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Zuldaer

Zeitung

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Monatsbeilage: n

Fuld a, Samstag den 20.

JW 164.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Sie haben nichts davon erwähnt, Groß-

An;« «ye». DU ehr spaltige Defit;etle oder deren Raum 15 psg. Reklamen Ue Petltzettt 25 psg.; dei Wieder­holungen wird entspr. Rabah gewährt.

Rotati onr druck n Verlag der Hulda« 21« tiendr ickerei in 5nlda Stmlprebtr Nr. “.

*) Daß Frauen Rhöntouren machten, solche Eman­zipation war freilich ganz ausgeschlossen.________

Erscheint täglich mh Aurn hme der Sonn» unö Seiet lagt viertel' fülr». Bezugspreis ohne vringerl'hn und veilellgeldinSuldaund auswärts 1 Btt. 50 Pffl-

übersteigen."

„So werde ich gleich morgen hmuberfahren.

verfolgen mich fortwährend. Ich bleibe bei dem Glauben, daß ohne das unselige Testament mei- ncr Schwiegertochter Deine Stiefschwester heute noch am Leben sein würde. Vielleicht tue ich Dir unrecht, Gott gebe, daß dies der Fall sein möge. Es erscheint mir geradezu unglaublich, L>o weroe ta) gieia) morgen ^uuiuch«*^'-»1, i daß ein Wesen von meinem Blute sollte eine Ver- Großvater," sagte Lady Trevor lebhaft. „Wollen brecherin sein können!

- - • " — «-1- arL—1------•"> Lady Trevor war bleich wie der Tod gewor«

verantwortlilher Schriftleiter. 3. v. I. parjtBet in Kulda

Wer Geld hat, gibt in seinem Leben manchen schönen Taler zu Lustpartien hin, an deren Ende er sich verdrüssig fragt, was er denn für einen reellen Genuß dafür gehabt? Nicht die rauschenden Vergnügen sind es, bei deren Genuß man sich wirklich glücklich findet, sonderp nur die Naturfreuden allein geben einen, zwar stillen aber desto tiefer einwirkenden Genuß. Auf dem Dammersfelde ist ein geräumiges mit einem schönen Saale versehenes Haus, und man findet daselbst alle nötigen Bequemlicheiten: hat man sich da nun ausgeruht und lustwandelt dann am Morgen eines heiteren Juliustages auf diesem hohen Bergrücken, sieht, wie sich auf einmal ein großes Theater von Bergen und Tälern, bis lief in Sachsen und Hessen ’ hinein, eröffnet, sieht, wie hier ein großer Wald in tiefen Schatten, dort eine weithin grünende Flur im mildesten Lichte liegt, über kurz oder lang die Sonne sich ändert oder gar wechselt — atmet diese reine, nicht mit Herbergedünsten oder Sumpfexhalationen verunreinigte, nicht eingeengte, sondern von allen Seiten offene Luft, diesen wahren Lebensäther — bei einer Temperatur, die das rege Spiel der Sinne mehr anfrischt als abstumpst, und der angenehmen Abendwärme eines heiteren Mar- tages gleich kömmt, mittlerweile unten in den Tälern eine lästige Hitze drückt — ist man solcher­gestalt ein paar Stunden dem Einflüsse aller milden Elemente ausgesetzt gewesen: o dann fühlt man ein Wohlbehagen des Körpers, in dessen fortdauern- dem Besitze nur der glückliche Indier unter seinem Bananenbaume ist, und eine Exaltation des Geistes, als Folge des liefen Eindruckes großer

Vater."

