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Maer MZeitung

wochmbtiiaze: „Illustrierte Sonntagrzeltung" Mnatiden-ge: „8«ldaer Seschichtrblättrr"

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Rotation,druck u. Verlag der Znldaer Ao tiendrrckerei in 8«ld» zernsprecher Nr. 9.

34. Jahraang.

Fulda, Mittwoch den 17, Juli 1907.

M 161.

t. Ueber die innerpolMsche Lage hat sich dieser Tage auch der General-Direktor des Bolksvereins, Dr. Pieper in Krefeld, vor seinen Wählem in bemerkenswerter Weise aus- gesprochen.

Sie erhalte, meinte er, ihr hauptsächlichstes Charakteristikum in der durch die Neuwahlen zum Reichstage herbeigeführten

Ausschaltung der Zentrums-Fraktion aus der Mehrheitsbildung im Reichstage. Für das Bestreben der Regierung, diese Situation nach Möglichkeit dauernd zu erhalten, führte Redner drei Gründe an. Zunächst die in weiten Kreisen herrschende und mit Vorbedacht genährte Antizentrums-, antichristliche und anti­kirchliche Stimmung. So sehr diese Stim­mungen noch auf Vorurteilen beruhen, müssen wir doch mit ihnen rechnen und sie durch den Gegenbeweis der Tat entkräften, indem wir auf allen Gebieten des praktischen, politischen und kulturellen Lebens vorwärts gehen, vermeiden, den Gegnern Anlaß zu Angriffen zu geben, jede Gelegenheit benutzen, mit den Andersdenkenden juf den neutralen Gebieten zusammenzuarbeiten und den freiheitlichen Auffassungen der Zeit Rech­nung tragen — mit einem Worte praktische Ar­beit durch erhöhte Leistungsfähigkeit auf allen Kulturgebieten verrichten. Der zweite Grund liegt in dem Umstande, daß die Regierung eine in allen Fragen gefügige Mehr­heit haben will, wozu ihr der Freisinn durch seine Abschwenkung ins Regiernngslager verholfen hat, während zu einem solchen Verzicht auf jegliches selbständiges Urteil das Zentrum sich natürlich nicht verstehen kann. Dieses hat aus der ver­änderten Sachlage nicht etwa die Folge zu ziehen, daß es nunmehr eine verärgerte Oppositions­politik, eine Radikalpolitik betreibt, es muß viel­mehr eine verhandlungsfähige Partei bleiben und eine vornehme, ruhige Politik treiben, weil es eben Politik macht aus Gewiffensgründen, aus eigener Ueberzeugung. Dazu gehört

Aufklärung der Wählerschaft, Disziplin und politische Schulung.

Der dritte Grund liegt in dem Be­streben des Liberalismus, zu politischer Macht zu kommen, ein Bestreben, das unter den gegenwärtigen Umständen das verständnis­volle Entgegenkommen der Regierung sinder. Der Liberalismus kargt auch nicht mit Versprech ungen auf dem Gebiete der Sozialpolitik, ein Experi­ment, dessen Entwickelung da? Zentrum ruhig abwarten kann, denn bessere Sozialpolitik, als das Zentrum geleistet hat, kann auch der Libe­ralismus nicht machen. Im übrigen macht das Zentrum auch auf diesem Gebiete mit, wie seit­her. Notwendig ist jedoch, daß die sozialpoliti­schen Gesetze im Lande mehr verstanden und befolgt, daß die sozialen Probleme durchdacht und neue Vorschläge aus den beteiligten Kreisen Heraus gemacht werden, dann kommen auch praktische Vorschläge heraus, dann gewinnt die Partei und die Fraktion an Einstuß, wie ander­seits die Einigkeit und das Solidaritätsgefühl der verschiedenen Stände eine wesentliche Förde­rung erfährt. Das wichtigste ist eine

schlagbereite Parteiorganisation;

fie ist die Grundlage für jegliche Arbeit und jeg­lichen Erfolg. Darauf gestützt, wird das Zent­rum, getreu feinen bisherigen Grundsätzen, unbe-

Ae Perle des §chmrWli>e§.

