Einzelbild herunterladen
 

Erscheint »glich «v Ausnahme der Sone» uubSeitttegt viertel» tälki. vezueopreir ohne vringeri'hn und vefieilgeldinZnldaund auswärts l Mk. 50 psg-

verantwortlicher Sckriftieit«: ».Wehler für die Anzeigen: I. parzeller in Zulda.

ZuldaerM Zeitung

wochinbeiiag«: „Illustrierte SonntagtzMng" Monakbeuoge: »Zuldaer GeschichtsblStter"

U«;eigen, xm em syaliige petitzeile oder deren Bannt 15 pfa. Neklauien die petitzeile 25 Pfg-r bei Wieden» Holungen wirb entspr. Rabatt gewährt.

Rotationsdrull «. Verlag berZuldaerAv» tienbrrckerei in Zulda. Fernsprecher M. 9.

M 177.

Fulda, Montag den 5. August 1907.

34. Jahrgang.

(:) Zur Kameruner Bahnftage.

Als jüngst die Nachricht von Unruhen in Nord- kainerun eintraf, zeigte man sich im Kolomalamt einer gewissen Presse gegenüber. sehr ge­sprächig. Man beschränkte sich nicht auf die vermutliche Ursache des Aufruhrs, sondern gefiel sich auch in einer phantastischen Folgerung für die Zukunft. Dem Mitarbeiter des „Berl. Tagebl. wurde gesagt: „Immerhin aber können uns die neue« Unruhen eine Mahnung sein, tote wich­tig es wäre, die Manenguba-Bahn ms zum Tsa.dsee fortzuführen. Bisher ist nur der kleine Strich von Duala bis an die Ma- nengubaberge vom Reichstag bewilligt worden. Eine Fortführung bis zum Tsadsee, die freilich nur ein fernes Zukunstsideal sein kann, würde einerseits unsere Truppe kräftig schützen, anderer­seits aber auch durch Verminderung der großen Trägerkosten das Land wirtschaftlich erschließen." Aehnlich ließ man die Kamerunbahn-Politik in der Scherl-Presse zum Wort kommen.

Diese Pläne werden durch eine Aeußerung der Regierung selbst insrechteLicht gerückt. Die Tsadseebahn kam auch in der Budgetkommission des Reichstags im Jahre 1905 zur Sprache. Stand schon damals der Reichstag dem ganzen Projekt ablehnend gegenüber, so bezeichnete ein Regierungsvertreter den Plan direkt als eine

Phantasie.

Dieses Wort trifft vollkommen das richtige; drei Momente genügen als Beweis dafür.

Bis jetzt handelte es sich nur um die Bahn von Duala bis zu den Maneugubabergen. Nach der Dernburgscheu Denkschrift beträgt ihre Länge 160 Kilometer. Hierzu steht das, was jetzt ange­regt wird, in gar keinem Verhältnis. Die Bahn, welche von den Manengubabergen nach dem Tsad­see gebaut werden sollte, müßte durch eine Strecke von ü6er 1000 Kilometer geleitet werden, also, sechsmal so lang werden, als die bereits be­willigte Bahn. Ein Beispiel wird genügen, um die kolossale Entfernung erkennen zu lassen. Die Linie, welche von München über Stuttgart, Karlsruhe und Straßburg nach Paris führt, hat erst eine Länge von 935 Klm.; sie bleibt also noch mit fast 70 Klm. hinter der für Kamerun angeregten Bahnstrecke zurück. Daß ein solches Unternehmen riesige Ko st en ver­ursachen wurde, ist selbstverständlich. Von priva­ter Seite ist die Ausführung des Projektes be­rechnet worden. Darnach würde die Bahn einen Kostenaufwand von nicht weniger als

100 Millionen Mark

erheischen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Bah­nen in Afrika gewöhnlich teuerer kommen, als die ursprüngliche Berechnung annimmt. Schon die­ses Moment allein mußte genügen, um die Aus­führbarkeit des offiziösen Wunsches scheitern zu sehen. Dazu kommt, daß außer den vielen Millionen auch eine ganz gewaltige Spanne Zeit aufgetoendet werden müßte. Nach der „Freis. Ztg." nimmt man an, daß der Bau jedes einzel­nen Kilometers zehn Tage beansprucht. Bei einer Strecke von 1000 Klm. macht dies also 10 000 Tage oder

beinahe 30 Jahre.

