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w°chmb«llagi: „Illustrierte Sonntagsreitung" monatrbeNage: „Zuldaer Geschichtsbläiter"

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Rabat! gewahrt.

Rotationsdruck «. Verlag der.Huldarr Ar, tiemdr ickerei In Sulöa.

Zernsprecher Ur 9.

JW 128.

Fulda, Freitag den 7. Juni 1907.

34. Jahrgang.

ALe«cr

oder

Auf geheimnisvollen Wegen.

Roman von Eduard Wagner.

74] (Nachdruck verboten.)

„Ich werde nach Frankreich gehen. Felice hat Geld genug, daß wir beide leben können; und mein Herr wird auch ein schönes Hochzeitsge- fchenk geben, wie es sich nach ■ achtzehnjährigen treuen Diensten erwarten läßt."

Es fiel AleM auf, daß Pierre Renard gegen seinen Bruder nichts von der Erbschaft erwähnte, welche er, wie er Felice sagte, von dem Onkel seiner Mutter bekommen; also mutzte die Ge­schichte von dieser Erbschaft unwahr sein. Wenn er Geld hatte, mutzte dieses in einer Weise er- worben sein, die zu verheimlichen er Grund hatte. Sie dachte an die verschwundenen Juwelen des Marquis, und ihre Ueberzeugung, daß Pierre Renard sich zur Zeit des Mordes in Len Besitz derselben gesetzt hatte, gewann immer mehr Raum und wurde immer stärker in ihrem Innern.

„Pierre", sagte Jean, zur Sache zurückkom- tnend, „eins ist gewiß: Lord Stratford Heron ist am Leben, in Griechenland, und ich habe ihn gesehen. Er versteckt sich in einer Höhle oder sonst wo und trotzt uns. Wenn er gefangen wird, be­anspruche ich wenigstens ein Teil der Belohnung, welche die Regierung für seine Wiederverhaftung ausgesetzt hat. Nun gib mir das Geld, welches Du mir für meine Dienste versprochen hast.

Pierre Renard zog ein Beutelchen hervor und gab es feinem Bruder. Dieser schüttelte die darin enthaltenen Goldstücke in seine Hand und ließ sie dann einzeln wieder in den Beutel gleiten, wel­chen er, da er die Summe richtig befand^ in die Lasche steckte.

Zweites Mt'att

15,79

in Berlin

Mannheim 11,04

36,62

Wien

Budapest 35,71

Steigerung für die-

die

13,87

12,98

15,32

27,21

Odessa Paris London New-Kork

[] Getreiöepreissteigerung.

Bereits seit Wochen sind die Getreidepreise sehr stark in die Höhe gegangen, dabei hat sich die Aufwärtsbewegung, abgesehen timt kleinen Schwankungen, in immer stärkerem Matze fortge­setzt. Für die sozialdemokratische und freihändle­rische Presse ist dieses unerwartete plötzliche Stei­gen der Getreidepreise natürlich ein gefundenes Fressen, um jetzt wieder ihren Lesern ihre altbe­kannten, abgedroschenen Phrasen über die „Wu­cherpolitik" aufgewärmt aufzutischen. In dem Fleischnotrummel hat bekanntlich diese Presse einen außerordentlichen Hereinfall erlebt. Um so erwünschter kommt ihr jetzt das Anziehen der Ge­treidepreise, um ihre Liedchen vom Brotwucher .her unterzuleiern!

Wenn nun auch ohne weiteres zugegeben wer­den mutz, datz dis Getreidepreise einen außer- ordentlich hohen Preisstand erreicht haben, so ver« gißt es jedoch diese Presse, die verschiedenen Um­stände, die den Preishochstand veranlaßt habe», mitzuteilen und zu bemerken, daß dieser nicht allein sich für Deutschland zeigt, sondern interna­tional, ja sogar in verschiedenen Ländern noch wesentlicher als in Deutschland ist. Ganz beson- ders trifft dies zu für den Weizenpreis! Die Steigerung für Weizen betrug in der dritten Maiwoche gegen Monat März nach amtlichen Be­richten für greifbare Ware pro Tonne in Mark:

