das
Un
fall
ziemlich einfache: sie ergibt, das, keine Partei so große Reserven hat wie
Zentrum;
diese jedoch niüssen int nächsten Wahlkampf
darin nicht geirrt haben. Nach kurzer Verstänöi- gung mit der sehr respektabel aussehenden Hotelwirtin befanden sie sich alsbald in einem paar kleinen, altmodisch möblierten Zimmern, irt denen ihnen in sehr kurzer Zeit ein einladendes Nachtmahl serviert wurde, dem sie wacker zusprachen, worauf sie sich, erschöpft von der Reise, zur Ruhe begaben.
Am andern Morgen hatte der Regen aufgehört und die Sonne schien freundlich ins Zimmer hin- em wie ein Gruß vom Himmel.
Alice ließ sich mehrere Zeitungen bringen, um nach einer für sie passenden Wohnung zu suchen. Sie schrieb sich denn auch eine große Anzahl Adressen auf und machte sich hierauf in Begleitung Gretchen's auf den Weg. Nach mehreren Stunden aber kehrten sie unverrichteter Sache in ihr Hotel zurück, wo Alice alsbald die Hotelwrrtin uw eine Unterredung bitten ließ, in der sie derselben ihr Mißgeschick mitteilte und ihren Rat erbat.
Mrs. Carey hörte ihr sehr teilnahmsvoll zu und sagte dann:
„Das war auch keine Aufgabe für Sie, Miß! Ich aber kann Ihnen darin zufälligerweise sofort dienen. Ich weiß eine Wohnung ganz nach Ihre» Ansprüchen. Wenn Sie es wünschen, will ich Sie dorthin begleiten!"
Alice war nur zu freudig bereit dazu und wenige Minuten später saßen die drei Frauen in einem schnell herbeigeholten Wagen.
„Nummer 4, Oueens-Crescent, Argyleystreet, Bayswater!" rief die Wirtin dem Kutscher zu, und der Wagen fuhr davon.,
„Oueens-Crescent ist ein hübscher Platz nut parkartigen Anlagen und großen stattlichen Hau-1 fern," fügte Mrs. Carrey gegen das junge Mädchen hinzu, und als der Wagen nach kurzer Fahrt hielt, sand Alice, daß ihre liebenswürdige Wtrtm in Betreff deS Platzes und der Häuser mcht zu- viel gesagt hatte.
den, welche noch nicht ihr Kontingent zur fjen- trumswählerschaft gestellt haben. Wir greifen nur jene Kreise heraus, die bereits im Besitze des Zentrums sind und lasten alle jene weg, in denen das Zentrum größere oder kleinere Minderheiten aufweift.
In Ostpreußen haben Brausberg mit 81,1 Proz. und Allenstein mit 84,7 Proz. bedeutend mehr geleistet, als 1903, aber in beiden Kreisen sind noch rund 8000 Zentrumsstimmen zu ha- den. In We st Preußen und Posen hat das Zentrum bekanntlich kein Mandat erhalten.
In Schlesien sind die Zentrumsstimmen leider gesunken.
Hannover hat zwei Zentrumsmandate: in Meppen und Osnabrück: aber beide Bezirke sind 1907 ziemlich an der Grenze des Erreichbaren angelangt: im besten Falle können noch 3000 Stimmen hier geholt werden.
Anders steht es in W estf a len: die Wahlbeteiligung läßt hier noch viel zu wünschen übrig. Die 4 Kreise im Regierungsbezirk Münster weisen nur 84,6 Proz. Wahlbeteiligung auf; es sind lauter Zentrumsmandate, die in kommenden Wahlen mit 25 000 Stimmen mehr herauskommen können; Münster und Lüdinghausen stehen unter dem Reichsdurchschnitt. Paderborn und Warburg können 4000 Stimmen Zunahme liefern, Olpe und Lppstadt aber zusammen 6000 Stimmen. So find allein in den sicheren Zentrumssitzen noch 35 000 Stimmen zu haben; Hamm-Soest hat seinen Sättigungspunkt nahezu erreicht.
In Hessen-Nassau kann der Lahnkreis noch 1000 Stimmen liefern und Fulda 2000; die Minderheitsbezirke haben aber noch hohe Ne- fernen.
