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8ul-aerM Zeitung
wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung" monatsteuage: „Zuldaer Geschichtsblätter"
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Rotationsdrull u. Verlag der fknldaer Ae« tiendrrSerei in $ulöa. Zernsprecher Nr. 9.
JVS 173.
Fulda, Mittwoch den 31. Juli 1907.
34. Jahrgang.
Zweites WLatt.
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[:] Anonyme Briese.
(Nachdruck nicht gestattet.)
Fast immer schwebt an dem einen oder anderen Gericht ein Prozeß, in dem anonyme Briefe eine Rolle spielen; nicht selten sind die Spalten der Tagesblätter, vor allem der farblosen, mit Berichten solcher Sensationsprozesse gefüllt. Fast jede Ortschaft wird von Zeit zu Zeit von der anonymen.Briesseuche heimgesucht und nicht selten monatelang in fieberhafter Spannung gehalten. „Die ärgsten Hund' sind die, die andere rückwärts ansallen", sagt ein deutsches Sprüch- wort und auch das Bibelwort dürfte Anwendung finden auf jene, die ihre Schmähungen und Verleumdungen durch unterschristlose Zuschriften an den Mann bringen: „Wer heimlich verleumdet, ist um nichts besser als eine Schlange, die im Verborgenen schleicht und durch ihre Bisse vergiftet." Pred. 10. 11.
Die Beweggründe zu anonymen Briefen können sehr verschieden sein. Es gibt solche, die aus lauterer Absicht, guten Beweggründen hervorgehen, wie die Anzeige wirklicher Mißstände, um zu ihrer Beseitigung beizutragen. Geistliche und weltliche Behörden werden oft derartige Zuschriften erhalten, auch Herrschaften, Arbeitgeber und Eltern.
Manchmal mag das Bedürfnis, mit Bekannten oder Freunden einen Scher', zu machen, Anlaß zu einem anonymen Briefe sein. Oesters wird auch Leichtsinn und Unverstand einen unterschriftlosen Brief diktieren, z. B. anonyme Liebesbriefe.
In den weitaus meisten Fällen liegt beim anonymen Briefschreiber eine direkte böse Absicht vor, zu kränken, zu ärgern; nicht selten wird dabei die Handlungsweise anderer kritisiert mit Unterschiebung verwerflicher Beweggründe. Neid, Haß, Eifer- und Rachsucht, gekränkte Eitel- teil diktieren die bösartigsten Verleumdungen, in die dann oft absichtlich einige Körnchen Wahrheit eingestreut sind. Der Schreiber will sich weiden an dem Schmerz, den sein giftiger Pfeil dem Gegner verursacht hat.
In der Beurteilung anonymer Zuschriften sind manche zu nachsichtig; wohlgemeinte Anzeigen wirklicher Mißstände, sagen sie, muß man doch wohl beachten, darf sie wenigstens nicht ganz verurteilen. Nun, mag die Absicht manchmal
Ae Perle i>es SchmrzMlkS.
Romail von Ed. Wagner.
21] «Nachdruck verboten.)
Dreizehntes Kapitel.
Indem Crastou Alice die Zeitung mit der von ihm in dieselbe lanzierte Anzeige von Lord Glenham's Verlobung sandte, gedachte er die letzte Hoffnung, die sich etwa noch in der Tiefe ihres Herzens regen mochte, zunicht zu niachcn. Und darin sollte er sich nicht verrechnet haben. Aber er hoffte zugleich, sie Gordon Glenham abwendig machen und sich selber ihre Liebe erringen zu können.
Er wußte, daß er das alte Gretchen für sich gewonnen hatte und daß sie keine Gelegenheit unbenutzt lassen würde, Alice seinen Absichten günstig zu stimmen. Von jener Liebe, die, was sie einmal ins Herz geschlossen hat, nimmer wieder läßt, hatte er keine Ahnung.