Daraus kann man ersehen, was die in der Luft schwebende Tsadseebahn bei einem jetzt oder in nicht allzu ferner Zeit ausbrechenden Aufstand für eine Bedeutung hätte, selbst wenn durch Be­schleunigung des Bahnbaues die Zeit sich noch ver­mindern lassen sollte. Auch wenn die Bahn nur stückweise gebaut und in" Betrieb genommen würde, müßte immer noch mit einer Reihe von Jahren gerechnet werden. Das geht schon daraus hervor, daß die Bahn von Duala zu den Manen-

Ar Perle des SchivlirDaldes.

Roman von Ed. Wagner.

27] (Nachdruck verboten.)

»Ich erhielt ihre Adresse und besuchte sie", fetzte Craston seine Erzählung fort. „Denn, ist sie auch leine geeignete Partie für Lord Glen- ham, in meinen Augen ist sie das vollendetste Wesen auf Erden und so setze ich alles daran, sie mir zu gewinnen! Sie können sich also meine Ueberraschnng denken, als ich nun vernahm, daß sie fort und auf Ihrem Landgut sei. Aber dann sagte ich mir auch wieder, daß ich schon auf Ihre Dritotmegenheit würde rechnen können und daß Ste sicher dem Grafen Glenham Miß Romberg's Aufenthalt nicht verraten werden, nachdem Sie nun doch wissen, daß sie mit Ihrer Stickerin iden­tisch ist."

„Ihr Geheimnis ist bei, mir vollkommen sicher aufgehoben. Ich werde Sie nicht verraten", ent­gegnete Lady Trevor, aufatmend.

"Ich wußte es", sagte Craston, spöttisch 15- toelno. „Wollen Sie mir denn also genau sagen, too Greycourt liegt? Ich werde mit dem nächsten Zuge. nach Yorkshire fahren." '

~le ^ady hielt den Fächer vor ihr Gesicht.

„Nach Yorkshire?" wiederholte sie mit feit» fam gepreßter Stimme. „Um Miß Romberg zu besuchen. ^a, sie ist ja zweifellos da, ich habe aber felbst noch nichts von ihr gehört."

Thomas, ihre Logiswirtin, war ton1 "Oa) keinen Brief von ihr erhol'

ten hatte. Aber unzweifelhaft ist sie in Grey- $“rta ^ssE^^^der Arbeit. Morgen werde m; J0,1# etL beabsichtige, sie ohne weitere Unuchwelfe zu fragen, ob sie meine Gattin wer­ben will. Es wundert mich eigentlich, daß Sie, Lady Trevor, nicht ahnen, wer sie ist" ,ri -'Wie konnte ich das?" sagte die Lady. „Sie ist sehr schon, aber das allein konnte doch noch keinen Verdacht in mir erwecken. Ich hoffe'und

gubabergen im Sommer 1906 begonnen und schwerlich vor 1910 beendet fein wird.

Angesichts des Risikos, das damit verbunden ist, ist also nicht daran zu denken, daß ein solches Projett Aussicht auf Verwirklichung hat, am allerwenigsten in der jetzigen Zeit, welche nicht nur zu äußerster Sparsamkeit zwingt, son­dern auch die Erschließung neuer Einnahmequel- Ine unbedingt notwendig macht. Außerdem sind die vorgeschützten militärischen Interessen keines­wegs so zwingender Natur, daß wir uns in eine solch

uferlose Bahupolitik

stürzen müßten. Ganz zuttesfend sagt die frei­konservative „Post" mit Bezug auf die Gefahr, welche der Norden Kameruns für uns birgt: „Kenner der Verhällnisse haben schon 1903 be­zweifelt, daß der friedliche Geist von Dauer sein werde .... Unter diesen Umständen wäre es vielleicht besser gewesen, die deutsche Ver- waltungstätigkeit vor der Hand noch auf die Küste zu beschränken."

Deutsches Reich.

Berlin, 3. August 1907.