„Ich dachte es. Sie gedenkt heute abend in Begleitung einiger Freundinnen dort anzukom­men. Ihr Aufenthalt hier wird eine Woche nicht

An diese Anzeige schließt sich folgender »Zusatz":

Daß Hr. Förster Post seine Dienste zu einer so interessanten Reise, als die auf den höchsten Punkt des Fuldaischen Landes, und auf seine so instruktive Umgebungen ist, mit so vieler Bereit­willigkeit anbietet, verdient unfern Dank, und wer aus Erfahrung weiß, daß Bergreisen ohne Führer meistens nur halb gemacht werden, wird den Werth dieses Anerbietens erst recht zu wür­digen wissen; möge er demnach das Vergnügen haben, den Genuß dieser Naturschönheiten recht vielen Herren, die für so etwas Sinn haben, mit­zuteilen und bequemer zu machen.

Verlohnt sich's denn aber auch der Mühe, nach dem Dammersfelde zu gehen und sich tobt« müde daran zu steigen? Wer freilich so was fragt, geht schwerlich mit, und er mag seines I Leibes bequemer zu Hause pflegen; das soll er thun, was geht's uns an? Aber jungen Män­nern, die bei noch regsamen Sinnen Geschmack an Naturfreuden haben, erlaube ich mir ein paar Aufmunterungen dazu zu geben.

Abgesehen davon, daß Vergreisen jetzt die allerneueste Mode sind, wäre es doch für einen jungen Mann, der Anspruch auf Bildung macht, I ein wenig Schande, in der Geographie seines Vaterlandes so wenig getan zu haben, daß man die höchsten Punkte desselben nicht mit eigenen Füßen umschritten hätte, wenigstens in seinem Leben nicht einmal; sonst geht's einem wie dem guten Tityrus beim Virgil, urbem quam dicunt I Romam, putavi stultus ego huio noetrae similem, I ober wie jenem Handwerksgesellen im Vademecum, welcher, als er 7 Stunden weit in die Ferne gegangen war, bei seiner Zuhausekuuft seiner Mutter klagte: Ach, Mutter, wie ist die Welt so groß! Dem künftigen Geschästsmanne wird Lokalkenntnis seines Vaterlandes die besten Dienste leisten, wie sich das von selber versteht.

den Saal. _ .

Eine Reise auf das Dammersfeld hat dem­nach, wie man sieht, ein vielseitiges Interesse, und ich weiß nicht Worte genug zu finden, um sehr viele Menschen dazu aufzusordern, nachdem ich alles das aus eigener Erfahrung kenne; sie wird Niemanden gereuen, man wird sie sogar mehrere Jahre wiederholen wollen, well die Phantasie bei dem ersten Besuche mehr überrascht als angenehm bezaubert wird, man wird laut wünschen, in bas Detail ber einzelnen Schönheiten eingehen zu können. Versteht sich, an einem sehr heileren Juli- ober August-Tage. Prof. H e l l er."

Und wer war der begeisterte Lobredner, der just vor hundert Jahren die anregende Skizze geschrieben hat?

Einer unser letzten Benediktiner: Pater Aegidius Heller?) ein Sohn der Rhön und ihr erster wissenschaftlicher Erforscher und Schrift- steiler. Er war es auch, der seinem begabten Schüler, dem späteren Geheimen Medizinalrat Dr. Joseph Schneidet) die Liebe zu den schönen heimatlichen Bergen in's Herz gepflanzt hat; wie sehr aber diese Liebe als Erbe ber Familie Schneider der Rhön zum Segen gediehen, bedarf keiner Erwähnung. Wir behalten uns vor, über den gelehrten Pater Aegid Heller, später ausführlicher zu berichten.

1) Geb. 1759 zu Reulbach, t 1810 zu Fulda im Gymnasialgebäude.

i) Geb. 1777, f 1854 zu Fulda.