Roman von Ed. Wagner.

6] (y<ad;örud verboten.)

„Treten Sie näher, Pulford", sagte die Lady unmutig, als er an der Tür stehen blieb. „Sind die Herren von der Jagd zurückgekehrt?"

„Ja, Mylady", antwortete Pulford unterwür­fig, „sie kamen vor einer halben Stunde heim."

Sie wandte ihr Gesicht von ihm ab, als sie «eiter fragte:

„Ist Glenham-Lodge schon bewohnt, Pul- sord?"

Ueber Pulford's Gesicht flog ein Schatten.

„Ja, Mylady", sagte er. „Einer von den Herren war heute morgen dort; er sagte, daß Lord Glenham und Mr. Grafton in Gesellschaft anderer Herren heute angekommen seien."

„Der Weg ist nur fünf Minuten weit", sagte Lady Trevor, wie zu sich selbst. „Ich könnte doch erwarten, daß Lord Glenham mir seine Aufwartung machte."

„In diesem Regen, Madame?" fragte der Sekretär mit spöttischem Lächeln. „Lord Glen­ham wird nicht ahnen, daß Sie ihn so entschieden «Vorzügen, und sollte er es doch wissen, so ist « offenbar, daß er diese Bevorzugung nicht er­widert."

Lady Trevor wandte sich zu ihrem Sekretär mit 3urneni)er Miene.

„XBte können Sie es wagen, so zu mir zu sprechen, Sir?" rief sie mit stolzer Entrüstung. "Sie vergessen sich, Mr. Pulford! Wiederholt sich das, so werde ich Sie aus meinem Hause wei-

und aus memen Diensten entlassen!"

Pulford lächelte ruhig; diese Drohung schüchterte ihn offenbar nicht im geringsten ein. „Sie sind es, die sich vergißt, Madame", der- Letzte er kiibl. „Wollen Sie sich nur eines Um­

irrt weiter arbeiten. In einem weiteren Referat verbreitete sich Dr. Pieper noch eingehend über die

Mittelstandspolilik,

auf welchem Gebiete die Regierung eine ganze Reihe von Anträgen eingebracht hat, die sie früher dem Zentrum gegenüber abgelehnt hatte, so den kleinen Befähigungsnachweis, die Siche­rung der Bauforderungen der Handwerker. Da­neben hat das Zentrum eine Anzahl von An­trägen eingebracht, die ein vollständiges Pro­gramm darstellen zur Förderung der Interessen des gesamten Mittelstandes, des Handwerks wie des Kaufmannsstandes, für welch letztem nament­lich durch die beantragten Erhebungen über die Lage des mittleren Kaufmannsstandes endlich die längst vermißte Grundlage sür die genaue Beurteilung seiner Lage geschaffen werden soll. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Aktien der Mittelstandspolitik gestiegen sind, zu­mal auch die Liberalen sich jetzt dafür interessieren, was zweifellos als ein moralischer Sieg des Zentrums zu betrachten ist. Dieser günstige Umschwung ist zum Teil auch darauf zurück­zuführen, daß der Mittelstand, vor allem das Handwerk selbst, sich mehr für die Besserung seiner Lage interessiert und die ihm zur Ver- sügung stehenden Mittel und Organisationen ausnutzt. Daraus hat die Regierung gesehen, daß noch Lebenskraft im Mittelstand ist. Auf diesem Wege der Selbsthülfe muß weiter gear­beitet werden.

Deutsches Keich.

Berlin, 16. Juli 1907.

* Die Kaiserin wird am 22. Juli auf Schloß Wilhelmshöhe eintreffen. Der Kaiser wird dagegen erst am 5. August erwartet, nach­dem er im Anschluß an seine Nordlandreise einige Tage in Swinemünde sich aufgehalten hat. Arn 16. August findet auf Schloß Wilhelmshöhe in Gegenwart des Kaiserpaares die feierliche Nagelung von 61 Fahnen für das 7. und 10. Armeekorps statt.

