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wochmbeiiage: „Illustrierte Somrtagrzeitung"

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SotationrdruS u. Verlag der Fuldaer Ac- tiendrickerel in $ulda $ernfore»er Nr.

M 167.

Fuld a, Mittwoch den 24. Juli 1907.

34. Jahrnana.

Deutscher Reich.

Berlin, 23. Juli 1907.

* Die Verwirrung in der Steuerfrage könnte durch nichts bester beleuchtet werden, als durch eine Aeußerung der ,9leuen Polit. Soxtejp/, die ausdrücklich für die nächste Reichstags »Session neue Steuernorlagen ankündigt. Bisher haben nicht nur alle anerkannten Ganz-, Halb- und Viertels-Osfiziösen einmütig versichert, diese Be­lastungsprobe müsse dem „Block" im kommenden Winter noch ferngehalten werden, sondern es ist dieselbe Ansicht auch unwidersprochen dem Reichskanzler persönlich in den Mund gelegt worden. Es mußte nun schon auffallen, daß trotz dieser denkbar bestimmtesten Ableugnungen die «Neue Polit. Korresp/ nicht nur dabei blieb, daß Steuervorlagen schon in der nächsten Tagung den nächsten Reichstag beschäftigen werden, son­dern sogar schon ganz bestimmte Einzelheiten darüber mit teilen konnte. Und nun kommt gar die »Neue Polit. Korresp/ mit der oben bezeich­neten positiven Ankündigung — das ist nämlich dieselbe Korrespondenz, welche vor noch nicht 14 Tagen von den „politischen Rücksichten" sprach, die es rätlich erscheinen ließen, „diese schwere Be­lastung des nationalen Blocks noch um ein Jahr hinauszuschieben". Wie erklären sich diese Widersprüche? Ist man an den „maßgeben­den" Stellen nicht überall der gleichen Meinung? Oder ist Fürst Bülow im Verlause der „ernsten Erwägung", ob die Sache sich nicht noch auf ein Jährchen verschleppen ließe, doch zn der lieber- zeugung gelangt, daß dies nicht geht? Vielleicht

Grstes Wl'crtt.

r. BBIoros politil in der Sommer- . frische.

Jules Huret ist ein französischer Schrift- steller der als Mitarbeiter des Pariser „Figaro namentlich in letzter Zeit durch seine Rerfeschllde- runaen über Deutschland allgemeiner be- kannt wurde. Er hat sich jetzt auch vom Fürsten Bülow in Norderney empfangen lasten und schil­dert den Verlauf des Gespräches mit dem Reichskanzler in einem längeren Artikel, der außer dem Figaro auch dem „Berliner Tageb." (Nr. 366 vom 22. Juli) zugestellt Umrde. Von dem Gebiete der Innern Politik ist in der Hauptsache die Rei ch st a g s auflösun g. m das Gespräch einbezogen. Was Fürst Bülow hier­über dem Franzosen mitgeteilt hat,, ist keineswegs neu; die „Begründung" ist schon in,seinem Sil­vesterbrief und während der offiziösen Wahl- inache wiederholt zum Ausdruck gekommen. Weil aber jetzt auch die Blockpolitik mit einge» fügt wurde, verdient die betreffende Stelle hier wörtlich wiedergegeben zu werden.

Bülow sagte, daß die Regierung keiner­lei Macht habe, die politischen Parteien zu beeinflussen; jeder Versuch zu einem Druck, den sie unternehmen würde, würde die Parteien sofort veranlassen, sich gegen sie zu lenken. Das Gespräch, bei dem der Franzose der Fragesteller war, nahm dann folgenden Verlauf:

