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Rotationsdruck n. Verlag der 5»ldaer Av> tien-r rckerei in Suita Sernfprecher Kr.».
M 175.
Fulda, Freitag den 2. August 1907.
34. Jahraanll.
Erstes Wkatt.
* Säulnisblafen.
Der glatte, schimmernde Wasserspiegel unserer ,ogen. Hochkultur scheint für den oberflächlichen Beobachter in seiner Tiefe nur glänzendes Gold und gleißenden Glast, ja Sonne und Himmel zu bergen. Wer aber genauer hinschaut, der sieht immer wieder trübe, gurgelnde Blasen aufsteigen, die bekunden, daß unten fressende Fäulnis ihr unheimliches Werk vollzieht. Solcher Fäulnisblasen haben wir gerade in der letzten Zeit viele sehen müssen; sie waren so groß und ihr Geruch so widerlich, daß sie auch von den gewerbsmäßigen Lobrednern der neuen Zeit beachtet werden mußten.
Ein linksliberales Blatt klagte kürzlich darüber, daß die Zahl der
Unsittlichkeits-Berbrechen
in der letzten Zeit gewaltig gestiegen ist, daß insbesondere die scheußlichen Untaten der Blutschande und der Kinderschändung fast täglich die Gerichte beschäftigen. Die Klage in vollkommen berechtigt. Wer berufsmäßig Vie Ereignisse und Erscheinungen des Tages verfolgen muß, der wird sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß gerade unsere Tage von blutigen und greulichen Taten triefen. Gewiß, keine Zeit und kein Geschlecht ist ganz frei gewesen von den Sünden der mit Grausamkeit gepaarten Lust. Aber wohl keine Zeit ist reicher daran gewesen als die unsere, und keine ist allgemach gleichgültiger dagegen geworden.
Die Neichshauptstadt steht heute unter dem erschütternden, zermalmenden Eindrücke einer fürchterlichen, widerlichen, viehischen Greueltat. Ein Unhold hat drei kleine Mädchen, die das Schulalter noch nicht erreicht hatten, durch Stiche und Schnitte in die Brust, Leib und Oberschenkel schwer verwundet, das eine getötet. Wir verwesten uns nicht, schon über die Tat und den Täter ein abschließendes Urteil zu fällen; wir lasten es vorläufig dahingestellt, ob wir es nut der Tat eines Geisteskranken zu tun haben, der für seine Handlungsweise nicht verantwortlich gemacht werden kann. Aber trotzdem gibt das Verbrechen, zu einigen grundsätzlichen Bemerkungen Anlaß. Aehnliche sind auch früher schon vollführt worden; sie bilden eine besondere Rubrik in der Geschichte der Verbrechen. Bei einzelnen dieser Fälle ist der Verbrecher tatsächlich zurechnungsfähig gewesen. Es würde also töricht sein, wenn man von vornherein bei allen ähnlichen Schandtaten Zurechnungsunfähigkeit annehmen wollte. Auf diesem Standpunkte steht auch ein hervorragender Forscher, der heute in einem hiesigen Blatte sich dahin äußert, daß bei derartigen Taten grausamer Wollust Zurechnungsfähigkeit ohne weiteres nicht rinzunehmen sei, daß im Gegenteile die Verbrecher Helft zurechnungsfähig feien. Leider stehen viele wissenschaftliche Gutachter nicht auf diesem Stand- p unkte; sie neigen vielmehr der seltsamen Anschauung zu, daß in der Regel völlige Geisteskrankheit, die die freie Willensbestimmung und die Verantwortung ausschließt, vorhanden sei. Das wissen die Verbrecher und damit rechnen sie. Sie kommen schließlich zu der Ueberzeugung,
Ise Perle i>e§ SchUMjwMs.
Roman von Ed. Wagner.
UJ (Nachdruck verboten.)
