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Kotati ourdruS u. Verlag der siuldaer Ar» tiendreckerei in Hulda. Hernsprecher Nr ».
M 137.
Fulda, Dirnstag den 18. Ium 1907.
34. Jahrgang.
* Die lmlWchen Vslksjtzuüehrer nnd die KeliM.
Frankreich wird systematisch zur Revolution erzogen. In der Armee ist man schon soweit, daß man Soldaten Urlaub erteilt, um eine revolutionäre Bewegung mitzumachen. Aber in der Schule erst! Da wird den Kindern von glaubenslosen Lehrern bereits im zarten Alter die Opposition gegen Gott und Vaterland in's Herz gepflanzt. Für sich selbst verlangen diese Jugenderzieher nichts weniger als das Streikrecht und sie haben ein Syndikat gegründet. um ihre Forderungen durchzusetzen. H. Egelhaaf (Stuttgart) schreibt darüber in den .Zeitfragen'.' „Die französischen Volksschullehrer sind zum Teil so
sozialistisch verseucht,
daß sie gegen das Militärwesen als eine unmenschliche Einrichtung auftreten, den Rekruten das Recht zusprechen, beim Ausruf nicht zu erscheinen, und daß sie auch gegen die Religion, welche ja für die Sozialisten längst nicht mehr Privatsache ist, ankämpfen. Es ist in letzter Zeit zu Dingen gekommen, welche man in der Tat nicht mehr für möglich halten sollte. Ein Schullehrer, der zugleich Ratsschreiber ist, und also doppelten Einfluß in seiner Gemeinde besitzt, hat jedes Kind, das zur Meffe geht oder gar sich firmen läßt, (soll wohl heißen, zur ersten hl. Kommunion geht. D. Red.) damit bedroht, daß es kein Abgangszeugnis erhalten werde. Die Eltern wagten nicht, sich zu beschweren; der Bürgermeister oder sein Ratsschreiber könnten es ihnen ankreiden, und dann, an wen sollten sie auch ihre Beschwerde mit Aussicht auf Erfolg richten? Ein andermal ist ein Mädchen von sieben Jahren am Sonntag zur Messe gegangen. Montags in der Schule bekommt es den Befehl, auf einen Tisch zu steigen und das Batemnser herzusagen. „Unser Vater, der du bist im Himmel." — „Wie, dein Vater ist im Himmel? Ich habe ihn ja eben erst über die Straße gehen sehen!" Die ganze Schule lacht zusammen, „Unser tägliches Brot gib uns heute." — „Was ? Dein Vater gibt dir kein Brot? Er ist doch ein Bäcker!" Die Kleine erstickt vor Angst und Scham über das Hohngelächter; aber sie muß bis zu Ende beten, immer unter ähnlicher Der- spottung. Am nächsten Sonntag geht das Kind gleichwohl wieder zur Messe. Es muß Montag wieder auf den Tisch und das Ave Maria beten. „Gegrüßet seist du Maria." — „Wie, du kennst sie also, diese Frau, weil du sie grüßest? Man grüßt doch nur die Leute, die man kennt!" Da steht ein Knabe von zehn Jahren auf und sagt: „Herr Lehrer, was Sie tun, ist sehr schlecht und die Mama der Kleinen wird das nicht erlauben." Ehre dem kleinen Ritter, der es wagte, der gepeinigten Schulgenoffin zu Hilfe zu kommen, und dem schofeln Kerl, der seine amtliche Stellung schnöde mißbraucht und seine angebliche Begeisterung für die Freiheit durch sein Benehmen Lügen straft, ins Gesicht zu sagen, was er fei, und die geheiligten Rechte der Eltern über ihr Kind zu verteidigen! Wenn man wegen «twaS an den Franzosen nicht verzweifeln darf, jo ist es nicht wegen der Lehrer, welche sich so wie geschildert, benehmen, sondern wegen deS tapferen Knaben, in dem der Anstand und die
Ehre so lebendig find, daß er sich zu erheben und dem Lehrer in's Gewissen zu leben wagt.