Die Ursachen sind vielmehr in erster Linie in den Ernte- und Witterungsverhältnissen und ferner in den wirtschaftlichen und politischen Zuständen einzelner Länder zu suche». Zudem hat der a6* norme letzte Winter den Saaten außerordentlich geschadet. Eine schützende Schneedecke hat ver­schiedentlich gefehlt, wenn heftige Fröste, söge- nannte Kahlfröste, einsetzten. Vielfach war der Boden von Regen und Tauschnee stark durchnäßt und aufgeweicht; ein dann eintretender Frost war die Veranlassung einer gänzlichen Auswinterung. In sehr vielen deutschen Gebietsteilen mutzten ganze Fläche» Getreidelandes umgepflügt und neubestellt werden. Mancher Landwirt wird seine Aussaat nicht wiedererhalten und gezwungen sein, für die demnächstige Herbstaussaat selbst Saatge­treide zn kaufen. Auch das Frühlingswetter ist bislang den Saaten wenig günstig gewesen. Ab- wtthselnd folgten warme und naßkalte Tage ,dann Tage mit drückender Hitze, die vielerorts eine Dürre im Gefolge hatte. Dec letzte amtliche Be­richt über den Saatenstand in Preußen ist dem­entsprechend natürlich wenig günstig. Fast alle Ge- ireidearten zeigen gegenüber dem Vorjahre einen schlechteren Bestand. Nach den amtlichen Berich­ten wurde von der Anbaufläche des Winterwei­zens wegen Auswinterung umgepflügt 37,03 Pro­zent gegen nur 0,35 Proz. im Mai des vorigen Jahres. Don der mit Winterroggen bestellten Fläche mußten 3,45 Proz., von den Kleefeldern 11,27 Proz. umgepflügt werden.

Aus vielen anderen Ländern lauten die Be­richte über Saatenschädignng durch die schlechten

Für Roggen betrug . — „ .

selbe Zeit in Mannheim 21,53 M, in Wien 21,32 Mark, in Budapest 17,62 «#, in Odessa 22 82 M.

An fast allen Plätzen also eine starke Steige­rung! Die Aufwärtsbewegung für Weizen ist so­gar an außerdeutschen Plätzen' stärker als an deut­schen. Eine spezifisch deutsche Zollwirkung wird man darin wohl sicherlich nicht erlernten können.

Witterungsverhältnisse fast ebenso. Nach den An- gaben des Ackerbauamtes war der Stand des Winterweizens in -en Vereinigten Staaten von Amerika am L Mai um 7 Prozent schlechter als zu Anfang April. Dabei ist auch dort die Anbau- fläche für Winterweizen infolge Auswinterns stark zurückgegangen. Dazu kamen ferner Klagen au- Rußland und den Balkanstaaten. Einmal haben hier die Witterungsverhältnisse schädigend ge- wirkt, anderseits ist aber auch infolge von Un­ruhen, so z. B. in Rumänien, die Bestellung der Frühjahrssaat nicht rechtzeitig erfolgt, zumteil auch unterblieben. Rußland, das früher beson­ders für Roggen Exportland nach Deutschland war, war wegen der in weiten Teilen herrschenden Hungersnot gezwungen, anderswo Getreide auf­zukaufen. Infolgedessen gingen große Mengen Getreides, besonders Roggen, aus dem deutschen Osten nach den russischen Provinzen, der früher mit russischem Roggen überschwemmt wurde. Alle diese ungünstigen Witterungsberichte, zudem die wirtschaftlichen Wirren in verschiedenen Ländern müssen naturnotwendig eine Steigerung der Ge­treidepreise nach sich ziehen. Um diese Umstände als preissteigernde Momente betrachten zu kön­nen, bedarf es wirklich nicht eines sehr scharf­sinnigen Geistes. Aber von gewisser Seite möchte man lieber jetzt die günstige Gelegenheit wieder benutzen, um „olle Kamellen" über Zollpolitik, Identitätsnachweis ?c. vorzubringen. Nach dieser Richtung wird demnächst noch einiges zu sagen sein!

