Zeitung
Maer
34. Jahrgang.
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§ Zehn Jahre unter dem handwerker- gesetze.
Am 26. Juli ds. Js. waren 10 Jahre verflossen, seit dem Handwerkerstands durch Gesetz eine neue Standesordnung gegeben wurde. Das Handwerkergesetz vom 26. Juli 1897 ist ein wichtiger Markstein in der Geschichte der neueren Handwerkergcsetzgebung. Es stellt das vorläufige Ergebnis eines jahrzehntelangen, ja, man kann fast sagen, hundertjährigen Ringens der Handwerker um eine Neuregelung ihrer Standesrechte dar. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts machte Preußen mit der Einführung der Gewerbefreiheit den Anfang. Seitdem ist der Kampf um eine Neuordnung des Hand- werkerrecktes eigentlich nie mehr ganz zur Ruhe gekommen. Statt daß man bei der Reform des Handwerkerrechtes an das bestehende Alter verständig anknüpfte, riß man zu Anfang de? vorigen Jahrhunderts das überkommene freilich morsche Gebäude der alten Zunft völlig nieder, ohne etwas Neues an seine Stelle zu setzen. 1845, noch mehr 1849 suchte man beispielsweise in Preußen eine Neuordnung des Gewerberechts unter Berücksichtigung der' wichtigsten Handwerkerforderungen vorzunehmen. Aber dieser Versuch befriedigte schließlich weder die Handwerker, noch auch die der liberalen Wirtschaftstheorie immer mehr geneigten Regierungen. Ende der 60er Jahre wurde die Gewerbcfreiheit und damit derselbe Zustand wieder eingeführt, der zu Anfang des Jahrhunderts bestanden hatte.
In den 70er Jahren hat man dann unter dem Drängen der handwerkersreundlichen Parteien allmählich g an z von unten wieder anfangen müssen. In dem Himmelblau der liberalen Aera der 70er Jahre war dos keine Kleinigkeit. Der Antrag Galen (1877), der u. a. auch eine Neuordnung des Handwerkerrechtes forderte, wurde noch mit Spott und Hohn ausgenommen. Es kamen die Novellen von 1878* 1881, 1884, 1887. Sie kannten aber den berechtigten Handwerkerwünschen nicht genügen. Endlich gelang es im Jahre 1897 den vereinigten Bestrebungen des Zentrums und der Deutschkonservativen,
ein neues Handwerkergesetz zustande zu bringen, das zwar die Handwerkerwünsche auch nicht völlig erfüllte, aber doch einen ganz bedeutenden Fortschritt gegenüber den früheren Zuständen bedeutete.
Durch das Handwerkergesetz vom Jahre 1897 wurde dem Handwerk eine, wenn auch nicht vollkommene, so doch ohne Zweifel brauchbare Rechtsgrundlage für eine organische Aus- gestaltung einer Standesorganisation gegeben. Die
Innung bildet die geeignete Grundlage dieser Organisation. Gemäß ihrer Natur als Standeskorpo- rationen finden alle Glieder des Handwerks, Meister, Geselle (Gesellenausschuß) und Lehrlinge in ihr ihre Vertretung. Die Innungen finden eine natürliche Ergänzung durch die Jnnungs- ausschüsse. Sie sind ein geeignetes Mittel, um die gemeinsamen Aufgaben der Innungen eines Bezirks durchzuführen. Ueber beiden steht als umfassendere Organisation der Jnnungs- verband, der Innungen in größeren Fachverbänden zusammenschließt. Die Spitze in der Pyramide der-Handwerkerorganisation bilden die Handwerkskammern, denen die Förderung
Die Perle iles SchNMznMs.
Roman von E d. W a g n e r.
20] «Nachdruck verboten.)
Zwölftes Kapitel.
Nach ihrem Besuch zu Glenham-Lodge in Castle-Cliff wieder angelangt, beschied Lady Trevor sogleich Mr. Pulford zu sich.