Nun kommen wir zur R h e i n p r o v i n z. Der Regierungsbezirk Köln steht mit 816 Proz. und Aachen mit 83,6 Proz. leider unter dem Reichsdurchschnitt. Sehr wahlfaul, schreibt die „Germania", sind die Städte Köln mit 75 Proz. und Aachen mit 78 Proz. Der Regierungsbezirk Köln allein hat 35 000 Zentrumsstimmen als Reserven; dann kommt der Bezirk Düsseldorf, der im allgemeinen besser abstimmte, mit 28 000 Stimmen, Koblenz mit 10 000 Stimmen, Trier mit 14 000 Stimmen, Aachen mit 16 000 Stimmen, also insgesamt in der Rheinprovnz 103 000 Stimmen Reserven.
Ganz unbefriedigend aber ist die Wahlbeteiligung in Bayern, wenn wir auch vier Mandate daselbst gewonnen--kabem—Fe sicherer der Kreis, desto schlechter die Abstimmung; Die Reserven des Zentrums berechnen wir in Oberbayern auf 50 000 Stimmen, in Niederbayern auf 65 000, in der Pfalz auf 10 000, Oberpfalz auf 20 000, Oberfranken auf 12 000, Unterfranken' auf 15 000, Schwaben auf 24 000, also insgesamt auf 156 000 Stimmen.
Die vier württembergischen Zen- truiuswahlkreise haben noch 12 000 Mann Reserven, die acht badischen noch 20 000 Mann, der oldenburgische noch 2000 und die vier reichsläwdischen noch 5000 Mann.
So ergeben sich folgende Reserven an Zentrumswählern in den heutigen Zentrums-Wahlkreisen : 376 000 Stimmen. Dazu kommen nun alle jene Kreise, in denen das Zentrum in der Stichwahl unterlegen ist, oder wo es nur Zählkandidaten aufstellte. Man darf diese Sttm- menzahl auf mindestens 400 000 berechnen, sodaß
rund 800 000 Nichtwähler
unter den 2 Millionen aus das Zentrum entfallen. Die große Aufgabe der Jetztzeit ist, diese Massen auf die Beine zu bringen durch die Orga- nisatton und Eingliederung in dieselbe; bewaffnet werden muß sie mit der Zentrumspresse; dann sind wir gerüstet. Das möge die Wahlstatistik uns lehren.
Aber eins blieb ihr doch: die Anhänglichkeit des alten Gretchens, welche sogleich erklärte, sie niemals verlassen zu wollen, sondern bei ihr auszuharren in Glück und Leid bis ans Ende.
Umsonst aber boten die guten Schönauer alles auf, Alice zum Bleiben in dem stillen Schwarzwalddorf zu bewegen. Ohne ihren väterlichen Beschützer erschien ihr der Aufenthalt hier unerträglich und die bereits am letzten Abend des Zusammenseins mit ihm nach dem Scheiden dg's Stillgeliebten in ihr erwachte Sehnsucht regte anss neue ihre Schwingen und zog sie hinaus in die Welt, von der sie doch so gar nichts wußte und in die doch der Kampf ums Dasein sie erbarmungslos hineintrieb.
„Aber wohin wollen Sie gehen, Fräulein?" .fragte das alte Gretchen, als Alice ihr ihren Entschluß kundgab.
„Mein Onkel," erwiderte das junge Mädchen ihr, „erzählte mir am Abend vor seinem Tode meine Geschichte. Ich bin keine Deutsche, sondern eine geborene Engländerin. Wenn ich,durch meiner Hände Arbeit mir mein Brot verdienen mutz, tvohin sollte ich da also anders gehen als in meine Heimat?"
„Nach England?" rief Gretchen erschreckt. „Sie könnten daran denken, nach England gehen zu wollen?" wiederholte sie. „Aber dort kennen Sie doch niemand!"
„Was tut das?" fiel Alice ein. „Ich besitze siebenhundert Pfund Sterling. Es ist das der Betrag des Geldes, der durch den Mann, der mich hierher brachte, in jährlichen Raten an meinen Onkel geschickt wurde. Mein Onkel händigte es mir am letzten Tage seines Lebens aus und ich trage kein Bedenken, es zu verbrauchen."
