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verantwortlicher Schristleiter: 3. v. j, parzeller in .Hulda
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woch^nbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung" M<m»k»eiiag«: „huldaer GeschlchisblS irr"
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34. Jahraana.
Fulda, Samstag den 13. Juli 1907.
M 158.
Krstes H)Lcrtt.
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S was lieft der Keifer?
Diese Frage hat ein erhöhtes Interesse gewonnen seitdem gemeldet worden ist, daß sich ein Wechsel in der täglichen Lektüre des Kaisers dollzogen hat. Eine Reihe von Zeitungen mutz die Nachricht bestätigen, datz der farblose „Berl. Lok -Anz." nicht mehr dem Kaiser vorgelegt wird, sondern die „Tägl. Rundschau"; sie fügen aber bei, daß der Kaiser auch noch andere Zeitungen erhalte; wieder ist nicht gesagt, welche und doch wäre diese Antwort höchst interessant. Schon im gewöhnlichen Leben ist die Beantwortung der Frage, lvelche Zeitungen ein Mann liest, auch die Antwort auf die Frage, welcher Partei er angehört; nian weiß eben zu gut, daß es nur ganz selten vorkommt, datz sich jemand dem Einfluß seiner täglichen Lektüre zu entziehen vermag. Beim Monarchen aber ist die Frage noch wichtiger; gewiß hat er seine politischen Ratgeber, er empfängt auch Leute der verschiedensten Parteirichtungen; aber trotzdem kann man auch hier sagen, daß die tägliche Lektüre ihren Einfluß nicht versagt.
Es steht nun fest, daß der Kaiser in erster Linie durch
Zeitungsausschnitte
orientiert wird; jeden Tag wird ihm eine ganze Masse von solchen Ausschnitten vorgelegt. Der Laie sieht schon ein, daß hierbei die Auswahl der Ausschnitte eine sehr große Rolle spielt; man legt z. B. dem Kaiser Auslassungen der Zentrumspresse nur dann vor, wenn man damit den bestimmten Zweck der Verdächtigung dieser Partei erreichen will. Es kommt bei jeder Zeitung im Laufe des Jahres vor, daß sie einmal „ent- gleist" — das gehört zur Natur des Zeitnngs- betriebes, — wenn nun ein solcher Artikel dem Kaiser vorgelegt wird, ein Artikel, der in der Partei selbst nicht freundliche Aufnahme findet, so muh der Monarch irre geführt werden. Vor einiger Zeit ist gemeldet worden, datz ein führender nationalliberaler Redakteur an die Spitze dieser Geschäfte berufen wo chen ist. Da kein Mensch aus seiner Haut fahren kann, so läßt fick ungefähr denken, welcher Art solche Ausschnitte, sind. Wir müssen ps sehr bezNeifeln, ob hierbei das Zentrum in'.if?’' recht r Weise wegkommt; wenn man sich weiter vor ‘ lugen hält, daß der Kaiser selbst seit Jahresfrist auf das Zentrum sehr schlecht zn sprechen sei, so darf man die Frage erbeben, ob nicht eine einseitige Information durch Zeitungsausschnitte viel hierzu beigetragen hat.
Neben diesen Ausschnitten ober werden dem Kaiser mich einige Zeitungen ganz und unser* schnitten vorgelegt, nach unseren guten Informationen befindet sich
hicruntcr fein Zenirurnsblatt.