Ungeduldig in ihrem Salon auf- und abschreitend, erwartete sie ihn in furchtbarer Erregung.
Lächelnd wie immer trat Pulford ein; kaum aber bemerkte er die Aufregung der Lady Trevor, als er hastig und bestürzt fragte:
„Was ist geschehen?"
Er kam nicht weiter, so heftig wandte Lady Trevor sich ihm z« ffnb mit ehret Stimme, die ihre ganze fieberhafte Aufregung verriet, brachte sie hervor:
„Ich habe versprochen, Ihr Weib zu werden, Horace Pulford! Damit sind meine Interessen auch die Ihrigen! Was sagen Sie also, wenn ich Ihnen erkläre, daß ich von einem Verhängnis bedroht und verloren bin, wenn Sie mich nicht retten?"
Sie war dicht an ihn hingetreten und ihre Augen blitzten in den seinen.
Aber er ließ sich so leicht nicht erschüttern.
„Was könnte Sie bedrohen?" fragte er kühl. „Reden Sie deutlicher!"
„Wohlan denn!" fuhr die Lady fort. „Wissen Sre, wer diese Alice Romberg ist, welche Lord Glenham liebt und welche er zu heiraten entschlossen ist?"
„Wie sollte ich das wissen? Und was geht das Sie und mich an?" versetzte er scharf.
„Das sollen Sie gleich hören!" entgegnete sie ebenso. „Diese Alice Romberg also ist von englischer Geburt, und er traf sie in Schönau!"
der Handwerkerinteressen ähnlich den Handelsund Landwirtschaftskammern zur Aufgabe gestellt ist. Die vornehmste Pflicht aller Handwerkerkorporationen ist die Fürsorge für den
Handwer kernachwuchs.
Das Gesetz hat dies Bestreben nach allen Richtungen zu unterstützen gesucht, insbesondere durch Einführung der Gesellen- und Meisterprüfung, des fakultativen Zwangscharakters der Innung und anderes mehr.
Wenn wir uns nun nach zehn Jahren nach Erlaß des Gesetzes fragen: Wie hat das Gesetz gewirkt?, so können wir mit Genugtuung feststellen, daß manches im Handwerk besser g e w o r d e n ist. In der Organisation des Handwerks sind Fortschritte gemacht worden, die Fürsorge für das Lehrlingswesen hat mehr Ordnung und Regel, Plan und Ziel bekommen, lausende junger Handwerker machen jetzt alljährlich ihre Gesellen- und Meisterprüfung und die Zahl nimmt von Jahr zu Jahr zu, kurz das Gesetz hat der Standesbewegung des Handwerks nach jeder Richtung einen neuen Anstoß gegeben. Als eine ganz besonders wertvolle Neuerung haben sich die Handwerkskammern erwiesen. In der Organisation des Handwerks, in der Regelung des Lehrlingswesens, in der Fürsorge für die fachliche und kaufmännische Schulunss des Handwerkerstandes, in der Aufklärung desselben über die dringenden Aufgaben der Zeit, in der Vertretung seiner Interessen gegenüber den Behörden und der Gesetzgebung leisten sie dem Handwerk von Jahr zu Jahr wertvollere Dienste. Aber was bisher geschehen ist, ist doch immer nur erst ein Anfang. Viel, viel mehr bleibt noch zu tun übrig. Zahlreiche Handwerker nehmen noch immer keinen Anteil an der Standesbewegung. Andere, denen das Gesetz von 1897 nicht genug brachte, stehen noch immer verärgert untätig beiseite und wiederholen ständig die gleichen Sprüche ihres Kritikafter-Katechismus. Teilweise sehen sie selbst eine Freude darin, bestehende Organisationen durch ihre fortgesetzte überwollende Kritik zu untergraben und zu vernichten. Noch immer tönt aus den Reihen der Handwerker die Melodie vom Neide, von der Uneinigkeit, Jntereffelosigkeit. Zahlreiche Innungen bestehen nur dem Namen noch; was sie vollbringen an praktischer und nützlicher Arbeit, geht auf einen Fingernagel. Noch immer werden im Handwerk Stimmen laut, die vom Staate alles, von der Selbsthilfe wenig oder nichts erwarten.
