um sie abholen zu lassen, allein sie ist nicht angekommen."
„Aber Lady Trevor sagte mir doch, daß sie hier sei!" rief Craston ans.
Die Frau zuckte die Achseln. „Mag sein, Sir", sagte sie. „Da ich Mylady noch nicht geschrieben habe, kann sie es auch nicht wissen, daß das junge Mädchen hier nicht eintraf, wenn diese sie nicht selbst davon in Kenntnis gesetzt hat, daß sie sich anders besonnen und nicht hierher gegangen ist."
Die Worte der Haushälterin ließen sich nicht wohl bezweifeln. Craston geriet außer sich, indem er sich alle die möglichen Gefahren vorstellte, in welche Alice geraten sein konnte.
„Wenn ihr etwas zugestoßen wäre!" rief er. „Sie ist auffallend schon und sie ist außerdem fremd hier in England! In einem abgelegenen Gebirgsdorfe, unter einfachen, ehrlichen Leuten aufgewachsen, ist sie vertrauensvoll, wie auch ihre Dienerin. Wenn man beide in eine Falle gelockt hätte!"
Und er lehnte sich gegen den Türpfosten unter der Gewalt einer großen Schwäche, die ihn an
düng der Herren entgegennahm. Gleich darauf kam der Kaiser von Rußland an Bord der „Hohenzollern" zum Gegenbesuch. Die Mannschaft der „Hohenzollern" erwies die Honneurs. Die Monarchen verweilten längere Zeit auf Achterdeck. • n. Der Feldzug des Linksliberalismus gegen die Ministerialdirektoren im Kultnsministerium. Die Linksliberalen sind bis jetzt der Entlastung des Kultusministers v. S t u d t nicht froh getoor- den, da sämtliche Ministerialdirektoren, in denen sie die treibende Kraft erblicken, im Amte verblieben sind. Sie haben deshalb gegen diese Herren einen frischfröhlichen Kampf eröffnet. Zuerst setzten „Freis. Ztg." und Berl. Tagebl." mit dem Ansturm gegen Mimstenaldrrektor Alt- hoff ein, dann folgten Angriffe auf dessen Kollegen Schwarzkopfs. Die Angriffe waren kräftig, an energischen Worten fehlt es ja dem Linksliberalismus nie. Als dritter tom de schließlich von beiden Blättern Herr Ministc .aldirektor v. Chapuis aufs Korn genommen. Das „Berl. Tagebl." widmet ihm folgende Liebenswürdigkeiten:
„Er wirkt im verborgenen, ganz unauffällig, aber dafür auch um so sicherer. Ec ersetzt durch feine ausgedehnten gesellschaftlichen Beziehungen, durch sein bestechend hLfliches Wesen, durch fein diskretes, verbindliches Auftreten, durch seine unermüdliche Ausdauer im Amt vollständig die ganze ehemalige katholische Abteilung im Kultusministerium. Man übertreibt nicht im allermindesten, wenn man in dem genannten Herrn Ministerialdirektor einen Eckpfeiler von dem Studtschen Verwaltungsbau anspricht. Die Oeffentlichkeit weiß ober wußte so gut wie nichts von diesem einflußreichen Manne im Kultusministerium. Dafür könnte man über ihn um so viel mehr in den Wandelgängen unseres Ministeriums erfahren. Nicht daß er offiziell die klerikale Anschauung vertreten würde; dazu ist Herr v. Chapuis ein viel zu gut geschulter diplomatischer Kopf. Allein gewisse Fäden laufen in seinem Ministerialkmreau zusammen, die in ihrem Ausgange auf das Zentrum Hinweisen. Wird dieser höchst beachtenswerte, aber bisher wenig beachtete Zustand auch unter dem neuen Kultusminister unverändert fortdauern? Das ist die ernste Frage, vielleicht die ernsteste, die sich bei der Amtsübernahme des Ministers Dr. Holle für jeden ergibt, der auch nur ein wenig mit den inneren Eigentümlichkeiten in unserem Kultusministerium vertraut ist.
Dazu bemerkt die „Köln. Volksztg.": Wir müssen bekennen, daß wir von den Beziehungen des Herrn v. Chapuis zum Zentrum so wenig wissen, daß wir bisher nichtei nmalvonder E x i st e n z dieses Ministerialdirektors Kenn t- nis gehabt haben. Wir wissen infolgedessen natürlich auch nicht, ob er katholisch ift Sollte er Katholik sein, dann empfehlen wir diese Schnüffelei des freisinnigen Blattes, das sich natürlich sehr entrüsten würde, wenn z. B. ein antisemitisches Blatt nach Beamten israelitischen Bekenntnisses schnüffelte, den arglosen „Nationalkatholiken" zur Beachtung. Sie werden die Sympathieen, die ihnen von der liberalen Presse entgegengebracht wurden, dann noch besser zu würdigen totsten. Im übrigen ist der Artikel des „Berliner Tagebl." für die linksliberale Hetze gegen andersdenkende Beamte so recht bezeichnend. Dieses Treiben ist geradezu anwidernd.
