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34. Jahrgang.

Fulda, Montag den 8. Juli 1907

M 153.

Sollweg ache der

lung eine befried ig ende, den modernen Anschauungen entsprechende ist.

selbst im letzten Tagungsabschnitt deS Reichstages eine frühere Erledigung dieses Reformwerkes in Aussicht gestellt, als eS hier jetzt geschieht. Sollte sich bei dieser nun beabsichtigten Hinauszögerung der RücktrittPosadowskys ebenfalls schon gel­tend machen?

* Vertreter deS katholischen Lehrerverbandes beim neuen Kultusminister. Der Kultusminister Dr. Holle empfing am SamStag die Herren Quadflieg.Aachen, Esch und Krug-Düren als Vertreter des katholischen Lehrerverbandes, Provinz Rheinland. Rach halbstündiger Unter­redung erklärte der Minister, daß er mit Interesse die Wünsche der Lehrer entgegengenommen, und daß er gewillt sei, diese Wünsche mit Wohlwollen zu prüfen und denselben soweit uls möglich Rech­nung zu tragen.

.-. Das Wasser als Brücke. Auf diesen sonderbaren Einfall kommt die liberale Presse, weil der Katholik Frhr. v. Coels zum Unter» staatSsekretär ernannt worden ist; da liest man: „Tatsächlich hat Frhr. Coels v. d. Brügghen schon mehrfach Gelegenheit gehabt, zwischen dem Zentrum und der Regierung zu vermitteln. Als Oberpräsidialrat in Koblenz hat er wiederholt die Wünsche deS Zentrums gegenüber dem Ober- präsidenten Nasse vertreten. In eingeweihten Regierungskreisen sieht man in der Ernennung des Unterstaatssekretärs v. Coels den Beweis dafür, daß die Regierung gewillt ist, über die Kluft, die Regierung und Zentrum voneinander trennt, eine Brücke zu schlagen. Der Unter- staatSsekretärposten soll, wie behauptet wird, nur eine Vorstufe zu einem höheren Reichsamt sein. Daß es sich dabei um das Reichsamt deS Innern handeln dürste, liegt nahe." Köstlich! Der neue Unterstaatssekretär hat die Wasserbau- abteilung unter sich, also ein ganz unpoli­tisches Ding; aber sofort hieß eS, daß er nur aus politischen Gründen berufen worden sei, da er mit dem Zentrum vermitteln müsse. Nach­dem wir auf diese lächerliche Behauptung hin­gewiesen haben, heißt es jetzt, er sei zu hHerem berufen und werde da erst recht vermitteln. Aber das ist noch lächerlicher, denn noch ist die Tinte nicht getrocknet, die beweisen sollte, daß Graf PosabowSky nur deshalb gestürzt worden sei, weil er zu gut zum Zentrum gestanden habe. Man wird doch nicht einen Staatsmann hinaus­

werfen und einen anderen hereinholen, wenn eS ftd) um solche Dinge handelt. Ein Vermittler zwischen dem Fürsten Bülow und dem Zentrum würde zudem bei letzterem verschlossene Türen finden.

* Eine Roheit. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß der Evangelische Bund alles Katholische mit giftigem Haß verfolgt, und über alles, was uns Katholiken heilig und teuer ift feinen Geifer ausgießt, so hätten wir ihn jetzt in einem Artikel der Deutsch-Evangelischen Korre­spondenz (Nummer 74), der an Gemeinheit und C y n i s m u s nicht zn überbieten ist Unter der Ueberschrift „E i n für ft I idtjer Heili­ger des modernen Ultramontanis- m u §" fällt der Artikel über die selbst von den Gegnern stets geachtete und gerade in letzter Zeit wegen seines hochherzigen Entschlusses geehrte Person des 73jährigen Fürsten Karl zu Löwenstein her wegen seines Eintritts in das Dominikanerkloster zu Venlo. Nachdem sämt­liche Blätter, auch die der extremsten katholiken­feindlichen Richtung, diese hochherzige Entschlie­ßung des Mannes, der — so möchten wir sagen — keinen Feind hat, rühmend anerkannten, ist es dem offiziellen Organ des Evangelischen Bun­des Vorbehalten geblieben, dem scheidenden Greise mit unglaublicher Frivolität giftige Pfeile nach- zusenden. Die Deutsch-Evang. Korr. schreibt:

