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Botetieesbrud tu Verlag der Fuldaer Bc« tiendrräerei in Sulba. Zernsprecher Ur. u.
M 160.
Fulda, Dienstag den iS. Juli 1907.
34. Jahrgang.
Krstes Mclü.
t. Die Thronfolge katholischer Fürsten
lN Ländern, die bisher oder wenigstens seit längerer Beit protestantische Landesherren hatten, ist von jeher gewissen Zionswächtern und besonders der liberalen Presse ein Dorn tm Auge und mindestens ebenso Gegenstand schwerer Beklemmungen gewesen, wie die Erinnerung eines kathol. Oberpräfidenten einerlei, welche,. Partei er angehört. Das hat man jetzt wieder bei der Regelung der Luxemburgischen Erbfolge beobachten können. Für die sehr in der Lust hängenden „Rechte" des Grafen von Merenberg traten gleich eine ganze Anzahl liberaler und protestantischer Blätter ein. Der Grund war nicht schtver zu erraten. Graf Merenberg ist P r o t e st a n t, währen^ bi„ jetzt als Thronerbin eingesetzte Tochter des Grotz- herzogs k a t h o l i s ch ist. Man wollte eben gern den Luxemburgern wider ihren Willen einen
protestantischen Herrscher aufhalsen obioohl er nach dem nassauischen Hausrecht zwei- Mos n i ch t e r b b e r e ch t i gt ist und das g a n z katholische Land auch gar nichts von ihm wissen wollte.
Dasselbe Schauspiel, das sich jetzt gegenüber Luxemburg zeigte, konnte man vor einigen Jahren hinsichtlich Württembergs und Badens beobachten.
Voraussichtlicher Thronfolger in Württemberg ist Herzog Albrecht, gegenwärtig kommandierender General des 11. Armeekorps in Kassel. Der Herzog, ein Sohn des in Oesterreich lebenden, mit einer - Tochter des Erzherzogs Albrecht, des Siegers von Custozza, verheirateten Herzogs Philipp, gilt als tüchtiger Soldat und ist durch sein leutseliges, freundliches Wesen allgemein beliebt. Er ivar vermählt mit der vor einigen Jahren unerwartet verstorbenen Erzherzogin Margaretha Sophia von Oesterreich und führte, wie auch liberale Blätter offen anerkannten, ein musterhaftes Familienleben. Aber er hat das Unglück, katholt s ch zu sein. Das genügt, um im liberalen Lager Stimmeng se g e n seine Thronfolge hervorzurufen, die sich im Jahre 1904 zur Zeit des würt- tembergischen Schulgefetzsturmes besonders heftig äußerten, da Herzog Albrecht mit seinem Vater und seinen Brüdern den Liberalen nicht das Vergnügen gemacht hatte, in der Kammer der Stan- desherren dem liberalen Schulgesetzentwurfe zum Siege zu verhelfen. Dabei hatten die Herzoge nicht etwa gegen die ihnen zweifellos nicht zusagende Vorlage gestimmt, sondern waren den Verhandlungen fern geblieben, hatten sich also ans dem Parteigetriebe ganz herausgehalten. Aber sie sollten sich eben auf die l i b e ra l e Seite stellen, und da das nicht geschah, wurde eine w ü st e K e tz e in der Presse, in Versamuchungen und in »er Kammer gegen sie entfacht, die sich bis zur
Forderung einer Revision des Erbrechtes »erdichtete, durch welche die Herzoge vom Throne ausgeschlossen werden sollten. Ja, der bekannte Abg. Hieber sprach sogar von dem „unglücklichen Augenblick", da Württemberg einen katholischen Herrscher erhält und fand dabei in den Kreisen seiner Parteifreunde keinen Widerspruch. Die ganze Württembergische „V e r f a s s u n g s r e v i- s i o n" hatte ja kein anderes Ziel, als dem zukünftigen katholischen König im Voraus schon die Hände zu binden. Auch die Bestrebungen der Liberalen in Württemberg, das Land immer mehr von Preußen abbängig zu machen, dienen demselben Zweck. Württembergs Rechte und seine
Sie Peck des SchllmzivMes.