Es war am Nachmittag, als er zu Glenham- Lodge ankam. Die Herren waren auf der Jagd; nur Lady Glenham, welche ihren Aufenthalt mit emtfle Tage verlängert hatte, befand sich mit ihren Freundinnen im Schlöße.
Die alte Dame fühlte sich sehr unglücklich, ha a?aF "icht imstande gewesen, ihrem Sohne r.^brsprechen abzugewinnen, daß er von seiner 1<^T^ert Heirat mit Alice Romberg ab- „•_Ln *Poüe, und sic hatte sich doch vorgenommen, ?^der abreisen zu wollen, als bis sie erhalten hatte. Crafton, der rJa4e te ?or sich hin, während er die bie breite Treppe ins obere ^Eo^erk chnaufsneg und dabei die Stimmen 7^? ^r^/"^"baltenden Damen an sein
Ohr schlagen horte.
„Mylady wird kaum ahnen, wie sie sich be- Muht, mir in die Hande zu spielen", murmelte
keine schlechte sein, mögen durch solche Briefe auch öfters Schäden aufgedeckt, mag auch hin und wieder dadurch Böses verhindert werden, so darf das doch nicht zu einer Billigung und Anerkennung der anonymen Anzeigen führen, auch der blaße Schein der Billigung ist zu vermeiden. Der bestgemeinte unterschristlose Brie : verrät eine bedenkliche Schwäche und Mangel an offenem, ehrlichem Wesen, das bekämpft werden muß, um so mehr, da die Anerkennung dieser Art leicht Zuschriften bedenklicheren Charakters veranlaflen kann, auf jeden Fall das Vertrauen erschüttert.
Anonyme Scherzkarten und Briefe an Freunde sind gleichfalls zu mißbilligen. Gar manches Mal haben solche Schreiben sehr unangenehme Wirkungen hervorgerufen, indem der Adressat den Scherz nicht sofort heraussand. Dasselbe gilt in verstärktem Maße von anonymen Liebesbriefen. Diese bewegen sich auf einem Gebiete, das jedem heilig sein sollte; sie zeugen nicht von zartem Empfinden und guter Erziehung.
Für unterschristlose Briefe, die abgesandt werden in der Absicht zu kränken, zu beleidigen oder zu verleumden, gibt es keinen, sie genügend brandmarkenden Ausdruck. Fragt man einmal bei einzelnen an, was sie über solche Briefe denken, so üb-rbieten sie sich förmlich in Kraftausdrücken. Hier find zwei solche Aeuße- rungen: Ein resoluter Beamter erklärte: „Zu einem anonymen Briefe sind zwei notwendig: ein aus Lumpen gemachtes Stück Papier und ein Lump, der ihn schreibt." Sehr derb, aber treffend lautete die Antwort eines geschulten Arbeiters: „Wer anonyme Briefe schreibt, ist ein Schuft; hat eine gemeine Gesinnung, ist ein Feigling, eine hinterlistige Schlange; stiftet Unfrieden und Streit in Familien unter Kameraden, in der Gesellschaft; wenn ich jemanden etwas zu sagen habe, so sage ich's ihm grad vor den Kopf."
Etwas seiner ausgedrückt, heißt es: „Im anoymen Brief schreibt die Feigheit, was die Gemeinheit diktiert." Gar traurig sind die Folgen dieses schwarzen Handwerks! Wer wüßte nicht davon zu erzählen? Die Skandal- prozesse zeigen oft ein schlimmes Bild der Verheerung. Familien find entzweit, Verlobungen aufgelöst, Freunde in Feinde verwandelt. Nachbaren gegen Nachbaren, Untergebene gegen Vorgesetzte und umgekehrt ausgehetzt, ehrenwerte Glieder der Gesellschaft um ihren guten Namen gekommen. Wahrlich ein schwarzes Handwerk! Und man sollte meinen, nur auch sonst niedrig und gemein denkende Menschen, etwa der unteren Stände betrieben es; nein, die Skandalprozesse der letzten Jahre zeigen gerade Personen der sogenannten bessern Stände bei dieser Arbeit. Auch ist nicht zu verkennen, daß das weibliche Geschlecht eine besondere Neigung zum anoymen Schreiben hat.
