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wochenberlage: „Illustrierte Sonntagszeitung"
Anzeigen, vir «i» spaltige petitzeil« ode deren Saum |5 pfg Rtflamen »le Petit,eil 25 Pfg.; bei wieder hoiunaen wird entipr Rabat i ntrodbrt
Hotati onsötud u Verlag der «uldaer He tiendr ickerei in Hulda Herrlvreber Nr.
34. rXnhrnann.
Fulda, Donnerstag den 25. Juli 19u7.
M 168.
]:[ Der neue Syllabus.
Vor einigen Tagen ist ein neuer Syllabus veröffentlicht worden. Da die weitaus meisten Leser der „Fuldaer Ztg." mit solchen Fragen wenig zu tun haben, fei zuerst die Frage kurz dargelegt:
„Was versteht man unter Sylla- b u s?"
Syllabus heißt wörtlich auf deutsch: Verzeichnis. Gemeint ist hier speziell das Verzeichnis der hauptsächlichsten Irrtümer unserer Zeit, welches auf Befehl Papst Pius IX. am 8. Dezember 1864 von Kar- dtnal Antonelli an alle katholischen Bischöfe des Erdkreises versandt wurde. Diese Irrtümer waren vorher schon einzeln gerügt worden in verschiedenen offiziellen Anreden des Papstes (Allo- kutionen), Rundschreiben (Enzykliken), und apostolischen Schriften und wurden im Syllabus nur ochmals zusammengestellt in 10 Paragraphen, welche zusammen 80 solcher Irrtümer aufzählten.
Der Syllabus enthält also nicht eine Aufzählung von Glaubenssätzen, sondern von modernen Irrtümern. Dieselben werden verurteilt, ohne daß sie dabei einzeln widerlegt werden. Auch ist im Syllabus nicht den einzelnen Irrtümern die Wahrheit gegenüber gestellt. — So heißt z. B. der 2. von den 80 zusammengestellten Irrtümern: „Jede Einwirkung Gottes auf die Menschen und die Welt ist zu leugnen."
Der Syllabus hat den Zweck, den gläubigen Katholiken zu zeigen, welche Stellung sie zu den modernen Irrtümern einzunehmen haben und was sie von der modernen Kultur als berechtigt annehmen, was sie als unberechtigt zurückweisen müssen.
Als im Jahre 1864 der Syllabus erschien, da machte er bei Freund und Feind der katholischen Kirche gewaltiges Aufsehen. Die treuen Katholiken freuten sich, daß sie gegen die Bestrebungen religiöser und sittlicher Auflösung eine klare und bestimmte Grundlage für ihr gesamtes Kämpfen und Leben erhielten, die „li b e r a I e n Katholiken" nahmen die Veröffentlichung mit Befürchtungen auf, hielten sich aber schließlich doch daran, die G e g n e r der Kirche verurteilten und verwünschten den Syllabus als ein „förmliches Absageschreiben des P ap stes an die moderne K u l- t u r." In Rußland und in Frankreich wurde die öffentliche Verlesung von den Kanzeln nicht gestattet. Andere Staaten legten Protest ein, daß •er Syllabus durch das vatikanische Konzil int ■ö'aljre 1870 zum Glaubenssatz erhoben (dogmati- siert) werde. Das ist auch nicht geschehen, aber doch wurden die Beschlüsse des Konzils als Bestätigung des Syllabus aufgefaßt und verwertet und so ist seine Autorität seit 1870 gestiegen.
Nunmehr ist ein neuer Syllabus erschienen. In seiner Einleitung wird gesagt,daß unser Zeitalter bei Erforschung der höchsten Ursachen keinerlei Zügel dulden will, auch wo es sich um Auslegung der hl. Schrift und um Geheimnisse des Glaubens handelt. Es sei tief zu beklagen, daß es auch unter den Katholiken nicht wenig Schriftsteller gebe, welche unter dem Anschein einer höheren Intelligenz und unter dem Scheine, als ob man die Fragen nur geschichtlich würdigen wolle, einen Fortschritt in de n Glaubenssätzen suchen, der in Wirk- lichkeit die V e rnichtung dieser Glau-
Ae Pnir Les SlhnMMlW.
Roman von Ed. ,Wa g ner.
li (Nachdruck verbalen.)
„Sie sind in England geboren. Miß Romberg? Waren Sie denn nicht die Nichte Les Schönauer Pfarrers?" fragte Crafton verwundert.