* Die Kaiserzusammenkunft bei Swincmünde. Am Samstag morgen unmittelbar nach der Flag­genparade um 8% Uhr machte die „Hohenzol- lern" los und ging in See. „Königsberg" und „Sleipner", welche vorher den Hafen verlasien hatten, schlossen sich an. Alle drei Schiffe führ­ten die russische Flagge. An Bord dec „Hohen- zollern" befanden sich mit dem Kaiser der Reichskanzler, die Generaladjutanten, Staatssekretär v. Tirpitz, Admiral Büchsel, Hof- marschall Freiherr von Lyncker, Gesandter Frei­herr v. Jenisch, die Flügeladjutanten u. a.; außerdem die zum Ehrendienst beim Kaiser von Rußland kommandierten Herren. Um 9 Uhr 30 Minuten kam die russische Kaiserjacht „Stand­art" in Sicht, begleitet von den Torpedokreuzern „Ssibirski-Strjeiok", „Pogzanitschik", „Ochotnik" und „General Kondratenko". Im Gefolge des Kaisers von Rußland befinden sich Mini­ster des Kaiserlichen Hofes Baron Fredericks, Mi­nister des Aeußeren Iswolski u. a. Die Be­gegnung der kaiserlichen Jachten erfolgte um 10 Uhr südlich von Oderbank—Süd-Boje. Das Wet­ter war bedeckt, die See ziemlich ruhig. Sobald der „Standard" die „Hohenzollern" erreicht hatte, brachten die Mannschaften der letzteren drtzi Hur­ras aus. Die Musik spielte die russische Hymne. Kaiser W i l h e lm in russischer Admiralsuniform mit dein Bande des Andreasordens, begleitet vom Reichskanzler, der Husarenuniform trug, dem Staatssekretär von Tirpitz und von den anderen Herren des Gefolges, begab sich an Bord des „Standart". Auf dem „Standart" empfing Kaiser Nikolaus den Kaiser Wil­helm auf das herzlichste. Die Besatzung erwies die Honneurs. Hierauf nahm der „Stand­art" seine Fahrt wieder auf mit beiden Monar­chen an Bord und hielt auf die vor Swinemünde ankernde deutsche Hochseeflotte zu. Die „Hohen­zollern" und die beiderseitigen Begleitschiffe folg­ten. Um ll^ Uhr feuerten die Schiffe Salut und der „Standart" durchfuhr langsam die Flotte zwischen dem ersten und zweiten Geschwader. Die sämtlichen Mannschaften standen in Parade, brachten drei Hurras ans, und die Musikkapelle spielte die russische Hymne. Hiernach gingen der „Standart" und die „Hohenzollern" auf den vor­gesehenen Ankerplätzen vor Anker. Das Wetter hellte etwas mehr auf. Um 11% Uhr begaben sich die deutschen Admirale und Kommandanten, als erster der Flottenchef Prinz Heinrich, an Bord des „Standart", wo Kaiser Nikolaus die Mel-

wüusche, daß es Ihnen gelingen möge, sie sich zu getoinneit."

Nachdem Craston noch die genaue Lage Grey- court's erfahren hatte, verabschiedete er sich.

Mit dem Nachtzuge reifte er nach Yorkshire und am Nachmittage des nächsten Tages fuhr er in einem an der Eisenbahnstation gemieteten Wagen vor das Landhaus der Lady Trevor. Eine ältliche Frau öffnet ihm.

„Ich wünsche Miß Romberg ,zn sprechen", sagte er.

„Miß Romberg ist nicht hier!" erwiderte die Fran verwundert.

„Nicht hier?" wiederholte er.

„Nein!" lautete die Antwort. „Mylady schrieb mir vor vierzehn Tagen, daß ein junges Mädchen, namens Romberg, ankommen würde, und wir schickten einen Wagen an die, Station, um sie abholen zu lassen, allein sie ist nicht ange­kommen."

„Aber Lady Trevor sagte mir doch, daß sie hier sei!" rief Craston ans.

Die Frau zuckte die Achseln. „Mag sein, Sir", sagte sie. „Da ich Mylady noch nicht ge­schrieben habe, kann sie es auch nicht wissen, daß das junge Mädchen hier nicht eintraf, wenn diese sie nicht selbst davon in Kenntnis gesetzt hat, daß sie sich anders besonnen und nicht hierher ge­gangen ist."

Die Worte der Haushälterin ließen sich nicht wohl bezweifeln. Craston geriet außer sich, indem er sich alle die möglichen Gefahren vorstellte, in welche Alice geraten sein konnte.