Der Kaiser kennt also ein führendes Blatt 1 der größten Reichstagssraktion nicht aus der fortlaufenden Lektüre, was wir sehr bedauern. Aber da fein Zentrumsblatt sich in der kaiserlichen Lektüre befindet, so erhält der Kaiser auch kein katholisches Blatt zu Gesicht, während z. V. der ausgesprochen protestantische „Reichsbote" in der kaiserlichen Familie sehr eifrig gelesen wird. Nun ist aber allgemein bekannt, daß der Ncichs- bote ein sehr katholikenfeindliches Blatt ist, daß er über katholische Dinge und Bewegungen furchtbar schwindelt, so haben ihm erst dieser Tage „Germania" und „Köln. Volkszeitung" direkt „Lüge" vorgeworfen und er schwieg —> wenn
nun ein solches Blatt am kaiserlichen Tische gelesen wird, so darf es nicht befremden, wenn für die Katholiken nicht allzuviel Sympathie übrig bleibt. Im monarchischen Interesse aber mutz man es bedauern, daß der Träger der Krone nicht Gelegenheit hat, auch täglich ein katholische* Blatt zu Gesicht zu erhalten, denn die Kaholiken sind ein Drittel der Bewohner des Reichs und von Preußen und nicht die schlechtesten Untertanen. Bisher war der farblose „Lok.-Anz." das bevorzugte Blatt des Kaisers, jetzt ist es das freiwillige Organ des Evangelischen, Bundes und des Fürsten Bülow, die „Tägliche R u n d - s ch a u", an welcher drei abgefallene Katholiken die Hauptrolle spielen, der Chefredakteur Ripp- Icr, Graf Hoensbroech und der frühere D o- minikanerpater A. Müller. Was diese Män- ner sich an Verunglimpfungen des Katholizismus und des Zentrums leisten, findet man in keinem zweiten Blatte der Erde so enge beieinander. Der Kaiser hatte Mitte der 90er Jahre den Grafen Hoensbroech einmal bös „geschnitten" mit dem Wort von den fahnenflüchtigen Offizieren; heute aber kann Hoensbroech durch dieses Blatt fast täglich an das Ohr des Kaisers gelangen. Wir bedauern es lebhaft, daß dieses Blatt dem Kaiser auf den Frühstückstisch gelegt wird, weil die gesamte Richtung der „Täglichen Rundschau" zum Unglück für das Vaterland führt. Mag man den Kaiser auch als noch jo unabhängig schildern, von der steten Preßlektüre bleibt doch immer etwas hängen, zumal die Erwiderungen der Zentrumspresse dem Kaiser nicht bekannt werden.
Am Hofe wird ferner gelesen die Wochenzeitschrift „Grenzboten"; der Kaiser selbst hat in diesen schon Artikel geschrieben und Andere beeinflußt. Die „Grenzboten" sind ein ausgesprochen nationalliberales Organ, und eine wohlwollende Haltung gegenüber den Katholiken sucht man hier vergebens; eine katholische Wochenzeitschrift findet sich unter der kaiserlichen Lektüre nicht.
Endlich erhält der Kaiser noch die „F ü r st e n- korrespondenz", eine täglich erscheinende Korrespondenz, die in knapper Form die wichtigsten politischen Ereignisse zusammenstellt; wir haben diese Korrespondenz selbst eine zeitlang gelesen und können sie deshalb beurteilen. Dem Zentrum ist sie gar nicht freundlich gesinnt. Die kurzen Parlamentsberichte sind stets so gefaßt, daß die Regierungsvertreter als Sieger aus der Debatte hervorgehen und die Zentrumsredner immer reckt schlecht abschneiden; auch die in ihr enthalteneil Preßstimmen sind unter dein Gesichtspunkte: Gegen das Zentrum! gerichtet. Diese Korrespondenz wird leider auch von manchen katholischen Adligen gelesen und zu einem guten Teil ist es darauf zurückzuführen, wenn diese dem Zentrum kühl- gegenüber stehen. Uns ist manche Auslassung des Kaisers über das Par- lament begreiflich, wenn wir berücksichtigen, wie diese Korrespondenz über Reichstagsverhand- lungen berichtet.
Wir haben damit die regelmäßige politische Lektüre des Kaisers zusammengestellt und muffen am Schlüsse mit Bedauern konstatieren, daß sich kein einziges ausgesprochenes Zentrumsblatt darunter befindet. Daneben lieft der Kaiser noch eine Reihe von Militär- und marinepolitischen Zeitschriften, Sportzeitsckristen nfw., auch läßt er sich bestimmte literarische Neuerscheinungen sofort vorlegen, Wohl auch ab und zu einen bestimmten Artikel aus einem Blatte, das er sonst nicht liest. Die Umgebung des Kaisers, namentlich seine Flügeladjutanten, haben es in der Hand, diese und jene Zeitung noch ab und zu zur Kenntnisnahme zu bringen und es soll hiervon nicht allzuspärlicher Gebrauch gemacht wer-
den; auch lenken sie die Aufmerksamkeit des Kaisers auf solche bemerkenswerte Artikel. Wer über alle diese Dinge orientiert ist, wird manches Ereignis der letzten Zeit wohl richtig beurteilen können.
