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uldaer W Zeitung

mouatsbeOage: „ZUldatt GeschlchtSblSitN

Fulda, Samstag den 3. August 1907

JV5 176.

Botationsbrud n. Verlag der Mdaer Bt» tiendriderei in Kulda, zernsprecher Ur. 9.

I«;e lge«. Vie ei» ipalttg« PetitzrUe »der deren Baum 15 Psg, Retlamen die Petit)die 25 Pt«-; bei wieder« Holungen wird eirtspr. Kobalt gewährt.

ttrjcheiut täglich mtt Aurnahme der Ssn«- undiieiertage. Purteb tShd. vezugrprei, ohne vrinzerNhn und Ve«eügeldin8«ldaund rurwärts i Ml. SV Pis-

Verantwortlicher ichriftleiter: A.weßler

Z.^parzeller in 5ulda- VochLNbeilüge: „Illustrierte Sonntag$$eituitg"

34. Jahrgang.

Grftes WLalk.

§ Aulomobilverkehr u. Gesetzgebung

Jic schon vor einiger Zeit gemeldet wnrde, ti'e den aur Zeit im Reichsamt des ^nnern B e

„„„en über eine Reihe von Vorschrrf- t e n gepflogen, nach welchen in Zukunft der Auto- mobilverkehr geregelt werden soll. Es schemt also als ob das ganze Automobil-Berkehrswesen in aesetzliche Bestimmungen von Reichswegen ge­leitet werden soll. Das wäre die Verwirklichung eines Wunsches, der schon längst in der Presse und auch von einem großen Teile der deutschen Bun­desstaaten geäußert wurde. Zu ihrem Vorgehen ist die Reichsregierung jedenfalls auch bestimmt worden durch die Folgen, welche das letzte Tau­nus-Rennen gehabt hat. Von den Taunusstädten liegt denn auch eine gemeinsame Petition an den Reichstag vor, in welcher genauere Bestim­mungen über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen und das Verbot der Wettfahrten auf öffent­lichen Straßen gefordert wird. Weiter ist zu berücksichtigen, daß, namentlich in Süddeutsch­land, von den Einzelstaaten bereits neue Schritte zur Bekämpfung der Auswüchse im Automobil- Verkehr unternommen worden sind.

In der Hauptsache richten sich die Bestrebungen vor allem gegen die

Automobilrennen auf der Landstraße.

Daß diese Rennen für das Leben des Publikums eine allgemeine Gefahr in sich schließen, wird von keiner Seite mehr in Abrede gestellt werden kön­nen. Ebenso ist zu berücksichtigen, daß sie, wenig­stens für die Zeit ihrer Veranstaltung, ein merk­liches Hindernis für den übrigen Verkehr, bilden. Aus diesen Gründen hat Baden bereits den Anfang gemacht und ein Verbot aller Straßen­rennen innerhalb des Großherzogtums erlassen; es liegen auch schon Meldungen vor, daß die Nach­barstaaten zu einem ähnlichen Vorgehen entschlos­sen sind. Damit wäre der Automobilraserei schon sehr gesteuert, namentlich wenn auch Preu­ßen und die anderen Staaten sich diesem Vor­gehen anschließen.

Abgesehen davon sind aber auch sehr berechtigte Klagen über den Automobilverkehr mit den T o u r en w a g en laut geworden, bei denen also eilt eigentliches Rennen in Wegfall kommt. Zahl­reiche Unfälle sind die besten Stützpunkte dieser Klagen. Einesteils erstrecken sie sich, auf die übergroße Schnelligkeit, mit welcher das Automobil dahinsaust, anderseits liegt ihnen die Unfähigkeit oder Ungeschicklich­keit des Automobilführers zugrunde. Sollen nun die von Reichswegen zu erlassenden neuen Bestimmungen die Gefahr, welche in diesen zwei Erscheinungen ihre Ursache hat, eindämmen, so müssen sie Vorschriften enthalten, welche sich hauptsächlich auf diese zwei Punkte erstrecken.

