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Kotationsbrud n. Verlag d« Suibaer Ar« tienbr iderti in Salbe. Semfpredier Hr 9.

34. Jahraanq.

Fulda, Samstag den 22. Juni 1907.

M 141.

Erstes Matt.

Deutsches Reich.

Berlin. 21. Juni 1907.

Ein kaiserliches Geschenk an amerika­nische Universitäten. Der Harvard-Universität in Cambridge und der Kolumbia-Universität zu New-York, die beide am Prosessorenaustausch beteiligt gewesen sind, schenkte der Kaiser je ein Exemplar der, Werke Friedrichs des Großen, Menzels und andere Prachtwerke. Im nächsten Winter werden an der Berliner Universität wieder zwei amerikanische Professoren Vor­lesungen halten.

* Der neugegründete Nationalverein — eine Münchener Gründung — hat jetzt recht schlimme Tage. Wurde er anfangs mehr mit stillem Mißtrauen beobachtet, so geht es jetzt offen gegen ihn loS. Alle liberalen Parteien fiirchten den Eindringling, der sich in ihre Sachen mischt. Da der Generalsekretär des neuen Vereins, Dr. Ohr, nun kürzlich in einer vom Darntstädter jungliberalen Vereine einberufenen Versammlung zu Darmstadt erklärt hatte, der neue Verein müsse die Frage nach der Stellung zur Sozial- emokratie ausscheiden, da ein Teil der Liberalen in der Sozialdemokratie gegenüber der „Reaktion" das kleinere liebel erblicke, so hat es der junge Verein auch von Anfang an mit dem Reichsverbande gegen die Sozialdemokratie ver­dorben, dessen Korrespondenz ihm das Scheitern All seiner praktischen Wirksamkeit von vornherein ^oraussagt. In der Oeffentlichkeit will niemand mehr mit dem Nationalverein etwas zu tun haben; zwar gibt ein nationalliberales Blatt zu, daß einige der führenden Persönlichkeiten der Jugendbewegung die Ehre angenommen haben, in den Vorstand des Nationalvereins gewählt ,u werden. Sie traten aber, hebt die Zuschrift hervor, nicht in den Vorstand, um die Ziele des Nationalvereins zu fördern, im Gegenteil, sich über die Geschäfte und die Feldzugspläne des Nationalvereins auf dem Laufenden zu erhalten. Zu dem Zwecke aber waren sie gewiß nicht in den Vorstand gewählt, um den Verein auszn- ^orchen, damit sie ihn eventuell bester bekämpfen Lunten. Das wirft kein besonders gutes Licht auf die Kampfart der nationaUiberalen Jugend. Die Herren wollten also eine Art politischer Spione sein. Der Nationalverein selbst jedoch wehrt sich, daß man seinen Vorstand so herab­setzt, und läßt erklären: „Man braucht nur darauf himuweisen, daß unter den 8 Herren des ge- -chäftssührenden Ausschusses des Nationalvereins 4 Natronalliberale sitzen und daß der letzten Münchener Versammlung der nationalliberale Reichstagsrbgeordnete Wölzl präsidierte. Der Nationaloerein hat so viele Anhänger im national­liberalen Lager, daß es geradezu unmöglich sein dürfte, in diesem Organ, das der Einigung des Ge'amtl beralismus dienen will, gegen die stärkste liberale Partei vorzugehen." Wir entnehmen aus allen diesen Erklärungen nur eins, daß der Liberalismus sich auf das äußerste bemüht, die Jugend zu gewinnen. Das Zentrum muß hieraus lernen, nicht zurück zu bleiben.

* Die Privatbeamten im Reichsdienste sind von der Teuerungszulage ausgeschlos­sen. Um der Ungewißheit der Angestellten in den verschiedenen Reichsämtern, dis ohne Beam-

ALexcr

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

93) (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

„Ich muß gestehen, ich begreife Sie nicht, meine Liebe, aber ich toitt schweigen, wenn Sie es wünschen. Was beabsichtigen Sie zu tun?"

„Das kann ich noch nicht sagen. Angenom­men, — ich sage angenommen, — Lord Strat- ford Heron wäre noch am Leben und dieses Stück einer Kette führte ju dem Beweise, daß der Mör­der eine bis jetzt unverdächtige Person wäre," und Alexa dachte an Pierre Renard und seine Juwe­len. „Was dann?"

„Was dann?" wiederholte Mr. Dalton. „Sein Name würde wieder hergestellt werden. Er würde zurückgerufen und vom ganzen Lande jubelnd empfangen werden. Die Leute würden ihn im Triumph auf ihren Armen ins Schloß tragen. Sie könnten nicht genug tun, um ihm ihre Reue darüber, ihn schuldig geglaubt zu haben, und ihre Freude über seine Rechtfertigung zu beweisen. Und er würde Marquis von Montheron sein."