Deutsches Reich.
Berlin, 12 Juli 1907.
* Die Abschiedsansprache des Ministers v. Moltke in Königsberg hat Aufsehen erregt, weil er darin sagte, wir gingen „vielleicht schweren Zeilen entgegen«, in denen es nötig fein könne, „das Herzblut hinzugeben". So lange das Deutsche Reich existiert, hat noch kein preußischer Minister bei seinem Amtsantritt eine ähnliche Sprache geführt. Generale haben schon so gesprochen, aber das ist etwas anderes, denn der Krieo ist ihr Metier. Unseres Erachtens sollte ein Minister nur so sprechen, wenn die Lage wirklich hoch- kritisch ist; aber das wird ja von unseren Offiziösen energisch bestritten.
* Bezüglich der ersten Tat des treuen Kultusministers, die wir vorgestern nach dem ,Berl. Tagebl/ berichteten, ist das Mossesche Organ mit seinen Wünschen den Tatsachen vorausgeeilt. Gestern abend mußte es seine erste Meldung dahin berichtioen: nicht der neue Kultusministers sondern die zuständige Prooinzialbehörde, alio der Koblenzer Oberprätident habe der Niederlafinng der Schwestern von der göttlichen Vorsehung in Sterkrade die Genehmigung versagt. Die Angelegenheit unterliege fetzt der Prüfung des Ministers, der zweifellos die Entscheidung der Provinzial - Behörde bettätigen werde. ' Das reformjüdiiche Blatt rechnet bei dieser Prophezeiung wahrscheinlich folgender- maßen: Hat der kat holische Oberprä'toent die Genehmigung versagt, fo w.rd der protestantische Minister sie sicher nicht erteilen.
* Zu dem Hagener Kampf um die Zulassung der Feuerbestattung wird der ,Boss. Zig/ aus Hagen geschrieben:
Das Verbot der Inbetriebnahme des hiesigen Krematoriums ist, wie heute hier bekannt wird, noch vow den Ministern v. S t u ö t und v. Bet hm an n» Hollwcg unterzeichnet. Infolge der dringenden Schritte, die der hiesige Feuerbestattunasvercin eingeleitet hat, muß es sich in den nächsten Tagen be- rests Herausstellen, ob die „neuen" Männer die Bahnen ihrer Vorgänger in der Frage der Feuerbestattung weiter wandeln wollen.
Für die freisinnigen Paarungspolitiker besteht also immer noch die Hoffnung, daß die Minister der „neuen Situation« sich „aufge- Hättet" und „vormteilslo et" erweisen.
* „Lieb Vaterland magst ruhig sein." Auf dem Bahnhof Myslowitz, Provinz Pofen, sind dem ,Dziennik Pozn/ zufolge 18,000 Kilogramm „gefährliche" polnische Bücher, deren Gesamtzahl 30 OOO betragen toll, ungehalten worden. Es handelt sich um eine Sendung nach Amerika, daher war es unzulässig, die Sendung zu konfiszieren. Die Behörden ordneten an, daß mehrere Gendarmen die Sendung bis nach Bremen begleiten und den dortigen Behörden Überreifen füllen, damit nicht zufällig ein Teil dieser Bücher nach Posen ober Ober« schlesien wandere.
* Der große Kolonialsachverstnudige General v. Liebert wird allmählich zum Geipötte. Der ,Köln. Ztg.' schreibt man: Als ich die Aussage
Roman von Ed. Wagner.
3j (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung ans dem zweiten Blatt.)
„Hat der Mann, der Ihnen das Kind brachte, -vte je wieder einmal besucht?" fragte Glenharn.
„Nie!" versetzte der Pfarrer. „Aber jedes Jahr kommt ein kleines Paket mit Geld mit dem Poststempel London."
