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wochMb-nas«: „Illustrierte Sonntagrzettung"

34. Jahrgang.

Fulda, Dienstag den 9. Juli 1907

M 154.

(Nachdruck verboten.)

110}

Anzesgear die ein spaltige Petitzelle oder deren Raum 15 pfg. Reflemen die Petitzelle 25 pfg.; bet Wieder­holungen wird «utspr. Rabatt gewShtt.

In diesem Moment wurden draußen laute Stimmen hörbar, und die Londoner Polizisten mit John Wilson an der Spitze, sowie die Kon­stabler von Montheron drangen in das Haus und erschienen im nächsten Augenblick im Zimmer. „Wir suchen nach einem entsprungenen Verbre­cher, Mylady-, sagte einer der Polizisten mt: einer respektvollen Verbeugung vor Lady Wolga. „Wir haben ihn bis hierher verfolgt und glaub­ten, da uns seine Spur plötzlich verloren gegangen ist, daß er Eintritt in dieses Haus erlangt hat."

„Nun, was habe ich gesagt?" rief Lady Mark- ham und ihre Stimme zitterte vor Schadenfreude. „Der entsprungene Verbrecher ist oben in Lady Wolgas eigenen Zimmern, ihre Juwelen stehlend. Seine Verbündete brachte ihn soeben herein. Folgt mir! Er kann nicht entrinnen!"

Mt fast jugendlicher Schnelligkeit und vielem Geräusch schritt sie der Tür zu und ging den andern voraus durch die Halle und die Treppe hinauf. Alexa mit der Kraft eines verwundeten Rehes, welches noch einmal sich aufrafft zum letz­ten Fluchtversuch, eilte allen vorüber und flog die Treppe hinauf. Lady Wolga, verwundert und ungläubig, folgte, und der Marquis und Mr. Dalton bildeten den Schluß.

-Die Gesellschaft drang in Lady Wolgas Bou­doir, dann in das Ankleidezinimer.

Der Flüchtling hörte seine Verfolger kommen. Er wußte, daß Flucht und Verbergung vergeblich waren. Seine Stunde tvar gekommen. Er stand ?nit verschränkten Armen in der Mitte des Zim-

verantwortlicher Schriftleiter: 3. V. 3. parzeL« in $nlbe

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ttenbriderel in Fnlda. " zernsprecher Nr. 9.

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Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

dazu kommen, seine Popularität weit zu über- chätzen." So weit die „K. V."

Recht bedenklich ist es auch, daß dem Kaiser fast nur Zeitungsausschnitte vorgelegt wer- den: wobei wohl selbstverständlich wohl alles fern­gehalten wird, was irgendwie „anstoßen" könnte. Dadurch kommt es, daß der Kaiser, sich nur ein ganz einseitiges Bild von den jeweiligen Verhält» nisten machen kann, zumal wenn es richtig ist, daß statt des immerhin mehr farblosen 83er- liner Lokalanzeigers jetzt die Tägliche Rundschau, das bekannte Blatt des Evangelische« Bundes, die einzige Zeitung ist, die dem Kaiser vollständig vorgelegt wird. Allerdings pflegt der Kaiser zuweilen sich auch bei anderen Leuten zu informieren und beschränkt sich nicht auf seine berufenen Ratgeber. Es scheint aber auch nicht viel dabei herauszukommen, die meisten der gelegentlich mit dem Kaiser in Verkehr kom­menden Herrn scheinen ebenso schüchtern zu sein und auch nicht zu wagen, „ihn über den wahren Sachverhalt aufzuklären". Im Interesse des Ge- meinwohles und der Monarchie wäre es aber sehr zu wünschen, der Kaiser fände auch Leute, die ihm ungeschminkt die Wahrheit sagten, auch ivenn sie ihm unangenehm wäre. Das wäre eine wahr- haft p atri o tische Tat.

t. Kaistr, Minze und W-

Bei Besprechung der Kamarillaangelegenheit haben verschiedene Blätter den „st aunens- w e r t e n M rr t" gepriesen, den der

