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Hernfpreher Nr. ».
34. Jahrgang.
Fulda, Donnerstag den 11. Juli 1907.
M 156.
Getreide gelagert haben, dürfte eine mangelhafte Ausbildung der Körner zu erlvarten sein. Ande- rerseits mutz als Folge der andauernd kühlen und nassen Witterung sowohl bei uns als auch besonders in Frankreich mit einer ernsten Verzögerung der Ernte gerechnet werden. Die Erwägung, daß bis zum Erscheinen der neuen Ware noch starke Vedarfsansprüche zu befriedigen sein dürften, hat den Einfuhrhandel Englands und Frankreichs zu umfangreichen Erwerbungen im Auslande ange. regt. Da gleichzeitig eine starke Verminderung der argentinischen Ausfuhr gemeldet wurde, nahm der Weltmarkt eine ziemlich feste Haltung an, zu.
1 mal man auch in Ungarn und Süd-Rußland eine Beschädigung der Ernte durch Hitze besorgt. Während sich diese Verhältnisse auf dem Berliner Markte für Weizen durch einen ^Aufschlag von 1 =41 für Juli und 3% <M für September zum Ausdruck brachte irnd Roggen seinen letzten Stand immerhin gut behaupten konnte, blieben die übrigen deutschen Märkte von der festen Stimmung unberührt, namentlich im Osten, wo die Witterung im allgemeinen günstiger war. Wo man die Wirkung der Niederschläge ungünstiger beurteilte, gab sich die Kauflust mehr für Herbst-Lieferung kund, deren Minderbewertung vielfach einen Anreiz zu Erwerbungen bietet. Eine Belebung des Geschäftes in greifbarerer Ware war nirgends zu beobachten, ebenso wenig eine Vermehrung des Angebots. Im Hafergeschäft hat sich der Absatz von feineren Qualitäten etwas gehoben, während die reichlicher angebotene Mittelware wenig Beachtung fand. Futtergerste Per Herbst wurde von Rußland zeitweise billiger offeriert, nahe Lieferung dagegen blieb fest. Der lebhafte Absatz von Mais, namentlich in gedarrtem Mixed, hält an: auch La Plata und Donau-Mais finden zuletzt bessere Aufnahme.
Es stellten sich die Getreidepreise am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei daS Mehr (4-) brzw. Weniger (—) gegenüber bet Borwoche in Klammern 0 beigefügt ist, wie folgt:
Weizen Roggen Hafer
Danzig 212 ( ) 200 (- 4 ) 195 ( )
Berlin 209 (+ 1 ) 203 (4- 1 ) 205 (+ 1 )
Hamburg 206*/.(— '/-) 206 ( ) 206 ( )
Hannover 209 (— 1 ) 206 ( ) 208 ( )
Köln ( ) 207*/«( ) 210 (- 27«)
Frankfurt 215 ( ) 205 (+ 5 ) 205 ( )
München 227 (4- 2 ) 198 (— 5 ) 203 (
Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 208.— (4- 1.—), September 203.50 (-f- 3.75-, Budapest Oktobei 194.50 (4- 20.25), Paris Juni 216.95 (ff- 3955, Liverpool Juli 163.40 (ff- 3.75), New-Dork loko 154.70
1.25), Roggen: Berlin Juli 203. - (— 0..5, September 180.25 (—), Hafer Berlin Juli 192. - (ff-1.-), September 162.75 (ff- 0.75) Mark.
Zweites Ntatt
r. Jim Killer Krmderg i. d. S|in.
Im heurigen Jahre, wo in der Rhön fo oft die gespenstigen Nebel über die Berge wallen, iivtt der Mut des müden Wanderers gar manchmal auf den Gefrierpunkt. Daß es auch gefähr- 8ch werden kann, wenn diese Nebel den Touristen umspinnen, dar erfuhr kürzlich ein Redak- teur aus Charlottenburg, der mit seiner befferen Hälfte den Kreuzberg erklomm. Seine Erleb- mffe als verlorenes Schäflein und seine Errettung durch drei Franziskanerbrüder hat er im Fremden- buch des Klosters Kreuzberg mit solgendem Erguß verewigt:
Das verlorene Schäflein.
®n Schäflein noch am Abend spat Fürwitzia stieg zum Kreuz den Pfad. Ihm schien's ja noch erträglich hell Doch Nacht und Nebel kamen schnell.
Run mußt es nimmer aus noch ein, Erbärmlich fing eS an zu schrei»;
Doch horch! klang da nicht Glöckleinston? Gewiß, die Rettung nahet schon.
Es tauchen aus dem Rebel vor
Drei Brüder, nehmens Schaf beim Ohr Und führens heim aus Nacht und Not. Das Schaf blöckt dankend: „Segne 's Gott!"