Die wichtigste Frage ist die: Wie kann diesem traurigen liebet ab geholfen werden? Im Paragraphenwalde der Gesetze gibt es keinen besonderen Paragraphen gegen anonyme Briefschreiber. Am häufigsten fallen anonyme Briefe, und das ist sehr bezeichnend, unter die §§ 185, 186, 187 des deutschen Strafgesetzbuches, die von der Beleidigung, der einsachm Ehrenkrän- kunq, der üblen Nachrede und der Verleumdung wider besseres Wissen handeln und recht empfindliche Strafen festsetzen. Wenn es angängig ist, und besonders wenn schlimme Verleumdungen anonym verbreitet worden sind.
er. „Gordon hat in dieser Zeit sicher schivere Kämpfe zu bestehen gehabt zwischen seiner Anhänglichkeit zu der Mutter und der Liebe zu Alice. Aber feine Liebe wird — wie ich ihn trenne — den Sieg davontragen. Er achtet und ehrt feine Mutter, aber er wird nicht zulassen, daß sie zwischen ihn und das Mädchen tritt, welches er liebt. Und doch hat die Gräfin nicht ganz unrecht. Ein namenloses Mädchen ist nicht geeignet zur Gattin für den Grafen von Glenham."
Er trat in fein Zimmer, beeilte sich, seine Kleider zu wechseln, und ging dann hinunter ins Speisezimmer. Nachdem er sich hier erfrischt hatte, begab er sich in das Rauchzimmer.
Dieses Zimmer, der Lieblingsaufenthalt Lord Glenham's und feiner Gäste, war ein großer, langer und altmodisch möblierter Raum. Tie Wände waren mit Hirschgeweihen, ausgestopsten Vögeln und anderen Jagdrequisiten geziert. Eine lange Tafel stand in der Mitte des Zirners. Auf derselben befanden sich chinesische Tabaksurnen, Zigarrenkisten, Aschenbecher, kurze Pfeifen und sonstige zum Rauchen gehörige Gegenstände. An einem Bort am Eingang des Zimmers hinge» lange Pfeifen in allen Größen.
Crafton rückte sich einen Lehnstuhl an die Tafel, zündete sich eine Zigarre an, lehnte sich behaglich in den Stuhl zurück und überließ sich wieder feinen Zukunftsbetrachtungen.
Kaum fünf Minuten waren jedoch erst vergangen, als die Tür geöffnet wurde und Lady Glenham hereintrat.
Crafton sprang auf und steckte die Zigarre in einen Aschenbecher.
„Bitte, lassen Sie sich nicht stören, Mr. Grafton!" sagte die Gräfin indes freundlich. „Rauchen Sie Ihre Zigarre ruhig weiter! Der Auf- Wärter fügte mir, daß Sie soeben von Jnverrieß zurückgekehrt seien."
Crafton rückte der Gräfin einen Stuhl hin und diese nahm darauf Platz.
empfiehlt es sich wohl, das Gericht in Anspruch zu nehmen; , in sehr vielen Fällen wird der Täter wohl nicht festzustellen und daher eine Klarstellung unmöglich sein.
Vom Volke heraus muß eine gesunde und starke Reaktion gegen anonyme Schreiberei kommen. Die Preffe muß von Zeit zu Zeit energisch warnend ihre Stimme erheben, und selbst anonyme Anfragen und Berichte möglichst unbeachtet lasten.
Eine wichtige Aufgabe fällt hier der Schule zu. Daß die Kinder zu offenem, ehrlichem Handeln angeleitet werden sollen, ist eine ganz selbstverständliche Forderung. Manche Lehrpersonen benutzen aber auch jedesmal, wenn sie das Thema „Briefschreiben" behandeln, die Gelegenheit und knüpfen eine ernste Belehrung und Ermahnung über anonyme Briefe an. Geschieht dies allgemein, dann kann es nicht ohne bemerkbare Folgen bleiben.