„Nein, ich war nur sein Pflegekind, ohne Angehörige, ohne Herkunft!" versetzte Alice. „Doch lassen Sie uns nicht darüber sprechen, Mr. Craf- ton. Ich denke nicht daran, das Geheimnis meiner Geburt enthüllen zu wollen, und will darum auch gar nicht über die Sache nachsinnen."
„Aber wenn Sie mir Ihre Geschichte erzählen wollten, würde i ch vielleicht imstande fein, Ihre Verwandten zu entdecken!" entgegnete Crafton.
„Ich verlange nicht danach," sagte das Mädchen stolz. „Was ich von meiner Geschichte weih, mögen Sie aber immerhin erfahren. Ein Mann — dem Anschein nach ein Gentleman — brachte wich vor vierzehn Jahren in das Schönauer Pfarrhaus. Ich war damals ein Kind von drei Jahren. Der gute Pfarrer und feine Schwester nahmen sich meiner an, erzogen mich und gaben ww den Namen, den ich führe; weiter habe ich kein R«ht auf irgend einen Namen, noch auf ngend sonst etwas in der Welt, Mr. Crafton. Und deshaw lassen Sie uns von etwas anderein sprechen., Erzählet: Sie mir von Schönau. Was hatte Ste sobald dorthin zurückgeführt?"
„Das Verlangen, Sie wiederzusehen, Sie und oen guten Herrn Pfarrer!" antwortete Crafton mit Wohlüberlegung. „Denken Sie fich deshalb mein .Staunen und meine Bestürzung, als ich von fernem,Tode und Ihrer Abreise hörte. Man sagte mir, daß Sie nach London gegangen seien, niemand aber wußte etwas weiteres von Ihrem
b e n 8 s ä tz e enthält. Damit nun nicht diese Irrtümer, welche tagtäglich verbreitet werden, in den Seelen der Gläubigen Wurzel fassen und die Reinheit des Glaubens bedrohen, sollen die bedeutendsten der Irrtümer aufgezählt und verworfen werden. —
Nun folgen diese Irrtümer. Es sind insgesamt 65.
Während aber der alte Syllabus nicht bloß Feststellung von Glaubenswahrheiten in bezug auf die religiösen Tinge enthält, sondern sich auch vielfach mit den Beziehungen von Kirche und Staat und dann mit den politischen Richtungen in ihrem Verhältnis zur Kirche beschäftigt, ist der neue Syllabus rein religiöser, innerkirchlicher Natur. Er hat die feit 1864 hervorgetre- tenen neuen Irrtümer zum Gegenstand, welche von Gelehrten der Theologie vornehmlich bei der wissenschaftlichen Kritik oder Exegese der Bücher des alten und neuen Testamentes und auf dem Gebiet der Dogmatik begangen worden sind. Auch die kirchliche Disziplin inbezug auf den Gehorsam in Sachen des Glaubens wird darin behandelt. Hauptsächlich erstreckt er sich auf französische und italienische Verhältnisse und berührt in erheblich geringerem Maße deutsche 2?o rkomm nisse; so wird z. B. die Schell'sche Angelegenheit nur in den Sätzen 7 und 8 gestreift. Trotzdem hat fich an diese Veröffentlichung auch wieder ein großer Zeitungssturm geknüpft.
Das Schreckgespenst „Syllabus" wird in der liberalen Presse vorwärts und rückwärts behandelt und dabei ein Getöse gemacht, als habe der Papst die ärgste „Reaktion" sanktioniert. Diese sinnlosen Schreibereien über einen Gegenstand, von dem liberale Organe so wenig verstehen wie der Dachs von der chromatischen Tonleiter, findet sich ober auch nur in den deutschen Organen dieser Partei. Der italienische liberale „Corriere della Sera" urteilt viel vernünftiger über den Syllabus. Auch der liberale republikanische Pariser „Temps" (protestantisch) sagt, der Syllabus sei im allergrößten Teil nichts weiter als „eine Verteidigung der Grundlag en d e r ch r i st l i ch e n R e I i g i o n". Ist das nicht eine gesalzene Ohrfeige für die deutschen liberalen Organe? Was liegt ihnen auch an der Verteidigung der Basis des Christentums? (Nicht des Katholizismus, wohlgemerkt I)
Daß es sich bei den: neuen Syllabus in der Tat hauptsächlich nur um eine Verteidigung der Grundlagen des Christentums handelt, scheint übrigens allmählich auch die liberale „Münchener Allgemeine Zeitung" zu merken; denn sie schreibt giftig: „Im allgemeinen wird man sagen können, daß der neue Syllabus in der Mehrzahl seiner Sätze mich in den Ohren der protestantischen Orthodoxie lieblich klingen, ia vielleicht bei ihr ein leiseres ober lauteres Bedauern darüber wecken wird, daß die Kirche der Reformation einer so heilsamen Einrichtung entbehrt, wie das „Heilige Offizium" ist."
