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Fulda, Dienstag den 25. Juni 1907

34. Jahrgang.

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Die Pfleg« des kleinen Feuilleton-, der unterhaltenden und belehrenden kürzeren Aussätze und Abhandlungen haben wir uns, wie unsere Leser wissen, in der letzten Zeit in steigendem Maß« zur Aufgabe gemacht und da­durch das Blatt wertvoller zu gestalten gesucht.

Für daS uns bewiesene Interesse sagen ivir unserey verbindlichsten Dank und bitten, es un- auch weiter zu bewahren, insbesondere durch Erneuerung deS Abonnement- und daS freundliche Bemühen um die stete Weiterver­breitung der .Fuldaer Zeitung'. Neu hinzu» tretende Abonnenten erhalten bis zum L Juli das Blatt umsonst.

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landsliebe und aufrichtiger Versöhnlichkeit getra­gen wird. Aber über dieses freudige Empfinden des Herzens dürfen wir dem Verstände sein Recht nicht nehmen. Wir müssen inhaltlich diesen Ruf prüfen, ob wir ihm ohne Vorbehalt folgen kön­nen. Wenn wir nun dabei anklingen hören, daß Nationalität und Religion nicht voneinander zu trennen seien; daß unsere nationale Einheit so lange nicht fertig sei, als unsere Gottesderehrung nicht auf einem gemeinsamen Grunde ruhe, daß wir uns daher umbilden müssen, um beiderseitig der religiösen Einheit näher zu kommen; so kön­nen wir doch nicht umhin, solche Aussprüche mit den Grundsätzen zu vergleichen, die uns unsere Glanbensväter gepredigt haben. Christus sandte seine Apostel aus, damit sie allen Völkern sein Evangelium brächten. Der Apostel Paulus belehrt uns im Kolosserbriefe über die Einheit in Chri­stus, „daß in ihr nicht Jude noch Heide, noch Scythe oder Barbar gilt, sondern in allem Chri­stus ist." Von ihnen hören wir also, daß Na- tionüIität und Religion nicht un­trennbar sind, daß die Verschieden­heit des Neligionsbekenntnises mit- hin kein Hindernis der nationalen Einh"eit ist. Und unser großer Glaubensvater, der hl. Bonifatius, hatte wohl nationales Emp­finden, aber er fürchtete durchaus nicht, sich mit ihm in Widerspruch zu setzen, wenn er die von ihm gegründete Glaubenseinheit eingliederte in den großen Bau der Kirche, -er nach des Herrn Willen alle Völker und Nationen der Erde in sich aufnehmen sollte. Wir können also nicht zuge­ben, daß unsere nationale Einheit mit unserer Gottesverchrung auf einem gemeinsamen Grunde ruhen müsse.

Wir können auch die religiöse Einheit, in der wir katholische Christen stehen, auf kei­nen anderen Grund stellen, als der da gelegt ist von Christus unserem Herrn, auf den hin gebauet haben seine Apostel und Jünger, auf den uns gestellt hat St. Bonifatius. Wir können uns hierin nicht umbil­den. Wohl nehmen wir freudig an jeder Ver­vollkommnung der irdischen Lebensverhältnisse teil und schließen uns dem Fortschritte der Gei­stesarbeit an. Aber von den Leitsternen, die uns Gott für unsere höchsten Ziele gegeben hat, kön­nen wir unseren Blick nicht abwenden. Wir hö­ren unseren Herrn beim Evangelisten Matthäus sagen: „Nicht ein Strich noch ein Punkt soll von dem Gesetze vergehen," und er vxirnt uns: „Wer eins von den kleinsten Geboten auflöst und so die Menschen lehrt, wird als der Geringste im Him­melreiche angesehen werden. Wer sie aber lehrt und hält, wir- groß geachtet werden im Himmel­reiche." Wir hören -en hl. Paulus so eindring, lich mahnen: „O Timotheus, bewahre die Hin­terlage des Glaubens und nteibe alle weihelosen Wortmeinungen und die Widersprüche einer fälschlich sogenannten Wissenschaft." Der Apostel nennt hier den christlichen Glaubenssatz ein hin- terlegtes Gut, nicht also das Eigentum der Leh­renden, mit dem sie machen können, was sie wol­len. Wir hören den hl. Bonifatius über diejeni­gen, die zu seiner Zeit Christi Lehre umzubilden suchten, das Urteil aussprechen, sie seien Unver­ständige, die bezaubert seien, der Wahrheit nicht zu gehorchen. Und noch in den letzten Tagen hörten wir den obersten Lehrer unserer Kirche ihre Vorsteher dringlich ermahnen, über die Grundlagen des Glaubens zu wachen und Um­deutungen abzuwehren.