Roman von Ed. Wagner.
5] (Nachdruck verboten.)
Alice erfaßte das Papier hasstg und betrach-' tete das Bild mit verzehrenden Blicken.
Es zeigte einen jungen Mann mit bleichem ^Gesicht, sprechenden Augen und einer Narbe oder einem Mal auf der rechten Wange. Aber der ganze Ausdruck des Gesichts war kalt und hart und Alice schauderte, als sie es betrachtete, von einem abstoßenden Gefühl durchdrungen.
„Glaubst Du, Onkel, daß es mein Vater war?" fragte sie endlich.
„Meine Schwester dachtees nicht, aber es mag dennoch der Fall sein", versetzte der Pfarrer „Es gibt Menschen, die gegen ihre eigenen Kinder grausam sein können, wenn diese ihnen im Wege find. — Und nun, Alice, gehe zur Ruhe, — aud? ich will zu schlafen versuchen!"
Alice erhob sich; ihre Besorgnis schwand vor der gelassenen Miene und dem sausten Lächeln des alten Mannes. Um ihn nicht zu beunruhigen, verbarg sie ihre eigene Erregung, küßte ihn und schritt dann der Tür zu. Ehe sie dieselbe aber ^erreichte, rief er sie noch einmal zurück und sagte Hn seltsam feierlichem Tone:
„Du bist mir allzeit ein gutes Kind gewesen, grDie Welt ist voller Gefahren und voller ^o-hert; aber Gost wird dein Beschützer sein und dich immer auf -er Bahn des Guten erhal- teni
Er legte segnend die Hand auf das Haupt des jungen Mädchens, tvelches vor ihm auf die Knie gesunken war; dann umarmte und küßte $£»5 «xu, 1f*e mit einem nochmaligen: l„Gute Nacht I"
Und Alice ging, nachdem sie an der Schwelle '»och einmal — ein letztesmal — auf den guten
Selbständigkeit sollen so beschnitten werden, daß der zukünftige katholische König fast nichts mehr zu sagen hat und sich mit den Funktionen eines Statthalters begnügen mutz.
Und wie groß war der Jammer, welch' bleiche Angst machte sich im liberalen Blätterwald geltend, als vor einigen Jahren ganz in weiter Ferne die Aussicht auftauchte, bei der Kinderlosigkeit des Erbgroßherzogs von Baden könne einmal der Fall eintreten, daß
Baden an ein katholisches Fürstenhaus übergehe! Das war zu schrecklich, selbst wenn es das fürstliche Haus Hohenzollern war. Wie groß war daher der Jubel, als der jungen Ehe des Prinzen Max von Baden ein Knabe entsproß und damit die protestantische Thronfolge im „Musterländle" gesichert schien. Dem Lande Baden, ja dem Deutschen Reiche, hätte nach Ansicht der Liberalen innerhalb und außerhalb Badens wahrlich kein größeres Heil widerfahren können . Daß das zu zwei Dritteln katholische Staben seierzeit an eine protestantische Linie übergegangen war, bereitete ihnen keinerlei Seelenqual; aber Wehe über das Land, wenn ein katholisches Haus folgen würde! Nach der Meinung mancher Leute scheint nur das „Recht" zu sein, was -en Katholiken keinen Vorteil bringt.
Deutsches Keich.
Berlin, 15. Juli 1907.
.. Bon einer Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren ist abermals die Rede. Wie es hieß, sollte die bevorstehende Reise des Zaren in das Schärengebiet zu einer Begegnung mit dem Kaiser führen. Nach einer Meldung der ,Staff. Ztg/ aus Petersburg würde aber die Begegnung erst im August und zwar bei Danzig stattfinden.