Das Handwerker-Gesetz von 1897 ist zweifellos eine brauchbare Grundlage für eine Hand- werksiands-Orgamsaiton. Das schließt nicht aus, daß es der
Vervollkommnung bedarf.
Das Handwerk hat sich darüber beschwert, daß das Gesetz den Befähigungs-Nachweis und die obligatorische Innung nicht enthalte. Während die letztere Forderung in der jüngsten Zeit weniger mehr hervorgetreten ist, ist die Frage des Besähigungs - Nachweises bis in die letzten Jahre hinein außerordentlich lebhaft diskutiert worden. Der Kölner Kammertag hat dann den Befähigungs-Nachweis als zur Zeit unerreichbar abgelehnt, dagegen um so nachdrücklicher den sogen, kleinen Befähigungs-Nachweis nebstdem BesähigungS-Nachweis für das Baugewerbe gefordert. Mit Hilfe der handwerkersreundlichen Parteien des Reichstages ist die letztere Forderung bereits erledigt, während die andere noch
Pulford taumelte förmlich zurück. Das Wort traf auch ihn wie ein Schlag ins Gesicht.
„In Schönau?" wiederholte er ungläubig.
„In Schönau, ja!" bestätigte Lady Trevor.
„Und ohne Zweifel wissen Sie jetzt, wer sie ist!" Pulford stieß eine Verwünschung aus.
„Warum", fuhr die Lady fort, „wurde das Mädchen in dem Schönauer Pfarrhause auferzogen? Der Pfarrer und seine Schwester waren doch ohne Zweifel gebildete Leute, die daS Mädchen in allem unterrichten konnten, so daß sie nun imstande ist, einen Platz in der ersten englischen Gesellschaft auszufüllen und Lord Glenhams Wahl Ehre zu machen. Denn er ist entschlossen, sie zu heiraten. Er wird wieder nach Schönau reisen; er wird sie nach England bringen, der Marquis von St. Leonards wird sie sehen und damit ist mein Verderben besiegelt für immer!"
Und sie rang verzweifelnd die Hände, während ihr ganzes Gesicht zuckte in der Leidenschaft des Hasses.
„Sind Sie auch sicher, Edith, ganz sicher, daß Sie sich nicht täuschen?" fragte er langsam und betont.
„£>, leider nur zu sicher!" stieß sie aus. „Lady Glenham erzählte mir heute die ganze Geschichte. Sie sagte, daß die, Herkunft des Mädchens ein Geheimnis sei, und die ganze furchtbare Größe der Gefahr, welche mich bedroht, trat mir vor die Seele. Es ist alles verloren, wenn der Marquis sie entdecken sollte,aber ehe ich die Schmach ertrage, nehme ich mir selber das Leben!"
Allein auch jetzt noch blieb Pulford vollkommen ruhig.
„Sie sind zu aufgeregt, Edith!" sprach er. „Noch gibt es einen Ausweg! Das Mädchen muß von Schönau entfernt und für immer aus Lord Glenham'8 Bereich gebracht werden, und zwar muß es unverzüglich geschehen!"
der Erledigung harrt. Es dürfte aber kaum emem Zweifel unterliegen, daß die Vorlage betr. den sogen, kleinen Befähigungs-Nachweis im nächsten Winter verabschiedet wird. Damit wären wrr dann in der Handwerker Gesetzgebung einen be- deutenden Schritt vorangekommen. Diese Errungenschaften mögen denn allen Handwerken: ein Ansporn sein, mit um so größerem Eifer an der gemeinsamen Standesarbeit sich fortan zu be- teiligen!