* 120 000 Mark veruntreut Unter­schlagungen eines Verbandskas- sierers. Unliebsames Aussehen erregt in Gastwirtskreisen die erst jetzt in der breiten Oesfentlichkeit bekannt geworbene Tatsache, daß der Schatzmeister des DeutschenGaft- wirteverbandesKeckin Berlin aus der Verbandskasse mehralshundertzwan- zigtausend Mark veruntreut hat. Keck erfreute sich bisher bei feinen Kollegen der größten Wertschätzung und verwaltete verschie­dene Ehrenämter. Aber schon im vorigen Herbst machte die „Deutsche Gastwirte-Zeitung" An­deutungen, daß in der Kassenverwaltung des Schatzmeisters Keck mancherlei nicht stimme Daraufhin wurde, im V e r e in 5Ber t in er Gastwirte jene Angelegenheit angeschnitten, ohne daß aber eine Klärung herbeigeführt wor- I den wäre. Jetzt tritt die „Deutsche Gastwirte, zeitung" mit der Anschuldigung hervor, der ge- schäftsführende Ausschuß des Gastwirteverba n. des habe längst Kenntnis von den Unterschlagun­gen des Schatzmeisters gehabt, er suche aber die Sache zu vertuschen. Auf dem diesjährigen V e r- bandstage hatte jedoch der Ausschuß nicht umhin gekonnt, einem beschränkten Kreise von Delegierten in geheimer Sitzung reinen Wein einzuschenken. Dort sei die Höhe der v e r u n - treuten Summe auf 120 000 Mark beziffert worden, für die aber Deckung ge- geben sei. Verschiedene Freunde des Schatzmeisters hätten 55 000 Mk. beige- I steuert, und der Rest von 65 000 Mk. sei als Hypothek auf ein Grundstück des Keck eingetragen worden. Zur Sicherheit der Ver­bandskasse hätten einige bemittelte Kollegen noch solidarische Bürgschaft für jene Hypothek über­nommen, so daß die Verbandskasse auf diese Weise vor jeder Einbuße bewahrt bleibe. Der diesjährige Kassenbericht des Verbandes weist unter den Vermögensobjekten in der Tat eine Hypothekvon 65 000 Mk. auf, die in frühe­ren Kassenberichten nicht zu finden war. So peinlich auch die Veruntreuungen berühren, so wird es sich nun doch nicht mehr vermeiden las- ’ fen, daß die Versammlungen des Vereins Ber­liner Gastwirte und Berliner Weißbierwirte sich in voller Oesfentlichkeit mit dieser Angelegenheit beschäftigen. . ,

* Eine ägyptische Prinzessin „unter dem Hammer". Aus London wird berichtet: Bei Stevens veriammelte sich am Dienstag eine Anzahl von Altertumssrenn. den und Samlern, um der Versteigerung einer Mumie einer ägyptischen Prinzessin, die in einem reich mit Malereien verzierten Sarge lag, beiznwohnen. Der obere Teil des Sargkastens zeigte die Geflalt der Prinzessin in bemaltem Relief, mit einem Skara- bäus über dem Haupte und dein Falten und der Sonne, den Emblemen des Horus, auf den Schill- tern. Die Mumie und der Sarg waren ausgezeich­net erhallen, und sie wurden schließlich von einem Privaimanne für 322 Mk. gekauft.

vermischtes.

* Hamburg, 19. Juli 1907. Durch Explosion einer umgefallenen Petroleumlampe entstaub Deichstraße 14 ein gewaltiger Speicherbranb, ber sich schnell ausbehnle, ba ber Speicher bas Polsterlager ber Firma Wertheim unb Stern enthielt. Der entftanbene Schaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Mark.

Erst nm zehn Uhr am nächsten Morgen er­schien Lady Trevor im Frühstückszimmer. Der Morgen war schön und hatte die Herren hinaus­gelockt zu einer Jagdpartie; die Damen saßen plaudernd am Frühstückstisch.

Lady Trevor nahm an der Tafel Platz, den Gästen gegenüber ihre gewöhnliche Anmut be­obachtend. Lord Leonards hatte in seinem eige­nen Zimmer gefrühstückt und war noch nicht er­schienen, wie die Lady auf ihre Frage durch den Diener erfuhr. ,

Etwa eine Stunde später trennten sich die I Damen. Einige gingen mit ihren Zeichenmap­pen hinaus an das felsige Gestade, andere mach­ten einen Spaziergang in die Waldungen und noch andere verfügten sich in die Bibliothek.

