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Zuldaer W Zeitung
Wochenbeilage: „Illustrierte Somtagszeiümg" moeatsbenage: „8«lk»aer Gejchichtsblättek"
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RotatiousbrnS k. vertag der Fuldaer Ac- tienbrrckerei in Kilba. Zemsprecher Nr 9.
M 148.
Fulda, Dienstag den 2. Juli 1907.
34. Jahrgang.
Erstes Matt.
veutjches Mich.
Berlin. 1. Juli 1907.
* Graf Posadowsky will weiter sozialpolitisch wirken. Auf ein gelegentlich des Ver- bandsfestes der hiesigen kacholrschen Vereine an den Grafen Posadowsky gesandtes Telegramm lief bald folgende telegraphische Antwort ein: „Den katholischen Vereinen Schalkes danke ich für den freundlichen Abschiedsgruß. Auch als Privatmann hoffe ich im sozialen Sinne wirken zu können. Pasadowsky." Die Niederschl. Volksztg. bemerkt dazu: „Man weiß nicht, wie die Räder der Weltgeschichte taufen werden, ob nicht die Verhältnisse noch einmal zu einer Auflösung des Reichstags drängen. Sucht mau dann für Bochum-Gelsenkirchen nach einer geeigneten Kompromiß-Kandidatur mit der Spitze gegen die Sozialdemokratie, ein wirkungsvollerer Name, wie derjenige des Grafen Posadowsky dürfte sich schwerlich finden lasten. Früher schon ist in der Zentrumspreffe wiederholt aus Frhrn. von Berlepsch als geeigneten Kandidaten hingewiesen worden. Der ehemalige auch über seine allzu warmen sozialpolitischen Empfindungen gefallene preußische Handelsminister glaubte allerdings außerhalb des Parlaments besser für den sozialpolitischen AuS- tzleich wirken zu können."
* Heber den Sturz Posadowskys sind in den letzten Tagen eine Menge von Einzelheiten bekannt geworden, die unsere ursprüngliche Ausfassung nur bestätigen. Herr v. Lucanus erschien am Samstag früh beim Staatssekretär mit der Aufforderung, fein Entlassungsgesuch einzu- reichen. Schon an demselben Abend war in der »Nordd. Allg. Ztg/ zu lesen, iver fein Nachfolger fei; der Kaiser hatte das Entlaffungsgesuch noch nicht in Händen. Graf Posadowsky war über diese Behandlung so sehr erbittert, daß er jede offizielle Abschiedsfeier ablehnte und sich anfangs nicht einmal von seinen Beamten verabschieden wollte, als er hörte, daß sich einer derselben über ihn beim Reichskanzler beschwert habe. Er nahm dann doch Abschied von seinen Beamten, übergab aber fein Amt nicht selbst •einem Nachfolger, wie es z. B. Kultusminister o. Studt tat. Ein ganzer Mann, die allgemeine Sympathie kann nur vermehrt werden, wenn man dies erfährt. Der sonst gut unter- richtete ,Hamb. Korresp/ meint zum Minister- Wechsel: „Mit der Virtuosität, die wir an ihm ängst bewundern, hat Fürst Bülow wichtige Personalfragen so gelöst, daß weder Konservative noch Liberale unzufrieden fein können. Die eine «der die andere Seite ganz zufrieden zu stellen, oar unmöglich. So gab er jedem etwas, dem liberalen die Entlassung v. Studts, dem ^onservativen einen Moltke zum Nachfolger Oethmann-Hollwegs, dem Großindustriellen »ieEntlasf ungPosadowskys,dem Sozial- rolitiker die Aussicht auf Errichtung eines besonderen Reichsarbeitsamles. Alle diese Naßnahmen ließen sich, was schließlich auch eine Schande ist, ohne Brüskierung des Zentrums urchführen. So hat Fürst Bülow denn allen Änlaß, mit sich zusrieden zu fein. Er kann jetzt jn die Ferien gehen, ohne politstche Stürme be- .Ürchten zu müssen." Diese Austastung dürste so
AleLcr
oder
A«f geheimnisvollen Wegen.