.-. Posadowskys Sturz behandelt Maxi­milian Harden in der neuesten Nummer der ,Zukunfst folgendermaßen: ,

„War Graf Posadowsky den Schwarzen verbündet? Nein; er ist nur so weit mit ihnen gegangen, wie zwei Kanzler wünschten und wie die größte Partei der drei Haupt- Parlamente fordern durfte. Ja: er hat nicht geglaubt, daß ohne sie auf die Länge Nütz­liches zu schaffen und gegen Wurmfraß zu sichern sei. Wollte er sterben und war für's letzte Stündlein bereitet? Nein! Herr von Lucanus rief ihn (durchs Telephon) von weitausblickender Arbeit und konnte, als er nach einem Besuch von knapp viertel­stündiger Dauer das Reichsamt verließ, schon das Abschiedsgesuch mitnehmen (das im voraus genehmigt war) und das Zeichen zur Ankündigung des Personalwechsels geben. Stärkt solche Eilfertigkeit die Au­torität hoher Staatsbeamtenschaft? Ja, denn sie lehrt, daß auch bei uns, wie in der engeren Welt der Ilias, Einer allein herrscht. Einer nur König ist. Und nun spaltet kein Splitter mehr die Willenseinheit der höchsten Diener? Rein: für Emen stehen jetzt Alle. Sind Sie auch liberal? Nicht reaftionäc . . . Die Hand an den Griff (des Automaten): Jeder bekommt sein Päckchen."

staudes erinnern. Was würde in der Beziehung wohl geschehen, wenn Sie mich aus Ihren Dien­sten entließen?"

Die Augen der Lady senkten sich vor seinem durchbohrenden Blick. Ihr Zorn machte unver­kennbar der Furcht Platz.

„Es war natürlich nicht so gemeint, Pulford", sagte sie in begütigendem Tone. „Sie sind mir ja zu unentbehrlich, als daß ich Sie entlassen könnte! Aber Sie dürfen nicht wieder so zu mir sprechen!"

„Vielleicht wäre es besser für uns, wenn wir endlich einmal zu einer Verständigung kämen," ergriff Pulford, nachdem er sie eine Weile scharf gemustert hatte, das Wort. „Ich diente Ihrem Gatten viele Jahre lang. Als er starb, begleitete ich Sie auf Ihre Güter, in meiner früheren Stel­lung verbleibend, und war so respektvoll gegen Sie wie ein Untergebener. Ist das nicht so?"

„Warum sollte das nicht so sein?" brachte Lady Trevor etwas gezwungen hervor. „Erhal- len Sie nicht ein Salär, um welches mancher Edelmann Sie beneiden könnte? Werden Sie nicht unter meinen Gästen ebenso gyehrt wie diese?"

„Wohl wahr, und soweit ist auch alles gut, Madame", sprach Pulford gelassen. „Aber ich habe ein Recht an dieses alles, und noch mehr als das. Erinnern Sie sich einer Unterredung zwischen Ihnen und mir vor Jahresfrist in Lord Leonards' Landhaus?"

Ein Blick der Entrüstung blitzte aus ihren schwarzen Augen zu ihm hinüber.'

„Sie tun gut, mich nicht daran zu erinnern, Mr. Pulford!" versetzte sie mit nur mühsam be­herrschter Heftigkeit.

„Sie müssen mir schon gestatten, anderer An­sicht zu fein", entgegnete er ruhig. „Ich stellte da­mals die Frage an Sie, ob Sie geneigt wären, mein Weib zu werden. Sie zeigten sich empört

* Freiherr v. Stengel, der Staatssekretär des Reichs - Schatzamtes, vollendet am 19. Juli fein 70. Lebensjahr. Ueber 40 Jahre hat er im bayerischen Staatsdienste gestanden; im Jahre 1873 wurde er als Regierungsrat in das bayeri­sche Finanzministerium berufen, 1879 zum Ober- rechnungsrat, 1882 zum Ministerialrat ernannt; 1884 wurde er stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrate und zugleich Mitglied der Ver- waltung des Reichs - Jnvalidenfonds und des Reichsbank - Direktoriums. 1895 wurde er zum Ministerial-Direktor befördert und 1898 Staats- rat der Krone Bayern; 1903 erfolgte seine Er­nennung zum Staatssekretär des Reichs-Schatz­amtes. — Zurzeit weilt Freiherr v. Stengel, wie fast alljährlich, zum Sommerausenthalt in Bühl im Allgäu, von wo er erst im nächsten Monat nach Berlin zurückkehren wird.