* „Ein unerhörter Skandal". Unter diesem Titel bringt der „Bayer. Kurier" in Nr. 194 Mitteilungen über eine systematische Agitation der Münchener Atheisten in den Eisenbahnzügen, um die nach München fahrenden Schulkinder um Glauben und Religion zu bringen. Der „Kurier" schildert den Sachverhalt folgendermaßen: „Ein Münchener Freidenker Namens Sontheimer setzt sich in die Eisenbahnzüge, welche die Schulkinder aus den Vororten nach München führen, sei es in die Volks- oder Mittelschulen. Mitten in diesem Kinderkreis — Kinder von 6 bis 15 Jahren — fängt er dann an, unflätig über die „P-f affen" zu schimpfen, er zieht über das Christentum los und fordert die Kinder auf, nichts von dem zu glauben, was ihnen in der Religionsstunde vorgesagt wird; es gebe keinen Gott usw. So treibt er es einigemale in der Woche auf der Strecke Haar—München. Er verteilt an die Kinder -en berüchtigten Schüleranfruf, bespricht ihn mit -en Kindern durch, fragt sie, ob sie auch alles verstanden haben, eventuell erklärt er ihnen nochmals die betreffenden Stellen. Dieser Schüleraufruf hat bekanntlich schon früher die allgemeine Entrüstung im hohen Grade herausgefordert. In ihm wird den Kindern gesagt, daß neunZehn- tel dessen, was in den Religionsstunden der einzelnen Konfesiionen gelehrt wird, nachgewiesener- maßen unwahr, unglaublich und unmöglich sei. Es gebe keinen Himmel, keine Hölle, keinen Gott. Das Schlimmste sei, daß die meisten Lehrer wüßten, daß dies alles unwahr se;- sie verschwiegen nur die Wahrheit, weil sie ihr Amt und Einkommen nicht verlieren wollten. Auch von den Eltern wird gesagt, daß sie, soweit sie zu den gebildeten Ständen gehörten, an diese Lehren selbst nicht glaubten. Aber auch hier bil- alten Pfarrer zurückgeblickt hatte. Mechanisch begab sie sich in ihr Stübchen, um über alles Ge- hörte nachzudenken und, nachdem sie sich in den Schlaf geweint, von dem schönen jungen Grafen zu träumen, der heute von ihr Abschied genommen hatte — wer mochte wissen, auf wie lange?
Der alte Pfarrer legte sich, sobald er allein war, in den Lehnstuhl zurück, und seine Angen schlossen sich.
„Liebe, kleine Alice!" murmelte er, wie im Schlafe sprechend. Es scheint, als hätte ich heute die Gabe des zweiten Gesichts! Ein schreckliches Schicksal harret ihrer! Armes — armes Kindt Gott möge sie schützen!"
Er verstummte und still ward und blieb es. Das Licht brannte herunter und erlosch. Die Schatten der Nacht lagerten sich über das Zimmer; aber der Pfarrer bemerkte das alles nicht. Die alte Wanduhr kündigte eine Stunde nach der andern an und als der Morgen graute, saß er noch immer in seinem Lehnstuhl. Der Kopf ruhte in dem Kissen und ein Lächeln verklärte fein totenblasses Antlitz.
Der alte Pfarrer war heimgegangen zu seinem Vater im Himmel, dem er so treu gedient hatte sein Leben lang, während Alice Romberg allein in dieser Welt zurückblieb, um dem Schicksal entgegen zu gehen, welches für sie im dunklen Schoße der Zukunft verborgen lag, — dem grausamen Schicksal, aus der Sttlle des Friedens, in der sie bisher gelebt, hinausgestoßen zu werden ins laute Getriebe der Menschheit, der, o, ihr so fremden und — falschen Menschheit!
Viertes Kapitel.