Roman von Eduard Wagner.
101] (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
Pierre Renard hatte fein Versteck verlassen und Mich im Schutze der Ballustrade der Stelle zu, L>o Alexa stand, vorsichtig und leise. Jetzt war seine Zeit gekommen. Er hatte sie unbemerkt -rreicht.
,, beschlich sie unwillkürlich ein äilgst-
aches Gefühl, als würde sie sich ihrer gefahrvollen Stellung bewußt, aus der sie sich eilig zurückziehen wollte. Zu spät! Pierre Renard erfaßte sie heftig am Arme und schleuderte sie in den Abgrund Hinab. Ihr wilder Schrei durchschnitt die Luft, )as Getöse der See überhallend, und dann toar fl still. Selbst das Meer schien einen Augenblick «u schweigen, um gleich darauf um so furchtbarer it füllten.
52. Kapitel.
Abermals gerettet.
Renard stand einen Augenblick bewegungslos w, fürchtend, der herzzerreißende Schrei Alexas »abe die Bewohner des Schlosses in Alarm ver- ^«^°ber niemand erschien an der Tür oder am
“tmete tief auf. Dann legte er sich auf niAia v!en un& blickte hinab in den Abgrund.
*„^ars.bon bem Mädchen zu sehen, so weit «em Auge das ^Dunkel durchdringen konnte.
murmelte er triumphierend, und uirh l r ™e eIte ein Schauer seinen Körper. „Sie ™ gefunden werden, mehrere hun- vttd abwärts, zermalmt und zerschellt. Man sich über das Unglück wundern, doch nie-
ziemlich allein in Deustchland stehen, jedenfalls teilt Fürst Bülow sie selbst nicht. — Die ,Frkf. Ztg/ erzählt eine hübsche bisher unbekannte Geschichte von der Unterhaltung des Reichskanzlers mit einem süddeutschen Liberalen, die beim Zusammentritt deS Reichstages stattfand und natürlich sich um die gegenwärtige politische Situation drehte. Der Reichskanzler entwickelte seine Ideen, wobei „dieser auf daS Sachliche gerichtete süddeutsche Herr" emwarf, welche positiven gesetzgeberischen Maßregeln der Reichskanzler bald vorzuschlagen gedenke. „Ach so", meinte der Reichskanzler, „Sie wollen nicht bloß die Speisekarte sehen, es soll auch bald die Suppe aufgetra gen werden?" „Ganz richtig,Durchlaucht, die Suppe und dann auch bald Fleisch." Eine Suppe hat nun Fürst Bülow eingebrockt mit dem Minifierwechsel; die Liberalen dürsen sie auseffen. Aber nach der Suppe hält der Reichskanzler mehrere Feuilletonreden, während derselben müssen seine linksliberalen Gäste die Auslagen der Suppe mit mindestens 100 Prozent Zuschlag bezahlen. Dann kann daS Diner weitergehen, vielleicht aber erhalten nur die Konservativen das Fleisch und der Freisinn die Knochen.
* Zum Nnterstaatssekretär im Eisenbahnministerium ist nunmehr der Regierungspräsident v. Arnsberg, Dr. jur. Franz Freiherr von Coels von der Brügghen an Stelle des zum Kultusminister ernannten Dr. Holle er= nannt worden. Der neue Unterstaalssekretär war lange Jahre Landrat in Aachen-Land, später Oberpräsidialrat in Koblenz und kam vor einigen Jahren nach Arnsberg. Er ist unverheiratet und katholischer Konfession.
* Der Kampf gegen Kultusminister v. Studt gestaltet sich immer häßlicher. Die vornehme ,Nat. Ztg/ läßt es sich nicht entgehen, in einer Woche sofort zwei unwahre Meldungen zu verbreiten; zuerst frischte sie den „Prügelerlaß" auf, der schon längst bestand und bezeichnete ihn als ein neues Geschenk Studts; dann wußte sie zu melden, daß et im Kreise Oppeln 23 Volksschullehrer wegen Veröffentlichung oppositioneller Artikel habe maßregeln lassen. Jetzt erklären die amtlichen Stellen auch diese Meldung für falsch. So geht es nun schon fast ein halbes Jahr fort.