Kronprinz

aezeiat Labe indem er seinem Vater die, betr. WU her Zukunft" vorlegte. In höfischen Kre sen wird anscheinend der persönliche Mut mit anderem Maße gemessen als 'N bürgerlichen, wo man wahrlich nichts besonderes darin findet, wenn ein Sohn in einem ähnlichen Falle dem Vater 'eine Zeitung vorlegt. Wie es in höfischen Kreisen aber in dieser Beziehung aussieht, zeigt der Be­richt eines Hamburger Blattes über den Stern Iber Kaiser Wilhelm - Gedächtniskirche, der von 'einer Seite verfaßt ist, die dem Bau der Kirche Bahegestanden hat. Es heißt da:

„Wer von der Hardenbergstraße in Charlotten- burg auf besagte Kirche zusteuert und sich die Mühe gibt, sie mit einem Blick zu umfassen, der wird mit Erstaunen sehen, daß ans dem großen Kreuz, das die Kuppel des Hauptturmes ab- schließt, zunächst noch ein Stab herauswachst, und daß dieser Stab einen Stern trägt. Gibt er sich Zweiter die Mühe, nachzudenken, warum das Kreuz von einem Stern überragt wird, so wird er an den Himmelsstern oder an den Stern von Beth­lehem denken, oder auch vielleicht an das bekannte Sprichwort: „doppelt genäht hält besser". Die Kunst pflegt aber, wenn sie eilt Werk mit einem ! Kreuz abgeschlossen hat, es nicht noch einmal mit einem Stern abzuschließen. Kurz, der Stern wirkt durchaus unkünstlerisch, verletzt das ästhetische Enipfinden und ist völlig überflüssig. Man kann aber nicht sagen, daß der Meister des Baues sich als unästhetisch empfindenden Künstler gezeigt hätte. Wie aber kam er zu bcin fatalen Stern? Das ist eine Geschichte bon Neu-Byzanz. Die Bau­meister Pflegen in ihren Zeichnungen derartige Sterne als Endpunkte der Geraden anzubringen, die den Mittelpunkt eines Bauwerkes darstellt. Auf der Zeichnung, die dem Kaiser vorgelegt wurde, fand sich der Turm, die Kuppel, das aus ihr herauswachseude Kreuz und die mit einem Stern abgeschlossene gerade Mittellinie des Risses. Als dann später die fertige Zeichnung vorgelegt wurde, waren der Stern und die Rißlinie ver­schwunden. Der Kaiser bemerkte das und wun- derte sich. Und nun? Man brachte eiligst Riß- linie und Stern in der Zeichnung und in der Wirklichkeit an, da niemand den Mut hatte, den Kaiser über den wahren Sachverhalt aufzuklären "

Zu dieser hübschen Geschichte schreibt die „Köl­nische Volksztg.": Der Stern auf der Spitze der gedachten Kirche geht uns wenig au. Als Staats- bürger geht es uns aber etwas mehr an, wenn -wir erfahren, wie die Höflinge vor ihrem Herrn ^zittern und bestrebt sind, ihm nur angenehmes zu sagen. Was werden sie antworten, wenn der Kaiser sie etwa fragt, was das Volk über

Posadowskys Entlastung

sagt? Sie werden erklären, das ganze Volk juble darüber. Und wenn er sie nach der Blockpolitik fragt, so werden sie dieselbe Auskunft geben und am Ende gar behaupten, die Zentrumswähler­schaft knirsche vor Wut, daß ihre Führer nicht die weiße Fahne entfalteten und in das Blocklager übergingen.

Wenn schon niemand „den Mut hat, den Kai­ser über den wahren Sachverhalt aufzuklären," wenn es nur einen Stern auf einer Kirchturm­spitze betrifft, wie kann man da annehmen, daß ihm in politischen Dinge« „reiner Wein" einge- schenkt wird! Wenn das aber nicht der Fall ist, wird nur zu leicht das Land auf unrichtige Weise regiert werden. Und wenn die Höflinge dem Kaiser nur Angenehmes zu sagen wagen, aber nichts Unangenehmes, dann muß er unfehlbar

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Juli 1907.