Was die

Fahrgeschwindigkeit

betrifft, so ist bis jetzt eine Maximalgrenze nicht festgesetzt. Der Automobilleuker konnte also das Schnelligkeitstempo nach freiem Ermessen fest­setzen. Lediglich für die Durchfahrt durch geschlos- jene Ortsteile galt die Bestimmung, daß die Ge­schwindigkeit das Zeitmaß eines int Trabe befind­lichen Pferdes, also 15 Kilometer pro Stunde, nicht überschreiten dürfe. Auch sonst waren hier- 'ür noch Bestimmungen erlassen, welche Vorsicht und Langsamfahren bei Kurven, Stratzenkrüm- mungen 2C. zur Pflicht machen. Auf der freien Landstraße aber konnte das Automobil^dahin- rasen, wie es wollte, sodaß man mitunter Schnell-

Hie Perle i>es CWarzmISeS.

Roman von Ed. Wagner. । ;

26] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung ans dem zweiten Blatt.)

Das Mädchen ist beseitigt — wir sind sicher vor ihr! Jetzt nur noch kurze Geduld, und ich werde meine schöne Lady herumführen können und der Marquis muß mich trotz seiner Abneigung als seinen Schwiegerenkel begrüßen! Alice Romberg aber wird er niemals Wieder­sehen l Sie ist von dieser Stunde an tot für ihn wie für die ganze Welt! Black-Rock wird ihr Grab werden, und wie das Grab seine Toten nicht toiebergibt, so wird sie auch niemals von Black-Rock zurückkehren, — niemals!"

Arme, ahnungslose Alice! Was hatte der Un­hold gegen sie geplant? In welche Falle war sie gegangen — zu ihrem Verderben?

Siebenzehntes Kapitel.

Beinahe zwei Wochen waren vergangen, seit- vent Alice und Gretchen London verlassen hatten, als Maldred Craston wieder an die Tür des Hauses Nr. 4, Oueens-Crescent, klopfte, um Miß Romberg zu besuchen. Er hatte diesen Besuch absichtlich so lange hinausgeschoben, damit Alice Zeit gewinnen sollte, den erschütternden Schlag, den er ihr durch Uebersendung der auf seine Ver­anlassung gedruckten Verlobungsanzeige beige­bt acht hatte, zu überwinden. Nun glaubte er, sie mct ihrem Schicksal ausgesöhnt zu finden. Wie erstaunte et daher, als das Hatrsmädchen ihm aus feine Frage nach Alice die Auskunft gab:

„Mitz Romberg wohnt nicht mehr hier, Sir; sie ist abgereist."

„Abgereift?" wiederholte Crafton, das Mäd­chen erschreckt ansehend. „Wohin ist sie denn gereist?"

„Das weiß ich nicht, Sir; sie ist schon seit zwei Wochen fort", lautete die Erwideruna.

zugsgeschwindigkeiten beobachten konnte. Und gerade hier spielen sich erfahrungsgemäß die mei­sten Unfälle ab. Unseres Erachtens ist deshalb von größter Bedeutung, daß ein Gesetz erlasien wird, in welchem die Maximalgrenze der Fahrgeschwindigkeit bestimmt geregelt ist. Es muß aber auch dafür gesorgt werden, daß durch eine Kontrolle die Einhaltung dieser Vorschrift überwacht werden kann. Das kann aber nur ge­schehen, wenn jedem Automobil ein

Geschwindigkeitsmesser

eingefügt wird, der sowohl die Geschwindigkeit auf freier Landstraße, wie auch innerhalb der ge­schlossenen Ortschaften genau registriert. Wie dies zu geschehen hat, ist Sache der Automobil­technik selbst. Die Zweckmäßigkeit eines solchen Apparates steht außer aller Frage.