„Hat er auch nie geschrieben, ober sich nach dem Mädchen erkundigt?' forschte der junge Graf weiter.
., :-®r bat sich nie nach ihr erkundigt, nie geschrieben", erklärte der Pfarrer. „Die Geldsendungen waren nie von einer Zeile, nicht von einem Worte nur begleitet, und die Schriftzüge der Adresse waren sichtlich verstellt. Und, Mylord, Alice ist stolz, — sie ist sogar sehr stolz, dieses namenlose arme Mädchen 1"
„Kennt Alice ihre Geschichte?« fragte Glen- harn nach einer Pause.
Der, Pfarrer schüttelte den Kopf.
„Nein", sagte er. „Ich habe nie gewagt, ihr dieselbe zu erzählen."
, »Dann lassen Sie sie auch ferner in Unkenntnis darüber", verfetzte Lord Glenham; „sie braucht sie niemals zu erfahren. Geben Sie sie nnr zur Frau, wenn sie mich heiraten will, und ich werde sie zu behüten und zu beschützen wissen und wenn es sein muß gegen die ganze Welt!"
Der Pfarrer nickte sehr ernst, aber dennoch erwiderte er: „Sie sind sehr edel, Mylord, aber * J d°rf nicht sein! Sie sollen das Mäd-
Großmut heiraten. Aber ich will ^hnen etwas sagen: Kehren Sie in Ihr Vater- ^A^-.„pUQrr Un$ rtoc,lm Sie nach Verlauf eines <Qbte§ Alice noch lieben und denken tote jetzt, bann kommen Sie wieder und ich werde Ihnen kern Hindernis m den Wea stellen Jetzt aber sprechen Sie mir Nicht mehr von Liebe zu ihr!"
Lord Glenham bot feine ganze Beredsamkeit auf, um den Pastor zur Nachgiebigkeit zu bewegen; der alte Mann blieb unerschütterlich; der Gras sollte ein Jahr Zeit haben, um sein eigenes Herz zu prüfen; sprach dasselbe bann noch wie heute für Alice, fo mochte es sein. Darin mußte Lord Glenham sich fügen.
Alice wurde hereingerufeu, und der Graf nahm Abschied von ihr in Gegenwart ihres Onkels. Seine Zunge war zum Schweigen verurteilt, aber seinen Augen konnte er keinen Zwang auferlegen; sie verrieten das Geheimnis seines Herzens und legten der Geliebten ein Bekenntnis ab, so klar und deutlich, daß des Mädchens Herz erbebte unter seinen Blicken.
„Ich gehe fort, Alice", fprach Lord Glenhain mit tiefbewegter Stimme. „Ich gehe heim nach England, aber ich werde im nächsten Sommer wiederkommen. Leben Sie Wohl, Alice, — leben Sie Wohl bis auf Wiedersehen!"
Die Tränen, die sich in ihren Augen zeigten, Beraubten ihn fast der Selbstbeherrschung. So drückte er nur noch Bem Pfarrer die Hand uhb schritt dann hastig zur Tür hinaus.
„Auf Wiedersehen!" rief er von der Schwelle noch einmal zurück; im nächsten Augenblick schloß die Tür sich hinter ihm.
Eine Stunde später hatten er und Maldred Grafton Schönau verlassen und befanden sich auf dem Wege nach England. Ter letztere gelobte sich im Stillen baldige heimliche Wiederkehr. —
Als der alte Pfarrer am Abend desselben Tages allein in seinem Zimmer saß, überkam ihn plötzlich ein Zweifel, und er fragte sich, ob er auch wirklich weise gehandelt habe, den englischen Edelmann fortzuschicken.
„Wenn ich inzwischen nun sterben sollte, was wird dann aus ihr werden?" fragte er sich. „Und doch, wie konnte ich zugeben, daß der edle junge Mann ein Mädchen von unbekannter Abkunft heiratete, ohne Zeit zu ruhiger Ueberlegnng zu haben? Das Jahr der Trennung wird bald verfließen. Wenn er dann noch gesonnen ist, sie zu
heiraten, mag er es tun. Aber ich bin doch mißgestimmt. Was kann nicht alles in einem Jahre Vorfällen?"