Noch viel weniger als der Herr Redakteur muß die gestrenge beffere Hälfte von der Jrr- ifahü erbaut gewesen sein. Auch sie hat den .etwas hinkenden Pegasus bestiegen, um ihrem „Nebelschas" eine ganz derbe, aber sicher in bester Laune wohlgemeinte Lektion zu geben. Sie schreibt:
war voll des edlen Gerstensaftes. Wir sanden nun noch Zeit genug, um das Fremdenbuch etwas näher anzusehen und stießen auch auf einen Stoßseufzer aus dem Jahre 1902, der wohl auch für daS laufende Jahr geschrieben ist. Er lautet:
Was ist das für ein schrecklich Jahr, Sturm, Regen, Kälte immerdar, Alt-Petrus hapert's am Verstand. Eh' er verhunst daS ganze Land — O Herr Gott sperr ihn ein! —
Mit einem überaus tiefempfundenen Gedicht hat Prof. Dr. Faulhaber-Würzburg (jetzt Straßburg) daS Fremdenbuch bereichert, das wir hier noch folgen lasten wollen:
Stat crux!
Die Sterne kommen, die Sterne gehn. Was im Lenz geblüht, muß im Herbst verwehn. Die Wolken eilen, die Nebel ziehn. Sie wandern am Fuß des Kreuzes hin: Stat crux, dum volvitur orbis.
Die Jahre kommen, die Jahre flieh». Das Kreuz steht die Jahre vorüberziehn. Das Kreuz, das am Berge Schlldwach hält, Die Zeiten wandern, es ivandert die Welt: Stat crux, dum volvitur orbis.
Den Kreuzberg herauf kam ein endloser Zug, Die einen zur Kirche, die andern zum Krug. Sie sind wieder fort, — daS Kreuz sah sie geh». Die Menschen wandern, — das Kreuz bleibt stehn: Stat crux, dum volvitur orbis.
Ich selber zog müde vom Wandern hier ein, Im Schatten des Kreuzes die Kraft zu erneu'». Ich muß wieder ziehn, — das Kreuz steht in Ruh', Ich selber muß wandern — dem Grabkreuze zu: Stat crux, dum volvitur orbis.
vermischtes.
Ich sah in meiner Herzensnot Mein Nebelschaf von Mann schon tot. Verzweifelnd stürze ich zur Höh' Das Schaf war nirgends in der Näh.
Ist auf de» Felsen er entgleist?
Ist „unbekannt" er abgereist?
Beriet sich da der Brüder Schaar, Die schnell zur Hilst gerüstet war.
So geht es mehrmals in die Nacht, Die Rettung war jetzt bald vollbracht — Ich schließ' das Schaf in meinen Arm. Vergesse» war jetzt Schreck und Harm.
Ihr Brüder, die ihr lieb und brav. Errettet meinen Mann, das Schaf, Sch spend Euch innig Herzensdank!
em Schaf lohn ich mit Hieb und Zank.
Moral: Das Maultier find im Nebel seinen Steg, Mein Mann verfehlte seinen Weg.
Was folgt daraus mit Konsequenz Hinsichtlich der Intelligenz??
A-»icrkiuig: Lharto.'tenburg-BkrUi,!
Als wir im trauten Touriftenzimmerdes Klosters Kreuzberg gemütlich beisammensaßen und uns Bruder Anselm in bekannter Urwüchsigkeit die Irrfahrt vom Nebelschaf als die lauterste Wahrheit pries, spürten wir nicht das Regiment der „sanften" Gattin, aber umso herzlicher wurde gelacht und wir verstiegen uns noch zu einem halben „Moaßel", dem Bruder Anselm ergänzend hinzufügte „von oben". Und richtig das „Moaßl"
* Daß Kronprinz Rudolf von Oeflerrekch nicht, wie es bei seinem Hinscheiden am 30. Januar 1889 hieß, durch Selbstmord aus dem Leben schied, sondern von fremder Hand ermordet wurde — wahrscheinlich aus Anlaß des bekannten ehebrecherischen Verhältnisses — bestätigt der verstorbene Botschafter Graf Nagra. Er hat gelegentlich einer Unterhaltung einem Freunde interessante Einzelheiten zu dem Tode des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich gemacht, die jetzt im „Corriere della Sera'' veröffentlicht werden. Der Gewährsmann machte am Tage nach der Katastrophe Nigra einen Besuch und äußerte im Laufe des Gespräches seine Verwunderung, datz der Kronprinz Rudolf sich selbst getötet haben sollte. „Was", fiel ihm Nigra ins Wort, „man hat ihn getötet, jawohl, man hat ihn getötet, und zwar in ganz scheußlicher Weise!" Und nun erzählte Nigra, wie er an jenem Unglücksmorgen als erster aller Botschafter, ja noch vor dem Kaiser, in Mayerling eintraf: .„Der Kronprinz lag auf dem Bette mit einer breiten weißen Binde um Stirn und Schläfe Der Kan-- nierdiener Löschet, der mich kommen hörte, führte mich zu dem Toten, und als er meinen fragenden Blick sah, hob er die Binde auf. Hinter den Schläfen ioar ein so großes Loch, daß man die Faust hätte hineinlegen können." Bei diesen Worten hob Nigra die Faust empor, wie um das Bild an- schallsicher zu machen. „Die Schädeldecke war wie durch einen Schlag mit einer Flasche oder einem dicken Stock völlig zertrümmert. Es war fürchterlich^ Haare und Knochensplitter waren mit der Gehirmasse vermischt. Die Wunde war fast über
dem Öhr hinten am Kopf, sodaß der Kronprinz sich diese selbst unmöglich hätte beibrmgen können. Nochmals, keine Spur von Selbstmord. Es war Mord. Ich kann es Ihnen versichern. Kurz nach- her kam der alte Kaiser, der in Tränen ausbrach, während ich ihn mit meinen Armen stützte." Hier bemerkte Nigra plötzlich, daß er zu frei geredet hatte, und er brach das Gespräch ab, indem er lächelnd die Bitte aussprach, ihn nicht bloßzustellen.