„Sie nennen die Auflösung des Parlaments also nicht einen Druck?" — „Nein, das war ein Appell an den Patriotismus und an die ge s u n d e Vernunft der Nation. Die Antwort, die das Volk gab, zeigte, daß es die Hindernisse, die der Negierung in der na­tionalen Politik entgegengestellt wurden, nicht billigte. Jedesmal, wenn die Frage gestellt werden wird, werden wir aller Machenschaften Herr werden. Sie verstehen, es handelte sich nicht nur nm die 8000 oder 10 000 Mann, die wir in Afrika behalten wollten, es handelte sich für Deutschland um seine Würde." — „Und wird Ihnen die neue Majorität, die aus den Wahlen hervorgegangen ist, die Führung der Ge­schäfte erleichtern?" — „Ich hoffe es. Wir haben jetzt auch einen Block, gebildet aus den Konservativen und den Liberalen." — „Man sagt, das fei eine widernatürliche Ehe." — „Die beiden sind nicht gar f o ve r s ch i e d e n", ant­wortete Herr von Bülow. „Gewiß trennen sie sich in den ökonomischen Fragen, da die konser­vativen Agrarier Schutzzöllner und die Libera­len Freihändler sind. Aber da die Handelsver- träge noch sechs Jahre dauern, braucht man diese trennenden Fragen nicht anznschneideu. lieber das klebrige kann man sich verständigen."

Jedermann wird zugeben, daß Bülow in die­sen Worten einen neuen Gedanken nicht zum Ausdruck gebracht hat. Als der Reichstag auf­gelöst wurde, richtete sich der Kamps „gegen So- zialdemokraten, Polen, Welfen und Zentrum." Die Antwort, die das Volk schon in den Haupt-

ivahlen darauf gab, zeigte, daß das Zentrum weder niedergeritten noch verletzt wurde. Wenn wir uns nun den Gedankengang Bülows zu eigen machen, der sagte, daß das Volk „die Hindernisse, die der Regierung in der natio­nalen Politik entgegengestellt worden, nicht bil­ligte", so liegt darin nur die Anerkennung der Tatsache, daß das Zentrum eine anti- nationale Politik nicht getrieben hat; ist es doch unvermindert au Stärke aus dem Wahlkamps hervorgegangen. Eine weitere Verfolgung dieses Gedankens würde zu weit in die Wahlzeit zuriick-

führen, deshalb fei davon abgesehen. Das un­freiwillige Eingeständnis Bülows genügt unS vor der Hand.

Bülow sagte aber auch etwas über die Füh­rung der Regiernngsgeschäffe mit dem sogenann­ten B l o ck. Daß er seiner Sache nicht sicher ist, geht Mein schon aus den drei Worten auf Hurets Frage hervor: „Ich hoffe es", sagte er. Und als Begründung seiner Hoffnung führt er zwei Punkte an: einmal wären die beiden „Ehegatten" gar nicht so verschieden und zweitens dauerten die Handelsverträge ja noch sechs Jahrei Als ob in diesen sechs Jahren keine einzige Frage wirt­schaftlicher Natur zur Entscheidung drängen würde, in welcher die Anschauungen des linken und rechten Blockflügels so grundsätzlich verschieden wären! Warum ist man dann z. B. so ängstlich dafür besorgt, daß die große Belastungsprobe mit der Weiterführung der sogenannten Finanzreform noch um ein Jahr hinausgeschoben werden solle? Offenbar rechnet Fürst Bülow das zu allem übrigen, über das man sich „verständigen" könne. Vielleicht denkt er noch an einen anderen Umstand. Daß er sich meisterhaft auf die Kunst verstehen soll, alle Fra­gen, über die man sich verständigen müsse, so ein- znwickeln, daß sie namentlich der immer noch grollend zur Seite stehenden linken Ehehälfte schmackhafter würden, ist schon früher an- gedeutet worden. Nicht minder wahr ist es, aber auch, daß die Verdauungsfähigkeit auf der linken Seite noch größer zu werden verspricht.

Bezüglich der Sozialdemokratie er­klärte Fürst Bülow, daß die Sozialdemokratie keine ernste Gefahr für Deutschland bedeute. Die Zahl ihrer Reichstagsmandate sei von 80 auf 40 gesunken, und es wäre noch ein Dutzend weniger geworden, wenn sie nicht das Zentrum in einer Anzahl Wahlkreise unterstützt (!) hätte. Von ihren angeblichen drei Millionen Wählern sind nicht 500 000 bewußte Sozialdemokraten.