Weiter ist es notwendig, daß die Ausbil­dung der Automobillenker eine ander- weite Regelung erfährt. Wohl wird es nicht möglich fein, sie so auszubilden und auf ihren ver­antwortungsvollen Beruf vorzubereiten, wie dies bei den Lokomotivführern geschieht. Zum mindesten aber ist es notwendig, daß die bis jetzt hierüber bestehenden Vorschriften bedeutend er­weitert werden. In dieser Hinsicht ist namentlich die Gründung von öffentlichen Fahrschulen (wie eine solche bereits in Aschaffenburg besteht) in Vorschlag gebracht worden. Ein anderer Vor­schlag erstreckt sich auf die Gründung einer

Zwangsgcnossenschaft der Chauffeure, welcher weitgehende Befugnisse zur Ueberwachung und Bestrafung ihrer Mitglieder übertragen wer­den soll. Sache der jetzt im Reichsamt des In­nern stattfindenden Beratungen wird es fein, diese Vorschläge auf ihre Anwendbarkeit zu prü­fen. Verschärfte Vorschriften über den Auto­mobilverkehr sind notwendig, um das Publikum vor weiteren Gefahren zu schützen.

Selbstverständlich müssen diese Vorschriften jedeSchädigungdes Automobilsports ver- meiden. Das wäre gleichbedeutend mit einer Schädigung der Automobilindustrie. Wird aber das Gesetz frei von allen Einseitigkeiten gestaltet, so dient es sowohl dem Publikum als auch den Interessen des Automobilsports selbst. Gegen solche Bestimmungen wird fein anständiger Auto­mobilist etwas einzuwenden Haden.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. August 1907.

**♦ Zur Monarchenbegegnung in Swine- münde. Der Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren widmet die ,Nordd. Allg. Ztg/ an der Spitze ihrer Freitag-Nummer folgende Worte:

„Als willkommener Gast trifft morgen Seine Majestät Kaiser Nikolaus von Rußland vor Swinemünde ein, um mit unserem Kaiser einige Tage freundschaftlichen Bei­sammenseins zu verleben. Indem der Zar die Fahrt in die deutschen Gewässer unternimmt, erwidert er den Besuch, den Kaiser Wilhelm im Juli des Jahres 1905 dem Herrscher des befreundeten Nachbarreiches in den finnischen Schären abgestaltet hat. Die Begegnung ent­spricht einer alten, von beiden Seitern gern geübten Gepflogenheit; sie bringt aufs neue die Freundschaft zum Ausdruck, welche beide Monarchen als ein Vermächtnis ihrer Vor­fahren überkommen und treu bewahrt haben. Die Swinemünder Tage werden vornehmlich persönlichem Verkehr dienen. Bestimmte politische Zwecke haben die Zusammenkunft nicht veran-

* Die europäische Schuldenlast. Im Anschlüsse an die Begründung der englischen Resolution über die Rüstungseinschränkung ^aits^dem Haager Kongresse, nämlich daß die militärischen Lasten m fast allen Ländern bedeutend aufs neue ange­wachsen feien, veröffentlicht der bekannte Volks­wirt Alfred Ney-Marck in seinem Finanz- blatte „Le Rentier" eine Studie über die euro­päische Schuldenlast, deren Angaben toet- teres Interesse beanspruchen. Er führt sofort die Gesamtziffer vor, die in ihrer Größe mehr als die ausgeklügeltsten Darlegungen besagt, nämlich 148 Milliarden, die jährlich eine SS er zin- sung von 6 Milliarden erfordern. Die Mi- itärlasten, die Vorbereitung auf den Krieg kosten Europa jährlich über 6% Milliarden 8ranks. Folglich muß Europa jedes Jahr nahezu 13 Mil- Harbert für die Verzinsung seiner Schulden und für seine Militärlasten aufbringen. Schaut man nun zurück, so kann man feststellm daß die euro- päische Schuldenlast 1866 66 Milliarden, 1870 75 Milliarden und 1887 117 Milliarden betrug, während in diesem letzteren ^ahre dieMilitar- und Marinelasten sich auf Ws Milliarden belie- en und die Verzinsung der Staatsschulden 5 Milliarden beanspruchte. Damals war man schon über die Höhe dieser Ziffern sehr bestürzt wie weit stehen sie aber gegen die heutigen zurück! Seit 1887 allein hat das Kapital ,)er europäischen Schulden um 31 Milliarden, zugenommen, wofür Va Milliarde an Zinsen mehr aufzubringen ist, wah- tcnb die Militärlasten sogar lahrlich um 2 Mil- liarben angewachsen sind. Heilte ist das Ver­hältnis so geworden, daß die Vorbereitung Sitm Kriege Europa nahezu eine Milliarde jährlich mehr kostet, als die Verzinsung seiner Schulden (6 7 zu 5,9 Milliarden). Neymarck fahrt dann fort: „So erklärt es sich, daß die Steuern d. h. die Lasten der Bürger in allen Landern zuneh­men; die schon so schweren alten Abgaben reichen nicht mehr aus. Man muß immer "^e Steuer­gegenstände finden oder die alten Abgaben ber- mehren. Und dabei findet man bet allen Regie- rungen den gleichen ©rang, bie Saften ouf die schon so schwer betroffenen Mo- biliarwerte zu legen. Ihnen dankt man indessen die Möglichkeit, Anleihen aufzunehmen, Wege, Kanäle, Eisenbahnen zu bauen, unb bte sonstigen Wohltaten bcr modernen Kultur. Dank dem öffentlichen Kredite und der Schaffung der Mobiliarwerte sind Europa und bte Welt umge­wandelt worden. Und gerade gegen die Besitzer dieser Wertpapiere konzentriert der Fiskus ferne Auspreffungsbesfrebungen. Es ist zu surcqten, daß der Mißbrauch, der nut dem öffentlichen Kredite durch die ungeheuren Anleihen getrieben worden ist, die Prophezeiung Humes rechtser- tigt: „Die Nationen müssen den Kredit toten ober der Kredit wird die Nationen toten.