Erst kürzlich hat em Mann von großem wissenschaftlichen Ansehen, der Professor der französischen Revolutionsgeschichte an der Pariser Universität, Aulard, in den annales de la jeunesse laique (Jahrbücher der Laienjugend) es nackt und klar ausgesprochen: „Die Aufgabe unserer Lehrer vom freien Denken ihres Daseins Grund und ihr Ziel, ist die
Auflösung der Religion
(de desagreger la religion). Sagen wir nicht mehr: wir wollen die Religion nicht zerstören. Sagen wir vielmehr im Gegenteil: „Wir wollen die Religion zerstören." Was Aulard als Losung ausgibt, das wendet die freidenkerische Lehrerschaft im letzten Provinzdors so, wie oben geschildert, folgerichtig an und foltert das kleine katholisch erzogene Mädchen auf dem Schultisch. Detruisons la religion! Rieder mit der Religion! Im gleichen Sinne hat die ,Rundschau des Volksunterrichts', welche 14,000 Abonnenten hat, erklärt: „Der Feind ist die Kirche, und die Tyranneien, welche sie schützt und schirmt: die militaristische, kaäilalistische und bürgerliche Tyrannei, alle Kasten, alle Pfaffereien!" In derselben Zeitschrift wird dem Unterrichtsminister zugernfen: „Wir sind etliche 30,000 sozialdemokratische Lehrer, d. h. einer auf vier. Dazu kommen 30,000 bis 40,000 radikal - sozialistische. Wie tut Ihnen das, Herr Minister? Sie brauchen nicht erstaunt zu sein, wenn in einigen Jahren Ihr Nachfolger an der Spitze von 80,000 sozialdemokratischen Lehrern stehen wird."
Es ist kein Wunder, wenn angesichts solcher Zustände sich auch die Gegenwehr regt und vor etwa acht Wochen in Paris ein
„Verein gegen die schlechten Lehrer" sich gebildet hat. Der bekannte Schriftsteller Maurice Barräs, sonst einer der eifrigsten Nationalisten, hat diesmal ins Schwarze geschossen und in einem öffentlichen Vortrage, den er im Saal Wagram am 16. März in Paris gehalten hat, und auS dem wir einiges mitgeteilt haben, die ganze Gefahr meisterhaft beleuchtet, von welcher Frankreich durch die „schlechten Lehrer" bedroht ist. „Wir bezahlen diese Leute mit unserem Selbe," rief er aus, „und man kann nicht von uns verlangen, daß wir das tun, damit sie unsere Kin- der planmäßig vergiften! Wir wollen nicht, daß unser Volk durch solche Gesellen aller seiner sittlichen Reichtümer verlustig werde, daß ihm die Ehrfurcht vor dem ewigen Guten, der Glaube an Gott, Unsterblichkeit und menschliche Verantwortlichkeit aus dem Herzen gerissen werde! Wir wollen nicht, daß die 60 Prozent tüchtiger, moralisch und patriotisch noch nicht verseuchter Lehrer allmählich dem Ansturm der Verheerer alles Hohen und Edlen erliegen. Familienväter! Auf! Verteidigt euch, indem ihr angreift!" Der Verein will jeder Art von Uebergriffen, rote rohe sie schilderten, enrgegentreten, und man kann Frankreich nur wünschen, daß er Erfolg hat, und nicht nur Frankreichs Sache fleht dabei auf dem Spiele. Die Gefahr droht überall, wenn sie auch anderswo "•;t weniger groß fein mag als dort.
ALeLcr
oder
Auf geheimnisvollen Wegen.
Roman von Eduard Wagner.
87] (Nachdruck verboten.)
Der Diener hielt die Laterne hoch, sah nach der Lür und lauschte wieder. Als er nichts Verdäch- tiges sah und hörte, stellte er die Laterne aus den l^irg, legte beide Hände auf eine der kleinen Fi- .guren und zog dieselbe mit großem Kraftaufwand aus ihrem Sockel. Aus der Höhlung, welche tiefer war, als zur Befestigtmg nötig, nahm er ein kleines hölzernes Kästchen. Dann setzte er sich auf den Sarg, stellte die Laterne neben sich, zog einen kleinen Schlüssel hervor, welchen er an einer silbernen Kette unter den Kleidern trug und schloß das Kästchen auf. Es war mit Watte ausgelegt, und als Pierre Renard die obere Schicht wegnahm und das Innere gegen das Licht hielt, gewahrte Alexa eine Anzahl Edelsteine, in welchen sie sofort beim ersten Blick Diamaitten von sehr hohem Werte erkannte.