„Nur religiöse Ueberspanntheit kann einen Mann, der sich durch seine Werke tau­send Mal den ultramontanen Himmel verdient hat, in dem Alter noch ins Kloster treiben. Ihm genügte nicht die mittelalterliche Sitte, die zahl­lose Laien, welche niemals einem Orden angehört hatten, veranlaßte, sich im Mönchshabit zu guter- letzt wenigstens in den Sarg legen zu lassen, weil . sie an die heilswirkende Kraft der Kapuze glaub­ten. (Das ist eine bekannte Lüge. D. R.) Fürst Löwenstein will ein regelrechter Mönch werden, weil er dadurch allein (?!) seiner Seligkeit sicher zu fein meint."

Wer solche Worte gegen einen Mann wie Fürst Karl zu Löwenstein, dem selbst die „Köln. Ztg" einen sehr ehrenvollen Nachruf widmet, zu schrei­ben vermag, muß einen geradezu gemeinen Cha- ratter besitzen. Denn nicht bloß ist das, ivas er von der Absicht des Fürsten sagt: durch Eintritt in den Orden seiner Seligkeit „allein sicher zu fein", blühender Blödsinn, sondern der ganze Angriff ist eine so schmähliche Beschimpfung des aus einem wahren Heroismus entsprungenen hochherzigen Entschlusses, daß ein anständiger Mensch solche Pöbeleien nur mit Entrüstung lesen kann. Und der Bund, der solche Rohheiten durch sein Organ verbreiten läßt, nennt sich auch noch nach dem „Evangelium", demselben Evangelium, in wel­chem sich auch die Stelle befindet, wo der göttliche Heiland hem reichen Jünglinge den Rat gibt: „Willst du vollkommen fein, so gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und dann komme und folge mir nach!" Einen schreien- deren Gegensatz zwischen „Evangelisch" und solchen Angriffen und Ansichten über das Klosterleben kann es wohl nicht geben. Es gereicht den edel- denkenden, religiösen Protestanten nur zur Ehre, wenn sie von einem solchen Bunde nichts wissen wollen, und wir sind sicher, daß viele protestan- tische Blätter diese Beschimpfungen eines wahren Edelmannes durch den Evangelischen Bund aufs schärfste verurteilen werden, auch wenn sie dafür vom Evangelischen Bunde wieder des mangelnden protestantischen Einpfindens geziehen werden.

* Die Gefährlichkeit der Afrikaner — aber nicht der schwarzen, sondern vieler Weihen — tritt immer deutlicher hervor; sie gehen darauf hinaus, alle politischen Begriffe und auch sittliche Grund­sätze umstoßen; die meisten derselben fühlen sich als eine Art Uebermenschen, denen das übrige Deutschland nur zu huldigen habe. Warum? weil sie einige Jahre im schwarzen Erdteil waren.

Adresse gern entgegennehmen zu wollen. Der neue Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg versicherte, daß er dem Wunsche, die Sache der evangelischen Arbeitervereine zu fördern, nach Kräften entsprechen werde.

* Die Umgestaltung der Arbeiterversiche- rungS • Gesetze ist eine Forderung, welche schon seit Jahr und Tag erhoben wird. Noch bei der jüngsten Etatsberatung im Reichstage wurde ein­gehend darüber gesprochen; allgemein erwartete matt bereits eine Vorlage hierüber von Seiten der Regierung. Nunmehr soll eS aber, wie die ,Voff. Ztg/ erfahren hat, ausgeschlossen sein, daß in der nächsten Reichstagssession bereits eine derartige Vorlage zugehen wird. Weiter schreibt das genannte Blatt: „Sollte im nächsten Winter ein erster Ent- wurf fertiggestellt werden, so wäre es möglich, daß in der übernächsten Session eine Vorlage an daS Parlament gelangt. Dies ist aber auch nicht als sicher zu betrachten, da die Beratungen über den Entwurf viel Zeit in Anspruch nehmen werden." Falls diese Meldung den Tatsachen entspricht, wird sie allenthalben Verwunderung Hervorrufen. Soweit wir uns erinnern, hat Graf Posadowsky

Deutsches Reich.