* Uebrr Tarifverträge im Handwerks spricht sich in bemerkenswerter Weise der Geschäftsbe­richt der Freiburger Handwerkskammer für 1906/07 wie folgt aus:

„Wir haben int vorjährigen Bericht bereits auf die Bedeutung der Tarifverträge btngetoiefen und konnten inzwischen beobachten, daß wettere Kreise die Zweckmäßigkeit der gemeinsam zwr- scheu Arbeitgebern und Arbeitnehmern sesige- setzten Lohn- und Arbeitsbedingungen clngeichen haben. Erniöglicht doch die Tacifgemeinschaft m der Regel eine mehrjährige Stetigkeit un Ge­werbe und gibt die Grundlage ab zu b e s s e r e n Preiskalkulationen für bte Mei­st e r. Ferner kommt in Betracht, daß durch den Tarifvertrag die Zufriedenheit des Arbeistrstan- des vermehrt und der Weg geebnet wird zu ge- meinfamem Zusammenarbeiten von Meister und Gesellen. Auf diesem Wege wird auch das Be-

laßt. ES liegt somit für niemanden ein Grund vor, die Begegnung der Monarchen mit Arg­wohn oder Mißtrauen zu beobachten, Deutschland begrüßt man mit Befriedigung in dem Besuche des Zaren die Bekundung der herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Herrscherhäusern und den beiden durch viele Interessen mit einander verbundenen Reichen. Wir wissen unS im Einklang mit den Em­pfindungen des deutschen Volkes, wenn wir der Monarchenbegegnung einen glücklichen und ersprießlichen Verlauf wünschen."

„Daß die Begegnung alten Gepflogenheiten entspricht, wird nirgends bezweifelt; wenn aber das offiziöse Organ der Zusammenkunft jeden politischen Zweck abspricht, so wird es damit nur wenig Glauben finden. Ohne Zweistlwerden wichtige Besprechungen über mancherlei politische Fragen stattfinden. Den besten Anhaltspunkt dafür gibt die gleichzeitige Anwesenheit des Reichskanzlers und des russischen Ministers des Aeußern.