Eins muß allerdings überraschen bei der jetzi- gen Preissteigerung. Sie kam unerwartet! Nach den früheren amtlichen Angaben hätte man sie überhaupt nicht in dieser Schärfe erwarten sollen. Die Ernte von 1906 dürfte zu hoch geschäht sein, der tatsächliche Ertrag ist weit hinter den gehegten Erwartungen zurückgeblieben. Eine ganz zuver­lässige Erntestatistik wird wohl nie ermöglicht werden können. Aber der jetzige Apparat arbeitet zu ungenau. Eine zuverlässigere Ernteftatistik ist deshalb notwendig. Diese allein wird nicht ge­nügen können, um die Marktverhältnisse zu über­sehen. Hierzu bedarf es einer Wewegungs- und Borratsstatistik. Hoffentlich gibt die jetzige Lage eine Veranlassung dazu. Eine solche Statistik liegd nicht allein im Interesse der Landwirtschaft, sondern des ganzen Ertverbslebens.

Ein Zurückweichen der Preise wird, soweit die Steigerung auf den oben erioähnlen natürlichett Einflüssen beruht, Wohl erst bann in größerem Umfange wieder zu erwarten sein, wenn in die­sen selbst eine Wendung zum Bessern eingetre­ten ist!

r. Zum Beginn der Reiselust.

(Berliner Brief.)

Mit Pfingsten nimmt auch der Reisestrom sei­nen Anfang, vorausgesetzt, daß die Witterung nicht einen Strich durch die Rechnung macht. Dieses Jahr namentlich schien es, als ob diejenigen, die vom „Fernweh" geplagt werden, auf eine harte Probe gestellt würden. Die Pfingstwoche war verrechnet und seither ist dec schroffe Wechsel in den Temperatur- und Witterungsverhältnisien an der Tagesordnung. Derjenige aber, der sich darnach sehnt, von dem Gewühle der Großstadt und ihrem hastigen Treiben in den Geschäften und den Staubwolke» auf den Straßen fortzu­kommen, um sich fernab in einen ruhigen Winkel der Natur oder aus Wanderungen durch die von Romantik und Schönheit bevorzugten Striche neue Kräfte zu sammeln und Herz und Sinn zu stählen, läßt sich durch solch kleine Ver­drießlichkeiten nicht abschrecken: er weiß, daß er sie draußen, vielfach in noch größerem Maße, mit

„Ich muß gestehen, Pierre", sagte er dann, „daß ich fürchtete, Du würdest mir die verabredete Summe nicht auszahlen können, da ich Dich als einen Verschwender kenne. Woher bekommst Du so viel Geld, um alle Deine kostspieligen Bedürf­nisse zu befriedigen? Mylord muß Dich wie ein Fürst bezahlen. Ich möchte wohl ein Plätzchen hier im Schlosse haben."

„Logierst Du im Dorfe?"

„Ja, tm „Gasthof zu Mont Heron". Die Leute sehen mich für einen Handlungsreisenden an."

„Gehe nach London. Wenn ich Dich gebrauche, werde ich Dir schreiben. Vorläufig will ich die Sache allein weiterführen. Wenn aber eine Be­lohnung gegeben wird, will ich zusehen, daß Du einen Teil davon erhälst. Nun geh, Jean und schweige gegen jedermann!"

Sie gingen beide bis zur Tür der Kapelle, wo sie noch eine Weile zusammen sprachen, jedoch verstand Alexa nichts davon: dann ging Jean durch die Ruinen ins Freie, Pierre aber kam zu­rück in die Kapelle und nahm seinen vorherigen Platz wieder ein.

" Alexa ermattete in ihrer gezwungenen, unbe­quemen Stellung und ihrer langen Gefangen­schaft; ihr Nacken schmerzte von der gebückten Haltung, ihre Augen brannten von dem scharfen Durchspähen der Dunkelheit. Sie sehnte sich nach Freiheit, wagte aber nicht, sich zu rühren. Sie wußte jetzt, daß Pierre Renard ein Elender war und fürchtete sich vor ihm. Es schien ihr außer Zweifel, daß er ihren Onkel getötet hatte und jetzt nach dem Leben ihres Vaters trachtete. Sie war nur ein schwaches Mädchen, unerfahren mit den Schlichen und Ränken der Welt, wie konnte sie den Kamps mit einem solchen Menschen auf­nehmen?

„Wenn ich mich nur meiner Mutter anver- trauen könnte", dachte sie. „Vielleicht würde sie den Rat Rechtsgelehrter einholen und mir be­hilflich fein in der Wiederherstellung unserer

in den Kauf nehmen muß, wenn er, fern von jeder menschlichen Hütte, von einem niederpras­selnden Gewitterregen überrascht wird. Er weiß, daß die Luft dadurch nur angenehm erneuert wird, und frohen Mutes fetzt et feinen Weg un­verzüglich fort, um keine Minute ungenützt vor- übergehen zu lassen.