„Das haben Sie auch nicht nötig," versetzte Gretchen, „denn es gehört rechtlich Ihnen. Sie bekommen auch noch das Geld, welches der Verkauf der Möbel ergibt."
„Das soll Dir gehören, Gretchen," erklärte Alice. „Es liegen außerdem fünfzehnhundert
Deutscher Reich.
22. Juli 1907.
Auszeichnung eines Zentrumsabgeordneten. Dem Zentrumsabg. Dr. Faßbender ist vom Kaiser von Oesterreich der Orden der eisernen Krone III. Klasse verliehen worden. Dr. Faßbender hat sich aus dem Gebiete des landwirtschaftlichen Genoffenschaftswesens hohe Verdienste erworben.
* Tod zweier freikonservativer Parlamen- tarier. Die freikonservative Fraktion des Reichstags hat an den beiden letzten Tagen zwei ihrer hervorragendsten früheren Mitglieder durch den Tod verloren: Christoph v. Tiedemann, der frühere Vertreter Brombergs, Regierungspräsident a. D., ist am Sonnabend nachmittag im 71. Lebensjahre in Berlin gestorben. Geboren in Schleswig, ließ er sich 1862 in Segeberg als Rechtsanwalt nieder und wurde 1865 Polizeimeister in Flensburg. Von dort kam er 1870 als Abtei- lungsdezernent in das Berliner Polizeipräsi- dlum, verwaltete 1872 bis 1876 das Landratsamt des Kreises Mettmann und wurde Anfang 1876 Hilfsarbeiter im Staatsministerium. Im Mai 1878 ward er in das Zentralbureau der neuge- bildeten Reichskanzlei versetzt, als deren Chef er dem Fürsten Bismarck besonders nahe stand. Im September 1881 erfolgte seine Ernennung zum Präsidenten der Regierung in Bromberg, und diesen Posten hat er bis zu feinem, am 3Ö. Juni 1899 erfolgten Uebertritt in den Ruhestand innegehabt. Herr v. Tiedemann hat von 1873 an fast dreißig Jahre lang dem Abgeordueten- hause als Mitglied der freikonservativen Fraktion angehört. Er vertrat erst den Wahlkreis Mettmann von 1873 bis 1876 und von 1879 bis 1882 und von 1882 bis 1903 Sen Wahlkreis Schubin- Jnowrazlaw (jetzt Hohensalza). Dem Reichstage gehörte er van 1898 bis zu der Auflösung des Reichstags im vorigen Jahre, als Vertreter des Wahlkreises Bromberg an. — Wilhelm von Kardorff, der ehemalige Senior der Fraktion, ist am Sonntag, im 80. Lebensjahre auf feiner Besitzung Nieder-Wabuitz in Schlesien geworben. Am 8. Januar 1828 in Neu-Strelitz in Mecklenburg geboren, trat er schon früh in das parlamentarische Leben ein. 1866 wurde er zum erftenmale in das preußische Abgeordnetenhaus "gewählt,' dem er mit einer Unterbrechung von 1876 bis 1888 bis zu seinem Tode angehörte. Im Reichstag, dessen Mitglied er von 1868 bis zur Auflösung am 13. Dezember vorigen Jahres war, gehörte er zu den Iubilaren. Vom Beginn feiner parlamentarischen Tätigkeit an zählte er zu den unbedingten Anhängern des Fürsten Bismarck und auch zu dessen Vertrauten. So war es selbstverständlich, daß er auch einer der eifrigsten Ku11urkämp- f er gewesen, und von ihm stammt das geflügelt? Wort: „Das kommt noch!" das er einst im 31> sleorduetenhause bei der Beratung eines der Kirchenverfolgungsgesetze sprach, als ein Zentrumsmitglied die Folgen einer Strafbestimmung vor- führte und darauf hinwies, daß, wenn in dieser Weise gegen die Geistlichen weiter vorgegangen werde, man zuletzt dahin kommen müsse, alle ein- zusperren oder zu verbannen. Da rief Herr v. Kardorff dem Redner zu: „Das kommt noch!" Indes, je älter er wurde, umsomehr klärten sich feine Ansichten, und er, der früher so fanatisch- Kulturkämpfer, nahm später keinen Anstand, zu erklären: der Kulturkampfsei ein Feh- I er gewesen. Namentlich das Zusammenarbeiten mit dem Zentrum in den wirtschaftlichen Fragen im Reichstag trug viel zur Berichtigung und Aenderung feiner Ansichten über das Zen- tritm bei, dem er, wie man sich erinnern wird,
noch kurz vor der Auflösung des letzten Reichstags offen zugestand,daß es eine patriotische Partei sei und um das Vaterland sich verdient gemacht habe. In feiner Partei war feine gerechtere Beurteilung des Zentrums und dessen parlamentarischer Tätigkeit sonst leider wenig vertreten. $m persönlichen Verkehr liebenswürdig und jovial, bewahrte er sich eine gewisse jugendliche Frische und Elastizität bis in sein hohes Alter. Mit ihm schied eine markante Persönlichkeit aus den Parlamenten, in denen er häufig durch originellesAustretep Heiterkeit, aber auch Interesse erregte. Er dürfte politische Aufzeichnungen hinterlassen Haben, die vermöge seiner nahen Beziehungen zum Fürsten Bismarck, vielleicht nicht weniger interessant sein möchten, als die Memoiren des Fürsten Hohenlohe. . .