„Ich bin froh, daß eine solche Möglichkeit vor- Händen ist, doch wollen wir Sie nicht länger be­lästigen, Mr. Dalton", sprach Alexa, sich erhebend. „Ich hoffe. Sie in dieser Angelegenheit bald wie­der zu sehen. Morgen gehe ich nach London, werde aber bald schon zuriickkehren, wahrscheinlich mit Lady Wolga Clyffe."

Alexa war ungeduldig, den früheren Besitzer der Kette, von welcher sie ein Stück gefunden, zu ermitteln. ,

ten-Charakter im Privatdienst - Vertrage stehend, ein Ende zu machen, hat Abg. Petthoff sich an den Staatssekretär des ReichSschatzamteS ge­wandt und die Antwort erhalten, daß nach dem Etatsdispofitiv und den Verhandlungen des Reichs­tages die nur vertraglich vom Reiche beschäftigten Personen, da sie überhaupt nicht Beamte sind, zweifellos mit einmaligen Teuerungszulagen nicht zu bedenken waren. Ein Bedürfnis hierzu liege auch nicht vor, da den TeuerungSoerhält- nissen durch die Bemessung des Arbeitslohnes Rechnung getragen werde.

v. Die britischen Gäste der Stadt Berlin haben am heutigen Freitag die Heimreife ange­treten. Aus dem Bahnhof Friedrichstraße hatten sich zur Verabschiedung die Mitglieder des Empfangsausschuffes eingefunden. Den Eng­ländern wurden zum Abschiede Blumensträuße überreicht. Von beiden Seiten wurde der Hoff­nung auf ein Wiedersehen Ausdruck gegeben.

.'. Der Abg. Eiberger hat gegen das Ur­teil des Schöffengerichtes bereits Berufung eingelegt. In juristischen Kreisen erregt das Urteil Kopfschütteln und höchste Verwunderung. Eine ganze Anzahl von Rechtsanwälten, die der Verhandlung beiwohnten, sagten bei der Urteils­verkündigung nur das eine Wort: Unglaublich! Ein bekannter erfahrener Berliner Rechtsanwalt meinte, dem Abg. Erzberger könne man zu diesem Urteil nur gratulieren, denn es mache ihn erst recht populär. Die Mitteilung einiger Blätter, daß der Gerichtshof in der Begründung sagte, die Veröffentlichung der Broschüre sei aus Sensationslust erfolgt, ist falsch. Davon steht kein Wort in der Begründung. Im übrigen genügt der Hinweis, daß der Gerichtsoorsitzende im Laufe der Verhandlung selbst sagte, ob das Mißverständnis nicht durch einen Vergleich aus der Welt geschafft werden könnte; später ver­kündete das Gericht, daß für daS Mißverständ­nis eine Woche Gefängnishast verhängt worden sei. In erfahrenen juristischen Kreisen ist man allgemein der Ansicht, daß das Berufungsgericht dieses Urteil aufheben wird.

* Die Umtriebe der Flottenvereinsführer während des letzten Reichslagswahlkampfes hat dem Flottenverein auch in Westfalen Abbruch getan. Bei der am 15. d. Mts. in Dortmund abgehaltenen Versammlung des westfälischen Provinzialverbandes des Flottenvereins wurde bekannt gegeben, daß bei 900 Mitglieder aus dem Flottenverein ausgetreten sind. — In Bayern sind, wie in der jüngsten Generalver- sammlung der Ortsgruppe München festgestellt wurde 924 Mitglieder ausgetreten. Neuan­gemeldet haben sich 422 Personen. Die meisten Austritte erfolgten in Schwaben und Unter» fronten.

* Der nationalliberal-sozialdemokratische Block in Baden. Am Dienstag dieser Woche hielt der engere Ausschuß der badischen nationalliberalen Partei unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordnelen Dr. Binz eine Ver­sammlung zur Besprechung der politischen Lage, worin neben einer Reform der jetzigen Gemeinde- und Städteordnung auch das Stichwahlab­kommen der national liberalen Partei mit der Sozialdemokratie bet den badi­schen Landtagswahlen vom Oktober 1905 zur Sprache kam. Die Angriffe, welche dieses Wahl­bündnis auch in vereinzelten liberalen Kreisen erfahren hat, glaubte der engere Ausschuß der nationalliberalen Partei als eine unberechtigte

„Sie sollten nicht ohne Begleitung sein, Alexa." sagte Mrs. Jngestre. „Sie find zu jung und schön, um allein in die Welt zu gehen. Ich will Sie begleiten. Es war schon lange meine Absicht, Sir Henry Hubbert in Betreff meiner Krankheit zu konsultieren, und dies ist eine gute Gelegenheit. Ich werde Sie wieder zurückbrin­gen, verlassen Sie sich darauf."