Nein, wir können uns nicht umbilden, wir können auf diese Weise die Trennung, unter uns nicht heilen. Wie wir aber die relrgiöse Tren­nung und die bürgerliche Einheit ausgleichen sollen, lehrt uns der Apostel Paulus im Briefe an die Epheser: . „Ich beschwöre euch, meine Brüder, daß ihr würdig wandelt in aller Demut und Sanftmut, einer den andern ertragend in Liebe, bemüht, die Einheit des Geistes zu wahren

Pierre Renard beschäftigte sich mit Entwer­fung eines Planes, wie er das Mädchen, welches er als Hindernis auf seinem Pfade ansah, am besten beseitigen könnte. Als er am anderen Tage das Hotel besuchte und nach Miß Strange fragte, war er nicht wenig erstaunt, zu hören, daß der Gegenstand seines Hasses mit Mrs. Jngestre auf der Rückreise nach Mont Heron sei.

„Was soll das bedeuten?" fragte er sich selbst. »Da ist etwas im Werke, was ich nicht verstehe. Lord Stratford Heron mag wohl Verdacht gehabt haben, auf Grün- dessen sie spioniert. Vielleicht hat sie etwas entdeckt. Zum Teufel! Ich will morgen selbst nach Mont Heron gehen und ihr das Spiel verderben."

Pierre Renard kehrte alsbald in das Hotel seines Herrn zurück und fand diesen in seinen: Wohnzimmer. Das sonst freundliche Gesicht Sorb Montherons zeigte einen recht verdrießlichen Ausdruck, und er sah finster auf, als sein Diener eintrat.

„Was soll es bedeuten, daß Du ohne Entschul­digung fortgehst, Pierre?" rief er mürrisch. „Ent­weder wartest du mir auf, oder —"

Eine entsprechende Handbewegung nach -er Tür diente als Ergänzung des Satzes.

„Ich habe sowohl für Sie Geschäfte abgemacht, als für mich", erwiderte Renard dreist. -Was

Für di« kommend« Zril und insbesondere die, L nächsten Sommermonate wird die weitere Aus-

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gestnltung dieses Teiles unser« besondere Auf­gabe und Sorge sein. Für da- laufend« Feuilleton haben wir eine Reihe von Arbeiten erworben, di« deS Beifall- unserer Leser sicher fein dürfen. Demnächst beginnen wir mit dem Abdruck de- sehr ansprechende» und ungemein spannende« Romans:

Die Perle itt SchvuMldes

von Eduard Wagner,

Verfasser des RomanS „Alexa".

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oder

Auf geheiinnisvoSen Wege».

Roman von Eduard Wagner.

Machdruck verboten.;

47. Kapitel.

In banger Ungewißheit.

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* Wert kirchliche Einheit schließt ktmesrvegs die bürgerliche Einheit aus.