"Im allgemeinen würden Laien gut tun, sich der Besprechung überhaupt zu enthalten, weil ihnen das theologische Rüstzeug fehlt. Besonders sollte sich das die liberale Publizistik gesagt sein lassen, hier versagen ihre altgewohnten Phrasen gänzlich. Der ganze Sturm wird übrigens so wenig wie im Jahre 1864 etwas ausrichten. Im Gegenteil, er bringt eine heilsameKlärung und macht den Meinungsverschiedenheiten im eigenen Lager ein Ende.
KarMnal MMschof vr. Kopp,
der am Anfänge d. I. fein 25jähriges Bischofs- Jubiläum feiern konnte, begeht heute (25. Juli) seinen 7 0. Geburtstag. Er weilt gegenwärtig auf seinem Schlosse JohanmSberg in Oesterreichisch- Schlesien. Das ganze katholische deutsche Volk gedenkt an diesem Tage dieses bedeutenden Kirchen- sürsten mit dem Wunsche, daß der Herr ihn noch lange erhalten möge zum Nutzen und Segen seiner Diözese und der Kirche in Deutschland. Jnsbe° sondere die Diözese Fulda, deren Bischof Kardinal Kopp in den Jahren 1881—1887 war, sowie die Stadt Fulda, deren Ehrenbürger er ist, nehmen an diesem Freudentage innigsten Anteil. Kardinal Kopp hat an der Stück für Stück erfolgten Beseitigung der unseligen Kulturkampf- Gesetzgebung hervorragenden Anteil. Seine gewaltige Willensstärke, gepaart mit ruhiger Besonnenheit und versöhnlicher Haltung haben ihn diese Erfolge erringen lassen. Das Fürstbistum Breslau, das Kardinal Kopp seit nunmehr 20 Jahren verwaltet, ist nicht nur eine der größten, sondern infolge der nationalenVerschiedenheiten auch eine der schwierigsten Diözesen der Welt. Allein Kardinal Kopp hat allen Schwierigkeiten -u begegnen gewußt. Seine' aufrichtige Frömmigkeit, unermüdliche Arbeitssreudigkeit, herzgewinnende Leutseligkeit und Bescheidenheit, sein friedliches, versöhnendes Wesen machen ihm alle Herzen ertt- gegenschlagen. Möge es dem hehren Kirchensür» ft en, der auf ein arbeits-, aber auch erfolgreiches Leben zurückblicken kann, vergönnt fein, noch lange Jahre tätig zu fein zum Heile der ihm anveürauten Seelen, jum Nutzen und Frommen der katholischen Kirche in Deutschland, zum Wohl und Segen des Vaterlandes.
Mstw
VT:
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Das walte Gott!
Deutsches Reich.
Berlin, 24 Juli 1907.