„Wenn ihr etwas zugestoßen wäre!" rief er. „Sie ist auffallend schon und sie ist außerdem fremd hier in England! In einem abgelegenen Gebirgsdorfe, unter einfachen, ehrlichen Leuten aufgewachsen, ist sie vertrauensvoll, wie auch ihre Dienerin. Wenn man beide in eine Falle gelockt hätte!"

Und er lehnte sich gegen den Türpfosten unter der Gewalt einer großen Schwäche, die ihn an­

düng der Herren entgegennahm. Gleich darauf kam der Kaiser von Rußland an Bord der „Hohenzollern" zum Gegenbesuch. Die Mannschaft der „Hohenzollern" erwies die Honneurs. Die Monarchen verweilten längere Zeit auf Achterdeck. • n. Der Feldzug des Linksliberalismus gegen die Ministerialdirektoren im Kultnsministerium. Die Linksliberalen sind bis jetzt der Entlastung des Kultusministers v. S t u d t nicht froh getoor- den, da sämtliche Ministerialdirektoren, in denen sie die treibende Kraft erblicken, im Amte verblie­ben sind. Sie haben deshalb gegen diese Herren einen frischfröhlichen Kampf eröffnet. Zuerst setzten „Freis. Ztg." und Berl. Tagebl." mit dem Ansturm gegen Mimstenaldrrektor Alt- hoff ein, dann folgten Angriffe auf dessen Kol­legen Schwarzkopfs. Die Angriffe waren kräftig, an energischen Worten fehlt es ja dem Linksliberalismus nie. Als dritter tom de schließ­lich von beiden Blättern Herr Ministc .aldirektor v. Chapuis aufs Korn genommen. Das „Berl. Tagebl." widmet ihm folgende Liebenswürdig­keiten:

„Er wirkt im verborgenen, ganz unauffäl­lig, aber dafür auch um so sicherer. Ec ersetzt durch feine ausgedehnten gesellschaftlichen Be­ziehungen, durch sein bestechend hLfliches Wesen, durch fein diskretes, verbindliches Auf­treten, durch seine unermüdliche Ausdauer im Amt vollständig die ganze ehemalige katho­lische Abteilung im Kultusministerium. Man übertreibt nicht im allermindesten, wenn man in dem genannten Herrn Ministerialdirektor einen Eckpfeiler von dem Studtschen Ver­waltungsbau anspricht. Die Oeffentlichkeit weiß ober wußte so gut wie nichts von diesem einflußreichen Manne im Kultusministerium. Dafür könnte man über ihn um so viel mehr in den Wandelgängen unseres Ministeriums erfahren. Nicht daß er offiziell die klerikale Anschauung vertreten würde; dazu ist Herr v. Chapuis ein viel zu gut geschulter diplomati­scher Kopf. Allein gewisse Fäden laufen in seinem Ministerialkmreau zusammen, die in ihrem Ausgange auf das Zentrum Hin­weisen. Wird dieser höchst beachtenswerte, aber bisher wenig beachtete Zustand auch unter dem neuen Kultusminister unverändert fort­dauern? Das ist die ernste Frage, vielleicht die ernsteste, die sich bei der Amtsübernahme des Ministers Dr. Holle für jeden ergibt, der auch nur ein wenig mit den inneren Eigen­tümlichkeiten in unserem Kultusministerium vertraut ist.

Dazu bemerkt die „Köln. Volksztg.": Wir müssen bekennen, daß wir von den Beziehungen des Herrn v. Chapuis zum Zentrum so wenig wissen, daß wir bisher nichtei nmalvonder E x i st e n z dieses Ministerialdirektors Kenn t- nis gehabt haben. Wir wissen infolgedessen na­türlich auch nicht, ob er katholisch ift Sollte er Katholik sein, dann empfehlen wir diese Schnüffelei des freisinnigen Blattes, das sich natürlich sehr entrüsten würde, wenn z. B. ein antisemitisches Blatt nach Beamten israeliti­schen Bekenntnisses schnüffelte, den arglosen „Na­tionalkatholiken" zur Beachtung. Sie werden die Sympathieen, die ihnen von der liberalen Presse entgegengebracht wurden, dann noch besser zu wür­digen totsten. Im übrigen ist der Artikel des „Berliner Tagebl." für die linksliberale Hetze gegen andersdenkende Beamte so recht bezeich­nend. Dieses Treiben ist geradezu anwidernd.