, »Ich. sprach nicht von Dir, Edith, sondern von Miß Alice Romberg", sagte er und seine Stimme klang hart wie Stahl. „Sie möchte ich um mich haben. Sie ist zweifellos nicht an dem Platze, für den sie prädestiniert ist. Und 'barum — ich Kull sie zu mir nehmen, wenn sie damit einverstanden ist!"
„Großvater!"
Wider ihren Willen war der Lady der Ruf entfahren — im Tone des Entsetzens.
„Erscheint Dir die Idee so absonderlich?" ftrhr der alte Mann fort. „Ich will sie als meine Enkelin oder meine Tochter bei mir aufnchmen, wie es ihr am besten zusagt. Sie soll mein einsames Leben erheitern und mit dem Sonnenschein ihrer Gegenwart erfüllen. Ich denke, sitz wird mein Anerbieten nicht ablehnen!"
„Großvater, und die Welt? Wie würde die darüber sprechen?" stammelte Lady Trevor in höchster Bestürzung.
Ein stolzer Blick traf die Sprecherin.
„Ich bin fünfundsiebzig Jahre", sagte der Marquis einfach, „das Mädchen wird hingegen nicht alter als siebzehn sein. Was kann die'Welt oazu sagen wollen, wenn es mir gefällt, sie zu adoptieren und als Tochter in mein Haus zu nehmen. Und das will ich! Sende mir ihre • ™LC' lobQ,Ib Du sie hast, Edith. Ich will jetzt Söarfer, meinem Anwalt, gehen, um mit ihm über diese Angelegenheit zu sprechen."
Er erhob sich und Edith folgte seinem Beispiel.
„Apropos!" sagte der Marquis, als er die Ptur schon erreicht hatte, plötzlich umkehrend. k„Jch bemerkte Deine Verwirrung, als ich ins fZimmer trat, und errate den Grund derselben!"
Deutscher Keich.
Berlin, 1. August 1907.
.'. Beleidigungen des Reichskanzlers. Aus Anlaß eines Falles Grempe aus Schmiedeberg, in dem das Verfahren wegen Beleidigung des Reichskanzlers eingestellt wurde, hat Fürst Bülow an sämtliche Polizeibehörden eine Verfügung erlassen, in der die Polizeiorgane angewiesen wurden, bei Beleidigungen des Reichskanzlers durch Wort oder Bild nicht sofort einzu- schreiten. Er wünscht nicht, daß jede derartige Sache gerichtlich verfolgt wird, und wird wie im Fall Grempe von der Stellung des Strafantrages absehen.
das Tier sinken läßt, als das Luftsklaventum, das dem gieren und kranken Triebe willenlos, seelenlos und haltlos folgt.
Man wird uns wohl entgegenhalten, daß diese Klage uralt sei und daß die Erscheinungen, durch die sie immer wieder wachgerufen wird, zu allen Zeiten bemerkbar gewesen feien. Das ist, wie wir schon oben andeutelcn, nicht ganz richtig. Andere Völker haben allerdings ähnliche 'Zeiten durchlebt, so das Volk der Römer in der Kaiserzeit, so unsere westlichen Nachbarn kurz vor der Revolution. Aber das waren die Zeilen, die dem Niedergange, dem- Untergange voraufgingen. Sollten uns diese Spuren nicht schrecken? Es ist weiter zugegeben, daß die geschlechtliche Sünde eine niemals ganz auszumerzende und vollkommen zu tilgende Nebenerscheinung des un- geläuterten Menschentums ist. Aber in zwei Punkten ist sie heutzutage gefährlicher und bedrohlicher als sie es sonst war. Sonst wurde das Unsittlichkeitsverbrechen als solches verurteilt und der Verbrecher an den Schandpfahl gestellt. Heute wird die Sünde der Lust, wenn sie in gewiflen Schranken bleibt und wenn vor allem der öffentliche Skandal vermieden wird, als menschliche, ja als
liebenswürdige Verirrung entschuldigt, ja gepriesen. Der Karlsruher Mörder bat sich 'ja in Freundeskreisen seiner ekelhaften Sünde geradezu gerühmt. Es ist ferner nicht m leugnen, daß wir im ausgeklügelten Ras - fin ement dieser Verbrechen große, unheimliche Fortschritte gemacht haben, llnd diese Fortschritte, die fallen zum Teil auf das Schnldkonto der Gesamtheit. Wenn wir es fertig bringen, der leicht erregbaren und der Verführung zugänglichen Maste immer wieder Schilderungen von Verbrechen vorzusetzen, obwohl wir längst erkannt haben müssen, welche geradezu entsetzliche Ansteckungstrast gewisse Verbrechen haben, wenn wir auf den Brettern, die doch die Welt bedeuten sollen, den Beschauern kaum etwas anderes bieten, als lose verhüllte oder ausgeputzte Unzucht, Sittenlosigkeit und widernatürliche Greuel, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn aus dem so versumpften Grunde Fäulnisblasen aussteigen wie die, die wir erschüttert und entsetzt in diesen Tagen schauen mußten.