* Allerlei aus dem Reichs - Kolonialamte. Staatssekretär Dernburg versteht es meisterhaft, die Oeffentlichkeit mit sich zu beschäftigen; wenn man alle Preßnotizen. über feine bevorstehende Asnkareise zusammenklebt, darin gibt es eine Länge, die mindestens ein dutzend mal die Entfernung von Berlin nach Ostasrika ausmacht. Immerhin eine höchst respektable Leistung in einem halben Jahre. Schließlich wird diese Reklame selbst seinen Freunden zu viel, und so meint die , Fress. Ztg/: „Auch die bevorstehende Afrikareise Dernburgs muß dazu dienen, das Interesse an dem Leiter des Kolonialamtes in der Oeffent- lichkeit fortwährend wach zu halten. Schon feit Wochen gehen fast täglich Nachrichten durch die Presse, wann, wo, auf welchem Dampfer und mit welcher Begleitung Herr Dernburg feine Fahrt nach Ostasrika antritt, was er dort zu treiben und wann er zurückzukehren gedenkt. Um aber noch mehr Abwechselung in die Sache zu bringen, wird jetzt berichtet, daß die Abreise Dernburgs, welche Mitte Juli stattfinden soll, ganz und gar in Frage gestellt ist. Der,Hannov. Kur/ läßt sich nämlich aus Berlin telegraphieren: „Wie
mand kann ahnen, daß sie ermordet worden ist, noch viel weniger, daß ich der Mörder bin. Es hat mich niemand das Haus^ verlassen sehen. Wohl möchte ich ihren Leichnam erblicken, aber ich muß auf mein Zimmer, damit ich nöttgensalls mein Alibi nachweifen kann."
Nachdem er noch einen letzten, langen Blick in den dunklen Abgrund geworfen, eilte er durch eine Seitentür ins Schloß und gelangte ungesehen in fern Zimmer.
Kaum war er in Sicherheit, als der Kellert meister feine letzte Runde machte und die Türen verschloß.
Pierre machte leise die Tür hinter sich zu. Seine Augen rollten noch wild und funkelnd in ihren Höhlen, fein Gesicht war schrecklich verzerrt. Seine ruchlose Tat sprach aus allen seinen Zügen.
Auf dem Tische brannte ein Wachslicht und das Feuer loderte hell im Kamin. Das Licht blendete seine Augen bei dem plötzlichenWechsel zwischen Finsternis und hellem Licht. Er warf sich in einen Lehnstuhl und lachte unheimlich, dämonisch vor ich hin.
Da regte sich etwas am Kamin. Renard sprang auf und bemerkte Wilson, den neuen Heizer.
Die unerwartete Anwesenheit eines Menschen raubte Pierre momentan die Besinnung. Er hatte ich allein geglaubt und nun entdeckte er, daß er beobachtet worden war. Mit drohendem Blicke ’tarrte er den Mann an.
»Ich bitte um Verzeihung," sagte Wilson. „Ich chürte für die Nacht das Feuer auf."
Er hiett es nicht für notwendig, Renard mit- zuteilen, daß er dessen Abwesenheit dazu benutzt hatte, feine Sachen zu durchsuchen.
„Ihr hier?" rief Renard mit dumpfer Stimme, »Fluch Euch, daß Ihr mich so erschreckt habt, elender Schleicher. Was habt Ihr zu dieser Stunde in meinem Zimmer zu schassen?"