* An den neuen Kultusminister tritt der Liberalismus mit weitgehenden Forderungen heran, die Freisinnigen fordern die Em- sührung der Feuerbestattung und die 9t a» tionallibetalen die Zulassung liberaler Theologieprosessoren. Was den letzten Punkt betrifft, so ist kürzlich in Marburg, dem Hauptsitz der liberalen Theologen, ein orthodoxer Professor angestellt werden, ohne daß die Fakultät gefragt würde. Nun fürchtet man in Marburger Kreisen, daß diese „Strasprosessur" der erste Schritt dazu sein soll, in der gegenwärtig blühenden, einheitlichen Marburger Fakultät auf die Dauer unhaltbare Zustände herzustellen, die gegenwärtig in Bonn herrschen, wo dix verschiedenen Parteien im ganzen Raume nebeneinander vertreten sind und sich untereinander bekämpfen. Sollte aber wirklich die Absicht der Regierung sein, an jeder Fakultät die verschiedene.! Parteien zur Geltung zu bringen, so fragt man sich, warum nicht in dem „positiven" Greifswald eine „kritische" Er- gänzungsprofeffur geschaffen wird. Bezeichnend für die Marburger Besetzung ist auch, daß der Berufene in den ganz wenigen Jahren, feilt)em er der Universität angehört, 3 verschiedene Fächer gelesen hat, von denen jedes eine volle Manneskraft erfordert, dergleichen kommt sonst nur dann vor, wenn der Betreffende ganz ausnahmsweise hoch begabt ist oder wenn die so vertretenen Disziplinen nicht gerade hoch im Kurse stehen. Liberale Blätter fordern die liberalen Theologen auf, ihr Amt niederzulegen, aber das lassen diele hübsch bleiben, wie wir schon wiederholt bei anderen Anlässen gesehen haben. Die Freisinnigen fordern die Zulassung der Feuerbestattung. ES habe vor langen Jahren bereits die kompetenteste kirchenregiurentliche Instanz, die Eisenacher Konferenz der deutschen Kirchenregierungen, ausdrück, lich anerkannt, daß die Feuerbestattung zu der protestantischen Kirchenlehre in keiner Weise in Widerspruch stehe. Die herrschende religiöse Auf- faffung stehe in den protestantischen Kirchen der Frage: ob Begräbnis, ob Einäscherung schlechtzr- dings gleichgiltig gegenüber. Die Regierung sei also in diesen, Falle päpstlicher, als der Papst. Huldige doch sogar in Berlin die strenggläubig« Kirchenbehörde bezüglich der Beteiligung der Geistlichen an Trauerfeierlichkeiten im Falle de, Leichenverbrennung längst einer milden Praxis. Die Freisinnigen hoffen nun vom Kultusminister, daß er ihren Wunsch erfüllt. Auch wir sind auf dessen Stellungnahme gespannt.
* „Dieser Leutnant liegt in Ehren", so äußerte sich kürzlich der Unterkapitän der Bondels, Joseph Christian, dem Pater Malinowski gegenüber in einer Erzählung über den Tod des am 24. Mai 1906 in Südwestafrika gefallenen
bedingt mobil gemacht werde,,. Desbalb V" heute schon auf jene Gegenden hingewiesen wer-
* .e Wahlbeteiligung bei ben letzten Reichstagswahlen.