. ' Dieser Artikel stammt nun nicht aus der Feder eines „ultramontanen Betbruders", sondern wir haben ihn entnommen der ,Deutschen Tages- ztgck, dem Organe des Bundes der Landwirte, das vornehmlich als konservativ-protestantisches Blatt betrachtet werden kann.
nun zu adoptieren beabsichtigt. Glauben Sie nach alle diesem noch immer nicht an eine Vorsehung?"
„Ich bin versucht, daran zu glauben!" gab er zu.
„Ich auch!" sagte sie, schwer atmend. „Es ist in alledem etwas, was ich mir nicht erklären kann. Das Mädchen hat mein Anerbieten noch nicht angenommen. Wenn sie dasselbe nun ablehnte?"
„Dann müssen wir sie mit Gewalt fortschaf- fen!" erklärte Pulford resolut. „Ich werde jedenfalls zu morgen eine Jacht bereit halten, die sie fortbringen soll. Alles übrige wird ebenfalls noch heute im Laufe des Tages erledigt werden."
Damit ging er und Lady Trevor sagte sich, daß ihre Angelegenheit nicht in besseren Händen ruhen könne.
Und noch derselbe Nachmittag brachte ihr ein Billet von Alice, in welchem diese ihr die Annahme ihres Anerbietens mitteilte. Hätte Alice die Freude der beiden Verschworenen gesehen, als sie ihren Brief lasen, sie würde gezittert und um jeden Preis von der Welt ihre Zusage zurückge- zogen haben.
„Nun ist alles gut!" rief Pulford. „Schreibe ihr, daß sie morgen nachmittag um 5 Uhr mit ihrem Gepäck und ihrer Dienerin hierher komntt. Sie wird kommen, wird wieder gehen, und ban»- wird sie spurlos verschwunden sein für alle, die sie kannten; selbst die geschicktesten Detektivs sollen sie nicht ermitteln können. Wir aber werden vor morgen abend ab in völliger Sicherheit fein!"
Der Brief wurde durch einen Extraboten an Alice geschickt, und Pulford machte sich jetzt mit erhöhtem Ei er an die nötigen Vorbereitungen.
Inzwischen hatte Alice ihre Wirtin zu einer Besprechung zu sich bitten lassen und teilte dieser nun ihr Vorhaben unter Angabe der einzelnen Umstände mit.
Mrs. Thomas hörte ihr mit Staunen zu.
„Unmöglich!" stieß die Lady erschreckt hervor.
„Ich sprach Dir meinen Widerwillen gegen Pulford aus, als ich Dich zu Castle-Cliff besuchte", fuhr der Marquis,, der ihr Erschrecken nicht richtig deuten konnte, fort. „Es ist deshalb kein Wunder, daß Du verlegen wurdest, als ich ihn hier jetzt in Deiner Gesellschaft fand. Du fälltest ihm die Tür zeigen, wenn er zu Dir kommt. Er ist ein schlechter Mensch!"