An der Nord-Westtüste von Schottland, in unfreundlicher, wilder Gegend ,auf hohem Felsen, dessen Haupt tote drohend über das schäumende Meer hinausragte, lag ein altes graues Schloß, einst die Feste einer mächtigen schottischen Adelsfamilie, welche in bewegten Zeiten hier die üjr untertanen Bauern sammelte, bewaffnete und dem Feinde Trotz bot.
deten ost Rücksichten auf das Geschäft, auf die Stellung usw. eine mehr oder weniger gerechtfertigte Erttfchnldigung zu ihrem unschönen Handel». Zum Schlüsse werden die Kinder aufgefordert, Eltern und Lehrer auf ihr Gewissen zu fragen, ob ft< auf wirklich gläubigem Boden stände». Die Kinder werden auf den Unterricht der Freireligiöse» Gemeinde aufmerksam gemacht." Wen» die Mit' teilungen des Kurier de» Tatsachen entspreche», dann ist die schärfste Krittk noch zu schwach, um ein solches Treiben nach Gebühr zu brandmarken. In die kindlichen Herzen de» Samen des Zweifels und der Glaubenslosigkeit pflanzen, alles zerstören zu wolle», was Eltern und Lehrer mit uu- enbiidjer Mühe aufgebaut haben, um die Kinber in Gottesfurcht und christlicher Sitte heranzu- ziehen, zeugt von beispiellosem Fanatismus, von himmelschreiender Gewissenlos! g» I ei t Dieses verwerfliche Treiben wäre zum größten Teil unmöglich, wenn nicht feinerer t der gottesleugnerische Schüleraufruf konfisziert un?> dann wieder freigegeben worden wäre. Selbst die liberale „Augsb. Abendztg." bezeichnete da- mals die Freigebung dieses Machwerkes als „merfhriirbig". Der Aufruf verstößt nach der Meinung angesehener Juristen nicht nur gegen das Religionsedikt, sondern auch gegen das Strafgesetz, weil er eine Reihe von Beschimpfungen der christlichen Kirchen und ihrer Einrichtungen enthält. Daß diese Schandschrift wieder freigegeben wurde, ist unbegreiflich und erweist sich jetzt als schwerer Fehler, da jetzt die Apostel des Unglaubens hausieren gehen und die Aufhebung der Konfiskation als ausgibige Reklame benutzen. Der Fall z«gt mit erschrecklicher Deutlichkeit, daß die Religion durch die bestehenden Gesetze nicht genügend geschützt wird.
* Zur Organisation der Zentrumspartei teilt die .Germania^ mit, daß der schon lange bestehende Plan, eine Zentralstelle und Spitze für die Wahlorganisation in Preußen zu schaffen, seiner Verwirklichung entgegengeht. Die Vorarbeiten sind dem Abschlüsse nahe.
□ Sozialer Ferienkursus zu M.-Gladbach 1907. Der diesjährige soziale Ferienkursus des Volksvereins für das katholische Deutschland findet in der Woche vom Montag den 2. bis Samstag den 7. September zu M.-Gladbach im Ditushause statt. Er wird in Abweichung von den frühere» Ferienkurse» Spezialfragen behandeln und zwar bte gesamte Fürsorge für die schulentlassene männliche und weibliche Jugend, ferner die soziale Arbeit unter den erwerbs- tätigen Frauen und Mädchen. Damit wird dem wiederholt geäußerten Wunsche von praktisch, sozial tätigen Geistlichen und Laien entsprochen, die heute besonders wichtige und noch nicht völlig geklärte Frage der Jugendfürsorge ausgiebig zu erörtern. Ebenso liegt ein Bedürfnis vor, die soziale Arbeit unter den erwerbstätigen Frauen unk Mädchen eingehend zu behandeln. Fragen der Gesetz- gebung und Verwaltung, der Standesver- einigungen und Berufsorganisationen, der gemeinnützigen Einrichtungen und Anstalten bedürfen einer Vertiefung. . Damit wird insbesondere den Wünschen der Seelsorgsgeistlichen und Vereinspräsides, der Mitglieder des Frauenbundes und der Mädchenschutzvereine, der christ- lichen Gewerkschaften, ferner aller derjenigen Männer und Frauen entsprochen, die als Lehrer, Stadtverordnete, Mitglieder gemeinnütziger 93er» einigungen rc. sich mit den genannten Fragen beschäftigen müssen. Die Fürsorge für die schul- entlaffene männliche Jugend wird in der
Durch die Heirat der einzigen Tochter des letzten schottischen Besitzers ging Castle-Cliff in den Besitz einer ebenfalls mächtigen englischen Familie über, — der Familie des Marquis von St. Leonards.