-t. Zur Organisation der Zeutrumspartei. Einen nachahmenswerten Beschluß hat das Zen­trumswahlkomitee für den Wahlbezirk Trier (Stadt- und Landkreis) gefaßt. In einer zahl­reich besuchten Versammlung wurde nach kurzer, vom Herrn Stadtverordneten Hartrath ge­leiteten Debatte beschloffen, einen „Zentrums­verein für den Wahlkreis Trier" zu gründen, der sich über die Kreise Trier Stadt und Land erstrecken und sich in sechs Bezirksvereine: Trier Stadt und Land, Conz, Ehrung, Hermeskeil und Schweich, gliedern soll. Die Organe des Ver­eins sind das Bezirkswahlkomitee, das Kreis­wahlkomitee und der Vorstand. DaS Kreis­wahlkomitee besteht aus 125 Mitgliedern und zwar sollen 50 aus der Stadt und je 15 aus den 5 Landbezirksvereinen entsandt werden. Die Mitglieder des Kreiswahlkomitees werden durch die Bezirksvereine auf 6 Jahre gewählt. Der Vorstand besteht ans 10 Mitgliedern. Der Jahresbetrag beträgt 20 Pfg. lieber die Kandt- datenfrage zur Land- und Kreistagswahl ent­scheidet das Kreiswahlkomitee endgilt'g. Es dürste wünschenswert sein, überall Zentrums­vereine zu gründen, dem alle Zentrumswähler beitreten müßten; das zu erreichen, müßte der Jahresbeitrag so niedrig als möglich bemessen werden; 10 Pfennig würden schon genügen: „Regnet's nicht, so tröpfelt doch".

* Die empfindlichen Offiziösen. Die gewiß nicht zentrumssreundliche Kranken kaffen-Ztg/hatte gemeldet, es sei bei der Reubesetzung der zweiten Direktorstelle im Reichsversicherungs-Amte anfangs 1907 ein katholischer Beamter zu Gunsten eines nichtkatholischen übergangen. Der Bevorzugte aber sei ein Studienfreund des Herrn v. Loebell. Die ,Nordd. Allgem. Ztg/ fährt nun hiergegen furcht­bar auf und meint, daß der protestantische Beamte ein längeres Dienstalter habe; die Reichskanzlei habe nicht bei der Besetzung mitgewirkr. Wir halten zwar von den offiziösen Dementis nicht viel, weil sie zu oft unwahr sind. Aber wenn nun diese Darstellung einmal wahr, so müssen wir erst recht fragen: „Weshalb hat dieses amt- mers und im vollen Scheine des Kaminfeuers, stolz und erhaben; in seinen edlen Zügen lag ein Ausdruck von Ruhe und Frieden, welcher seltsam kontrastierte mit der Unruhe um ihn her.

„Da!" schrie LadyMarkham in einer Art von Triumph, mit dem Finger auf den Flüchtling zeigend. „Da ist ihr Komplize!"

Mr. Strange lächelte traurig. Sem Blick streifte alle Anwesenden, dann griff er langsam unter den Rock nach der Brusttasche.

Mt einem Schrei eilte Alexa zu ihm, seine Absicht erratend.

„Verhaftet ihn!" rief Pierre Renard. „Es ist Lord Stratford Heron, der Mörder seines Bruders!"

Es bedurfte dieses Ausrufes nicht, um Lady Wolga zu versichern, wer der entsprungene Ver­brecher war. Auf den ersten Blick erkannte sie ihren geschiedenen Gatten. Nicht die Reihe von Jahren, nicht die Veränderung, welche die Zeit, Kummer und Sorgen im Gefolge stets mit sich führen, nicht das gefärbte Haar und die verän­derte Gesichtsfarbe konnten sie auch nur einen Augenblick täuschen über seine Persönlichkeit. Die gefalteten Hände auf die Brust gepreßt, mit halb geöffneten Lippen und starrblickenden Augen stand sie regungslos da, wie eine Bildsäule, selbst ihr Atem schien zu stocken.

Die Polizisten traten vor, im Begriffe, sich ihm zu nähern.

„Zurück!" rief der erkannte Lord Stratford Heron mit fester, gebietender Stimme, einen Re­volver aus der Tasche ziehend. „Ich will mich nicht lebend gefangen nehmen lasten!"

Die Männer wichen unwillkürlich zurück vor seinen wild flammenden Augen.