Bei der Einweihung -er neuen St. Bonifa- tiuskirche in Berlin hielt Herr Kardinal Kopp eine längere Ansprache, welcher wir nach der „Germania" den folgenden Abschnitt ent­nehmen:

Gewiß beklagen wir es tief, -aß das Band der G la u b e n s e i n h e i t, das der hl. Bonifatius um die deutschen Stämme schlang, zerrissen ist,und daß die Kinder -es deut­schen Vaterlandes die Verwirklichung ihrer reit» giösen Ideale getrennt erstreben. Das ist Got­tes Zulassung und Ratschluß, wir können daran nichts ändern; Gott allein steht es zu, -en Zeit­punkt zu bestimmen, wo ihm in den deutschen Gauen Lob und Preis aus einem Munde wieder erklingen werde. In ruhiger Fassung und Geduld der Erfüllung der Ratschlüsse Gottes harrend, und im feierlichen Wettstreite um die hohen Ideale ringend, die uns der hl. Bonifatius als sein Vermächtnis hinterlassen hat, sind wir mit allen Kräften bemüht, die bürgerliche Einheit, in -er wir im Vaterlande zu einander stehen, zu wahren und zu pflegen. Unsere kirchliche Einheit schließt ja keineswegs die bürgerliche Einheit aus, noch hemmt oder hindert sie diese. Nein, nichts hindert uns zu gemeinsamer Arbeit mit allen unseren Mit­bürgern zu vereinigen, um die irdische Herberge für das Erdenleben aufs beste und vollkommenste einzurichten. Nicht hindert uns unsere religiöse Einheit, mit ihnen zu wetteifern in der Eutfal- tung aller bürgerlichen Tugenden, deren Blüte um so reicher ist, je tiefer sie im christlichen Sit- teugesetze wurzeln. Nein, das ewige Ziel, zu dem die Religion hienieden die Menschen vorbereitet, kann nicht im Widerspruch stehen mit den Auf­gaben des bürgerlich-irdischen Lebens; denn diese siid der Weg zu jenem, beide greifen ineinander und treffen sich an einem Ziele. Die bürgerliche Einheit ist dem Christen auch kein aufgedrunge- Nis, erzwungenes Verhältnis, sie ist ihm gött­liche Anordnung, verankert in den Tiefen seines Gewissens. Diese Anschauung prägt bem gläu­bigen Christen die Religion ein, und von ihr er­halten die gemeinsamen bürgerlichen Aufgaben Schutz und Pflege und tätige Forderung. Auf­richtige Achtung vor fremder Ueber- zeugung, gegenseitige Duldung, Liebe und Eintracht in allen gesell­schaftlichen und bürgerlichen Ber- hältnissen sind die unerläßlichen Voraussetzungen dieser bürgerli- chen Einheit. Wo liegt also die Gefahr für letztere? Sie liegt darin, daß man diese Vor­aussetzungen verkennen und stören will, daß man Unfrieden statt Frieden, Unterdrückung statt ge­genseitige Achtung predigt und so den Riß erwei­tert. Wir wollen uns dieser Sünde am Vater­lande nicht schuldig machen. Wir wollen daran festhalten, Gott zu geben, was Gottes ist; aber je mehr wir dieses Pflichtgefühl vertiefen, desto stärker ist unsere Kraft, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Gewiß erkennen wir an, daß es ein hohes Gut wäre, wenn eine einheitliche Gruiidströmung die deutsche Volksseele durchrin­nen würde, wenn die Verschiedenheit in den höch­sten Lebensfragen nicht vorhanden wäre; wenn das deutsche Volk gemeinsames Denken und Füh­len auch in den heiligsten Interessen durchdringen würde. Wir sind nicht gleichgültig gegen den Riß, der durch unser Vaterland geht, und über­hören nicht den Herzenswunsch unseres Herrn: „Vater, laß sie eins sein, wie du und ich eins sind." Darum findet jeder Ruf zur Einigung in unseren Herzen freudigen Widerhall. Wir glauben, daß es die edelstenSeelen sind, die ihn ergehen lassen, und um so aufmerksamer lauschen wir auf diesen Ruf, wenn er von der Hochwarte >er Wissenschaft kommt und von lauterer Vater»

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das Aufwarten betrifft, würden Sie, wenn ich nicht in der Weise tätig wäre, wie ich es bin, bald gezwungen sein, sich beständig selbst aufzu- toarten."