r. Dr. Arendt und v. Liebert haben al- Zeugen im Münchener Peters-Prozeß Aeußerungen gebraucht, welche den schärfsten Wideripruch hervor rief en. Als Folge davon wurde gemeldet, daß fettens der Regierung Erwägungen an lefteUt wurden, in welcher Weise gegen die beiden Abgeordneten vorgegangen werden sollte. Unlämft ist aber gemeldet worden, daß in den Äenße- cungen Ären dts beleidigende Wendungen nicht gefunden werden konnten, seine Perlon somtt für das von amtlicher Sette in Erwägung gezogene Vorgehen ausfcheide. Etwas anderes ermattete man aber bestimmt für General v. Lieber!. Er bezeichnete bekanntlich die gegen Peters erlassenen Disziptmaturteile als Justizmorde und Schandflecke der deutschen Justiz. Allgemetn wurde deshalb erwartet, daß em Verfahren gegen ihn eingeleitet würde. Bald sickerten aber Rachnch en durch, daß Die Angelegenheit im Sand verlaufen würde, und das scheint in der Tat sitzt auch eintreten zu wollen. Bereits wird gemeldet, daß beide in einem Schriftwechsel, welchen sie mit den amtlichen Stellen führten, ihre beleidigenden Aeußerungen in aller Form zurück genommen haben. In die>er Zurücknahme soll nun ein Verzicht au/ die Strafverfolgung begründet sein. Höchstens soll noch eine amtliche Erklärung über den Verlauf der Angelegenheu und ihr Ergebnis erfolgen. Und die .Deutsche Tagesztg/ meldet weiter, auch ihr wird be- ftätigt, daß gegen die genannten Abgeordneten nach dem Schriftwechsel nichts mehr unternommen werden soll. Entspricht dies den Tatsachen, so wird das Kopfs chütteln darüber nochgrößer werden. Zu der Absicht der Regierung bemerkt die ,Voss. Ztgll: „Dem Rechtsempfinden des deutschen Voltes wäre auch dann nicht genügt, wenn die Abbitten der Herren Arendt und Liebert verösfentlicht würden; dte Würde des Diszipltnar» hoses bliebe besudelt." Und mit Recht bemerkt zu diesem Ausgang die »Germania': „Man könnte auch noch folgende Frage aufwersen: Ob wohl, wenn etwa ein Redakteur eme§ nicht gouverne- mentalen Blattes sich eine nur halb so beschimpfende Kritik eines gerichtlichen Urteils, wie der General v. Liebert sie geübt hat, erlaubt hätte, eine amtliche Stelle sich überhaupt mit einem solchen Redakteur zwecks außergerichtlicher Beilegung der Sache in einen Schriftwechsel ein- lassen würde?"
* Dem verstorbenen Abg. v. Kardorff widmen jetzt die Vorstände der freikonservatwen und Retchspartei einen Nachruf. In demselben herßt es: „Während einer 41jährigen parlamentarischen Tätigkeit im Reichstage und Abgeordnetenhaus« bat er stets in der ersten Reihe der Kämpfer für Kaiser und Reich, für Monarchie und Verfassung gestanden und auch da, wo es galt, gegen den Strom anzulämpfen, ganz seinen Mann gestellt. Noch im Greisenalter durch Feuer und geistige Frische ausgezeichnet, ist Kardorff durch Treue in Gesinnung und Pflichterfüllung und tatkräftige Entschlossenheit den Parteigenossen ein leuchtendes Vorbild, der Partei eine stets feste Stütze und kraftvoller Vorkämpfer gewesen. Das Vaterland har in rh.n einen seiner besten und treuesten Söhne verloren."
* Der verstorbene ehemalige Reichstags-Abgeordnete v. Tiedemann ist einer der Begründer des Hakatisten - Vereins, der feinen Namen von der Persönlichkeit Hansemann, Kennemann, Tiede-
Verbleib. So reifte ich gleich zurück, kam gestern abend in London wieder an und beabsichtigte, heute abend nach Schottland weiterzureisen, eine wunderbare Fügung darum, daß wir an diesem Morgen beide zu derselben Zeit durch Regentstreet gehen mußten. Das ist eine Schickung der Vorsehung, die diese Begegnung wollte!"
„Wo ist Lord Glenhanr?" fragte Gretchen, die sich bisher schweigend verhalten hatte. „War er mit Ihnen in Schönau?"
Crafton lächelte bedeutungsvoll. Er wußte, daß Glenham Alice leidenschaftlich liebte, und er fühlte instinktiv, daß diese seine Liebe erwiderte, so sah er feine Hauptaufgabe darin, eine Entfremdung zwischen beiden zuwege zu bringen.
Den Blick forschend auf Alice gerichtet, antwortete er deshalb auf Gretchens Frage:
„Lord Glenham begleitete mich nicht nach Deutschland. Ich ging allein nach Schönau."
«Ist der Lord denn jetzt mit Ihnen hier in London?" fragte Gretchen weiter.
„Nein, er weilt in Schottland mit mehreren Freunden zur Jagd," versetzte Crafton. „Er bericht sehr angenehme Tage dort, um fo angenehmer, weil feine nächste Nachbarin eine Lady ist, der er große Aufmerksamkeit schenkt!"
Und wieder lächelte er bedeutungsvoll zu diesen Worten.
Ein leiser Schmerz durchzuckte Alice's Seele und die Farbe wich aus ihrem Antlitz.
„Wer ist die Lady?" fragte Gretchen, welcher die Veränderung an ihrer jungen Herrin nicht entging.