» Der Wahlrechtsvorschlag des Abg. Nau­mann findet heftigen Widerfpruch. Naumann hat klipp und klar für den preußischen Landtag das Reichstagswahlrecht gefordert, er hat erklärt, daß die Haltung des Fürsten Bülow zu dieser Forderung für das Bestehen oder Vergehen des „Blocks" entscheidend sein werde, er hat eme große liberale Aktion zugunsten der Wahlrechts­reform angekündigt und hat dem Reichskanzler geraten, den Landtag aufzulösen und mit einer neuen Wahlparole an die preußischen Wähler zu appellieren. Die »Deutsche Tagesztg/ vermag sich über Naumanns Artikel gar nicht zu fassen und bezeichnet die Forderungen Naumanns als „Liberale Staatsstreichgelüste". Der nationalliberale ,Han>i. Kurrier' aber schreibt: „Den preußischen -Wahlrechtskampf behandelt tu einem Aufsatze im ,B.-T/ Friedrich Stauntanu, M. d. R., in dem Sinne, daß er auch hier wieder namens beider Fraftionen das Reichstags- wahlrecht für Preußen verlangt. So unerfüll- b ar dieses Begehren ist, weil es von den nationalen Mittelparteien keineswegs aufgenommen werden wird, so richtig ist in der Hauptsache, was Naumann von der Lösung der Wahlrechts­frage als solcher sagt, die die Lebensfrage des Blocks und damit der Reichskanzlerschaft Bülows ist, sei. Der Reichskanzler werde die Wahlrechts­reform nur bann in befriedigender Weise durch­führen können, wenn er von vornherein offen an das Volk appelliere."

* Der Entwurf eines Neichsapothekengefetzes wird demnächst vom Ausschuß der preußischen Apothekerkammern beraten werden. Er tritt zu diesem Zwecke Ende September in Berlin zu einer Sitzung zusammen.

r. Höherer Zinsfns für städtische Anleihen. Von der letzten 228 Millionen-Anleihe der Stadt Berlin sind noch 100 Millionen zu begeben, die wegen des ungünstigen Geldstandes bisher nicht unterzubringen waren. Jetzt beabsichtigt die Stadtverwaltung, hierfür einen höheren Zinsfuß zu gewähren. Die Verzinsung war auf 3 Vs % festgesetzt. Voraussichtlich wird jetzt ein Zinsfuß von 4°/0 angenommen werden. In diesem Vor­gänge liegt durchaus keine Neuheit. Wir weisen daraufhin, daß schon in den letzten Jahren mehrere Stadtverwaltungen aus demselben Grunde gezwungen waren, den Zinsfuß für ihre Anleihen höher zu setzen, als ursprünglich angenommen war.

Crafton stand wie eine Bildsäule da; er konnte das Gehörte nicht fassen. Alice abgereist, nachdem sie erst so kurze Zeit in London geioefen war! Sollte sie nach Schönau zurückgekehrt sein?

„Sagen Sie Ihrer Herrin, daß Mr. Crafton sie einen Augenblick zu sprechen wünscht", sagte er. „Wollen Sie dabei erwähnen, daß ich ein Freund von Miß Romberg bin?"

„Ja, Sir!" versprach das Hausmädchen. „Bitte, treten Sie in die Stube und ich will meine Herrin rufen."

Crafton trat in bas Zimmer und das Mäd­chen eilte fort.

Es dauerte geraume Zeit, ehe Mrs. Thomas erschien; sie hielt einen Brief in der Hand und begrüßte den Gast mit höflicher Verbeugung.

„Ihr Mädchen sagte mir, daß Miß Romberg fortgereift ist, Madame. Können Sie mir Ihre Adresse geben?" fragte Crafton hastig.

„Das kann ich nicht, Sir", erwiderte Mrs. Thomas. „Ich weiß nur, sie ist irgendwo in Yorkshire in einem großen Lanbhause."

Crafton bestürzte diese unerwartete Nachricht nicht wenig.

„Gretchen, Miß Rombergs Dienerin, ließ diesen Brief für Sie zurück," fuhr Mrs. Thomas fort, indem sie ihm einen Brief überreichte. „Miß Romberg selbst erbot sich freiwillig, — denn ich würde nie so anmaßend gewesen sein, von der jungen Dame so etwas zu erbitten, — mir von ihrer neuen Heimat aus zu schreiben; aber sie hat es bis jetzt noch nicht getan. Ich erwartete wenigstens von Gretchen, daß sie mir ein paar Zeilen schreiben würde, aber auch von ihr habe ich keine Mitteilung erhalten. Ich weiß nicht, was ich davon denken soll."

Crafton hatte das Kouvert geöffnet unb über­flog rasch bie Zeilen.

„Wie ist es möglich?" rief er. „Miß Rom­berg ist nach Laby Trevors Lanbhaus gegangen! Was, um bes Himmels willen, soll denn das be­deuten?"