Er warf sich zum Aerger seines Herrn in einen Lehnstuhl und ließ seinen Hut auf einen Tepprch sollen.

„Ich habe mit Deiner Unverschämtheit lange genug Nachsicht gehabt und hege Lust, Dich zu entlassen", sprach Lord Montheron zornig.

„Sagen Sie nicht zu viel", entgegnete Renard ruhig, aber in warnendem Tone; „sonst möchten sie es bereuen. Verstehen Sie? Solch ein Ge­rede von Entlassung und dergleichen paßt nyfit zwischen uns. Lassen Sie uns ernstlich und von Geschäften sprechen. Ich bin verschiedene Male in Leicester-Square gewesen und Jean hat das Haus mehrere Tage lang bewacht, aber wir haben von dem Flüchtling nichts gesehen."

„Er hat das Land verlassen?"

„Ich glaube nicht. Gestern wollte ich einmal zusehen, ob er wieder in seinem Hotel angekom­men sei. Zu meiner großen Ueberraschung sah ich Miß Strange, welche wir in Mont Heron ver­lassen, in einem Wagen wegfahren. Ich mietete mir einen anderen Wagen und folgte ihr bis zu dem Hause der Lady Wolga Clysfe und von dort nach einem Hotel in Westend. Hier erfuhr ich

nun, daß Mrs. Jngestre daselbst logierte, und daß beide am abend vorher gekommen waren.

„Eine seltsame Neuigkeit."

„Ich hatte einen Plan entworfen, um mich Miß Strange zu bemächtigen und sie aus unfe- rem Wege zu schaffen," sprach der Diener weiter, „und ging heute morgen dahin, während sie noch schliefen, um meinen Plan auszuführen. Da er­fuhr ich aber, daß die Damen bereits wieder ab- gereist waren. Sie hatten sich nur einen Tag in London aufaß&altan."

und Gras Posadowsky wäre zehn Jahre Staats­sekretär des Inneren gewesen. Sein Wirken ist jäh abgebrochen, das bedeutet eine Gefahr für die Stetigkeit der Fortführung unserer Sozial- polittk."

„Graf Posadowsky war derjenige Minister, der, wie aus manchen Aeußerungen, auch aus mancher unvorsichtigen, hervorging, die Auf­lösung des Reichstags nicht gebilligt hat. Er, der an die Zusammenarbeit mit dem Zentrum seit langen Jahren gewöhnt und mit manchen Führern des Zentrums eng verbündet war, hat sich in die durch den ihm unerwarteten Ausgang der Reichstagswahlen geschaffene Situ­ation am schwersten gefunden, und seitdem sind die Zweifel aufgetaucht, ob er, der den Reichs- kanzter im Reichstag zu vertreten hat, trotz seiner unbestrittenen Talente, dazu noch die geeignete Persönlichkeit sei. Diele Zweifel wurden besonders bestärkt, als er am 28. Februar im Reichstage das vom Zentrum angegriffene politische Programm etwas lau verteidigte uno wiederholt darauf hin­wies, daß er diese Ausgabe dem Kanzler selber überlassen wolle, der dazu die erste Gelegenheit ergreifen würde. Dabei wußte man, daß Bülow nicht mehr die Absicht hatte, in dieser Debatte zir sprechen. Auch die Art, wie damals Posadowsky die Auflösung des Reichstags als die persönliche 2at des Reichskanzlers htnstellte, der damit seine ganze politische Stellung und fern Amt auss Spiel geietzt habe, ist vielfach ausgefallen. Auch daß er dann weiter sagte: Wie der Reichskanzler sein Programm durchführen werde, das müsse man mit Geduld abwarten, das erfordere den Zeitraum einer längeren politischenEntwicklungin vielenSessionen,— das ist damals viel bemerkt worden, und seitdem aalt es für sehr zweifelhaft, ob Graf Posadowsky das Programm des Reichskanzlers unterstützen wolle und könne."