M Perle Ses SchmrzmIdeS.

Roman von Ed. Wagner.

14] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

„Wie ich diese Stunde ersehnt habe!" sagte er, langsam auf sie zutretend. „Endlich sind wir einmal allein und ich kann Ihre Antwort auf meinen Antrag empfangen, Lady Edith!"

Und er rückte ihr einen Sessel an den Kamin und sie ließ sich willenlos in die weichen seide­nen Polster sinken Er lehnte sich an den Mar­mor des Kamins und beobachtete sie forschend. Die Glut des Feuers bestrahlte ihr Gesicht und ließ sie ungewöhnlich schön erscheinen. Ihre Ju- roekn an ihrem Hals und an ihrer Brust funkel­ten und flimmerten im Scheine des Feuers. Pul- ford schien ganz und gar in der Betrachtung ihrer schönen Erscheinung verloren, bevor er von neuem anhob:

„Es ist wohl kaum nötig, daß ich mein An­liegen wiederhole, Edith. Ich bin hier, um Ihre Antwort auf meinen Antrag entgegenzu­nehmen!"

--D^ser Antrag," erwiderte Lady Trevor mit erkünstelter Uuhe, „war für mich eine vollständige Überraschung, Mr. Pnlford. Ich hatte, wie Sie men!"' e'ne Qn^ere Heirat in Aussicht genom-

„Ja, ich weiß!" versetzte Pulford beißend, beabsichtigten, Lord Glenham zu heira-

„(fine Heirat mit Lord Glenham würde nur durchaus angemessen für mich sein," fuhr • die Lobt) fort. „„Er besitzt Rang und Reichtum und paf,l überhaupt tn jeder Weife zu mir, während jedermann sich wundern würde, wollte ich Sie henaten. Mein Großvater, der nach jahrelanger Entfremdung zu einer . Wiederaussöhnuna mit

mir Bereit ist, wünscht ganz besonders eine Ver­bindung seines Erben mit mir. Meine Heirat mit Ihnen wurde die Kluft zwischen meinem Groß­vater und mir erneuern und erweitern und Sie wissen, welche Nachteile für mich daraus ent­stehen würden. Darum lassen Sie uns die Be­dingungen feststellen, unter welchen ich mir meine foridauernde. Freiheit sichern kann. Ich will Ihnen geben, was Sie haben wollen —"

Pulford lachte verächtlich auf.

„Ich will alles haben, alles, nicht nur einen Teil!" rief er. „Vor allem aber wünsche ich Sie seilst, meine schöne stolze Lady, und mit Ihnen alles, was Sie besitzen und was Sie noch be­kommen werden! Von Unterhandlungen will ich nichts hören; ich verlange Ihre bedingungslose Unterwerfung!"

Lady Trevor erzitterte; sie preßte die Lip­pen fest aufeinander.

„Sie scheinen noch nicht ganz zu Begreifen," fuhr Pulford, der ihre Gedanken erraten mochte, fort, „wie so vollständig Sie in meiner Gewalt sind! Ist es denn wirklich noch notwendig, daß ich Sie daran erinnere, daß ich Mitwisser eines Gkheimnisses von Ihnen bin, welches, wenn es bekannt würde. Sie ins Zuchthaus brächte?"

still, still! Sprechen Sie nicht so laut!" rief Lady Trevor voller Verzweiflung.

Aber unbeirrt sprach er weiter:

„Wünschen Sie vielleicht, daß ich Ihnen die Einzelheiten einer Geschichte, ins Gedächtnis zu- rüdrufe, welche sich vor vierzig Jahren abspielte? Weifen Sie mich zurück, Mylady, und ich werde, ftatt zuzulassen, daß Sie Lord Glenham's Braut werden, Sie vor die Gerichte zerren! Ich werde Ihren Stolz brechen, und Sie alles dessen berau­ben, was Sie besitzen und was Sie noch erst an sich Bringen wollen!"