Lady Trevor begab sich in das Morgen­zimmer.

Bei ihrem Eintritt in dasselbe fand sie den Marquis von St. Leonards allein dort anwe­send. Er lehnte gegen den Kamin und schien abstoßend stolz und unnahbar wie immer; Lady Trevor aber eilte mit erkünstelter Liebe auf ihn zu unb streckte ihm mit mädchenhafter Geziert­heit die Hand entgegen.

„Guten Morgen, Großvater!" rief sie leb­haft. „Ich hoffe, daß Sie wohl geruht haben!"

„Sehr gut, danke!" erwiderte der Marquis kalt. „Ich ruhe immer gut! Ich will hinüber- reiten nach Glenham-Lodge, um dem Grafen meine Aufwartung zu machen, habe aber vorher noch ein paar Worte mit Dir zu sprechen. Habe ich Dir gestern abend gesagt, daß Lady Glenham beabsichtigt, ihren Sohn in Glenham-Lodge zu 1 besuchen?"

Sie nehmenden Paletot mit- das ist gut!

i!|3 Aber vergessen Sie nur fr nicht eine Schachtel (Q Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen hinein. JC zustecken — die tun Ihnen die besten Dienste 53 auch in der stärksten Hitze, wenn ein Pal tot *3 Ihnen nichts nützen kann. Fays ächte Sodener 3< sind auf Touren, Spaziergängen, "Ausflügen re. ^wirklich nicht zu entbehren, da sie aller un- Ä liebsamen Folgen eines solchen Ausfluges wirb- 2« sam vorbeugen und den ganzen Orgamsmus ö ungeheuer günstig beinflussen Dre Schachtel kostet 85 Psg. und ist in allen Apotheken, Drogen-und Mineralwasserhandlungen zu haben.

Sie heute mit dem Grafen über die Abenteurerin I sprechen ,in welche er sich verliebt hat?"

„Gewiß!" versetzte der Marquis. „Die Gräfin versichert mir, daß ich einen großen Ein­fluß auf ihren Sohn besitze, und hat mich gebeten, diesen Einfluß geltend zu machen, um ihn von dem fremden Mädchen abzubringen. Es bedurfte dieser Aufforderung kaum, denn ich liebe Gor- don, als ob er mein eigener Sohn wäre, und kann den Gedanken nicht ertragen, daß sein Le­ben verkümmert werden sollte wie das meines Sohnes. Ich werde ihm Vorstellungen machen, aber wie kann ich hoffen, Erfolg zu haben, da selbst seine Mutter nichts auszurichten ver- mochte?"

„Werden Sie mit ihm auch über mich spre­chen?" fuhr Lady Trevor zögern zu fragen fort.

„Ich weiß es noch nicht!" erwiderte der alte Herr etwas unsicher. Lady Glenham wünscht, daß ich ihm einen Wink gebe, ober — Ediths Gordon ist ein guter, edler Mensch und ich fürchte, Du bist seiner nicht würdig!"

„Sie sind sehr unfteundlich gegen mich, Großvater!" stammelte Lady Trevor.

„Ich bin aufrichtig!" entgegnete der Mar­quis finster. „Du warst eine ungehorsame Toch­ter, eine treulose Freundin. Zweifel übe? Dich I

unb erhabener Naturmalereien. Die reichen Rö- mer verließen im Sommer die heißen Ebenen Italiens und retirierten sich auf Berge, um dort bis angenehme Kühle zu genießen; der irritable Horaz setzte lieber Alles auf's Spiel, um aus der ©tabt weg auf diese Höhen zu kommen, unb ich lasse es mir nicht nehmen, dort hat er seine besten Verse gemacht, dieser Liebling der Ca- rnönen! Die Aerzte haben in neueren Zeiten baS Luftbad gepriesen; dieß findet man unter obigen Umständen auf Bergen ober nirgends.