Alexa wurde bleich und hielt sich an dem Türpfosten fest. Endlich hatte sie für ihren Verdacht einen bestimmten Anhalt gefunden! Hier lagen die Beweise für ihres Vaters Unschuld! Hier die Beweise, daß Pierre Renard der Mörder ihres Onkels war. Endlich! Endlich!
Sie erinnerte sich aus der Erzählung ihres Vaters, daß ihr Onkel eine Sammlung von Edelsteinen besessen, welche einen Wert von mehr als fünfzigtausend Pfund repräsentierten. Nach dem Morde konnten diese Steine nirgends aufgofun- den werden. Von einigen wurde angenommen, Lord Stratford Heron habe sie geraubt, anberc meinten, der Marquis habe sie womöglich vergraben, um dieselben vor Einbrechern zu schützen.
Und hier waren die verschwundenen Juwelen, — oder wenigstens ein Teil derselben, — in den Händen Pierre Renardsl
Er schüttelte die Steine aus, ließ sie durch feine Hände gleiten und geberdete sich wie ein Geizhals, der seine Schätze durchwühlt. Endlich nahm er einen Stein aus der Sammlung, steckte ihn in einen kleinen Lederbeutel und verbarg ihn auf der Brust. Dann versenkte er das Kästchen wieder und setzte die Figur darauf.
Alexa wartete nicht, bis er damit fertig war, sondern stieg so rasch wie möglich, aber doch geräuschlos, die Treppe hinaus und begab sich auf ihren Platz in die Loge zurück. Sie begriff, warum Renard zu dieser Zeit die Ruinen besuchte. Wahrscheinlich hatte sein Herr ihn von seiner am nächsten Morgen bevorstehenden Reise in Kenntnis gesetzt, und da die Ruinen nun gesäubert und spä- ter von den Besuchern besichtigt wurden, bot sich ihm vielleicht keine so günstige Gelegenheit wieder, die Gruft zu besuchen.
Sie wußte wohl, daß er verschwenderisch war und ein Vergnügen darin fand, recht viel Geld auszugeben. Wahrscheinlich verkaufte er nach und nach diese Diamanten, um sich das Geld zur Befriedigung seiner Leidenschaften zu verschaffen.
Was aber sollte sie tun? Vor allen Dingen wollte sie ihren Vater sehen und ihm ihre wichtige Entdeckung mitteilen. Die Behörden konnte sie nicht eher davon benachrichtigen, bis sie ihren Vater gesprochen. Dann stiegen aber auch in ihr Zweifel auf, ob Renard's Schuld als unbedingter Beweis von ihres Vaters Unschuld angesehen werden würde. War der Besitz der Steine ein unbedingter Beweis, daß Pierre Renard seinen früheren Herrn, den er zwar haßte, ermordet hatte?
„Mein Werk ist noch nicht vollendet," dachte sie seufzend. „Es ist ein guter Anfang, aber ich habe noch eine schwere Arbeit vor mir. Ich will noch hier bleiben und das so lange verschlossene Schlafzimmer des ermordeten Marquis besichtigen. Wenigstens habe ich mich von der Schuld Reuard'S
Deutscher Reich.
Berlin, 17. Juni (907.
* Kaiserliche Einladungen zur Nordlandfahrt sind, wie alljährlich, auch in diesem Sommer wieder erfolgt. Der Kaiser hat auch jetzt wieder die ihm seitens der Direktion der Hamburg- Amerika-Linie zur Verfügung gestellten Freiplätze zu einer Nordlands fahrt an eine Anzahl von Gymnasial- und Realschuldirektoren, sowie an andere Gelehrte verteilen und die Herren als Gäste einladen lassen. Die Reise erfolgt an Bord des Doppelschraubendampsers „Meteor" und findet vom 18. Juni bis 1. Juli statt.