„Haltet inne!" rief Mr. Dalton und seine Stimme klang nicht weniger ernst. „Legt keine Hand an ihn —"

„Wie, wollen Sie ihn entfliehen lassen?" schrie Renard. „Ich mache Sie für alles verant­wortlich!"

Oberbürgermeister Snay: „Fehlt uns auch im gesellschaftlichen Leben der Glanz und die Abwechselung des weltberühmten B a d e o r t e s, der wohl alljährlich durch die A «- Wesenheit unseres Königs und seiner Familie geehrt wird, verstehen wir doch auch hier in gut bürgerlicher Weise uns des Lebens zu freuen und genießen Anregung und Belehrung vielfacher Art auf allen Gebieten des Verkehrs und der Bildung." Der Beigeordnete Maaß aut- wartete hierauf: „WaS den erwähnten Glanz in Homburg betreffe, so verzichte er gern ans ihn und das bischen Flitter im Inter­esse einer gründlichen gediegenen Arbeit, wie sie ihm wohl schon an anderer Stelle, doch nicht in Homburg vergönnt gewesen sei." Diese Antwort hat in Homburg arg bet- schnupft. Zwanzig Stadtverordnete haben an den Stadtberordnetenvorsteher das Ersuchen gerichtet, nächste Woche eine Stadtberordnetensitzung ein­zuberufen und darauf folgende Beratungsgegen­stände zu setzen: „1. Stellungnahme zu den Bet- öffentlichungen des Herrn Maaß, 2. Abänderung des Beschlusses betreffend Ehrung des früheren Oberbürgermeisters Maaß."

... In Sachen der Wahlrechtsreform wiegelt die .Post' gegenüber den liberalen Wünschen ab. Wir haben neulich schon hervor- gehoben/ daß die Liberalen sich eventuell mit einer anderen Wahlkreisei^teilung zu­frieden geben würden. Frhr. v. Zedlitz beeilt sich demgegenüber, die Liberalen von dieser Re­form dadurch abzubringen, daß er ihnen einredet, es werde dadurch der Block gesprengt werden. Mit ihrer Forderung würden die Liberalen be- wirken, daß die Konservativen und das Zentrum sich zu gemeinsamem Widerstand vereinigten. Außerdem bedinge eine neue Wahlkreiseinteilung in Preußen auch eine solche im Reich. Den Nutzen von diesem Vorgehen würde lediglich die Sozialdemokratie davontragen, welche alsdann so viele Mandate erringen würde, daß sie wieder mit dem Zentrum die Mehrheit bilden würde. AuS diesen Gründen kommt die .Post' zu dem Schluß, daß eine Neueinleilung der Wahlkreise in Preußen völlig unannehmbar ist. — Die Liberalen werden von dieser glatten Absage ihres Vlockgenossen wenig erbaut sein.

* Von einer Ausdehnung der Fahrkarten- steuer auf die vierte Wagenklaffe ist in einigen Blättern die Rede gewesen. Sie sollte angeblich in Aussicht genommen sein, falls das Ergebnis der Fahrkartensteuer auch in diesem Sommer sich als unbesiiedigend Herausstellen würde. Da« ,Berliner Tagebl.' kann demgegenüber auf Grund zuverlässiger Erkundigungen mitteilen, daß weder im Reichsschohamt noch im Finanz- und im Eisenbahnministerium an leitender Stelle von einem solchen Plane auch nur das mindeste be- fannt ist.

* Im Reichskolonialamt tritt Dienstag vor­mittag die Kommission sür die Feststellung de» Eingeborenenrechtes zusammen. Dieser Kommission gehören, wie daS Berliner Tagebl.' erfährt, außer hervorragenden Juristen Mitglieder aller Parteien an: von Juristen Prosesior Koh er und Oberlandgerichtsrat Dr. Meyer, von Parla­mentariern u. a. Freiherr von Richt Hosen und Dr. Südekum, außerdem, als besonderer Sach­kenner, der Abt der Oblatenmission in Wien.