„Ich habe nur das Seuer anaeschürt, Herr," wiederholte Wilson.
wir hören, wünscht Dernburgs Familie nicht, daß der Staatssekretär nach Afrika fährt. Das Schicksal jenes Reichstags-Abgeordneten, der von feiner Informationsreise nach Südwestasrika nich zurückkehrte und in Togo begraben liegt, schein die Gattin und den Vater des Staatssekretärs zu schrecken. Herr Dernburg ist ein Mann, der an eine fitzende Lebensweise gewöhnt ist und nach seiner ganzen Konstitution wohl auch schwerlich recht tropenfähig ist. So dringt die Familie in ihn, daß er seine Reise doch wenigstens aus- schiebe. Deshalb ist es zweifelhaft geworden, ob Herr Dernburg schon im nächsten Monat seine Reise antreten wird. Natürlich wird Herr Dernburg aus dem Konflikt mit seinen Angehörigen als Held hervorgehen und im Dienste der Pflicht seine Reise unternehmen, und die aufrichtige Bewunderung aller Männer, vorzüglich derer mit sitzender Lebensweise, wird ihn begleiten!" Die .Freis. Ztg/ kennt wohl ihre Pappenheimer; schon hat sie recht erhalten. Bereits wird gemeldet, daß Dernburg trotz der Bedenken seiner Familie die Reise auSführen werde; es ist zwar noch 14 Tage bis zum Antritt derselben, aber wer weiß, was bis dahin sich noch alles ereignet. Vor seiner Abreise hat Dernburg nun noch ein Ernennung vollzogen: OberbürgermeisterWadehn von Weißenfels ist als „erster Sekretär", eine bisher unbekannte Stellung, in das Reichs-Kolo« nialamt berufen worden. Aus dem letzten Städtetage hat der neue Kolonial - Beamte sich als ein „Hauvtagrarier" gezeigt und ganz vernünftige Wortt gegen den Fleischnot-Rummel gebraucht. Diese Berufung läßt das freisinnige ,Berl. Tagebl/ in eine Ohnmacht fallen; es kann nur noch die Worte stammeln: „Erst Herr von Schuckmann, bann Herr Wadehn. Das Reichs- Kolonialamt entwickelt sich. Das Zenttum kann sich als unbeteiligter Zuschauer an solchen Vorkommnissen erfreuen."
* Betrübende Zahlen enthalten die kürzlich erschienenen Statist. Mitteilungen aus den deutsch- evangelischen Landeskirchen vom Jahre 1905 für das Herzogtum Braunschweig. Danach find von 738 Kindern, die aus gemischten Ehen stammten, nicht weniger als 518 oder 7i) Prozent lutherisch getauft. Von 216 gemischten Brautpaaren sind 124 lutherisch getraut. Ferner sind 128 Katholiken zur evangelisch-lutherischen Kirche übergetreten, während nur einige wenige Konversionen zur katholischen Kirche vorkamen. Seit Jahren erleidet die katholische Kirche in diesem toleranten Bundesstaate die empfindlichsten Verluste; trotzdem wird jedesmal, wenn die Katholiken die Forderung nach paritätischer Behandlung auf dem Kirchen- und Schutzgebiete erheben, das Gespenst der drohenden Proselytenmacherei an die Wand gemalt. Die Zahl der Katholiken des Herzogtums betrug am 1. Dezember 1905 nach der vom Brounschweigek ,Wochenblatte' jetzt veröffentlichten Statistir 26,504 unter 485,958 Einwohnern, mährend 1900 unter 464,333 Einwohnern 24,175 Katholiken waren.
.'. Vom Albdruck der Liberalen. Die frei- sinnige Volkspartei in Sachsen hat bekanntlich an der Spitze ihres Wahlaufrufes den Satz gestellt, daß sie die Einführung des Reichstags- Wahlrechtes anstrebe, zum mindesten aber das frühere Wahlrecht wieder eingeführt wissen wolle. Diese Abschwächung gefällt nun dem gleichfalls freisinnigen ,Berl. Tagebl/ ganz und gar nicht. Es erinnert an Oesterreich, wo die
„Gut," sagte Renard besänftigt. „Macht, daß Ihr sortkommt."
Wilson verbeugte sich demütig, nahm seinen Kohlenkasten und entfernte sich.