* Dernburg-Kult. Das deutsche Volk muß sich in geistiger Beziehung etwas auf abschüssiger Bahn bewegen, sonst könnte es nicht einen Mann wie Dernburg so verherrlichen; was hat er denn bisher geleistet? Mit seinen polittschen Maßnahmen ist fast niemand zufrieden und der Haß gegen das Zentrum allein macht keine glück­lichen Zustände im Reiche. Jetzt wird diese Ge­schichte von dem neuesten Tagesgötzen selbst den Freunden Dernburgs zu toll; so schreiben die .Leipziger Neuesten Nachrichten': „Den Leuten, deren Hoffnung Dernburg schon jetzt, da er am Anfang seiner Arbeit steht, enttäuscht hat, mag als Ideal so etwas wie das persönliche Regiment Friedrichs des Großen vorgeschwebt haben. In der Praxis würde ihnen eine solche Methode am wenigsten behagen. Tatsächlich sind sie vorläufig auch nur deshalb unzufrieden, weil ihnen die äußere „Aufmachung" der neuen kolo­nialen Aera zu schlicht und geräuschlos ist und weil ihr Bedürfnis nach tagtäglichen Dernburg- Anekdoten nicht auf seine Rechnung gekommen ist. Es wäre geradezu verhängnisvoll, wollte der neue Kolonialsekretär in einer fatschen Populaci- tätssucht seine Arbeitskraft in der persönlichen Kontrolle der kleinsten Detailfragen zersplittern, er würde sie dann darin verbrauchen, und die großen Fragen einer systematischen Nutzbarmachung unserer Kolonien, auf die schließlich alles ankommt, würde dadurch wieder in dm Hintergrund gerückt. Selbst ein Mann von der größten Arbeitskraft bleibt auf die Vorarbeiten seiner Unterbeamten angewiesen." Die ,Freis. Ztg/ aber bemerkt: „Nun wäre es aber wirklich an der Zeit, daß man Herrn Dernburg ruhig reisen ließe und nicht mehr so viel Wesens von seiner Fahrt nach Ostafrika machte. Um eine Haupt- und Staats­aktion handelt es sich dabei doch nicht." Das Blatt scheint zu verkennen, daß es Kreise gibt, die eine Staatsaktion hierin sehen. So mutet es lächerlich an, wenn Berliner Blätter berichten, daß man dem Staatssekretär unmittelbar vor seiner Abreise aus Berlin auf dem Anhalter Bahnhof eine rote Aktenmappe gebracht habe und daß er sofort mehrere Unterschriften gegeben habe. Schließlich wird der „Allerwelts"-Dernburg noch mit den Füßen schreiben lernen müssen, da- mit er, so lange er im Reichstage sitzt oder spricht, noch Unterschriften geben kann. Von den anderen Staatssekretären hört man fast nichts; sie tun aber auch ihre Pflicht; wir erinnern nur a^Graf Posadowsky. Diese Art des Dernburg-Kult ist nachgerade widerlich und muß in allen ruhigen Kreisen nur Anstoß erregen.

* Gibt es Jesuiten-Affiliierte? Bisher haben wir davon allerdings noch nichts gewußt;

über diese Frage, schließlich aber wiesen Sie mich aus dem Grunde zurück, weil Ihr Gatte erst ein Jahr tot war und Sie Ihren Großvater, den Marquis von Leonards, nicht erzürnen wollten durch eine so rasche zweite Heirat. Ich ließ diese Gründe gelten und geduldete mich. Ich habe ge­mattet. Während der letzten zehn Monate habe sich kein Wort von Liebe zu Ihnen geäußert; jetzt aber ist die Zeit gekommen, daß ich sprechen muß. Ihre wachsende Neigung sür Lord Glenham for­dert mein Einschreiten. Es wird das richtigste sein, wenn unsere Beziehungen zu einander fest, gesetzt werden, ehe Lord Glenham zu Castle-Cliff erscheint, und darum erneuere ich jetzt meinen Heiratsantrag I"

„Sie vergessen sich!" rief Lady Trevor wie zuvor. „Ich Ihr Weib? Sie müssen wahn- sinnig sein!"