Auch das Elternhaus kann mitwirken. Aus Familien, in denen die Unterhaltung nicht bloß aus ödem Klatsch, Stadt- oder Dorfgeschichten, Kritisieren des Tuns und Treibens der nächsten Bekannten besteht, wo nicht nur Verleumdungen verpönt sind, sondern auch liebloses und vorschnelles Urteil. Mutmaßungen, wie überhaupt alles gebauten- und kritiklose Wiedererzählen, werden sicher keine anonymen Brieffchreiber hervorgehen.
Das Erdbeben in Mexiko.
Von P. Chr. Stuhlmann 0. dl.I. (Puebla-Mexiko).
lieber das Erdbeben, das am 14. April dieses Jahres verschiedene Städte und Ortschaften Mexikos schwer heimgesucht, erhalten wir einen längeren Bericht des P. Stuhlmann 0. M. I., der in Puebla stationiert ist, und das Erdbeben miterlebt hat. Wir geben nachfolgend den in- terefscmten Bericht.
Am Abend des 14. April hatte ich viel zu tun, weshalb ich meine Nachtschicht über die gewöhnliche Zeit hinaus verlängern muhte. Doch schließlich macht der Schlaf wiederholt fo heftige Angriffe auf mich, daß ich ihn nicht mehr be- meiftern kann. Meine Uhr zeigt 11*4. Ich schlage die Bücher zu und begebe mich auf den Balkon vor meinem Fenster, um einige kräftige Züge der fo reinen, wohltuenden mexikanischen Nachtluft mit zu Bett zu nehmen. Ta drüben auf der Plazuela de San Francisco, auf welcher stets bis in den späten Abendstunden reges Leben herrscht, ist alles verstummt: nur die Kronen ihrer schlanken Palmen tremolieren pianissimo in der sanften Abendluft, gleich als wollten sie den in gemessenem Schritte einherschreitenden Nachtwächter in feinem Nachdenken nicht stören.
So, nun habe ich frische Luft genug. — Das Fenster zu, — flugs in die Federn, und die Kerze aus. Mit: „Vater laß die Augen Dein, — über meinem Bette fein", schloß ich Mund und Augen.
Ta! — da! — Was weckt mich? — Wie zittert das Haus!? — Fährt denn die Straßenbahn mitten in der Nacht? — Nein, nein! — O weh! ein Erdbeben! — Ich schaue durch's Fenster nach dem Popokatepetl: alles finster und ruhig. — Bereits steigert sich das Zittern zum st o ß w e i s e u Schütteln. Wie versteinert bleibe ich auf meinem Lager liegen: kalter Angstschweiß preßt sich auf die Stirn. Ich erhebe in einem Akt der Reue mein Herz zu Gott, jeden Augenblick erwartend, unter den Trümmern des Hauses begraben zu liegen. Da ruft mein Zimmernachbar, der hochwürdige Pater Rose: „Pater Stuhlmann, ein Erdbeben: laß uns hinauseilen!" Eben wollte ich mich erheben, da
„Bitte, fetzen auch Sie sich, Mr. Crastou", fuhr Lady Glenham fort. „Mein Sohn ist mit feinen Freunden au5gegangen, und mir verlangt nach einer Unterredung mit Ihnen."
Crafton verbeugte sich und nahm seinen Platz wieder ein.
„Sie hatten Glenham-Lodge vor meiner Ankunft verlassen und mögen deshalb den Zweck meines Hierseins nicht wissen", sagte die Gräfin. „Oder sprach Gordon am Ende doch mit Ihnen vor Ihrer Wiederabreise davon?"