* lieber die sittliche Berechtigung des Krieges äußert der Sozialdemokrat Karl Leuschner in den ,Sozial. Monatsh/ Anschauungen, die denen um Kautsky wenig gefallen werden. Leuschner sagt nämlich:
wandelte bet der Frage: Was nur konnte mit Alice geschehen sein? Und wo nut konnte sie sein, — w 0 nur, wo?
„Wollen Sie nicht eintreten, Sir?" richtete die Haushälterin teilnehmend das Wort an den ihr fremden, aber durch die empfangene Nachricht offenbar schwer getroffenen Besucher des einsamen Landhauses.
„Nein!" versetzte er heiser. „Ich darf keine Zeit verlieren, wenn Miß Romberg nicht hier ist. Ich isiuß mit dem nächsten Zuge nach London zurück, um alle nur erdenkbaren Nachforschungen anzustellen."
Und er drückte der Frau ein Geldstück in die Hand, stieg in seinen noch wartenden Wagen und fuhr wieder nach der Eisenbahnstation, um mit dem nächsten Zuge nach London zurückzukehren, vergeblich auf jeder Station seine Erkundigungen anstellend. Alice und ihre Dienerin waren nirgends gesehen worden.
In der Nacht kam er in London an und begab sich nach seiner Wohnung. Spät legte er sich zur Ruhe, schlief nur wenig und stand am andern Morgen ungewöhnlich früh auf. Nachdem er schnell Toilette gemacht, nahm er seinen Hut unb verließ bas Haus, um bas Suchen nach Alice von neuem zu beginnen.
Er fuhr zunächst zu Mrs. Thomas und wurde von dieser trotz der frühen Stunde sogleich empfangen.
„Mr. Craston!" rief sie ihm entgegen. - „O, wie sehen Sie aus! Sind Sie krank?"
„Nein, nein!" entgegnete Craston mit einer ungeduldigen Handbewegung. „Haben Sie etwas von Miß Romberg gehört, seitdem ich bei Ihnen war?"
„Nein, Sir! Aber ist sie denn nicht —"
„Ich bin in Yorkshire gewesen," unterbrach Craston sie, indem er unruhig im Zimmer hin- und herging, „und erfuhr, daß sie dort weder ist, noch gewesen ist! Sie ist wie verschwunden!"
„Sie ist verschwunden?" wiederholte die grau erschrocken.
Di« Nichts-als-Friedensbegeisterung ist ein Gefühl der Satten, die es so wohlig haben wollen, daß sie auch kein grausamer Anblick stören soll, ist eine Dämmerungsphilosophie, dem Leben und zärtlich behüteter Leib die höchsten Güter des Daseins sind. Die Sozialdemokratie verabscheut nicht minder das Blutvergießen, so sehr, daß sie sogar den Krieg im Frieden des Maschinensaals verbannen möchte (?!); ihre ganze Arbeiterschuhpolitik ist erfüllt von dem tiefen Empfinden für den Kulturwert jedes einzelnen Menschenlebens. Doch sie kennt höhere Güter, als das Leben, Ziele, für die man das Leben einsetzen darf, wenn sie auch keinem der modernen Staaten das Recht und die Fähigkeit zugesteht, solch« Ziele weisen zu können. Und selbst den un- gerechten Krieg hat der Sozialdemokrat als Politiker nie bloß als Blutvergießen und Massenmorden angesehen, ohne ihn zugleich im Zusammenhang der weltgeschichtlichen Ereig- niffr zu erfassen. Berühmtes Zeugnis dessen sind die Schriften, mit denen Lassalle, Marx und Engels die Kriege Napoleons III. und Bismarcks begleiten. Hier verläuft die männ- liche Linie am Stammbaum der Humanität, und wir wollen zu ihr gehören.