Und wie völlig harmlos antwortete Crafton:
„Sie ist eine junge Witwe, sehr schön und unermeßlich reich, die Enkelin des Marquis von St. Leonards, der einer der angesehensten Männer England's ist. Der Name der Dame ist Lady Trevor. Lord Glenham liebt sie. Er ist ihr Verlobter!"
War Alice's Gesicht schon farblos gewesen, fo ward es jetzt jählings totenbleich, aber durch keinen Laut verriet sie den Schmerz ihres Innern.
„Er ist verlobt?" wiederholte Gretchen voller Staunen.
„ZVie ich sagte," versetzte Crafton, „und die Hochzeit wird noch diesen Winter stattfinden, wenn nichts dazwischen kommt. Glenham hat die zu tadelnde Gewohnheit," fuhr der falsche Freund fort, „fich in jedes hübsche Gesicht zu verlieben, deshalb soll die Hochzeit recht bald stattfinden!"
„Und er ist nun mit der Lady in Schottland?" fragte Gretchen weiter.
„In ihrer Nachbarschaft, ja!" erwiderte Grafton. „Sie sehen sich alle Tage. Die Gräfin, Lord Glenham's Mutter, fetzt alles daran, die Hochzeit zu beschleunigen; sie weilt auch jetzt bei ihrem Sohne in Glenham-Lodge. Als Glenham hörte, daß ich zu Ihnen, Miß Romberg, nach Schönau wollte ,beauftragte er mich, Ihnen zu sagen, daß er nie Ihre Freundschaft vergessen würde und daß er im nächsten Sommer mit seiner Braut nach «chönau zu kommen gedächte."
„Er wird mich dort nicht mehr finden!" sagte Alice gefaßt, obgleich ihre Lippen zitterten. „Danken Sie ihm in meinem Namen, daß er sich meiner so freundlich erinnert, und überbringen Sie ihm meine Glückwünsche!"
„Ich werde es ihm ausrichterr," versetzte der Jntriguant. „Aber Sie sehen angegriffen aus, Miß Romberg. Erlauben Sie, daß ich meinen Besuch abkürze und morgen wiederkomme. Ich werde, nachdem ich Sie hier getroffen, ein paar Tage in London bleiben."
„Es wird mich freuen, Sie wiederzusehen 1" sagte Alice, kaum wissend, was sie sprach.
„Ich werde wiederkommen!" versicherte er
lebhaft. „Und nun lassen Sie mich Ihnen einen guten Morgen wünschen!"
Er nahm seinen Hut, verbeugte sich höflich und ging hinaus. Gretchen folgte ihm, um ihm das Geleit zu geben. An der Haustür angelangt, flüsterte er der alten Dienerin hastig zu:
„Kommen Sie mir nach, ich werde Sie an der Ecke der Straße erwarten. Ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen."
Gretchen sagte es ihm zu und kehrte hieraus ins Zimmer zurück.
Sie sand Alice mit bleichem Antlitz dastehend. Ihre fieberhaft glänzenden Augen verrieten die Aufregung, die in ihrem Innern tobte.
„Armes Kind!" rief Gretchen, „Lord Glenham hat Sie betrogen I Er erheuchelte Siebe zu Ihnen, während er mit einer anderen Dame verlobt war! Er gefiel ja auch mir immer übet die Maßen, aber jetzt kann ich ihn nicht mehr leiden!"
„O, still, still, Gretchen!" wehrte Alice ihr. „Du tust mir grausam weh damit! Nicht er täuschte mich, sondern ich täuschte mich selber! Wie konnte ich denn erwarten, daß ein vornehmer Lord ein Mädchen heiraten würde, wie ich es bin, — ein namenloses Mädchen, welches von seinen eigenen Angehörigen verstoßen wurde?" Tränen entperlten ihren Äugen und leise fügte sie hinzu: „Ueberlaß mich eine Weile mir selbst, Gretchen; ich werde dann bald wieder gefaßt sein."
Gretchen kam dies gelegen, da sie jetzt, ohne daß ihrer jungen Herrin es auffiel, auf die Straße zu Crafton gehen konnte. Sie fand diesen an der nächsten Ecke deS Platzes ihrer wartend.
„Ich wünschte mit Ihnen über ihre jungt Herrin zu sprechen, Gretchen," begann et. „Lord Glenham hatte, ehe ' er diesen Sommer nach Deutschland ging, sich mit seiner Braut entzweit. Da fand er Miß Romberg, die er auch geheiratet haben würde, hätte er nicht erfahren, daß über