* lieber die sittliche Berechtigung des Krieges äußert der Sozialdemokrat Karl Leuschner in den ,Sozial. Monatsh/ Anschauungen, die denen um Kautsky wenig gefallen werden. Leuschner sagt nämlich:

wandelte bet der Frage: Was nur konnte mit Alice geschehen sein? Und wo nut konnte sie sein, — w 0 nur, wo?

„Wollen Sie nicht eintreten, Sir?" richtete die Haushälterin teilnehmend das Wort an den ihr fremden, aber durch die empfangene Nachricht offenbar schwer getroffenen Besucher des einsamen Landhauses.

„Nein!" versetzte er heiser. „Ich darf keine Zeit verlieren, wenn Miß Romberg nicht hier ist. Ich isiuß mit dem nächsten Zuge nach London zurück, um alle nur erdenkbaren Nachforschungen anzustellen."

Und er drückte der Frau ein Geldstück in die Hand, stieg in seinen noch wartenden Wagen und fuhr wieder nach der Eisenbahnstation, um mit dem nächsten Zuge nach London zurückzukehren, vergeblich auf jeder Station seine Erkundigungen anstellend. Alice und ihre Dienerin waren nir­gends gesehen worden.

In der Nacht kam er in London an und begab sich nach seiner Wohnung. Spät legte er sich zur Ruhe, schlief nur wenig und stand am andern Morgen ungewöhnlich früh auf. Nachdem er schnell Toilette gemacht, nahm er seinen Hut unb verließ bas Haus, um bas Suchen nach Alice von neuem zu beginnen.

Er fuhr zunächst zu Mrs. Thomas und wurde von dieser trotz der frühen Stunde sogleich em­pfangen.

„Mr. Craston!" rief sie ihm entgegen. - „O, wie sehen Sie aus! Sind Sie krank?"

„Nein, nein!" entgegnete Craston mit einer ungeduldigen Handbewegung. „Haben Sie et­was von Miß Romberg gehört, seitdem ich bei Ihnen war?"

„Nein, Sir! Aber ist sie denn nicht —"

„Ich bin in Yorkshire gewesen," unterbrach Craston sie, indem er unruhig im Zimmer hin- und herging, „und erfuhr, daß sie dort weder ist, noch gewesen ist! Sie ist wie verschwunden!"

„Sie ist verschwunden?" wiederholte die grau erschrocken.

Di« Nichts-als-Friedensbegeisterung ist ein Gefühl der Satten, die es so wohlig haben wollen, daß sie auch kein grausamer Anblick stören soll, ist eine Dämmerungsphilosophie, dem Leben und zärtlich behüteter Leib die höchsten Güter des Daseins sind. Die Sozial­demokratie verabscheut nicht minder das Blut­vergießen, so sehr, daß sie sogar den Krieg im Frieden des Maschinensaals verbannen möchte (?!); ihre ganze Arbeiterschuhpolitik ist erfüllt von dem tiefen Empfinden für den Kulturwert jedes einzelnen Menschenlebens. Doch sie kennt höhere Güter, als das Leben, Ziele, für die man das Leben einsetzen darf, wenn sie auch keinem der modernen Staaten das Recht und die Fähigkeit zugesteht, solch« Ziele weisen zu können. Und selbst den un- gerechten Krieg hat der Sozialdemokrat als Politiker nie bloß als Blutvergießen und Massenmorden angesehen, ohne ihn zugleich im Zusammenhang der weltgeschichtlichen Ereig- niffr zu erfassen. Berühmtes Zeugnis dessen sind die Schriften, mit denen Lassalle, Marx und Engels die Kriege Napoleons III. und Bismarcks begleiten. Hier verläuft die männ- liche Linie am Stammbaum der Humanität, und wir wollen zu ihr gehören.