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Juli 1907.
* Die Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren soll nunmehr endgiltig a n 3. August erfolgen und zwar wird sie dem ,B. T/ zufolge bei Swinemünde stattfinden. Die Zusammenkunft wird sich an Bord der Schiffe auf hoher See vollziehen. Blätteru.eldungen zufolge ist aus Anlaß dieser Zusammenkunft der Flottenmanöver- plan abgeändert worden. Die llebungen der Schlachtflotlille sollen niht bei Helgoland, sondern in der Ostsee und bei Swinemünde statt- finden. Zu der Kaiserflottille soll auch die Hochseeflotte stoßen, sodaß dort Anfang August die Flotte vereinigt, sein wird. Wie verlautet, wird auch der russische Minister Iswolski an der Zusammenkunft teilnehmen.
* Wilhelm 1L und die Exkaiserin Eugenie. Ein Telegramm aus Bergen meldet, daß der Kaiser am Sonnabend der französischen Exkaiserin Eugenie einen Besuch auf ihrer Yacht „Thistle" abgestaitet und mehrere Stunden lang bei der Witwe Napoleons III. verweilt habe. Der Kaiser hat auf seinen nordischen Reisen schon mancherlei Begegnungen gehabt, er hat zahlreiche Ausländer, und besonders zahlreiche Franzosen empfangen, und besucht. Keine dieser Begegnungen erscheint, wenigstens nach außenhin, 'interessanter, als diese mehrstündige Unterredung mit der Fran, die durch den Krieg von 1870/71 ihrer Macht und ihres Glanzes beraubt worden ist. Die Exkaiserin Eugenie, die fast all' ihre Verwandten und fast alle, die ihr einst in den Tagen des Kaiserreiches nahegestanden, mit so seltener Widerstandskraft überlebt hat, ist heute 81 Jahre alt.
* Kardinal Kopp und der Reichskanzler. Das Telegramm, das, wie gemeldet, Fürst Bülow an Kardinal Kopp gerichtet hat, hat folgenden Wortlaut: „Euer Eminenz sende ich zum 70. Geburtstag in treuer Verehrung meine herzlichsten Glückwünsche. Möchte Gott uns Ihre Kraft noch lange ungeschwächt erhalten und seinen Segen auch ferner auf der Arbeit ruhen lasten, die Euer Eminenz in unermüdlicher Pflichttreue seit so vielen Jahrer Ihrer Kirche und dem Vaterlande gewidmet, und der beide soviel verdanken. Reichskanzler Fürst Bülow."
* Ueber die Besetzung des Posener Erzbischofsstuhls sind, wie d.e ,Voss. Ztg/ hört, noch keinerlei Bestimmungen seitens der preußischen Regierung getroffen worden. Nach Eingang der Vorschläge des Domkapitels Posen- Gnefen seien Verhandlungen gepflogen worden, die noch sortdauern und deren Beendigung anscheinend noch in weitem Felde stehen.
' * Mit dem Ministerialdirektor Althoff beschäftigt sich die liberale Presse noch immer. Er soll ebenso wie Kultusminister Studt als Opfer der neuen liberalen Aera fallen. Nun erleben wir es aber, daß Althosf von derselben Seite f ü r
Lady Trevor frohlockte, doch sie verbarg es vor ihm.
„Aber wer soll es tun?" fragte sie wie zaghaft.
„Ich!" versetzte er mit Schärfe. „Ich werde es tun! Ihre Interessen und die meinen sind fortan eins, wie Sie ganz richtig sagten, und ich bin bereit, wenn es sein muß, selbst ein Verbrechen zu begehen, um meine Pläne zu verwirklichen. Ich werde sogleich nach Schönau aufbrechen und nicht zurückkehren, bevor ich mein Werk vollbracht habe!"
Lady Trevor sah in sein von finsterer Entschlossenheit zeugendes Gesicht und neue Hoff- nungen regten sich in ihr.