„Ja!" erwiderte Crafton ehrerbietig. „Ich habe die Ehre, Lord Glenham's Vertrauen zu besitzen, und kenne die Ursache Ihres Besuchs hier."
„O, dann wissen Sie auch vielleicht schon, daß ich meinen Zweck durchaus verfehlte?" rief die Gräfin lebhaft. „Ich habe längst gewünscht, einmal offen mit Ihnen zu sprechen, Mr. Crafton. Sie sind verwandschaftlich mit unserer Familie verbunden und haben großen Einfluß auf meinen Sohn. Seine Neigung ist nun auf ein ihm völlig unebenbürtiges, namenloses Mädchen gefallen, welches er mir nimmer als Tochter zuführen kau» und darf! Mein Sohn hat mir alles, was dieses Mädchen betrifft, erzählt: wie dasselbe als Kind in das Hans des Pfarrers gebracht worden ist, um sie zu erziehen, und wie der Mann, der sie brachte, nie wieder etwas von sich sehen, noch hören ließ. Wohl sandte er jährlich fünfzig Pfundsterling zur Unterhaltung des Kindes, aber weiter kümmerte er sich nicht im geringsten um dasselbe, welche unzweifelhaft von englischer Geburt, aber ohne Herkunft und ohne Familie ist!"
Crafton staunte über diese Enthüllungen, allein er zweifelte nach Alice's eigenen Worten nicht an der Richtigkeit derselben.
„Wer und was sie auch fein mag", fuhr die Gräfin fort, „sie ist keineswegs geeignet zur Gemahlin meines Sohnes! Nie werde ich zugebe"
erfolgte ein starker Stoß. Alle Gegenstände meines Zimmers wackeln, die Glocken der naheliegenden Kirchen ertönen in wirrem Durcheinander. Mit den notwendigsten Kleidern bedeckt, laufe ich hinaus auf die Veranda, wo alsbald die übrigen Professoren im Nachtkostüme erschienen: Das erste Mal, daß wir uns gegenteilig so erblicken, aber wahrlich, ohne zu lachen. Wir knien nieder und beginnen ein Gesetz vom Rosenkranz zu beten. Das Schütteln und Rollen wird allmählich schwächer. Bedeutet dieses das Vorübersein der Gefahr, oder die Vorbereitung zu einer fatalen Katastrophe? fragt man sich mit Angst. Nach einigen zehn Minuten war alles still und ruhig. Ich schaute auf die Uhr, es war 11,45.
Hoffnung und Befürchtung miteinanber austauschend, gingen wir noch bis Mitternacht spazieren und dann wieder zu Bett. Erst nach 1 Uhr hatte sich meine Aufregung so weit gelegt, um einem leisen Schlummer Platz zu machen. Aber nach zwei Uhr wurde ich abermals durch ein schwaches Nollen aufgeschreckt. Ich griff nach meinem Rosenkränze und schlief beim Beten wieder ein.
Schon am frühen Morgen des folgenden Tages erhielt man die ersten gedruckten Nachrichten über die Vorgänge der verflossenen Nacht: „Eine oscilatorische Erders chütter- u n g, mit einem ziemlich starken Stoß in der Richtung SW—NO, setzte von 11,35 bis 11,42 Uhr der letzten Nacht die Bevölkerung unserer Stadt in nicht geringe Aufregung. Die bis jetzt eingelaufenen Nachrichten melden, daß der Helm des Kirchturms von San Agostin 6 er ab g e« st ü r 81 ist, ein Triumphbogen und mehrere Häuser schwer, andere leichter beschädigt sind. Der Hauptstoß war so stark, daß er alle Glocken der Stadt zum Läuten brachte und die Drähte der elektrischen Leitungen an vielen Orten losriß oder ineinander verwickelte." Viel mehr Schaden, als dieser erste Bericht angibt, ist überhaupt in Puebla nicht angerichtet worden. Was unser Gebäude erlitten, ist kaum nennens- - wert. Die nämliche Wandspalte, welche das Erdbeben vom Jahre 1902 verursacht hatte, hat sich von neuem geöffnet.