„Sie tun ihm unrecht, Mylord!" stammelte Edith, die ja wußte, daß Pulford alles erlauschte. „Er ist mein Geschäftsführer —"
„Entledige Dich seiner!" unterbrach der Marquis sie. „Gestern fragte mich jemand in meinem Klub, ob es wahr ist, daß er Dein Geliebter sei. Da kannst Dir denken, wie ich diese Frage arttnahm. Doch nun lebe wohl, Edith l Vergiß Miß Romberg's Adresse nicht!"
Kaum war der Marquis gegangen, als von der Bibliothek her Pulford eintrat und sich Lady Trevor näherte.
„Sie haben gehört, was der Marquis sagte?" fragte diese, noch zitternd vor Erregung.
„Jedes Wort, einschließlich seiner schmeichel- hasten Auslassungen über meine Person", antwortete Pulford mit gerötetem Antlitz.
Er will das Mädchen adoptieren!" rief die Lady, des andern Worte mit Absicht umgehend.
„Sollte er einen Verdacht hegen?" warf Pulford ein.
„Nein, er hat nicht die entfernteste Ahnung von der Wahrheit!" versicherte ihm die Lady. „Aber wer konnte denken, daß er so mit ihr zu- fmnmentreffeit mußte? Mir ist zu Mute, als kämpfte ich gegen unsichtbare Gewalten — gegen das Schicksal selber. Bedenken Sie doch nur, >vas eigentlich alles geschehen ist: Das Mädchen war in der Tiefe des Schwarzwaldes verborgen; Lord Glenham mußte sie finden und sich in sie verlieben; ihr Pflegevater starb und sie kam nach England, damit Lord Leonards ihr hier in der seltsamsten Weise begegnen mußte und sie
* Der Reichskanzler und die Sozialdemokratie. Die Bemerkungen, die Fürst Bülow zu einem Mitarbeiter des ,Fiqaro' über die Sozial- demokratie gemacht hat, sind so ausgelegt worden, als hätten darin Hoffnungen auf die Haltungen des revisionistischen Flügels der sozialdemokratischen Partei angedeutet werden sollen. Die scharf- macherifchen Blätter sind daraufhin mit starken Bebell gegen den Fürsten Bülow ^fahren. Nun muß die ,Südd. Reichskorresp/ ^ruhigen, der Reichskanzler habe nie an die Mi.arbeit der Revisionisten gedacht, auch das Bestehen der sozialdemokratischen Gefahr nicht verneint, wohl aber sich auch nie vor der Sozialdemokratie gefürchtet. Aber das genügt den Scharfmachern noch nicht; sie wollen mehr. So meint die bülowfreundliche .Deutsche Tagesztg/. „Auch wir sehen in der sozialdemokratischen Gefahr keineswegs einen „unentrinnbaren Abgrund", der unsere deutsche Entwicklung über kurz oder lang verschlingen müsse. Wohl aber glauben wir, daß wir in diesen Abgrund hineinoeraten können, wenn die Lenker unseres Staatswagens nicht richtig zu steuern und zu bremsen vermögen oder entschlossen sind. Unseres Erachtens scheint der Reichskanzler zu viel von den Parteien zu erwarten. Die Hauptsache wird von der Regierung getan werden müssen und zwar sowohl im Punkte der Abwehr als auch im Punkte der Wahrung der Träger der Staatserhaltung. Das deutsche Bürgertum kann ohne Frage und muß auch viel tun, aber die Regierung kann und muß noch mehr tun. Wir hätten gewünscht, daß dieser letzte Gesichtspunkt vom Reichskanzler mehr in den Vordergrund gerückt worden wäre." Also! Hannemann geh' du voran! Die Regierung soll ein neues Sozialistengesetz einbringen, dann folgt der Block getreulich. Wir glauben dies auch.