„Rette mich, Horace!" rief sie, wieder vor ihn hintretend, in leidenschaftlicher Erregtheit. „Rette mich, und ich will Dich heiraten, sobald das Mädchen beseitigt ist!"
„So wird also unsere Heirat in der nächsten Woche stattfinden, denn das Mädchen soll und wird in wenigen Tagen aus dem Wege geräumt sein!" antwortete er mit einem Blick, in dem Tod und Verderben standen.
Nur noch wenige Worte wurden gewechselt; hierauf umarmte und küßte er die Lady, was sie in stummer Ergebung über sich ergehen ließ, und machte sich dann ohne Verzug an seine Vorbereitungen für die Abreise. Keine Stunde denn auch währte es, bis Lady Trevor den Mann fortreiten sah, den sie so bitter haßte und auf den sie doch nun ihre ganze Hoffnung gesetzt hatte. Von dem Erfolg seiner Mission hing ja für , sie in der Tat alles ab. Aber sie zweifelte auch nicht daran, daß er feine Mission vollführen würde. Sie wußte es vielmehr: — er würde, um das Mädchen zu beseitigen, wenn es sein mußte, selbst vor einem Verbrechen nicht zurückschrecken. War das aber geschehen, so dachte sie nicht im Traume daran, Pulford das gegebene Wort zu halten. Hatte sie ihr Ziel erreicht, war Alice
den Liberalismus in Anspruch genommen wird. Ganz deutlich ist dies zu lesen in einer Zuschrift, welche, die .Lkationalz." aus akademischen Kreisen erhalten hat. Die Zuschrift lautet: „In der Presse wird der Rücktritt Dr. Althoffs aus seiner Stellung als Mini- fterialbirettor zum 1. Oktober angekündigt und als eine Folge des Abgangs des Ministers Studt kommentiert. Was das letztere an langt, so wird jeder, der den Dingen etwas näher steht, diese Mitteilung als stark in die Irre gehend ansehen, wenn anders sie bedeuten soll, daß Dr. Althoff ein Hindernis der Blockpolitik sei und als solches weichen müsse. Dr. Althoff gehört überhaupt keiner politischen Partei an, er dient wie ein rechtschaffener preußischer Beamter nicht einer Partei, sondern der Sache. Soll er aber durchaus dem politischen Scherns eingereiht werden, dann ist wenigstens so viel gewiß, daß er niemals im Dienste der ultra» montan-konservativen Politik gestanden hat. Eher kann man sagen, er vertrat im Ministerium die liberale Richtung, besonders in der Universitätspolitik, wenn man darunter ein« Politik versteht, die in erster Linie nicht nach de« Richtung und Gesinnung, sondern nach der wissenschaftlichen Tüchtigkeit fragt. Und in der Schulpolitik ist er nicht minder ein Vertreter des F r e i h e i t s p r i n z i p s, vor allem im Gebiet des höheren Schulwesens: ihm vor allem ist die Reform von 1901 zu verdanken, die Freiheit der Wege geschaffen und den realistischen Anstalten die aufsteigende Entwickelung ermöglicht hat. Ihm ist «s auch vorziiglich zu verdanken, daß den Bestrebungen auf größere Bewegungfreiheit auf der Oberstufe unserer höheren Schulen die freie Gunst der obersten Verwaltung entgegenkommt. Uebrigens ist auch das eine T auf chung, wenn man meint, daß der Abgang Dr. Althoffs in den akademischen Kreisen mit'Gefühlen der Befriedigung begrüßt werden würde. Gewiß, er hat Gegner und Feinde, es ist undenkbar, daß ein Mann in dieser vorgeschobenen Stellung sie nicht habe. Die groß« Mehrheit aber würde sein Scheiden mit Bedauern sehen:so viel Kraft, Sachkunde, Ener- bie," mit Sachlichkeit und persönlicher Hingebung an die Interessen der Wissenschaft und Bildung vereint, würden nicht so bald in einer Persönlichkeit sich wieder beisammen finden. Das ist die Anschauung, die sich mehr und mehr durch- gesetzt und die Beurteilung aus kleinen und kleinlichen Gesichtspunkten zurückgedrängt hat." Was sagt hierzu der entschiedene Liberalismus, wie er sich in den Spalten des „Verl. Tagebl." wiederspiegelt?