„Nicht doch, Madame," erwiderte Pulford lä­chelnd. „Als Sir Albert Trepor starb, stand es sofort in mir fest, daß fein anderer als ich sein Nachfolger werden dürfe, und ich werde unter keinen Umständen ein Vorhaben aufgeben, das auszuführen ich mir geschworen habe. Ich bin Ihr bezahlter Diener, ich bin aber auch Ihr Herr!" Und seine Augen funkelten wild. „Ich bin Ihr Herr, — Sie wissen das, —und so er­warte ich Ihre Antwort auf meinen Antrag!"

„Es ist unmöglich — gänzlich unmöglich!" rief die Lady erregt. „Ich heiratete Sir Albert Trevor gegen den Willen meines Großvaters, was er mir bis auf den heutigen Tag noch nicht vergeben hat; denn er hat seitdem noch nie wie­der ein Wort mit mir gesprochen, mich noch nie wieder vor seine Augen gelassen. - Der Marquis ist namenlos stolz. Er kann es mir nicht bet­reiben, daß ich feinen edlen, makellosen Namen durch die Heirat mit einem Abenteurer und Spie, ler vermischt habe. Zwar hat er mir erlaubt, wäh­rend feiner Abwesenheit hier sein Schloß zu be­suchen, aber ungeachtet all meiner Briese und

aber wir werden eines Besseren belehrt durch einen Artikel, den „Der alte Glaube" Nr. 37 der süddeutschen Halbmonatschrift ,März' nach, druckt. Darin werden Kardinal Luigi Oreglia, wie auch Della Chiesa, Würdenträger im Vatikan ufw. als „Affiliierte" der Gesellschaft Jesu auf- gezählt. Dann heißt es am Ende des Artikels:

„In der Redaktion jedes namhaften Zentrums- blattes im Deutschen Reiche sitzt ein Schüler oder Assistierter der Jgnazianer, der seine geheimen Weisungen aus dem Kollegium Germamcum von San Niecold da Tolentino aus dem Viminalischen Hügel zu Rom erhält."

Das ist eine schauderhafte Entdeckung! Von den Jesuiten-Affiliierten wußte man seltsamer­weise in katholischen Kreisen bis jetzt nicht das geringste; es ist doch gut, wenn man so etwas wenigstens aus protestantischen Blättern erfahren kann. Da werden wir an die Geschichte er­innert, welche der Abg. Erzberger in seiner Schrift Der Toleranz-Antrag (S. 8) erzählt, daß ihn ein hoher Beamter, der einen protestantischen Staat im Bundesrat vertritt, „nicht für einen Ordensgeistlichen aber für Weltpriester" gehalten hatte, obgleich er Schnurrbart und Trauring sah. Die Unkenntnis gar vieler Protestanten in kathc lischen Dingen ist überaus kraß.