*Einschiffungdes Zaren zur Kaiserbegegnung. Das /Berliner Tageblatt' meldet aus Kronstadt unterm 1. August: Die Jacht „Alexandra" mit dem Kaiser und der Kaiserin an Bord ist gestern vormittag 10 Uhr in Kronstadt eingetroffen. Der Kaiser begab sich später auf die Jacht „Standart", während die Kaiserin aus der Jacht „Alexandra" nach Peterhof zurückkehrte. Die „Alexandra" signalisierte sodann: „Glückliche Reife". Die Jacht „St and art", welche die Kaiserstandarle trug, ist begleitet von den Minenkreuzern „Kondratenko", „Pogranitsch- nik", „Sibirski-Strelok" und „Ochatnik" unter Befehl des Admirals Jessen an Bord des „Si- birskl-Strelok". — Die „Hohenzollern" mit dem deutschen Kaiser an Bord ist Donnerstag nach 8 Uhr srüh unter Festunzssalut in den Hasen von Swinemünde eingesahren. — Der Reichskanzler Fürst v. Bülow traf um 4 Uhr 6 Min. nachmittags in Swinemünde ein.
r. Der König von Siam, der augenblicklich inkognito in Deutschland weilt, wird während des Aufenthalts des Kaisers in Wilhrlmshöhe dort zu dessen Besuch eintreffen.
Die in der Einkommensteuernovelle angeordnete Auskunstspslicht der Arbeitgeber über die Löhne und Gehälter ihrer Angestellten bringt dem preußischen Fiskus wegen der dadurch bedingten schärferen Heranziehung der Arbeiter eine schöne Summe ein. Nähere Nachweise sind für die Oeffentlichkeit freilich erst im nächsten Winter zu erwarten. Natürlich werden auch die städtischen Etats, „Das ist ja eine äußerst günstige Umwandlung der Verhältnisse für Sie, Miß Romberg", erklärte sie. „Es tut mir ja leib, Sie zu verlieren, aber es ist zu Ihrem Besten, und so kann ich Sie zu Ihrem Fortgehen nur beglückwünschen."
,Zhc Haus ist mir eine zweite Heimat geworden, Mrs. Thomas", versetzte Alice. „Ich verlasse es nur ungern; aer ich fühle, daß es das beste ist, was ich für mich und Gretchen tun kann. Wenn meine Arbeit fertig ist, werde ich herher zurückkommen und hoffe dann aufs neue in Ihrem Hause ein Asyl zu finden."
„Mein aHus wird Ihnen stets offen stehen. Miß Romberg", entgegnete Mrs. Thomas, „Sie werden mir jederzeit willkommen sein!"
Mrs. Thomas wurde übgerufen und verließ das Zimmer.
„Nun will ich an Madame Singe ein Billet schreiben, welches ich ihr morgen zuschicken werde", sprach Alice. „Sie ist so freundlich gegen mich gewesen, daß ich nicht fortgehen kann, ohne sie davon zu benachrichtigen."
Während sie sich niedersetzte zum Schreiben, ging Gretchen in ihr Schlafzimmer, um ebenfalls einen Brief an Mr. Crastou zu richten, welcher, wie sie hoffte, bald wieder kommen würden. In diesem Briefe teilte sie Grafton mit, daß Alice den Winter auf dem Gute der Lady Trevor in Ijorkshire zubringen werde, um dort eine Anzahl schadhafter Wandtapeten auszubessern; wenn Grafton sie dort besuchen wolle, würde Fraulein Alice gewiß sehr erfreut darüber sein.
Diesen Brief gab Gretchen am andern Tage Mrs. Thomas mit der Weisung, ihn Mr. Grafton zu geben, wenn derselbe nach Fräulein Romberg fragen sollte.