Im übrigen ist Leuschner ebenso wie der des­wegen von den orthodoxen Marxisten hart ge- scholtene sozialdemokratische Abg. Noske der Meinung, daß die Sozialdemokratie im Reichs- tage einem Kriege zu stimm en muß, wenn eS sich um einen bloßen Verteidigungskrieg handle. Aber selbst im Falle eines Angriffskrieges wünscht er nicht, daß die sozialdemokratische Fraktion unter allen Umständen die erforderlichen Kredite verweigert, vielmehr empfiehlt er dann Stimm­enthaltung und bemerkt wörtlich: „Eine runde Ablehnung bleibt immer bedenklich und wird, losgelöst vom Parlament, als Parteibeschluß zur völligen Unmöglichkeit."

i. Eine Flaschenweinsteuer ist bas Neueste, was auf ber Suche nach neuen Steuern von bet Negierung erwartet wirb. Eine Berliner Kor« responbenz schreibt, baß unter ben zu erwartenden Steuervotschlägen in unterrichteten Kreisen letzt auch bie Flaschenweinsteuer als wahrscheinliche Regierungsvorlage genannt werbe. Die Korre­spondenz hat diese neue Steuer auch schon naher ausgemalt. Darnach soll bie Schaumweinftener als Vorbilb bienen unb bie praktische Durch- führung ähnlich gedacht sein wie _ die Flaschen­weinsteuer, die während des spanisch-amerlkanl- schen Krieges in den Vereinigten Staaten be­standen habe. Jede Flasche zeige in Gestalt emet Stempelmarke den eventuell nach der Prelsstek- lung verschiedenen Betrag der Steuer auf dem Etikett oder am Flaschenhälse. Mit der Zigar- renbanderolen- und der Flaschenweinsteuer sollen die indirekten Steuern gemeint sein, von denen unlängft ber Reichskanzler gesprochen habe. Ob die Regierung tatsächlich die Einbringung eines solchen Steuerprojektes beabsichtigt, lassen wir dahingestellt; nach den Erkundigungen des Berliner agrarischen Organes werde die Einführung einer Weinsteuer überhaupt nicht ge­plant. Unseres Erachtens würde ein solcher Plan im Reichstag auf starken Widerstand stoßen; er schließt eine Schädigung des deutschen Weinbaues in sich. Wenn es richtig ist, daß der neue Reichs­haushalt auch ohne besonders hohe Sonderforde- rungen ein so erhebliches Defizit bringen wird, daß nur neue und ertragsreiche Steuern eine Balanzierung des Etats bewirken können, müssen schon andere Steuerobjekte ausfindig gemacht

„Wer hat den Wagen besorgt, in welchem sie dieses Haus verließ, Mrs. Thomas?" forschte Craston statt zu antworten.

„Das Hausmädchen," lautete bie Erwiderung.

„Ich muß die Spur Miß Rombergs von hier bis zum Bahnhof verfolgen und deshalb mit dem Kutscher sprechen," erklärte Craston. „Wollen Sie das Mädchen mit mir nach dem Halteplatz gehen lassen? Wenn ber Mann bort ist, kann sie ihn mir bezeichnen unb ich will ihn ansfor» schen"

Mrs. Thomas öffnete bie Tür, rief des Mäd­chens Namen und teilte ihr, als sie fam, mit wenigen Worten mit, um was es sich handelte. Das Mädchen begleitete daraufhin Mr. Craston ohne Verzug nach dem Stand ber Wagen.

Balb hatten sie ben betreffenden Kutscher auj- gefunden, aber alles, was sie erfahren konnten, war, daß derselbe Alice nach dem Hause der Lady Trevor gefahren hatte und bann von einem Herrn fortgeschickt worben sein sollte, besten Per­sönlichkeit nach bes Kutschers Beschreibung nur Mr. Pnlsorb angehören konnte.

Craston sah ein, baß hier nichts mehr zu er­forschen war. Er entließ somit bas Mäbchen und fuhr ohne Zaubern nach Laby Trevors Hause.

Craston gab dem Diener seine Karte, hielt ihn aber zurück mit ber Frage:

„Erinnern Sie sich einer jungen Dame, welche vor zwei Wochen mit einer alten Dienerin hier­herkam? Die Dame war Miß Romberg, eine Stickerin —"

,Lch erinnere mich ihrer, Sir!"

„Wissen Sie, wo sie jetzt ist?"

„In Greycourt, Sir. Mylaby schickte sie da­hin, damit sie dort eine Arbeit vollende."

„Sie kam in einem Wagen unb fuhr in einer», andern wieder fort?"

„Ja, Sir. Der erste Kutscher wurde entlassen und ich mußte einen anderen _ vorüberfahrenden Wagen anrufen, welcher die junge Dame nach dem Bahnhof bringen sollte."

„Wer gab dem Kutscher bie Instruktion? ^