Berlin. 6. Juli 1907.

* Der Kaiser wird während seiner Nord­landsreise Gelegenheit nehmen, daS vierte eng­lische Kremergeschwader, daS in der Zeit vom 8.—15. Juli vor Bergen oder Trondhjem ankern wird, in seiner Eigenschaft als Ehrenadmiral der britischen Flotte zu besichtigen.

/. Der Reichskanzler tritt seine Ferien am 7. Juli an. Sein diesjähriger Aufenthalt in Norderney ist bis Ende September ober Anfang Oktober vorgesehen. Im Amtsbereich des Aus­wärtigen Amtes wird er zunächst durch den UnterstaatSsekretär Dr. v. Mühlberg ver­treten, da Herr v. Tschirschky erst in der zweiten Hälfte dieses Monats von seinem Urlaub zurückkehrt. Im übrigen tritt die ,Nattonalztg/ nochmals der Blättermeldung entgegen, daß Staatssekretär v. Tschirschky bereits vor einigen Wochen beabsichtigt habe, sein Abschiedsgesuch einzureichen. Als unzutreffend bezeichnet sie auch die Meldung hinsichtlich anderer angeblich be­vorstehender Personalveränderungen.

* Die Geschichte des Rücktritts des Grafen Posadowsky wird in der ,Mil. pol. Korrsp/ ganz anders dargestellt, als wie sie bisher in der Presse geschildert worden ist. Danach soll eS falsch sein, daß Exzellenz v. Lucanus der erste Ueberbringer eines kaiserlichen Aufttages an den bisherigen Chef des Reichsamts deS Innern war. Vielmehr hat, wie die ,Mil. pol. Korresp/ erfährt, eine andere hochstehende Persönlichkeit am Abend vor der Bekannt­gabe des Ministerwechsels, also am Freitag, den 21. Juni, den Grafen aufgesucht und ihm im Auftrage des Monarchen das „Oberpräsidium der Provinz Hessen-Nassau verbunden mit einer ganz besonderen persönlichen Ehrung" angeboten. Der Staatssekretär lehnte beide Anerbieten mit dem Bemerken ab, er ziehe es vor, wenn er einmal gehen solle, als freier Munn aus fernem Amte zu scheiden. — Wie unvorbereitet diese indirekte Aufforderung zur Einreichung seines Entlassungsgesuches den Grafen Posadowsky getroffen hat, geht aus der Tatsache hervor, daß die zugleich mit seinem Rücktritt in der Morddeutschen Allgemeinen Zeitung, angekündigte Teilung deS Reichsamtes des Innern und Errichtung eineS selbstän­digen Reichsarbeitsamtes dem Staats- sekretär vollständig überraschend gekommen fein soll. — Die von dem Gesamtverbande der evangelischen Arbeitervereine Deutsch, lands an den Grafen Posadowsky gerichtete Adresse tautet: „Ew. Exzellenz möchten die ehrerbietigst Unterzeichneten im Namen ihrer 92000 Kameraden als Zeichen höchster Ver­ehrung und innigster Dankbarkeit die Ehren- mitgliedschast des Gesamtverbandes der evan­gelischen Arbeitervereine Deutschlands antragen. Möge Ew. Exzellenz nach Ihrer langen arbeit-- und ehrenreichen amtlichen Laufbahn ein weiteres freies Wirken im Dienste des deutschen Volkes als bewährter, ruhmreicher Vorkämpfer der Sozialreform beschieden sein und mögen Ew. Exzellenz noch lange Ihrer Familie, uns und dem Volke erhalten bleiben! Das walte Gott in Gnaden!" Graf Posadowsky hat erklärt, die

:!: Das Reichrvereinrgesetz.