Nun schickte auch noch Alice ihren Brief an Madame Singe, und dann begann die Arbeit des Einpackens. Alice besaß zwei Koffer, von denen der eine mit Kleidungsstücke», der andere mit Büchern und Bildern, welche die Zimmer des
die in dem bekannten Koupletverse einen zugespitzten Ausdruck gefunden hat:
„Uns kann nichts passieren, weil wir pathologisch sind."
Daß eine Ueberzeugung verbrecherische Naturen zu Greueltaten gerade der gemeinsten und widernatürlichsten Art geneigt machen kann, liegt auf der Hand. Dazu kommt, daß die Strafmittel, die heute zur Verfügung stehen, nicht genügend abschrecken. Dazu kommt ferner, daß eine mit den niedrigsten Instinkten der Masse rechnende Presse solche Verbrechen wie Großtaten behandelt, und daß der Mob, der zwar unter dem unmittelbaren Eindrücke des Verbrechens grausam gegen die Täter fein kann, schließlich doch bei der Wandelbarkeit seiner Stimmung in ihm den Helden erblickt, dein er gegebenenfalls zujubelt, falls der Verbrecher seine Rolle vor dem Gerichte mit fanatischer Meisterschaft spielt. Für Leute von verbrecherischer Anlage bietet die Art, wie heute Verbrecher und Verbrechen vielfach behandelt, gewürdigt und gestraft werden, keine Abschreckung, sondern vielmehr einen gewissen Reiz. Das gilt vor allen Dingen von den Untaten auf dem geschlechtlichen Gebiete.
Die Reichshauptstadt hat in den letzten Wochen auch andere Fäulnisblasen aussteigen sehen, die auf starke Versumpfung schließen lassen. Wir erinnern an die Ermordung einer dem Grei'en- alter nahen Frau, die, wenn nicht alle Zeichen trügen, nur desl-alb dem Mordbuben zum Opfer gefallen ist, weil sie ihre sinnliche Lust nicht be- meistern konnte. Wir erinnern weiter an die Ermordung einer Lohndirne durch einen heimgekehrten Äfnkakrieger. Der junge Mann, der auf dem Schlachtfelde dem Tode gewiß oft ins hohle Auge gesehen hat, kehrt mit frohen Hoffnungen heim und wird zum Mörder, weil er sich dem Wollustreize, der von einer im Dienste der Sünde stehenden Dirne ausgeht, nicht zu entziehen vermag. Das sind nur zwei ähnlich geartete Fäulnisblasen; wir könnten ihnen aber, wenn es nötig wäre, aus der jüngsten Vergangenheit noch viele ansügen.
Und was war es denn, das dem Karlsruher Mord Prozesse das besonders widerliche Gepräge aufdrückte? Auch hier spielte die krankhaft gesteigerte und verzerrte sinnliche Leidenschaft, wenn auch nicht die ausschlaggebende, so doch die mitbestimmende Rolle. Der in Karlsruhe verurteilte Mörder wäre wahrscheinlich nicht zu dem geworden, was er schließlich wurde, wenn nicht die zügellose, geile Sinnlichkeit sein Wesen durchsumpft und zerrüttet hätte. Daß ein von der Gier und der Krankheit der Luft gepeitschter und zerfressener Geist leichter und schneller auf die Bahn des Verbrechens gerät, bedarf keines Beweises.
Das alle, ernste, harte und herbe Wort, daß die Sünde der Leute und der Völker Verderben sei, gilt ganz besonders von der Sünde
gegen das sechste Gebot.
Unsittlichkeit und Sittenlosigkeit, Unzucht und Zuchtlosigkeit, Wollustschmutz und Sinnengier führt den einzelnen und die Völker zum Abgrunde. Auch andere sündige u»d verbrecherische Regungen beschleunigen und sichern den Ruin; aber es gibt keine, die mehr entnervt, entkräftet, entgeiftel, die den Menschen mehr zum Tiere macht und unter