Literarischer.
Kurzer Getreide-Wochenbericht der PreisberichtrjteLe der deutschen Landwirtschastrratr vom 2.-8. Juli 1907.
Während im Osten bis vor wenigen Tagen die schöne Witterung anhielt, stellten sich in den ich- rigen Landesteilen bereits am Schluß der letzten Woche heftige Gewitter ein, die von wolkenbruch- ortigen Regen begleitet waren. Wo letztere das
Die „Allgemeine Rundschau" (Wochenschrift für Politik und Kultur, Herausgeber und Verleger Dr. Armin Kausen in München) kann das nun ablaufende Quartal mit Recht als eines ihrer erfolgreichsten bezeichnen. Durch bedeutsame, hochaktuelle Artikel machte fast jed? Nummer in der ganzen Presse von sich rede :. Die „Vossische Zeitung" bezeichnet sie als ein Organ, das „für gebildete Zentrumsleser und politisch mündige Katholiken" schreibt, und nach der „Nh.- Weftf. Ztg." sind ihre Ausführungen umso schwerwiegender, da die „A. R." „eine Wochenschrift ist, an der auch Fürsten mitarbeiten". In der katholischen Presse findet die „A. R." ständige wärmste Anerkennung. Die „Badische Volkszeitung" nennt sie „eine politische Schule", rühmt ihre „politische Schlagfertigkeit, Prinzipienklarheit, offene und gerechte Sprache", ihr Freisein von „Kleinlichkeit, Mässigkeit, Engherzigkeit und Unklarheit". Die „Pädagogischen Blätter" nennen sie „eine Wochenschrift, die schon vielfach wirksame Initiative geweckt hat", und die „Märkische Volkszeitung" glaubt die „A. R." füglich als zeitgemäßeste aller katholischen Zeitschriften bezeichnen zu können. Mit der heutigen Nummer erscheint zum ersten Male eine besondere Rubrik „Aus ungedruckten Witzblättern" von Rigoletto, die zu einer dauernden Einrichtung werden soll. Aus dem sonstigen reichen Inhalt seien hervorgehoben: Die neuen Manner im Reiche und in Preußen. Von Kurt von Blankenau. — „Nationale Gesinnung!" Von Dr. Joseph Grendel. — Weltrundschau: Die Umgestaltung der Bülow-Regierung. Deutschland auf der Haager Konferenz. Die Winzerunruhen in Frankreich. Von Fritz Nienkemper, Berlin. — Der Klerus und die Wahlen. Vom Herausgeber.
— „Die katholische Presse". Von Peter Busch. — Neue pädagogische Literatur. Besprochen von F. Weigl. — Zur Frage der „Volksuniversitäten". Von Jakob Murböck und Franz Weigl. — Dem neugeweihten Priesterfreunde! Von Hermann Johann. — Sommer. Von Josephine Moos. — Münchener Kunstausstellungen. I. Die Sommerausstellung der Sezession. Von Dr. O. Döring. Dachau. — Stimmung der Nacht. Von Dr. Lorenz Krapp. — Der Neubau des Katholischen Ko-. sinos in München. Von P. von Leysser. — Büh-f nen- und Musikrundschau. Von L. G. Oberlaen- der. — Finanzwirtschaftliche Rundschau. Von M. Weber. — Probenummern werden vom Verlags an jedermann gratis versandt.
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