Es scheint, als ob das Reichsvereinsgesetz die erste Frucht der neuen Bülow'schen Polittk sein werde. Wir legen zwar kein besonderes Gewicht auf die Nachrichten, welche in der Sauregurken­zeit inbezug auf zu erwartende RegierungSvor- lagen in der Presse auftauchen, denn gewöhnlich kommt es hinterdrein doch immer anders. In­dessen gehört die reichsgesetzliche Regelung deS Vereinswesens zu denjenigen Materien, die als spruchreif erscheinen und deren Hinauszöge­rung die Regierung sich bei der von ihr ins Leben gerufenen Politik nicht länger mehr gestatten kann. Die einheitliche Regelung des Vereins- und Verfamrnlungsrechts für das ganze Reich ist eine alte Forderung, die zu dem eisernen Bestände der Volksvertretung gehört. Bis jetzt hat sich die Reichsregierung dieser Frage gegen­über ziemlich ablehnend verhalten. Der Grund hierfür war weniger die Schwierigkeit, die Bunt- slbeckigkeit, welche auf diesem Gebiete in den etn- gern en Bundesstaaten besteht, in befriedigender Weise zu beheben, als vielmehr der Widerstand, den Preußen der reichsgesetzlichen Regelung der Materie bisher entgegensetzte. Gerade Preu- ßen hat ein Vereinsgesetz, das in seiner

Bevormundung des Volkes

zu den rückständigsten gehört. Man hat sich bisher in Preußen nicht von der Auffassung frei machen können, daß ein Volk auch ohne weit- gehende polizeiliche Bevormundung gedeihen und feine Untertanenpflichten erfüllen könne. Wie tief diese Auffassung eingewurzelt ist, beweist der Umstand, daß alle die fanfenben Kuriosa ans Ver­sammlungen, bei denen die P ol i z e i eine nicht beneidenswerte Rolle spielte und die in den Par­lamenten wiederholt helle Lachsalven ausge- (ost haben, es nicht vermocht haben, die preußische Regierung zu einer Revision des Vereinsrechts • ju veranlassen. Ein gut Teil dieser Kuriosa ist darauf zurückzuführen, daß die mit der Polizei­aufsicht beauftragten Personen ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren. Es sei nur an jenen Beamten erinnert, der in der Kulturkampfzeit, als das Wort „Thema" in einer Versammlung gesprochen wurde, in feierlicher Weise sich zu dem gef lügelten ® orte verflieg: „lieber Thema darf nicht gesprochen werden." Wie der Mangel (an geeignetem Aufsichtspersonal auf die Rechte be8 Volkes einschränkend gewirkt hat, das hat sich -uch in zahlreichen Versammlungen gezeigt, wo sich die Polen ihrer Muttersprache bedient ha- oen. Das neue Reichsvereinsgesetz soll ein frei­heitliches sein. Was Preußen unter einem frei- heitlicheu Gesetz versteht, wird sich dHnnächst ja geigen; wir haben die Befürchtung, daß das neue Bereinsgesetz gerade inbezug auf die Polen den /freiheitlichen Zug vermissen lassen wird, im Gegenteil den

bestehenden Rechtszustand noch eher verschlechtern wird. Wurde doch schon vor einiger Zeit in einer gewissen Presse das Ansinnen an die Regierung Sefteöt, es solle in dem Reichsvereinsgesetz nur die eutsche Sprache für Versammlungen gestattet werden. Wir hegen trotzdem die Hoffnung, daß sich der Freisinn soviel freiheitliches Gefühl und Selbständigkeit gegenüber der Regierung bewah­ren wird, daß er diesen Schritt nicht mitmachen wird. Bekanntlich soll nach den Absichten des Reichskanzlers die Reichspolitik auf Preußen übertragen werden. Bei dem Vereinsgesetz liegt die Gefahr vor, daß die preußische Politik auf bas Reich, wenn auch mit Einschränkungen, über­fragen wird. Wir können daher vorläufig nicht in den Jubel der liberalen Presse über das Reichsvereinsgesetz einstimmen. Nicht das ist die Haupffache, daß überhaupt für das Reich ein», ein­heitliche Regelung erfolgt, sondern daß diese Stege-

l Nachdruck verboten.)

Schmach meines Todes durch Henkershand zu er­sparen. Gott verzeihe mir! Da kommen siel"

Alexa hörte schwache Stufe in geringerer Ent­fernung und sah dunkle, in der Finsternis kaum zu unterscheidende Gestalten.