Mit Blitzesschnelle burchjagten bie verschie­densten und widerstreitensten Gedanken sein Ge­hirn, aber er konnte keine ihm auch nur einiger­maßen glaubhaft erscheinende Erklärung dafür finden, unb so mußte Mrs. Thomas ihm zur Ergänzung des Briefes erzählen, was sie über bas Engagement wußte.

Aber was Mrs. Thomas ihm zu sagen der- mochte, verriet ihm auch noch nichts. So empfah er sich der Dame und fuhr birett nach Lady Tre- vor's, Wohnung.

Hier gab er dem Diener seine Karte und wurde in das Empfangszimmer genötigt.

Lady Trevor, in eleganter Morgentoilette, saß in einem Lehnstuhl am Kamin; ein offenes Buch lag in ihrem Schoße. Beim Eintritt Craf- ton's erhob sie sich und ging ihm einige Schritte entgegen. Er bemerkte, daß sie leidend und bleich aussah.

„Ich bin glücklich. Sie in der Stadt zu finden, Lady Trevor", sagte Craston. „Jedoch wundere ich mich, baß Sie nicht auf bem Lande sind gleich der ganzen fashionablen Welt."

„Ausgenommen Sie selbst!" replizierte sie. „Ich verlasse morgen bie Stabt zu einem Besuch in St. Leonards, unb später werbe ich Glenharn- Manor, des Grafen Wohnsitz, besuchen. Lord Glenharn und seine Mutter sind gegenwärtig, glaube ich, in Deutschland."

„So sind sie nach Schönau gegangen!", rie: Crafton und feine Miene überschattete sich. „Ist der Marquis von St. Leonards in der Stadt?" setzte er schnell hinzu.

„Nein, er ist auf St. Leonards, feinem Land­gut. Er ist schon seit vierzehn Tagen fort und hat mich schriftlich gebeten, ihn zu besuchen. Es ist dies bie erste Einlabung von ihm seit meiner Verheiratung mit Sir Albert Trevor vor fünf­zehn Jahren."

„So besitzen Sie toieber seine volle Gunst?" entgegnete Crafton.

O glauben Sie bas doch nicht!" erwiderte die Lady. „Sie wissen so gut wie ich, baß bet Marquis ein sonderbarer alter Mann ist, aber er ist mein Großvater unb ich hoffe ihn bewegen zu können, mich nach Glenhanr-Manor zu be­gleiten!"

„Wir werben uns bort jebenfalls Wiedersehen, da ich ebenfalls bort sein werbe", sagte Grafton. Apropo's! Wie ist der Name Ihres Lanbhauses in Yorkshire, Lady Trevor?"

Die Lady zuckte mit keiner Wimper bei bet plötzlichen Frage unb ebenso auch antwortete sie:

„Greycourt. Ich habe es vor einigen Jahren gekauft. Es liegt nicht ganz fünfzig Meilen von Glenham-Manor entfernt."

„Ich habe Ihnen noch nicht gesagt, weshalb ich heute zu Ihnen kam, Lady Trevor, sagst Craston, entschlossen, zur Sachezu kommen. ,,^ch wollte Sie über eine gewisse Miß Romberg be­fragen, welche Sie in Ihre Dienste genommen haben."

Lady Trevor erschrak jetzt boch tötlich.

„Miß Romberg?" wieberholte sie.

Sie wohnte Queens-Crescent Nummer 4"- fuhr Craston fort. „Ich vermute, sie ist jetzt in Grezcourt, Ihrem „Hause tn Yorkshire. Wissen Sie, wer bieses Mädchen ist?"

Wie er bie Worte betonte, ließ er sie erbeben.

„Wie sollte ich bas wissen?" stammelte sie unb er sprach weiter:

„Sie ist Alice Romberg aus Schönau! Ich reifte nach Deutschland, währenb Lorb Glenham in Schottlanb weilte, unb erfuhr, daß der Pfarrer tot und sie nach London gekommen sei. Am Tage nach meiner Ankunft in London begegnete ich ihr dann auf bet Straße. War das nicht ein sonderbarer Zufall?"

«Kn der Tat!" sagte die Lady. \

(Fortsetzung folgt.)