Schon ein rein äicherlicher Anlaß ist die Ur­sache davon, denn nicht immer ist die Urlaubszeit reichlich beniesten. Andererseits ist es aber sehr erfreulich, daß die Einführung eines regelmäßi­gen Urlaubs immer größere Fortschritte macht. Sogar zu Großvaters Zeiten hat man sich den Wert, der z. B. einer Luftveränderung beizumes­sen ist, nicht verschlossen. Für leicht Erkrankte ober schwächliche Personen wurde allgemein die­ses Rezept in Anwendung gebracht. Und wieviel höher ist feine Bedeutung angesichts der Nervosi­tät und Abgespamttheit in unserem Zeitaster in Anschlag zu bringen! Ein altes Sprichwort sagt: Gesund bleiben ist besser, als gesund werden. Dem Zwecke dieses Wortes dient nichts besser als ein Sommeraufenthalt fit guter Lust, er erfüllt den Höchstzweck der modernen Medizin.

Aber wohin! Seitdem wir wissen, daß es keine Entfernungen wehr gibt, ist die Wahl erst recht zur Quak geworden. Werfen wst doch erst einen Blick in die Schaufenster unserer Buchhand­lungen! Dort wimmelt es von Reiseführern und Reiseschilderungen jeglicher Art. Die Nordsee und die Alpen stehen in trautem Verein neben ein­ander, der Rhein streitet um den Vorrang mit den Schweizer und oberitalienischen Seen, und die Rhön glaubt, der Majestät des bayerischen Hochgebirges Abbruch tun zu können. Weiter kann jeder, der die großen Tagesblätter zur Zeit nur flüchtig streift, in ihrem Inseratenteil eine Fundgrube alles wissenswerten aus dem Aus­flugs- und Touristenverkehr entdecken. Früher stand die Empfehlung z. B. der Sommer frischen, eines Hotels an einem Kurorte rc. nicht so im Vordergründe, sie beschränkte sich auch verhält­nismäßig auf einen kleinen Raum. Heute ist das anders. Immer mehr drängen sich die Kollektiv- inserate vor, sei es, daß die Hoteliers eines land­schaftlich schön gelegenen Ortes sich zusammen in empfehlende Erinnerung bringen, sei es, daß die Gemeindeverwaltungen mehrerer Luftkurorte, da­für sorgen, daß ihr Distrikt nicht der Vergessen­heit anheimsällt, sei es, daß die Verkehrs- und Verschöuerungstiereine alle Vorzüge ihrer enge­ren Heimat in möglichst schönen Farben schildern und mit allerlei Bilderschmuck versehen. Auf diese Weise wird es dem Sommerfrischler sehr leicht geiitocbt, sich über dies oder jenes Auskunft zu erholen. Uebertroffen wird diese Anpreisung nur noch durch die Aushänge auf den Bahnhöfen. Nicht allein zu den hauptstädtischen Verkehrs- Mittelpunkten, sondern auch in den kleinsten und entlegensten Bahnhof des Landes haben die künst­lerisch wirkungsvollen Plakate ihren Weg ge­funden. Sie locken mit klangvollen Namen er­lesener Naturschönheiten und mit prächtigen Bil­dern verschneiter Bergesgipfel ober schäumender Meereswogen. Unter dieser Einwirkung -wächst die Sehnsucht nach einer Wanderung in die Ferne riesengroß.

Bis zu ihrer Verwirklichung gibt es aber noch vieles zu tun. Bevor die Sommerträume nur zur Reife gelangen, wird in den Familien mit Eifer genäht und gebügelt, um den Ferienstaat fertig zu bringen. Die Koffer werden unter­sucht, Rucksack und Bergstock aus dem Winter- versteck hervorgeholt. Wer das Hochgebirge zum Ziele wählt, muß Lodenmantel und Bergschube auf ihre Dichtigkeit prüfen. Die Damen, welche mehr von einem Seebade sich angezogen fühlen, überlegen mit ihrer Schneiderin die neueste Mode der Saison. Die Haupttrage aber tritt vielfach gänzlich in den Hintergrund, die Frage nämlich:

Ehre. Doch nein, sie ist von meinem Vater ge­schieden und mit dem Manne verlobt, der an mei­nes Vaters Stelle Marquis ist. Ich könnte ihr nichts sagen, selbst wenn ich das meinem Vater gegebene Versprechen brechen dürfte. Nein, ich muß allein handeln."