„Still! Still!" unterbrach Lady Trevor ihn wieder.' „Sie können nicht daran denken, mich für ein Verbrechen verantwortlich machen zu wol­len. welches Sir Albert eriann —"

weil die einzelstaatlichen Finanzminister zu sehr Hagen und ihre Matrikular-Umlagen nicht erhöht, ja vermindert haben wollen? So würde auch die Stelle in seinem Glückwunsch-Telegramme an den Staatssekretär v. Stengel betreffs der Vollendung seines Finanzreform-Werkes etwas mehr als eine Redensart bezeichnen, denn einem Siebzigjährigen die glückliche Vollendung eines vorläufig ängstlich gemiedenen Werkes zu wün- scheu, wäre doch nur Redensart, noch dazu eine sehr unangebrachte.

* Die neue Dänenpolitik der Preußischen Regierung entwickelt sich immer mehr zum Zank­apfel zwischen den „Heimdeutschen" und den Offiziösen; fast jedes „nationale" Blatt bringt lange Artikel über den neuesten Kurs. Seit Schleswig-Holstein eine preußische Provinz ist, hätten sich die deutschgesinnten Nordschleswiger in einer Verteidigungsstellung gegen die Angriffe der dänischgesinnten befunden, und dies Ver­hältnis habe bis zum heutigen Tage unverändert fortbestanden. Unter den ersten 3 Oberpräfi- benten; Wessen, Bötticher und Steinmann, habe die preußische Staatsregierung die deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner diesen Verteidigungskrieg gegen dänische Angriffe allein führen lasten, wohl in der Annahme, daß die dänische Bewegung von selbst im Sande verlaufen würde. Diese An- nähme sei irrig. Vielmehr zeigt es sich, daß die deutschgesinnten ohne die Hilfe der Machtmittel des Staates nicht stark genug waren, um der von jenseits der Grenze her kräftig geförderten dänischen Propaganda ein wirksames Halt ent­gegenzurufen. Deshalb sei das Eingreifen der Politik des Oberpräsidenten v. Köller ein not­wendiges Erfordernis geworden. Auch die Köllersche Politik fei eine Politik der Verteidigung gegen das Vordringen des Dänentums gewesen, und wenn Herr v. "Köller, von dem Grundsätze ausgehend, daß der Angriff die beste Verteidigung ist, bisweilen in der Wahl und Anwendung feiner Verleidigungsmittel etwas weit gegangen sein möge, so habe es bei den Dänen das Be­wußtsein wachgerusen, daß es unter Umständen auf deutscher Seite doch ein: „bis hierher und nicht weiter gibt.“ Die dann folgenden beiden Oberpräsidenten, Frhr. v. Willmowski und v. Dewitz, hätten die scharfen Waffen Köllerscher Angriffspolitik beiseite gestellt, sie halten aber beide bestimmt und klar, streng und gerecht die Verteidigungsstellnng gewahrt und die patrio­tischen Bestrebungen der deutschgesinnten Nord- fchleswiger im Kampfe gegen die dänischen An­griffe treu und fest unterstützt. Der j.tzige Obn- präsident v. Bülow scheine das Vorhanden^, dänischer Angriffe zu leugnen und eine Ve» teidigungspolilik für überflisssig und falsch zu halten. Und für diese „Verteidigungspolitik" fordern sie die schärfsten Maßnahmen; es gibt doch schrecklich ängstliche Leute, die da meinen, daß uns die Handvoll Dänen etwas anhaben könnte; dann könnte sich der preußische Staat sofort begraben lassen. Aber die „Heimdeutschen" sagen: „Von politischen Feinden wird milde Nachgibigkeit immer nur als Schwäche ausgelegt, das lehrt die Geschichte. Nur Strenge gepatt mit Gerechtigkeit, nur eine feste, nie schwankende, mit eiserner Folgerichtigkeit durch Generationen hindurch geführte Politik imponiert dem Gegner und führt schließlich in der Nordmark nicht weniger als in der Ostmark zum Erfolge des Deutschtums." Na, den „Erfolg in der Ostmark" sieht trotz der 20 Jahre Ostmarkenpolitik kein

„Und mit Ihrer Hilfe ausführteI" fiel Pul- fo’.b ein. „Aber genug der Worte! Ich habe Ihnen meinen Antrag gestellt, ich erwarte jetzt Ihre Antwort! Wie lautet dieselbe: — ja oder nein?"