Castle-Cliff war aber nicht die beständige Residenz seines jetzigen Eigentümers. Lord Leonards besuchte es jährlich nur einen ober zwei Monate im Herbst mit einer Gesellschaft von Freunden, um in den großen Waldungen zu jagen und im Meere zu fischen. Er besaß größere Güter in England, auf welche er mit dem Eintritt der kältere»! Jahreszeit regelmäßig zurück- kehrte.
Diesen Herbst jedoch wurde der Marquis nicht zu Castle-Cliff erwartet; er hatte den Sommer über in Frankreich gelebt und es galt für feststehend, daß er auch im Herbst dort bleiben werde.
Er hatte diese Absicht an seine Enkelin, Lady Trevor, geschrieben, zugleich ihr und ihren Freunden das Schloß für den Monat September zur Verfügung stellend, und Lady Trevor hatte sich bereits mit einer ausgewählten Gesellschaft von etwa zwölf Personen zu Castle-Cliff eingestellt und sich hier behaglich eingerichtet.
Es war in der ersten Woche des Monats September, a» einem rauhen, unfreundlichen Tage; ein dichter Nebel verdunkelte die Luft, jede Fernsicht beraubend und der Landschaft ein trauriges Ansehen verleihend.
Lady Trevor saß allein in ihrem Privatsalon. Ein helles Feuer brannte in dem großen Kamin und erfüllte das Zimmer mit einer behaglichen Wärme, die jedoch in der Nähe des Kamins fast lästig wurde. Dies hcttte Lady Trevor an bas hohe Bogenfenster getrieben, wo sie in den wei- chen Polstern eines Seffels lehnte, die gochgehende graue See und ihre stattliche, auf den Wellen schaukelnde Nacht beobachtend.
Lady Trevor, die Enkelin und Erbin Lor- Leonards', war die Witwe eines Barons, welcher in dem Rufe gestanden hatte, ein abenteuerliches Leben zu fuhren. Sir Albert war nun seit beinahe zwei Jahre tot und seine Witwe war wieder
Zeit von Montag den 2. bis Mittwoch den 4. September in folgenden Vorträgen behandelt: 1. Probleme der Jugendfürsorge. 2. Bisherige Maßnahmen und Einrichtungen. 3. Allgemeine und berusiiche Fortbildung. 4. Religiöse Arbeit an die Jugend. 5. Einführung in das soziale Leben. 6. Verwendung der arbeitsfreien Zeit. 7. Fragen der Jugendorganisation. 8. Jugend- schutzverbände. — lieber die soziale Arbeit unter den erwerbstätigen Frauen und Mädchen fallen in der Zeit von Donnerstag den 5. bis Samstag den 7. September orientieren die Vorträge über: 9. Veränderte Stellung der Flau im modernen Wirtschaftsleben; Folgerungen für die Arbeit an der weiblichen Jugend. 10. Bildungsfragen. 11. Hauswirtschastlicher Unterricht. 12. Organisation der weiblichen Jugend. 13. Wirtschaftliche Organisation der erwerbstätigen Frauen und Mädchen. 14. Dienstbotensrage. 15. Jugendschutzvereinigungen. — An die Vorträge schließen sich Diskussionen an. Gebühren werden nicht erhoben. Anmeldungen, insbesondere Bestellungen von Logis in Gasthäusern oder Privatwohnungen sind zu richten an die Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland in M.-Gladbach.