Die Tür wurde geöffnet und Gretchen trat ein, in der einen Hand ein Licht, in der andern einen großen Brief tragend.
Der Brief trug den Poststempel London und enthielt die alljährlich ankommende Summe zum Unterhalt Aliee's.
Der Pastor öffnete den Brief, sobald Gret- 'cken sich wieder entfernt hatte. Zwei englische Banknoten fielen ihm in die Hände, unter diesen aber lag ein beschriebenes Blatt Papier.
Der alte Mann erschrak, als er das Blatt bemerkte, und Besorgnis prägte sich auf seinem Antlitz aus.
„Ein Brief!" murmelte er. „Der erste Brief, den ich von Älice's geheimen Beschützer erhalte! Was kann er mir zu sagen haben? Beabsichtigt er, mir Alice wegzunehmen? Soll das Dunkel, welches vierzehn Jahre lang über ihrer Herkunft schwebte, endlich geklärt werden?"
>. Drittes Kapitel.
Der Pfarrer hatte das ihn so in Aufregung versetzende beschriebene Blatt in die Hand genommen und betrachtete es nun aufmerksam. Es war ein einfaches Stück Schreibpapier, kein gewöhnlicher Briefbogen, auf beiden Seiten dicht beschrieben mit undeutlichen, rückwärts liegenden Buchstaben. Der Schreiber hatte unverkennbar die Absicht gehabt, seine Handschrift durchaus unkenntlich zu machen. Das Schreiben trug fern Datum und keine Unterschrift und lautete wie folgt:
„Herr Pfarrer! Es sind nun vierzehn Jahre her, feitdein ick Ihnen das namenlose kleine Kind brachte, welches Sie zu erziehen sich verpflichteten, und in dieser ganzen Zeit habe ich Ihnen keine Zeile geschrieben; ebensowenig habe ich Pon Ihnen etwas gehört. Aber ich weiß, daß das Mädchen unglücklicherweise noch am Leben ist. Ich habe Ihnen jedes Jahr regelmäßig die
deS Generalleutnants v. Liebelt im Prozesse Peters über die Neger in Ostafrika sah, griff ich mir erstaunt an den Kopf und las die Mitteilung nochmals. Ich. habe nämlich vor einiger Zeit einem Vortrage des genannten Herrn "in einem Kotonialverein beigewohut, in dem er natürlich auch der Neger gedachte. Aber wie ganz anders lautete damals fein Urteil über die Neger! Während er in München diesen Menschen jede bessere Eigenschaft abstritt und fein gutes Haar an ihnen ließ, sprach er in jenem Vortrage von manchen guten Eigenschaften der Ureinwohner und hob hervor, daß' sie bei richtiger Behandlung brauchbare Menicken feien. Mit fall dramatischer Deutlichkeit schilderte ec, um ein Beispiel der Behandlung anmgeben, die Anwerbung von Schwarzen zu einem großen Zuge in's Innere. Schaurig nannte er das, wenn ich nicht irre. Und hierbei lobte er den Neger als zuverlässig, wenn er mal Vertrauen gefaßt, Noch mehr! Von den Somali svrach er mit einer Wärme, die beinahe an Rührung streifte, und gebrauchte, desjen erinnere ich mich deutlich, den Ausdruck: „Meine lieben Somali«, lind nun halte man hiergegen die fcharfe Beurteilung der Reger im Pro-eß Dr. Peters! Man kann doch nicht faaen: „Ja, Bauer, daS ist etwas anderes.« Die Neger des Dr. Peters sind doch auch die Neger des Herrn v. Liebert.