* Kaiser und „antiultramontaner Rcichsvcr- baud". Der „Täglichen Rundschau" zufolge hat der Reichskanzler am Samstag auf ein an den Kaiser gerichtetes Huldigungstelegramm des Eisenacher Delegiertentages des antiultramontanen Reichsverbandes an den Vorsitzenden des Verbandes, Admiral v. Knorr, folgendes Antworttcle- gramm gesandt: „Seine Majestät der Kaiser und König beauftragen mich, Ew. Exzellenz für die patriotische Begrüßung des neu gegründeteil—Verbandes allerhöchsten Dank zu übermitteln. Seine Majestät hoffen, daß der Verband, der sich gegen eine Vermischung von Religion und Politik wendet, in deneigenenReihendiesem Irrtum keinen Raum geben und nicht vergessen wird, daß eine Besserung unserer politischen Verhältnisse nur auf der Basis der Parität d e r K o n f ef s i o ne n möglich ist. " Das ist ein Programm, dem wir „Ultramontane" von Herzen znstinimen föimen. Was soll ober der antinltra- montane Reichsverband damit anfangen?
* Fürst Löwenstein, der in dem Dominikanerkloster zu Benloe fein Leben beschließen will, findet jetzt auch in der gegnerischen Presse Anerkennung; so schreibt selbst das „Berl. Tagebl.": „Alles in allen: ein bewegtes politisches Leben, das nun hinter den Klosternrauern verschwindet — ein Mann, der große Ziele suchte und mit großen Mitteln känlpfle. Aus der historischen Ferne betrachtet, kann man ihm selbst vom anderen Lager ans die Anerkennung nicht versagen — er trug wie jener sagenhafte König eine Rüstung, die heute in seinem Lager niemand mehr paßt. Wie sehr ist früher auch dieser edle Mann bekämpft worden? Aber es sind nicht die schlechtesten Früchte, an denen Wespen nagen, das müssen wir uns stets vor "Augen halten.
* Eine niedliche Fälschung gestattet sich die „Kreuzzeitnng", indem sie noch am letzten Sonn- tag schreibt, daß infolge der „Erzbergerschen Enthüllungen" gegen Sozialdemokraten vorgegangen werde; wie Staatssekretär Dernburg selbst mit- teilte, handelt es sich um Behauptungen Bebels im Reichstage. Das Benehmen dieses Blattes ist zudem höchst widerspruchsvoll; einmal setzt es an dem genannten Abgeordneten ans. daß er amtliches Material verwendet habe, und dann wiederum soll dieses nicht zuverlässig fein; es kann sich doch nur um das eine oder das andere handeln. Aber das konservative Blatt hat bis heute noch nicht seinen Lesern mitgetilt, daß das vom Abgeordneten Erzberger verwendete Material bereits jahrelang zuvor dem Reichskanzler im einzelnen unterbreitet worden ist, und daß der Abgeordnete Erzberger erst eingriff, nachdem der Reichskanzler auf diese Beschwerde hin nichts tot. Bekanntlich ist die koloniale Untersuchungskommission erst im September 1906 eingesetzt worden und dieser hat der Abgeordnete Erzberger all sein Material so- fort unterbreitet, wie man ihn hierum ersuchte. Sotjaler konnte er nicht vorgehen; das hat bekanntlich Fürst Bülow selbst noch am 3. Dezember 1906 im Reichstage anerkannt, wie schon einige Tage zuvor Staatssekretär Dernburg; aber
diese Vorkommnisse sucht das konservative Blatt hartnäckig zu vertuschen, obwohl sie in den Reichstagsakten festliegen.