* Dem Verdienste seine Krone. An diese Worte erinnert der konservative .Reich Sbote', indem er schreibt: Die ,Tägliche Rund« schaut die seit langen Jahren im Schweiße ihres Angesichts der Sonne derBülowschen

„Hie^ist der Befehl, ihn zu verhaften" sagte Mr. Dalton, ein zweites Dokument entfaltend. Ergreift ihn!"

Aber Roland Jngestre, so lange als Lord Montheron bekannt, raffte sich plötzlich auf und riß sich von John Wilson los, der ihn schon er­griffen hatte, eilte die Treppe hinab und aus dem Hause Er wurde verfolgt und flüchtete nach den Klippen. Ob er hoffte, in dieser Richtung zu ent­kommen und den rechten Weg verfehlte, oder ob er beabsichtigte, seinem Leben auf diese Weise selbst ein Ende zu machen, läßt sich nicht sagen. Er stürzte in einen schmalen Felseneinschnftt und die hineinschlagenden Wogen schleuderten ihn nut furchtbarer Gewalt gegen die scharfen Klippen. Mit lauten Verwünschungen folgten ihm ferne Verfolger auf dem gefährlichen Felsenwege nach dem Meeresstrande. An ein Entkommen des Ent­flohenen war nicht zu denken. Er .konnte fernem Schicksal nickt mehr entgehen. D,e Belohnung, die auf das Haupt des Mörders des letzten Mar- guis von Montheron gesetzt war, spornte alle zu neuer Energie an, und mit erhöhtem Eifer folg­ten sie deshalb der Spur des Flüchtlings m die schauerliche Felsentiefe Sie wollten ihr edles Wild nicht entfliehen lassen, mit dessen Gefangen­nahme sich das Geheimnis hes Dramas von Montheron enthüllen mußte.

56. Kapitel.

Vereint.

Während die Polizisten an der Meeresküste dem Flüchtling iiachforschten und nach langem vergeblichen Suchen endlich den entsetzlich ent­stellten Leichnam des Mannes auffanben der so lange als Lord Montheron gegolten und den letzt solch' ein furchtbares Ende ereilt batte, fand in dem Zimmer des Schlosses, wo sich soeben noch ein tief erschütterndes Schauspiel abgewickelt hatte, eine rührende Szene statt.

(Fortsetzung folgt.)

liche Blatt auch nicht ein Wort zum Schutze der katholischen Beamten gefunden, die seit Wochen Spießruten laufen müssen?" Da kennt man keine Empfindlichkeit oder will man in der Oeffent- lichkeit den Anschein entstehen lasten, daß im Reichsamte deS Jnnem die Katholiken bevorzugt seien? Eine Antwort auf diese Frage wäre auch sehr erwünscht.

* Zum PeterSprozeh schreibt das ,Ber. Taqebl.: Herr Peters, der sich von aller Welt verfolgt glaubt, hatte im MünchenerProzesse auch die alle Räubergeschichte von der von ihm auf- gegebenen Post k ist e erzählt, die angeblich er­brochen, und deren Inhalt teilweise entwendet worden sei. Auch diese Spekulation aus daS kurze Gedächtnis der Zeitgenosten ist fehlge- schlagen; der ,Köln. Ztg/ geht eine amtliche Mitteilung folgenden Inhalts zu: „Es 11™ da­mals (nämlich im Jahre 1899, als Herr PeterS in einer Broschüre diese Behauptung zum ersten Male aufstellte. Red.) durch die Postverwaltung Ermittelungen angestellt worden, welche ergaben, daß die von PeterS aufgestellte Be­hauptung ganz unzutreffend war. Die Post hatte mit jener Kiste, die von der Firma von der Heydt u. Comp. einer Expeditionsfirma übergeben worden war, gar nichts zu tun. PeterS hat darauf den zu Unrecht erhobenen Vorwurf brieflich zurückgenommen. Dieser Bri»f ist in der deutschen Presse veröffeni- licht worden." Eine Behauptung wird deshalb noch nicht wahr, weil sie zum zweiten Mal in die Welt gesetzt wird, auch wenn fett der Zeit, da Herr Peters seine Ente zum ersten Mal auf- flattern ließ, schon acht Jahre verfloffen sind.