„Sollte mich mein Aussehen verraten?" murmelte Renard, vor einen Spiegel tretend. „Wenn der Bursche nicht so einfältig wäre, hätte er erraten können, daß ich ein Verbrechen begangen habe."
Der Bursche war aber nicht so einfältig, wie Renard glaubte. Er vermutete, daß Renard eine wse Tat begangen und bereute bitter, daß er dessen Sachen durchsucht, statt den Besitzer zu beobachten.
Seine Arbeit war jedoch keine nutzlose gerne- en. Er hatte Renards Bankbuch durchgesehen und gesunden, daß dieser ein großes Kapital in einer Privatbank zu London sichergestellt hatte, eine Summe, welche Renard unmöglich auf ehrliche Weise erworben haben konnte. Er hatte ferner gefunden, daß Renards Juwelen manchen Jahresgehalt des Dieners gekostet haben mußten. Einige dieser Juwelen waren kostbar genug, eine Fürstin zu schmücken. Kurz, er hatte gefunden, daß Renard so kostspielige Gewohnheiten hatte, wie sein Herr selbst, und daß seine Einnahmen die Ausgaben wohl kaum zu decken imstande waren. Er hatte jedoch nichts gefunden, was Renard überführen fonnte, den Mord an dem Marquis begangen zu haben — kein direkter Beweis, als etwa die Diamanten, welche sich möglicherweise als zu der Sammlung des ermordeten Marquis gehörig Herausstellen konnten.
Wilson, als schaftblickender Polizist, betradjtete die Sache gegen Pierre Renard allerdings ernst.
Als er jedoch durch die Halle trat und an das seltsame Benehmen des Kammerdieners bei feinem Eintritte ins Zimmer und seines unheimlichen Lachens gedachte, bedauerte er, daß er die Augen nicht auf Renard felbst gerichtet hatte.
Renard, in dem Bewußtsein, Alexa für immer beseitigt zu haben, hatte keine Ruhe im Zimmer.
Verhällniffe noch vor Jahresfrist viel schlimmer lagen und wo heule der Ministerpräsident eine Lobrede auf das allgemeine Wahlrecht halte; dann heißt es: „Alle minderwertigen Regierungen suchen sich durch schwächliche Kompromisse zu hallen. Sie nützen damit vielleicht sich selbst, sicherlich aber nicht dem Volke, dem sie angeblich dienen wollen. Es mag nicht immer möglich sein, sich solchen Verständigungen gegenüber völlig ablehnend zu verhalten. Wohl aber soll eine liberale Partei wenigstens nicht ein Titelchen von ihren Grundsätzen preisgeben. Der Liberalismus fordert das gleiche, allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht für die Einzel- staaten und damit Basta! Es mögen gute oder schlechte Zeiten kommen, die Regierungen mögen reaktionär oder volksfreundlich fein, die Klassen- parteien mögen tun, was sie können, um den Fortfchritt auszuhalten. Nur zu! Für den Liberalismus heißt es: festhalten! Er wird doch zuletzt die Wahlreform erzwingen, wenn er sich selbst treu bleibt, in Sachsen, in Hamburg, auch in Preußen!" Wir gratulieren den Liberalen zu diesem Mute; sie sollen nur recht viel „erzwingen"; wenn sie das Zentrum nötig haben, dann hilft es in Preußen mitdrücken, damit ein gutes Wahlgesetz zustande kommt. Wie aber fühlt sich der preußische Ministerpräsident ob dieser höflichen Ankündigung des Zwanges?
* Der freisinnige Abg. Schmidt-Elberfeld ist zum Kommerzienrat ernannt worden. Die „nationale" Presse ist freudig bewegt, daß der Reichskanzler aus diesem Anlaß sich als erster Gratulant mit folgendem Telegramm eingestellt habe: „Herzlichen Glückwunsch zu der wohloer' dienten Auszeichnung, die mich persönlich besonders erfreut hat." Schmidt war früher Vizepräsident des Reichstages.