* Neuregelung des WohnuirgsgeldzuschusseS. Bekanntlich steht für das Jahr 1908 eine allgemeine Aufbesserung der Gehälter für die Reichsbeamten bevor. Mit dieser muß eine Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusses Hand in Hand gehen. Wie notwendig diese ist, ist vom Zentrum wiederholt im Reichstage dargelegt worden. Jetzt melden die Berliner Blätter, daß ein bezüglicher Entwurf yusgearbeitet wird. Auf Grund eines umfassenden statistischen Materials wird geprüft, ob die Wohmmgsklasseneinteilmlg mit den örtlichen Mietsverhältnissen im Einklang steht. Es wird hierbei auch die Frage entschieden werden, ob der Anregung des Reichstags auf Differenzierung des Wohnungsgeldzuschusses für Beamte mit eigenem Haushalt und ohne solche!» zur Durchführung gelangen kann. Da nach den augestellten Erhebungen 95 Prozent aller Unterbeamten verheiratet sind, so ist diese Frage Von wesentlicher Bedeutung nur für die mittleren und oberen Beamten. Jedenfalls aber wird der bei der Pensionierung anzurechnende Teil deS Wohnungsgeldzuschusses für alle Beamten gleich bleiben.
* Prompte amtliche Bekanntmachung, Nach- dem bereits feit mehreren Tagen die Oeffentlich- feit ans der Presse erfahren hat, daß das deutsch- spanische Handelsabkommen verlängert worden ist, kommt jetzt die „Nordd. All«. Ztg." mit folgeirder Meldung: „Das durch Notenwechsel vom 12. Februar 1899 getroffene Abkommen über die deutsch- spanischen Handelsbeziehungen, ivelches infolge unserer Kündigung mit dem 30. Juni dieses Jahres außer Kraft treten sollte, ist durch Notenwechsel zwischen dem Kaiserlichen Botschafter in Madrid und dein spanischen Minister des Aeußern bis auf weiteres verlängert worden." Mehr als diese bereits überholte amtliche Bekanntmachung würde es interessiert haben zu erfahren, was man unter „bis auf weiteres" zu verstehen hat.
* Lehrer als Einjährig-Freiwillige. Die Zentralmilitärkommission des Deutschen Lehrervereins veröffentlicht jetzt statiftische Angaben über den einjährig-freiwilligen Dienst der Lehrer im Jahre 1905. Es haben in diesem Jahre von 1862 Lehrern 762 einjährig-freiwillig gedient. Der Prozentsatz beträgt 40,98 gegen 38,80 des Vorjahres.
* Der Lehrerschub nach dem Osten. Wie dem Graudenzer „Geselligen" zufolge verlautet, hat die Regierung abermals 62 Leh r e r au s Westfalen und dem Rhein la «de zunr 1. September bezw. 1. Oktober nach der Ostmark versetzt. Ueber die Wirkung dieser Maßnahme im Westen und über die Art und Weise, wie die Regierung verfährt, um „Material" für den Osten zu erhalten, wird der „Niederrh. Volksztg." geschrieben:
Der Regierungsbezirk Düsseldorf hatte in diesem Jahre das Hauptkontingent für die Ergänzung der „deutschen" Lehrerschaft in den volni- scheu Landesteilen zu stellen. In Stern- p e n ist der Doppelkursus von 2X 30 — 60 Schulamtskandidaten dem Schicksal verfallen, in jene Gegend übersiedeln zu müssen. Dagegen sind die Seminare zu O d e n k i r ch e u (mit 5 und Elten (mit 8) gnädiger abgekommen. Die jo aufgebrachte Zahl junger Lehrer, im ganzen 73, bildet aber noch keineswegs den ganzen Schub aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf nach dein Osten. Die früheren Jahrgänge haben auch eine große Zahl bereits in hiesiger Gegend provisorisch lmgestellter Lehrer abgeben müssen, die laut Revers noch zur Disposition der Regierung standen. Ter Revers spielt übrigens bei der ganzen Sache eine wesentliche Rolle. Ist der junge Mann im Älter von etwa 17 Jahren ins Seminar einge-
überzeugt, und ich werde nicht ruhen, bis ich die ganze Welt ebenfalls davon überzeugt habe!
Schleichende Schrstte verkündeten ihr, daß Rsn- arb aus der Gruft znruckgekehrt war.