* Der Ministerwechscl und die Presse. Mit der Aufnahme, welche der Mmisterwechsel in der Presse gefunden hat, kann Fürst Bülow zufrieden sein. Die Veränderung sollte der Festigung der Blockpolitik dienen. Bei der Auswahl der neuen Männer war Fürst Bülow der Gefahr ausgefetzt, entweder den rechten oder den linken Flügel des Blocks zu verletzen und somit den Fortbestand der Paarung zu untergraben. Dem Anschein nach hat Fürst Bülow diese für ihn gefährliche Klippe glücklich umsegelt, denn sämtliche Blätter, welche die Politik des Blocks vertreten, drücken ihre Zufriedenheit mit dem Ministerwechsel aus. Auf keiner Seite begegnet man einer dem Reichs­kanzler unbequemen Kritik. Auf der ganzen Seite hält man sich fern von Mißtrauen in die neuen Männer, aber auch von übertriebenen parteipolitischen Hoffnungen. Die Zei­tungen sind auf den Grundton gestimmt, daß eine Basis geschaffen worden sei, auf der ein ersprieß­liches Zusammenarbeiten der Blockparteien mög­lich sei. Das Wort „Systemwechsel", das in der letzten Zeit fast zu Tode gehetzt worden ist, ist plötzlich verstummt. Weder die Rechte bestreitet, daß ein Systemwechsel vollzogen sei, noch behauptet die Linke einen solchen Wechsel. Man hat offenbar auf beiden Seiten das Empfinden, daß die politische Vergangenheit der neuen Mnister keinen sicheren Maßstab für die Beurteilung der Frage abgibt, ob ein neuer Kurs gesteuert we»ven soll. Aber wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, dem entgeht nicht, daß sowohl die Rechte wie die Linke sich der stillen Hoffnung hingeden, daß die neuen Minister

in dem Banne des Friedens." So wollen wir es halten.

i „Was konnte sie hierhergeführt haben?"

„Dtiß Stranges Angelegenheit natürlich."

„Fluch dem MädchenI" knirschte der Marquis. „Meine Schwägerin ist von dem Geschöpf verhext; nach London und zurück in einem Atemzuge und i ohne mir ein Wort davon zu sagen. Ich werde mit ihr sprechen; sie soll das Mädchen verab» , schieden."

Pierre Renard antwortete: „Das Mädchen wird dann sicherlich zu Lady Wolga gehen und so aus unserem Bereich kommen! Sie sind ein 1 Genie, Mr. Roland Jngestre! Das Mädchen ist gerade am rechten Platze, wenn unsere Interessen 1 in Betracht gezogen werden. Sie ist wachsam, ent- : weder gekommen, um Lady Wolga ihres Vaters Anwesenheit in England zu verraten oder sie hat etwas im Schlosse entdeckt."

' Der Marquis erschrak.

„Welche Entdeckung wäre dort zu machen?"' fragte er mit heiserer Stimme.

„Ich weiß es nicht; aber Miß Alexa fft zu : schlau," erwiderte der Diener. „So lange daS 1 Mädchen in England oder auf der Welt ist, fühle l ich mich unruhig." ■ Der Marquis wurde bleich.

: „Wenn Du anfängst, unruhig zu werden, ist eS

Zeit sür andere, sich zu fürchten," murmelte et.

„O, ich fühle mich noch Herr der Situation, । soweit das Mädchen in Betracht kommt," ertoi- ; bette der Diener; „und ich fürchte auch Lor- Stratford Heron nicht. Aber es möchte da fo etwas wie Vorsehung oder Zufall walten. Und i unschuldig war er ja doch! Wenn ich an Ihrer Stelle wäre," fuhr er fort, „würde ich bei Lady Wolga ausforschen, was das Mädchen nach Lon- । don führte."

„Ich will es versuchen! Ich will ihr noch heute einen Besuch abstattenl" versetzte der Marquis.

„Und ich," sägte Pierre, „will morgen früh jKufi Mont Seron fahren. Das Mädchen muß 6e*

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Juni 1907.