* Ein erstes Opfer des Prozeß Peters soll der — Polizeibureau-Assistent Neuhaus in Altona geworden fein, der bekanntlich bei dem Peters- prozeß in München vernommen wurde und gegen Peters aussagte. Wie dem Berliner Lok -Anz. aus Hamburg gemeldet wird, ist gegen Neuhaus „von seiner Vorgesetzten Behörde , eine Untersuchung eingeleitet worden. Wahrscheinlich wird ein Disziplin arverfahrw folgen. Ein Verhör des Neuhaus hat bereits ftattgefun- den." Eine eifrige Justiz! Aber.daß geg en den Generalien tnant v. Siebert, der int Peters-Prozesse die unerhörten Ausdrucke „Justizmord" und „Schandfleck für die deutsche Iustiz" usw. ausgesprochen hat — nach dem Zeugnisse der freikonservativen Post nicht etwa in einem Moment der leidenschaft­lichen Erregung, sondern mit voller Ueberlegung -r eine Untersuchung eingeleitet worden sei, dar­über verlautet noch nichts. Haben denn die zu­ständigen Behörden in Preußen und tm Reiche, denen die Beschimpfung der beiden Disziplinar-Gerichtshöse durch den ©eneralleut- nant v. Lieber! doch unmöglich entgangen sein kann, noch keinen Strafantrag gestellt?

* Als Herr v. Windheim Oberpräsidenl von Hessen-Nassau wurde, erklärten die Offiziösen, er habe es seiner besonderen Beliebtheit beim Kaiser zu verdanken, daß er gerade an die Spitze dieser Provinz gestellt sei, denn da der Kaiser so oft in Kassel bezw. Wilhelmshöhe, Homburg und Wiesbaden residiere, liege darin ein ganz demonstrativer Vertrauensbeweis. ES wird den Herrschasten nicht leicht sein, diese Dar­stellung mit der soeben erfolgten Versetzung v. Windheims nach Ostpreußen zusammenreimen. Oder soll das Avancement sein? fragt die Föl- nische Volkszeitung'.

* Ter frühere Homburger Oberbürgermeister Maaß ist als Beigeordneter nach Görlitz gegangen. Dort sagte bei der Begrüßungsansprache der

„Aber ergreift Pierre Renard", fuhr Mr. Dal- ton fort, nicht auf des Kammerdieners Worte achtend, „gegen den ich einen Verhaftungsbefehl habe und der den Mord an dem letzten Marquis von Montheron begangen zu haben verdächtigt ist."

Totenstille folgte seinem Befehl.

Mr Dalton zeigte die Vollmacht zur Verhaf­tung Werre Renards. Die Polizisten wollten die­sen ergreifen; aber er widersetzte sich wütend und 'flüchtete in eine Ecke des Gemachs.

„Aus Grund welcher Beweise beschuldigen Sie mich, Lord Montheron ermordet zu haben?" fragte er.

Ehe Mr. Dalton antworten konnte, trat Alexa hervor.

„Ich beobachtete Sie, als Sie in der Gruft der Kapelle zu Mont Heron nach Ihren dort ver­steckten Diamanten sahen", erklärte sie. „Ich kann den Beamten die Stelle zeigen, wo sie liegen. Ich fand ein Stück von einer Uhrkette in der Verzierung der Bettstelle des ermordeten Mar­quis — das andere haben Sie in Ihrem Juwe- lenkästchen. Und wie wollen Sie den Erwerb Ihres Reichtums erklären?"

Pierre Renard sprang verzweifelt auf Alexa 3it, aber in demselben Moment bemächtigten sich die Polizisten seiner und legten ihm Handschel­len an. '

„Es sind noch stärkere Beweise vorhanden", sagte Mr. Talton. „Der Müller Jakob Gregg hat ein vollständiges Geständnis abgelegt."

Ein Aechzen, wie das eines Sterbenden, kam von der Tür her. Alle wandten sich um und sahen Lord Montheron, totenbleich mit schrecklich ver­zerrtem Gesicht, halb ohnmächtig gegen den Tür­pfosten gelehnt.

„Was au» mein Los fein ftiag, Sie werden es teilen, Mylord!" rief Pierre Renard. „Der- haften Sie ihn auch. Mr. Dalton, er ist ebenso schuldig Wie ich."