* In Sachen des Iudex schreibt in der „Deut­schen Reichszeitung" den allzu lauten liberalen Blättern ein Reichstagsabgeordneter das Fol- gende ins Stammbuch: „Der Liberalismus sollte zuerst ruhig sein; er hat im staatlicher Strafgesetzbuch Bestimmungen geschaffen, die weit über den Index hinausreichen. Wir er- inncrn nur an die Beschlagnahme von Schriften. So las ich eben noch, daß in Oberschlesien 18 000 polnische Bücher, die nach Amerika gehen sollen, zuerst beschlagnahmt wurden: als man den Irrtum einsah, gab man der Sendung einen Gendarmen bis Bremen mit, damit ja fein Buch nach Oberschlesien fomme. Die ganze liberale Presse aber findet dieses Vorkommnis ganz rich­tig. Noch etwas anderes. Schreiber dieser Zei­len ist Reichstagsabgeordneter; als die Mili­tär r o m a n e in der Oeffentlichkeit eine Rolle spielten und im Reichstage besprochen wurden, bat er in der Neichstagsbibliothek um einen die­ser Romane, um ihn lesen zu können. Aber er erhielt die Antwort: „Das Buch ist beschlag­nahmt; ich bedauere, es Ihnen nicht geben zu können." Damit war es aus. Geht nun die katholische Kirche soweit wie der Staat? Mit nidjten. Ich kann unter Umständen jedes Buch lesen, das auf dem Index steht. Deshalb sollten die liberalen Schreier doch erst Kirche und Staat mit demselben Maße messen. Nationalliberalk Zeitungen belieben es, gegen die Jesuiten zu Hetzen: diese sollen die neuesten Schritte in Rom veranlaßt haben; man weist darauf hin, daß Kar­dinal Steinhuber Jesuit sei und an der Spitze der JnÄexkongregation stehe. Die Jesuiten haben jedoch mit der Sache gar nichts zu tun; andere Leute bezeichnen die Dominikaner als die Ur­heber, wieder andere die belgischen Benediktiner, und so geht es nun noch eine Weile fort. Wir werden den ganzen Sommer über eine tolle Nom- Hetze haben."

* Freisinnige Beklemmungen. Die „Franks. Ztg." läßt sich aus Bayern schreiben: „Befaimt- lich ist der Protestant iss che Reichsrat v. Cramer-Klett, der einzige Sohn des be­kannten weiland Nürnberger Großindustriellen, eifrig bemüht, mit Hilfe der von feinem Vater hinterlassenen enormen Reichtümer den Bene- diktinern zu großen Niederlassungen an alt- historischen Stätten zu verhelfen. Mehrere fol- cher Riesengründungen hat er im Lause der leb­ten 10—12 Jahre ins Werf gesetzt. Die jüngste war die Erwerbung des Klosters Ettal mit der

Bitten, weigert er sich, mich zu sehen, mir zu ver­zeihen. Er war mir schon abgeneigt von meiner Geburt an; jetzt aber vollends haßt er mich, und nichts ist imstande, seine Gesinnung zu ändern. Wie also würde er, der stolze alte Marquis, meine Heirat mit Ihnen erst ansehen, mit einem Manne, den er, wenn er überhaupt je von Ihnen gehört hat, als nichts weiter denn als meinen bezahlten Diener betrachtet?"

„Er würde diese Heirat allerdings zweifellos nicht gern sehen," war Pulford gerecht genug ein­zugestehen, „aber wir fönnten unsere Verbindung ja auch vorläufig geheimhalten. Er ist fünfund­siebzig Jahre alt und fann nicht mehr sehr lange leben' Auch ich wünsche nicht, feinen Unmut ge­gen Sie noch erhöht zu sehen; den» höchstwahr­scheinlich wird er Sie trotz allem Geschehenen doch zu seiner Erbin einsetzen. Sie sind sein einziger Nachkömmling und die natürliche Erbin aller fei­ner Besitzungen und seines Vermögens. Dieses dem unermeßlichen Reichtum hinzugchügt, den Sie von Ihrer Stiefmutter erbten, würde Sie zu einer der reichsten Frauen der Welt machen. Und Sie werden das werden. Ich zweifle gar nicht daran. Ihre Bemühungen, seine Gunst zu er­werben, sind zwar ohne Erfolg geblieben, aber er kann doch nicht daran denken, feiner rechtmäßigen Erbin ihr Recht zu entziehen."

„Das ist auch meine Ueberzeugung!" sagt« Lady Trevor bestimmt, „und dazu gibt es einen ganz sicheren Weg. Ich bat ihn brieflich, mir Castle-Cliff für den Monat September zu über- lassen, indem ich ihm gleichzeitig mitteilte, daß Lord Glenham während desselben Monats auf feinem Jagdschloß anwesend sein würde. Lord Glenham ist meines Großvaters Mündel, der Sohn eines entfernten Verwandten und guten Freundes von ihm und der Erbe von Lord Leon­ards Titel und des Fideikommisses. Wenn ich nun Lm-d Glenham heiratete —"