Sie seufzte in ihrer Hilflosigkeit.

Pierre Renard blickte erschreckt auf. So schwach auch das Geräusch des tiefen Aufatmens war, batte er es bei der herrschenden Stille doch deutlich vernommen. In diesem Augenblick flog eine Dohle aus einem Fenster, in dem Epheu ein starkes Rascheln verursachend, und Pierre Renard setzte sich erleichtert wieder nieder.

Die Zeit verstrich tödlich langsam. Die Mi­nuten schienen Alexa Sttinden zu sein. Das Ge­räusch der aus- und einfliegenben Dohlen war die einzige erleichternde Unterbrechung der pein­lichen Stille. Doch endlich, als Alexa ihre Lage unerträglich geworden war und sie zu fürchten begann,"daß sie sich werde verraten müssen, stand Pierre auf, ging durch die Kapelle und verschwand in den äußeren Ruinen.

Alexa wartete, bis sie sicher war, daß er nicht zurückkebrte; bann kroch sie aus ihrem Versteck hervor, schüttelte den Staub von ihren Kleidern und machte sich ebenfalls auf den Weg aus den Ruinen, sich vorsichtig nach Pierre Renard um­sehend. Als sie ihn nicht bemerkte, ging sie ins Schloß und auf ihr Zimmer.

„Das Licht wird Heller", murmelte sie. „All­mählich treten die Dinge schärfer hervor. Aber, wie kann ich meinen Verdacht begründen? Und wie kann ich meinen Vater vor diesem gefähr- lichen Feinde schützen? Sollte dennoch das Böse siegen und mein Vater und ich zusammen unter­gehen?" Dieser Diener hat meine Jndentität ausspioniert. Er ist mein Feind sowohl wie der meines Vaters, und rücksichtslos und schlau und droht uns zu vernichten. Mein Vater muß Eng­land verlassen und sich einen Zufluchtsort suchen. Ich sehe, daß Pierre Renard mehr auf seinem

Was ist mir am bekömmlichsten? Schlägt bei mir das Gebirgsklima besser an oder habe ich von der Seeluft mehr Gewinn? Für Kranke wird ja in der Regel der Rat des Arztes eingeholt, der Gesunde aber überlegt sich diese Frage nicht immer. Tatsache ist ja auch, daß sich eine allge­meine Regel über die Bekömmlichkeit dieser oder jener Gegend nicht auffteCen läßt. Immerhin gibt es aber doch mancherlei Gesichtspunkte, welche die Wahl erleichtern. Das Höhenklima zeichnet sich durch einen verminderten Luftdruck aus und erzeugt infolge besten mancherlei Veränderungen im Blute durch Vermehrung dec Blutkörperchen. Darum ist Höhenluft vielfach für Blutarmut an­gezeigt. Die Wirkung wird durch die Klarheit der Luft und die stärkere Sonnenstrahlung noch erhöht. Das Seeklima ist von wesentlichem Ein­fluß auf die Atmungsorgane dank des Salzge­haltes der Luft und der gleichmäßigeren Tages- und Nachttemperaturen. Nachteilig wirken aber Nebel und Feuchtigkeit, namentlich bei Neigung zu Rheumatismus. Auf diese Gesichtspunkte darf auch jener achten, welcher nur zu seinem Vergnügen den Urlaub da oder dort verbringen will. Im letzten Grunde handelt es sich immer nur um eine Erholung und diese soll in einer Förderung der Gesundheit bestehen.