* Die höhere Postlaufbah» soll vermutlich gegen Ende des Jahres 1907 wieder geöffnet werden, nachdem seit langen Jahren keine Anwärter mehr angenommen worden sind. Die Laufbahn erfährt eine vollständige Umgestaltung. Voraussetzung für den Eintritt ist nach wie vor die Reifeprüfung. Der Dienst beginnt mit einer einjährigen Elevenzeit zur praktischen Ausbildung der Anwärter in dem Verkehrsdieuste der Post und Telegraphie. Die Anwärter werden während dieser Zeit einzelnen Post- und Telegraphenämtern zugewiesen, hierauf folgt ein dreijähriges akademisch es Studium auf der Universität. Von der Studienzeit können auch zwei Jahre auf einer technischen Hochschule zugebracht werden. Drei halbe Jahre auf außerdeutschen Universitäten oder technischen Hochschulen können ebenfalls angerechnet werden. Gegenstand des Studiums sind Nationalökonomie, Einführung in die Staats- und Rechtswissenschaften, Post- und Telegraphenrecht, Grundzüge des bürgerlichen Rechts, Handelsrecht, Gerichtsverfassung, Physik und Chemie mit besonderer Berücksichtigung der Elektrotechnik für die Zwecke der Telegraphie und des Fernsprechwesens einschließlich der zugehörigen Starkstrom
ans ihrem Wege, dann wollte sie schon auch die Mittel finden, sich gleichfalls seiner zu entledigen. Denn erst, frei auch von ihm, konnte sie ja daran denken, sich den Mann ihrer Liebe zu erringen. Um den Preis.aber war sie zu allem bereit und führte der Weg zum Siege selbst über Menschenleben hinweg, — sie schrak vor nichts znriick, — wenn sie nur triumphierte — triumphierte!
Am nächsten Tage — der von Lady Trevor zum Besuch der Bewohner von Castle-Cliff angesetzt war — wurde es der schlauen Intrigantin erst klar, welche Vorteile ihr dabei Pulford's Abwesenheit gewährte. Gras Glenham, sowie dessen Mutter und deren Gäste stellten sich frühzeitig ein. Lady Edith war äußerst liebenswürdig und wandte alle ihre Künste an, um des jungen Lords Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Dieser aber blieb für alles unempfindlich. , Der Gedanke an Alice verließ ihn nicht bei Tag und Nacht und stählte ihn gegen alles Blendwerk. Im Vergleich zu Alice erschien Lady Trevor ihm wie eine Karrikatur.
Als die Gesellschaft sich wieder aufgelöst und die Gäste sich entfernt hatten, mußte Lady Trevor sich sagen, daß alle ihre Anstrengungen vergebens gewesen waren.
Nichtsdestoweniger entstand von diesem Tage an ein lebhafter Verkehr zwischen Castle-Clisf und Glenham-Lodge. Gräfin Glenham und Lady Trevor kamen fast täglich zusammen. Auch Gordon stattete oft Besuche im Schlosse ab, aber es war offenbar, daß er damit nur der Form genügte und nicht etwa dem Zuge seines Herzens folgte.
Am Tage nach der Tischgesellschaft, verließ der Marquis von St. Leonards, begleitet von feinem Diener, das Schloß in demselben Wagen» in welchem er von Jnverneß gekommen war. Ec kehrte nach London zurück, mißmutig darüber, daß es ihm nicht gelungen war, Lord Glenham zur Ismkehr von seiner Verirrung au bewegen«