Noch am selben Nachmittage brach- ten die Zeitungen Nachricht aus der Haupt st adt Mexiko. Auch dort waren viele Häuser eingestürzt oder befchädigt. Den bedeutendsten Schaden hat das große Salesianer- Kolleg in der Colonia Santa Julia erlitten, welches zum größten Teil in Trümmer fiel, ohne daß es jedoch dabei ein Menschenleben gekostet hätte. Der Schaden wurde auf mehr als 40 000 Mark geschätzt.
Da die Erschütterung von Südwesten berge« kommen war, konnte man auf schlimmere Nachrichten aus den Südprovinzen gefaßt sein. Der folgende Tag bestätigte diese Befürchtung. Fast zwei Drittel der Städte Chilapa und Chilpanzinco ioaren dem Erdboden gleich. Die Bewohner waren ausgezogen und kampierten unter freiem Himmel, um nicht unter Trümmern begraben zu werden, denn das Erdbeben hielt daselbst noch immer an und horte erst mit dem 19. April vollständig auf. Das Seminar und die schone Kathedrale von Chilapa, loelche sich unter so großen Opfern eben erst aus dem Trümmerhaufen von 1902 erhoben hatte und demnächst feierlich dem öffentlichen Gebrauche übergeben werden sollte, waren ein trauriges Opfer der Katastrophe geworden.
Nach den Zeitungsberichten zu schließen, hat das Erdbeben vom 14. April nur höchstens 30 bis 40 Menschenleben gekostet, wenn auch sehr viele dabei schwer gefährdet wurden. Man hat sieh auch in gelehrten Kreisen nach der Ursache desselben gefragt. Zuerst führte man es auf eine gewaltige unterseeische Eruption irn stillen Ozean, südwestlich von Mexiko zurück, weil daselbst in jenen Tagen große Massen toter Fische
daß mein Sohn ein namenloses Mädchen heiratet, welches ihm nicht ebenbürtig ist!"
„Aber sie ist schön wie ein Engel", konnte Crafton nicht umhin, zu entgegnen, „und schön wie ihr Aeußeres ist sie mich von Herzen und Seele!"
Die Gräfin sah den Sprechenden überrascht an; aus feinen Worten schloß sie mit Recht, daß der Vertraute ihres Sohnes wie dieser Alice selber leidenschaftlich liebte. Ein Strahl des Triumphes blitzte in ihren Augen auf. Wie, wenn ihr das die Handhabe bot, Alice dem jungen Grafen zu entfremden?
„Mr. Crafton", begann die Gräfin von neuem, „die Männer unserer Familie haben noch niemals unter ihrem Rang geheiratet, und mein Sohn darf mir nicht die Beleidigung zufügen, mir dieses Mädchen als Tochter zuführen zu wollen. Ihre Begeisterung nun verrät mir, daß auch Sie dieses Mädchen lieben. Bei Ihnen liegt die Sache noch anders. Sie haben keinen Titel, den Sie rein halten müssen, Sie haben auf,feine Angehörigen Rücksicht zu nehmen, Sie können heiraten, welches Mädchen Sie wollen. Und —, nun wohl, ich würde Sie als den wahren Freund meines Sohnes betrachten, wenn Sie Miß Romberg bewegen könnten, Ihr Weib zu werden. Ich will ihr vierhundert Pfund jährlich aussetzen für ihr ganzes Leben, wenn es Ihnen gelingt."
Crafton frohlockte innerlich. Dieses Anerbio» ten überstieg alle seine Erwartungen. Er liebte Alice mit verzehrender Leidenschaft und das Geheimnis ihrer Herkunft beeinträchtigte seine Empfindungen für sie in der Tat nicht im mindesten.
„Aber sie liebt mich nicht", sagte er langsam, „und darum wird sie nie einwilliaen. die Meine zu werden."
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