* Eisenbahn Lüderitzbncht—Kubub. Dit Fortführung der Eiienbahn Lüderitzbucht—Kubub in der Richtung auf Keetmanshoop ist, nachdem der Reichstag am 12. März d. I. seine Zustimmung gegeben hatte, damals von der Bauleitung unverzüglich in Angriff genommen worden. Nach einem Telegramm des Kaiserlichen Gouvernements in Windhoek konnte in diesen Tagen bereits die etwa 34 Kilometer lange Teilstrecke Aus—Schakalskuppe für Militärtranspotte eröffnet werden.
.-. Eine Erleichterung des Wechselprotestes scheint in nächster Zeit zu erwarten zu sein. Wie gemeldet wird, hat der Bundesrat noch vor seiner sommerlichen Vertagung einem derartigen Gesetzentwurf feine Zustimmung erteilt. Der Entwurf soll dem Reichstag alsbald nach seinem Zusammenttitt vorgelegt werden.
.-. Im Berliner Baugewerbe ist am Montag die Arbeit wieder ausgenommen worden. Nach oberflächlicher Schätzung sollen etwa 3000 Arbeitswillige die Arbeit bereits ausgenommen haben. In Arbeitgeberkreisen rechnet man mit einer bedeutenden Vermehrung dieser Zahl.
a. Im Hellen Sachsen hat eine neue Entdeckung das Licht der Welt erblickt, die wirklich patentfähig ist. Dem ,Leipz. Tagebl/ wird in einem Artikel über die bayerischen Landtagswahlen u. a. geschrieben: „In München gibt es Leute genug, die Vollrnar für einen Assistierten des Jesuitenordens halten. Ich gehöre nicht dazu, aber die Meinung ist begreiflich." Es sind doch, meint dazu der.Bayer. Kur/, Sapperloiskerle,
Er beschloß, wieder hinauszugehen und dem Vater Alexas auszulauern, welcher, wie die Gespenstergeschichte bewies, sich im Bereiche des Schlosses aufhielt.
„Er wird diese Nacht sicher kommen. Alexa war draußen, um auf ihn zu warten," dachte er. „Ich will hinuntergehen und ihm auflauern. Jean wird auf dem Platze fein. Er kam mit mir von London und sollte während des Tages sich im Dorfe aufhalten und nachts in der Nähe deS Schlosses fein. Er wird gewiß im Park oder auf einer Terrasse auf das verabredete Zeichen von mir warten. Mit seiner Hilfe kann ich mein edles Wild leicht einfangen."
Nach einer Weile verließ er sein Zimmer und chlich die Treppe hinab in einen Seitengang, aus velchem eine Tür ins Freie führte. Er öffnete neselbe und trat hinaus vors Schloß. Niemand chien ihn bemerkt zu haben. Er glaubte alle Bewohner des Schlosses schlafend.
Wenige Minuten später wurde die Tür abermals geöffnet und John Wilson trat hinaus. Er hatte beschlossen, den Diener nicht wieder aus den Augen zu verlieren und batte "in einer Nische der infteren Halle gewartet, bis er sich überzeugt ha- den würde, daß Renard diese Nacht sein Zimmer nicht wieder verließ. Als dieser nun aber doch fortschlich, wußte er, daß noch irgend eine Tat auszuüben war, und er folgte ihm.
Eine Stunde mochte vergangen fein seit der abscheulichen Tat Pierre Renards. Derselb e ging an den Rand des Felsens und starrte hinab in die schauerliche Tiefe und lauschte. Kein menschliches Aechzen und Stöhnen drang an sein Ohr.
„Sie ist tot!" sprach er wieder und wieder bet sich felbst. „Sie ist tot! Und nun kommt ihr Vater an die Reihe!"
Aber Alexa war nicht tot! Die Vorsehung, welche bisher alle Gefahren glücklich von ihr abgewendet,hatte auch jetzt wieder ihre schützende Hand über sie gebreitet und sie vor dem Untergange bewahrt. (Forts, folgt.)