* Zentrum und Beamtentum. Anerkennung der Tätigkeit des Zentrums in' feiner Fürsorge tür die pre ßifche Beamtenschaft finden wir in der letzten Nummer der Zeitschrift für das deutiche Gerichtsfekretariat, der Veleinszeilfchrift des Landesverbandes der preußischen mittleren Juftizbeamten. In der Genannten Zeitschrift heißt es bei der Berichterstattung über die jüngsten Verhandlungen im pr eußischen Landtage über die Besoldungserhöhung und Gleichstellungsfrage der Gerichts- sekretäre in Preußen wie folgt: „Bei der Beratung im Plenum, die übrigens ein warmes Eintreten der Abgeordneten aller Parteien für die Beamten'chaft zeitigte, war der Kölner Abgeordnete Herr Justizrat Karl Trimborn (Z.), (Sitzu g vom 6. Juni, Stenogr. Ber. S. 5349) der einzige, der bet den Ausführungen über die Gleichstellung noch bewnders der Gerichtsfchrecker Erwähnung tat; er tagte: . . . „Sodann gehört dazu (näntiid) zu den alten Fragen, die endlich gelöst werden müssen) die Gleichstellung der Ge- richlsschreiber nut den Regienings ekretären: bei jedem Justizetat wird immer wieder die Sacke debattiert, und es find dock, so viel ich weiß, heute alle Parteien in die er Frage einig.« Herrn Trimborns Vater, ehemals auch Landtagsabgeordneter, trat bereits im Jahre 1877 warmherzig für die Gleichstetlung der Gerichtsfchreiber ein an der Stelle, wo heule sein Sohn noch immer die näml'che Frage nnieres Standes veificht. Ein Erdstreik, heften lange Dauer die Tatkraft dieser beiden wackeren Vertreter vor dem Forum des Landtags nicht gemindert, eher noch gemehrt hat! Mit Herrn Jnftizrat Trimborn erwarten die sämtlichen preußischen Gerichtssekretäre, daß in wenigen Monden der Erbstreit zu ihren Gunsten rechtskräftig entschied n ist. Nicht ohne innigen Dank an Herrn Jnstizrat Trimborn und an die sämtlichen übrigen Herren Abgeordneten, die fick der bedrängten Beamten-
Summe von fünfzig Pfund zu ihrem Unterhalt geschickt. Diese Summe erhalten Sie auch jetzt wie immer in englischen Banknoten. Dies ist aber die letzte Geldsendung, welche Sie bekommen; denn da das Mädchen jetzt siebzehn Jahre alt ist, wird es imstande sein, sich selbst zu ber- dienen, was es zum Lebensunterhalt gebraucht. Wie dies die ersten Zeilen sind, so werden es auch die letzten feilt, welche sie jemals von mir erhalten. Ich denke, daß das Mädchen, meiner Anweifting gemäß, einfach erzogen wurde; ich denke auch, daß es mit feinem Los zufrieden ist, da es niemals ein anderes kennen gelernt hat. Wenn sie einen recht einfachen Landmaun heiratete, dann würden meine letzten Wünsche für sie erfüllt sein. Es ist wohl kaum nötig, hier zu wiederholen, was ich Ihnen schon vor vierzehn Jahren sagte: daß das Mädchen keine Verwandte und keine Freunde in der Welt hat, außer denen, die sie sich etwa in Schönau erworben hat oder noch erwirbt, daß es überhaupt keinen Anspruch auf Liebe hat. Das beste, was sie tun kann, ist, in der größten Abgeschiedenheit des Schwarzwal. des zu bleiben und zu sterben. Meine Fürsorge für sie ist hiermit crloscken. Weder das Mädchen noch Sie werden jemals wieder etwas von mir hören."
Der Pfarrer starrte das Blatt noch an und hielt es noch fest in feinen zitternden Händen, nachdem er es fckon längst zu Ende gelesen hatte. Endlich las er das Schreiben noch einmal und seufzte dann fchwer.
„Der unbekannte Versorger entledigt sich seiner Pflicht gegen Alice", murmelte er. „Sie wird nie erfahren, wer ihre Eltern waren oder sind. Ich wünsche fast, ich hätte Lord Glenham nicht so fortgeschickt! Und doch konnte ich nicht anders handeln. Nach dem alten Herkommen und dem Gebrauch der Welt, ist ein Mädchen wie Alice, mag sie noch so gut und so edel sein, nicht geeignet zur Gattin für einen großen Lord."
Sinnend faß der alte Pfarrer da, erwägend Mito nachdenkend, von Zeit zu Zeit einen Blick <uf das Schreiben richtend.