„Darf ich Sic nach der Ursache Ihres tiefen Interesses an der Montheronschen Tragödie fra­gen, Miß Strange?" fragte Mr. Dalton, welcher in den Mienen und in dem Wesen des Mädchens etwas Geheimnisvolles fand, was seine Neugierde reizte.

„Sie werden es seinerzeit erfahren", lautete die ruhige Antwort. „Es liegt mir daran, ein großes Unrecht wieder gut gemacht und einen edlen Namen wieder hergestellt zu sehen."

„Der Einfall oder die Laune eines romanti- scheu Mädchens", sprach Mrs. Jngestre, sich eben- falls erhebend. „Roland ist gewiß ebenso besorgt, tote sonst jemand, den Namen seines Verwandten wieder hergestellt zu sehen, aber das ist, glaube ich, eine Unmöglichkeit."

Die Damen entfernten sich. Als der Wagen in dem Regen dahinrollte, blickte ihm Mr. Dalton durch die beschlagenen Fenster nach, indem er vor sich hinmurmelte:

„Des Mädchens Erfthufiasmus ist ansteckend. Wie, wenn Lord Stratford Heron noch lebte? Wie wenn sich seine Unschuld herausstellte und er wie­der zu seinem Rechte käme Seltsam, daß die Ge­schichte nach so vielen Jahren wieder an das Tageslicht gezogen wird! Ist das eine Fügung des Himmels, und ist das Mädchen ein Werkzeug der Vorsehung?"

46. Kapitel.

Zum gemeinsamen Handeln verbunden.

Am nächsten Morgen reifte Alexa und Mrs. Jngestre nach London und kehrten in einem klei-

„Nörgelei" abtun zu können, und demgegen­über sprach er sich nach Mitteilungen liberaler Blätter dahin au8, daß dieses Stichwahlabkommen eine „unbedingte Notwendigkeit" gewesen sei, und daß kein Anlaß vorliege, dasselbe zu bereuen oder sich seiner zu schämen. Nun freilich, wenn die liberale badische Regierung dem natio­nalliberal-sozialdemokratischen Block ihren Segen erteilt hat und mit demselben unter Ausschluß des Zentrums zu regieren gewillt ist, so brauchen die Nationalliberalen in Baden sich allerdings nicht zu schämen. Aber wie steht es dagegen tm Reiche? Freilich hat es auch hier bei den letzten Reichstagswahlen nicht an nationalliberalen Versuchen gefehlt, wie z. B. in Hildesheim, Köln und Worms, mit den Sozialdemokraten ein Stichwahlbündnis einzu zehen, aber dem Zen­trum soll es nun einmal zum politiichen Ver­brechen angerechnet werden, wenn Zentrums­wähler hie und da bei den Stichwahlen mit den Sozialdemokraten zusammengingen. Dieses na­tionalliberale Pharisäertum richtet sich nach den Vorgängen in Baden von selbst. Die Reichsregierung proklamiert bei den Wahlen die entschiedene Bekämpfung der Sozialdemokratie, die badische Regierung aber sagt ihr Ja und Amen dazu, daß der nationalliberal-fozialdemo- kratische Block in der badischen Kammer die Herrschast ausübt, sie liebäugelte — wenigstens unter Schenkel — deshalb sogar mit der Sozial­demokratie. Wie reimt sich das zusammen?

§ Modernes Heidentum. Nach einer Statistik aus Berlin wurden im Jahre 1904 in Berlin von 47 200 Kindern, die geboren wurden, 5890 nicht getauft; von 20730 unter Christen ge­schlossenen Ehen wurden 7388 nicht kirchlich eingeiegnet und von 32 000 Gestorbenen wurden 17 000 (allo über die Hälfte) nicht kirchlich beerdigt. Das sind surchlbare Zahlen, die den Weg inS Heidentum mit erschreckender Deutlich­keit zeigen. „So wächst mitten in der Christen- heit ein heidnisches Geschlecht heran", schreibt dazu mit Recht eine protestantische Kirchenzeitung. Was wird man von einem solchen Geschlecht nach zwei oder drei Generationen zu erwarten haben ? — Uns will scheinen, daß hier dem Evangelischen Bunde eine dankbarere Aufgabe erwüchse, wie die ewige Hetze gegen „Rom" und „Ulttomon« tanismus".