Er ging an der Loge vorüber und verschwand Alexa wartete eine Weile, bis sie sicher war, daß er nicht mehr zurückkehren werde; dann stand sie auf, wischte den Staub von ihren Kleidern und begab sich in die Ruinen. Es gelang ihr, unbemerkt die Solonabe zu erreichen, wo sie noch, eine Zeit lang hin- und herging, ehe sie sich wieder in ihr Zimmer begab.
Auf dem Vorsaale begegnete sie Pierre Renard, welcher im Begriffe stand, die Treppe hinabzugehen.
Er betrachtete sie mißtrauisch.
„Wo waren Sie in diesem Regen, Mademoiselle," fragte er.
„Ich war in der Kolonade spazieren gegangen," war Alexa's Antwort.
Sie wollte an ihm vorübergehen, aber er vertrat ihr den Weg.
„Werden Sie im Schlosse bleiben," fragte er, „oder gehen Sie mit Lady Wolga nach London?"
Alexa richtete sich würdevoll auf und maß ihn mit einem Blick voll Stolz und Entrüstung.
„Es kann dem Diener Lord Montherons doch vollständig gleichgilfig sein, ob ich gehe oder bleibe," sprach sie. „Treten Sie zurück!"
Eine gebietende Bewegung mit der Hand gab ihrem Befehle mehr Nachdruck. Unwillkürlich trat Renard zur Seite und Alexa ging an ihm vorüber in ihr Zimmer. Pierre starrte noch eine Weile die Tür an, nachdem diese sich geschlossen batte.
„Sie weiß, daß ich ihr Feind bin," sprach er bei sich selbst; „sie weiß, daß ich sie töten wollte an dem Tage, als der „Heron" umschlng. Ich will nun einen dritten Versuch machen, sie zu vernichten, und ich denke, es wird mir diesmal nicht fehlschlagen. Du bist schlau und stolz, meine kleine Lady, aber Du bist Pierre Renard nicht gewachsen.
Ich darf nicht eher ruhen, als bis ich Dich zum Schweigen gebracht habe, — zu einem ewigen Schweigen."
43. Kapitel.
Eine unerfreuliche Antwort.
Der Abend kam, — der Abend des Tages, welcher für Alexa so erfolgreich verwandelt war. Der Wind hatte sich in Sturm verwandelt und brauste in gewaltigen Stößen um Mont Heron und trieb den in Strömen herabstürzenden Regen mit Macht gegen die Fenster. Die undurchdriilgliche Fin- sternis aber wurde durch die Beleuchtung des Schlosses in einem weiten Kreise gebrochen, sodaß das Schloß einem Leuchtfeuer auf hohem Berge glich.
Lord Montheron schritt unruhig in dem festlich geschmückten Salon auf und ab. Es war nicht tvahrscheinlich, daß Lady Wolga bei einem solchen Wetter Clyffebourne verlassen würde. Mrs. Jn- geftre teilte seine Besorgnis und trat in das Zimmer, um ihrem Bedenken Ausdruck zu geben.
„Lady Wolga wird gewiß nicht kommen," er- klärte die alte Dame, „es sei denn, sie beabsichtigt. Dir einen Beweis ihrer Zuneigung zu geben. Ihr seid ja auch im Stillen verlobt, glaube ich, Roland, und sie wird nicht wünschen. Dich in Deinen Erwartungen zu täuschen.
Ein mächtiger Beweggrund zwang Lady Wolga, an diesem Abend Schloß Mont Heron zu besuchen — ein Beweggrund, welchem sie nicht zu widerstehen vermochte; selbst Regen und Sturm konnten sie nicht zurückhalten.
Lord Kingscourt trat in den Salon in der festen Uebcrzeugung, daß die erwarteten Gäste ausbleiben würden, und bald nach ihm erschien Alexa in voller Gesellschaftstoilette. Es ivar auf den Schlag sieben. Lord Montheron wollte aufs neue seiner Befürchtung Ausdruck geben, als das Geräusch eines Wagens draußen vernehmbar wurde und unter dem Vorbau hielt. Freudestrahlend eilte der Marquis hinaus und empfing seine Gäste auf den Stufen des Portals. (Forts, f.)