Im übrigen ist Leuschner ebenso wie der deswegen von den orthodoxen Marxisten hart ge- scholtene sozialdemokratische Abg. Noske der Meinung, daß die Sozialdemokratie im Reichs- tage einem Kriege zu stimm en muß, wenn eS sich um einen bloßen Verteidigungskrieg handle. Aber selbst im Falle eines Angriffskrieges wünscht er nicht, daß die sozialdemokratische Fraktion unter allen Umständen die erforderlichen Kredite verweigert, vielmehr empfiehlt er dann Stimmenthaltung und bemerkt wörtlich: „Eine runde Ablehnung bleibt immer bedenklich und wird, losgelöst vom Parlament, als Parteibeschluß zur völligen Unmöglichkeit."
i. Eine Flaschenweinsteuer ist bas Neueste, was auf ber Suche nach neuen Steuern von bet Negierung erwartet wirb. Eine Berliner Kor« responbenz schreibt, baß unter ben zu erwartenden Steuervotschlägen in unterrichteten Kreisen letzt auch bie Flaschenweinsteuer als wahrscheinliche Regierungsvorlage genannt werbe. Die Korrespondenz hat diese neue Steuer auch schon naher ausgemalt. Darnach soll bie Schaumweinftener als Vorbilb bienen unb bie praktische Durch- führung ähnlich gedacht sein wie _ die Flaschenweinsteuer, die während des spanisch-amerlkanl- schen Krieges in den Vereinigten Staaten bestanden habe. Jede Flasche zeige in Gestalt emet Stempelmarke den eventuell nach der Prelsstek- lung verschiedenen Betrag der Steuer auf dem Etikett oder am Flaschenhälse. Mit der Zigar- renbanderolen- und der Flaschenweinsteuer sollen die indirekten Steuern gemeint sein, von denen unlängft ber Reichskanzler gesprochen habe. Ob die Regierung tatsächlich die Einbringung eines solchen Steuerprojektes beabsichtigt, lassen wir dahingestellt; nach den Erkundigungen des Berliner agrarischen Organes werde die Einführung einer Weinsteuer überhaupt nicht geplant. Unseres Erachtens würde ein solcher Plan im Reichstag auf starken Widerstand stoßen; er schließt eine Schädigung des deutschen Weinbaues in sich. Wenn es richtig ist, daß der neue Reichshaushalt auch ohne besonders hohe Sonderforde- rungen ein so erhebliches Defizit bringen wird, daß nur neue und ertragsreiche Steuern eine Balanzierung des Etats bewirken können, müssen schon andere Steuerobjekte ausfindig gemacht
„Wer hat den Wagen besorgt, in welchem sie dieses Haus verließ, Mrs. Thomas?" forschte Craston statt zu antworten.
„Das Hausmädchen," lautete bie Erwiderung.
„Ich muß die Spur Miß Rombergs von hier bis zum Bahnhof verfolgen und deshalb mit dem Kutscher sprechen," erklärte Craston. „Wollen Sie das Mädchen mit mir nach dem Halteplatz gehen lassen? Wenn ber Mann bort ist, kann sie ihn mir bezeichnen unb ich will ihn ansfor» schen"
Mrs. Thomas öffnete bie Tür, rief des Mädchens Namen und teilte ihr, als sie fam, mit wenigen Worten mit, um was es sich handelte. Das Mädchen begleitete daraufhin Mr. Craston ohne Verzug nach dem Stand ber Wagen.
Balb hatten sie ben betreffenden Kutscher auj- gefunden, aber alles, was sie erfahren konnten, war, daß derselbe Alice nach dem Hause der Lady Trevor gefahren hatte und bann von einem Herrn fortgeschickt worben sein sollte, besten Persönlichkeit nach bes Kutschers Beschreibung nur Mr. Pnlsorb angehören konnte.
Craston sah ein, baß hier nichts mehr zu erforschen war. Er entließ somit bas Mäbchen und fuhr ohne Zaubern nach Laby Trevors Hause.
Craston gab dem Diener seine Karte, hielt ihn aber zurück mit ber Frage:
„Erinnern Sie sich einer jungen Dame, welche vor zwei Wochen mit einer alten Dienerin hierherkam? Die Dame war Miß Romberg, eine Stickerin —"
,Lch erinnere mich ihrer, Sir!"
„Wissen Sie, wo sie jetzt ist?"
„In Greycourt, Sir. Mylaby schickte sie dahin, damit sie dort eine Arbeit vollende."
„Sie kam in einem Wagen unb fuhr in einer», andern wieder fort?"
„Ja, Sir. Der erste Kutscher wurde entlassen und ich mußte einen anderen _ vorüberfahrenden Wagen anrufen, welcher die junge Dame nach dem Bahnhof bringen sollte."
„Wer gab dem Kutscher bie Instruktion? ^