Junge Botaniker — hierher, in diese Wald-1 unqen, diese übervollen Magazine von Florens Reichtümern, wenn ihr Schönheiten, Seltenheiten suchet: zur rechten Zeit angekommen, habt ihr nicht Hände, nicht Porte-Feuilles genug, um bie reiche Ausspenderin vollends leer zu plündern; geht nur immer zu, ihr geht nicht fehl! Ver­gesset nebenbei der lieben Entomologie nicht, dort gibt'S Prachtkäfer, ober nirgends.

Endlich ihr, noch nicht vom erschlaffenben Einerlei der GefchäftSarbeithalberstorbeneMenfchen, junge Männer, denen Melpomene lachte, als ihr gebohren wurdet. Dichter, Maler, Bilbuer unb Virtuosen jeder Art, — hierher auf diese Dammers­feld er Kuppe, unb hinabgesehen in dieses lebendige Spiel von Kräften unb bann ließ, bu Dichter, wenn dn's kannst, ben Oberon, ohne daß dir hier alle Adern tiefer pulsierten, Maler sieh diese Licht- unb Schatten-Masse und lerne weiter nichts, wenn du's kannst, komm mit kaltem Kopfe von bieser Kuppe und begehre zu effen unb zu trinken für beinen Leib, fobalb bu hinüber kömmst in

den.

„Ich bin Ihre Enkelin und also wehrlos in Ihrer Macht!" sprach sie. „Meine Stiefmistter vertraute mir, ich habe ihr Vertrauen nicht ge­täuscht. Das Kind war meine Stiefschwester, ein anmutiges, kleines Geschöpf von drei Jahren, welches mich liebte. Und Sie verdächtigen mich, daß ich sie getötet habe! Wie soll ich mich verlest digen gegen eine solche Anklage?"

Sie rang ihre Hände wie in namenlosem

„Vielleicht tue ich Dir ja unrecht damit,"' sagte der Marquis, „aber weshalb hast Du daS Kind nach dem Tode seiner Mutter so lange von mir ferngehalten," ,, . .

„Das Kind war krank. Ich wußte, tote sehr Sie es liebten, und wagte nicht, es krank unb elend zu Ihnen zurückzubringen."

„War es krank, als Du mit ihm Rom ließest?"

"Aber ich bin, wie ich Dir sagte, kürzlich in Rom gewesen, in dem Hause, in dem mem Sohn mit seiner Frau wohnte. Ich habe nut der Wirtin gesprochen und sie sagte nur, daß da, I Kind gesund und munter gewesen fei,"

Sie Peck M SchMMldes.

Roman von Ud. Wagner.

10] (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

„Nein, nein!" sagte die Lady ungeduldig. 1 „Ich gebrauche nichts mehr für die Nacht! Du kannst gehen!"

Als das Mädchen sich entfernt hatte, ging Lady Trevor einigemale durch das Zimmer, trat dann ans Fenster, schlug die Gardine ein wenig zurück und sah hinaus in.bie Nacht. Alles war | dunkel, kein Stern schimmerte durch den dichten Nebel, der die Finsternis noch undurchdringlicher machte. Schaudernd wandte sie sich vom Fenster wieder ab und setzte sich von neuem an den Ka­min, in dem noch ein lustiges Feuer flackerte.

„Ich bin in Pulford's Gewalt", sprach sie ■ halblaut vor sich hin. „Und ich sehe keine Er­lösung aus der drohenden Gefahr! Das einzige, was ich versuchen kann, ist, mich seiner zu ent- ledigen, unb wenn ich ihm die Hälfte meines ganzen Vermögens geben soll! Denn nie kann ich stin Weib werden! Ich hasse ihn!"