* Besuch Kaiser Wilhelms bei König Eduard. Ein englisches Blatt dementiert die Meldung, daß der deutsche Kaiser dem König von England im Sommer einen Besuch ab» statten werde. Tatsächlich sei die Einladung Königs Eduard, die vor kurzem eingetroffen sei, nicht für den Sommer, sondern für den Monat November erfolgt. Entschließungen über den ge­nauen Zeitpunkt der Zusammenkunft der beiden Monarchen find noch nicht getroffen.

* Von der Kieler Woche. Aus Kiel wird unterm 22. gemeldet: Heute morgen 9^4 Uhr empfing -er Kaiser an Bord der „Hohenzollern" -en japanischen Admiral JjuiN mit seinem Stabe und die K o m m a n d a n t e n der beiden japanischen Kreuzer Tsukuba und Tfchitose. Die Kreuzer haben an Bojen in -er Nähe der „Hohenzollern" festgemacht. Der Ad­miral fteöte dem Kaiser die japanischen Offiziere vor. Der Kaiser zog ihn in ein längeres Ge­spräch. Der Admiral überreichte dem Kaiser ein Geschenk, welches japanische Matrosen vor dem Erscheinen des Kaisers auf Deck -er „Hohenzol- lern" aufgestellt hatten. Es war eine größere, etwa drei Fuß hohe Gruppe aus dunkler Bronze von feinster japanischer Arbeit, die einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen, auf einer Fels­klippe sitzend, -arstellt.

n. „Der Lokomotivführer der deutschen Sozialpolitik." Unter den Persönlichkeiten, die bei den in den höchsten Stellen vorgenommenen Veränderungen kommen und gehen, ist unstreitig die bedeutendste der verabschiedete Staatssekretär des Innern, Graf Posadowsky, der „Loko- moiivsührer der deutschen Sozialpolitik", wie ihn der Abgeordnete Trim bor n im Reichstage nannte. Allgemein sieht man ihn ungern aus dem Amte scheiden, ausgenommen die Scharfmacher und ihre Organe, die jedem Fortschritt in der Sozial­politik abhold sind. Alle Blätter rühmen an ihm die Macht und Selbständigkeit seiner Person, seine eiserne Arbeitskraft, sein umfassendes Wissen. Alle Blätter sprechen auch offen aus, daß Graf Posadowsky, der an seinen Abschied noch nicht dachte, der Paarungs- Politik geopfert worden ist, weil er der Nenentwickelung der Dinge im Reiche zweifelnd und etwas kühl gegenüberstand. So schreibt die »Franks. Ztg/:

Die »Köln. Volksztg/ spricht davon, daß er schon lange auf der Liste der dem polüischen Tode Geweihten stand als „ein persönliches Opfer" des Fürsten Bülow. Aehnlich spricht sich das ,Berl. Tagebl/ aus. Von dem, was Graf Posadowsky im Verein mit dem Reichstag, besonders in engem Zusammenarbeiten mit dem Zentrum geleistet hat, zählt die ,Frankf. Zig/ folgendes auf:

„Eine umfassende Reform der Invaliden» und Unfallversicherung, eine teilweise Umbildung der Krankenversicherung, eine einheitliche Grund- läge für das Prioatoersichemngsrecht, eine neue Seemannsordnung, Kinderschutz, billige Woh­nungen für mittlere und Unterbeamte des Reichs, die dauernde Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt in Charlottenburg, Kaufmannsgerichte, den Neun» und Achtuhrladenschluß, Gesetze über die Be­kämpfung gemeingejährlicher Krankheiten, das Verbot der Herstellung von Phosphorzüudhölzeru und vieles andere mehr. Noch wenige Wochen

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IttscheMt irglich «K Ausnahme der Sonn- «n6 Feiertage, viertel, führt, Bezugspreis ohne vriugerl'h« u«b veSeügeldinZnldaund auswärts 1 BH. Sv psg-

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