Ein plötzlicher Gedanke durchzuckte sie.

„Sie werden nicht im Hause Deiner geschiede­nen Frau nach Dir suchen, Vater", flüsterte sie. „Komm, ich will Dich dort verbergen, bis die Ver- folgung vorüber ist."

Sie eilte dem Hause zu und zog den Vater mit sich. Sie gingen durch eine Nebentür und eine Nebentreppe hinaus. Vor ihrem Zimmer blieb sie stehen. Im nächsten Augenblick ging sie weiter, öffnete die Tür von Lady Wolgas Prwat- zimmer und ließ ihren Vater hinein. Sie wußte, daß Felice unten war.

„Hier werden sie nicht nach Dir suchen!" sagte sie. „Ich werde zu Dir kommen, wenn die Ver­folger fort sind. Nun muß ich hinuntergehen, um sie von Deiner Spur abzuleiten."

Sie eilte hinaus in die Halle, wo sie Lady Markham vor der Tür begegnete. Einen Mo­ment schien ihr Herz sffll zu stehen, dann begab sie sich in das Gesellschaftszimmer, und die Freun­din der Lady Wolga, strahlend vor triumphieren- der Freude, folgte ihr auf dem Fuße.

Lady Wolga war es noch nicht gelungen, sich dem Marquis zu entziehen, und Mr. Dalton mußte geduldig warten, ehe er zu der von der Lady gewünschten Privat-Unterredung vorgelassen werden konnte.

Lord Montheron war inmitten einer leiden­schaftlich vorgetragenen Bitte um Einwilligung der Lady Wolga zu einer sofortigen Heirat unter­brochen worden durch die Anmeldung des Frie­densrichters Mr. Dalton, und hatte dann den ver­lorenen Faden nicht so recht wiederfinden können; doch war er entschlossen, das Haus nicht eher zu verlassen als bis er seinen Zweck erreicht hatte. Kaum batte er sich wieder in feine Nolle hinein

Zimmer gelassen. Sein Erscheinen zu Clyffe- bourne, nachdem er den ganzen Tag in Gesellschaft der Lady Wolga gewesen, erschien Lady Markham von besonderer Wichtigkeit. Sie zog sich an einen entfernten Fensterplatz zurück und beschäftigte sich mit einer Handarbeit.

Es war beinahe 10 Uhr. Alexa entfernte sich leise aus dem Zimmer und aus dem Hause. Viel­leicht wartete ihr Vater schon. Sie schritt leichten Fußes über die Terrasse nach den Klippen hinab. Die Nacht war finster, der Wind wehte stark, eigentümliches Zischen und Brausen deutete auf einen sich erhebenden Sturm.

Eine Stunde verging, während welcher Alexa unruhig auf- und abging. Ein anderer Wagen kam, den Gerichtsherrn Dalton bringend. Noch eine Stunde verging. Es war 11 Uhr vorüber. Alexas Angst nahm mit jeder Minute zu.

„Ich werde die ganze Nacht hier warten, wenn er nicht kommt", dachte sie. „Haben sie ihn er­griffen? O, Vater, Vater!"

Des Mädchens Unruhe wurde unerträglich. Die Dunkelheit nahm immer mehr zu, der Wind wurde heftiger und das Brausen der See mäch­tiger.

Da — was war das?

Eine dunkle Gestalt erkletterte den Felsen, und Alexa erkannte ihren Vater. Er hatte das Plateau erreicht und eilte auf sie zu.

„Vater!" rief das Mädchen leise.

„Alexa!" antwortete er fast atemlos. „Ich werde verfolgt, die Polizisten und Renard sind dicht hinter mir. Sie sind mir vom Schlosse aus gefolgt. Mein Rückzug ist nach jeder Seite hin abgeschnitten. Es bleibt mir nichts anderes übrig als der Tod."

„Vater!" flüsterte sie ängstlich. „O, mein Gott! Du. weißt nicht, was Du sprichst."