„Wenn es denn fein muß, — ja!"

Vielleicht war es gut für Pulford, daß er die in Haß flammenden Augen, welche sie mit der Hand bedeckt hielt, nicht sehen konnte, während sie diese Worte konvulsivisch hervorstieß.

' „So sind wir also jetzt verlobt, Edith?" fuhr er vollständig geschäftsmäßig fort. „Sie find bereit, den Namen Lady Trevor mit dem Lady Edith Pulford zu vertauschen? Wann?"

„Ich habe mich in mein Schicksal ergeben, neil Sie mich dazu zwingen," sprach Lady Tre­vor mit leiser Stimme, „aber ich tue das nur unter der Bedingung, daß unsere Verlobung wäh­rend unseres Aufenthaltes in Schottland und vierzehn Tage nach unserer Rückkehr nach London geheimgehalten wird."

„Sie stellen Bedingungen? Wenn ich diesel­ben nun verwerfe?" fragte er mit Betonung.

„Dann werde ich es darauf ankommen lassen!" versetzte sie fast hart. „Wagen Sie es, das Schlimmste zu tun, und Ihnen wird ein gleiches Schicksal widerfahren! Ich werde beschwören, daß Sie und Sir Albert mich gezwungen, daß ich nur ein schwaches Werkzeug Ihres und seines Willens war!"

Vuffords Gesicht hatte sich wider seinen Wil­len Verfärbt. Er sah ein, daß er klug daran tat, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

„Warum stellen Sie denn die geforderten Be­dingungen?" forschte er lauernd.

„Meines Großvaters wegen!" erklärte sie. „Lord Leonards stieß mich von sich, weil ich eine Heirat gegen feinen Willen schloß, und hat mich nur deshalb so lange von sich fern gehalten. Er ist unendlich stolz. Wenn er nun gar von unsere* Verlobung erführe, fo würde er mich abermals verstoßen und.das Vermöo-n welches ich vo-

Mensch, auch die Regierung nicht, denn sie fordert ja schärfere Mittel. Es scheint uns, daß es sich in der Nordmark bei dem ganzen Geschrei auch um Staatsgelder handelt, wie in der Ostmark; denn man erfährt jetzt, daß die Ent­eignungsvorlage nur deshalb im Herrenhause Widerspruch finde, weil dann die Güterpreise riesig fallen würden. Echt modern national.

r. Zur neuen Maß- und Gewichtsordnung. Noch dem alten Reichstag wurde eine Vorlage über eine neue Maß- und Gewichtsordnung unterbreitet. Sie fiel aber infolge der Auflösung unter den Tisch und konnte nicht mehr in Behand­lung genommen werden. Nunmehr wird hie Wiedereinbr in gung des Entwurfes im kommenden Tagungsabschnitt erwartet. Soweit aber bisher schon verlautet, dürfte et noch manche Erweiterungen gegenüber der ersten Vorlage aufzuweisen haben. Bekanntlich ist jüngst schon gemeldet worden, daß die Normaleichungskom­mission beauftragt wurde, Erhebungen anzu- stellen, deren Ergebnisse in dem Entwurf noch berücksichtigt werden sollen, Nach welcher Seile diese Erhebungen sich erstrecken sollten, ist seinerzeit nicht bekannt geworden. Erst jetzt teilt eine halb- osfiziöse Korrespondenz näheres darüber mit. Danach erstreckt sich eine dieser Erhebungen auf die in dem Entwurf enthaltene Bestimmung, daß auch zur Ermittelung des Arbeitslohnes in fabrik­mäßigen Betrieben nur geeichte Maße, Gewichte und Wage angewendet und bereit gehalten wer­den dürfen. Das i|t eine Maßnahme, welche namentlich zu Gunsten der Stück und Akkord­arbeiter eingeführt werden soll, nicht weniger aber auch im Interesse der Unternehmer und Fabrikanten selbst liegt. Die Erhebungen dar­über sollen aber noch einen anderen Zweck er­füllen. Man will nämlich nicht nur Kenntnis darüber erhalten, ob hie Industrie einer solchen Vorschrift abgeneigt ist oder sympathisch gegen­über steht, sondern man will dadurch auch zu er­fahren suchen, um welche Entlohnungsarten es sich dabei handeln wird. Namentlich kommt hier die Textilindustrie in Frage Die halbamtliche Korrespondenz fügt ihrer Mitteilung noch die Erwähnung der Normaleichungskommiffton an, daß gegebenen «alls Ausnahmebestimmungen, die vom Bundesrat erlassen werden würden, in Frage kommen könnten. Schließlich sollen die Er­hebungen der Kommisfion auch zur Vorbereitung solcher Ausnahmebestimmungen dienen. Wie aus diesen Mitteilungen hervorgeht, beansprucht der neue Entwurf schon allein in dieser Hinsicht all­gemeines Interesse, das in gleichem Maße den Arbeitnehmer wie auch der, Arbeit­geber betrifft. Da auch sonst noch wichtige Materien in der Vorlage enthalten sind, dürfte die daran anschließende Beratung sehr umfang- reich werden.