* Daß die Entlassung des Grafen Posa« dowsky diesem selbst ganz überraschend gekommen i|t, das geht u. a. aus dm Mitteilungen hervor, die der Zentrumsabg. Sittart in der Hauptverfammlung der deutschen Privatdeamten-Verbände am Sonntag machte. Der Abgeordnete sagte: „Graf Posa» dowsky hat am 22. Juni feine Entlassung erhalten. Am 21. Juni hatte ich die Ehre, eine ganze Stunde mit ihm zu verhandeln. Zwecks meines Besuches war eine Aussprache über die Privatbeamtenversicherung und die Pläne der Regierung auf diesem Gebiete für die nächste Zeit. Er hatte auch nicht die blasseste Ahnung davon, daß am Tage nachher feine Tätigtett im Reichsamt des Innern zu Ende sein würde. Er ging auf seine Pläne für den Sommer und die nächste Session ausführlich ein und bedauerte, daß die Privatbeamten vielfach die amtliche Denkschrift mit Mißtrauen ausgenommen, sie sogar eine „Tendenzschrift" genannt hätten."
Finanzreform und Reichsschulden. Er- fteulicherweise ist im letzten Jahre der Anfang gemacht worden, die Mittel für Heeres- und Marinezwecke nicht mehr auf dem Wege der Anleihen zu decken, sondern alle Forderungen im Rahmen des Etats erscheinen zu lasten. Nun sind aber in letzter Zeit Anzeichen dafür eingetreten, daß es Polttiker gibt, welche mit Vorliebe diese für das gesamte Finanzwesen weittragende Neuerung wieder ab schaff en möchten. Wir erinnern nur an die verschiedenen Meldungen über den Plan, die unerläßlich gewordene zweite Finanzreform noch um ein Jahr hinauszuschieben. Dafür frischte man den Gedanken wieder auf, alle Ausgaben mit Hilfe der Mittel aus Anleihen zu bestreiten, lediglich um auf Kosten der Zukunft in der Gegenwart bester leben zu können und die vom Reichskanzler so hochgeschätzte Paarung nicht auseinandergeriffen zu sehen. Wie gefährlich diese Operationen werden könnten, kann der Steuerzahler allein schon aus den nackten Zahlen ersehen, die ihm Ausschluß über den derzeitigen
in die Gesellschaft eingetreten, in der sie Aufsehen erregte durch ihre Schönheit und ihren Reichtum.
Sie war ungefähr dreiunddreißig Jahre alt, aber durch geschickte Anwendung von Toilettekünsten sah sie nicht älter aus als höchstens fünfundzwanzig Jahre. Sie war von hoher, stattlicher Gestalt, mit blitzenden schwarzen Auge» und schwarzem Haar, nach der herrschenden Mode geordnet. Ihre Schönheit wurde durch ein kostbares Pariser Kleid wenn möglich noch erhöht. Stolz und erhaben, mit einer leidenschaftlichen Liebe für Luxus und Glanz, fehlte ihr gänzlich jene Weichheit und Liebenswürdigkeit, welche den größte» Zauber der Frauen bilden; sie war bet all ihrer Schönheit und all ihren Reizen kalt und hart wie ihre glänzenden Diamanten.
Nachdem sie lange, ihren Gedanken nach- bängenb, dagesessen hatte, erhob sie sich vornehm und zog die Klingel. Als auf dieses Signal ihre Zose erschien, sagte sie zu derselben:
„Schicke Mr. Pulford zu mir!"
Der Befehl wurde sogleich ausgeführt und nach wenigen Minute» bereits erschte» der Be- gehrte.
Es war ein Mann von mittleren Jahren, mit rotem Gesicht, kleinen grauen Augen, scharf und stechend, und mit vollem kurzem Start, welcher den unteren Teil feines Gesichts gänzlich verdeckte. In seiner Erscheinung lag etwas, was bei dem ersten Anblick unangenehm berührte, woran vielleicht seine übertriebene Höflichkeit, sein schleichendes und schmeichelndes Wesen schuld war. Aber er war seinem Aeußern nach ein vollständiger Gentleman und der bertraute Freund und Ratgeber der Lady Trevor. Er war der Geschäftsführer ihres verstorbenen Gatten, fein beständiger Freund und steter Gesellschafter gewesen und war nun der Geschäftsagent der Lady, ihr Sekretär und ihr Beschützer, die einzige Person, welcher sie vollkommen vertraute, und das einzige Wesen, welches sie fürchtete.
tKortsetzung folgt.)