Sie hatte die letzten Worte unwillkürlich laut gesprochen. Erschrocken über sich selber ^say sie sich nun um. Wenn es jetzt hätte sein kön­nen, — in dieser Stunde wäre sie bereit gewesen, einem unheilvollen Entschluß sogleich die Tat folgen zu lassen, würde es ihre Rettung, ihre Befreiung aus dem Joch des Elenden gegolten haben, der in Wirklichkeit ihr Herr war, — der Herr ihres Schicksals ... ..

± WlltlMttll vor hundert Jahren. , „Wenn der Frühling auf die Berge steigt" - j bann erwacht in uns Fuldaern ^jährlich aus. Neue die Sehnsucht nach unserer heben Rhön. Wir kennen unsere schönen heimatlichen Berge und es zieht uns immer unb immer wieder zu ihnen! Wie allgemein diese Zugkraft wirkt, können wir jetzt wahrnehmen, wenn die Eisen, bahnzüge an Sonntagabenden aus der Rhön heimkehren. Die Berglandschaft mit ihren wundersamen Reizen ist uns erschloffen und so nahegerückt, daß jedes Kind mühelos zu ihr den Weg findet. Es unternehmen barum auch die niederen Schulen wenigstens einmal im Jahre ihren sommerlichen Rhönausflug. Begeisterte Naturfreunde aber studieren selbst die Wmter- pracht der Gebirgswelt und sogar Vertreterinnen des zarten Geschlechts lockt es dann durch Schnee und Eis zu ihr hin.

Wie anders war dies doch vor hundert Jahren! Das war jene Zeit, von der Annette von Droste singt:

„Da gab e3 noch ein Sehnen, Ein Hoffen unb ein Glühn, . I

AiS noch der Mond „durch Tränen In Fliederlauben' schien. Als man dem „milden Sterne" Gesellte, was da Lieb.

Und „Lieder in die Ferne" Auf sieben Meilen schrieb!

^a, damals lag die Rhön gar weltentlegen unb auch für bie Fuldaer in so weiter Ferne, daß eine Rhönreife ein Ereignis war, zu dem schier so viel Unternehmungslust gehörte, wie jetzt „wo offen alle Weiten, und jede Ferne nah" zu einer Rom- unb Norblandsfahrt. Denn wie sich zu einer solchen eine Gesellschaft unter einem gemeinsamen Führer gern zusammen zu tun pflegt, so rüstete man sich Anno dazumal zu einer Rhönreife.

Wer's nicht glauben will, der kann es tm .Fuldaischen Jntelligenz-BIE vom Jahre 1807 ersehen, in dem sich folgende bezeichnende An­zeige findet: t

„Unterzeichneter hat sich durch den Genuß der Naturschönheilen, welche das Dammersfeld unb bie angrenzenden Wälder barstellen, sehr oft glücklich gefühlt und immer den Wunsch 'bei sich gehegt, daß er auch anderen Menschen zu diesem Genüsse verhelfen könnte. Er offeriert 'demnach Herren»), bie Lust zu einer Reise dahrn haben, andurch feine Dienste, und wird sie in alle Gegenden unb Stellen, wo er auf etwas Interessantes aufmerksam machen zu können glaubt, bere.twillig einführen unb begleiten. Der schick­lichste Sammelplatz dürfte wohl das Dammers- selb selbst seyn, inbem man daselbst nicht nur die ersten Bedürfnisse befriedigen, sondern auch von da aus als einem gemeinschaftlichen Zentrum bie beliebigen Ex- unb Rekursionen mit Bequem­lichkeit machen kann. Wollten mir also Herren, bie an fo einer Lustreife Freube finben, die Zahl der Gesellschaft und den Tag ber Zusammenkunft vorläufig belannt machen, so würden sie mich dadurch in Stand setzen, die ganze Reise vorzu- bereiten, unterhaltender und bequemer zu machen.

Schmalnau, den 30. May 1807.

I. G. Post, Förster."