.-. Der Liberalismus wittert wieder einmal Morgenluft. Diefesmal w rd sie ihm aus dem Kultusministerium zugeweht und das,Berliner Tageblatt" bringt eine Auseinandersetzung über Veränderungen ' in bet Unterrichtsverwaltung. Anlaß dazu gibt ihm „schon die Art und Weise, wie die Verhandlungen Aber die Besetzung der ersten klinischen Professur an der Berliner Uni­versität zuletzt geführt und abgeschlossen worden find". Diese „konnte darüber keinen Zweifel aufkommen lassen, daß die alten ausgeleierten Studt'jchen Geleise enbgiltig verlassen seien". Mehr noch aber wirft sich der Libera- lismus auf die Personal frage im Kultus-

ihm zu erben hoffe, würde erst ganz und gar un­rettbar in andere Hände fallen."

„Aber wie sollte dann ein Aufschub von sechs Wochen imstande fein, ihn mit unserer Heirat auszusöhnen?" fragte Pulford mißtrauisch.

Und mit schlauer Ueberlegung antwortete sie:

„Ich werde versuchen, ihn hier festzuhalten und mir feine Siebe und fein Vertrauen zu ge­winnen. Nach England zurückgekehrt, wird ein Aufenthalt in St. Leonards und in feiner be­ständigen Gesellschaft das hier begonnene Werk vollenden, denke ich. Er wird mich lieben lernen und dann in unsere Heirat willigen."

Mr. Pulford betrachtete Lady Trevor, wäh­rend sie ihm das vortrug, zweifelnd, aber ihre Slimen blickten ihn fo ruhig an, daß es ihm wirk­lich schien, als ob sie es fo meinte, wie sie sprach.

.,Tas Vermögen des Marquis als Ertrazu- gäbe ist schon eines Versuches wert," sagte er so- mit gedankenvoll. „Und sechs Wochen können schließlich keinen Unterschied machen. Ich will also fo lange warten."

„Ich danke Ihnen!" entgegnete Lady Trevor so leichten Tones, als ob ihr in Wirklichkeit kein Alp von der Seele genommen wäre. „Inzwischen dürfen Sie das Geheimnis unserer Verlobung aber auch an niemand betraten!"

„Das verspreche ich Ihnen," versetzte Pulford mit Schärfe, „aber pünktlich am ersten Tage nach Ablauf der Frist werde ich unsere Verlobung veröffentlichen, und einen Monat später müssen Sie mein Weib werden!"

Lady Trevor erhob sich.

„So bleibt vorderhand nichts mehr zu be­sprechen übrig," sagte sie ruhig. „Wir lassen die Sache jetzt fallen, um sie nach sechs Wochen wieder v»n neuem aufzunehmen."

Mr. Pulford näherte sich ihr, beugte sich über ihre Hand und küßte dieselbe. Stolz wollte die Lady sie ihm entziehen, bezwang sich aber nist (^pTbfH'bnrtrünbun/i