Ausland.

* Die Haager Friedenskonferenz. Um die Dauer der Arbeiten der Konferenz so­weit als möglich abzukürn, ^beantragte der Präsident Nelidow, die Zeit für jede Rede au] höchstens zehn Minuten festzusetzen. Der Vorschlag fand allseitige Zustimmung. Das Bureau sür den Nachrichtendienst an die Presse hat bezüglich der Bestimmung der Ge­schäftsordnung, nach welcher die Oeffentlichkeit zu den Plenarsitzungen Zutritt hat, die Ein- richtung getroffen, daß eine dem verfügbaren Raume entsprechende Zahl von Sitzen für die Vertreter der Preffe reserviert wird. Die armenischen und albanesischen Komitees haben an den Präsidenten Nelidow telegraphisch das Ersuchen gerichtet, die traurige Lage der Albanesen und Armenier zur Kenntnis der Kon­ferenz zu bringen. Dem Ansuchen wird im Hin­blick auf das Konferenzprogramm nicht willfahrt werden können. Der deutsche Antrag auf neu Hotel ein, in dem die alte Dame schon früher logiert hatte.

„Das Wohnhaus der Montherons ist noch ge- schlossen," sagte Mrs. Jngestre; „der Marquis hat sich irgendwo einlogiert und diniert in seinem Klub. Wenn er zur Saison kommt, bringt er seine Dienerschaft mit und öffnet sein Haus und führt ein glänzendes Leben; aber bei einem fluch, tigcn Besuche sagt ihm ein Hotel besser zu."

Es war abend und die beiden Damen begaben sich bald zur Ruhe. Alexa schlief jedoch wenig, weil sie zu aufgeregt war.

Am anderen Morgen nach dem Frühstück ließ sie sich einen Wagen bestellen und fuhr allein aus, nachdem sie dem Kutscher die Adresse genannt hatte, welche ihr Vater als die feinige angegeben hatte. Sie glaubte, daß ihr Vater in London sei und hielt es für dringend notwendig, ihn zu sehen und zunächst mit ihm zu sprechen.

Sie zog ihren Schleier über das Gesicht, als sie das kleine, mit Fremden überfüllte Logierhaus in Leicester-Square betrat. Sie begab sich in das Bureau und wandte sich an den Schreiber mit der Frage: „Logiert hier ein Mr. Strange aus Grie­chenland?"

Der Schreiber wiederholte den Namen und sah nun das Mädchen forschend an.

„Es ist schon mehr Nachfrage nach ihm gewe­sen," erwiderte er, „aber niemand hat ihn gefun­den. Er ist schon seit länger als acht Tagen fort, — nach Griechenland zurückgekehrt, so habe ich gehört."

Alexa's Herzblut stockte.

„Fort?" wiederholte sie.

„Ja, Miß. Er muß ein politischer Flüchtling oder so etwas sein. Wenn es Ihnen zur Beruhi­gung dient, kann ich Ihnen sagen, daß er glücklich fortgekommen ist, wenn er vielleicht verfolgt wer­den sollte."

„Können Sie mir sagen, wer nach ihm fragte?" forschte Alexa, kaum ihre Fassung bewahrend.

Schaffung eines internationalen OberprisengerichtS hat in den Delegiertenkreiseu einen guten Ein­druck gemacht. Die Unterstützung des Antrags durch England und die Vereinigten Staaten wird allseitig angenehm empfunden.

* Ein neuer Verlust der französischen Marine. Am Mittwoch ist int Hasen von Toulon das Unterseeboot „Gymnote" auf Grund gegangen. Menschen sind nicht zu beklagen, da daS Schiff sich in einem Bassin des Hafens befand, das es heute verlassen sollte. Durch einen unaufgeklärten Umstand waren feine Wasserbehälter geöffnet, so daß, als während der Nacht die Schleusen des Bassins geöffnet wurden, das Unterseeboot sich rasch mit Wasser füllte und unterging. Die Maschinen und Apparate find verloren. Offenbar ist der Untergang auf bofen Willen zurückzu- führen. Nach amtlicher Darstellung liegt eine Pflichtvergesienheit des Aufsehers des Trockendock Dir. 1 vor, in welchem sich das Boot zur Repa­ratur betäub.