„Mein armes Kind, ich bin in die Enge ge­trieben. Die Verfolger sind mir auf den Fersen. Kein Entkommen ist mehr möglich. Alles, was ich für Dich und Wolga tun kann, ist, Euch die

Atexa

ober

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

»Sie haben recht getan, nach mir zu senden, <^a", sagte Lady Wolga. „Ich will sogleich Mr. Dalton zu mir bitten lassen. Es muß etwas Beftimmtes unternommen werden zu Lord Strat- cford Herons Rechtfertigung und er soll vor aller Welt wieder zu Ehren gebracht werden. Ich wünschte nur, daß der arme unschuldig Verur­teilte noch lebte!" fügte sie mit einem tiefen Senf- ter hinzu.

Lady Wolga schrieb einen Brief an Mr. Dal- /ton und schickte ihn sogleich ab.

1 Alexa begab sich in das Gesellschaftszimmer, (wo sie etwas später Lady Markham fand. Diese .mufterte sie mit einem hochmütigen Blick, grüßte fie mit stolzem Kopfnicken und ging an den Ka­min. Keine sprach ein Wort, bis Lady Wolga erschien.

Nach dem Essen kehrten die Damen in das Gesellfchaftszimmer zurück. Lady Markham hatte etwas in ihrem Zimmer zu tun, und Alexa be- nützte ihre Abwesenheit, um Lady Wolga von den .Muffen Pierre Renards auf ihr Leben zu er­zählen.

"And Sie haben das alles für mich und mei- /neu Gatten erduldet!" rief die Lady, mit Tränen Ai?fe^d"Een Augen. „Gott segne Sie, mein ?snd! Es war feine Hand, die Sie zu mir führte. - >?ch werde Sie nie wieder von mir lassen."

Lady Markhams Rückkehr verhinderte jede Antwort.

Etwas später wurde ein Wagen gehört, der /n L9ra^.eraufful£ und vor dem Haupteingang tLkeu. Gleiib darauf wurde Lord Montheron ins

geredet, als Alexa eintrat, die er mit Groll und haßsprühenden Blicken ansah.

Alexa fetzte sich, nicht ober Lady Markham, die sich bis onf einige Schritte Lady Wolga näherte und dann mit der Miene einer strengen Ankläge­rin stehen blieb.

„Meine liebe Lady Wolga", sagte sie mit schar­fer Stimme, ich habe Ihnen etwas besonderes zu tagen. Ich habe eine schwere Beschuldigung gegen Miß Strange, Ihre Gesellschafterin, auszuspre­chen, oder vielmehr, ich wünsche, sie zu entfärben, und ich werde es jetzt vor Ihrem Gaste tun."

„Lady Markham!" rief Lady Wolga streng.

„Ah, Sie glauben mir nicht? Nun, ich kann meine Worte beweisen!" rief Lady Markham, und in ihrer Stimme lag ein Gemisch von Stolz, Hohn und Triumph. „Ich kann Ihnen beweisen, daß sie eine Abenteuerin ist. —"

„Lady Markham!" rief Lady Wolga abermals in höchster Entrüstung.

„Ich bringe die Beweise für jedes meiner Worte", fuhr die Anklägerin fort „Sie hat ihren Geliebten in dieses Haus gebracht und in Ihre Zimmer geführt, Lady Wolga! Er beschäftigt sich in diesem Augenblick jedenfalls damit, Ihre Ju­welen zu stehlen. Das Mädchen ist die Verbün­dete eines Diebes!"

Ohne eine Antwort abzuwarten, zog sie heftig die Klingel und befahl den eintretenden Dienern, mit einigen anderen Männern leise hinaufzugehen und die Türen zu Lady Wolgas Gemächern jr bewachen.

„Das ist alles falsch! Ich glaube kein Wort davon!" erklärte Lady Wolga stolz. „Alexa stra­fen Sie die Anklage der Lady Wolga Lügen."

Aber ein Blick auf Alexa ließ sie verstummen. Die Verwirrung, das Entsetzen in dem lieblichen Gesicht, der wilde Schrecken in den Augen deS Mädchens — waren das die Zeichen gerechter/ Entrüstung?

. (Fortsetzung folgt)

Zuldaer

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