Die amtliche Statistik über die Haupt- und Stichwahlen ist nunmehr erschienen; ihr Studrmn ist für jeden Politiker geboten. Die Presse muß zusammenfassende Artikel hieraus veroffentuchen, damit die Leser- und Wählerschaft dre richtigen Schlüsse aus dem trockenen Zahlenmatenal ziehen kann.
Das hervorstechendste Merkmal der letzten Wahlen war die ,
erheblich gestiegene Wahlbeteiligung,
,ie sich gegenüber 1903 von 76,1 Proz. auf 84,7 stroz. hob; aber trotzdem sind noch mehr Wähler zu Hause geblieben, als die Nattonalliberalen und Die Freis. Vereinigung zusammen an Stimmen erhalten haben. Die st ä r k e r e Wahlbeteiligung kam in erster Linie den Nationalliberalen zugute, deren prozentualer Anteil an den insgesamt abgegebenen Stimmen von 13,9 Proz. auf 14,5 Proz. sich hob; die Freisinnige Volkspartei kam von 5,6 Prozent auf 6,5 Proz. Die andern großen Parteien aber haben einen Rückgang zu verzeichnen: das Zentrum von 19,7 Proz. auf 19,4 Proz., die Konservativen von 10 Proz. auf 9,4 Proz. und die Sozialdemokraten von 31,7 auf 29 Proz. Den stärksten Zuwachs an Stimmen erhielten die Nationalliberalen mit 320 000, das Zentrum mit 300000, die Sozialdemokraten mit 250 000, die freisinnige Volkspartei mit 200 000. Bei dieser Rechnung ist freilich nicht außer Acht zu lassen, daß das Zentrum in einzelnen Wahlkreisen gar nicht ab- ■ stimmte, um eine Stichwahl zu vermeiden, daß es in anderen sofort Konservative unterstützte; so fielen in 93 ab e n in zwei Kreisen allein 15 000 Zentrumsstimmen auf die konservativen Kandidaten; in H a n a u blieben 5000 Zentrumswähler ferne. Also schon in diesen Wahlkreisen allein rmt das Zentrum feine 20000 Stimmen, die in r amtlichen Statistik nicht erscheinen; es darf somit mit Fug und Recht sagen, daß der absolute Zmvachs der Stimmen beim Zentrum der größte ist.
Wenn man nun die einzelnen Bundesstaaten nach der Wahlbeteiligung durchgeht, so findet man, daß Preußen den Reichsdurchschnitt hält mit 84,5 Proz.; die schlechtefte Wahlbeteiligung weist Bayern auf mit 79,2 Proz., und in Bayern selbst stehen am Ende jene Kreise, die nur Zentrumskandidaten in den Reichstag entsendet haben: Niederbayern mit 07,9 Proz., Oberpfalz mit 74,5 Proz., Oberbayern iit 72,1 Proz, Schwaben mit 80,5 Proz. Unter jem Reichsdurchschnitt stehen ferner noch Württemberg mit 81 Proz., Oldenburg mit 83,2 Proz. und Lippe mit 81,3 Proz. Die höchsten Wahlbeteiligungen zeigen fick' in Reuß ä. L. mt 95,1 Prozent, Bremen mit 93,1 Proz., Lübeck mit 92,5 Prozent, Neuß j. L. mit 91,9 Proz., Anhalt mit 91,7 Prozent. Man sieht also, daß Preußen, den Reichsdurchschnitt bestimmt, daß im allgemeinen die Mittelstaaten unter demselben stehen (mit Ausnahme von Sachsen mit 89,7 Proz.), und daß die Kleinstaaten sehr erheblich über den Reichsdurchschnitt hinausgehen.
Uns interessiert nun am meisten die Abstimmung in den Zentrumsbezirken, weil sich hier auch die Frage nahe legt: wie viel Zentrumsstimmen kann das Zentrum in diesen seinen Domänen noch aufbringen? Die Rechnung ist eine
Taler in der Bank, welche Du ebenfalls haben sollst. Mein Onkel hat die Summe für Dich bestimmt, damit Du in Deinen alten Tagen keine Not zu leiden hast." .