* Die Weinüaukrisis in Frankreich. Di« Lage hat einen ernsten Charakter ange­nommen. In Narvonne venuchte eine Rotte von Bauern die Unterpräfektur in Brand zu setzen, wurde aber von Soloaten daran verhin­dert. Mehrere Soldaten und Gendarmen wurden dabei verwundet. Noch schlimmer sind die Zu­stände in Montpellier. Gegen 50000 Per­sonen drangen gegen den Justizpalaft vor, in welchem Bürgermeister Feiroul gefangen gehalten wird. Auch hier wurden zahlreiche Personen verwundet. Die Regierung wurde in der Kammer über die Vorgänge interpelliert. Minister­präsident Clemenceau erklärte, einen genauen Bericht über die Lage nicht geben zu können, da die Telegraphendrähte vielfach zerschnitten worden seien. Es feien nur einige Zivilpersonen getötet und verwundet worden, dagegen hätten Truppen und Gendarmerie fchwer gelitten. Die Kammer nahm den § 6 deS Weingesetzes an, der die Herstellung von Zucker­weinen für den Handel verbietet, dagegen die Herstellung solchen Weines für den Hausbedarf und zwar 4 Hektoliter pro Kopf den Winzern gestattet. — Am Donnersrag foll es in Star» bonne zu neuen Straßenkämpfen gekommen sein; 4 Personen wurden erschossen. Desgleichen tobte in Perpignan ein Straßenkampf. In Mont­pellier wurde die Präfektur in Brand ge­steckt. Die Minister traten noch am Abend zu einer Beratung zusammen, verweigerten aber jede Auskunft. — Anläßlich der Vorkommnisse in den Weinbaubezirken ordnete Falliäres im Einverständnis mit dem König von Siam die Verschiebung der zu Ehren des letzteren an- gesetzten Festlichkeiten an. Auch das für abends geplante Diner wurde ahgefaqt.

Die „Toleranz" der Apostaten in Oester­reich wird durch folgenden Vorgang beleuchtet. In Turn bei Teplitz, einem Städtchen von un­gefähr 10/ 00 Katholiken und ca. 2000 Protestan ten, von denen die meisten Apostaten sind, bestand bisher noch keine katholische Kirche. Seit meh­reren Jahren ist ein Baufonds und Bauplatz vorhanden, aber noch immer konnte der Bau nicht begonnen werden wegen der fortgesetzten Pro­teste der — Abgefallenen. Zwar wurden diese Proteste sämtlich von den zu stehenden Be­hörden zurückgewiesen, allein immer von neuem wird „protestiert" aus den nichtigsten Gründcn und der so noiwendige Bau hiniangehalten. Nun

„Die Namen weiß ich nicht; aber es waren Franzosen, ohne Zweifel Spione — der Eine hatte eine lange Narbe auf seiner Wange, die ihm keineswegs zur Zierde gereicht."

Alexa dachte bei dieser Bezeichnung an Pierre Renard. Er hatte ihren Vater bis hierher ver­folgt, und sie fürchtete, daß er möchte verhaftet worden fein; aber sie dachte auch, daß die Ver­haftung Lord Stratford Herons in ganz England Aussehen gemacht und auch sie davon gehört haben würde. Nein, ihr Vater war geflüchtet; aber wo war er? Sollte er England verlassen haben?

Sie dankte dcm Schreiber für die Auskunft und verließ das Hotcl. Als sie die Stufen hinab- stieg, sah sie einen Mann langsam über die Straße dem Hotel zuschreiten, in welchem sie Pierre Ren­ard erkannte. Auch er erkannte sie sofort, stieß eine leise Verwünschung aus und eilte auf sie zu.

„Parkkane!" rief Alexa dem Kutscher zu, in- dem sie in den Wagen stieg. Der Kutscher machte die Tür zu und der Wagen fuhr gerade in dem Augenblick ab, als Pierre bei demselben ankam.

„Sie ist hier gewesen, um ihren Vater zu sehen," dachte der Diener; ober ihr Vater ist nicht hier. Was nun? Sie ist sicher hierher gekom­men, um eine Botschaft an ihn zu bringen oder sein Gepäck zu holen. Ich werde gut tun, ihr zu folgen."

Er nahm einen in der Nähe stehenden Wagen und beauftragte den Kusscher, Alexa's Wagen zu folgen, den er ihm anzeigte.

Alexa fuhr nach dem Haufe der Lady Wolga Clyffe, wo sie gleich empfangen wurde.

Lady Wolga saß in einem Schankelstuhl am Kamin, stand aber bet Alexa's Eintritt rasch auf, eilte ihr entgegen und umarmte sie freudig wie eine Schwester.

„Es freut mich sehr, Sie zu sehen, mein Kindl" rief sie, des Mädchens Hut abnehmend und diese zu einem Sitz am Feuer führend. _ s.DaS ist eine angenehme Ueberraschung. Aber wie kam es, daß Sie zu dieser Stunde eintreffen?'