Ein gut ausgenützter Sommerurlaub dient aber auch derErweiterungdesGesichts- kreises und der Bereicherung beS W i s f.e n s. Wir denken namentlich an die Be­wohner der Großstadt, welche jahraus, jahrein an ihre Hänsergevierte gebannt sind. Wie viele Kinder der Großstadt gibt es, die noch nie ein wogendes Aehrenfeld gesehen haben, denen ein Berg oder ein murmelnder Quell etwas Fremdes ist, von dem sie nur in der Schule etwas hören! Wie viele gibt es, die weder eine Viehherde aus 1 der Weide, noch je einen Schafstall aus eigener Anschauung kennen gelernt haben! Wie viele unserer Großstadtkinder sind zu zählen, die noch nie die roten Kirschen am Baume sahen, noch nie die schmackhaften Erdbeeren im Walde pflücken konnten, noch viel weniger je eine Weintraube von der Rebe abschneiden konnten! Da sorgen nun die Ferienkolonien in prächtiger Weise für die Erschließung und Vertiefung des kindlichen Gemütes. Wenn die Sommerreise die kleinen Kolonisten mitunter auch nur in ein bescheidenes Dörfchen führt, so geht ihnen doch eine Fülle von Bildern auf, die sie nie geahnt haben und an denen sie noch monatelang zu zehren haben. Der Kommis aber, welcher gewohnt ist, das Jahr hin- durch hinter dem Labenpult zu stehen, ober das Nähmädchen, welches Tag für Tag die stinkige Luft des Arbeitszimmers mit zwei Dutzenden seiner Kolleginnen teilt, freuen sich der wenigen Tage, die sie der Urlaub in eine landschaftlich schöne Gegend führt. Hat doch mancher den Fuß kaum über das Weichbild der Großstadt gesetzt, noch viel weniger den Wunsch, ein größeres Stück Welt kennen zu lernen, stillen können. Jetzt aber sehen sie ihre Träume verwirklicht, an deren Er­füllung sie vielleicht nie gedacht haben. So übt der Reiz der-Neuheit auf allen Wegen und Ste­gen einen ewig jungen Zauber aus.

Bei all dem darf aber eines nicht vergessen werden, ja es muß sogar ganz in den Vordergrund treten. Das ist der Geldbeutel. „Strecke dich nach der Decke", heißt es beim Reisen, speziell in eine Sommerfrische, mehr denn je. Ist es in diesem Punkte nicht gut bestellt, bann ist^es viel bester, feine Sommerreise nur auf den Flügeln der Phantasie zu machen, als mit wundem Her­zen und leerer Tasche vorzeitig zurückkehren zu 'nüsten.

Gewissen hat, als er seinem Bruder offenbaren konnte. Wird es mir möglich fein, mich gegen ihn zu schützen, — und meinen Vater?"

36. Kapitel.

Eiu vereitelter Schurkenstreich.

Lady Wolga Clyste war durch die scheinbare Unaufrichtigkeit und durch die Verschlossenheit Alexa's tiefer verwundet, als das Mädchen es denken konnte. Stolz wie sie war, eisig kalt und abstoßend wie sie schien, hatte ein instinktartiges Gefühl, ihr selbst unerklärlich, ihr Herz für Alexa erwärmt, und sie hatte sie tm Laufe der letzten Wochen lieb gewonnen mit einer leidenschaftlichen Zärtlichkeit, deren nur edle Naturen fähig sind. Des Mädchens scheinbare Undankbarkeit und Un- Würdigkeit versetzten ihrem Herzen einen harten Schlag. Sie hatte die Nacht vor Alexa's Abreise nach Mont Heron nur wenig geschlafen, und erft, nachdem diese fortgefahren, verfiel sie in einen kurzen Schlaf infolge gänzlicher Erschöpfung.

Sie erwachte mit einem bitteren Gefühl des Verlassenfeins. Es war ihr so Weh, so traurig um's Herz, als habe sie ihr Liebstes ins Grab gelegt.

Die Gesellschaft ihrer Gäste war ihr zuwider, sie blieb stundenlang in ihrem Zimmer, still und traurig. Ihr Vertrauen zu Alexa hatte einen harten Stoß erlitten; und doch dachte sie an die Reinheit und Unschuld und kindliche Lieblichkeit ihres Gesichts. Dann zweifelte sie an ihrem eige­nen Urteil und wollte dem Schein nicht glauben, der ihr ein falscher schien. Sie sagte sich, daß sie noch in ihre junge Gesellschafterin Glauben und Vertrauen fetzen wolle, daß der Mann, mit dem diese des Abends im Garten gewesen war, doch Lord Kingscourt gewesen sein möchte, obwohl Lady Markham entschieden das Gegenteil behaup­tete und dieses von Alexa zugestanden worden war. Vielleicht war sie zu stolz gewesen und batte sich zu tief verletzt gefühlt, um die Wahrheit zu sagen.

^Fortsetzung folgt.)