„Ich habe kein Recht auf das Geld, Fräulein Alice, es gehört Ihnen!" sagte Gretchen bestimmt.
„Dein, Dir!" beharrte Alice jedoch. „Mein Onkel hat es Dir hinterlassen für Deine langjährigen treuen Dienste, also ist es mit Recht Dein Eigentum. Sage nichts weiter über diesen Punkt. Denken wir lieber an die Zukunft!"
„Ja! Aber warum muß dieselbe uns von hier fortführen, wo alle Sie lieben?" wandte Gretchen ein. „Mir bangt vor dieser Reife nach England!"
Alice küßte ihre treue, alte Pflegerin, welche sie mit mütterlicher Zärtlichkeit umarmte.
„Fürchte Dich nicht!" sprach sie zu ihr. „Dort wie hier werden wir Menschen finden, die gut sind und die wir werden lieben können, und dort wie hier wird der liebe Gott mit uns sein!"
Schwer aber doch sollte beiden der Abschied von der Heimat — denn das war auch für Alice das schlichte Schwarzwalddorf — werden, und Tränen verdunkelten ihren Blick, als derselbe zum letztenmal das traute Pfarrhaus traf, und durch ihre Seele schlich sich die bange Frage: Würden sie dieses alles je Wiedersehen und wie dann — wie?
Ein nebeliger, regnerischer Abend, .der die Weltstadt im trübsten Lchte zeigte, war es, als Alice und das alte Gretchen in London an- langtcn.
Alice war das Leben und Treiben der großen Städte so unbekannt wie ihrer Begleiterin; aber ihr scharfer Verstand half ihr, die sich ihnen entgegenstellenden Schwierigkeiten zu überwinden.
Von der Charing-Croß-Station aus, fuhren sie nach einem kleinen Hotel, welches Alice nach der Beschreibung eines Fremdenführers als für sie passend herausgefunden hatte. Sie sollte sich
Ronian von Ed. Wagner.
12) (Nachdruck verboten.)
Etwa eine Stunde von Glenham-Lodge begegnete er einem schweren, von vier Pferden gezogenen Reisewagen, in welchem drei Damen saßen. Indem er an dem Wagen vorbeiritt, erkannte er in der einen dieser Damen Lady Glen- ham. Aber er hielt sein Pferd nicht an. Artig grüßend ritt er vielmehr vorüber, Pläne schmiedend, wie er fein Werk beginnen und sein Ziel erreichen konnte.
Sobald er Jnverueß erreicht hatte, beorderte er das Pferd nach Glenham-Lodge zurück und fuhr dann mit dem nächsten Zuge südwärts. In London angekommen, hielt er sich daselbst aber- gar nicht auf, sondern setzte seine Reise, die ihn nach Deutschland führen sollte, unverzüglich fort
„Nach Schönau!" sprach er zu sich selbst, und sein Gesicht strahlte im Vortriumph. „Während Lord Glenharn sich an fein dem alten Pfarrer gegebenes Wort gebunden hält und sich abmüht, feine stolze Fran Mutter feiner beabsichtigten Heirat geneigt, zu stimmen, mache ich ihm die Ge- ttebte abspenstig und gewinne sie für mich selbst l Denn ich habe es mir geschworen und werde es wir halten und es wahr machen: — Nicht ihm, lonöern mir soll sie gehören, — sie, die reizende Perle des Schwarzwaldes!"
Siebentes Kapitel.
Ihres väterlichen Freundes, des braven Pfarrers Tod war der schwerste Schlag, der Alice treffen konnte. Er beraubte sie des treuesten Beschützers, den sie bisher gehabt hatte, und gleich- tzeitig des Henns, das ihr das Pfarrhaus solange Jn Wirklichkeit gewesen war.
Fulda, Dienstag ben 23. Jult 1907.
34. Jahrgang.
JV8 166.
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Lricheiiu wu 2hmt h»e der Son» und.Feiertage, viertel- Mr, vezugspreis ohne vringerlchn nnd vei-ellgeld in Hulda und auswärts 1 BH. 50 Psg.
3Sp«yi« 'N si wochenbellage: „Illustrierte Zonntagzzeitung"
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